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Mesopotamische Archäologie

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„Mesopotamische Archäologie“ ist ein weiteres E-Book aus unserer Reihe zur Geschichte der Region des Fruchtbaren Halbmonds. Dieses Standardwerk ist eine wertvolle Hilfe für Ihr Selbststudium der Region und ihrer Geschichte. Sie können es beliebig oft kopieren und ausdrucken. Es ist Teil einer größeren Sammlung, die wir im Laufe der Zeit hier ergänzen werden.

Mesopotamische Archäologie von Project Gutenberg, von Percy SP Handcock. Dieses E-Book ist kostenlos und nahezu uneingeschränkt für jedermann und überall nutzbar. Sie dürfen es kopieren, weitergeben oder gemäß den Bedingungen der Project Gutenberg-Lizenz, die diesem E-Book beiliegt oder online unter www.gutenberg.org einsehbar ist, wiederverwenden. Titel: Mesopotamische Archäologie – Eine Einführung in die Archäologie Mesopotamiens und Assyriens. Autor: Percy SP Handcock. Veröffentlichungsdatum: 26. März 2014 [E-Book Nr. 45229]. Sprache: Englisch. Zeichensatzkodierung: UTF-8. *** START DIESES PROJECT GUTENBERG E-BOOKS: MESOPOTAMISCHE ARCHÄOLOGIE *** Erstellt von Delphine Lettau, Turgut Dincer und dem Online Distributed Proofreading Team unter http://www.pgdp.net






Anmerkung des Transkribenten:

Einige Namen mit unterschiedlicher Schreibweise wurden nicht korrigiert, da es sich dabei möglicherweise um alternative Schreibweisen für dieselbe Person oder denselben Ort handelt.

Das Titelbild wurde vom Transkriptor erstellt und ist gemeinfrei.

\"Frontispiz\"

MESOPOTAMISCH
ARCHÄOLOGIE

EINE EINFÜHRUNG IN DIE ARCHÄOLOGIE BABYLONIENS UND ASSYRIENS. VON PERCY SP HANDCOCK, MA MIT ZAHLREICHEN ILLUSTRATIONEN, AUCH KARTEN

"----------"

LONDON: MACMILLAN AND CO. LTD. UND PHILIP LEE WARNER, ST. MARTIN'S STREET. MDCCCCXII


GEWIDMET FÜR

BIN HERR

IN ANERKENNUNG

VON VIELEN FREUNDSCHAFTSAKTEN


VORWORT

IIn jedem Wissenschaftsbereich werden die Theorien von gestern ständig durch die empirischen Fakten von heute verdrängt, obwohl die Feststellung dieser Fakten häufig das indirekte Ergebnis der Theorien ist, die durch die Fakten selbst widerlegt werden. Daher haben die Werke der größten Gelehrten und Experten keine Endgültigkeit, sie sind nur Trittsteine ​​auf dem Weg zum Ziel vollkommenen Wissens. Seit den Veröffentlichungen von Layard, Rawlinson, Botta und Place wurde viel neues Material für die Rekonstruktion der historischen Vergangenheit der Babylonier und Assyrer zugänglich gemacht, und wir sind daher in der Lage, viele Lücken in dem Bild zu füllen, das die Pioniere auf dem Gebiet der Ausgrabungen und Forschungen so bewundernswert und, soweit es ging, so getreu gezeichnet haben. Dieses Werk, das seinen Ursprung einer Anregung von Dr. Wallis Budge verdankt, stellt den Versuch des Autors dar, im Lichte dieses neuen Materials einen kurzen Bericht über die Zivilisation des alten Babylonien und Assyriens zu geben.

Es ist zu hoffen, dass die Unendlichkeit der Aktivitäten und Beschäftigungen, die die Zivilisation eines Landes ausmachen, es rechtfertigt, dass der Autor so viele Themen in einem einzigen Band behandelt. Es wird bemerkt, dass der Raum, der der Betrachtung der verschiedenen Künste und Handwerke zugewiesen wird, einerseits je nach der relativen Bedeutung der Rolle, die jedes im Leben der Menschen spielte, und andererseits je nach der Menge des für das Studium des jeweiligen Themas verfügbaren Materials variiert.

Es wurde keine Mühe gescheut, die Kapitel über Architektur, Skulptur und Metallurgie so umfassend zu gestalten, wie es die Beschränkungen des Bandes erlauben, während fürSeite viiiFür diejenigen, die sich eingehender mit einem der in diesem Buch behandelten Themen befassen und die Skizze zu einem Bild ausarbeiten möchten, ist am Ende eine kurze Bibliographie angegeben.

Die Anhäufung einer großen Zahl von Verweisen in den Fußnoten wurde nicht für wünschenswert gehalten, und der Autor wird dadurch daran gehindert, bei jeder Gelegenheit seine Dankbarkeit gegenüber den Werken anderer Autoren anzuerkennen, wie er es gern getan hätte.

Zusätzlich zu den Kapiteln, die sich ausdrücklich mit der kulturellen Entwicklung der Bewohner Mesopotamiens befassen, sind zwei Kapitel der Betrachtung der Keilschrift gewidmet – ihrem bildlichen Ursprung, der Geschichte ihrer Entzifferung und der Literatur, deren Träger sie ist, während ein weiteres Kapitel einen historischen Überblick über die Ausgrabungen bietet. Die kurze chronologische Zusammenfassung am Ende erhebt offensichtlich nicht den geringsten Anspruch darauf, eine umfassende Zusammenfassung zu sein; sie soll lediglich die allgemeine chronologische Reihenfolge einiger der bekannteren Herrscher und Könige Babyloniens und Assyriens wiedergeben, auf die in diesem Band Bezug genommen wird, zusammen mit einer Anmerkung zu einigen der bedeutenderen Meilensteine ​​in der Geschichte der beiden Länder.

Der Autor dankt den Treuhändern des British Museum für die Erlaubnis, einige der Objekte der babylonischen und assyrischen Sammlungen zu fotografieren, und Dr. Wallis Budge für die Erleichterungen und Ermutigung bei der Durchführung der Arbeit; der University of Chicago Press für die Erlaubnis, Abbildungen aus der Amerikanisches Journal für semitische Sprachen und auch Diagramme aus Harper's Memorial Volumes; an M. Ernest Leroux für die Erlaubnis, einige der in den monumentalen Werken von De Sarzec und Heuzey enthaltenen Tafeln zu verwenden, und an M. Ch. Eggimann von der „Libraire Centrale d'art et d'architecture ancienne maison Morel“, für seine freundliche Erlaubnis, zwei der in Dieulafoy enthaltenen Tafeln zu reproduzieren, L'ArtSeite ix Antique de la Perse. Ebenso ist er der Deutschen-Orient-Gesellschaft zu Dank verpflichtet, die ihm erlaubte, eine autotypische Kopie einer der Platten in Andraes Der Anu-Adad Tempel. Er möchte sich außerdem bei Prof. HV Hilprecht für seine Großzügigkeit bedanken, da er ihm erlaubt hat, viele der in seinen zahlreichen Veröffentlichungen enthaltenen Abbildungen zu verwenden, sowie bei Dr. Fisher, der ihm gestattet hat, einige der in seinem großartig illustrierten Werk über die Ausgrabungen in Nippur enthaltenen Fotografien zu reproduzieren. Er ist sich seiner Schuld gegenüber diesen beiden Herren sowie gegenüber M. Leroux und der Deutschen-Orient-Gesellschaft sehr bewusst, da die Fotografien der laufenden Ausgrabungen offensichtlich einzigartiger Natur sind und keine Wiederholung zulassen; außerdem möchte er Dr. W. Hayes Ward für seine freundliche Erlaubnis danken, eine Reihe von Siegelabdrücken und anderen Abbildungen aus seinem kürzlich veröffentlichten Werk zu kopieren –Rollsiegel aus Vorderasien. Abschließend möchte er sich bei Herrn Mansell für seine Freundlichkeit bedanken, da er ihm erlaubte, viele Fotos von Objekten des British Museum und des Louvre aus seiner unvergleichlichen Sammlung zu veröffentlichen und die Illustration dieses Bandes auf andere Weise erleichterte. Die meisten der für diesen Band verwendeten Pläne und Zeichnungen stammen von Miss EK Reader, die ihre Aufgabe mit ihrer üblichen Geschicklichkeit ausgeführt hat.

PSPH

März, 1912.


x

ERRATA UND KORRIGENDA

S. 6, Z. 3,für  2500 bc besuch 2400 bc
S. 6, Z. 18,für  2500 bc besuch 2400 bc
S. 43, Z. 7vom Fuß,besuch sowohl französische als auch englische Entdecker
S. 62, Z. 2,für  erheblich besuch viel
S. 89, Z. 5,für  ± besuch -
S. 110, Z. 2,für  2500 bc besuch 2400 bc
S. 125, Z. 7vom Fuß, für  or besuch und
S. 130, Z. 23,für  2400 bc besuch 2350 bc
S. 155, Z. 31,für  mit besuch haben
S. 235, Z. 9vom Fuß, für  Sumu-la-ilu besuch Sumu-ilu
S. 247, Z. 1,für  2500 bc besuch 2400 bc
S. 249, Z. 35,nachdem Grobheit besuch diese Köpfe

Die auf den Tafeln VII bis XI aufgedruckten Bezugsnummern sind ungenau und sollten in Übereinstimmung mit dem Abbildungsverzeichnis und den Verweisen im Text wie folgt geändert werden:—

Aktuelle Nummer
und Position
Richtige Nummer
und Position
Zikkurat von Ashur-naṣir-palVII Zugewandt p. 64VIII Zugewandt p. 78
Inschriften auf TonVIII”78IX”106
Ruinierte Hügel und Court of MenIX”106X”132
Wasserleitung, NippurX”132XI”138
Ausgrabungen im Temple CourtXI”138VII”64

Seite xi

INHALT

KAPITELSEITE
I.Einführung-
(a) Land und Leute1
(b) Skizze der babylonischen und assyrischen Geschichte28
II.Ausgrabungen40
III.Entzifferung der Keilschriftinschriften85
IV.Keilschriftinschriften95
V.Architektur119
VI.Skulptur181
VII.Metallurgie242
VIII.Lackierung270
IX.Zylinderdichtungen284
X.Muschelgravur und Elfenbeinarbeit309
XI.Terrakottafiguren und Reliefs317
XII.Steingut und Keramik325
XIII.Kleidung, militärische Ausrüstung usw.337
XIV.Leben, Sitten, Bräuche, Gesetze, Religion364
Kurze Bibliographie406

Liste der wichtigsten Könige und Herrscher und eine kurze chronologische Zusammenfassung

408
Index411

Seite xxii


Seite xiii

ILLUSTRATIONEN

PLATTE IN FARBEN
TELLER
I.Farbiger Löwe in KhorsabadFrontispiz
PLATTEN IN HALBTON
DIREKTE SEITE
II.Kouyunjik und Nebi Yûnus (zwei Ansichten)42
Nimrud (Kalah)42
Chorsabad42
III.

Ausgrabungen in Nimrûd (Calah) im Palast von Ashur-naṣir-pal

44
IV.„Fischgott“ und Eingangspassage, Kouyunjik48
V.Tor in Tellô, errichtet von Gudea54

Südostfassade des Ur-Ninâ-Gebäudes in Tellô

54
VI.

Überreste einer Stele in einem Gebäude unter dem von Ur-Ninâ

58
Der Brunnen von Eannatum58
VII.Ausgrabungen im Tempelhof: Nippur64
VIII.Die Zikkurat und der Palast von Ashur-naṣir-pal, Ashur78
IX.

Inschriften auf Ton, die die Größen und Formen der von den Babyloniern und Assyrern verwendeten Tafeln usw. veranschaulichen

106
X.Die zerstörten Hügel von Nippur132
Gericht der Männer aus dem Nordosten, Nippur132
XI.Wasserleitung von Ur-Engur, Nippur138
XII.

Teil der „Geierstele“ von Eannatum, Patesi von Lagasch

186
XIII.Siegesstele von Narâm-Sin192
XIV.

Stele mit eingraviertem Gesetzeskodex von Khammurabi

198
Die Tafel des Sonnengottes198
XV.Flachrelief von Ashur-naṣir-pal202
Seite xivXVI.Flachreliefs von Ashur-naṣir-pal (vier Motive)204
XVII.Belagerung einer Stadt durch Rammbock und Bogenschützen206
XVIII.

Jagdszenen von Ashur-bani-pal: Löwe und Löwin in einem Garten

218
XIX.Jagdszenen von Ashur-bani-pal (zwei Motive)218
XX.

Ashur-bani-pals Jagdszenen: Wildesel mit Hunden jagen

220

Ashur-bani-pal gießt ein Trankopfer über tote Löwen aus

220
XXI.Ashur-bani-pal beim Essen liegend222
Musiker und Begleiter222
XXII.Kalksteinfigur eines frühen Sumerers224
Drei archaische Steinköpfe224
XXIII.

Kopf und zwei Dioritstatuen der Gudea; oberer Teil einer weiblichen Statuette

228
XXIV.

Statuen von Nebo und Ashur-naṣir-pal; Torso einer Frau

230
XXV.Geflügelte Genien mit Menschenkopf236
XXVI.Steinlöwe von Ashur-naṣir-pal238
XXVII.Der Kasr-Löwe240
XXVIII.

Verschiedene Objekte aus Bronze, aus Nimrûd

254
XXIX.Bronzeschale aus Nimrûd256
XXX.Verzierter Bogen in Khorsabad278
XXXI.Glasierte Ziegel282
XXXII.Elfenbeintafeln aus Nimrûd314
XXXIII.Keramik aus Nimrud und Ninive334

ILLUSTRATIONEN IM TEXT

ZAHLSEITE
1. Piktogramme97
2. Piktogramme99
3. Spätbabylonische „Vervielfältigung“ einer frühen Inschrift117
4. Ziegelstempel von Narâm-Sin117
5. Lehmüberzug der „Sonnentafel“117
6. Restaurierung des Tempels in Nippur137
7. Restaurierung des Anu-Adad-Tempels in Ashur144
Seite xv8. Restaurierung von Sargons Palast in Khorsabad151
9. Kuppeldächer in Assyrien155
10, 11. Terrakotta-Abflüsse159
12. Säulenpfeiler in Tellô161
13. Großes Säulenkapitell; kleines Säulenkapitell165
14. Spalten (verschiedene)166
15. Früher Bogen in Nippur170
16. Früher Bogen von Tellô170
17. Kragbogen in Nippur173
18. Rundbogen in Babylon173
19-22. Gewölbte Abflüsse in Khorsabad174
23. Grabkammer in Ashur176
24. Grabkammer in Ur (Muḳeyyer)176
24a. Zikkurat auf assyrischem Flachrelief180
24b. Zikkurat in Khorsabad180
25. Sechs frühe Flachreliefs182
26. Stele von Ur-Ninâ und Keulenkopf von Mesilim185

27. Zwei Fragmente der „Geierstele“; kleiner Skulpturenblock (Herrschaft Entemenas)

189
28. Fünf Flachreliefs, darunter eines von Narâm-Sin194
29. Flachrelief von Sargon, König von Assyrien209
30. Flachrelief von Sanherib; Entfernung des Steinstiers213
31. Sanherib in Lachisch215
32. Statue von Esar, König von Adab223
33. Frühe Steinstatue einer Frau224

34. Statue von Manishtusu; sitzende Frauenfigur; Kopf einer Frau

225
35. Sitzende Figur von Salmanassar II.231

36. Löwenkopf aus Stein; Figur eines Hundes; Steinfigur eines Stiers mit Menschenkopf, eingelegt mit Muschel

234
37. Kupferspeerspitze; hohles Kupferrohr243
38. Frühe Kupferfiguren245

39. Kupferfiguren von Korbträgern; Kupferfigur von Gudea

247
40. Figuren und Tierköpfe aus Kupfer und Bronze250
41. Zwei assyrische Schwerter; eine assyrische Axt254
42. Bronzeschale257
Seite xvi43, 44. Bronzene Torbänder259, 260
45. Silbervase von Entemena265
46. ​​Farbiger Relieflöwe aus Ton aus Babylon274

47. Farbiger Stier in Babylon; Farbiger Stier in Nimrûd (Calah)

275

48. Drei Rollsiegel; Tontafel mit Siegelabdruck

285
49-77. Abdrücke von Rollsiegeln289-307
78-83. Gravuren auf Muscheln310-312
84. Geschnitzte Elfenbeintafel aus Nimrûd314
85. Frühe Terrakottafiguren318
86. Terrakottafiguren späteren Datums320
87. Terrakotta-Figur eines Hundes323
88. Terrakotta-Plakette mit Hund und Wärter323
89. Steinvase von Narâm-Sin328
90. Dekorierte Steinvase aus Gudea328

91. Drei Steingefäße, von denen eines die Inschrift Sanheribs und ein anderes den Namen Xerxes trägt; ein kleines Glasgefäß von Sargon

330
92, 93. Zwei frühe Tontöpfe aus Nippur332
94. Bumerangförmige Waffen342
95. Assyrischer Schmuck348
96, 97. Kämme349

98, 99. Fußspeerkämpfer und Fußbogenschützen der ersten assyrischen Periode

350
100-102. Bogenschützen in der Regierungszeit Sargons351
103-105. Bogenschützen in der Regierungszeit Sanheribs352
106, 107. Assyrische Kavallerie354, 355
108. Assyrische Streitwagen356
109. Assyrische Helme und Kopfbedeckungen357
110. Assyrische Angriffswaffen358
111. Rammböcke und Schilde360
112. Marineausrüstung der Assyrer362
113-115. Babylonische Embleme396-398
MAPS
(1) Mesopotamien, (2) BabylonienOrdner am Ende

Seite 1

Mesopotamische Archäologie

KAPITEL I – EINFÜHRUNG

(a) LAND UND LEUTE

TDie mesopotamische Zivilisation teilt mit der ägyptischen die Ehre, eine der beiden frühesten Zivilisationen der Welt zu sein, und obwohl MJ de Morgans Ausgrabungen in Susa, der zerstörten Hauptstadt des alten Elam, Elemente einer fortgeschrittenen Zivilisation ans Licht gebracht haben, die vielleicht sogar älter ist als die Mesopotamiens, darf nicht vergessen werden, dass die Sumerer, die nach unserem heutigen Kenntnisstand als erste die Lebenskünste und alles, was sie mit sich bringen, in das tief gelegene Tal des Tigris und Euphrat brachten, wahrscheinlich selbst von der elamitischen Hochebene östlich des Tigris ausgewandert sind. Auf jeden Fall drückten die Sumerer sowohl „Berg“ als auch „Land“ mit demselben Schriftzeichen aus, da die beiden aus ihrer Sicht anscheinend synonym sind. Zur Unterstützung dieser Theorie einer Bergheimat der Sumerer können wir vielleicht die Tempeltürme, das charakteristische Merkmal der meisten religiösen Bauwerke in Mesopotamien, als bewusste oder unbewusste Nachahmung der Hügel und Bergrücken ihres Heimatlandes in Ziegeln und Mörtel erklären, die auf eine angeborene Abneigung gegen die tote Ebene der babylonischen Ebene zurückzuführen ist. Eine bedeutsame Tatsache ist auch, dass in der frühesten Periode der Sonnengott Schamasch mit einem Fuß auf einem Berg stehend dargestellt wird. Seite 2oder zwischen zwei Bergen stehend. Wie dem auch sei, die Geschichte der Elamiter war eng mit der der Bewohner jenseits des Tigris verflochten, von den frühesten Zeiten bis zur Plünderung von Susa durch Ashur-bani-pal, den König von Assyrien, im siebten Jahrhundert. Beide Völker übernahmen die Keilschrift, die so genannt wurde, weil die Buchstaben keilförmig waren, wobei die Keile auf das Material zurückzuführen waren, das später für alle Schreibzwecke verwendet wurde – den Lehm ihres Heimatbodens –: beide sprachen eine agglutinative, im Gegensatz zu einer inflexionalen Sprache wie unserer, und beide erbten eine ähnliche Kultur.

Ein weiteres und in seiner Art überzeugenderes Argument zur Unterstützung der Theorie des Ursprungs aus dem Gebirge liefert die frühe Kunst der Sumerer. Auf den primitivsten Siegelzylindern1 Wir finden Bäume und Tiere, deren Heimat in den Bergen liegt und die sicherlich nicht in der Tiefebene Babyloniens heimisch waren. Die Zypresse und die Zeder kommen nur in Gebirgsregionen vor, aber auf den frühen Siegelzylindern ist ein Baum abgebildet, der mit dem einen oder anderen von ihnen identifiziert werden muss; es ist natürlich wahr, dass alte sumerische Herrscher Zedernholz aus den Bergen für ihre Bauarbeiten holten, und daher weist die Anwesenheit eines solchen Baumes auf Rollsiegeln lediglich auf eine gewisse Vertrautheit mit dem Baum hin, aber ceteris paribus Es ist vernünftiger anzunehmen, dass die dargestellten materiellen irdischen Objekte jene waren, mit denen die Menschen völlig vertraut waren und nicht jene, mit denen sie nur beiläufig vertraut waren. Auf den frühen Zylindern war der Bergstier, bekannt als Bison Bonasus, übernimmt die Rolle, die später der Tiefland-Wasserbüffel spielte. Dies geschieht mit solch anhaltender Regelmäßigkeit, dass die Schlussfolgerung, dass die Heimat der Sumerer in jenen Tagen in den Bergen war, fast unvermeidlich ist. Wie Ward hervorhebt, ist der zusammengesetzte Mensch-Stier Ea-bani, der Seite 3Gefährte von Gilgamesch, hat immer den Körper eines Bisons, nie den eines Büffels. Auch das häufige Vorkommen des Steinbocks, der Oryxantilope und des Hirsches mit verzweigten Hörnern spricht in die gleiche Richtung, denn die natürliche Heimat all dieser Tiere liegt in den Bergen.

Das mesopotamische Tal kann für den unmittelbaren Zweck dieses Buches in zwei Hälften geteilt werden, wobei eine Trennlinie grob zwischen den beiden Flüssen knapp oberhalb von Abû Habba (Sippar) gezogen wird; die nördliche Hälfte umfasst das von den Assyrern bewohnte Land und die südliche Hälfte das von den Babyloniern bewohnte. Das genaue Datum, an dem Assyrien von Babylonien kolonisiert wurde, ist nicht bekannt, aber der erste bekannte Eingeborene2 König von Assyrien, Irishum, können wir ein ungefähres Datum von 2000 festlegen bc Babylonien selbst ist eine Schwemmebene, die im Osten und Westen durch die Berge Persiens und im Westen durch das Tafelland Arabiens begrenzt wird. Dieses Tal entstand allmählich auf Kosten des Meeresgebiets, denn in ferner Vergangenheit überzog der Persische Golf die gesamte Ebene mindestens bis zur Stadt Babylon im Norden, wo Muscheln gefunden wurden, und wahrscheinlich noch viel weiter. Seine Entstehung verdankt es dem Schlamm, der von den beiden Flüssen herabgebracht und an der Mündung des Golfs abgelagert wurde: Die Menge an Land, die auf diese Weise in früheren Zeiten jährlich dem Meer abgerungen wurde, ist nicht bekannt, aber da Spasinus Chorax, das heutige Mohammerah, das heute etwa 115 Kilometer landeinwärts liegt, zur Zeit Alexanders an der Küste lag, wissen wir, dass die Eroberung des Landes über dem Meer seit seiner Zeit jährlich um XNUMX Meter voranschritt.

So bilden die physischen Merkmale des Landes, in dem die babylonische Zivilisation entwickelt wurde, wenn es auch nicht der eigentliche Ort ihres Ursprungs war, eine enge Parallele zu denen Unterägyptens; in Ägypten jedoch Seite 4die vorhandenen Belege deuten darauf hin, dass der Süden oder Oberägypten der früheste Schauplatz der Zivilisation war, während der Norden von den Mesniu (Metallnutzern) des Südens erobert wurde, nicht nur auf dem Schlachtfeld, sondern auch in Kultur und Zivilisation. Beide Länder haben nur eine kleine Küste, an der ihre Flüsse münden, der Nil ins Mittelmeer und der Tigris und Euphrat in den Persischen Golf. Beide Länder waren aus dem Meer hervorgegangen und tauchten jedes Jahr wieder auf, denn es ist sicher, dass das Mittelmeer einst bis nach Esneh im Süden reichte, während sich der Persische Golf, wie bereits erwähnt, mindestens bis nach Babylon erstreckte. Es überrascht uns daher nicht, sowohl in der babylonischen als auch in der ägyptischen Kosmologie eine Tradition zu finden, die von der Erschaffung der Welt aus einer urzeitlichen Wassermasse berichtet, obwohl diese Idee in der ägyptischen weniger deutlich hervortritt als in der babylonischen und hebräischen Kosmologie. Beide Länder wurden außerdem von jährlichen Überschwemmungen heimgesucht, die nicht nur nicht wenig Verwüstung anrichteten, sondern gleichzeitig auch den Schlamm ablagerten, der für die Bodenanreicherung so wichtig ist. Die Verwüstung wurde in beiden Ländern durch ein ausgeklügeltes System von Bewässerungskanälen eingedämmt oder zumindest gemildert, die im Sommer das lebensspendende Wasser in das trockene und durstige Land leiteten. Sowohl Babylonien als auch Ägypten genießen ein warmes Klima, obwohl Ägypten viel trockener und daher gesünder ist, und die entsprechende Trockenheit seines Bodens hat die greifbaren Beweise seiner alten Geschichte in einem weitaus perfekteren Zustand bewahrt als das Sumpfland Untermesopotamiens; und schließlich ist das Klima Ägyptens nicht den gleichen heftigen Temperaturschwankungen unterworfen, die mit den Jahreszeiten im Euphrattal einhergehen.

Der Beweis für eine rassische Verbindung zwischen den frühesten bekannten Bewohnern der beiden Länder ist sehr unsicher; was ihre Kunst, ihre Bräuche und ihre Sprache betrifft, so sind die Sumerer auf der einen Seite und die vordynastischen Seite 5und die frühdynastischen Ägypter auf der anderen Seite, zeigen eine völlige Unabhängigkeit voneinander; beide Länder wurden wahrscheinlich in einer frühen Periode ihrer Geschichte von den Semiten erobert, die im Falle Mesopotamiens ihre Vorgänger anderer Herkunft völlig verdrängten, die aber gleichzeitig selbst von der höheren Zivilisation der Sumerer absorbiert wurden, deren vorherbestimmte Erben sie waren und zu deren weiterer Entwicklung sie selbst so viel beitrugen; aber in welcher Periode oder Perioden die Semiten über Ägypten und die Nordküste Afrikas hinwegfegten und der Grundstruktur der ägyptischen und libyschen Sprache ihren unauslöschlichen und unverwechselbaren Stempel aufdrückten, ist nicht bekannt; wann immer es war, wir können mit Sicherheit davon ausgehen, dass ihr Aufkommen in prähistorischer Zeit stattfand, denn die Hieroglyphen und wahrscheinlich auch die Sprache der dynastischen Ägypter waren die natürliche Weiterentwicklung der Sprache und der groben Bildzeichen ihrer Vorgänger, und die Theorie eines gewaltsamen Bruchs in der Kontinuität der frühen ägyptischen Zivilisation zu Beginn der ersten Dynastie wird täglich unhaltbarer. Ebenso sind wir nicht in der Lage, der Ankunft der Semiten im mesopotamischen Tal ein bestimmtes Datum zuzuordnen, obwohl der neubabylonische König Nabonidus uns ein traditionelles Datum für Shar-Gâni-sharri gibt3 (Sargon) und sein Sohn Narâm-Sin, Könige von Agade, die, soweit wir wissen, das erste semitische Reich im Land errichteten. Es gab tatsächlich semitische Könige von Kish vor der Zeit von Shar-Gâni-sharri, aber der Umfang ihrer Macht war im Vergleich zum weitreichenden Reich der Herrscher von Agade eindeutig sehr begrenzt. Es gibt jedoch Gründe, an der Genauigkeit des traditionellen Datums von 3750 zu zweifeln. bc die Nabonid Narâm-Sin zuordnet, wobei der Hauptgrund die außerordentliche Lücke in den Ergebnissen der babylonischen Ausgrabungen zwischen Seite 6die Zeit von Shar-Gâni-sharri und Narâm-Sin und die von Gudea, dem Priesterkönig von Lagash in Südbabylonien, der um 2400 regierte bc; das heißt, über einen Zeitraum von etwa 1300 Jahren haben uns die Ausgrabungen praktisch keinerlei Informationen geliefert, während wir sowohl zu Beginn als auch am Ende dieses Zeitraums über reichliche Beweise für die Zivilisation und Geschichte der Bewohner Babyloniens verfügen; zweitens setzen der für die Zeit Gudeas und der Könige von Ur charakteristische Kunststil sowie der Schreibstil ihrer Inschriften keinen so langen Zeitraum zwischen der Zeit Sargons und ihrer eigenen Zeit voraus. Aber es gibt noch andere Überlegungen, die noch wichtiger sind und die mehr Aufmerksamkeit verdienen, als ihnen bisher zuteil wurde, da sie von der Schichtung der zerstörten Hügel selbst abhängen. Nun ist es eine sehr bedeutsame Tatsache, dass die architektonischen Überreste von Ur-Engur (Umlauf 2400 bc) in Nippur, befinden sich unmittelbar über denen von Narâm-Sin, denn eine solche Anordnung ist kaum vorstellbar, wenn diese beiden Herrscher durch einen Zeitraum von etwa 1300 Jahren getrennt waren. Die von Dr. Banks für die Universität von Chicago in Bismâya durchgeführten Ausgrabungen haben ähnliche Beweise erbracht, denn unmittelbar unter der zerstörten Zikkurat von Dungi, Ur-Engurs Nachfolger auf dem Thron von Ur, wurden große quadratische Ziegel in der für die Zeit von Shar-Gâni-sharri charakteristischen Größe und Form entdeckt und zwischen den Ziegeln wurde auch ein Goldstreifen mit der Inschrift des Namens von Narâm-Sin ans Licht gebracht. Die Beweise, die die Ausgrabungen an diesen beiden Stätten erbracht haben, scheinen somit außerordentlich stark gegen das traditionelle Datum von Nabonid zu sprechen.4

Es ist daher verlockend zu folgern, dass diese lange Zeit des Schweigens, für die keine angemessene Erklärung gefunden werden kann, überhaupt nicht existiert hat, dass Nabonids Aussage daher als ungültig zu betrachten ist und dass Shar-Gâni-sharri Seite 7und Narâm-Sin lebte und regierte wahrscheinlich mehr als tausend Jahre später, also etwa 2650 bc Andererseits ist es wichtig, sich daran zu erinnern, dass die Babylonier nicht minder gute Astronomen und Mathematiker waren und bei der Berechnung von Daten die größtmögliche Sorgfalt walten ließen. Außerdem war Nabonid ein König von Babylonien und daher wahrscheinlich „a priori“ im Besitz zuverlässiger Überlieferungen, falls es überhaupt welche gab. Außerdem lebte er 2500 Jahre näher an der Zeit als wir. Die fragliche Inschrift von Nabonid wurde im Hügel von Sippar in der Nähe von Agade gefunden. Sie lautet: „Der Grundstein des Tempels E-ulba in der Stadt des ewigen Feuers (Agade) war seit der Zeit vor Sargon, dem König von Babylonien, und seinem Sohn Narâm-Sin nicht mehr gesehen worden … Den Zylinder von Narâm-Sin, dem Sohn Sargons, den 3200 Jahre lang kein König unter seinen Vorgängern gesehen hatte, hat ihm Schamasch, der große Herr von Sippara, offenbart.“ So lebte laut Nabonid Narâm-Sin etwa 3750 bc Die archäologischen Beweise sind jedoch in diesem speziellen Fall so stark, sowohl negativ in Bezug auf das Fehlen jeglicher greifbarer Beweise für den langen Zeitraum, um den es geht, als auch positiv in Bezug auf die Schichtung der Hügel, die die Reliquien dieser beiden Könige enthalten, und auch in Bezug auf die Ähnlichkeit zwischen den früheren Skulpturen und Inschriften von Shar-Gâni-sharri und Narâm-Sin und denen aus der zweiten Hälfte des dritten Jahrtausends. bc, dass wir nicht länger in der Lage sind, das blinde Vertrauen in die historische Genauigkeit von Nabonid, das frühe Gelehrte einst hatten, aufrechtzuerhalten.

Aus den Inschriften von Shar-Gâni-sharri und Narâm-Sin, die ans Licht gebracht wurden, schließen wir, dass die Autoren dieser Inschriften Semiten waren, mit anderen Worten, wir erfahren, dass das Reich von Agade ein semitisches Reich war, und da sie ihr Reich über ganz Westasien ausdehnten, muss die weiter südlich gelegene sumerische Macht im gleichen Maße geschrumpft sein. Aber Seite 8ihre sumerischen Vorgänger hatten ihren Einfluss und ihre Macht in Mesopotamien lange und unbestimmte Zeit vor diesem Datum etabliert, denn sumerische Inschriften, die fast sicher der vorsargonischen Zeit zugeordnet werden können, nennen uns die Namen einer großen Zahl früher Könige und Herrscher Babyloniens; ihre frühe Datierung wird durch die Schrift dieser Inschriften belegt, die einen archaischeren Stempel tragen als die von Shar-Gâni-sharri und Narâm-Sin. Denn so wie unbeschriftete Skulpturen relativ datierbar sind anhand des Kunststils, dem sie entsprechen, so dass man vorläufig sagen kann, dass diese Skulptur oder dieses Rollsiegel älter ist, weil es einen archaischeren und weniger vollendeten Kunststil darstellt, so ist es möglich, unbenannte und nicht datierte Inschriften ungefähr anhand des Schriftstils zu datieren, der in diesen Inschriften verwendet wurde. Wir haben also zwei Mittel zur Verfügung, mit denen wir unbeschriftete Monumente einer frühen Periode ihren relativ richtigen Platz in der Entwicklung von Kunst und Kultur zuweisen können; Einerseits kann die Schicht des zerstörten Hügels, in dem das fragliche Objekt gefunden wurde, oft selbst relativ datiert werden, indem tatsächlich beschriftete Denkmäler entweder in der Schicht selbst oder in der Schicht unmittelbar darüber oder darunter gefunden werden; oder, falls dies nicht möglich ist, anhand der Tiefe, in der die Schicht unter der Spitze des Hügels liegt, obwohl letzteres allein aufgrund der Tatsache, dass eine solche Anhäufung offensichtlich an verschiedenen Orten unterschiedlich sein wird, ein schlechtes Kriterium ist. Der Wert aller dieser Beweise hängt jedoch davon ab, ob die Schichten gestört wurden oder nicht, was leider oft der Fall ist.

Der Grund, warum die Ruinen mesopotamischer Städte die Form von Hügeln angenommen haben, liegt in der Tatsache, dass ein siegreicher Häuptling die Lehmmauern und -gebäude seines besiegten Feindes zerstörte, aber anstatt die Trümmer wegzuräumen, baute er auf den Überresten; für seine neuen Bauarbeiten verwendete der Neuankömmling oft einen Teil des alten Materials, daher die Unsicherheit der Datierung eines Objekts, die auf der bloßen Annahme beruht, dass dieses Objekt Seite 9gehört zu der Schicht, in der es sich letztendlich befand, ohne dass andere bestätigende Beweise vorliegen. Andererseits können wir heutzutage immer den rein archäologischen Test anwenden, der auf einer genauen Untersuchung des Kunststils oder der Schreibweise beruht.

Einige dieser bereits erwähnten vorsargonischen Herrscher können streng chronologisch geordnet werden, z. B. die Herrscher der Stadt Lagasch, eines der frühesten Zentren der sumerischen Zivilisation in Babylonien. Lagasch liegt fünfzehn Reisestunden nördlich von Ur und zwei Stunden östlich von Warka (dem antiken Erech), und Lagasch hat uns mehr Material für unsere Untersuchung des frühen sumerischen Lebens und der frühen sumerischen Kultur geliefert als jede andere Stadt im Euphrattal.

Die Reihenfolge der frühen vorsargonischen Herrscher von Lagash ist wie folgt: Ur-Ninâ, anscheinend der Gründer der Dynastie, da er seinem Vater oder Großvater keinen königlichen Titel verleiht und seine Nachfolger auf ihn zurückgehen; Akurgal, Eannatum, Enannatum I, Entemena, Enannatum II, Enetarzi, Enlitarzi, Lugal-anda und Urukagina. Aber obwohl ihre chronologische Reihenfolge sicher ist, ist die Länge ihrer Herrschaft unbekannt und ihre Daten können nur annähernd ermittelt werden, und selbst diese ungefähren und relativen Daten hängen ganz vom Datum von Shar-Gâni-sharri ab. Angenommen, das Datum des Letzteren liegt etwa im Jahr 2650. bc, Ur-Ninâs Datum wäre ungefähr 3000 bc Ur-Ninâ, das erste Mitglied der Dynastie, hat uns eine Reihe seiner Skulpturen und Stelen hinterlassen, doch wurden in der Umgebung oder sogar in Lagasch selbst noch weitere namenlose Kunstwerke entdeckt, die eine weniger entwickelte Kunstform und, was die Inschriften betrifft, einen eher archaischen Schreibstil aufweisen. In bestimmten Fällen wurden die betreffenden Monumente sogar in den Schichten unter den Gebäuden von Ur-Ninâ entdeckt. Mit diesen beginnt die Geschichte der mesopotamischen Kunst und der Zivilisation, von der sie ein so beredtes Zeugnis ablegt.

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RACE

Es ist nicht bekannt, zu welcher Rasse die Sumerer gehörten, aber die Tatsache, dass ihre Sprache agglutinativ und nicht inflexional war und daher weder arisch noch semitisch, sondern zumindest in dieser Hinsicht den mongolischen Sprachen verwandt war, von denen Türkisch, Finnisch, Chinesisch und Japanisch heute die berühmtesten Beispiele sind, hat einige Gelehrte dazu veranlasst, nach einer Verbindung zwischen einigen der sumerischen Wurzeln und bestimmten chinesischen Wörtern zu suchen. Es muss jedoch zugegeben werden, dass diese angenommene Verbindung derzeit eher hypothetisch ist. Lacouperie und andere haben außerdem versucht, Parallelen zwischen der chinesischen Kunst und Kultur und denen der Sumerer herzustellen, aber die Beweise sind nicht sehr überzeugend.

SOIL

Da der Oberflächenboden Babyloniens nicht dort entstand, sondern von den Flüssen herabgebracht und abgelagert wurde, als ihre Strömungen beim Näherkommen ans Meer an Schwung verloren und so ihre Last nicht weiter tragen konnten, ist es gut, diesen Boden bis zu seiner ursprünglichen Quelle zurückzuverfolgen. Sowohl der Euphrat als auch der Tigris entspringen in den Bergen Armeniens,5 Die geologische Formation besteht hauptsächlich aus Granit, Gneis und anderen feldspathaltigen Gesteinen. Diese Gesteine ​​wurden allmählich durch die Regenfälle zersetzt, wobei ihr Schutt schnell flussabwärts transportiert wurde. Die Flüsse durchqueren im Laufe ihres Laufs eine Vielzahl geologischer Formationen, darunter Kalkstein, Sandstein und Quarz, die alle etwas zum Schlick beitragen, der einen Teil des Bodens des Deltas bilden soll. Letzterer besteht hauptsächlich aus Kreide, Sand und Ton und ist äußerst fruchtbar, was ihm einen Ruf einbrachte, der sogar von den klassischen Schriftstellern bestätigt wurde: So Herodot, der Seite 11blühte im siebten Jahrhundert bc sagt uns (I, 293), dass „von allen uns bekannten Ländern keines so fruchtbar ist, was Getreide angeht. Es erhebt zwar keinen Anspruch darauf, Oliven, Wein oder andere Bäume dieser Art anzubauen; aber was Getreide angeht, ist es so fruchtbar, dass es gewöhnlich das Zweihundertfache und bei größter Ernte sogar das Dreihundertfache abwirft. Die Halme der Weizenpflanze und der Gerste sind oft vier Finger breit. Was Hirse und Sesam betrifft, werde ich nicht sagen, bis zu welcher Höhe sie wachsen, obwohl ich es selbst weiß, denn ich weiß, dass das, was ich bereits über die Fruchtbarkeit Babyloniens geschrieben habe, denen unglaublich erscheinen muss, die das Land nie besucht haben … Palmen wachsen in großer Zahl über das ganze flache Land, meist von der Art, die Früchte trägt, und diese Früchte versorgen sie mit Brot, Wein und Honig.“ Wie übertrieben diese Darstellung auch sein mag, alle antiken Schriftsteller stimmen darin überein, dem babylonischen Boden eine Fruchtbarkeit und Produktivität zuzuschreiben, die die jedes anderen Landes, das sie kannten, übertrifft.

Doch der gegenwärtige Zustand des Landes ist ganz anders als früher, denn die Vernachlässigung der Bewirtschaftung hat es wieder einmal in eine Wüstenwüste oder, in der unmittelbaren Nachbarschaft der Flüsse, in einen pestverseuchten Sumpf verwandelt. Die Flüsse haben außerdem immer wieder ihren Lauf verändert, obwohl diese Bemerkung eher auf den trägen Strom des Euphrat mit seinen niedrigen Ufern zutrifft als auf den schneller fließenden Tigris, dessen Strömung durch höhere Ufer begrenzt wird und dessen Lauf sich daher weniger verändert hat. Gegenwärtig werden große Anstrengungen unternommen, um die Vernachlässigung wiedergutzumachen, der die einst fruchtbare Ebene Babyloniens so lange ausgesetzt war, und Anfang letzten Jahres (1911) sicherte sich die Firma Sir John Jackson (Limited), Bauunternehmer und Ingenieure, den Auftrag zum Bau eines großen Staudamms am Anfang des Hindiyah-Kanals: Letzterer ist ein Kanal, für den der Euphrat seine eigene Seite 12Das Flussbett und folglich auch das des Euphrat, an dessen Ufern die Stadt Babylon liegt, ist im Sommer vollkommen trocken, da das gesamte Wasser außer zur Zeit der Überschwemmung den Hindiyah-Kanal hinunterfließt. Daher hat die Bevölkerung praktisch aufgehört, die Ufer des Euphrat zu kultivieren, und ist größtenteils über das Land zu diesem Kanal gezogen. Letzterer ist jedoch der Belastung durch die ungeteilten Wasser des Euphrat nicht gewachsen und ist stark überflutet, und viel gutes Land ist zu Sumpf geworden. Die Türken haben lange versucht, einen Damm zu errichten, der einen Teil des Wassers in das Flussbett zurückdrängen und so gleichzeitig die Regulierung des Durchflusses im Kanal ermöglichen würde, aber sie haben ihr Ziel nicht erreicht. Den Ingenieuren von Sir William Willcocks gelang es, den Raum zwischen den beiden Armen des Staudamms aufzufüllen, aber der Damm wurde fast sofort an einer anderen Stelle durchbrochen. Wenn jedoch der jetzt in Angriff genommene Plan ordnungsgemäß umgesetzt wird, werden die Ufer des Euphrat wieder mit der Fruchtbarkeit vergangener Tage übersät sein, während der Bezirk, dessen Wohlstand vom Zustand des Hindiyah-Kanals abhängt, eine ähnliche Verbesserung erfahren wird.

An den Ufern dieser Flüsse blühten Akazien, Granatäpfel und Pappeln, aber der Baum, der den Babyloniern am meisten nützte, war die Dattelpalme, aus deren Saft sie Zucker und auch einen fermentierten Schnaps herstellten, während ihre faserige Rinde für Seile verwendet wurde und ihr Holz, das zugleich leicht und stark war, in großem Umfang als Baumaterial verwendet wurde. Die Verwendungsmöglichkeiten der Dattelpalme waren so vielfältig und so vielfältig, dass die Babylonier ein beliebtes Lied hatten6in dem sie die dreihundertsechzig Vorteile dieses unschätzbaren Baumes rühmten. Die wichtige Rolle, die er im Leben der frühen Seite 13Auf eine sumerische Bevölkerung weist das Epitheton hin, das Entemena der Göttin Ninâ gab, die er als die Dame ansprach, „die die Datteln wachsen lässt“. De Sarzec entdeckte in Tellô verschiedene amphorenförmige Bottiche und auch eine Art ovales Becken, das offensichtlich bei der Herstellung oder Konservierung von Dattelwein verwendet wurde.

Die Dattelpalme findet sich auf den assyrischen Flachreliefs wieder, aber man muss zugeben, dass die künstlerischen Erzeugnisse der Babylonier und Assyrer uns nicht so viele Informationen über die Flora und Fauna des Landes liefern, wie man erwarten könnte. Weinreben und Palmen kommen auf den späteren Flachreliefs häufig vor, während auch Eichen und Terebinthen bekannt waren, denn Asarhaddon verwendet sie als Material für seine Bauarbeiten in Babylon, und Zedern wurden regelmäßig für denselben Zweck beschafft.

Von den verschiedenen Bäumen, die auf frühen Siegeln abgebildet sind, kann kaum einer mit einem gewissen Grad an Sicherheit identifiziert werden, mit Ausnahme der Dattelpalme vielleicht: Das Schilf der Sümpfe erscheint ziemlich früh, der Feigenbaum dagegen erst in späteren Zeiten, was mit Herodots Andeutung übereinstimmt, dass sie zu seiner Zeit in Mesopotamien nicht angebaut wurden; ungeachtet dessen müssen sie früh genug bekannt gewesen sein und vermutlich auch kultiviert worden sein, denn unter den Opfergaben von Gudea (2450 bc) der Göttin Bau gewidmet sind, werden Feigen aufgezählt, und auch der Olivenbaum muss schon früh bekannt gewesen sein, da noch immer Tongegenstände in Form einer Olive aus der Zeit Urukaginas vorhanden sind.

Der Lotus wird manchmal auf Siegeln eingraviert, immer in der Hand eines Gottes, und zusammen mit anderen ägyptischen Elementen findet man ihn häufig auf Elfenbein- und Bronzeschalen aus Nimrud.

Hirse und andere Getreidearten wurden künstlerisch gestaltet; später tauchten auch Blüten mit unscheinbarem Charakter auf, obwohl die konventionellen DesignsSeite 14der in der assyrischen Kunst so bekannten Rosetten, von denen ein Beispiel in Pl. zu finden ist. XXX, verdankt seine Entstehung ohne Zweifel einem tatsächlichen Versuch, eine lebende Blume zu reproduzieren, während Efeu nur auf einem spätgriechisch-ägyptischen Zylinder vorkommt und wir auf einem syrisch-hethitischen Zylinder eine Darstellung der Distel finden.

Schilf findet man häufiger als alle anderen Bäume und Pflanzen, sowohl auf Rollsiegeln als auch auf Flachreliefs. Schilf war sehr gefragt für den Bau von Hütten und leichten Booten, aber der Lehm ihres Heimatbodens lieferte ein allumfassendes und reichlich vorhandenes Material für den Bau ihrer Paläste, Tempel und Häuser; seine Möglichkeiten wurden schon sehr früh erkannt und entsprechend genutzt. Stein ist in der tiefliegenden Ebene Babyloniens praktisch unbekannt, und wenn er benötigt wurde, musste er weit entfernt in den Bergen abgebaut und mit großem Aufwand und Mühe transportiert werden, daher wurde er vergleichsweise selten für rein künstlerische oder dekorative Zwecke verwendet, sondern eher dort, wo der Wunsch nach Haltbarkeit es erforderlich machte; aus diesem Grund ist der in Babylonien verwendete Stein im Allgemeinen Basalt, Diorit, Dolerit oder ein anderer harter Stein vulkanischen Ursprungs. In Assyrien hingegen waren sowohl Alabaster als auch verschiedene Kalksteinsorten leicht zu beschaffen und wurden in großem Umfang für Bauzwecke verwendet. Zudem ließen sie sich beide gut mit dem Meißel des Bildhauers bearbeiten, dessen Aufgabe es war, die wichtigsten Ereignisse der Herrschaft des Königs in bildlicher Form an den Wänden seines Palastes festzuhalten.

Von den Getreidearten waren Weizen, Gerste, Wicken und Hirse die wichtigsten, und sie alle wuchsen in großen Mengen, während bei den Haustieren Pferde, Ochsen, Schafe, Schweine, Ziegen, Esel und Hunde die am weitesten verbreiteten waren; auf den Flachreliefs von Kouyunjik ist einer der Hügel zu sehen, der das alte Ninive darstellt (der andere ist Nebi Yûnus („Prophet Jona“), so genannt von den Einheimischen, weil sie glaubten, dass der Prophet Jona begraben wurde Seite 15Dort findet man Kamele, und sie sind auch Teil des Tributs, den die Tributpflichtigen an Salmanassar II., den König von Assyrien (860-825), brachten. bc, und sind dementsprechend auf den Bronzetoren von Balâwât und auf dem sogenannten Schwarzen Obelisken dargestellt, der vor allem für seine Darstellung von Jehu und seinen Tributträgern berühmt ist. Die hier dargestellten Kamele gehören zur zweihöckrigen baktrischen Rasse, die weniger Durchhaltevermögen hat als die einhöckrigen Dromedare Arabiens und Afrikas. Im heutigen Babylonien sind diese letztgenannten ein äußerst wichtiges Fortbewegungsmittel, aber im hügeligen Land Assyrien sind sie weniger nützlich, da sie dazu neigen, auf jedem außer dem flachsten Boden auszurutschen. Es gibt anscheinend nur ein einziges Vorkommen eines Kamels auf einem Rollsiegel, und das stammt aus der persischen Zeit. Das assyrische Wort für „Kamel“ ist wahrscheinlich arabischen Ursprungs, und Arabien war zweifellos die Heimat des Kamels. Pferde, Ochsen, Schafe, Ziegen und Hunde werden in der assyrischen Kunst ständig dargestellt. Das Pferd stammt ursprünglich aus Asien und wurde aller Wahrscheinlichkeit nach in Mesopotamien früher domestiziert als in Ägypten. Ein sehr früher Beweis für seine Existenz in Mesopotamien wird von einem archaischen Siegelzylinder geliefert, der sich heute im Metropolitan Museum of New York befindet. Auf diesem ist ein Gott dargestellt, der einen vierrädrigen Streitwagen lenkt, im Gegensatz zu den zweirädrigen assyrischen Streitwagen. Der Streitwagen wird von einem Tier ungewisser Art gezogen, das Ward ursprünglich für ein Pferd hielt. Angesichts der Darstellung eines Stiers, der einen Streitwagen zieht und die auf einem frühen assyrischen Siegel gefunden wurde, das er auf etwa 2000 datiert, bc, ist es klar, dass der Stier in frühen Zeiten zum Ziehen von Streitwagen verwendet wurde, und Ward betrachtet dementsprechend das mehrdeutige Tier, auf das angespielt wird, ebenfalls als Stier. Der sumerische Name für das Pferd war „der Esel der Berge“, ein Hinweis darauf, dass das Tier ihnen zuerst in seinem wilden Zustand bekannt war: Wir finden es auf einem von Nebukadnezar Seite 16I's Grenzstein (Umlauf 1120 bc), aber es war im Tal sicherlich schon viel früher bekannt. Die Hyksos, oder Hirtenkönige aus Asien, führten das Pferd um 1700 in Ägypten ein. bc, während in einem Brief von Burraburiash, dem König von Babylon, an Amenḥetep, den König von Ägypten, um 1400 Pferde erwähnt werden bc

Ein sehr frühes Fragment aus Nippur (vgl. Abb. 25, E) veröffentlicht von Hilprecht und zitiert und reproduziert von Ward,7 zeigt uns ein gehörntes Tier, das einen Pflug zieht, von dem Ward glaubt, es könnte sich um eine Gazelle oder eine Antilope handeln; wenn Letzteres der Fall ist, können wir vielleicht schlussfolgern, dass ein Tier dieser Art vor dem Stier und sicherlich vor dem Pferd als Zugtier eingesetzt wurde. Wie dem auch sei, in späteren Tagen scheint das Pferd für das Schlachtfeld und die Jagd reserviert gewesen zu sein. Die assyrischen Soldaten ritten auf ihnen und spannten sie vor ihre Streitwagen, und es ist bemerkenswert, wie viel erfolgreicher die assyrischen Bildhauer bei der Darstellung des Pferdes waren als die Ägypter. Die Pferde auf den Flachreliefs gehören anscheinend einer kleineren, kürzeren und stämmigeren Rasse an als die Araber, und die Rasse soll in Kurdistan noch vorhanden sein. Die Assyrer scheinen nicht die Gewohnheit gehabt zu haben, dem Pferd Flügel oder einen menschlichen Kopf zu verleihen, wie sie es manchmal beim Stier und dem Löwen taten, obwohl einige der Pehlevi8 Siegel und Ringe späterer Tage (AD 226–632) zeigen Figuren geflügelter Pferde.

Das Ox mit „langen, aufrechten und gebogenen Hörnern“ scheint seit der frühesten Periode domestiziert worden zu sein, und es ist auf Rollsiegeln abgebildet, die durch ihre Inschriften zeigen, dass sie zu der frühen Periode gehören, als die Zeilenschrift noch nicht durch ihren späteren Ableger, die Keilschrift, verdrängt worden war, während auf einem dieser frühen Siegel (vgl. Abb. 63) wird der Gott selbst auf einem dieser Stiere reitend dargestellt; es ist jedoch zu beachten, dass die Seite 17Der Stier spielt in den künstlerischen Darstellungen Mesopotamiens eine weniger auffällige Rolle als in denen Ägyptens, wo die Gräber so oft die alltäglichen Szenen des landwirtschaftlichen Lebens zeigen. Nur sehr selten wird der Stier auf Rollsiegeln oder Skulpturen als Opfertier dargestellt; das beste Beispiel liefert ein Fragment der Geierstele von Eannatum; derselbe König berichtet uns anderswo, dass er dem Sonnengott in Larsa Stiere und En-lil, dem Herrn von Nippur, ein Stierkalb geopfert hat, der besser unter dem semitischen Namen Bêl bekannt ist, einen Namen, den er jedoch nie trug;9 Wenn der Stier jedoch nur selten im Opferkult verwendet wurde, besteht kein Zweifel daran, dass er in der gesamten mesopotamischen Geschichte als Verkörperung und daher als natürliches Symbol für Stärke und Fruchtbarkeit galt, während die geflügelten Stiere Sargons (vgl. Tafel 11) XXV) sind die bekanntesten und vielleicht charakteristischsten Monumente der assyrischen Kunst.

Das Maultier wurde als Lasttier verwendet; Karren wurden von Maultieren gezogen und Frauen und Kinder wurden von ihnen getragen, während sie zum Transport von Waren und für niedere Arbeiten aller Art eingesetzt wurden; sie sind gelegentlich auf assyrischen Flachreliefs zu sehen und sind eines der Motive der berühmten Jagdszenen von Ashur-bani-pal, in denen sie über die Diener des Königs wachen.

Das Schafe wurde seit frühester Zeit domestiziert, Darstellungen der Ziege sind jedoch häufiger; in Abb. 62 Wir besitzen ein äußerst archaisches Siegel, auf dem ein Mann zu sehen ist, der eine Ziege treibt, der zwei Schafe folgen. Ein weiteres Beispiel für eine Ziege und ein Schaf findet sich auf dem frühen Steinrelief in Abb. 25,F.

Das G.O.A.T. kommt sowohl auf Siegeln als auch in Flachreliefs häufig vor. Die Ziege war, soweit wir wissen, das am häufigsten verwendete Opfer, wobei der Anbeter oft so dargestellt wird, als brächte er eine Ziege in seinen Armen mit. (Ein frühes Beispiel einer Ziege in der babylonischen Kunst ist der kupferne Ziegenkopf aus Fâra, 40, B.) Abb. Seite 18Der Bart ist manchmal klar abgegrenzt,10 was zeigt, dass es sich um eine Ziege und nicht um eine Antilope handelt, während sowohl das Schaf als auch die Ziege auf den bronzenen Torverkleidungen aus Balâwât gut dargestellt sind. Obwohl das Schaf jedoch im Opferkult keine so wichtige Rolle gespielt zu haben scheint wie die Ziege, spielte es bei der Weissagung eine weitaus auffälligere Rolle, und aus einer Untersuchung der verschiedenen Teile seiner Leber wurden unzählige Omen abgeleitet.

Das Arsch war seit frühester Zeit bekannt, sowohl der Wildesel, den Ashur-bani-pal so gern gejagt zu haben scheint (vgl. Tafel). XX) und auch der domestizierte Esel. Ward hat nur ein Beispiel seiner frühen Darstellung auf Rollsiegeln gefunden, aber der Streitwagen des Gottes Nin-girsu auf der berühmten Geierstele wird von einem Esel gezogen, und die Tatsache, dass Urukagina, einer der Könige der ersten Dynastie von Lagasch, verfügte, dass, wenn ein guter Esel im Stall eines Untertans des Königs geboren wurde, der König ihn nur kaufen konnte, wenn er einen fairen Preis bot, und dass er den Besitzer selbst dann nicht zwingen konnte, sich davon zu trennen, zeigt, dass der Esel zu seiner Zeit allgemein gebräuchlich war.

Das Hund findet sich auf einigen der ältesten Siegel aus Babylonien und ist besonders häufig auf Siegeln zu finden, die die Legende von Etana und dem Adler darstellen (vgl. Abb.).62): Er erscheint auch auf den späteren babylonischen Siegeln und ist sehr häufig auf den assyrischen Flachreliefs zu finden.

Hier sieht man sie bei der Jagd eingesetzt (vgl. Tafel). XX). Die assyrischen Jagdhunde ähnelten offenbar Mastiffs, und laut Layard ist die Rasse noch in Tibet, jedoch nicht in Mesopotamien, vorhanden. Eine weitere gute Reproduktion eines Hundes befindet sich auf einer Terrakotta-Tafel, die Sir H. Rawlinson in Birs-Nimrûd gefunden hat (vgl. Abb.). 88), während Ashur-bani-pal uns eine Anzahl von Tonmodellen seiner Hunde hinterlassen hat, die wie die kolossalen Stiere aus einem Stück gefertigt sind, aber Seite 19ziemlich grob in der Verarbeitung. Obwohl wir also wenig über die Hunderassen wissen, mit denen die Assyrer und Babylonier vertraut waren, wissen wir auf jeden Fall, dass sie Hunde verschiedener Farben kannten, denn sie leiteten Omen von gescheckten Hunden, gelben Hunden, schwarzen Hunden, weißen Hunden und den anderen ab.

Das Gazelle war in Mesopotamien seit frühester Zeit bekannt und erscheint manchmal dort, wo er als Opfertier den Platz der Ziege einnimmt.

Das Antilope ist oft auf frühen Rollsiegeln abgebildet und anscheinend wurde es gelegentlich an den Pflug angespannt, wie aus einem frühen Steinrelief aus Nippur hervorgeht.11 Allerdings ist es in der babylonischen Kunst nicht immer einfach, zwischen der Antilope und der Ziege zu unterscheiden.

Das Steinbock Aufgrund der Form seiner Hörner kann es ebenfalls leicht mit dem Bergschaf verwechselt werden, aber wenn es richtig dargestellt wird, hat es einen Bart. Ein gutes und sehr frühes Beispiel des Steinbocks findet sich auf einem Muschelfragment aus der frühesten sumerischen Zeit eingraviert (vgl. Louvre-Kat.-Nr. 222).

Das Wildschwein wurde nicht oft abgebildet, war aber ohne Zweifel bis heute üblich genug; es findet sich auf einem sehr archaischen Siegel (vgl. Abb. 54), und Zahlen kleiner Schweine werden in vier Registern auf einem späteren Rollsiegel wiederholt, während auf anderen Siegeln der Jäger zu sehen ist, wie er einen Eber aufspießt, und schließlich sind auf einem der Wandreliefs aus Sanheribs Palast in Kouyunjik eine Sau mit ihren Jungen dargestellt. Es ist interessant festzustellen, dass bereits in der Zeit von Khammurabi12 Schweinefleisch war ein hochgeschätztes Nahrungsmittel, so sehr, dass es häufig Teil der Tempelopfer war, und Ungnad weist auf einen Fall hin, in dem ein gewisser Übeltäter eines der Tempelschweine stahl und dafür eine hohe Strafe zahlen musste, während in den offiziellen Listen der Vorräte für den Tempel verschiedene Teile des Schweins speziell aufgezählt werden, Seite 20während aus der Inspektion der Schweine günstige und ungünstige Omen abgeleitet wurden.

Das Kaninchen or Hase kommt in frühen Skulpturen oder Gravuren selten vor, ist jedoch auf den späteren sogenannten syrisch-hethitischen Zylindern zu finden und wird gelegentlich auf assyrischen Flachreliefs dargestellt.13

Das Oryx, hat das Bergschaf, hat das Stag, hat das Schildkröte, hat das Stachelschwein, hat das Monkey, kommen alle gelegentlich auf den Zylindern vor, während der Affe Teil des Tributs ist, den unterworfene Völker Salmanassar II. auf dem Schwarzen Obelisken darbrachten, und in ähnlicher Weise auch auf den Flachreliefs abgebildet ist, die die Wände von Assur-naṣir-pals Palast in Nimrud schmückten. Auf beiden letzteren scheinen die dargestellten Affen einer indischen Art anzugehören und waren in den Augen der Assyrer eindeutig Neuheiten, die sie zweifellos entsprechend schätzten.

Es gibt vereinzelte Fälle von Fox, hat das Frosch und der Denken Sie, aber keines der Vorgenannten spielt eine so genannte wichtige Rolle in der Kunstgeschichte des Landes. Löwe und der Schlange nehmen in künstlerischen Darstellungen eine herausragende Stellung ein und waren im wirklichen Leben zweifellos bekannte und furchterregende Wesen, während allein die Majestät der ersteren und die Feinheit der letzteren ausreichten, um ihnen einen Platz in der mythologischen und heraldischen Symbolik der Bewohner Mesopotamiens zu verschaffen. Der Löwe war überall bekannt, im Hochland wie im Tiefland, während er noch heute in den Sumpfgebieten Babyloniens sein Unwesen treibt. Auf den Rollsiegeln ist er meist in einen tödlichen Kampf mit Gilgamesch, dem Helden der babylonischen Volkssage, oder seinem Freund Eabani verwickelt, der ihn natürlich bei jeder Gelegenheit besiegt; er wird von Anfang an in Ton und Stein dargestellt (vgl. Abb. 26, B) bis in die jüngste Zeit ist er auf Kleidungsstücke gestickt und schmückt Schwertscheiden, während er eine äußerst wichtige Rolle im Wappen der antiken Stadt Lagasch spielt, die Seite 21bestehend aus einem Adler mit ausgebreiteten Flügeln, der zwei Löwen umklammert, die in entgegengesetzte Richtungen blicken (vgl. Abb. 27), zweifellos ein Sinnbild für die Herrschaft, die der König von Lagasch über die Völker des Ostens bzw. des Westens ausübte. Er genießt die zweifelhafte Ehre, in späteren Tagen das besondere Objekt der Aufmerksamkeit des assyrischen Königs zu sein, und ermöglichte ihm den Sport, den er über alles liebte (vgl. Tafel. XIX); einzelne Könige erschlugen große Gruppen, und Tukulti-Ninib I. (1275 bc), um nur ein Beispiel zu nennen, gibt an, dass er etwa 920 Löwen erlegte, so wie Amenḥetep III., König von Ägypten, sich damit rühmt, in den ersten zehn Jahren seiner Herrschaft 102 Löwen erlegt zu haben. Ursprünglich gab es Löwen zweifellos in ausreichender Menge, aber als ihre Zahl abnahm, wurde es notwendig, sie einzufangen und in Käfigen zu halten, bis sie für die königliche Jagd benötigt wurden (vgl. Taf. XXVII). Der Löwe wird manchmal in kolossaler Größe wiedergegeben und mit Flügeln und dem Kopf eines Menschen ausgestattet. In dieser Funktion ist es seine Aufgabe, an den Toren des Königspalastes die Annäherungen böswilliger und bösartiger Dämonen abzuwehren. Zu anderen Zeiten ist er weniger vollständig ausgestattet und hat nur einen Kopf, eine Büste und Hände eines Menschen. Da er in mehr als einer Hinsicht immer ein schweres Geschöpf ist, ist sein Körper nicht unpassend an die Anforderungen der Waage angepasst. Eine beträchtliche Anzahl bronzener Löwengewichte ist auf uns gekommen, deren Verarbeitung wahrscheinlich phönizisch war (wie auch die Elfenbeinarbeiten des Assyrischen Reiches), während das Gewicht, das durch jeden Löwen dargestellt wurde, in phönizischen Schriftzeichen eingraviert war. Manchmal bildete der hohle bronzene Kopf eines Löwen den verzierten Verschluss am Ende einer Wagendeichsel. In der Regel symbolisierte der Löwe die Feinde des Königs. Daher wird er, wann immer er in einen Kampf verwickelt ist, immer entweder durch bloße körperliche Kraft überwältigt, wie im Fall von Gilgamesch, oder von einem Pfeil durchbohrt, aufgespießt oder erstochen, wie wir ihn so häufig auf den Flachreliefs der assyrischen Seite 22Paläste. Aber Löwen wurden wahrscheinlich hin und wieder domestiziert, wie es heute der Fall ist. Bei Sir Henry Layards erstem Besuch in Hillah schenkte ihm Osman Pascha zwei Löwen. Einer von ihnen, so erzählt er uns, war ein bekannter Stammgast der Basare, deren Metzgereien er regelmäßig plünderte, aber abgesehen von dieser liebenswerten kleinen Laune scheint er ziemlich gut erzogen gewesen zu sein. In seiner Beschreibung des Tieres sagt Layard, es sei „größer und schwerer als ein Bernhardiner gewesen und hatte, wie die Löwen, die man normalerweise an den Flussufern Mesopotamiens findet, nicht die dunkle und zottige Mähne der afrikanischen Art.“ Er teilt uns weiterhin mit, er habe jedoch Löwen mit einer langen schwarzen Mähne am Fluss Karûn gesehen, der unweit von Moḥammerah im äußersten Süden Babyloniens in den Golf mündet; Doch Löwen beider Klassen sieht man heute in Mesopotamien nur noch sehr selten und in der Regel nur aus der Ferne.

Die Schlange spielte in der mesopotamischen Kunst eine kleinere Rolle als der Löwe, aber zumindest aus mancher Sicht eine nicht weniger bedeutende. Zwei um eine Stange gewundene Schlangen bilden das Zentrum des auf der berühmten Tasse eingravierten Motivs (vgl. Abb.). 90) geweiht von Gudea, Patesi oder Priesterkönig von Lagasch, um 2450 bc, seinem Gott Nin-gish-zi-da, der offenbar durch Schlangen symbolisiert wurde, und auf beiden Seiten der verschlungenen Reptilien befinden sich zwei geflügelte und schlangenköpfige Monster, während wir auf einigen Rollsiegeln aus der älteren Zeit einen bärtigen Gott finden, dessen Körper aus einer Schlangenwindung besteht. In diesem Zusammenhang können wir das Motiv auf einem Rollsiegel desselben Gudea vergleichen (vgl. Abb. 64), wo der vermittelnde Gott, der die Patesi einer sitzenden Gottheit vorstellt – bei der es sich nach Wards Ansicht mit gutem Grund um Ea handelt –, durch Schlangen gekennzeichnet ist, die von seinen Schultern aufsteigen.

Das bekannteste Beispiel für die Schlange in der babylonischen Mythologie ist jedoch das Siegel, auf dem zwei Wesen, vielleicht göttliche, vielleicht menschliche, Seite 23Sie sitzen auf beiden Seiten eines Baumes, und hinter einem der beiden ist eine aufrecht stehende Schlange abgebildet; dieses Siegel verdankt seine Berühmtheit der Meinung früherer Gelehrter, dass diese Szene das bildliche Gegenstück zur hebräischen Sündenfall-Überlieferung in Babylonien darstellt.

Den Schlangendarstellungen auf Vasen, Grenzsteinen, Rollsiegeln und anderswo zufolge müssen die Schlangen, die zur Zeit der Errichtung dieser Monumente in Mesopotamien verbreitet waren, beträchtliche Größe gehabt haben. Aus der Literatur wissen wir, dass einige dieser Schlangen giftig waren. Die assyrischen Könige erwähnen außerdem das Vorkommen von Schlangen in einigen Ländern, in die sie Expeditionen unternahmen oder die ihnen unterworfen waren. So erzählt uns beispielsweise Asarhaddon, dass es im Land Bazu von Schlangen und Skorpionen wie von Heuschrecken wimmelte.

Unter den anderen Tieren, die den Bewohnern Mesopotamiens vertraut waren, können die Bison („rimu“), ein Tier der Berge und Wälder, das in der Geschichte von Gilgamesch eine herausragende Rolle spielt; das alte Piktogramm für den Bison besteht aus dem Kopf eines Ochsen, in den die drei diagonalen Keile eingeschlossen sind, die zusammen „Berg“ bedeuten und so den Ort seines Ursprungs angeben. Auf den Rollsiegeln Babyloniens wurden verschiedene Arten der Rinderrasse identifiziert, was zeigt, dass zur Zeit der Herstellung der Siegel die Erinnerung an ihre Existenz und wahrscheinlich auch die Aktualität ihrer Anwesenheit noch spürbar und bekannt waren. Die Büffel das in den Sümpfen Südbabyloniens geistert, findet sich oft auf Rollsiegeln aus der Zeit von Shar-Gâni-sharri und seinen Nachfolgern und ist auf Muschelfragmenten aus der frühesten sumerischen Zeit eingraviert. Layard erzählt uns, dass diese hässlichen Tiere, die heute in den Sümpfen leben, die Araber mit großen Mengen Milch und Butter versorgen; sie lassen sich normalerweise problemlos handhaben, haben aber eine besondere Abneigung gegen den Geruch von Seife und infolgedessen den Geruch von frisch gewaschener Seite 24Kleidung kann sie in nicht geringem Maße reizen. Der Wildstier wurde von den assyrischen Königen der Sargoniden eifrig gejagt, unter denen wir in diesem Zusammenhang insbesondere Ashur-naṣir-pal erwähnen können. (Eine anschauliche Darstellung der Heldentaten dieses Königs bei der Jagd finden Sie in Tafel.) XVI). Nach den Sargoniden war die Stierjagd nicht mehr eine der wichtigsten königlichen Sportarten, möglicherweise aufgrund der Unerbittlichkeit, mit der die Könige dieser Dynastie diese Tiere jagten. In den Dschungeln gab es zumindest zu Layards Zeiten noch viele Löwen, Leoparden, Luchse, Wildkatzen, Schakale, Hyänen, Wölfe, Hirsche, Stachelschweine und Wildschweine, während Hyänen heute recht häufig sind.

Das Leopard ist gelegentlich auf archaischeren Siegeln abgebildet, aber selten auf Siegeln aus jüngerer Zeit. Er ist speziell an seinen Flecken zu erkennen; ein gutes Beispiel für den Leoparden ist ein archaisches Siegel aus viel früherer Zeit als der Zeit von Shar-Gâni-sharri.14 Man sieht also, dass die künstlerischen und literarischen Hinterlassenschaften Mesopotamiens uns in nicht geringem Maße bei unserem Bemühen geholfen haben, uns ein allgemeines Bild von der Tierwelt dieses Landes in vergangenen Tagen zu machen. Dies war jedoch nur in sehr begrenztem Maße bei Vögeln der Fall, bei denen die Farbe ein entscheidenderer Faktor für ihre unendlichen Variationen ist als Form und Gestalt: Hier erstrahlte der Ägypter in all seinem angeborenen Genie und es gelang ihm, mit Hilfe seines Pinsels und seiner Farben so viele verschiedene Vogelarten lebendig an den Wänden seiner Gräber darzustellen. In Assyrien und Babylonien hingegen, wo sich das künstlerische Genie der Menschen nie ausschließlich auf Farben als Ausdrucksmittel stützte, sind die einzigen Vögel, die man häufig findet, der Adler und der Geier – der Adler als Sinnbild souveräner Königlichkeit, der Geier als stets bereiter Verschlinger der Überreste niedergemetzelter Feinde – obwohl ohne Zweifel, wie auch heute, eine große Vogelvielfalt die Ebenen und Sümpfe bevölkerte.

Seite 25Das Adler, der königliche Vogel par excellenceist die Verkörperung der königlichen Herrschaft im Wappen von Lagasch bereits zur Zeit ihrer ersten Dynastie und zur Zeit Gudeas (2450 bc) ist der für die hethitische Kunst charakteristische Doppeladler aufgetaucht. Auf seinen Schwingen versucht Etana vergeblich, in den Himmel aufzusteigen, was in der Legende bildlich dargestellt ist (vgl. Abb.). 62) auf verschiedenen archaischen Siegeln. Im Laufe der Zeit wird der Adler zum Luftpfeiler von Assur, dem Gott, von dem Assyrien seinen Namen hat, und verleiht der geflügelten Scheibe seine Form, die, wie M. Heuzey treffend sagt, ein „noch geheimnisvolleres Sinnbild der Göttlichkeit“ ist; die Assyrer hielten es außerdem für würdig, die Ehre zu empfangen, mit dem Körper eines Menschen vereint zu werden, wobei dem so entstandenen zusammengesetzten Geschöpf größere Kräfte zugeschrieben wurden als denen, die bloße Menschen besitzen, und es anscheinend einen halbgöttlichen Charakter hatte, während wir bei anderen Gelegenheiten sehen, dass seine Flügel auf den menschenköpfigen Körper eines Stiers aufgebracht sind (vgl. Tafel. XXV) oder einem Löwen, deren kombinierte Wirkung so groß gewesen sein muss, dass sie selbst den kühnsten unterirdischen Dämon ins Wanken gebracht hat.

Der lange und nackte Hals Geier kommt in der mesopotamischen Kunst nicht häufig vor, während es auf Rollsiegeln nur auf denen vorkommt, die als syro-hethitisch bekannt sind. Die Raubvögel, von denen die „Geier-Stele“ ihren Namen hat, sollen zweifellos Geier darstellen; ebenso wie die Vögel, die auf den Flachreliefs abgebildet sind, die die Wände von Ashur-bani-pals Palast in Ninive schmückten.15 denn in beiden Fällen sind sie eifrig damit beschäftigt, die abgetrennten Gliedmaßen und Köpfe gefallener Feinde wegzutragen.

Das Ostrich erscheint erst in einer späten Periode in der mesopotamischen Kunst, obwohl in Elam Reihen von Straußen auf frühen Töpferwaren abgebildet sind, die den bekannten Straußen auf der vordynastischen Keramik des alten Ägyptens sehr und unerklärlich ähneln. Manchmal wird jedoch angenommen, Seite 26eine auffällige Stelle in der Stickerei des Gewandes eines assyrischen Königs und findet sich auch auf einem Chalzedonsiegel in Paris.16

Das Storch, der im Winter in den babylonischen Sümpfen grast, kommt auf den Rollsiegeln vor, aber in einigen Fällen ist es schwierig, den abgebildeten Vogel zu bestimmen; dieKran und der Trappe beide scheinen vertreten zu sein, während wir ein unzweifelhaftes Beispiel für das Schwan in einem weichen Serpentinsiegel, das Ward als frühassyrisch ansieht.17 Das Hahn ist beschränkt oder praktisch beschränkt auf Rollsiegel aus der Perserzeit.

Enten Die Existenz dieser Gewichte ist durch die Entdeckung von Gewichten aus Stein und Marmor in Form von Enten belegt. Auf einer dieser Gewichte steht der Name Nabû-shum, auf einer anderen der Name Erba-Marduk.

Tauben wurden seit frühester Zeit verwendet und geschätzt, denn Eannatum berichtet uns, dass er dem Gott Enzu vier Tauben opferte, während Schwalben undRavens gab es im Überfluss, denn in der Sintflutgeschichte werden sowohl die Schwalbe und der Rabe als auch die Taube von Ṣit-napishtim ausgesandt, um festzustellen, wie weit die Wasser zurückgegangen sind.18

Auf einem oder zwei Siegeln sind Heuschrecken abgebildet, und auch auf den assyrischen Flachreliefs (vgl. Layard, Serie II, Tafel 9) erscheinen sie als Nahrungsmittel, wo sie auf einem Stock aufgehängt dargestellt sind. Skorpione hingegen sind auf den Rollsiegeln häufig zu sehen und finden sich auf einigen der ältesten.

Fische sind sowohl auf Siegeln als auch auf Palastmauern zu sehen, aber ihre Anwesenheit scheint im Allgemeinen auf den Wunsch des Künstlers zurückzuführen zu sein, beim Betrachter alle Zweifel in Bezug auf das Wasser und den Erfolg seiner Reproduktion auszuräumen. Seite 27Er ist keineswegs allzu optimistisch. An den Wänden von Sanheribs Palast in Kouyunjik ist eine humorvolle Episode aus dem Leben der Fische abgebildet, auf der man sieht, wie eine Krabbe ihre Zangen erfolgreich in den Körper eines unglücklichen Fisches drückt. Einmal ist diese Episode auch auf einem Rollsiegel zu sehen.

Fische wurden zweifellos schon seit frühester Zeit als Nahrungsmittel verwendet. So berichtet Eannatum, dass er seinen Göttern bestimmte Fische als Opfer darbrachte, und eine der von Urukagina, einem König der ersten Dynastie von Lagasch, eingeführten Reformen war die Entlassung der erpresserischen Fischereiinspektoren. In den Sümpfen gibt es noch immer reichlich Fische, von denen einige eine beträchtliche Größe erreichen. Es handelt sich größtenteils um Barben oder Karpfen, deren Fleisch, obwohl grob, den Arabern eine regelmäßige Nahrungsquelle bietet.

Es war weder unnatürlich noch unpassend, dass in einem Land, das aus dem Meer und auf dessen Kosten geschaffen worden war und Jahr für Jahr neu geschaffen wurde und in dem Flüsse und Kanäle die wichtigsten Verkehrswege waren, der Fisch als Herrscher über die Gewässer in den mythologischen und religiösen Vorstellungen der Einwohner dieses Landes einen wichtigen Platz einnahm: So kam es, dass der Gott Ea von Eridu, einer der berühmtesten und bedeutendsten babylonischen Götter und der Oannes der Griechen, der einer Überlieferung zufolge der Schöpfer der Welt war, in der Gestalt eines Fisches dargestellt wurde.

Man darf jedoch nicht der Gefahr erliegen, anzunehmen, dass alle Tiere, Vögel, Fische und Bäume, die entweder auf Denkmälern abgebildet oder in der Literatur der Antike erwähnt werden, zur Fauna oder Flora Mesopotamiens gehörten, als diese Gravuren und Skulpturen angefertigt wurden. Die einzige absolut sichere und ebenso offensichtliche Schlussfolgerung ist, dass die Existenz einer solchen Fauna oder Flora bekannt war, während der Grad der Vertrautheit des Künstlers mit dem betreffenden Exemplar, mit viel Vorbehalt und unter Berücksichtigung der Rohheit der Seite 28frühe Kunst, kann aus der relativen Genauigkeit, mit der er sie reproduziert hat, und auch aus der Häufigkeit ihres Vorkommens auf zeitgenössischen Kunstwerken abgeleitet werden. Was die Literaturbelege betrifft, so besteht leider in vielen Fällen eine gewisse Unsicherheit hinsichtlich der Identifizierung der erwähnten Tiere und Pflanzen, und außerdem sind viele der auf den Denkmälern bildlich dargestellten oder in der Literatur erwähnten Tiere Teil der Tribute der unterworfenen Staaten, deren genauer Fundort, was die Sache noch komplizierter macht, oft ungewiss ist. Manchmal, wie im Fall des Pferdes (vgl. S. 15), lehrt uns die frühe ideografische Schriftform etwas über den Ursprung des erwähnten Gegenstandes, während das Auftreten eines Tieres oder Baumes in der frühen mesopotamischen Kunst und die Existenz desselben Baumes oder Tieres im heutigen Mesopotamien ein gutes Argument dafür ist, es zur antiken Fauna und Flora des Landes zu zählen. Auch hier kann, mit Ausnahmen, angenommen werden, dass Tiere, die von den Königen Babyloniens und Assyriens als Tribut angeboten und angenommen wurden, auf andere Weise genutzt wurden, als ihnen lediglich die Unterbringung in einem zoologischen Garten zu ermöglichen, in welchem ​​Zusammenhang wir vielleicht mit Fug und Recht folgern können, dass Könige Assyriens, die Kamele von Vasallenhäuptlingen annahmen, diese als Transportmittel nutzten, obwohl das Kamel im rauen Land Assyriens selbst nicht mehr von großem Nutzen wäre als heute, da Kamele dazu neigen, auf unebenem Boden auszurutschen, und es daher praktisch notwendig ist, ihre Verwendung auf flachen Sandboden zu beschränken, wie er in Babylonien zu finden ist, wo man sie heute zu Tausenden sieht.

(b) Skizze der babylonischen und assyrischen Geschichte

In den frühen Tagen der babylonischen Geschichte war das Land in eine Anzahl kleiner Fürstentümer oder Stadtstaaten aufgeteilt, und die praktische Umsetzung der genehmigten Seite 29Die Binsenweisheit „Einigkeit macht stark“ wurde erst später erreicht. Auch in dieser Hinsicht weist die frühe Geschichte der babylonischen Zivilisation eine Parallele zu der des alten Ägypten auf, wo das Land ähnlich in eine Reihe von Bezirken oder Gauen aufgeteilt war, die im Laufe der Zeit dazu neigten, sich zu vereinigen und tatsächlich in ein nördliches und ein südliches Königreich kristallisierten. Aber in Ägypten wurde der Prozess der Vereinigung noch einen Schritt weitergeführt, und etwa zur Zeit der Ersten Dynastie schuldeten die Einwohner Ägyptens einem einzigen Herrn Treue – dem König des Nordens und des Südens, wobei seine doppelte Souveränität durch seine Übernahme der Krone des Nordens und der Krone des Südens symbolisiert wurde.

Es ist natürlich unmöglich, das Datum des ersten Auftretens der Sumerer in Babylonien festzulegen, aber die Standorte ihrer frühesten bekannten Siedlungen befanden sich alle in Sumer oder Südbabylonien, ihre wichtigsten Städte waren Ur, Erech, Nippur, Larsa, Eridu, Lagash und Umma. Es ist ebenso unmöglich, ein bestimmtes Datum für die Besetzung Nordbabyloniens oder Akkads durch die Semiten anzugeben. Es genügt zu sagen, dass es für die früheste Periode, aus der historische Aufzeichnungen ans Licht gebracht wurden, Beweise für die Anwesenheit von Semiten oder Akkadern in Akkad neben den Sumerern in Sumer zu geben scheint. Die wichtigsten Zentren semitischer Besetzung waren die Stadt Akkad oder Agade, Babylon, Borsippa (Birs-Nimrûd), Cutha, Opis, Sippar und Kish.

Die Stadt Kisch war seit frühester Zeit ein einflussreicher Faktor in der babylonischen Politik.

So wurde in Tellô (Lagasch) ein gewisser Mesilim, König von Kisch, dessen beschrifteter Keulenkopf gefunden wurde,19 teilt uns mit, dass er dasselbe dem Gott Nin-girsu während des Patesiats von Lugal-shar-engur in Lagash gewidmet hatte und dass er den Tempel dieses Gottes weiter restauriert hatte. Es ist nichts weiter bekannt überSeite 30dieser Patesi von Lagasch, aber Mesilim regierten schon sehr früh in Kisch, denn Entemena von Lagasch beginnt seine historische Skizze der Beziehung, die zwischen seiner eigenen Stadt und der von Umma bestanden hatte, mit der Zeit der Mesilim.

Die rassische Herkunft der Mesilim ist zwar fraglich, aber es besteht kein Zweifel an der semitischen Herkunft von Sharru-Gi, Manishtusu und Urumush, den späteren Königen von Kish, deren Regierungszeit der vorsargonischen Zeit zugeordnet werden muss, und es ist daher vielleicht vernünftig anzunehmen, dass der frühere Mesilim ebenfalls Semit war. Wenn dies der Fall ist, enthält der Streitkolbenkopf dieses Herrschers Beweise dafür, dass die frühsumerische Stadt Lagash einst unter der Herrschaft von Semiten stand, und beweist schlüssig, dass – soweit es dokumentarische Beweise betrifft – Sumerer und Semiten seit der frühesten Periode der mesopotamischen Zivilisation Seite an Seite in Babylonien existierten.

Einige Zeit später gelang es Lagasch, seine Unabhängigkeit zu behaupten, und viele seiner nachfolgenden Herrscher nannten sich „Könige“. Die Erste Dynastie von Lagasch, die anscheinend von Ur-Ninâ gegründet wurde, konnte sich für einige Zeit fest etablieren, doch die Herrschaft Urukaginas sah das Ende der Dynastie und die Einnahme und Plünderung der Stadt durch Lugal-zaggisi, einen Herrscher der Nachbarstadt Umma.

Lugal-zaggisis Reich umfasste Ur, Erech, Larsa und Nippur und er war zweifellos einer der mächtigsten Herrscher seiner Zeit. Andere vorsargonische Könige, deren Macht speziell mit Erech und Ur verbunden war, waren Lugal-kigub-nidudu und Lugal-kisalsi, aber das Ausmaß ihres Einflusses kann nicht mit Sicherheit geschätzt werden.

In der Zeit unmittelbar vor der Gründung des Reiches von Shar-Gâni-sharri und Narâm-Sin scheint der Sammelpunkt der semitischen Streitkräfte von Akkad die Stadt Kish gewesen zu sein, deren Eroberungen drei Seite 31Die Könige Sharru-Gi Manishtusu und Urumush bereiteten in Agade den Weg für ihre Nachfolger. So scheinen sowohl Manishtusu als auch Urumush ihre Macht nach Süden bis ins Land Sumer ausgedehnt zu haben, während beide Könige erfolgreich gegen Elam kämpften.

Das Reich von Shar-Gâni-sharri und Narâm-Sin sollte jedoch das seiner Vorgänger völlig in den Schatten stellen, denn es umfasste nicht nur den Norden und Süden Mesopotamiens, sondern auch Syrien und Palästina und war tatsächlich das erste babylonische Reich, das diesen Namen verdiente.

Inzwischen war die Macht der Sumerer im Süden vorübergehend in Schach gehalten worden, und die Patesis von Lagasch und andere sumerische Zentren der damaligen Zeit regierten eindeutig auf Grundlage von Duldung und nicht aufgrund von Rechten, die sie auf dem Schlachtfeld erfolgreich durchzusetzen bereit waren.

Aber bei der Thronbesteigung Gudeas um 2450 bcwurde die für einen Moment rauchende Flamme des sumerischen Einflusses in Babylonien erneut entzündet und eine starke antisemitische Welle setzte ein. Diese Welle scheint nicht von einer Reihe von Kriegen oder Schlachten gekennzeichnet gewesen zu sein, denn die Aufzeichnungen Gudeas, des mächtigsten Herrschers unter den späteren Patesis von Lagasch, erwähnen selten militärische Erfolge, doch der Umfang seiner Bautätigkeiten zeugt von den reichlichen Ressourcen, die ihm zur Verfügung standen, und die Namen der Länder, die er für Baumaterialien zur Verfügung stellte, beweisen schlüssig, dass Lagasch während der Herrschaft Gudeas beträchtlichen Einfluss ausübte. Die Liste der Orte, aus denen er Holz und Steine ​​bezog, umfasst die Berge in Arabien und an der syrischen Küste, während er Kupfer aus den Minen im elamitischen Gebiet östlich des Tigris holte.

Doch die Bedeutung von Lagasch sollte bald schwinden und Ur wurde zur dominierenden Macht in Babylonien. Die Dynastie von Ur (Umlauf 2400 bc), die fast 120 Jahre dauerte, wurde von Ur-Engur gegründet. Er umfasste Seite 32ganz Südbabylonien in seinem Einflussbereich, während er im Norden in Nippur Zeugnisse seiner architektonischen Unternehmungen hinterließ; daher nannte er sich selbst „König von Sumer und Akkad“, aber die Tatsache, dass sein Sohn und Nachfolger Dungi es für notwendig hielt, Babylon zu erobern, weist darauf hin, dass seine Autorität in Akkad nicht unangefochten war. Dungi regierte 58 Jahre, in denen er ganz Babylonien unter seine Herrschaft brachte und anscheinend den größten Teil von Elam annektierte. Er hatte seine Kontrolle über Elam so fest etabliert, dass wir die Hauptstadt dieses Landes (Susa) noch immer von seinen Nachfolgern behalten sehen, obwohl häufige Expeditionen unternommen werden mussten, um den „Status quo“ aufrechtzuerhalten.

Die Dynastie von Ur scheint durch eine Invasion der Elamiter beendet worden zu sein. Jedenfalls wurde Ibi-Sin, der letzte König von Ur, von den Elamitern verschleppt, und die Herrschaft in Babylonien ging dann an die Stadt Isin über. Die Dynastie von Isin dauerte etwa 225 Jahre, während derer Babylonien großen Wohlstand genoss.

In der zweiten Hälfte der ersten Hälfte dieses Zeitraums scheint die Macht in Babylonien vorübergehend in die Hände von Gungunu übergegangen zu sein, dem König von Ur und Larsa, der Anspruch auf die Herrschaft über ganz Sumer und Akkad erhob. Seine Vorherrschaft war jedoch nur von kurzer Dauer, und Isin erlangte bald seine Stellung als überragende Macht in Babylonien zurück.

Inzwischen gewann das semitische Element im Norden allmählich wieder an Bedeutung und wurde schließlich um das Jahr 2000 in der Gründung einer Dynastie durch Sumu-abu in der Stadt Babylon selbst zum Ausdruck gebracht. bc

Etwa zu dieser Zeit ließen sich die Elamiten in Südbabylonien in Ur und Larsa unter Kudur-Mabuk und seinen Söhnen Arad-Sin und Rîm-Sin nieder und übten während der ersten Phase der Dynastie die Oberhoheit über die gesamte Region aus. Später erlitt Rîm-Sin eine schwere Niederlage gegen Khammurabi. Seite 33der berühmteste König der Dynastie und der Amraphel des Buches Genesis, während er durch Samsu-iluna, Khammurabis Nachfolger, getötet wurde. Mit dem Tod von Rîm-Sin endete die Macht Elams in Babylonien.

Khammurabi festigte die Macht Babylons und weitete seinen Einfluss nach allen Seiten aus, doch sein größter Ruhm beruht auf seiner Kodifizierung des babylonischen Rechts. Doch Babylons Vorherrschaft im Süden wurde bald erfolgreich von Iluma-ilu in Frage gestellt, der an den Ufern des Persischen Golfs ein Königreich gründete und die sogenannte „Zweite Dynastie“ der Königslisten einführte.

Iluma-ilu war ein Zeitgenosse von Samsu-iluna, dessen Angriffe er zweimal abwehrte. Abêshu‘, der Nachfolger von Samsu-iluna auf dem Thron von Babylon, versuchte auf ähnliche Weise, das rebellische „Land des Meeres“ unter seine Kontrolle zu bringen, jedoch ohne Erfolg, und von diesem Zeitpunkt an wurde Südbabylonien von den Königen des „Landes des Meeres“ regiert.

Doch Samsu-iluna hatte neben den Rebellen aus dem Süden noch mit einem weiteren Feind zu kämpfen, der zudem letztlich dazu bestimmt war, ganz Babylonien zu unterwerfen, unter dessen Herrschaft es mehrere Jahrhunderte lang regiert wurde.

Die Kassiten waren ein kriegerisches Volk, dessen Heimat östlich des Tigris und nördlich von Elam lag. Offenbar begannen sie während der Herrschaft von Samsu-iluna mit Überfällen auf babylonisches Territorium, obwohl sie die babylonische Macht offenbar nicht wesentlich beeinflusst haben. Etwa ein Jahrhundert später jedoch wurde die Dynastie Babylons durch eine Invasion der Hethiter aus Kappadokien beendet, die die Stadt plünderten, den Tempel des großen Stadtgottes Marduk zerstörten und seine Statue als Trophäe davontrugen. Die Eroberung durch die Hethiter muss den Weg für die Invasion der Kassiten geebnet haben, die sich für eine sehr lange Zeit sicher auf dem Thron Babylons etablierten. Zunächst würde ihr Einflussbereich Seite 34scheinen auf die nördliche Hälfte der Ebene beschränkt gewesen zu sein, später dehnten sie ihre Macht jedoch auf das Land des Meeres aus.

Inzwischen war Assyrien in Nordmesopotamien zu einem eigenständigen und unabhängigen Königreich geworden und die Zeichen seiner künftigen Größe waren bereits am Horizont sichtbar.

Das Datum der Kolonisierung Assyriens ist nicht bekannt, aber es muss auf jeden Fall vor der Zeit Khammurabis gewesen sein, denn das Land trug zu seiner Zeit den Namen „Assyrien“ und wurde in die Grenzen seines Reiches einbezogen. Der Kampf um die Vorherrschaft endete schließlich mit einem Sieg der Nordländer, die unter ihrem König Tukulti-Ninib (Umlauf 1275 bc) führte die Eroberung Babyloniens durch. Zusätzlich zu seinem Titel „König von Assyrien“ nannte sich Tukulti-Ninib „König von Karduniash (d. h. Babylon), König von Sumer und Akkad“. Von diesem Datum an bis zur Zerstörung von Ninive (Umlauf 606 bc) und der Gründung des kurzlebigen neubabylonischen Reiches durch Nabopolassar nimmt Babylonien in der politischen Geschichte Vorderasiens eine untergeordnete Stellung ein.

Die unmittelbaren Nachfolger von Tukulti-Ninib I. scheinen ständig im Krieg mit den Babyloniern gewesen zu sein, die sich zu keiner Zeit ihrer Geschichte bereitwillig dem assyrischen Joch unterwarfen. Die Thronbesteigung von Tiglat-Pileser I. um 1100 bc leitete eine neue Periode in der Geschichte der assyrischen Expansion ein. Einige der Bergstämme, die den früheren assyrischen Monarchen Treue geschworen hatten, hatten sich erhoben, und Tiglat-Pileser machte es sich zur Aufgabe, sie zu vernichten. Die nördlichen Moschianer, die sechzig Jahre zuvor Vasallen Assyriens gewesen waren, waren unter der Führung von fünf Königen in das Gebiet von Kommagene eingedrungen, wurden jedoch von Tiglat-Pileser effektiv zurückgedrängt, und das Land Kommagene wurde „in seiner gesamten Ausdehnung“ erobert.

Verschiedene andere Stämme im Norden, darunter die Nairi Seite 35die wichtigsten gewesen zu sein scheinen, gerieten in ähnlicher Weise unter die Herrschaft der Assyrer.

Auch ein Feldzug gegen Babylonien war für den Moment erfolgreich und er konnte Babylon, Sippar, Opis und andere Städte in Untermesopotamien einnehmen. Doch sein Triumph hier währte nur kurz, und die Assyrer wurden von Marduk-nadin-akhê, dem König von Babylon, vertrieben, der weiter in Assyrien einfiel und die Statuen einiger assyrischer Götter mitnahm.

Assur-bel-kala, der Sohn und Nachfolger von Tiglat-Pileser I., holte das Vermögen der assyrischen Streitkräfte im Süden zurück und zwang Marduk-shapik-zerim, den Nachfolger von Marduk-nadin-akhe, um Frieden zu bitten.

Doch nach der Herrschaft der beiden Söhne Tiglat-Pilesers I. erlitt Assyrien eine schwere Katastrophe durch die Hethiter und verlor das von Tiglat-Pileser eroberte Gebiet. Nordsyrien, das gezwungen war, die Oberhoheit Tiglat-Pilesers anzuerkennen, behauptete nun seine Unabhängigkeit und blieb für einige Zeit Herrin seines eigenen Schicksals.

Damit verlor Assyrien vorläufig seine Stellung als Weltmacht und erst unter der Herrschaft von Tukulti-Ninib II. (890-885 bc), dass ihr Glück wieder aufblühte. Die Nairi wurden von diesem König erneut besiegt und anscheinend wurde das gesamte Tal des oberen Tigris erneut unterworfen. Ashur-naṣir-pal (885-860 bc) setzte die Expansions- und Rückeroberungsarbeiten fort. Mit der weiteren Ausdehnung der assyrischen Macht nach Norden wurde sofort die Notwendigkeit einer Hauptstadt erkannt, die eine zentralere Position als das alte Ashur einnahm, und dementsprechend verlegte Ashur-naṣir-pal seinen Regierungssitz nach Calah (Nimrûd), etwa sechzig Kilometer nördlich von Ashur.

Fast 500 Jahre zuvor hatte Salmanassar I. den Grundstein für eine Stadt in Kalah gelegt, doch die unruhigen Umstände der Zeit hatten ihr Wachstum verzögert. Assur-naṣir-pal zerstörte die Überreste der alten Stadt, Seite 36und gründete an derselben Stelle eine neue Stadt, und Calah blieb mindestens ein Jahrhundert lang die Hauptstadt des Reiches.

Ashur-naṣir-pal erweiterte seinen Einflussbereich auch in westlicher Richtung und führte einen Triumphzug durch Nordsyrien durch, doch scheint er es vorsichtig vermieden zu haben, mit dem mächtigen König von Damaskus in Konflikt zu geraten.

Ashur-naṣir-pals Sohn und Nachfolger, Salmanassar II. (860-825), festigte die Arbeit seines Vaters und Großvaters und machte gleichzeitig selbst neue Eroberungen. Seine Feldzüge im Westen brachten ihn in Kontakt mit den Israeliten, und wir finden Ahab, König von Israel, als einen der syrischen Verbündeten erwähnt, die gegen ihn rebellierten. Einige Jahre später wurde Salmanassar Oberherr Israels und erhielt Tribut von Jehu, dem Usurpator.

Nach der Herrschaft der unmittelbaren Nachfolger Salmanassars begann die Macht Assyriens vorübergehend zu schwinden und die unterworfenen Nationen behaupteten ihre Unabhängigkeit, doch im Jahr 745 bc Tiglat-Pileser III., oder Pul, wie er in 2. Könige 19, 734 und anderswo genannt wird, bestieg den Thron und stellte den Einfluss und die Autorität Assyriens in Westasien wieder her. Seine Kriege in Syrien bedeuteten eine Katastrophe für Israel und den Verlust der Unabhängigkeit für Juda. Ahas, König von Juda, hatte Tiglat-Pileser um Hilfe gegen die verbündeten Streitkräfte von Rezin, König von Damaskus, und Pekach, König von Israel, gebeten. Tiglat-Pileser nutzte sofort diese goldene Gelegenheit, sich in die inneren Angelegenheiten Palästinas einzumischen, besiegte Israel und Damaskus und führte die israelitischen Stämme Ruben, Gad und den halben Stamm Manasse in die Gefangenschaft (XNUMX bc). Hosea, Mörder und Usurpator, erkaufte sich das Recht auf den Thron Israels für zehn Talente Gold und eine gewisse Menge Silber, aber in der Regierungszeit von Tiglat-Pilesers Nachfolger, Salmanassar IV. (727-722 bc) wurde er in eine Intrige mit Ägypten verwickelt, die zu seiner Deportation nach Assyrien führte, wo er den Rest seines Seite 37seine Tage als Gefangener. In der Zwischenzeit wurde Samaria, die Hauptstadt seines Königreichs, belagert und nach einer zweijährigen Belagerung von Sargon eingenommen, der die größere Hälfte der Bevölkerung nach Assyrien deportierte. Sargon, „der Sohn eines Niemands“, d. h. ein Usurpator, war einer der größten assyrischen Könige (722-705 bc) und war die erste, die in einen tatsächlichen Konflikt mit den Ägyptern geriet. Palästina als Ganzes zeigte keine Bereitschaft, gegen seinen mächtigen Oberherrn zu den Waffen zu greifen, aber die Philisterstadt Gaza, die auf die Unterstützung Ägyptens vertraute, weigerte sich, sich zu unterwerfen. Hannon, der Philisterkommandant, zog sich nach dem Scheitern des Versuchs, die assyrische Armee zurückzuschlagen, nach Raphia zurück, einer Stadt an der Grenze zu Ägypten, wo er sich mit dem ägyptischen General Shabê verband. In Raphia kämpften die gegnerischen Armeen zusammen, und nach einem erbitterten Kampf mussten sich die Verbündeten vor der besser ausgerüsteten und disziplinierteren Armee Sargons zurückziehen. Nach seiner Rückkehr sah sich Sargon gezwungen, Babylonien erneut zu unterwerfen, und er führte auch Krieg gegen Elam. Ihm folgte sein Sohn Sanherib (705-681) bc). Nachdem er die Aufstände niedergeschlagen hatte, die immer die Thronbesteigung eines neuen Königs signalisiert zu haben scheinen, marschierte Sanherib in Syrien ein, etablierte seine Herrschaft über Nordpalästina, besiegte die rebellische Philisterstadt Askalon und griff dann die Stadt Ekron an, zu deren Unterstützung eine ägyptische Armee zusammengekommen war. Ihre vereinten Streitkräfte wurden von Sanherib bei Altaku vernichtend geschlagen und Ekron fiel. Als nächstes beschäftigte ihn Juda; nachdem er zahlreiche kleine Städte erobert und etwa 200,000 Einwohner versklavt hatte, belagerte er Jerusalem. Hiskia, der König von Juda, hielt der Belagerung einige Zeit stand, aber er litt unter Hungersnot und musste nachgeben. Er erkaufte sich die Sicherheit seiner Stadt, indem er den Tempel seiner Schätze beraubte. Sanherib kehrte daraufhin nach Assyrien zurück, aber zwei Jahre später veranlasste Hiskias Ablehnung seiner Oberhoheit eine weitere Expedition nach Palästina. Die assyrischen Truppen stationierten sich zunächst Seite 38Die Assyrer zogen sich in Lachisch zurück, von wo Sanherib einen Boten zu Hiskia schickte, um seine sofortige Kapitulation zu fordern. In der Zwischenzeit marschierte Sanherib nach Westen, um die ägyptische Armee in Pelusium, einer der Grenzstädte Ägyptens, anzugreifen. Doch eine plötzliche Katastrophe – möglicherweise ein Ausbruch der Pest – ereilte das assyrische Heer, und Sanherib kehrte nach Ninive zurück. Bei seiner Rückkehr nach Hause sah er sich gezwungen, das rebellische Babylon erneut niederzuschlagen, und um sein Werk nachhaltiger zu machen, zerstörte er die Stadt vollständig (689 bc). Gegen Ende seiner Herrschaft führte er einen Feldzug in Kilikien durch, wo er die Griechen besiegte und angeblich den Grundstein für die Stadt Tarsus legte. Im Jahr 681 bc Er wurde von seinen Söhnen ermordet und die Krone fiel schließlich auf das Haupt von Asarhaddon (681-668 bc). Das auffälligste Ereignis seiner Herrschaft war die Eroberung Unterägyptens (672 bc), doch gegen Ende seiner Herrschaft eroberte Tirhaka, der äthiopische König von Ägypten, Memphis zurück und drohte, der assyrischen Herrschaft ein Ende zu setzen; seine Unterwerfung war eine der ersten Taten von Ashur-bani-pal, dem Nachfolger von Asarhaddon. Juda wurde ebenfalls unzufrieden, doch es unterwarf sich rasch und sein König Manasse wurde in die Gefangenschaft geführt.

Ashur-bani-pal folgte 668 Asarhaddon nach. bc Die Wiederherstellung der assyrischen Macht in Ägypten nahm einige Zeit in Anspruch und wurde schließlich mit der Einnahme von Theben (666) abgeschlossen. bc). Unter Ashur-bani-pal erreichte Assyrien den Höhepunkt seiner Macht im In- und Ausland und die Grenzen seines Reiches wurden weiter ausgedehnt als je zuvor. Nach einem langen Krieg wurde Elam unterworfen, doch anschließend schloss es sich Schamasch-Schum-Ukin, dem Bruder von Ashur-bani-pal und Vizekönig von Babylonien, bei einem organisierten Aufstand gegen Assyrien an, der mit der Niederlage Schamasch-Schum-Ukin und schließlich mit der Eroberung und Plünderung von Susa, der Hauptstadt Elamitens, endete (Umlauf 640 bc).

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Während Ashur-bani-pal also mit Babylonien und Elam beschäftigt war, ergriffen Lydien auf der einen Seite und Ägypten auf der anderen Seite die Gelegenheit, das Joch ihres Oberherrn abzuschütteln. Lydien wurde geschwächt, aber Ägypten gelang es, seine Unabhängigkeit zu bewahren. Gegen Ende von Ashur-bani-pals Herrschaft hatte sich das Rad des Schicksals bereits zu drehen begonnen, und am östlichen Horizont zogen bereits Wolken auf. Die Meder hatten vor seinem Tod im Jahr 626 einen Einfall in assyrisches Gebiet unternommen. bc, und wenige Jahre nach diesem Ereignis fügte Kyaxares, der König der Meder, der assyrischen Armee eine Niederlage zu und belagerte Ninive. Das Ende wurde jedoch durch den Vormarsch der skythischen Horden vorübergehend aufgehalten.

Kurz darauf wurde Ninive erneut von Kyaxares und Nabopolassar, einem assyrischen General, der das Kommando über Babylonien hatte, angegriffen. Nach einer zweijährigen Belagerung wurde die Stadt eingenommen und zerstört (Umlauf 606 bc). Assyrien geriet nun unter die Macht der Meder und Babylonien fiel an Nabupolassar, der das Neubabylonische Reich gründete. Dieses spätbabylonische Reich dauerte insgesamt nur etwa siebzig Jahre. Auf Nabupolassar folgte Nebukadnezar, der zum Zeitpunkt des Todes seines Vaters einen Feldzug gegen Necho, den König von Ägypten, führte, dem er bei Karkemisch eine schwere Niederlage zufügte. Seine palästinensischen Feldzüge führten zur Eroberung Jerusalems und zur Gefangenschaft eines großen Teils der Bevölkerung von Juda. Sowohl Jojakim als auch Zedekia, Könige von Juda, versuchten, das babylonische Joch abzuschütteln, aber ohne Erfolg. Nebukadnezars Nachfolger taten wenig, was einer Erzählung würdig wäre, und während der Herrschaft von Nabonid wurde Babylon, das unter dem Kommando von Belsazar stand, 539 von Cyrus erobert. bc, und Babylonien kam unter die Herrschaft der Perser. Es blieb unter persischer Herrschaft bis zur Machtergreifung Alexanders des Großen und wurde dann eine griechische Provinz.


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KAPITEL II – AUSGRABUNGEN

TDie Geschichte der eigentlichen Ausgrabungen beginnt eigentlich mit der ersten Expedition, die zu diesen Grabungen ausgesandt wurde. Es gibt jedoch einen Gelehrten, der, obwohl er keine Ausgrabungen in großem Maßstab durchführte, als erster Keilschriftinschriften nach Europa brachte und aus diesem Grund eine besondere Erwähnung verdient.

CJ Rich, geboren 1787 in Dijon, war schon im Alter von neun Jahren vom Studium orientalischer Sprachen fasziniert und erlernte im Laufe der Zeit Hebräisch, Persisch, Aramäisch und Arabisch, während er im phänomenalen Alter von vierzehn Jahren angeblich versuchte, chinesische Hieroglyphen zu lesen. 1803 wurde er Kadett im Dienst der East India Company, wobei sein Militärposten später gegen einen zivilen Posten eingetauscht wurde. Nachdem er Ägypten, Palästina, Kleinasien und andere Länder besucht hatte, kehrte er nach Bombay zurück, wurde jedoch noch vor seinem vierundzwanzigsten Lebensjahr zum Residenten der East India Company in Bagdad ernannt. 1811 besuchte er die Ruinen von Babylon, ein Bericht darüber findet sich in seinen „Memoir on the ruins of Babylon“, während sein Besuch in Ninive in seinem „Bericht über einen Aufenthalt in Koordistan und an der Stätte des antiken Ninive, mit Tagebuch einer Reise den Tigris hinunter nach Bagdad und einem Bericht über einen Besuch in Shiraz und Persepolis.” Rich verdanken wir außerdem unsere ersten genauen Pläne von Ninive und Babylon. Im Laufe seiner Reisen sammelte er große Sammlungen, die hauptsächlich aus arabischen, persischen, türkischen, aramäischen und syrischen Manuskripten, einer Reihe griechischer und orientalischer Münzen sowie vielen Antiquitäten aus Babylon und Ninive bestanden, darunter die Seite 41die ersten Keilschrifttafeln, die in Europa gesichtet wurden: Seine Sammlungen wurden nach seinem Tod an Cholera im Jahr 1820 von den Treuhändern des British Museum erworben.

Als Pionier auf dem Gebiet der Ausgrabungen nahm jedoch M. Botta, der französische Konsul in Mosul, zeitlich den ersten Platz ein. Im Jahr 1842 begann er auf Anraten von Mohl mit der Erforschung des Hügels von Kouyunjik, einem der beiden Hügel, die den Standort der Stadt Ninive markieren. Da er jedoch nur wenig Erfolg hatte, richtete er seine Aufmerksamkeit 1843 auf den Hügel von Khorsabad (die Stadt Chosroes), einige Meilen nördlich von Mosul, wo er die Ruinen eines Palastes freilegte, der sich als der von Sargon, dem König von Assyrien (722-705), herausstellte. bc) und der Vater von Sanherib. Im Jahr 1851 bewilligte die französische Nationalversammlung Geld für eine Expedition nach Babylonien und auch für eine weitere Expedition nach Assyrien, deren Ziel es war, die Ausgrabungen abzuschließen, die in Khorsabad mit so viel Erfolg begonnen worden waren: Diese Expedition wurde von Victor Place geleitet, der gleichzeitig Bottas Nachfolger als französischer Konsularagent in Mosul wurde. In den Jahren 1851-1855 schloss Place die Ausgrabung von Sargons Palast ab und legte auch die umliegenden Gebäude und Räume frei, wobei er seine Arbeit bis an die Stadtmauern führte; Khorsabad enthielt die Ruinen einer ganzen befestigten Stadt, die etwa 2500 Jahre lang begraben gelegen hatte: Die Stadt wurde nach ihrem Gründer Sargon Dûr-Sharrukîn genannt. Die vier Ecken der Stadtmauern waren auf die vier Himmelsrichtungen ausgerichtet, die Mauern selbst waren von acht riesigen Toren durchbrochen, von denen jedes nach einer assyrischen Gottheit benannt war. Der Palast war auf einem 45 Fuß hohen, terrassierten Hügel aus groben oder ungebrannten Ziegeln errichtet worden und durch eine Umfassungsmauer aus großen quadratischen Steinen geschützt. Der Palast enthielt breite Hallen, die mit Skulpturen, geflügelten Stieren und dergleichen geschmückt waren. Die Böden der verschiedenen Seite 42Die Kammern bestanden im Allgemeinen aus gestampftem Lehm und waren zweifellos durch kunstvolle Teppiche vor Blicken geschützt. Manchmal jedoch verdeckten Fliesen oder Marmorblöcke den unansehnlichen Lehm.

Die Wände waren sehr dick, nämlich 9 1/2 bis 16 Fuß, an einer Stelle waren sie sogar 25 1/2 Fuß dick. Die Innenwände der weniger wichtigen Kammern waren nur mit einem weißen Putz bedeckt, der von schwarzen Linien umgeben war, während die sogenannten Frauengemächer mit Fresken und weißen oder schwarzen Arabesken verziert waren. Im Haremshof wurden Marmorstatuen ausgegraben und die Überreste einer Zikkurat oder eines Bühnenturms – ein charakteristisches Merkmal mesopotamischer Tempel – wurden ans Licht gebracht. Die Ausgrabungen von Place waren zwar nicht so ergiebig, was große Skulpturen und Denkmäler anbelangte wie die von Botta, aber sie waren besonders ergiebig, was kleinere Objekte aus Glas, Stein, Ton und Metall anbelangt.

Der erste Engländer, der das Feld betrat, war Layard, der 1845, nur zwei Jahre nach Bottas erster Expedition, mit der Ausgrabung der zerstörten Hügel von Nimrûd begann. Nimrûd, das sich als das antike Calah erwies, war genau wie Khorsabad auf einem rechteckigen Plateau erbaut, und die Erkundung des Standorts brachte eine reiche Ernte an neuem Material für die Rekonstruktion der Geschichte der Vergangenheit. Assur-naṣir-pal, König von Assyrien (885-860), verlegte, dem Beispiel von Salmanassar I. (um 1300) folgend, den Regierungssitz von Assur sechzig Kilometer weiter nordwärts nach Calah, wo er sich einen Palast errichtete, dessen Ausgrabung einer von Layards größten Triumphen war. Dieser Palast nahm den nordwestlichen Teil des Hügels ein und wurde von Sargon teilweise restauriert; nördlich dieses Palastes von Ashur-naṣir-pal befand sich der Tempel des Kriegsgottes Ninib oder Adar. Salmanassar II. (860-825), der Nachfolger von Ashur-naṣir-pal, baute ebenfalls einen Palast in Calah, südöstlich des Palastes seines Vorgängers. Dieser Palast, bekannt als Seite 43Der zentrale Palast wurde von Tiglatpileser III., dem biblischen Pul (745-727), fast vollständig neu aufgebaut. bc).

Tafel II

1
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3
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4
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1. Kouyunjik und Nebi Yûnus aus dem Norden3. Nimrud (Kalah)
2. Kouyunjik und Nebi Yûnus aus Mosul4. Chorsabad

An der südwestlichen Ecke wurde der Palast von Asarhaddon (681-668) ausgegraben, bei dessen Bau dieser König die Materialien der älteren Paläste auf die skrupelloseste Weise verwendete, aber das Gebäude wurde durch Feuer stark beschädigt. Nördlich von Asarhaddons Palast und südlich von dem von Ashur-naṣir-pal lag der vergleichsweise kleine Palast von Adad-nirari III. (812-783 bc), und in der südöstlichen Ecke des Parallelogramms wurden die unbedeutenden Überreste des Palastes von Ashur-etil-ilâni (ca. 625), einem der letzten Monarchen Assyriens, ans Licht gebracht.

So entdeckte und grub Layard die Überreste von etwa sieben Königspalästen in Nimrud aus; von diesen sieben war der von Ashur-naṣir-pal aus archäologischer und historischer Sicht bei weitem der bedeutendste.

Wandreliefs, geflügelte Löwen und Stiere mit Menschenköpfen (vgl. Tafel). XXV), Obelisken, Bronzeschalen, eiserne Erntemesser und Speerspitzen, geschnitzte Elfenbeintafeln und Spiegel, eine „versilberte“ Zepterspitze und verschiedene Glocken sind nur einige der vielen wertvollen Funde in Nimrûd, von denen jeder seinen Beitrag, sei er klein oder groß, zur Wiederherstellung einer Seite der Menschheitsgeschichte und kulturellen Evolution leistet.

Die eindrucksvollsten Monumente, die bei assyrischen Ausgrabungen freigelegt wurden, sind jedoch zweifellos die riesigen geflügelten Stiere und Löwen, die vor den Toren des Königspalastes aufgestellt waren. Die Entfernung dieser Monster der orientalischen Antike war eine noch schwierigere Aufgabe als ihre Ausgrabung und forderte den Erfindungsreichtum sowohl französischer als auch englischer Forscher aufs Äußerste.

Die von den Franzosen in Khorsabad ausgegrabenen Funde wurden stückweise nach Paris verschifft. Die Teile, in die sie zersägt worden waren, um den Transport zu erleichtern, wurden im Louvre, dem Museum, das sie heute schmücken, wieder zusammengefügt. Layard jedoch verfolgte eine Seite 44andere Methode, um den Transport der geflügelten Stiere von Nimrud nach London zu bewerkstelligen, mit der er sie erfolgreich intakt und ohne sie in irgendeiner Weise zu zerbrechen herüberbrachte; die außerordentlichen Schwierigkeiten, die mit dieser Leistung verbunden waren, geben uns eine lebendige Vorstellung von den ähnlichen Schwierigkeiten, die die Assyrer beim Transport dieser massiven Steinmassen aus dem Steinbruch zu den Eingängen der Paläste und bei der genauen Ausrichtung an ihren jeweiligen Stellen überwinden mussten. Layard gibt uns eine detaillierte Beschreibung20 des Plans, den er zur Entfernung einiger dieser schwerfälligen Ungeheuer ersann, von denen bereits dreizehn Paare entdeckt worden waren. Seine ersten Bemühungen galten zwei der kleineren Kolosse. Das erste und größte Problem, das gelöst werden musste, war, wie man sie herablassen konnte, ohne dass die Gefahr bestand, dass sie herunterfielen und dabei zerbrachen. Die Skulpturen wurden zunächst in Matten oder Filz eingewickelt, um die Auswirkungen eines möglichen Unglücks abzumildern, das ihnen zustoßen könnte, sei es durch nachgebende Seile oder durch Schnitte im weichen Gestein. Aus den Bergen wurden schwere Holzrollen beschafft; diese wurden auf parallel zur Skulptur verlegte Schwellen gelegt, und nun musste nur noch das geflügelte Geschöpf auf die Rollen herabgelassen werden; dies wurde mithilfe geschickt angebrachter Seile erreicht, wobei der Abstieg des allmählich sinkenden Denkmals durch dicke Balken gebremst wurde, die es beim Fall stützten und nach und nach zurückgezogen wurden, je nach Bedarf. Als der Stier sich den Rollen näherte, mussten die Balken vollständig entfernt werden, wodurch das gesamte Gewicht und die Belastung auf den Kabeln und Seilen lasteten, die sich dehnten, bis sie schließlich den Bruchpunkt erreichten, und der Stier etwa vier Fuß oder mehr zu Boden fiel, aber glücklicherweise ohne Schaden zu nehmen. Ein Graben von etwa 200 Fuß Länge, 15 Fuß Breite und an einigen Stellen 20 Fuß Tiefe wurde ordnungsgemäß ausgehoben, durch den der Stier auf den Rollen bis zum Rand des Hügels gelangen konnte – dieser Weg war notwendig, da Seite 45Da es unmöglich war, ein so massives Gewicht zu heben, wurde das riesige Tier von einer großen Anzahl Araber langsam bis zum Ende des Grabens und den Hang des Hügels hinuntergezogen, wo es auf einen speziell konstruierten Karren herabgelassen wurde, der für die Eingeborenen seit seinem Erscheinen ein Wunderwerk war. Der Karren selbst war mit zwei starken Achsen ausgestattet, die Botta beim Abtransport von Skulpturen aus Khorsabad verwendet hatte. „Jedes Rad bestand aus drei massiven, fast einen Fuß dicken Teilen aus dem Stamm eines Maulbeerbaums, die durch Eisenreifen zusammengebunden waren. Über die Achsen lagen drei Balken und darüber mehrere Querbalken, alle aus demselben Holz. An einer Achse war eine Stange befestigt, an der auch Eisenringe für Seile befestigt waren, damit Menschen wie Büffel den Karren ziehen konnten. Die Räder waren zu demselben Zweck mit beweglichen Haken versehen.“ Das verwendete Maulbeerholz musste natürlich in den Bergen beschafft werden, da es im mesopotamischen Tal kein Holz der erforderlichen Stärke oder Größe gab. Zuerst wurden Büffel an die Stange gespannt, während eine Anzahl Männer an den Seilen zogen, die an den Rädern und den beweglichen Haken befestigt waren, aber die Büffel scheinen bald angebissen zu haben und wurden daher herausgeholt, wobei die ganze Arbeit nun von dreihundert Arabern erledigt wurde. Schließlich, nach unzähligen Anstrengungen, erreichte der Stier den Fluss, wo er auf einer speziell vorbereiteten Plattform landete, von der er auf ein Floß gleiten konnte. So viel zu den Hindernissen, die es zu überwinden galt, um diese riesigen Steinblöcke durch einen Bagger des 19. Jahrhunderts zu entfernen, und daraus können wir uns eine kleine und sehr unzureichende Vorstellung vom unbezwingbaren Eifer und der unbesiegbaren Energie der Assyrer vor etwa 26 oder 27 Jahrhunderten machen, als sie die Schutzgeister gruben, schnitzten, transportierten und befestigten.

Tafel III

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Von Layard

Ausgrabungen in Nimrûd (Calah) im Palast von Ashur-naṣir-pal

Kalah (Nimrud) war 220 Jahre lang (885-668) die Hauptstadt Assyriens, musste aber am Ende dieser Zeit ihre Vorherrschaft an Ninive abtreten, das Sanherib Seite 46wieder aufgebaut und war die Hauptstadt des Reiches von seiner Zeit bis zum Ende des Kapitels, also bis etwa 630 bc Sanherib baute natürlich einen Palast in seiner neuen Hauptstadt Ninive, und die Entdeckung und Ausgrabung dieses Palastes sind auch den unermüdlichen Bemühungen des verstorbenen Sir Henry Layard und seines Assistenten Hormuzd Rassam zu verdanken. Dieser Palast von Sanherib befand sich an der südwestlichen Ecke der nördlichen der beiden Hügelgruppen, die als Kouyunjik bekannt sind und den Standort des alten Ninive markieren, Ashur-bani-pals (668-626 bc) Palast, der sich unmittelbar nördlich davon befand. Leider wurde Sanheribs Palast von einem Brand heimgesucht, als die Meder die Stadt im Jahr 606 einnahmen. bc Infolgedessen sind die meisten seiner Wandreliefs stark beschädigt. Die vollständige Ausgrabung dieses Palastes war der große Triumph von Layards zweitem Feldzug (1849-1851), und die von den Wänden seiner über siebzig Hallen und Kammern entnommenen Flachreliefs bilden heute trotz ihres vergleichsweise schlechten Erhaltungszustands einen der wertvollsten Besitztümer des Britischen Museums. Doch eine weitere epochale Entdeckung in den Annalen der mesopotamischen Ausgrabungen muss diesem weltberühmten Ausgräber zugeschrieben werden.

Eines Tages entdeckte Layard zwei miteinander verbundene Kammern, und nachdem er den Schutt beseitigt hatte, stellte er fest, dass sie „bis zu einer Höhe von einem Fuß oder mehr über dem Boden vollständig mit Keilschrifttafeln aus gebranntem Ton gefüllt waren, von denen einige ganz, die meisten jedoch in zahlreiche Fragmente zerbrochen waren.“

Tatsächlich war er zufällig auf einen Teil der Bibliothek von Ashur-bani-pal gestoßen, einem der größten Könige Assyriens. Die Bibliothek scheint teilweise im nördlichen Palast, dem eigentlichen Ashur-bani-pal, und teilweise im südwestlichen Palast, der von Sanherib erbaut wurde, aufbewahrt worden zu sein. In letzterem wurden die erwähnten Räume gefunden. Die andere Hälfte dieser großen Bibliothek der späteren assyrischen Könige wurde später von Rassam ausgegraben. Der Inhalt dieser Tafeln, die aus feinstem Ton hergestellt waren und von Seite 47Die Abmessungen der Tafeln, die zwischen einem und fünfzehn Zoll groß sind, sind so vielfältig wie die Tafeln selbst. Einige von ihnen enthalten historische Aufzeichnungen, andere astronomische Berichte oder mathematische Berechnungen; es gibt auch Briefe privaten und öffentlichen Charakters, aber die Mehrzahl der Tafeln beschäftigt sich mit Astrologie und Medizin, beides Themen, die im Denken der Babylonier eng miteinander verbunden waren. Gebete, Beschwörungsformeln, Psalmen und religiöse Texte im Allgemeinen bildeten einen beträchtlichen Teil dieser Bibliothek, und da ein großer Teil der „Bände“ oder Tafeln keine Originalwerke, sondern Kopien früherer babylonischer Werke sind, ist der Wert der Bibliothek – heute bekannt unter dem Namen „Kouyunjik-Sammlung“ – für das Studium der religiösen und mythologischen Vorstellungen sowohl der Babylonier als auch der Assyrer mehr, als angemessen geschätzt werden kann. Viele der Tafeln sind zweisprachig, wobei das ideografische Sumerisch mit einer assyrischen Interlinearübersetzung versehen ist. Diese und andere Tafeln der Sammlung, die Silbenschriften enthalten, in denen der sumerische Wert, der assyrische Name und manchmal die assyrische Bedeutung verschiedener Zeichen angegeben sind, waren bei der Wiederentdeckung der Sprachen Mesopotamiens von größtem Nutzen. Layard besuchte auch Babylonien und begann mit Ausgrabungen in Babylon und Nippur, aber seine babylonischen Operationen waren nicht von dem außerordentlichen Erfolg seiner Ausgrabungen in Ninive und Kalah begleitet.

Im Jahr 1851 wurde eine französische Expedition unter der Führung von Fresnel und Jules Oppert nach Babylonien entsandt: Sie sicherten in den Ruinenhügeln Babylons verschiedene Reliquien, darunter insbesondere eine schöne Sammlung bunter Ziegelfragmente. Doch leider gingen alle Reliquien im Jahr 1855 bei einem Unglück auf dem Tigris verloren.

Im Jahr 1852 wurde Rassam Layards Nachfolger auf dem Feld und hatte sofort mit Schwierigkeiten zu kämpfen, die sich aus Rawlinsons Zugeständnissen an Victor Place ergaben, dem er das Recht übertragen hatte, die noch zu ergrabenden Ausgrabungen in Kouyunjik durchzuführen, das aus Rassams Sicht Seite 48Ansicht fiel in den britischen Einflussbereich und daher hatten britische Ausgräber einen vorrangigen Anspruch darauf. 1853 begann Rassam mit den Arbeiten in Ḳalat Sherḳât, aber abgesehen von der Entdeckung zweier Tonprismen mit den Annalen von Tiglath-Pileser I. (1100-1080 v. Chr), brachte der alte Ashur bei dieser Gelegenheit nicht viel Frucht. In Kalah, dem Schauplatz von Layards glänzenden Triumphen, entdeckte Rassam E-zida, den Tempel von Nebo, dem Gott, der mit Marduk um den ersten Platz im babylonischen Pantheon späterer Tage wetteiferte und dessen Name in den Namen mehrerer Könige des ersten babylonischen Reiches sowie in drei der Könige des zweiten Reiches erwähnt wird, von denen der bekannteste der biblische Nebukadnezar ist; sechs große Statuen des Gottes wurden ans Licht gebracht, von denen zwei jedenfalls ihren Inschriften zufolge aus der Zeit des assyrischen Königs Adad-nirari III. (812-783) stammen; eine Stele von König Shamshi-Adad II. (825-812 bc), und die Überreste eines beschrifteten Obelisken von Ashur-naṣir-pal vervollständigen die Liste seiner wichtigsten Funde auf dieser Stätte. Aber sein Name wird für immer mit Kouyunjik verbunden bleiben; seine ersten Bemühungen brachten keine großen Ergebnisse außer der Entdeckung eines Kalksteinobelisken von Ashur-naṣir-pal, der mit Flachreliefs bedeckt war und sich jetzt im Assyrischen Querschiff des Britischen Museums befindet, und eines weiblichen Torsos aus dem Palast von Ashur-bêl-kala, König von Assyrien um 1080. bc (vgl. Taf. XXIV). Rassam profitierte jedoch von Victor Places Unterlassung, die ihm von Rawlinson erteilte Erlaubnis zur Erforschung des nördlichen Teils von Kouyunjik in Anspruch zu nehmen, traf aber gleichzeitig die Vorsichtsmaßnahme, seine ersten Arbeiten im Schutz der Nacht durchzuführen. Seine nächtlichen Arbeiten wurden vom größten Erfolg gekrönt, den Ausgräber jener Tage haben konnten – der Entdeckung eines neuen Palastes – und nachdem er in diesem Punkt zufrieden war, durften die Grabungen tagsüber fortgesetzt werden, da es eine anerkannte Regel ist, dass der Entdecker eines neuen Palastes seinen Anspruch auf die vollständige Ausgrabung begründet hat. Seite 49davon, im Gegensatz zum Rest der Welt. Der neu entdeckte Palast erwies sich als der von Ashur-bani-pal, König von Assyrien (668-626 bc), unter dessen Herrschaft Assyrien den Höhepunkt seiner Macht im In- und Ausland erreichte und seinen Einflussbereich sogar bis nach Theben, der Hauptstadt Oberägyptens, ausdehnte, die von diesem König eingenommen und geplündert wurde bc 666. Aber Ashur-bani-pal war nicht nur ein großer Krieger, sondern auch ein großer Jäger, und die Flachreliefs, die er zur Erinnerung an seine Jagderfolge an die Wände seines Palastes in Kouyunjik meißeln ließ, sind wahrscheinlich Meisterwerke der assyrischen Kunst. Sie zeugen somit nicht nur vom Sportsgeist dieses Königs, sondern auch von der Förderung der Kunst, die er ihm zukommen ließ, während Rassams weitere Entdeckung der anderen Hälfte von Ashur-bani-pals Bibliothek gezeigt hat, dass dieser König ein noch größerer Förderer der Literatur war, als man bisher annehmen konnte.

Tafel IV
"Fischgott"
\"Eingang

 

„Fischgott“, Kouyunjik

Beide von Layard

Eingangspassage, Kouyunjik

Im Frühjahr 1854 gingen die Mittel aus und Rassam war infolgedessen gezwungen, zurückzukehren, doch kurz darauf nahm er eine politische Anstellung in Aden an. In der Zwischenzeit hatte WK Loftus in Babylonien bereits mit der Arbeit begonnen, indem er kleine Ausgrabungen in Warka, dem alten Erech, durchführte, dessen Ruinen die größten in Babylonien sind. Obwohl viele interessante Altertümer ausgegraben wurden, hat keines davon einen epochalen Charakter. Die pantoffelförmigen Särge aus der parthischen Zeit sind vielleicht die bekanntesten. Aufgrund der Tatsache, dass Erech während des größten Teils seiner Geschichte, d. h. etwa 5000 Jahre, bewohnt war, ist es keine ergiebige Fundgrube für frühe Altertümer. Senkereh (Larsa) hingegen, das mit dem Ellasar aus Genesis xiv. 1 identifiziert wurde, scheint nach der persischen Zeit mehr oder weniger unbewohnt geblieben zu sein und ist daher ein besserer Ort für die Erforschung und das Studium der früheren Geschichte Südmesopotamiens. Beschriftete Ziegel aus Senkereh zeigen, dass Khammurabi (der Amraphel aus Genesis xiv?) und der Seite 50berühmtester König der ersten Dynastie von Babylon, reparierte den alten Tempelturm dort, wie es auch sein neubabylonischer Nachfolger Nabonid etwa vierzehn Jahrhunderte später tat, während der berühmte Nebukadnezar aus dem Alten Testament ihn bei seinen Restaurierungsarbeiten ebenfalls nicht vernachlässigte. Die unteren Schichten des Hügels zeigten, dass Ur-Engur, König von Ur, dessen Herrschaft wahrscheinlich in die zweite Hälfte des dritten Jahrtausends datiert werden kann, bc, hatte auch in der alten Stadt Larsa seine Anwesenheit spürbar gemacht. Später teilte Larsa das Schicksal anderer frühbabylonischer Städte und wurde als Friedhof genutzt: Die neben den Särgen gefundenen Tafeln gehören offenbar einer viel früheren Zeit an und wurden wahrscheinlich von den Totengräbern gefunden, denen ihre veränderte Position zugeschrieben wird. Zur gleichen Zeit wurden auch in Tell Sifr Ausgrabungen durchgeführt, bei denen etwa hundert sogenannte Kaseltafeln (d. h. Tafeln, die durch eine Lehmhülle oder einen Lehmumschlag geschützt waren) entdeckt wurden, die aus der Zeit der ersten Dynastie Babylons stammen, was wiederum zur Entdeckung eines bis dahin unbekannten Königs dieser Dynastie führte, Samsu-iluna, dem Nachfolger von Khammurabi.

Als Loftus Anfang 1854 in Warka Ausgrabungen durchführte, unternahm JE Taylor, der Vizekonsul in Basra, im Auftrag des Britischen Museums Ausgrabungen in Muḳeyyer, dem Standort der antiken Stadt Ur. Er begann mit den Arbeiten an dem, was damals als das Hauptgebäude der Stadt erschien und sich schließlich als das Hauptgebäude herausstellte, dem Tempel des Mondgottes Sin, in dessen vier Ecken er vier Tonzylinder entdeckte, sowie einen weiteren fassförmigen Zylinder, dessen Inschrift von noch größerer Bedeutung ist als die der Eckzylinder. Wir erfahren, dass Ur-Engur, König von Ur, den Tempel erbaute, dass sein Sohn Dungi ihn reparierte und dass Nabonid, der letzte König von Babylon, ihn etwa zweitausend Jahre später restaurierte. Diese Grundzylinder von Nabonid erwiesen sich als von großem historischen Interesse, da die Inschrift auf jedem von ihnen mit einem Gebet für Seite 51Bêl-shar-uṣur, der Sohn und Erbe des Königs, der Belsazar von Daniel V., der zum Zeitpunkt der Einnahme der Stadt durch Cyrus das Kommando über Babylon hatte. Taylor führte auch Ausgrabungen an anderen babylonischen Stätten durch, von denen die wichtigste Abû Shahrein war, das alte Eridu, dessen Gott Ea einer der berühmtesten und am meisten verehrten Götter Babyloniens war. Seine Ruinen sind kleiner als die von Ur, enthalten aber die Überreste eines Tempelturms, der aus zwei Stockwerken bestand, die Taylor freilegte. Anhand der gefundenen beschrifteten Ziegel wurde die Identifizierung dieser Stätte mit dem alten Eridu festgestellt.

Gegen Ende des Jahres 1854 begann Sir Henry Rawlinson mit Ausgrabungen in Birs-Nimrûd, dem Borsippa der Antike. Er begann an den vier Ecken des Tempels von Nebo, der sich schließlich als das berühmte Ezida herausstellte, zu graben. Er suchte nach Tonzylindern, wie man sie an den Ecken anderer babylonischer Gebäude gefunden hatte. Er barg zwei solcher Fundamentzylinder, die sich als Duplikate herausstellten, sowie Fragmente anderer Zylinder, die alle von Nebukadnezar dort deponiert worden waren.

Bald nach Rassams Rückkehr aus Assyrien im Jahr 1854 trat Loftus in den Dienst des Kuratoriums des Britischen Museums und wurde ausgesandt, um die Ausgrabungen von Kouyunjik fortzusetzen. Loftus führte die Arbeit seines Vorgängers gekonnt fort; neue Reliefs wurden ans Licht gebracht, von denen das berühmteste vielleicht das von Ashur-bani-pal und seiner Königin ist, die im Garten beim Essen liegen (vgl. Tafel). XXI), doch auch wenn der Geist willig war, fehlte es wieder an den Mitteln, und Loftus musste alle Hoffnung aufgeben, die Ausgrabung des Palastes des berühmtesten Königs von Assyrien abzuschließen.

Die reiche Ernte, die diese zahlreichen Ausgrabungen in Mesopotamien erbrachten und in den Museen aufbewahrten, lieferte einen Vorrat an Material, der reichlich genug warSeite 52Die intellektuellen Fähigkeiten der Gelehrten würden noch einige Zeit beschäftigt sein, während die breite Öffentlichkeit, deren Interesse an diesen archäologischen Expeditionen von den zu erwartenden greifbaren Ergebnissen abhing, eher dazu neigte, die Entzifferung und Veröffentlichung der bereits vorhandenen Ansammlung von Tontafeln, Monumenten und Stelen abzuwarten, bevor sie die notwendigen Mittel für neue Expeditionen bereitstellte. Erst 1873 konnte George Smith, der fähige Assistent von Sir Henry Rawlinson, der mit der Entdeckung des babylonischen Berichts über die Sintflut großen Ruhm erlangt und auch die Begeisterung der Öffentlichkeit für Ausgrabungen neu entfacht hatte, dank der Großzügigkeit der Eigentümer des „Daily Telegraph“ persönlich eine Expedition nach Mesopotamien leiten. Im Januar desselben Jahres brach Smith nach Mosul auf, doch bei seiner Ankunft stellte er zu seinem Entsetzen fest, dass die erforderliche Firman von der türkischen Regierung noch nicht erteilt worden war, und so reiste er nach Süden und untersuchte unterwegs die zerstörten Hügel von Nimrûd und Ḳalat Sherḳat. In Nordbabylonien verbrachte er nur kurze Zeit, die er zur Besichtigung der Stätten von Babylon, Borsippa (Birs-Nimrûd) und anderer antiker Ruinen nutzte, doch Anfang April erhielt er die erforderliche Erlaubnis, in Assyrien Ausgrabungen durchzuführen, und kehrte sogleich nach Mosul zurück. Seine Aufmerksamkeit galt zunächst Nimrûd, dem Schauplatz so vieler Triumphe Layards, doch seine Vorgänger auf diesem Gebiet hatten ihre Ernte bereits voll eingefahren, und die Nachlese, die übrig blieb, war dürftig und mager.

Im darauffolgenden Monat verlegte er den Sitz seiner Operationen nach Kouyunjik, um die Überreste von Ashur-bani-pals Bibliothek zu entdecken. Die Arbeit war alles andere als einfach, da die Ruinen damals völlig durcheinander waren, was zum Teil an der Arbeit früherer Ausgräber lag, zum Teil aber auch daran, dass die Erbauer der Brücke in Mosul die Überreste von Seite 53Assyriens alte Gebäude für den Bau der Brücke und teilweise aufgrund der Instabilität einiger von Layards Tunneln, die inzwischen eingestürzt waren. Auch hier war die Ernte vorbei und der Sommer der assyrischen Ausgrabungen zu Ende, aber das Ziel, das die Eigentümer des „Daily Telegraph“ im Auge hatten, wurde mit der Entdeckung eines weiteren Fragments des babylonischen Berichts über die Sintflut erreicht, das die Hauptlücke in der Geschichte füllte. Smith hatte gehofft, dass diese äußerst wichtige Entdeckung seine Geldgeber dazu bewegen würde, eine zusätzliche Summe für die Fortsetzung der Arbeiten zu bewilligen, aber sie lehnten ab. Smith musste sich daher widerstrebend nach Westen wenden und nach London zurückkehren, aber noch vor Jahresende war er auf dem Weg zurück in den Orient, da die Treuhänder des British Museum 1000 Pfund für eine weitere Expedition dorthin bewilligt hatten. Er kam am Neujahrstag 1874 in Mosul an und begann seine Suche nach Tafeln erneut, aber die ihm zur Verfügung stehende Zeit war knapp, da sein Firmân im darauffolgenden März auslief. Trotzdem brachte er in den drei Monaten, die er auf diesen beiden Expeditionen in Kouyunjik verbrachte, etwa dreitausend Tafeln zutage, die eine Vielzahl unterschiedlicher Themen behandelten und dem Studenten der babylonischen und assyrischen Astronomie, Theologie und Chronologie unschätzbares Material lieferten. Ihm ist nicht nur die Wiederentdeckung der babylonischen Sintflutgeschichte zu verdanken, sondern auch Teile der Schöpfungslegenden und des Gilgamesch-Epos, des Helden der babylonischen Volkskunde, während für den Studenten der alttestamentlichen Geschichte seine Entdeckung von Sargons eigenem Bericht über seinen Feldzug gegen die Stadt Aschdod, der im zwanzigsten Kapitel des Jesaja festgehalten ist, von größter Bedeutung ist. Im Frühjahr 1876 unternahm Smith seine dritte und letzte Expedition nach Assyrien, unter der Schirmherrschaft des Britischen Museums, dessen Sammlungen er bereits so sehr aufgewertet hatte. Doch als er ankam, musste er feststellen, dass die Cholera überall grassierte.Seite 54Land, und überall herrschten Verwirrung und Unordnung. Unter solchen Umständen Ausgrabungen durchzuführen war unmöglich, aber Smith scheute keine Mühen in seinem vergeblichen Bemühen, das Unmögliche zu überwinden, und stellte sich mutig allen Gefahren und Schwierigkeiten. Doch er erlag schließlich den verheerenden Auswirkungen des Klimas und der Witterung und starb im August 1876 in Aleppo als Märtyrer für die Sache der Wissenschaft. George Smith war nicht nur ein Ausgräber, sondern auch ein Gelehrter, und seine schulischen Leistungen sind umso lobenswerter, wenn man bedenkt, dass er praktisch ein Autodidakt war, der dank seiner außerordentlichen Beharrlichkeit und seines unbezwingbaren Willens dort Erfolg hatte, wo andere Männer mit vielleicht größerem Können scheiterten, und der allein aus diesem Grund den prominenten Platz verdient, den er in den Annalen der Assyriologie einnimmt.

Bald nach dem Tod von George Smith im Jahr 1876 baten die Treuhänder des Britischen Museums Rassam, seine lange aufgegebenen Arbeiten in Assyrien wieder aufzunehmen, und nach einer unvermeidlichen Verzögerung konnten die Arbeiten im Januar 1878 aufgenommen werden. Die Anwesenheit von Sir Henry Layard als britischer Sondergesandter in Konstantinopel erleichterte die Arbeit erheblich, da dieser immer auf freundschaftlichem Fuß mit der türkischen Regierung stand und daher Zugeständnisse erreichen konnte, die jedem anderen möglicherweise verwehrt geblieben wären. Rassams Marschbefehle waren eindeutig genug; er wurde ausgesandt, um die Ausgrabungen in Ninive fortzusetzen, doch sein Herz war eher auf die Entdeckung von Palästen und Tempeln gerichtet als auf die vergleichsweise unaufregende Aufgabe, nach Tafeln zu suchen, deren Bedeutung oder Unwichtigkeit man nie ohne ein detailliertes Studium des Inhalts aus dem Stegreif feststellen konnte. Sein Ehrgeiz wurde kurz nach seiner Ankunft erfüllt: ein Jahr vor der Wiederaufnahme seiner assyrischen Forschungsarbeit hatte ihm ein Freund zwei Teile eines bronzenen Türpaneels geschickt, das mit Figuren und Keilschriftzeichen bedeckt war, und sofort nach seiner Seite 55Als er nach Assyrien zurückkehrte, erkundigte er sich, wo diese bearbeiteten Metallstücke ausgegraben worden waren. Bald fand er heraus, dass sie Teil eines großen bronzenen Türpaneels waren, das ein Bauer ganz zufällig in einem Hügel namens Balâwât entdeckt hatte, etwa 860 Kilometer östlich von Mosul. Dementsprechend war es sein unmittelbarer Wunsch, die Überreste dieses einzigartigen Denkmals antiker Metallurgie zu entdecken, und mit diesem Ziel vor Augen beschloss er, den Balâwât-Hügel zu erkunden. Er fand heraus, dass die Stätte von den Bewohnern der Nachbarschaft als Friedhof genutzt worden war und sich folglich außerhalb der Grenzen seines Firman befand. Doch ohne Rücksicht auf die Gefahr eines Zusammenstoßes mit den Behörden und das noch größere Risiko, die einheimische Bevölkerung zu offenem Widerstand aufzuhetzen (denn kein Volk, ob zivilisiert oder unzivilisiert, hat die Angewohnheit, die Exhumierung seiner Toten passiv hinzunehmen), beschloss er, alles zu riskieren, um seine Beute zu machen. Seine Bemühungen waren von Erfolg gekrönt, und schon bald nach dem Ausheben der ersten Gräben wurden Fragmente von Bronzeplatten ausgegraben, die jenen ähnelten, die zuvor ans Licht gekommen waren. Innerhalb kurzer Zeit wurden die restlichen Platten ordnungsgemäß wieder ans Tageslicht gebracht: Diese Platten hatten einst die Holztore eines großen Gebäudes geschmückt, an dem sie befestigt waren. Die darauf dargestellten Szenen stellen Ereignisse aus dem Leben und den Feldzügen von Salmanassar II. (825-XNUMX) dar. bc), der Nachfolger von Ashur-naṣir-pal und der erste assyrische König, von dem bekannt ist, dass er in unmittelbaren Kontakt mit Israel kam. Während seiner Ausgrabungen des Hügels stieß er auf die Ruinen eines kleinen Tempels und eine große Truhe aus Marmor, die zwei Tafeln aus demselben Material mit Inschriften von Ashur-naṣir-pal enthielt. Rassams Arbeit in Kouyunjik und Nimrûd war ebenfalls alles andere als fruchtlos, obwohl Nimrûd sicherlich keine Ernte einbrachte, die in irgendeiner Weise mit der vergangener Tage vergleichbar wäre. Ein paar Flachreliefs, eine Anzahl Tontafeln und einige emaillierte Fliesen umfassten praktisch alles, was er fand. Seite 56Nimrud leistete bei dieser Gelegenheit einen Beitrag zur Erforschung der assyrischen Antike. Auch in Kouyunjik waren Toninschriften die wichtigsten und praktisch einzigen Ergebnisse der Ausgrabungen, die Rassam während seiner vier Expeditionen (1878-1882) durchführte. Die bahnbrechendsten dieser Inschriften waren ein zehnseitiges Prisma aus gebranntem Ton, das die Annalen von Ashur-bani-pal enthielt, und vier tonnenförmige Zylinder, die einen Bericht über Sanheribs verschiedene Feldzüge enthielten. Rassam unternahm außerdem den Versuch, Nebi Yûnus, den zweiten großen Hügel, der die Stelle oder einen Teil der Stelle des alten Ninive kennzeichnet, vollständig zu erforschen. Doch er hatte nicht den Erfolg, den seine unermüdlichen Bemühungen verdient hätten. Dies liegt an der angeborenen Fraktionssucht und Intrigenlust, die selbst in den besten Zeiten im Herzen des Orients schlummern und sich bei dieser Gelegenheit, weit davon entfernt zu schlummern, in all ihrer ursprünglichen Kraft zeigten. Das Ergebnis war das Ende von Rassams Arbeit und die endgültige Zerstörung all seiner Hoffnungen.

Platte V

Türöffnung

Déc. en Chald., Tafel 53, ii

Tor in Tellô, errichtet von Gudea; links ein späteres Gebäude aus der Seleukidenzeit

"Südöstlich

Déc. en Chald., Tafel 54

Südostfassade des Ur-Ninâ-Gebäudes in Tellô

Inzwischen fanden auch in Babylonien Ausgrabungen statt, die eine neue Ära der babylonischen Erforschung einleiten sollten und sich sowohl für Archäologen als auch für Studenten der frühen Kunst als von unschätzbarem Wert erwiesen. Im Frühjahr 1877, einige Monate vor Rassams Rückkehr nach Assyrien nach einem Vierteljahrhundert, begann Ernest de Sarzec, der französische Vizekonsul in Basra, mit vorläufigen Arbeiten an den zerstörten Hügeln von Tellô, auf die J. Asfar, ein gebürtiger Christ und ehemaliger Antiquitätenhändler, seine Aufmerksamkeit gelenkt hatte. Tellô hatte sich bereits einen Namen als Stätte gemacht, die die mit ihrer systematischen Ausgrabung verbundene Arbeit wahrscheinlich lohnen würde, da in seinen Ruinen beschriftete Kegel und Ziegel entdeckt wurden, und es erübrigt sich zu sagen, dass es seinem frühen Ruf mehr als gerecht wurde, denn von allen antiken Stätten der babylonischen Zivilisation hat Tellô bei weitem die reichste Materialernte erbracht.Seite 57für die Rekonstruktion der sumerischen Geschichte und das systematische Studium der sumerischen Kunst und Kultur. Es wäre unmöglich, hier alle weitreichenden Ergebnisse von De Sarzecs unsterblicher Arbeit aufzuzeichnen, und wir müssen uns daher mit einer Anmerkung zu seinen wichtigeren Entdeckungen begnügen. Bei seinem allerersten Besuch in Tellô hatte er das Glück, am Fuße eines der Hügel einen Teil einer Doleritstatue zu finden, woraus er richtig schloss, dass die Statue selbst ursprünglich in einem großen Gebäude gestanden haben musste, dessen Ruinen er in dem fraglichen Hügel verborgen vermutete. Er begann dementsprechend mit der Ausgrabung des Hügels und entdeckte sehr bald, dass dieser ein Gebäude von nicht geringer Größe enthielt, das auf einer großen Plattform aus rohen oder sonnengetrockneten Ziegeln errichtet worden war: Die Objekte, die er ausgrub, umfassten eine große Statue aus Dolerit mit einer Inschrift von Gudea, dem Priesterkönig von Lagasch um 2450. bc, beschriftete Türsockel, Skulpturen und Vasen, Kupferstatuetten mit Votivcharakter und, last but not least, die wichtigsten Stücke der Geierstele von Eannatum, eines der berühmtesten Werke der frühbabylonischen Kunst, sowohl im Hinblick auf ihr Alter als auch im Hinblick auf die Art und Weise, in der sie nicht nur die künstlerischen, sondern auch die militärischen Operationen der Sumerer in dieser fernen Zeit illustriert (vgl. Tafel). XII). In seinen nächsten beiden Feldzügen (1880-81) grub er das Gebäude in dem Hügel, der allgemein als „A“ bekannt ist, systematisch aus, wobei er etwa neun oder zehn Doleritstatuen, zahlreiche Statuetten und eine Steinvase von Narâm-Sin, dem Sohn von Shar-Gâni-sharri von Agade, entdeckte, der wahrscheinlich einige Jahrhunderte vor Gudea lebte. Das Gebäude selbst, das im Wesentlichen aus der parthischen Zeit stammt, in das jedoch Teile des alten Palastes von Gudea integriert wurden, wird auf Seite 149 kurz besprochen. Aber wie Prof. Hilprecht21 sagt wahrhaftig, die Doleritstatuen von Seite 58Gudea „wird immer die wichtigste Entdeckung bleiben, die mit De Sarzecs Namen verbunden ist“, berühmt für die Lebendigkeit und das Leben, das sie inspiriert, und auch für die Geschicklichkeit und Fingerfertigkeit, die diese frühen Babylonier bei der Bearbeitung der härtesten Steine ​​an den Tag legten. Unter anderen wertvollen oder eher unschätzbar wertvollen Funden kann die bekannte Silbervase von Entemena erwähnt werden (vgl. Abb.). 45), die geschnitzte Keulenspitze von Mesilim, eine enorme Speerspitze aus Kupfer und einige Flachreliefs von Ur-Ninâ, dem Gründer der Ersten Dynastie von Lagasch. In Hügel „B“ legten De Sarzecs Ausgrabungen nicht nur das Gebäude von Ur-Ninâ frei (vgl. Tafel. V), sondern enthüllte auch die Überreste einer noch älteren Struktur, die unter dem Gebäude dieses alten Herrschers lag und auf einem Pflaster etwa 16 Fuß unter Ur-Nins Plattform ruhte. Bei dieser Gelegenheit wurden auch Kupferstatuetten und Steinflachreliefs von höchst archaischem Charakter ans Licht gebracht.

1889 verließ De Sarzec Babylonien und kehrte erst 1894 zurück, als er seine Ausgrabungen im Hügel „B“ wieder aufnahm. Zwei Brunnen und ein Wasserlauf aus der Zeit des Eannatum wurden entdeckt, und unter den kleinen Relikten dieses längst vergessenen Zeitalters befanden sich verschiedene Muschelstücke, die mit Bildern von Bäumen und Tieren verziert waren. Es wäre völlig unmöglich, den Beitrag zu überschätzen, den sowohl der Historiker des frühen Babyloniens als auch der Student der frühen mesopotamischen Kunst der Arbeit dieses hervorragenden Ausgräbers schulden; wenn Layard, Botta und Place die Öffnung des Buches der alten Geschichte Assyriens und das Brechen der Siegel zu verdanken ist, die dieses Buch so lange verschlossen gehalten hatten, so verdanken wir De Sarzec die Entdeckung einer noch früheren Seite in der Geschichte des menschlichen Lebens und Fortschritts. Das letzte Viertel des 19. Jahrhunderts, das die Zeit der außerordentlichen Aktivität De Sarzecs auf dem Gebiet der Archäologie umfasste (die erste seiner Expeditionen fand 1877 und die letzte 1900 statt), wird für alle Zeiten aufgrund der epochalen Entdeckungen in Babylonien in Erinnerung bleiben, Entdeckungen, die die Nachwelt Seite 59wird für immer mit dem Namen des berühmten französischen Baggerfahrers verbunden sein.

Tafel VI

\"Überreste

Déc. en Chald., Tafel 56, ii

Überreste einer Stele in einem Gebäude unter dem von Ur-Ninâ

\ „Die

Déc. en Chald., Tafel 57, ii

Der Brunnen von Eannatum

In der Zwischenzeit hatte Rassam die ihm im Rahmen der großzügigen Bedingungen des Firman von 1878 gewährten Möglichkeiten maximal genutzt und so viel Land wie möglich erkundet und so viele Stätten wie möglich besucht. Ob die Wissenschaft jedoch durch die systematische Erforschung einiger Hügel mehr gewonnen hätte als durch die Plünderung vieler, ist eine Frage, die wahrscheinlich bejaht werden muss. 1879 begann er seine Arbeit in Babylonien, wobei die zerstörten Hügel von Babylon und Borsippa als erste seine Aufmerksamkeit erregten. Bei seiner Ankunft fand er eine Anzahl Araber vor, die eifrig damit beschäftigt waren, Baumaterial aus dem Hügel von Babil zu gewinnen. Im Laufe ihrer Grabungen stießen sie auf vier Brunnen, etwa 140 Fuß tief und aus roten Granitblöcken gebaut, wobei jeder Block etwa 3 Fuß hoch war und mit außerordentlicher Präzision in den benachbarten Block passte. Aufgrund des allgemeinen Erscheinungsbilds des Hügels und der Größe der Mauerruinen, die er bedeckte, gelangte Rassam zu dem Schluss, zu dem Rich fast ein Jahrhundert zuvor gelangt war und den Hilprecht einige Jahre später bestätigte: In Babylon müssten wir die weltberühmten Hängenden Gärten von Diodor und Plinius suchen.

Rassams Gräben auf dem Ḳasr-Hügel blieben ohne nennenswerte Ergebnisse, aber seine Arbeit auf dem Jumjuma-Hügel im Süden – so genannt nach dem Namen des heutigen Dorfes, das sich dort befindet – brachte eine reiche Ernte an Tafeln, die größtenteils kommerzieller Natur waren. Borsippa reagierte auf die Aufforderung, die Rassams Spaten ihm machte, und viele Tafeln wurden geborgen, während ein großer Teil des berühmten Tempels von E-zida, der dem Gott Nebo geweiht war, wieder das Licht der Welt erblickte: Unter den kleineren Reliquien verdient die Bergung einer bronzenen Stufe des berühmten Nebukadnezar besondere Erwähnung, sowie ein gebrannter Tonzylinder aus der Zeit von Antiochus Soter 270 bc, wobei letzteres nach Seite 60Hilprecht zufolge „das letzte in altbabylonischer Schrift und Sprache verfasste königliche Dokument“. Doch Rassams vielleicht wertvollster Beitrag zur Assyriologie war die Identifizierung des Standorts des alten Sippar. Zuvor hatte es viele erfolglose Versuche gegeben, diese in Keilschriftinschriften so häufig erwähnte Stadt zu lokalisieren, und bereits George Smith hatte versuchsweise den Hügel von Abu Habba, etwa fünfzig Kilometer nördlich der Stadt Babylon, als möglichen Standort vorgeschlagen, doch Rassam verdanken wir die tatsächliche Identifizierung des Standorts dieses alten Zentrums der Verehrung des Sonnengottes Schamasch in der babylonischen Ebene. Die Ruinen von Abu Habba sind niedrig, aber ausgedehnt; die längste der alten Stadtmauern misst etwa 1400 Meter, und auf der Westseite sind noch immer die Überreste einer alten Zikkurat oder eines Tempelturms zu sehen. Rassams Ausgrabungen an dieser Stelle waren äußerst erfolgreich. Die wichtigste seiner Entdeckungen in dem antiken Gebäude, mit dem er sich hauptsächlich beschäftigte, war die berühmte Steintafel von Nabû-aplu-iddina, König von Babylonien, etwa 870. bc Die Inschrift, die die Wiederherstellung des Tempels des Sonnengottes durch diesen König bezeugt, wird auf der Vorderseite von einem prächtigen Flachrelief überragt, das die Anbetung des Sonnengottes darstellt (vgl. Tafel). XIV und S. 205). Die Entdeckung dieser bemerkenswerten Tafel bedeutete neben dem Wert, der ihr als Kunstwerk und historisches Dokument zugeschrieben wird, auch die Identifizierung einer der frühesten Stätten der mesopotamischen Zivilisation und die Wiederentdeckung des altehrwürdigen Schreins von Shamash. Zu den anderen Inschriften, die bei dieser Gelegenheit ausgegraben wurden, zählen die großen Tonzylinder von Nabonidus (555-538 bc), der letzte König der neubabylonischen Dynastie, sind von größter Bedeutung. Es wurde bereits auf die von Nabonid auf seinem Zylinder aufgezeichnete Überlieferung über das Datum von Shar-Gâni-sharri von Agade und seinem Sohn Narâm-Sin angespielt, sowie auf die archäologischen Beweise, die den historischen Wert von Nabonids' Seite 61Datensatz (vgl. S. 5). Rassam erkundete viele andere Stätten in Babylonien, insbesondere die von Tellô, von wo er während seines schnellen und etwas verstohlenen Besuchs Anfang 1879 einige Objekte barg, darunter mehrere Tafeln und zwei Torsockel mit der Inschrift des Namens Gudea. Doch die drei großen Triumphe des Ausgräbers, dessen lange Karriere 1910 ihr natürliches Ende fand, waren die Identifizierung der lange vergessenen Stätte von Sippar, die Entdeckung der Bronzetore von Balâwât und, nicht zuletzt, die Ausgrabung des nördlichen Palastes von Ashur-bani-pal in Ninive und die Entdeckung der darin gefundenen unschätzbar wertvollen Kunst- und Literaturreliquien.

Inzwischen bereiteten sich neben Frankreich und England auch andere Nationen auf die so bemerkenswert begonnene und für die Zukunft so vielversprechende Arbeit vor. Deutschland bewegte sich nur langsam, doch dank der Großzügigkeit von Herrn L. Simon wurde im Herbst 1886 eine Expedition in den Orient entsandt, die unter der Schirmherrschaft der Königlich Preußischen Museen in Berlin und unter der Leitung von B. Moritz, R. Koldewey und L. Meyer stand. Doch trotz der Langsamkeit der deutschen Aktivitäten auf dem Gebiet der Erforschung darf nie vergessen werden, dass Friedrich Delitzsch die einzigartige Ehre und der Ruhm zukommt, die Assyriologie auf eine wissenschaftliche Grundlage gestellt zu haben, und dass dieser hervorragende Gelehrte im wahrsten Sinne des Wortes als Vater dieser Wissenschaft angesehen werden kann. Gleichzeitig verdient Delitzschs Vorgänger Schrader eine besondere Erwähnung, da er der erste war, der in Deutschland zu diesem Thema Vorlesungen hielt und dessen Vorlesungen Delitzsch und andere Gelehrte zweifellos viel zu verdanken haben. Die Expedition von 1886 begann ihre Arbeit Anfang 1887 bei den Ruinen von El-Hibba und Surghul, zwei nahe beieinander liegenden Hügeln nordöstlich von Tellô, und führte zur Entdeckung unzähliger Gebäude, die meisten davon privater Art; die kleinen Relikte, die die deutschen Ausgrabungen auf diesen Hügeln freilegten, Seite 62Zwei Standorte waren durch den Brand, der an beiden Orten große Zerstörung angerichtet hatte, größtenteils erheblich beschädigt.

Aber das Interessanteste an den Ausgrabungen in El-Hibba und Surghul war die Entdeckung einer Reihe von alten Gräbern. Viele der Leichen waren verbrannt, woraus Koldewey schloss, dass es sich um Einäscherung handelte.22 war eine der Methoden, mit denen die Sumerer der Antike ihre Toten bestatteten. Viele der entdeckten Inschriften wurden von dem kürzlich verstorbenen Dr. Messerschmidt veröffentlicht. Die betreffenden Tafeln enthalten Texte aus der ersten und zweiten Dynastie von Lagasch (Tellô). Eine der in Surghul ausgegrabenen Tafeln, die von Gudea, dem berühmtesten Herrscher der zweiten Dynastie von Lagasch, geschrieben wurde, zeigte, dass sowohl El-Hibba als auch Surghul Gudea als ihren Oberherrn anerkannten.

Etwa zur gleichen Zeit erwachte auch in Amerika allmählich der Geist der Ausgrabungsstätten, und heute werden in Amerika mehr archäologische Arbeiten durchgeführt als in jedem anderen Land der Welt.

Die antike Stadt Nippur war seit langem als eines der berühmtesten Zentren der babylonischen Religion und der Verehrung des großen Gottes En-lil bekannt, und dementsprechend richteten die Amerikaner ihre Aufmerksamkeit zuerst auf diese Stadt, und hier machten sie jene epochalen Entdeckungen, die ihnen einen so prominenten Platz in der Geschichte der mesopotamischen Ausgrabungen eingebracht haben, und das trotz aller Kontroversen, die Seite 63sind aus diesen Entdeckungen hervorgegangen. Die Amerikaner hatten tatsächlich schon 1884 unter der Leitung von Dr. W. Hayes Ward vom New Yorker „Independent“ eine Expedition nach Babylonien entsandt, aber der Zweck dieser Expedition war eher eine allgemeine Erkundung als eine tatsächliche Ausgrabung. Die erste Expedition (1888-89) nach Nippur, die hauptsächlich von Prof. JP Peters organisiert wurde, der von Dr. Wm. Pepper, Provost Harrison, den Herren EW Clay, CH Clark, WW Frazier und anderen unterstützt wurde, hatte hauptsächlich vorläufigen Charakter und diente eher dazu, das Ausmaß der zu leistenden Arbeit zu demonstrieren, als irgendwelche konkreten und praktischen Ergebnisse zu erzielen. Peters war der Leiter der ersten und zweiten Expedition (1889-90), während Prof. RF Harper und Prof. HV Hilprecht als Assyriologen für die erste Expedition ernannt wurden, wobei Mr. Field der Architekt war. Die erste Expedition war zwei Monate und neun Tage mit Ausgrabungen beschäftigt, die zweite drei Monate und elf Tage. Dr. Haynes war der Feldleiter der dritten Expedition (1893-96) und blieb fast drei Jahre ohne Pause bei den Hügeln von Nippur. Die vierte Expedition (1898-1900) wurde von Hilprecht als wissenschaftlichem Leiter, Haynes als Feldleiter und den Herren CS Fisher und HV Geere als Architekten geleitet. Während der letzten Kampagne dauerten die Ausgrabungen etwa sechzehn Monate und führten zu vielen wichtigen Entdeckungen.

Die erste Expedition hatte, wie gesagt, vorbereitenden Charakter, und daher können ihre Ergebnisse nicht nur anhand der Anzahl der tatsächlich gemachten Entdeckungen geschätzt werden. Während der kurzen zwei Monate, in denen die Ausgräber ihre Arbeit fortsetzten, wurde ein großes Gebäude mit riesigen Strebepfeilern und zwei runden Türmen ans Licht gebracht. Das Gebäude – zweifellos eine Festung – ist verhältnismäßig spät, stammt aus der parthischen Zeit und wurde auf dem alten Tempel von En-lil und seinem gestuften Turm errichtet.

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Bint-el-Amir, der Hügel, der die Ruinen dieses berühmten Tempels enthielt, hatte eine kegelförmige Gestalt und bedeckte eine Fläche von mehr als acht Morgen.23 Die wissenschaftliche Untersuchung eines Hügels von solch gigantischen Ausmaßen war an sich keine leichte Aufgabe, und die Erforschung des vergrabenen Tempels war Pionierarbeit, da bislang noch keiner der großen babylonischen Tempel vollständig ausgegraben worden war.

Tafel VII

Ausgrabungen

Ausgrabungen im Tempelhof: Nippur
(Aus CS Fishers „Excavations at Nippur“, mit freundlicher Genehmigung)

Die Ausgrabung dieses Tempels bewies, dass der Bühnenturm „nicht den zentralen Teil des Tempelhofs einnahm“, und obwohl er zweifellos das auffälligste Merkmal des Tempelbereichs war, war er eigentlich nicht der Tempel selbst: Letzterer befindet sich in einem großen Gebäude neben dem Bühnenturm. Dieses Gebäude stammt jedenfalls aus der Zeit des Shar-Gâni-sharri und seines Sohnes Narâm-Sin. Der Bühnenturm, der wahrscheinlich nie mehr als drei Stufen hatte, verdankte seine neueste Form Ur-Engur, dem König von Ur (Umlauf 2400), obwohl Ashur-bani-pal, König von Assyrien, fast zweitausend Jahre später Gelegenheit hatte, ihn zu reparieren und zu restaurieren. Die Ziegel von Ashur-bani-pal, die mit denen von Ur-Engur vermischt sind, tragen die eingeprägte Inschrift: „Für Bel, den König der Länder, seinen König, baute Ashur-bani-pal, seinen Lieblingshirten, den mächtigen König, König der vier Viertel der Erde, E-kur, seinen geliebten Tempel, aus gebrannten Ziegeln.“ Vier Fuß hinter der Fassadenmauer von Ur-Engur wurden große Ziegel entdeckt, die typisch für die Zeit Narâm-Sins sind, während die Ziegel, aus denen der innerste Kern des Turms besteht, aus der vorsargonischen und frühsumerischen Zeit stammen.24

Das extreme Alter der unteren Schichten dieses Hügels lässt sich daran ermessen, dass Haynes bei seinem Vordringen in die vorsargonische Zeit unter das Pflaster von Narâm-Sin durch etwa neun Meter tiefe Ruinen vordrang, bevor er den unberührten Boden erreichte.

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Zu den interessantesten Entdeckungen in den frühen Schichten zählte ein gewölbter Abfluss (vgl. Abb. 15 und S. 170), bei dem es sich um den ältesten bekannten babylonischen Bogen handeln soll, während auch eine große Anzahl von Terrakotta-Rohre sowie ein Terrakotta-Abfluss ans Licht kamen. Zu den kleineren Objekten zählen Votivstelen (vgl. Abb. 25), Tafeln, Rollsiegel und Terrakotta-Vasen (vgl. Abb. 92, 93). Doch trotz ihrer Lage im Hügel stellte sich heraus, dass eine große Zahl von Reliquien in den Schichten oberhalb des Niveaus von Narâm-Sin aus der Zeit vor Sargon stammten. Dazu gehörten Türsockel, Vasenfragmente, Platten, Statuen und mehr als fünfzig Ziegelstempel mit einer Inschrift von Sargon oder Narâm-Sin.

Aber die Entdeckung und teilweise Ausgrabung der Tempel-„Bibliothek“25 oder „Archiv“ in Nippur haben die weitreichendsten und epochalsten Ergebnisse erbracht, denn dabei wurden buchstäblich Tausende von Tafeln ausgegraben, die eine Menge neuen Materials für assyriologische Studien lieferten, wie es in der Geschichte der babylonischen Forschung selten vorkommt.

Der größte Teil des Aushubmaterials26 ist wissenschaftlicher oder literarischer Natur. Die Mehrzahl der Tafeln ist ungebrannt und hat daher unter den schädlichen Auswirkungen von Zeit, Klima und anderen Einflüssen gelitten, unter denen insbesondere die Verwüstungen zu nennen sind, die die einfallenden Elamiter im dritten Jahrtausend angerichtet haben. bc Infolgedessen ist die Aufgabe des Entzifferers viel mühsamer, als sie es sonst gewesen wäre, aber trotz des Vandalismus der Elamiter und der Zerstörungsarbeit, die sie anstrebten und bis zu einem gewissen Grad auch vollbrachten, verdankt der Archäologe die Erhaltung dieser Tafeln wahrscheinlich ihrer Bestattung in den Trümmern, von denen sie ein Teil waren. Diese ungebrannten Tontafeln scheinen im Allgemeinen angeordnet worden zu sein Seite 66auf Regalen aus Ton und etwa 1 Fuß breit, während sie jede Art von „Literatur“ enthalten, die sich mit Astronomie, Astrologie, Mathematik, Geographie, Geschichte, Medizin, Grammatik und Religion befasst. Eine der Tafeln liefert uns wertvolle Informationen über den Tempel selbst; der Name der großen Halle des Tempels war Emakh, und obwohl En-lil und seine Gemahlin ohne Zweifel die Hauptgötter des Ortes waren, gab es etwa vierundzwanzig Schreine, die anderen Göttern gewidmet waren, genau wie es in E-sagila der Fall war, dem großen Tempel des Marduk in Babylon, der kürzlich von der Deutschen Orient-Gesellschaft ausgegraben wurde.

Die spätassyrische, neubabylonische und persische Zeit sind auch in der enormen Ansammlung von Keilschrifttafeln, die an dieser Stelle gefunden wurden, gut vertreten. Zu den interessantesten zählen die „Murashû-Tafeln“, von denen mehr als siebenhundert in einem zerstörten Gebäude etwa sechs Meter unter der Oberfläche ausgegraben wurden. Die Sorgfalt, mit der diese Tafeln hergestellt worden waren, und die zahlreichen Siegelabdrücke, die sie trugen, erregten sofort Hilprechts Aufmerksamkeit. Es stellte sich heraus, dass sie zu den Geschäftsarchiven der Murashû Sons gehörten, Makler und Bankiers in Nippur, die zur Zeit der persischen Könige Artaxerxes I. (464-424 v. Chr) und Darius II. (423-405 bc). Abgesehen vom normalen Bankgeschäft fungierte die Firma jedoch auch als Agent für die persischen Könige. Offenbar pflegten die Könige Persiens die Steuern wie die römischen Kaiser späterer Tage zu verteilen, und Murashû Sons übernahm es, die Steuern des Königs von ihren babylonischen Untertanen in Nippur und anderswo einzutreiben. Das Interesse an diesen Tafeln beschränkt sich jedoch nicht auf die Informationen, die sie uns über die Art und Weise der Geschäftsführung in dieser Zeit liefern; sie sind noch wertvoller wegen der Einblicke, die sie uns in das alltägliche Leben der Menschen geben.

Während der letzten Expedition wurden die Stadtmauern Seite 67wurden sorgfältig untersucht, ebenso wie jene, die den Tempelbereich umschlossen; erstere hieß Nîmit-Marduk und letztere Imgur-Marduk. Der Zugang zum Tempel erfolgte über ein Tor in der Südmauer, das jedenfalls so alt war wie die Zeit von Shar-Gâni-sharri von Agade. Das „Abullu Rabu“, das große Tor der Stadt, befand sich nordöstlich des Tempels; es ist 35 Fuß lang, woraus wir wissen, dass dies die Dicke der Mauer selbst war, obwohl leider an dieser Stelle nichts von der alten Stadtmauer übrig ist, da die groben Ziegel, aus denen es bestand, entfernt und als Baumaterial für die späteren Bauten von Nippur verwendet wurden. Das Tor selbst bestand aus einer etwa 13 Fuß breiten Mittelstraße, die für den normalen Verkehr genutzt wurde und auf beiden Seiten einen erhöhten Durchgang für Fußgänger hatte, während das gesamte Bauwerk aus mit Daumenmarkierungen versehenen Ziegeln gebaut war und daher aus der Zeit vor Sargon stammt. Unter der Mittelstraße wurde ein Fundament aus massiven, in Bitumen verlegten Steinblöcken entdeckt. Etwas nördlich dieses Tores wurde ein großer Teil der alten Stadtmauer entdeckt, der größtenteils aus der Zeit von Narâm-Sin und Ur-Engur stammt, wobei die Arbeit des letzteren Königs natürlich die von Narâm-Sin überlagert. Einige hundert Fuß lange Spuren der Mauer von Narâm-Sin sind noch sichtbar sowie eine Wasserleitung aus gebrannten, in Bitumen verlegten Ziegeln. Die Mauer wurde von Ur-Engur wiederaufgebaut, der ihre Außenseite mit einer Reihe von 11 Fuß breiten und im Abstand von 30 Fuß angebrachten Paneelen schmückte. Etwa 25 davon wurden in ihrer ursprünglichen Position gefunden. Die Ausgräber konnten die Dicke der Mauer nicht feststellen, aber an einer Stelle wurde eine Dicke von über XNUMX Fuß erhalten gefunden. In die Innenseite dieser späteren Mauer wurden mehrere kleine Kammern eingebaut, in denen man Reliquien von unterschiedlichem Interesse fand; Eine Beschreibung der späteren parthischen Festung und des kleinen parthischen Palastes, der auf der anderen Seite des Shatt-en-Nil-Kanals entdeckt wurde, würdeSeite 68aus einer Zeit, mit der sich dieser Band nicht zu befassen vorgibt, und der Leser muss sich daher auf die Standardwerke einiger der Ausgräber selbst (Peters, Hilprecht oder Fisher) beziehen, um Informationen über diese späteren Gebäude sowie Einzelheiten zu allen Bauten und Entdeckungen in Nippur zu erhalten. Es wurde jedoch vielleicht genug erzählt, um die außerordentliche Bedeutung der amerikanischen Expeditionen nach Nippur hervorzuheben, obwohl wir selbst heute noch nicht in der Lage sind, den vollen Wert der aufopfernden Arbeit der Ausgräber und die reichlichen Ergebnisse, die diese Arbeit täglich erzielt hat und erzielt, angemessen zu würdigen.

Inzwischen waren sich die Türken der Bedeutung der aus den zerstörten Hügeln geborgenen Monumente und Reliquien bewusst, die seit Rassams Abreise aus Bagdad im Jahre 1882 mit beträchtlichem Erfolg von Agenten der Antiquitätenhändler ausgebeutet worden waren, und entschlossen sich, eine eigene Expedition auszusenden. Die Leitung der Expedition übernahmen Pater Scheil, ein junger französischer Assyriologe, und Bedri Bey, der osmanische Inspektor für Altertümer. Sie begannen ihre Arbeit im Frühjahr 1894 in Abu Habba (Sippar), dem Ort, der das besondere Jagdrevier der Händler gewesen war und der deshalb als wissenschaftlich erforschbar galt. Das wichtigste Ergebnis der Expedition war die Entdeckung von etwa siebenhundert Tafeln, hauptsächlich Briefe oder Verträge aus der Zeit der ersten babylonischen Dynastie und insbesondere aus der Regierungszeit von Samsu-iluna, dem Sohn und Nachfolger von Khammurabi. Im Jahr 1891 grub Dr. Wallis Budge den benachbarten Hügel von Dêr aus und barg zahlreiche Texte usw.; diese befinden sich heute im British Museum.

Am 26. März 1899 begann Dr. Koldewey, dessen Ausgrabungen in El-Hibba und Surghul mehr als erfolgreich waren, mit den Arbeiten am Ḳasr-Hügel. Seite 69in Babylon der Hügel, der den Standort des weltberühmten Palastes Nebukadnezars markiert.

Die deutschen Ausgrabungen in Babylon, die von Koldewey, Meissner, Andrae und ML Meyer durchgeführt wurden, haben in der Tat nicht so reiche Ernte gebracht, wie man angesichts der wichtigen Rolle, die diese Stadt in der Geschichte des Landes spielte, von der Zeit Khammurabis an bis zur Zerstörung der Stadt durch Sanherib im Jahr 689 erwarten würde. bc wurde mit solcher Strenge durchgeführt, dass nur wenig übrig blieb, um die Geschichte Babylons vor seiner Zeit zu erzählen. Dieses wenige bestand hauptsächlich aus Vertragstafeln aus der Zeit der Ersten Dynastie und einer Anzahl von Topfgräbern aus einer noch früheren Zeit. Aber wie sehr wir auch den Mangel an Material bedauern müssen, das die zerstörten Hügel Babylons für die Rekonstruktion ihrer früheren Geschichte liefern, der Zeit, in der sie auf dem Höhepunkt ihrer Macht war, der Zeit des großen Königs Nebukadnezar (604-561 bc) – die deutschen Ausgrabungen haben uns viele wertvolle Informationen geliefert. Der Ḳasr-Hügel, der die Überreste von Nebukadnezars berühmtem Palast verbarg, in dem er den größten Teil seiner Herrschaft verbrachte und in dem auch Alexander der Große starb, scheint ein neuer Vorort Babylons gewesen zu sein und enthielt keine Überreste aus der Zeit vor dem 136. Jahrhundert. Die massive Stadtmauer, die insgesamt etwa 1899 Meter dick war, wurde entdeckt und der Palast Nebukadnezars teilweise ausgegraben, aber die beiden wichtigsten Entdeckungen des Sommers 4 waren eine Stele aus Dolerit und ein Flachrelief aus Sandstein. Die Stele aus Dolerit ist 2 Meter hoch und auf ihrer glatten Seite ist die Figur eines hethitischen Gottes abgebildet, während die Rückseite eine hethitische Inschrift enthält. Der Gott hat seine beiden Arme erhoben und schwingt in einer Hand einen Dreizack, in der anderen einen großen Hammer, während an seiner Seite ein Schwert hängt. Ein langer Zopf hängt ihm über den Rücken, seine Kopfbedeckung ist eine Phrygische Mütze, sein Schuhwerk Seite 70die spitzen Schuhe, die so typisch für Hethiter sind, und seine Tunika, die mit Fransen verziert ist, reicht bis zu den Knien. Die zweite Entdeckung bestand aus einer Sandsteinplatte, die etwas über 4 Fuß lang und etwa 4 1/2 Fuß hoch war und im Relief eine Gruppe von Figuren zeigte, von denen die beiden bemerkenswertesten der Gott Adad sind, der in jeder Hand mit zwei Blitzen bewaffnet ist, und die Göttin Ishtar.

Im folgenden Jahr konnte Koldewey detailliertere Informationen über den allgemeinen Plan und die Anordnung von Nebukadnezars Palast geben. Der Palast enthielt eine große Anzahl von Räumen, die um größere zentrale Höfe herum angeordnet waren. Die Mauern der verschiedenen Gebäude ruhen auf einem massiven Fundament aus Ziegeln und Fragmenten. Auf dieser Fundamentplattform wurde eine von Ost nach West verlaufende, über 56 Fuß dicke und von einem einzigen Tor durchbrochene Wallmauer entdeckt, während an der Ecke dieser Mauer ein weiteres Gebäude ans Licht kam, das älter als die Mauer selbst war. Dieses Gebäude bestand aus gebrannten Ziegeln und Asphalt, wobei die Ziegel selbst eine aramäische Inschrift und einen laufenden Löwen trugen.

An der Ostseite des Ḳasr in Babylon bestehen die Pflastersteine ​​der Straße aus weißem Kalkstein oder rot-weißer Brekzie, aber der einzige Teil des Straßenpflasters, der in seiner ursprünglichen Position gefunden wurde, ist die Schicht aus gebrannten Ziegeln, die mit Asphalt bedeckt war und als Grundlage für das darüber liegende Steinpflaster diente. Die riesigen Kalksteinblöcke messen über 3 Fuß im Quadrat und sind etwa 13 1/2 Zoll dick. Auf einigen dieser Kalksteinblöcke wurde eine Inschrift gefunden, die Nebukadnezars Namen angibt und besagt, dass er die Babel-Straße für die Prozession des großen Herrn Marduk mit „Bergstein“-Platten gepflastert hatte. Die Brekzie-Platten, von denen keine vollständig geborgen wurde, waren anscheinend von bescheideneren Abmessungen, nämlich nur etwa 26 Zoll im Quadrat und 8 Zoll dick. Es besteht kein Zweifel, dass dies die Seite 71Pflastersteine, mit denen Nebukadnezar die „Prozessionsstraße von Marduk“ pflasterte, deren Lage nun feststeht. Brekzie wurde schon vor Nebukadnezars Zeit für Bauzwecke verwendet: So wissen wir, dass Nabopolassar, der Gründer der neubabylonischen Dynastie, sie zum Pflastern der Prozessionsstraße verwendete, während auf dem Amran-Hügel ein Brekzieblock mit einer Inschrift von Sanherib gefunden wurde.

Die Entdeckung der Prozessionsstraße des Marduk war im Hinblick auf die Topographie des alten Babylon von größter Bedeutung. Von noch größerer Bedeutung war jedoch die Bestätigung der Theorie von Delitzsch und anderen, die bis dahin hauptsächlich auf Schlussfolgerungen aus den Texten Nebukadnezars beruhte. Bei den Ausgrabungen im Mai 1900 wurde Marduks Tempel E-sagila mit dem alten babylonischen Gebäude identifiziert, das im Amran-Hügel verborgen liegt.

Koldewey hatte außerdem das Glück, einen Tempel zu entdecken, der zu Ehren der Göttin Nin-makh (Große Frau) errichtet worden war, die in späteren Zeiten jedenfalls mit Ishtar identifiziert wurde.27 Die Bedeutung der Entdeckung lag in der Vollständigkeit des Gebäudes und nicht in seiner Größe, denn es ist ziemlich klein. Bei der Ausgrabung dieses Tempels wurde ein gut erhaltener assyrischer Zylinder gefunden, auf dem Ashur-bani-pal festhält, dass er Nin-makhs Tempel in Babylon neu erbaut hat. Als Gegenleistung für diesen Akt der Frömmigkeit erwartete er offensichtlich eine reiche Belohnung, denn er bittet den „erhabenen Nin-makh, mitfühlend auf seine frommen Taten herabzublicken“, täglich vor Bêl und Bêlit seinen Wohlstand zu verkünden, ein „Leben von vielen Tagen als sein Schicksal“ vorzuschreiben und seine Regierung fest zu etablieren.

Ein weiterer interessanter Fund war die Terrakotta-Figur einer nackten Göttin, zweifellos ein Relikt aus dem Nin-makh-Kult (vgl. Abb.). 86).

Seite 72

Die Ausgrabungen auf dem Amran-Hügel brachten die Existenz von Gebäuden aus der Zeit vor Nebukadnezar zutage. Die oberen Schichten des Hügels stammen größtenteils aus der Zeit der Parther und Seleukiden, doch in einer Tiefe von 68 Metern unter der Oberfläche des Hügels wurde der Boden eines babylonischen Gebäudes freigelegt, und die Lehmwände dieses Gebäudes, die über 9 Meter dick waren, wurden noch in beträchtlicher Höhe gefunden. Der Boden selbst bestand aus gebrannten Ziegeln, die mit Asphalt bedeckt waren, wobei anscheinend nur die Ziegel in der obersten Schicht den Abdruck von Nebukadnezars Stempel trugen, weshalb es wahrscheinlich erscheint, dass das Fundament des Gebäudes vor der Zeit dieses Königs gelegt wurde. Unter dem untersten Boden wurde ein solides Ziegelfundament mit einer Dicke von etwa 6 Metern gefunden. Auf dem obersten Boden wurden verschiedene interessante Objekte ans Licht gebracht, darunter eine dünne Goldplatte, ein silberner Knauf, ein goldener Ohrring und Fragmente gravierter Muscheln. Die wahre Bedeutung der Ausgrabungen auf dem Amran-Hügel liegt jedoch in der Entdeckung des berühmten Tempels von Marduk – E-sagila, was so viel heißt wie „das Haus des Himmels und der Erde“. Der Tempel wurde von König Zabum während der ersten Dynastie von Babylon gegründet (Umlauf 2000 bc), also die Zeit, in der die Stadt Babylon zum mächtigsten Stadtstaat in Südmesopotamien wurde. Aber die Vorherrschaft Babylons bedeutete die Vorherrschaft des Gottes Babylons, und das Ansehen, das Marduk zu dieser Zeit erlangte, zeigt sich in seiner Identifizierung mit Bêl, dem alten Gott von Nippur. Aber einige hundert Jahre später, als die Macht und der Einfluss Babylons abgenommen hatten und die Herrschaft im mesopotamischen Tal an die kriegerischeren Assyrer im Norden übergegangen war, litten E-sagila und ihr Gott mit dem Volk Babylons, der Tempel wurde geplündert und der Gott Marduk von Tukulti-Ninib, dem König von Assyrien, verschleppt (Umlauf 1275 bc) Etwa sechs Jahrhunderte später fanden die Assyrer Seite 73noch immer allmächtig, obwohl immer damit beschäftigt, Aufstände unter den unzufriedenen babylonischen Fürsten zu unterdrücken, bis Sanherib sich schließlich entschloss, Babylon vom Erdboden zu tilgen. E-sagila war an der allgemeinen Katastrophe beteiligt, und von der frühen Stadt oder dem Tempel ihres altehrwürdigen Gottes sind nur wenige Überreste übrig, obwohl glücklicherweise verschiedene Dokumente, Gefäße und andere Reliquien aus der Zeit vor Sanherib der Wut dieses Königs entgingen und kürzlich von den deutschen Ausgräbern geborgen wurden. Asarhaddon jedoch, der Nachfolger von Sanherib und einer der humansten assyrischen Monarchen – was vielleicht nicht viel heißt – machte es sich zur besonderen Aufgabe, die Stadt Babylon und den Tempel ihres Gottes wieder aufzubauen, aber er erlebte die Verwirklichung seines Projekts nicht mehr, und die Vollendung der Arbeiten wurde daher Asarhaddons gemeinsamen Nachfolgern, Ashur-bani-pal und Shamash-shum-ukîn, überlassen. Der Tempel war mit Zedern- und Zypressenholz überdacht und mit Gold, Silber und Edelsteinen übersät. Als alles fertig war, wurde Marduks Heimkehr mit großem Pomp und Pracht gefeiert. Schamasch, der Sonnengott, Ea, Marduks ehrwürdiger Vater, Nebo, sein berühmter Sohn – sogar Nergal, der Gott der Toten, kamen, um die verbannte Gottheit willkommen zu heißen. Doch so großartig der Wiederaufbau von Marduks altem Tempel durch Ashur-bani-pal, Assyriens mächtigsten König, auch war, er wurde von dem der einheimischen Könige Babylons – Nabopolassar (625-604) und seinem Sohn Nebukadnezar – übertroffen. Ashur-bani-pal scheint den Tempelturm nicht wiederaufgebaut zu haben, den Sanherib natürlich zerstört hatte, aber Nabopolassar errichtete noch einmal den hohen Bühnenturm – das E-temen-an-ki („Haus der Fundamente von Himmel und Erde“), und sein Sohn Nebukadnezar führte das lobenswerte Werk fort. Er baute die Wände der Kammer Ekua aus reinem Gold, während er das Dach aus Zedernholz machte, das er mit Gold und Edelsteinen bedeckte, wobei die Heiligtümer von Nebo und Zarpanit auf die gleiche luxuriöse Weise behandelt wurden. Seite 74während alle Opfergefäße aus reinem Gold zu sein scheinen. Neriglissar (559-556 bc) ein Nachfolger Nebukadnezars baute zusätzlich vier Tore zu diesem Tempel, und als die Stadt schließlich von Kyros eingenommen wurde, erwies dieser König, wie man sich erinnern wird, Marduk seine Ehrerbietung, auf dessen Geheiß er die Stadt eingenommen zu haben behauptete – „Er (Marduk) suchte einen rechtschaffenen Prinzen, einen Mann nach seinem Herzen, den er an die Hand nehmen konnte, und er gab ihm den Namen Kyros.“

Im Laufe der Ausgrabungen in Babylon wurden mehrere Gräber entdeckt, die meisten davon jedoch aus späterer Zeit. Ein sehr interessanter Sarkophag wurde 1910 ans Licht gebracht.28 Das „Kopfende“ der Terrakotta-Abdeckung zeigte im Relief den bärtigen Kopf eines Mannes mit langen Haaren und einem ägyptischen Gesicht. Zur gleichen Zeit wurden zwei weitere Sarkophage gefunden, und alle diese Bestattungen befanden sich in zerstörten Häusern.

Von den vielen anderen wichtigen Ergebnissen, die die Arbeiten von Koldewey und seinen Mitbrüdern begleiteten, verdienen die Entdeckung des alten Kanals Arakhtu, die Nachzeichnung seiner Kaimauern, die Ausgrabung der großen Mauer zwischen der Nord- und Südburg und die Räumung der Westmauer der südlichen Zitadelle besondere Erwähnung. Für Einzelheiten muss der Leser auf die Mitteilungen der Deutschen Orient-Gesellschaft.

Aber Babylon war nicht die einzige Stätte in Untermesopotamien, die bei dieser Expedition die Aufmerksamkeit der Deutschen auf sich zog. Am 14. Juni 1902 fuhren Koldewey, Delitzsch und Baumgarten mit einer Gruppe von Arbeitern per Boot den Euphrat hinunter und erreichten schließlich am 18. die zerstörten Hügel von Fâra. Im nördlichen Teil der Ruine wurde mit Grabungen begonnen, und es wurde sehr bald klar, dass die gesamte Stätte sehr alt ist, nicht einmal die obersten Schichten der Hügel enthielten irgendetwas, das einer späteren Zeit zugeordnet werden könnte. Verschiedene Werkzeuge aus Knochen und Stein, darunter eine Reihe von Seite 75Steinbeile sowie Sägen und Messer aus Feuerstein oder Obsidian zeugten von der langen Besiedlungsdauer, und da in einer Tiefe von mehr als 6 bis 7 Metern nichts entdeckt wurde, versprach Fâra von Anfang an, eine der wichtigsten Stätten für das Studium der frühen sumerischen Zivilisation zu werden. Die zerstörten Hügel anderer längst vergessener Städte hatten tatsächlich ebenso alte Relikte der Vergangenheit freigelegt wie die in Fâra ausgegrabenen, aber in fast allen Fällen enthielten die oberen Schichten solcher Hügel Überreste aus späterer Zeit und einer jüngeren Besiedlung; Fâra ist in dieser Hinsicht jedoch einzigartig, da es aus unbekannten Gründen nur in der frühesten Periode der babylonischen Geschichte bewohnt gewesen zu sein scheint, in der es zweifellos „seine Zeit hatte“, seitdem aber „aufgehört hat zu sein“, bis die deutschen Ausgräber es schließlich vor der endgültigen Vergessenheit gerettet haben. Zu den kleineren Objekten, die an dieser Stelle entdeckt wurden, gehörten eine Reihe Siegelzylinder, von denen die meisten aus Alabaster, manchmal aber auch aus Muscheln und nur sehr selten aus den harten Steinen bestanden, die in späteren Zeiten so häufig verwendet wurden. Sie wurden manchmal inmitten des allgemeinen Schutts, manchmal in den Gräbern gefunden. Die meisten zeigen Schlachtszenen, wobei die Kämpfer je nach Fall entweder Menschen, Tiere oder mythische Monstrositäten waren. Die einfacheren Exemplare der gefundenen Töpferwaren ähneln denen, die Koldewey in Surghul ausgegraben hat, während andere kunstvoller verziert waren. Einige Tafeln wurden ausgegraben, die meisten von runder Form und alle mit archaischen Schriftzeichen versehen. Die Bürger von Fâra legten die Körper ihrer Toten entweder in Lehmsarkophage oder in Schilfmatten. Die Lehmsarkophage sind oval und etwa sechs Fuß lang; die Seiten sind senkrecht und sie sind mit einem Lehmdeckel verschlossen. Die Leiche wurde im Allgemeinen auf der Seite liegend gefunden, mit den Beinen in Embryonalrichtung angezogen, wie es im vordynastischen Ägypten der Fall war, und eine der Hände hält eine Tasse aus Stein, Muschel, Kupfer oder Ton an den Mund, ein zufälliger Beweis Seite 76des Glaubens der Babylonier an die Realität des Lebens nach dem Tod selbst in dieser fernen Zeit. Die Gräber der besseren Klassen enthalten auch die Geräte, Waffen und Schmuckstücke der Verstorbenen. Zu den Waffen gehören Speere, Dolche und Beile aus „Bronze“ (?), der Schmuck in Form von Ketten, deren Perlen bei den Wohlhabenderen aus Lapislazuli und Achat bestehen, während sich die ärmeren Leute mit gewöhnlichem Glas begnügen mussten. Es wurden auch Armbänder und Ringe aus Silber und Bronze entdeckt, zusammen mit „Bronze“-Stäben, die an beiden Enden mit Lapisspitzen versehen waren. Zu den Werkzeugen zählen Angelhaken und Beile aus „Bronze“, während Farbkästen aus Alabaster oder Muschel normalerweise mit der Leiche begraben wurden und daher vermutlich als Toilettenutensilien im Jenseits ebenso wie im jetzigen Leben angesehen wurden. Die Farben wurden in den meisten Fällen gut erhalten gefunden, die wichtigsten davon waren Schwarz, Gelb, Rot und Hellgrün. Viele Steingefäße in verschiedenen Größen und Formen wurden ans Licht gebracht, die meisten davon waren aus Alabaster. Tatsächlich wurde Alabaster an dieser Stätte sehr häufig verwendet, im Gegensatz zu den späteren Babyloniern, die selten die weicheren Steine ​​verwendeten, die ihre assyrischen Nachbarn so häufig und für so viele verschiedene Zwecke nutzten. Die Ausgräber berichten, dass sie nicht feststellen konnten, ob die Sarkophage oder die Mattengräber älter waren, da beide anscheinend gleichzeitig verwendet wurden. Die Annahme, dass die Sarkophage von den besseren Klassen und die Mattengräber von den ärmeren verwendet wurden, wäre an sich durchaus plausibel, wenn da nicht die unangenehme Tatsache wäre, dass die Mattengräber ebenso reich mit den Ausstattungen, Ornamenten und Geräten der Verstorbenen ausgestattet sind wie die Sarkophage selbst. Es wurden nur sehr wenige Skulpturen gefunden, die meisten davon aus Alabaster und zeugen von beträchtlicher Kunstfertigkeit in ihrer allgemeinen Ausführung. Der Beginn des Jahres 1903 war geprägt durch die Entdeckung eines Gebäudes aus gut gebrannten Ziegeln in den Trümmern von Seite 77Dabei wurden zahlreiche gut erhaltene Tafeln entdeckt.

Inzwischen wurden zur gleichen Zeit Ausgrabungen am Hügel von Abû Hatab durchgeführt, nachdem Koldewey von der Entdeckung beschrifteter Ziegel an dieser Stelle berichtet worden war. Die Arbeiten begannen hier am 24. Dezember 1902 und führten zur Entdeckung einer Reihe kleiner Gebäude, deren Mauern durch ihre geringe Materialstärke auffielen. Einige der Ziegel trugen eine Inschrift von Bur-Sin, dem König von Ur (Umlauf 2350 bc). Aber Abû Hatab bot dem Forscher frühprähistorischer Überreste wenig Interessantes. Die Gräber hier bestanden größtenteils aus zwei großen Töpfen, „mit den Rändern in horizontaler Position“, eine Sarkophagform, die auch in den frühen Schichten von Babylon und Muḳeyyer (Ur) gefunden wurde. Die Leiche lag entweder auf dem Rücken oder auf der Seite, aber in beiden Fällen war sie zusammengezogen, was offensichtlich durch die Beschränkungen des Sarkophags notwendig war, wie es auch bei den frühen Topfgräbern des alten Ägypten der Fall war. Ein Gefäß aus Ton oder Kupfer wurde im Allgemeinen in der Nähe des Kopfes der Leiche gefunden, zweifellos dazu bestimmt, einen ähnlichen Zweck zu erfüllen wie die Trinkbecher, die in den Gräbern von Fâra gefunden wurden.

Etwa zu dieser Zeit schloss Andrae, Koldeweys Assistent, die Ausgrabungen des Nebo-Tempels in Birs-Nimrûd (Borsippa) ab, von wo aus Nebo am ersten Tag des neuen Jahres Marduk seinen jährlichen Besuch abstattete.

Tafel VIII

\ „Die

Die Zikkurat und der Palast von Ashur-naṣir-pal: Ashur
(Mit freundlicher Genehmigung der Deutschen Orient-Gesellschaft)

Koldewey und Andrae beschränkten ihre Aufmerksamkeit jedoch nicht auf die zerstörten Hügel Babyloniens, sondern begannen 1903 mit Ausgrabungen in Ḳalat Sherḳat, dem Ort von Ashur, der alten Hauptstadt Assyriens und dem Namen des Gottes, von dem Assyrien seinen Namen hat. Bereits 1852 hatte Sir Henry Layard an dieser Stelle Ausgrabungen durchgeführt, deren wichtigstes greifbares Ergebnis die Entdeckung der Tonzylinder von Tiglat-Pileser I. war, obwohl auch Fragmente von Flachreliefs und anderen Inschriften gefunden wurden. Seite 78sowohl von Layard als auch von Rassam entdeckt. Salmanassar I. (Umlauf 1300 bc) hatte seinen Regierungssitz von Ashur nach Calah verlegt, doch sein Nachfolger Tukulti-Ninib (Umlauf 1275 bc) wurde Assur zur Hauptstadt des Reiches zurückversetzt. Die Hügel, die den Standort dieser antiken Stadt markieren, sind größtenteils natürlicher Formation (vgl. Taf. VIII), wodurch sie sich von den meisten Ruinenhügeln in Mesopotamien unterscheiden, die ihre Existenz einer künstlichen Formation verdanken. Von September 1903 bis April 1904 waren die Arbeiten vorläufiger Natur und bestanden aus Probegräben, aber im April 1904 begannen die Deutschen mit der Ausgrabung des großen Lehmziegelhügels, der Zikkurat, des östlichen Plateaus und des großen Hofes von Ashurs Tempel, wobei auch ein Teil der Befestigungsmauer in Angriff genommen wurde, während sich die Hauptarbeiten auf die Palastgebäude von Salmanassar I. konzentrierten (Umlauf 1300 bc). Der große Tempel von Ashur, der von Ushpia, einem frühen Herrscher der Stadt, der vor Irishum existierte, erbaut oder restauriert wurde, befindet sich in der nordöstlichen Ecke und grenzt an den Palast von Salmanassar I. Die Zikkurat oder der Bühnenturm liegt im West-Südwesten, und der Palast von Ashur-naṣir-pal grenzt an den Tempel von Anu und Adad, der das am besten erhaltene Gebäude in Ashur zu sein scheint. Es wurden verschiedene andere Gebäude entdeckt, darunter der Tempel von Nebo und der Palast von Tukulti-Ninib I. (Umlauf 1275 bc) besonders hervorzuheben. Es wurden zahlreiche Gräber verschiedener Art gefunden, wobei die mit Ziegelsteinmauern zweifellos assyrischen Ursprungs sind. Viele wertvolle historische Inschriften wurden gefunden, und ein weiteres interessantes Ergebnis war die Entdeckung einer Wanddekoration, die aus einer Reihe von Rosetten besteht. Das sogenannte „Mushlala“ von Adad-nirari I. (Umlauf1325 bc), nach dem es einen Teil des Tempels von Assur bildete, erwies sich als identisch mit dem von Sanherib mit „Bergstein“ restaurierten und anschließend von Asarhaddon (681-668) reparierten bc) mit „pîlu“-Stein. Die Fundamente des Gebäudes an der Südseite Seite 79Seite des östlichen Plateaus erwies sich als sehr tief, während der Plan des Gebäudes selbst dem frühbabylonischen Typ sehr ähnlich sein soll. Der Tempel von Assur, dem großen Herrn von Assyrien, wird von Irishum, König von Assyrien, erwähnt (Umlauf 2000 bc), von Shamshi-Adad, der sich selbst Erbauer des Tempels von Assur nennt, von Adad-nirari und von Salmanassar I. Während der Herrschaft von Salmanassar I. wurde der Tempel durch einen Brand zerstört und dieser König ließ ihn wieder aufbauen. Eine Inschrift von Tiglat-Pileser II. informiert uns darüber, dass er den Tempel mit emaillierten Ziegeln verzierte. Einige dieser Inschriften wurden „an Ort und Stelle“ gefunden und legen so den genauen Standort von Assurs berühmtem Schrein fest. Der Tempel befand sich im äußersten Norden der Stadt, drei seiner Seiten blickten auf das offene Land und die vierte wurde von der Zikkurat überragt. Überreste von Salmanassars Arbeit wurden im Fundament und im Pflaster gefunden, die von diesem König errichtet wurden, und einige der emaillierten Ziegel, die die Gebäude von Sargon schmückten, wurden ebenfalls geborgen, während das Pflaster des großen Hofes sowie Stücke emaillierter Ziegel und die Lehmkegel von Tiglat-Pileser II. ans Licht gebracht wurden. Der Tempel selbst befand sich ursprünglich hoch über dem Straßenniveau. Außerdem wurde eine zweite, kleinere Zikkurat gefunden, die sich als Teil des Tempels von Anu und Adad erwies. In diesem Bauwerk konnte die Arbeit aus drei verschiedenen Perioden nachgewiesen werden.29 Zu den interessanten Reliquien, die hier ausgegraben wurden, gehört insbesondere ein dreizackiger, mit Gold ummantelter Holzdonnerkeil.

Die Überreste verschiedener Paläste wurden ausgegraben, darunter die von Adad-nirari und Shalmaneser I., und auch die königliche Residenz von Tukulti-Ninib wurde ausgegraben. Viele Tafeln wurden geborgen, und ein Topf mit 113 ungebrannten Tontafeln wurde ebenfalls ans Licht gebracht: Die Tafeln sind in einer für die Zeit von Tiglath-Pileser I. typischen Schrift geschrieben und bestehen hauptsächlich aus Seite 80befasste sich mit Quittungen für Vieh. Es wurde viel Keramik ausgegraben, zusammen mit einer Vielzahl von Objekten, darunter einige römische Reichsmünzen aus dem zweiten Jahrhundert. Der nördliche Teil der Stadt war der, der von den assyrischen Königen bevorzugt wurde, und enthält dementsprechend die Überreste mehrerer Tempel und Paläste, aber die Ruinen privater Häuser sind vielleicht von noch größerem Interesse als die Paläste der Könige und die Wohnstätten der Götter. Sie sind klein, wurden aber offensichtlich sorgfältig entwässert. Innerhalb der Häuser wurden eine Reihe von Gräbern entdeckt, die anscheinend aus derselben Zeit stammen wie die Häuser selbst. In vielen Fällen geben die Ausgräber an, dass sie in den Gräbern klare Spuren von Einäscherung gefunden haben. In Ashur wurden sieben deutlich unterschiedliche Arten von Gräbern gefunden – Gewölbe, Lehmsarkophage, gebrannte Lehmschalen, die über die Leiche gelegt wurden, Krüge, Ziegelgräber, Tonscherbengräber und Erdgräber. Die Gewölbe30 haben verschiedene Formen und Größen, sind aus gebrannten Ziegeln und bestehen im Allgemeinen aus einer ziemlich geräumigen Kammer und einem Eingangsschacht. Die Körper – immer mehr als einer in jedem Gewölbe – lagen in zusammengekauerter Position auf dem Boden, umgeben von Trinkgefäßen aller Art, und in allen Fällen gab es eine kleine Nische für eine Lampe. Die Sarkophage aus Ton weisen sogar noch größere Vielfalt auf, darunter Krüge, in die die Körper gepresst wurden, und hohe und niedrige Wannen, in die die Leiche in sitzender Position gelegt wurde, während beide dieser Klassen viele verschiedene Typen umfassen.

Eine andere Art der Krugbestattung, bekannt als „Kapsel“, bestand aus zwei Krügen, die über die Füße bzw. den Kopf gezogen und zusammengedrückt wurden, bis sie sich berührten und so eine „Kapsel“ bildeten. Die Ziegelgräber waren praktisch Ziegelsarkophage, da die Gräber in Sargform gebaut waren, aber nur wenige davon wurden gefunden. Die Tonscherbengräber werden so genannt, weil Tonscherben verwendet wurden, um die Leiche zu bedecken. Anscheinend existierten diese verschiedenen Bestattungsmethoden gleichzeitig und können daher nicht Seite 81in Perioden eingeteilt werden, wie dies teilweise im frühen Ägypten der Fall ist.

Was die Befestigungen der Stadt betrifft, so liefern uns die Inschriften der verschiedenen Könige, die diese bauten, reparierten oder wiederaufbauten, eine Menge Informationen, aber die Ausgrabungen selbst haben uns bis heute nicht so viel verraten, wie wir uns wünschen könnten. Die Restaurierungsarbeiten von Salmanassar II. an der Südmauer wurden anhand der Tonkegel dieses Königs identifiziert, die im oberen Teil der Mauer gefunden wurden, während Salmanassar sich in einigen seiner Inschriften selbst als Erbauer des „Dûru“ selbst bezeichnet. Die von Adad-nirari I. erbaute, von Adad-nirari II. und später von Adad-nirari III. restaurierte Kaimauer wurde auf einer Länge von fast 490 Yards ausgegraben; sie ist aus Kalksteinblöcken gebaut und auf der Flussseite mit Ziegeln verkleidet, wobei dem Ganzen durch die reichliche Verwendung von Asphalt und Lehmmörtel Kohärenz verliehen wird. Außerdem wurde ein Teil des von Tukulti-Ninib I. erbauten Stadtgrabens gefunden. Bei den Ausgrabungen kam außerdem die Restaurierung der Stadtmauer zum Vorschein, für die vermutlich Ashur-naṣir-pal verantwortlich war.

Im Jahr 1908 wurde der Tempel ausgegraben, der zu Ehren des Gottes Nebo in Assur von Sin-shar-ishkun, dem letzten König von Assyrien, errichtet wurde (Umlauf 615 bc).31 Der allgemeine Grundriss dieses spätassyrischen Tempels entsprach dem des Anu-Adad-Tempels und auch dem des von Sargon in Khorsabad erbauten Tempels.32 Aus den Ruinen von Ashur wurden zahlreiche Stelen und andere Steindenkmäler geborgen, darunter eine Basaltstele von Tukulti-Ninib,33 eine Stele von Tiglat-Pileser III. und eine weitere von Assur-Resch-Ischi II.,34 eine Kalksteinstele von Ashur-naṣir-pal, eine Alabasterstele mit der Darstellung eines Königs, der einen Gott und eine Göttin anbetet, die in gewisser Weise dem bayerischen Relief von Sanherib ähnelt,35 und Fragmente einer Dioritskulptur36 Seite 82mit kleinen Figuren, die an den für die Khammurabi-Zeit charakteristischen Kunststil erinnern. Das Interessante an diesen Denkmälern liegt vor allem in den Inschriften, die neues Licht auf die Zahl und Reihenfolge der assyrischen Könige werfen.

Inzwischen waren die Amerikaner, deren Ausgrabungen in Babylonien so vielversprechend begonnen hatten, wieder ins Feld gezogen. Am Weihnachtstag 1903 begann eine vom Oriental Exploration Fund der Universität Chicago entsandte Expedition unter der Leitung von Professor RF Harper (EJ Banks als Feldleiter) mit Ausgrabungen in Bismâya, dem Namen einer Hügelgruppe zwischen Tigris und Euphrat und genau südlich von Bagdad. Die Hügel sind sehr ausgedehnt, etwa eine Meile lang und eine halbe Meile breit, aber ihre Höhe ist sehr niedrig im Vergleich zu anderen Hügeln wie Erech, Nippur (vgl. Taf. X) oder Borsippa. Der Tempel war das erste Gebäude in Bismâya, das Aufmerksamkeit erregte, teilweise weil es zufällig unter einem der höchsten Hügel von Bismayân verborgen war, und teilweise weil die allgemeine Form des Hügels die mögliche Existenz eines Bühnenturms unter seinen Trümmern nahelegte. Gräben, die auf allen Seiten des Hügels in Richtung Mitte gegraben wurden, enthüllten bald das untere Stockwerk eines dieser Tempeltürme, dessen zweites Stockwerk verschwunden war, obwohl einige der gebrannten Ziegel, die seine äußere Ummantelung bildeten, herumliegend gefunden wurden. Das erhaltene untere Stockwerk bestand aus groben Ziegeln und Lehm, war jedoch mit einer Verkleidung aus gebrannten Ziegeln von etwa vier Fuß Dicke versehen. Viele dieser Verkleidungsziegel trugen die Inschrift des Namens Dungi, des Königs von Ur (Umlauf 2400 bc). Unter den Ziegeln von Dungi wurde eine weitere Schicht gebrannter Ziegel gefunden, von denen einige den Namen von Ur-Engur trugen, Dungis unmittelbarem Vorgänger auf dem Thron von Ur. Von den ausgegrabenen kleinen Objekten sind die drei interessantesten Seite 83waren ein dünner Goldstreifen, der etwa zwei Fuß unter den gebrannten Ziegeln von Dungi gefunden wurde und den Namen des berühmten Nârâm-Sin trug, des Sohnes von Shar-Gâni-sharri von Agade, und der zweite war eine kleine weiße Marmorstatuette, die nicht weit vom Goldstreifen entfernt gefunden wurde und dem für die Zeit von Narêm-Sin charakteristischen Kunststil entsprach, während die dritte eine weitere Marmorstatue aus der frühesten sumerischen Periode war und denen, die in den untersten Schichten von Tellô (Lagash) ausgegraben wurden, sehr ähnelte. Diese Statue (vgl. Abb. 32) ist als Rundstatue aus einer so frühen Epoche wahrscheinlich einzigartig und fällt vor allem dadurch auf, dass die Arme in diesem Fall völlig vom Körper losgelöst und komplett rund geschnitzt sind.

Direkt unter der Stelle, an der das Gold von Narâm-Sin geborgen wurde, wurden große Ziegelsteine ​​mit einer Größe von etwa 18 Zoll im Quadrat gefunden, die aus der Zeit von Shar-Gâni-sharri stammen, während in einigen anderen Hügeln von Bismâya zahlreiche Inschriften desselben Königs gefunden wurden. Unter den großen sargonischen Ziegelsteinen befand sich eine Schicht dünner, länglicher und mit Fingerspuren versehener Ziegelsteine, während noch tiefer, etwa fünf Fuß unter der Oberfläche, kleine plankonvexe, in Bitumen eingelassene Ziegelsteine ​​ans Licht kamen.

Rund um den Tempelturm wurden zahlreiche Vasenfragmente aus Marmor, Porphyr, Granit, Alabaster und Onyx sowie unzählige Objekte aus Elfenbein, Perlmutt, Metall und Stein gefunden.

Was den Tempel selbst betrifft, so wurde auf der Südostseite ein Eingang entdeckt, dessen wichtigstes verbliebenes Merkmal der Marmortorsockel war, der auf zwei Platten aus rosa Marmor ruhte. An der Südecke wurde ein ovaler Raum freigelegt, der einst mit einem kuppelförmigen Dach bedeckt war. Doch der Sockel des Tempelturms war sogar tiefer als die Schicht, die die kleinen plankonvexen Ziegel enthielt, und diese Tiefe musste noch ergründet werden.

Etwa fünf bis fünf Meter unter der Oberfläche Seite 84großer Metalldorn (vgl. Abb. 40), der in einem Löwenkopf endete, wurde geborgen, während noch viel tiefer, etwa neununddreißig bis vierzig Fuß unter dem Niveau des Hügels, eine Anzahl von Fragmenten von auf der Scheibe hergestellter schwarzer Keramik freigelegt wurden. Das Datum dieser auf der Scheibe hergestellten Keramik ist natürlich unbekannt, aber aufgrund der Tiefe, in der sie gefunden wurde, schlägt Dr. Banks, der Feldleiter der Expedition, ein Datum von 10,000 vor. bc Im selben Jahr (1903), in dem diese erfolgreichen Ausgrabungen in Bismâya, Ninive, durchgeführt wurden, erfuhren die zerstörten Hügel dieser einst berühmten Stadt den großen Pionieren auf dem Gebiet der mesopotamischen Erforschung bereits eine so reiche Ernte, weitere Aufmerksamkeit durch die Treuhänder des British Museum, die eine Expedition unter der Leitung von LW King und RC Thompson aussandten, um den Kouyunjik-Hügel weiter auszugraben. Das wichtigste Ergebnis der dort zwischen 1903 und 1905 durchgeführten Ausgrabungen war die Entdeckung der Stätte von Nabu's Tempel, der jedoch so grausam zerstört worden war - vermutlich von den Elamitern -, dass kein vollständiger Plan des Tempels erstellt werden konnte.

Inzwischen wurden die Ausgrabungen in Tellô (Lagash), die durch den Tod des brillanten französischen Ausgräbers (M. de Sarzec) im Mai 1901 abrupt beendet worden waren, im Januar 1903 unter der Leitung von Hauptmann Gaston Cros wieder aufgenommen. Die wichtigste neue Entdeckung war eine massive Befestigungsmauer, die von Gudea (Umlauf 2450 bc). Es ist etwa 32,5 Fuß dick und steht stellenweise noch bis zu einer Höhe von 26 Fuß. Kapitän Cros grub auch ein großes rechteckiges Gebäude aus und brachte verschiedene interessante Objekte ans Licht, darunter Werkzeuge aus Feuerstein und Kupfer sowie einen Ziegelstempel von Narâm-Sin, der als Beweis dafür gelten kann, dass während der Zeit der semitischen Vorherrschaft in Lagash von einem semitischen König von Agade Bauarbeiten durchgeführt wurden.


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KAPITEL III: ENTSCHLÜSSELUNG DER KEILSCHRIFTEN

TDer erste, der Berichte über Keilschriftinschriften nach Europa brachte, war Pietro della Valle, ein Italiener aus einer römischen Adelsfamilie. In den Jahren 1614-26 bereiste er die Türkei, Ägypten, Palästina, Persien und Indien und veröffentlichte 1650 einen Reisebericht. Die erste Meldung über seine Entdeckung der Keilschriftinschriften in Persepolis fand sich jedoch in einem Brief aus Shiraz vom 21. Oktober 1621. Josafat Barbaro hatte bereits Ende des 1621. Jahrhunderts die seltsamen Zeichen auf den Monumenten in Persepolis bemerkt, aber Pietro della Valle war der erste, der vermutete, dass es sich bei den Inschriften um mehr als bloße dekorative Einritzungen in den Felsen handelte. Obwohl Pietro della Valle bereits 1674 Kopien einiger Inschriften an den Wänden der zerstörten Paläste von Persepolis angefertigt hatte, gebührt Chardin (1711) die Ehre, die erste Kopie einer vollständigen Keilschriftinschrift anzufertigen, der sogenannten „Fensterinschrift“, der kürzesten der dreisprachigen achämenischen Inschriften, und seine Kopie findet sich in seinem Reisebericht (veröffentlicht 1694). Dieselbe Inschrift wurde 1712 von Kampfer kopiert, der auch den babylonischen Text der in Persepolis gefundenen „H“-Inschrift kopierte und als erster den Begriff „Keilschrift“ übernahm. In dem 1701 veröffentlichten Werk diskutiert er, ob die unbekannte Schrift alphabetisch, silbenförmig oder ideographisch ist, und entscheidet sich für Letzteres. XNUMX begann der Holländer De Bruin seine Reisen: Seite 86Er widmete das Jahr 1704 der Untersuchung der Ruinen von Persepolis und veröffentlichte zehn Jahre später neben einer altpersischen und einer babylonischen Inschrift zwei neue dreisprachige Inschriften. Doch das Kopieren war eine Sache, das Entziffern eine ganz andere, und es verging fast ein Jahrhundert, bevor echte Fortschritte bei der Entschlüsselung dieser kryptischen Zeichen und der Rekonstruktion der darin enthaltenen Sprachen erzielt wurden. 1762 wurde die Inschrift auf der von Graf Caylus gefundenen Vase des Xerxes veröffentlicht, und im selben Jahr wurde eine viersprachige Inschrift dieses Königs veröffentlicht. 1765 kopierte der Däne Carsten Niebuhr mehrere achämenidische Inschriften in Persepolis und wies darauf hin, dass die erste der drei Spalten jeder der gefundenen dreisprachigen Inschriften nur zweiundvierzig verschiedene Keilschriftzeichen enthielt, woraus er richtig schlussfolgerte, dass das System in der ersten Spalte weder ideographisch (jedes Zeichen steht für ein Wort) noch silbenartig (jedes Zeichen steht für eine Silbe), sondern alphabetisch war. Ab 1798 führten Tychsen und Münter, ebenfalls ein Däne, die von Niebuhr begonnene Arbeit fort und veröffentlichten ihre Ergebnisse 1802. Münter hatte richtig vermutet, dass der allgegenwärtige diagonale Keil \"Diagonale diente dazu, die Wörter voneinander zu trennen, und ein Wort, das am Anfang jeder Inschrift erschien, entschied er zu Recht als das Wort für „König“. In der Zwischenzeit37 Die Sprache des späteren zoroastrischen Glaubens war wiederentdeckt worden, und mit ihrer Hilfe war es de Sacy gelungen, die Pehlevi-38 Inschriften. Jetzt nur noch die älteren Seite 87Persische Inschriften der achämenidischen Könige warteten auf ihre Interpretation. 1802 begab sich G. Friedrich Grotefend aus Hannover, von Beruf Schulmeister, auf dieses Gebiet und wurde durch die folgende Schlussfolgerung zum Pionier bei der Entdeckung eines Teils des persischen Keilschriftalphabets und zum ersten Entzifferer einer vollständigen Keilschriftinschrift. Alte Schriftsteller hatten ihm die äußerst wichtige Information geliefert, dass die Paläste von Persepolis, in deren Ruinen so viele dieser Keilschriftinschriften gefunden worden waren, von den achämenidischen Königen erbaut worden waren. Darüber hinaus ließen ihn die Pehlevi-Inschriften, die ebenfalls an dieser Stelle gefunden und von de Sacy entziffert worden waren, erwarten, dass die Keilschriftinschriften etwas Ähnliches enthalten würden. Grotefend hatte sich bereits davon überzeugt, dass die Inschriften von links nach rechts gelesen werden, und begann seine erfolgreichen Untersuchungen, indem er zwei kurze Inschriften auswählte, von denen eine in einen Torpfosten eines Gebäudes auf der zweiten Palastterrasse und die andere in die Wand eines Gebäudes auf der dritten Palastterrasse in Persepolis eingraviert war. Beide Inschriften enthielten die Zeichengruppe, von der Münter bereits richtig gefolgert hatte, dass sie „König“ darstellte, obwohl das persische Wort für „König“ noch unbekannt blieb. Der einzige Unterschied bestand darin, dass in Inschrift I „König“ eine Zeichengruppe vorangestellt war, die man bequem als „X“ bezeichnen kann, während in Inschrift II „König“ eine Zeichengruppe vorangestellt ist, die man als „Y“ bezeichnen kann, und dass außerdem in Inschrift II „X“ und das darauf folgende Wort für „König“ nach dem „Y“ + „König“ auftraten. In I hingegen folgte auf „X“ + „König“ eine weitere Zeichengruppe, die man als „Z“ bezeichnen kann, jedoch ohne das übliche begleitende „König“.

Somit lautet es „X“ + König………„Z“………

Und II lautet „Y“ + König……… „X“ + König.

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Daraus schloss Grotefend, dass die Zeichengruppen „X“, „Y“ und „Z“ Eigennamen darstellten, und dass „X“ und „Y“, da sie von „König“ begleitet wurden, Königsnamen sein mussten, und schließlich Namen achämenidischer Könige, denn antike Schriftsteller gaben an, dass diese Paläste in Persepolis von achämenidischen Königen erbaut wurden, und außerdem legte ihre Position nahe, dass diese Eigennamen in genealogischer Beziehung zueinander stehen mussten. In I muss „X“ der Sohn von „Z“ sein, und in II muss „Y“ der Sohn von „X“ sein; „X“ und „Y“ werden von dem Zeichen für „König“ begleitet, „Z“ nicht, daher ist „Z“, der Vater von „X“, kein König, und folglich ist „X“ vermutlich der Gründer der Dynastie. Doch abgesehen von dieser Hypothese wurden einige der Namen der fünf Könige, die die (glücklicherweise) kurze Achämeniden-Dynastie bildeten – Kyros, Kambyses, Darius, Xerxes und Artaxerxes – vom Gericht sofort ausgeschlossen. Kyros und Kambyses kamen also nicht in Frage, da „X“ und „Y“ nicht mit demselben Keilschriftbuchstaben begannen (man darf nicht vergessen, dass man bereits zuvor zu Recht davon ausgegangen war, dass es sich um ein alphabetisches System handelte). Darüber hinaus hießen Kyros‘ Vater und Sohn beide Kambyses. Wenn also „X“ Kyros wäre, müssten „Y“ und „Z“ gleich sein, was aber nicht der Fall ist. Cyrus und Artaxerxes wurden ebenfalls disqualifiziert, da es keine solche Diskrepanz in der Länge der Wörter gab, so dass nur Darius und Xerxes in Betracht kamen, und da „X‘s“ Vater „Z“ nicht König genannt wird und es außerdem bekannt ist, dass Hystaspes, der Vater von Darius, von den klassischen Schriftstellern nicht als „König“ bezeichnet wird, wurde „X“ zu Recht als Darius angenommen. Nachdem er die ältesten Formen der Namen der betreffenden achämenidischen Könige aus den klassischen Schriftstellern und der hebräischen und persischen Literatur ermittelt hatte, wandte er diese Formen auf die Gruppen von Keilschriftzeichen an, von denen er angenommen hatte, dass sie sie darstellten, und er fand, dass die jeweiligen Gruppen die gleichen enthielten Seite 89Anzahl der einzelnen Zeichen, da die betreffenden Eigennamen Buchstaben enthielten, und für

„X“ las er dementsprechend – DAR – – U SH = Darius

„Z“ las er – GO SH TASP = Hystaspes

– die Zend-Form des Namens.

Aber „Y“, das seiner Hypothese nach Xerxes sein sollte, war nicht ganz so einfach zu erklären. Er kannte bereits die Werte von vier oder fünf der sieben Zeichen, aus denen die Gruppe „Y“ bestand, und diese bekannten Werte traten in der von ihm erwarteten Reihenfolge auf, aber das erste und dritte Zeichen in der Gruppe mussten noch behandelt werden. Grotefend bemerkte, dass das erste Zeichen dasselbe war wie das erste Zeichen der Gruppe, das Münter richtig als „König“ erraten hatte: Er stellte fest, dass der griechische Buchstabe „x“ im Zend mit „kh“ transkribiert wurde, und schloss daraus richtig, dass das griechische „x“, das den Eigennamen Xerxes einleitet, im Altpersischen ähnlich mit „kh“ transkribiert würde, mit anderen Worten, dass das erste Zeichen in der Gruppe „Kh“ zu lesen wäre. Das Ergebnis von Grotefends Untersuchungen war die Entdeckung der korrekten Werte für acht Buchstaben im persischen Keilschriftalphabet, wobei der Buchstabe „a“ bereits von Tychsen und Münter richtig gelesen worden war. Seine Entzifferungsmethode erwies sich als richtig, wie bereits erwähnt, als die viersprachige Vaseninschrift. Die erste Version dieser letzteren Inschrift ist in ägyptischen Hieroglyphen geschrieben und wurde von Champollion als der Name von Xerxes entziffert. Die anderen drei Versionen sind in Keilschrift geschrieben, von denen die erste, die altpersische, genau dieselbe Zeichengruppe enthielt wie die, die Grotefend auf der Inschrift aus Persepolis als Xerxes las. Wie Sayce39 Wie Grotefend richtig sagt, hing die Entzifferung der Keilschrift und alle weitreichenden Konsequenzen, die sich daraus ergaben, von einer erfolgreichen Vermutung ab, aber einer Vermutung, die „in Übereinstimmung mit der wissenschaftlichen Methode“ gemacht wurde, und es war Grotefends Entdeckung, dass alle Seite 90spätere Versuche, Keilschrift – Persisch, Medisch oder Assyrisch – zu entziffern, basierten darauf. Doch obwohl Grotefend damit den Hinweis gegeben und die Spur für alle zukünftigen Gelehrten gewittert hatte, verhinderte seine eigene Unkenntnis der östlichen Sprachen leider, dass er selbst die volle Ernte seines brillanten Anfangs einfahren konnte, und die so edel begonnene Arbeit wurde erst später vollendet.

Den nächsten großen Schritt nach vorn machte der französische Gelehrte Emile Burnouf im Jahr 1836. Er entdeckte, dass eine Inschrift eine Liste der Satrapien enthielt, und da die Namen der Satrapien von den griechischen Schriftstellern bekannt waren, konnte er auf Grundlage seiner bereits erworbenen Teilkenntnisse des Alphabets die Namen den Keilschriftzeichen zuordnen und so ein Alphabet mit XNUMX größtenteils korrekten Buchstaben erstellen. Etwa zur gleichen Zeit ordnete Lassen fast allen Buchstaben des Alphabets die richtigen Werte zu und wies darüber hinaus nach, dass die Sprache der Inschriften der Sprache des Zend und auch des Sanskrit verwandt war, obwohl sie mit keinem der beiden identisch war.

Inzwischen war Rawlinson in das Feld eingetreten, und da er der britischen Mission in Persien zugeteilt war, hatte er Möglichkeiten, die anderen fehlten, denn seine Position ermöglichte es ihm, zu kopieren und bei einer späteren Gelegenheit Druck auszuüben.40 der Inschrift auf dem heiligen Felsen von Behistun, die voller Eigennamen ist. Der französische Reisende Otter war offenbar der erste Europäer, der etwa im Jahr 1734 auf den beschrifteten Felsen von Behistun aufmerksam machte, und Oliver erwähnt ihn auch, aber der früheste Hinweis darauf findet sich in der Geschichte des Diodorus Siculus, der im ersten Jahrhundert AD Kinneir, der es 1810 sah, stellt fest, dass es klar ist, dass die dort dargestellten Figuren vom gleichen Alter und Charakter sind wie die aus Persepolis. 1818 Porter Seite 91fertigte eine Skizze der Figuren an, versuchte aber trotz seiner Erfahrung beim Kopieren der Inschrift in Persepolis nicht, die Inschrift zu kopieren. Das Kopieren war keine leichte Aufgabe, denn Rawlinson musste in einem Korb von oben herabgelassen werden, da die Leitern, die er dabei hatte, nicht lang genug waren, um den oberen Teil der Inschrift von unten zu erreichen. Er schickte seine Kopie41 an Edwin Norris, den Sekretär der Royal Asiatic Society, der es sorgfältig überarbeitete, und 1849 wurden eine Analyse und ein Kommentar des Textes veröffentlicht. Neben Rawlinson und Norris muss der irische Geistliche Hincks erwähnt werden, der mit seinem unübertroffenen Genie bei der Entzifferung von Inschriften als erster entdeckte, dass es sich nicht um ein echtes Alphabet handelte, sondern dass jedem Konsonanten ein Vokallaut zugeordnet war; und auch Beer Holtzman und Westergaard, die alle zur Untersuchungsarbeit beitrugen und Entdeckungen sowohl hinsichtlich der Grammatik als auch des Lexikons machten. Rawlinson kann zwar nicht behaupten, tatsächlich den ersten Hinweis entdeckt zu haben, der zur Entzifferung der Keilschrift führte, aber seine Übersetzung der Behistun-Inschrift war zweifellos der wertvollste Beitrag, der jemals zur Entschlüsselung der alten persischen Sprache geleistet wurde. Seine Arbeit war zudem zunächst völlig unabhängig von der Grotefends, und ohne dessen Hilfe hatte er bereits 1835 die Namen von Cyrus, Hystaspes und Darius auf den Inschriften von Elvend und Hamadan entziffert. So führten die Bemühungen eines halben Jahrhunderts schließlich zur Entdeckung eines neuen Alphabets und zur Wiederbelebung einer alten Sprache. Die persischen Texte auf den Inschriften wurden von zwei weiteren Texten begleitet, die, wie Grotefend vermutete, die beiden anderen Hauptsprachen des Persischen Reiches gewesen sein mussten. Der dritte Text Seite 92Da sie den Inschriften auf Ziegeln und Rollsiegeln, die in Babylon gefunden wurden, große Ähnlichkeit hatten, wurde natürlich und richtigerweise davon ausgegangen, dass sie assyrischen Ursprungs waren.42 Die Entzifferung dieser dritten Abschrift war mit Schwierigkeiten aller Art verbunden; es gab eine endlose Vielfalt von Zeichen einfacher und komplexer Ordnung, und es gab überhaupt nichts, was darauf hindeutete, wo ein Wort oder ein Satz begann oder endete, und außerdem unterschieden sich die Schriftzeichen auf den Monumenten aus Persepolis sehr stark von denen auf den babylonischen Monumenten, die sich ebenfalls sehr stark untereinander unterschieden. Auf den Siegelzylindern waren sie besonders kompliziert, und es war fast unmöglich, irgendeine Ähnlichkeit zwischen den Schriftzeichen auf letzteren und denen der persepolitanischen Inschriften zu erkennen.

Doch Licht kam aus einer anderen Richtung: 1842 begann Botta, der französische Konsul in Mosul, Ausgrabungen auf dem Gelände von Ninive, doch da er keinen Erfolg hatte, verlegte er seine Arbeiten nach Khorsabad weiter nördlich und grub dort einen großen Palast aus, der sich später als der von Sargon herausstellte. 1845 betrat Layard das Feld und führte äußerst erfolgreiche Ausgrabungen in Nimrûd (dem alten Calah) und dann in Kouyunjik durch, einem der Hügel, die das Gelände von Ninive darstellen.

Botta veröffentlichte die Inschriften, die er zwischen 1846 und 50 gefunden hatte, und klassifizierte auch die 642 Zeichen. Außerdem wies er die Identität des Keilschriftsystems der Inschriften von Ninive mit dem der dritten Spalte auf den persepolitanischen Monumenten nach. Dem unvergleichlichen Hincks blieb jedoch die Entdeckung der Tatsache vorbehalten, dass das assyrische Keilschriftsystem silbenförmig und nicht alphabetisch wie das persische war.

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Die Eigennamen in den persischen Spalten lieferten den ersten Hinweis zur Entzifferung der assyrischen Spalten. Die so für einige der assyrischen Zeichen ermittelten Werte ermöglichten es, viele der Wörter zu lesen, deren Bedeutung durch einen Vergleich mit den persischen Spalten ermittelt wurde. Es zeigte sich dann, dass Assyrisch eine semitische Sprache war und insbesondere dem Hebräischen ähnelte; dies wurde 1849 von De Saulcy schlüssig bewiesen. 1850 legte Rawlinson der Royal Asiatic Society eine Übersetzung der Inschrift auf dem schwarzen Obelisken von Salmanassar II. vor, die im Wesentlichen richtig war. Im folgenden Jahr veröffentlichte er Text und Übersetzung der assyrischen Abschrift der Behistun-Inschrift und verkündete zwei Tatsachen: Eine war bereits bekannt, nämlich dass die assyrischen Zeichen ideographisch verwendet werden können, d. h. um ein Objekt oder eine Idee zu bezeichnen, sowie um lediglich eine Silbe darzustellen. Die andere Tatsache war, dass die Schriftzeichen polyphon waren, d. h. jeweils mehr als eine Silbe darstellen konnten: Dies wurde erneut von dem furchtlosen Hincks gebührend bewiesen. Beide Tatsachen sprachen gleichermaßen dafür, dass die kursive assyrische Keilschrift ihren Ursprung in der Bilderschrift hatte, denn in den letzten Zeiten, als die Keilschrift sozusagen vollständig stereotyp war, wurden die Zeichen noch einzeln verwendet, um ein Objekt oder eine Idee darzustellen, und auch der polyphone Charakter der einzelnen Zeichen zeugte von demselben Ursprung. So würde beispielsweise das Bild eines Arms nicht nur einen „Arm“ bedeuten, sondern auch „Stärke“, „Macht“, „Griff“ usw., und obwohl das Zeichen – zumindest ursprünglich – nur eine allgemeine Idee hatte, hatte es eine ganze Reihe von phonetischen Werten: Diese phonetischen Werte waren zunächst untrennbar mit der Wurzel verbunden Idee, aber mit der Zeit, als das Zeichen kursiv geworden und weiterentwickelt worden war und nicht mehr dem ursprünglichen Bild ähnelte, hatten die verschiedenen phonetischen Werte des Zeichens nicht mehr unbedingt irgendetwas mit der ursprünglichen Grundidee zu tun.

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Zum Beispiel ein Charakter mit der Bedeutung und phonetisch Wert des Wortes „gewinnen,“ wurde später für die Silbe „gewinnen” ganz abgesehen von der Grundbedeutung des Wortes win, so könnte das Zeichen verwendet werden, um die erste Silbe im Wort darzustellen Winter.

1857 schlug die Royal Asiatic Society vor, die Zuverlässigkeit der von Gelehrten der assyrischen Inschriften vorgelegten Übersetzungen folgendermaßen zu prüfen: Etwa 25 Zeilen Keilschrift auf Tonzylindern, die Layard in Ḳalat Sherḳat, dem alten Assur, gefunden hatte, sollten von jedem Gelehrten, der bereit war, den Vorschlag anzunehmen, unabhängig übersetzt werden; die Übersetzungen sollten unter Verschluss an den Sekretär der Gesellschaft geschickt und an einem festgelegten Tag gemeinsam geöffnet und vor einer Kommission geprüft werden. Rawlinson, Fox Talbot, Hincks und Oppert trugen sich in die Listen ein, und am XNUMX. Mai wurden ihre jeweiligen Produkte geöffnet und verglichen. Die große Ähnlichkeit, die sie alle aufwiesen, lieferte einen schlüssigen Beweis für die Richtigkeit der Entzifferungsmethode und zeigte schließlich, dass die durchgeführten Untersuchungen und deren Ergebnisse nicht bloße Spekulationen waren, sondern auf soliden wissenschaftlichen Prinzipien beruhten.

Viele weitere Wissenschaftler verdienen unseren Dank für ihren Beitrag zur Entzifferung der Keilschriftinschriften. Besonders hervorzuheben sind hier Westergaarde, Löwenstern, De Saulcy und Longperier. Für einen Bericht über die jeweiligen Leistungen der einzelnen Wissenschaftler muss der Leser jedoch auf allgemeine Werke zu diesem Thema zurückgreifen.43


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KAPITEL IV: KEILSCHRIFT

ALL-Alphabete und alle Schreibweisen haben ihren Ursprung in Bildern oder Hieroglyphen, und die Keilschrift bildet keine Ausnahme von dieser allgemeinen Regel. Wenn die frühen Bildsymbole verwendet werden, um andere Objekte und Ideen als das bestimmte Objekt anzuzeigen, das das Symbol darstellt, wird die Genauigkeit oder Ungenauigkeit des Bildes zu einer Angelegenheit von geringer Bedeutung, und eine unvermeidliche Tendenz, das Bild so schnell wie möglich zu skizzieren, führt schließlich zur Entwicklung einer rein kursiven Schrift. In Mesopotamien wurde dieser Verlauf der Entwicklung – oder Verschlechterung – durch die Art des Materials beschleunigt, das in späteren Zeiten für alle gewöhnlichen Schreibzwecke verwendet wurde, d. h. den im Überfluss vorhandenen Ton des Tals, da es unmöglich war, die für die Herstellung von Bildern erforderlichen Linien und Kurven auf einem so plastischen Material wie Ton zu zeichnen. Die Form der Zeichen, die die Schriftzeichen bilden, hatte dieselbe Ursache: Der Punkt, an dem der Stift zum ersten Mal mit dem weichen Ton in Kontakt kommt, ist unvermeidlich dicker als der Rest des Strichs, der automatisch in die Form eines Keils ausläuft. Doch ist der Einfluss der Gewohnheit so stark und die Tendenz zur Nachahmung so stark, dass wir die Keilschriftzeichen, die ihre keilförmige Gestalt einzig und allein der Verwendung von Ton als Schreibmaterial verdankten, originalgetreu und sklavisch auf den riesigen Steinstieren, Stelen und Wandreliefs späterer assyrischer Könige nachgebildet finden.

Die frühen Entzifferer der Keilschrift hatten keine spezifischen Kenntnisse über ihren piktographischen Ursprung, denn alle damals entdeckten Inschriften zeigten die gleiche stereotype Seite 96und Kursivschrift, aber seit ihrer Zeit wurden zahlreiche archaische Inschriften ans Licht gebracht, die schlüssig beweisen, dass die Keilschrift als solche keine Erfindung der Semiten oder Sumerer war, sondern einfach das letzte Stadium des Degenerationsprozesses darstellte, dem die frühen Bilder der vorsemitischen Sumerer unterworfen waren. In den folgenden Abbildungen (Abb. 1 und 2) haben wir eine Reihe von Zeichen, die aus tatsächlichen Inschriften stammen und sozusagen in der Reihenfolge ihrer Entwicklung angeordnet sind.44 das Zeichen in der linken Spalte enthält die archaischste Form des Zeichens, die bisher entdeckt wurde, die Zeichen in der rechten Spalte zeigen den allmählichen Übergang zur kursiven Keilschrift und das letzte Zeichen in der Spalte ist das gewöhnliche spätassyrische Ideogramm. So haben wir in „A“ das grobe Bild eines liegenden Mannes, und man kann den Verlauf seiner Entwicklung oder seines Verfalls anhand der verschiedenen Formen verfolgen, die es auf der Reihe nach angeordneten Denkmälern und Ziegeln angenommen hat. Angesichts des gewöhnlichen Keilschriftzeichens für „Mann“ allein wäre es völlig unmöglich zu vermuten, dass es überhaupt aus der Abbildung eines Mannes entstand. Darunter („B“) haben wir die alte sumerische Hieroglyphe für „König“, die einen liegenden Mann darstellt, über dem entweder eine Krone oder ein Schirm als Teil der Insignien des Königtums steht. In „C“ haben wir das Bild eines Männerkopfes in liegender Haltung, wobei die Lippen durch zwei schräge Linien dargestellt werden, während die Reihe von Zeichen in der Mitte die verschiedenen Formen veranschaulicht, die das Zeichen auf den Ziegeln und Denkmälern angenommen hat, und die Anordnung zeigt den Prozess, durch den die ursprüngliche Hieroglyphe allmählich alle Spuren ihres bildlichen Ursprungs verwarf und zu einem kursiven, stereotypen Zeichen wurde, dessen Hauptbedeutung „Mund“ ist. Unten haben wir ein weiteres grobes Bild eines Männerkopfes, aber bei dieser Gelegenheit trägt er einen Bart, was auf einen erwachsenen Mann schließen lässt; daher die Bedeutung des Seite 97Das assyrische Ideogramm bedeutet „Stärke“, „stark sein“ oder „Schutz“. In der Figur „E“ ist eine Topfpflanze dargestellt: Dieses Zeichen wird nicht einfacher, wenn es mit jedem Schritt in Richtung Keilschrift voranschreitet, sondern wird Seite 98paradoxerweise komplexer, bis es schließlich nachlässt und seine normale kursive Form annimmt, deren Hauptbedeutung „Zypresse“ ist. Darunter („F“) sind zwei Pflanzen zu sehen, die ebenfalls in einem Topf wachsen: Der Verlauf ist wieder offensichtlich, die Bedeutungen des Ideogramms sind „Pflanze“ und „Kleidungsstück“; letztere Bedeutung ist dem Zeichen wahrscheinlich durch die Verwendung von Flachs als Kleidungsmaterial zugeordnet. „G“ scheint ein am Wasser wachsender Baum zu sein; das späte Keilschriftzeichen hat zahlreiche Bedeutungen, aber keine davon weist auf einen unmittelbaren Zusammenhang mit der offensichtlichen Bedeutung des Bildzeichens hin, aus dem es entwickelt wurde. „H“ zeigt uns das Bild eines Schilfrohrs, wobei das späte Keilschriftzeichen das Ideogramm für „kanu“ ist, was „Schilfrohr“ bedeutet.

\"Keilschrift.\"

Abb.. 1.—Aus Harper’s Altes Testament und Semitistik, Bd. II, S. 241 ff.—Mit Genehmigung.

In Abb. 2, „Q“ haben wir ein Bild eines Fisches; die Bedeutung des davon abgeleiteten assyrischen Ideogramms ist „Fisch“, „schälen“ (vom Zubereiten eines Fisches zum Essen), der Gott Ea, da er manchmal in Form eines Fisches dargestellt wird, und schließlich ein „Prinz“ und „groß“ aufgrund seiner Verbindung mit Ea. Darunter („R“) ist ein weiterer Fisch, der mit etwas versehen ist, das wie eine Rückenflosse aussieht, daher ist die Bedeutung des assyrischen Zeichens „breit“ oder „Monster“.

Unsere nächste Abbildung („I“) beschäftigt sich mit Wasser: Wir haben hier die Wellenlinien für Wasser, die in ägyptischen und chinesischen Hieroglyphen gleichermaßen dargestellt werden. Unten („J“) haben wir eine Darstellung der kleinen Bewässerungsgräben, mit denen Gärten bewässert werden: Daher leitet sich das Keilschrift-Ideogramm von der Bedeutung „Feld“ ab und steht für zwei verschiedene assyrische Wörter – „ginu“ und „iklu“, die beide „Feld“ bedeuten. Es ist etwas zweifelhaft, was die Hieroglyphe in „K“ darstellen soll: Hommel betrachtete sie als Bild einer Lederflasche, was nicht unnatürlich die Bedeutung „Wüste“ nahelegen würde; Barton hingegen betrachtet sie mit vielleicht größerer Wahrscheinlichkeit als groben Umriss des Euphrat-Tals mit seinen beiden Flüssen und Seite 99seine „gelegentlichen Abschnitte bewässerten und daher fruchtbaren Landes“, die durch die Querlinien angedeutet werden, und er sagt zu Recht, dass dies die Bedeutungen „Ebene“ und „Land“ und in weiterer Folge „Wüste“, „Hochland“ und schließlich „hinten“ erklären würde. In „L“ sehen wir die Seite 100Bild eines Hauses, das allerdings kaum mit unserer Vorstellung davon übereinstimmt, was ein Haus sein sollte: Das davon abgeleitete Keilschriftzeichen ist das Ideogramm für „bitu“ (das hebräische „Beth“ kommt in den Eigennamen Bethlehem, „Haus des Brotes“, Bethshemesh, „Haus der Sonne“ usw. vor), das gewöhnliche assyrische Wort für „Haus“.

\"Keilschrift.\"

Abb.. 2.—Aus Harper’s Altes Testament und Semitistik, Bd. II, S. 241 ff.—Mit Genehmigung.

Die nächste Abbildung („M“) zeigt uns einen abgedeckten, dampfenden Topf; daher bedeutet das spätere Keilschriftzeichen „herausbrechen“, „jubeln“, „sich freuen“. „N“ ist etwas zweifelhaft, stellt aber wahrscheinlich ein „priesterliches Gewand“ dar, insofern das davon abgeleitete Keilschriftzeichen das assyrische Ideogramm für „šangu“, einen „Priester“, ist. „O“ ist anscheinend ein grobes Bild einer Krone oder eines zeremoniellen Schirms als Symbol der Größe; das Bild des assyrischen Königs, der von einem Sklaven begleitet wird, dessen Aufgabe es ist, einen Schirm über den Kopf seines königlichen Herrn zu halten, ist durch sein häufiges Vorkommen auf den Flachreliefs, die die Wände der Paläste schmückten, hinreichend bekannt. Wie dem auch sei, das Keilschriftzeichen ist das gewöhnliche Ideogramm für „rabu“ (die Wurzel, die in Rabshakeh, Rabsaris usw. vorkommt), was „groß“ bedeutet; Wir haben dieses Zeichen bereits mit dem Bild eines Menschen verbunden gesehen, wobei beide zusammen „König“ bedeuten. In „P“ sehen wir das Bild einer Schale, in die zwei Zunderstäbe gesteckt wurden, um sie durch Reibung zu entzünden; daher leitet sich die Bedeutung des daraus entwickelten Keilschriftzeichens ab: „Feuer“.

Wie bereits erwähnt, war Ton das Material, das die assyrischen und babylonischen Schreiber zum Schreiben am häufigsten verwendeten; aber auch Stein wurde von den frühesten bis in die späteste Zeit häufig verwendet. Steinobelisken, kolossale Stier- und Löwenstatuen und nicht zuletzt die Flachreliefs, die die Wände der königlichen Paläste schmückten, waren im Allgemeinen mit einer Inschrift bedeckt, deren Keile manchmal bis zu zwei Zoll groß waren. Beim Schreiben auf Skulpturen waren die geschnitzten Figuren vollständig Seite 101ignoriert, die Inschrift wurde rücksichtslos in jedes Detail der Schnitzerei gemeißelt. Stein wurde jedoch manchmal ausschließlich als materielles Medium verwendet, um eine rechtliche Vereinbarung aufrechtzuerhalten oder die Arbeit eines selbstzufriedenen Granden zu verewigen, und Tafeln aus Kalkstein oder Alabaster existieren in großer Zahl, gute Beispiele dafür sind die von Rîm-Sin und Sin-Gamil, den Herrschern der antiken Stadt Larsa.

Grenzsteine ​​oder Landmarken bilden eine weitere interessante Klasse von beschrifteten Steinobjekten. Die Texte beziehen sich auf Grundbesitz und Eigentumsübertragung, während der obere Teil der meisten dieser felsenförmigen Monumente mit Reliefs mythologischer Embleme verziert ist. Sie stammen fast ausschließlich aus der Kassitenzeit. Manchmal scheint ein Plan des Feldes in den Stein gemeißelt worden zu sein, der seine Grenze markierte. Ein gutes Beispiel für einen solchen Grenzstein ist der von Nebukadnezar I., der in Nippur entdeckt und von WJ Hinke veröffentlicht wurde;45 Eine weitere interessante Besonderheit dieses Steins ist die Inschrift einer Hymne an En-lil, den Gott von Nippur.

Doch weder die Babylonier noch die Assyrer beschränkten sich ausschließlich auf die Verwendung von Ton und Kalkstein als Material für ihre Inschriften. Manchmal wurden für diesen Zweck auch die härtesten Vulkangesteine ​​verwendet, zweifellos im Hinblick auf ihre Haltbarkeit und Widerstandsfähigkeit gegen die verheerenden Einflüsse von Zeit und Klima. So wurde im Laufe der deutschen Ausgrabungen in Babylon eine etwa anderthalb Quadratfuß große Platte aus Dolerit entdeckt, die eine Inschrift von Adad-nirari, dem Sohn Assur-dans, trug. Ebenso Dungi und Bur-Sin, Könige von Ur (Umlauf 2350 bc), haben uns Inschriften hinterlassen, die in harten Diorit gemeißelt sind. Die Inschriften selbst sind Votivgaben Seite 102Charakter, während ein Keulenknopf aus dem gleichen Material mit einer zehnzeiligen Inschrift in Babylon gefunden wurde. Die verschiedenen Statuen und Stelen aus diesen harten magmatischen Steinen, die sowohl in Assyrien als auch in Babylonien gefunden wurden, obwohl sie häufiger im Mutterland vorkommen, tragen praktisch immer eine Inschrift. Ein gutes Beispiel für eine assyrische Inschrift auf Basalt ist die auf der Basaltstatue von Salmanassar II. (860-825) gefundene bc), die im Laufe der jüngsten Ausgrabungen der Deutschen Orient-Gesellschaft in Ashur ans Licht kam. Auch die zahlreichen steinernen Torsockel, die in den Ruinen früher Gebäude in Babylonien entdeckt wurden, sind fast alle mit dem Namen und den Titeln der Person versehen, die das Gebäude errichtet hat. Manchmal wurde die ursprüngliche Inschrift gelöscht oder unkenntlich gemacht, um Platz für die Inschrift eines späteren Herrschers zu machen, der sich der Schwierigkeiten bei der Steinbeschaffung im tiefgelegenen Land Babylonien durchaus bewusst war und nicht so kurzsichtig war, die Torsockel seines besiegten Vorgängers wegzuwerfen, sondern sie im Gegenteil für sein eigenes neues Gebäude verwendete. So wurde beispielsweise der Torsockel von Lugal-kigub-nidudu, einem frühen König von Sumer, später von Shar-Gâni-sharri, dem König von Akkad, beim Bau seines Tempels in Nippur verwendet.

Manchmal wurden aber auch vergleichsweise seltene Steine ​​wie Lapislazuli als Material für die Inschriften verwendet: So wird im Britischen Museum eine Tafel aus diesem Material aufbewahrt, die Lugal-tarsi, ein früher König von Kisch, dem Gott Anu und der Göttin Ninni gewidmet hatte. Bei den jüngsten Ausgrabungen in Babylon wurden zwei Lapislazuli-Balken mit Reliefs entdeckt, die beide Keilschriftinschriften tragen. Auf einem davon ist das Bild eines stehenden Gottes zu sehen, der eine Federkrone trägt und in jeder Hand das Symbol des Blitzes hält, während sein Gewand mit drei Schildern geschmückt ist. Außerdem ist eine fünfzeilige Keilschriftinschrift angebracht. Seite 103Auf der anderen Seite ist ein Gott in ähnlicher Haltung und Kleidung dargestellt, der jedoch einen Stab und einen Ring auf seiner Brust hält und in seiner rechten Hand den Schwanz eines doppelhörnigen Drachen umfasst. Der Gürtel des Gottes ist mit Figuren verziert, während auf einem der drei Schilde, die das Gewand zieren, Pferde abgebildet sind. Beiliegend befindet sich eine achtzeilige Inschrift.

Auch Metalle wurden nicht ausgenommen, wobei die am häufigsten verwendeten Metalle Bronze und Kupfer waren. So tragen die weiblichen Statuetten aus Tellô alle eine Inschrift, je nachdem elamisch oder babylonisch, deren allgemeiner Sinn darin besteht, dass die Statuette im Hinblick auf die Erhaltung des Lebens des Spenders geweiht ist: ebenso trägt die kolossale Kupferlanzenspitze, die an derselben Stelle entdeckt wurde, eine königliche Inschrift, während die berühmten bronzenen Torscheiden aus Balâwât aus der Zeit Salmanassars II. vielleicht das bekannteste Beispiel für in Bronze eingravierte Keilschriftinschriften sind. Es wurden viele Bronzetafeln aus der assyrischen Zeit gefunden, und die bekannte bronzene Türschwelle Nebukadnezars II. ist ein weiteres hervorragendes Beispiel für eine in Metall eingravierte Inschrift. Darüber hinaus wurden die wertvolleren Metalle wie Silber und Gold gelegentlich mit Inschriften versehen. Inschriften auf Gold sind sehr selten, aber keineswegs unbekannt. So fand beispielsweise M. de Sarzec in Tellô eine Goldplatte mit einer Keilschriftinschrift, und im Zuge der amerikanischen Ausgrabungen in Bismâya wurde ein Goldstreifen mit dem Namen des berühmten Narâm-Sin von Agade ans Licht gebracht.

Aber die beschrifteten Tontafeln, zahllos und unendlich verschieden in Größe, Form und Inhalt, übertreffen an Bedeutung alle anderen Arten von Keilschriftinschriften, die es gibt. Eine detaillierte Behandlung der letzteren würde den Rahmen dieses kleinen Bandes bei weitem überschreiten, aber einige Worte können über die wichtigsten entdeckten Tafelklassen gesagt werden. Ihre Größe und Form sind manchmal Seite 104bezeichnend für die Zeit, aus der sie stammen, manchmal für das Thema, mit dem sie sich befassen. Ein sehr früher Typ wird durch jene repräsentiert, die unterhalb des Gebäudes von Ur-Ninâ in Tellô gefunden wurden; die betreffenden Tafeln, die nicht im Ofen gebrannt wurden und rund sind, handeln vom Verkauf und Kauf von Land. Ähnliche runde Tafeln wurden von den deutschen Ausgräbern in Fâra gefunden, die jedoch gebrannt und nicht sonnengetrocknet waren. Dieselben runden gebrannten Tontafeln waren offensichtlich zur Zeit Bur-Sins in Mode, denn es wurden mehrere ans Licht gebracht, die auf seine Regierungszeit datiert sind und Einzelheiten zu bestimmten Landgütern enthalten. Aber der häufigste Typ von Tontafeln ist der, der durch seine rechteckige Form gekennzeichnet ist, manchmal quadratisch, aber häufiger länglich und in der Größe sehr unterschiedlich. Die Tafeln in der Kouyunjik-Sammlung, die die größte und in gewissem Sinne die einzige bisher entdeckte assyrische Bibliothek darstellt, variieren in ihrer Gesamtheit zwischen einem und fünfzehn Zoll in der Länge, wobei viele von ihnen aus feinstem Ton hergestellt sind. Die Schrift ist manchmal außerordentlich klein, aber wunderbar klar und deutlich und weist einen mehr oder weniger stereotypen Charakter auf. Astrologie, Astronomie, Geschichte, Mythologie, Magie, Medizin, Mathematik, Gebete, Hymnen, Götterverzeichnisse, Omen, Lexikographie und Grammatik sind alle in dieser berühmten Bibliothek gut vertreten. Viele der Texte sind Kopien älterer babylonischer Literatur, die von Ashur-bani-pals Schreibern angefertigt und in den königlichen Archiven aufbewahrt wurden. Einige der Texte sind zweisprachig, wobei die obere Zeile die sumerische ideografische Version enthält und die untere Zeile die assyrische Übersetzung. Diese zweisprachigen Inschriften zusammen mit den Silbenschriften haben es Gelehrten ermöglicht, die alte sumerische Sprache zumindest bis zu einem gewissen Grad zu entschlüsseln und zu erläutern.

Im Jahr 1873 waren sich alle Gelehrten einig, dass die Keilschrift nicht von den semitischen Babyloniern erfunden wurde, sondern von einem Volk, das eine agglutinative und keine inflexionale Sprache sprach, eine Sprache Seite 105die daher zumindest in dieser Hinsicht den tatarischen Sprachen verwandt war. Im folgenden Jahr jedoch stellte Joseph Halévy, der berühmte französische Semitist, eine Theorie auf, die die Existenz einer sumerischen Sprache gänzlich leugnete und die ideographischen Texte in den bereits erwähnten zweisprachigen Inschriften als Geheimschrift erklärte, die nur den Priestern verständlich sei; aber auf den ersten Blick fehlte dieser Theorie die Wahrscheinlichkeit und sogar die Plausibilität. Halévy stellte seine Theorie zwar zu einer Zeit auf, als das Studium des Sumerischen noch in den Kinderschuhen steckte, obwohl man kaum sagen kann, dass es selbst heute noch aus seinen Kinderschuhen herausgewachsen ist, aber ungeachtet dessen wäre es in der Tat merkwürdig, wenn die Priester die Vorsichtsmaßnahme ergriffen, ihr geheimes Wissen in kryptischer Sprache zu verankern, und sich dann selbst vereitelten, indem sie eine assyrische Übersetzung unterschrieben. Darüber hinaus behandeln viele der sumerischen Inschriften so ganz alltägliche Dinge, dass es äußerst schwer zu verstehen ist, wie es notwendig gewesen sein könnte, eine kryptische Sprache zu verwenden, um sie zu verbergen. Eine passendere Erklärung bietet die Theorie, die heute von der Mehrheit der Gelehrten akzeptiert wird: Die sumerische Sprache existierte neben dem semitisch-babylonischen und wurde ähnlich wie heute das Lateinische verwendet.

Eine Klasse von Tafeln, die sich besonders leicht an ihrer Form und Größe erkennen lässt, sind solche, die Rechtsverträge über den Austausch von Land, Vieh und Eigentum aller Art enthalten. Sie sind klein, länglich, beide Seiten sind leicht konkav, und das Ganze sieht im Großen und Ganzen nicht unähnlich einem kleinen schmalen Kissen aus. Viele dieser Vertragstafeln wurden in Tonumschläge eingeschlossen, um ihre Erhaltung zu gewährleisten. Wenn ein Vertrag von den Babyloniern abgeschlossen wurde, wandten sich die Vertragsparteien an einen Rechts- oder Priesterbeamten, und die Bedingungen der Vereinbarung wurden auf einer Tontafel niedergelegt, die entweder im Tempel oder in der Archivkammer deponiert wurde: Sie wurde außerdem durch einen Tonumschlag geschützt, auf dem Seite 106die auf der Vertragstafel eingravierten Bedingungen wurden in zweifacher Ausfertigung kopiert; so wurde jede Vorsichtsmaßnahme getroffen, um die Erhaltung des Originaldokuments zu gewährleisten. Manchmal weicht der Text auf dem Umschlag etwas von dem im Dokument selbst ab, und in solchen Fällen sind die Umschläge daher mehr als nur archaisch interessant und haben einen tatsächlichen sprachlichen Wert. Von dem Vertrag wurden ein oder zwei Kopien angefertigt und von einer oder beiden Vertragsparteien aufbewahrt. Die Urkunde wurde von den Zeugen unterzeichnet, von denen einer der Schreiber war, der das Dokument erstellte und versiegelte. Das Siegel wurde im Allgemeinen angebracht, indem ein kleines Rollsiegel über die noch feuchte Tafel gerollt wurde, obwohl manchmal ein dreiseitiger Tonkegel den Abdruck des Siegels erhielt, und dieser Kegel wurde mithilfe eines in die Spitze des Kegels eingesetzten Rohrs an der Tafel befestigt, wobei das andere Ende des Rohrs durch ein Stück feuchten Tons mit der Tafel verbunden war. Viele dieser Vertrags-„Kasten“-Tafeln stammen aus der Zeit von Khammurabi, dem berühmtesten König der Ersten Dynastie von Babylon (Umlauf 1900 bc). Einige der Umschläge dieser Tafeln tragen den Abdruck eines Rollsiegels. Ein gutes Beispiel dafür findet sich auf einer Tafel, die den Verkauf eines Stücks Land durch Sin-eribam und seinen Bruder an Sin-ikisham dokumentiert (Brit. Mus. Nr. 92649). Der Ton dieser Art von Tafeln ist im Allgemeinen etwas dunkel gefärbt und die Schriftzeichen sind oft schwer zu lesen.

Tafel IX

Inschriften

British Museum

Inschriften auf Ton, die die Größen und Formen der von den Babyloniern und Assyrern verwendeten Tafeln usw. veranschaulichen

Die späteren oder neubabylonischen Rechts- und Handelsdokumente weisen größere Unterschiede in Größe und Form auf als jene aus der Zeit der ersten babylonischen Dynastie. Sie sind im Allgemeinen länglich, aber auf den kleineren Tafeln ist der Text im Allgemeinen so geschrieben, dass sich jede Zeile über die Länge der Tafel erstreckt und nicht über ihre Breite. Die größeren Rechtsdokumente dieser Zeit sind manchmal auf Tafeln von ganz außergewöhnlicher Dicke eingraviert, wobei ihre allgemeine Größe und Form der eines alten lateinischen Gebetbuchs nicht unähnlich ist.

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Doch Verträge waren nicht die einzige Art von Inschrift, die durch einen Tonumschlag oder „Behälter“ geschützt war; Briefe und Depeschen galten manchmal in gleicher Weise. Wie Verträge wurden Briefe auf kleine längliche Tafeln geschrieben, wie sie leicht mit der babylonischen und assyrischen Post übermittelt werden konnten, das heißt, sie wurden von dem Boten getragen, dessen Aufgabe es war, den Brief an seinen Bestimmungsort zu bringen. Wie zu erwarten war, trug der Umschlag in diesem Fall den Namen der Person, an die der Brief gerichtet war, und gelegentlich auch den des Absenders, so wie Briefumschläge heute manchmal mit Initialen versehen werden. Viele dieser Briefe sind königlicher Natur und stammen von Königen und Prinzen. Unzählige Briefe und Depeschen der frühen Könige Babylons an ihre Beamten und Gouverneure sind uns überliefert. Sie behandeln verschiedene Themen: In einem Brief schreibt Khammurabi an Sin-Idinnam und befiehlt ihm, siebenundvierzig Hirten nach Babylon zu schicken, damit sie dem König Rechenschaft über die Herden ablegen könnten, die in ihrer Obhut waren (Brit. Mus. Nr. 23122). In einem anderen Brief weist der König denselben Prinzen an, drei Beamte festzunehmen und nach Babylon zu schicken, und in einem weiteren Brief schreibt Khammurabi an Sin-Idinnam und ordnet an, einen gewissen Bäcker wieder in seinen früheren Posten zu versetzen. Auch einiges von Sin-Idinnams offizieller Korrespondenz ist erhalten geblieben. In einem Schreiben weist er einen Justizbeamten an, einen gewissen Mann vor Gericht zu laden (Brit. Mus. Nr. 12868). Sin-Idinnams Aufgaben waren offensichtlich sehr vielfältig und müssen ziemlich mühsam gewesen sein. In einem dieser Briefe befiehlt Khammurabi Sin-Idinnam, einige „Abba“-Bäume zu fällen, die von Metallhütten benötigt wurden (Brit. Mus. Nr. 26234). In einem anderen befiehlt er derselben Person, sich um die Ansammlung von Mannschaften für Transportschiffe zu kümmern (Brit. Mus. Nr. 27288). Andere enthalten Anweisungen, sich an verschiedenen Stellen um die Reparatur der Euphrat-Ufer zu kümmern. Aber seine Pflichten waren nicht Seite 108ausschließlich zivilrechtliche Angelegenheiten; auch Rechtsangelegenheiten fielen in seine Zuständigkeit; so schreibt ihm der König in Bezug auf einen Streit zwischen einem Grundbesitzer und seinem Pächter über die Zahlung der Pacht für Land, während er ständig Befehle erhält, kriminelle Beamte und andere Personen, die sich schlecht verhalten, zu verhaften. In einem Brief (Brit. Mus. Nr. 12827) weist Khammurabi Sin-Idinnam an, den Termin eines bestimmten Prozesses zu verschieben, da der Kläger, ein gewisser Ili-Ippalzam, bei einem bestimmten Fest in der Stadt Ur anwesend sei.

An anderer Stelle (Brit. Mus. Nr. 12841) erstattet Khammurabi demselben überlasteten Beamten Bericht, dass bestimmte Personen eine Hypothekenurkunde annulliert haben, und befiehlt die sofortige Anwesenheit von Enubi-Marduk, der ihr Land als Hypothek erhalten hat, in Babylon. Viele der Briefe dieser frühen Könige von Babylon enthalten die königlichen Wünsche bezüglich des Datums der Schafschur oder der Getreideernte sowie Anweisungen bezüglich der Bewässerungskanäle.

In einem Brief weist Samsu-iluna (Brit. Mus. Nr. 27269) Sin-Idinnam und die Richter von Sippar an, bestimmten Fischern das Fischen in verbotenen Gewässern zu verbieten; zu anderen Zeiten werden dieselben Richter angewiesen, einen bestimmten Fall zur Verhandlung in die Hauptstadt zu schicken (vgl. Brit. Mus. Nr. 27266). Eine weitere Sammlung von Briefen, die in Keilschrift und auf Tontafeln geschrieben sind, sind die berühmten Tell-el-Amarna-Briefe – im Allgemeinen etwas größer und weniger deutlich länglich als die üblichen babylonischen Depeschen. Die meisten von ihnen sind rechteckig, einige sind jedoch oval. Einige sind auf beiden Seiten konvex, manche sind auf beiden Seiten flach, während andere plankonvex oder kissenförmig sind. Diese Tafeln wurden in Tell el-Amarna in Ägypten entdeckt; Sie stellen fast alles dar, was von der offiziellen und diplomatischen Korrespondenz zwischen den Pharaonen Amenhetep III. und Amenhetep IV. aus der XNUMX. Dynastie übrig geblieben ist (d. h. sie stammen aus dem XNUMX. oder XNUMX. Jahrhundert). bc), und ihre Seite 109verschiedene Beamte und Vasallen in Palästina. Einige der in Tell el-Amarna gefundenen Tafeln sind mit Briefen des Königs von Babylon, des Königs von Mitani, des Königs von Alashiya und anderer königlicher Potentaten versehen, aber da sie hauptsächlich von palästinensischem und ägyptischem Interesse sind, wäre eine detaillierte Betrachtung dieser in diesem Band nicht angebracht.

Unter den größeren rechteckigen Tontafeln, die es noch gibt, befinden sich solche mit Silbenschriften. Aufgrund der Verschlechterung und Vereinfachung, die die Keilschriftzeichen im Laufe der Zeit erfuhren, sahen sich die assyrischen Schreiber gezwungen, Listen der frühen babylonischen Zeichen zu erstellen und diese mit den ihrer Meinung nach späteren assyrischen Entsprechungen zu ergänzen. Die meisten dieser Silbenschriften bestehen aus drei Spalten; in der mittleren Spalte wird das zu erklärende assyrische Zeichen angegeben, links der sumerische Wert desselben und in der rechten Spalte entweder der assyrische Name des Zeichens oder die assyrische Bedeutung, gelegentlich auch beides. Diese Silbenschriften sind offensichtlich von immenser Bedeutung für die Rekonstruktion der alten sumerischen Sprache.

Andere Tafeln von ungewöhnlich großem Format befassen sich mit Astrologie, Magie und Medizin: Die beiden letztgenannten Themen sind unlösbar miteinander verwoben, da sie Hand in Hand gingen. Die Medizin wurde verschrieben und verabreicht, aber die Medizin allein reichte bei weitem nicht aus, um den Patienten zu heilen, denn dies konnte nur durch den mächtigen Zauber des Magiers bewirkt werden.

Die größten Tontafeln stammen jedoch aus Babylonien und enthalten Listen mit Berichten, die sich hauptsächlich auf Getreide, Rinder, Esel, Lämmer und Schafe beziehen. Einige dieser Tafeln sind vollkommen quadratisch und messen in jede Richtung bis zu einem Fuß, während fast alle eher quadratisch als länglich sind: Der Ton, aus dem sie hergestellt sind, ist von guter Qualität und die babylonischen Schriftzeichen, mit denen sie beschriftet sind, sind außergewöhnlich klar. Die meisten von ihnen können der zweiten Hälfte des dritten Jahrtausends zugeordnet werden. bc, und viele Seite 110von ihnen werden speziell in die Regierungszeit von Dungi, König von Ur, um 2400 datiert bc Aber wie bereits erwähnt, waren die Tafeln nicht immer rechteckig; manchmal hatten sie eine runde Form. Tafeln dieser Art sind normalerweise in sumerischer Sprache beschriftet und enthalten Listen von Ländereien und Feldern mit Angaben zu ihrer Größe, ihrer Ertragsfähigkeit und anderen Einzelheiten. Viele dieser runden Tafeln sind datiert, wobei das Jahr seinen Namen von einem bemerkenswerten Ereignis ableitet, wie es in den frühen Tagen der babylonischen Zivilisation üblich war. So sind viele dieser Listen „auf das Jahr nach der Verwüstung des Landes Khukhnuri“ datiert und wurden während der Herrschaft von Bur-Sin und anderen Königen von Ur erstellt, also während der zweiten Hälfte des dritten Jahrtausends. bc

Der Ton, aus dem diese Tafeln gemacht sind, ist vom feinsten, während die Schrift außerordentlich klar ist; ihr Durchmesser variiert zwischen zwei und sechs Zoll und sie sind auf der einen Seite oval und auf der anderen mehr oder weniger flach.

Andere große rechteckige Tafeln sind mit Listen der wichtigsten Ereignisse in den Regierungszeiten verschiedener Könige beschriftet und sind offensichtlich von immenser Bedeutung für die Rekonstruktion der babylonischen und assyrischen Geschichte. Eine der Tafeln dieser Klasse (Brit. Mus. Nr. 92702) gibt uns eine Liste der wichtigsten Ereignisse, nach denen die verschiedenen Jahre von Sumu-abu, Sumu-la-ilu, Zabum, Apil-Sin, Sin-muballit, Khammurabi und Samsu-iluna, Königen der ersten Dynastie Babylons (etwa am Ende des dritten und am Anfang des zweiten Jahrtausends) bc) genannt wurden. Ein anderes Exemplar derselben Klasse (Brit. Mus. Nr. 92502) gibt uns eine Liste der wichtigsten Ereignisse, die in Babylonien und Assyrien vom dritten Jahr Nabonassars, des Königs von Babylon, 744 stattfanden. bcund das erste Jahr von Shamash-shum-ukîn, dem Zeitgenossen von Ashur-bani-pal (668 bc). Eines der interessantesten Ereignisse, auf die hier angespielt wird, ist die Ermordung Sanheribs durch seinen Sohn am 20. Tag des Monats Tebet und im 23. Jahr des Seite 111seiner Herrschaft. Unter anderen historischen Dokumenten von vorrangiger Bedeutung muss eine Tafel, die allgemein als „Synchrongeschichte“ bekannt ist, an erster Stelle stehen. Bei diesem Dokument handelt es sich um eine Vereinbarung, die etwa zur Zeit von Ashur-bani-pal erstellt wurde und die die Beilegung von Grenzstreitigkeiten zwischen Babylonien und Assyrien zum Gegenstand hatte, während sein historischer Wert hauptsächlich in den kurzen Notizen zu den verschiedenen Konflikten und Allianzen zwischen den beiden Ländern von etwa 1600 bis 800 liegt. bc Eine weitere große rechteckige Tafel (K. 3751), die für Historiker und Bibelforscher gleichermaßen von besonderem Interesse ist, ist das Dokument, in dem Tiglat-Pileser III., König von Assyrien (745-727), bcgibt uns einen Bericht über seine Bautätigkeiten und Eroberungen und erwähnt „Ahas, König von Juda“ als einen seiner tributpflichtigen Fürsten. Diese Tafel muss sehr groß gewesen sein, als sie fertig war, denn was davon übrig geblieben ist, misst neun mal siebeneinhalb Zoll. Die größte Tafel in der Kouyunjik-Sammlung ist jedoch nicht historischer Natur, sondern enthält eine Liste der Namen und Titel verschiedener Götter und misst in ihrem gegenwärtigen fragmentarischen Zustand fünfzehn Zoll in der Länge.

Andere Keilschriftinschriften wurden auf kegelförmigen Tonstücken niedergeschrieben. Die meisten dieser Terrakotta-Kegel stammen aus der Zeit der Dynastie von Ur, also aus der zweiten Hälfte des dritten Jahrtausends. bc Zwei gute Beispiele dieser Art von Keilschriftinschriften tragen den Namen von Sin-gashid, König von Erech, und berichten von der Einweihung eines Tempels für den Gott Lugal-banda und die Göttin Ninsun. Außerdem werden die Preise für Wolle, Getreide, Öl und Kupfer während der Herrschaft von Sin-gashid angegeben (Brit. Mus. 91, 150). Ein weiterer gebrannter Tonkegel trägt die Inschrift von Sin-idinnam, König von Larsa um 2300. bc, und berichtet ebenfalls von der Einweihung eines Tempels - in diesem Fall des Sonnengottes, da Larsa eines der wichtigsten Zentren der Verehrung des Sonnengottes war. Aber auch die siegreichen Elamiter, die ihre unterworfenen Feinde, die Babylonier, in vielerlei Hinsicht nachahmten, übernahmen die Seite 112Praxis, Keilschriftinschriften auf Tonkegel zu schreiben; ein Beispiel für einen elamitischen Kegel können wir vergleichen Brit. Mus. 91, 149, der den Namen Kudur-Mabug trägt. Aber die Gewohnheit, Inschriften auf Tonkegel zu schreiben, hörte in dieser Zeit nicht auf, zumindest nicht dauerhaft, denn es gibt einen ähnlichen Kegel, der den Namen des neubabylonischen Königs Nabopolassar (625-604) trägt. bc), und wie die älteren Kegel, die die Einweihung eines Tempels bezeugen, diesmal des Tempels des Marduk in Babylon. (Brit. Mus. Nr. 91,090.)

Aber babylonische und assyrische Inschriften auf Ton waren nicht immer in Form rechteckiger oder runder Tafeln; häufig nahmen sie die Form großer sechseckiger, achteckiger oder zehneckiger Prismen an, oder im Fall Babyloniens die von tonnenförmigen Zylindern. Es war üblich, diese großen Tondenkmäler in den vier Ecken des Fundaments eines Gebäudes in Babylonien und Assyrien zu platzieren, ein gutes Beispiel für diese Praxis wurde in Muḳeyyer (Ur) gefunden: Die Zylinder aus Ur waren von Nabonid an den vier Winkeln des Fundaments des Tempels von Sin, dem Mondgott, abgelegt worden, und sie dokumentieren den Wiederaufbau des Tempels durch Nabonid (555-538). bc) an der Stelle des antiken Tempels, der von Ur-Engur und seinem Sohn Dungi um 2400 errichtet wurde bc Der Text findet einen passenden Abschluss in einem Gebet an den Gott, dessen Tempel er im Namen seines ältesten Sohnes Bal-shar-uṣur, des biblischen Belsazar, wiederherstellt. Drei achteckige Prismen aus gebranntem Ton geben uns einen Bericht über die Feldzüge und Bautätigkeiten von Tiglath-Pileser I., König von Assyrien um 1100. bc (Brit. Mus. 91033-91035). Ein weiteres Prisma ist mit einem Bericht über die Expeditionen von Sargon, König von Assyrien 721-705, beschriftet. bc (Brit. Mus. Nr. 22505), während die Fragmente eines achteckigen Prismas desselben Königs, die ebenfalls im British Museum aufbewahrt werden (K. 1668 usw.), von besonderem Interesse sind, da sie Sargons eigenen Bericht über seinen Feldzug gegen die Philisterstadt Aschdod wiedergeben, auf die in Jesaja Bezug genommen wird. XX. Ich. Juda ist Seite 113als einer der Verbündeten von Ashdod erwähnt, aber die Assyrer waren letztlich erfolgreich bei der Bezwingung der rebellischen Stadt. Sargons Nachfolger, Sanherib (705-681 bc), ließ seine militärischen Erfolge auf ähnliche Weise auf großen Tonprismen festhalten, und das interessanteste Dokument seiner Herrschaft ist auf den sechs Seiten eines sechseckigen Prismas erhalten, das sich heute im Britischen Museum befindet (91032). Es dokumentiert die Niederlage Merodach-Baladans, des Königs von Babylon, und die Unterwerfung verschiedener anderer Völker, aber das besondere Interesse an diesem Zylinder liegt in den Anspielungen auf den Palästinafeldzug in 2. Könige XNUMX. Sanherib gibt an, dass er das rebellische Volk von Ekron streng bestrafte und den verbannten Padî wieder auf seinen Thron setzte; dann griff er Hiskia in Jerusalem, „seiner königlichen Stadt“, an; er belagerte Jerusalem und sperrte Hiskia wie einen Vogel in einen Käfig, aber trotz dieser Demonstration war er offensichtlich nicht in der Lage, den Käfig zu öffnen und den Vogel zu fangen. Hiskia schien jedoch gebührend beeindruckt gewesen zu sein, und er beeilte sich, Sanherib mit Geschenken und Tributen zu kaufen – „dreißig Talente Gold, achthundert Talente Silber, Edelsteine, Augenschminke … Sofas und Throne aus Elfenbein, Felle und Stoßzähne, Edelhölzer und verschiedene Gegenstände“ sowie seine Töchter, seine Frauen und Musiker beiderlei Geschlechts war offenbar der Preis.

Ein weiteres interessantes achteckiges Prisma desselben Königs wurde kürzlich vom British Museum erworben (Nr. 103,000). Es enthält Informationen über zwei Feldzüge, die sonst nirgendwo verzeichnet sind. Der erste von ihnen fand im Jahr 698 statt. bc, wurde unternommen, um einen Aufstand in Kilikien niederzuschlagen; der Feldzug war vollkommen erfolgreich und die assyrische Macht in diesen Regionen wurde vollständig wiederhergestellt. Es ist interessant festzustellen, dass die Stadt Tarsus eine der Städte war, die Sanherib bei dieser Gelegenheit plünderte. Der zweite Feldzug fand drei Jahre später im Jahr 695 statt. bcund führte zur Belagerung und Einnahme einer Stadt namens Til-Garimum im Lande Tubal. Seite 114die nordöstlich von Kilikien lag. Wir verfügen auch über einen Bericht über den Wiederaufbau und die Befestigung von Ninive durch Sanherib, der wertvolle Informationen über die innere und äußere Mauer der Stadt sowie die Positionen und Namen der fünfzehn Tore enthält. Er ist in der Eponymie datiert46von Ilu-Ittia, dem assyrischen Gouverneur von Damaskus. Dieser Zylinder wurde offenbar als Gründungsdenkmal in der Struktur eines der im Text erwähnten Stadttore vergraben.

Asarhaddon, Sanheribs Sohn und Nachfolger, hat uns ebenfalls eine Reihe sechseckiger Prismen von historischer Bedeutung hinterlassen. Eines der wichtigsten Ereignisse, die auf Asarhaddons Zylindern erzählt werden, ist die Belagerung und Einnahme von Sidon und die Unterwerfung des umliegenden Landes. Ashur-bani-pal, Asarhaddons berühmter Sohn und Nachfolger, hat uns eine Reihe von Zylindern und Prismen hinterlassen, aber das bei weitem wichtigste ist das, auf dem ein Bericht über die wichtigsten Ereignisse der frühen Phase seiner Herrschaft eingeschrieben ist (Brit. Mus., Nr. 91,026). Wir haben hier einen Bericht über seinen ersten und zweiten Ägyptenfeldzug, über die Niederlage, die er Tirhaka, dem äthiopischen König von Ägypten, zufügte, und die Plünderung von Theben, der Hauptstadt des Landes. Auch die Eroberung von Tyrus wird erzählt, ebenso der Feldzug gegen Te-Umman, den König von Elam, den Ashur-bani-pal erschlug und dessen abgetrennter Kopf auf dem Flachrelief, auf dem Ashur-bani-pal und seine Frau in ihrem Garten beim Essen liegen, an einem Baum hängt. Es gibt auch einen Bericht über die Belagerung und Eroberung Babylons, dessen König Shamash-shum-ukîn die Oberhoheit Assyriens abgeschüttelt hatte; die Eroberung Arabiens wird ebenso aufgezeichnet wie der endgültige Triumph der assyrischen Truppen über Elam, und der Text endet mit einem Bericht über Ashur-bani-pals Bautätigkeiten.

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Wir haben bereits auf einen Tonzylinder hingewiesen, der dem neubabylonischen König Nabonid gehörte, während ein anderer Zylinder desselben Königs, der an anderer Stelle besprochen wurde (vgl. S. 7), ist ebenso bemerkenswert, da auf seinem Inhalt ein komplettes Chronologiesystem basiert. Nebukadnezar II., König von Babylon 604-561 bc, der aus derselben Dynastie stammt, hat uns ebenfalls eine Anzahl von tonnenförmigen Zylindern hinterlassen, deren Inschriften sich hauptsächlich auf die Aufzählung seiner Bauleistungen beziehen, während der Zylinder des Kyros, des persischen Bezwingers Babyloniens (538 bc) an anderer Stelle darauf verwiesen wurde (vgl. S. 74). Aber die Praxis, Keilschriftinschriften auf gebrannten Tonzylindern zu schreiben, endete nicht einmal mit den persischen Königen von Babylonien, denn wir besitzen einen Zylinder (Brit. Mus. 36277) mit einer Inschrift in archaischen babylonischen Buchstaben von Antiochus Soter, König von Babylonien um 280 v. Chr. bc; es berichtet über die Wiederherstellung der Tempel E-Sagil und E-zida in Babylon und Borsippa im Jahr 270 bc, und endet mit einem Gebet an den Gott Nebo im Namen von Antiochus, seinem Sohn Seleucus und seiner Frau.

Doch neben rechteckigen, runden, tonnenförmigen, zylindrischen und kegelförmigen Toninschriften gibt es noch weitere Varianten. Unter diesen verdient ein vierseitiger Tonblock, der eine Art länglichen Würfel bildet, dessen Höhe 9-1/2 Zoll und die Breite jeder seiner vier Seiten 3-3/4 Zoll beträgt (Brit. Mus. Nr. 92611), eine Erwähnung; sein Datum ist etwa 2100. bc, und es ist mit Listen mit den Namen von Fischen, Vögeln, Pflanzen, Steinen und Kleidungsstücken beschriftet.

Ein weiteres einzigartiges Objekt ist ein Tonmodell eines Ochsenhufs (Brit. Mus. Nr. R. 620), das mit Vorhersagen beschriftet ist. Ein etwas ähnliches Objekt findet sich in einem Tonmodell einer Schafsleber, das ebenfalls im British Museum aufbewahrt wird (Nr. 92,668); die Inschrift, die es trägt, ist magischer Natur, und das Objekt wurde wahrscheinlich zu Wahrsagerzwecken verwendet. Andere Tafeln, obwohl sie nicht in Form einer Schafsleber geformt sind, tragen die eingeritzten Umrisse von Seite 116verschiedene Teile der Leber. Die Hepatoskopie, also die Praxis, aus der Form, Größe oder dem Zustand der Leber Omen abzuleiten, war eine der beliebtesten Formen der Magie bei den Babyloniern und Assyrern.

Pläne von Städten scheinen manchmal auf Tontafeln gezeichnet worden zu sein. Ein gutes Beispiel dafür ist eine in Nippur entdeckte Tafel, auf der ein Plan dieser Stadt eingraviert ist. Trotz seines hohen Alters scheint dieser Plan die Arbeit der Ausgräber in nicht geringem Maße erleichtert zu haben. Ein weiteres Beispiel ist das Fragment des British Museum (Nr. 35385), auf dem noch ein Plan eines Teils der Stadt Babylon zu sehen ist. Manchmal handelte es sich bei dem Plan lediglich um den eines Anwesens (vgl. Brit. Mus. Nr. 31483), in einem Fall ist jedoch auf jeden Fall die Welt selbst das Thema (Brit. Mus. Nr. 92687), deren geographisch gesehen interessantestes Merkmal der die Welt umschließende Ozean ist – die Babylonier glaubten, dass die Erde von Wasser umgeben sei und anscheinend auf diesem ruhe: Die Erde selbst sollte in ihrer Form einer umgedrehten Untertasse ähneln, während der Himmel dieselbe Form hatte, mit dem einzigen Unterschied, dass er offensichtlich ausgedehnter war und seine Unterkanten auf der Erde selbst ruhten, während der Rand der Erde auf dem Ozean ruhte.

Manchmal wurden Amulette aus Ton hergestellt, ein gutes Beispiel dafür ist Brit. Mus. Nr. 85-4-8, 1; es hat die Form eines Rollsiegels und ist mit einer Beschwörungsformel für Shamash-Killâni versehen.

Andere beschriftete Tongegenstände sind die sogenannten Astrolabien, also Instrumente zur Durchführung astrologischer Berechnungen.

"Fig. 3."
"Fig. 4."

Abb.. 3.

Abb.. 4. (Brit. Mus., 103040.)

"Fig. 5."

Abb.. 5. (Brit. Mus., 91102.)

Auch die Etiketten wurden aus Ton gefertigt: Zwei kleine Tonschilder (Brit. Mus. K. 1400, K. 1539) geben uns die Titel von zwei Serien astrologischer und Omentafeln, während ein weiteres (K. 3787) uns den Namen von Khipa, einer Sklavin, nennt; es ist auf das 11. Jahr des Marduk-aplu-iddina datiert, d.h. Umlauf 710 bc Es gibt verschiedene Tonobjekte, die nicht wirklich unter die Überschrift Terrakottafiguren oder Tonflachreliefs fallen und daher erwähnt werden können Seite 117hier. Manchmal wurden Tonabdrücke oder -abdrücke von frühen Inschriften angefertigt; ein hervorragendes Beispiel für solche Abdrücke wurde vor einigen Jahren von der University of Pennsylvania erworben (vgl. Abb. 3);47 Es handelt sich um einen Abdruck eines neubabylonischen Schreibers aus dem sechsten Jahrhundert bc einer Inschrift, die Shar-Gâni-sharri, dem König von Akkad, gehörte. Die Schriftzeichen sind natürlich erhaben und werden rückwärts gelesen. An anderer Stelle wird auf die Lehmziegelstempel angespielt, mit denen babylonische Könige ihre Bausteine ​​zu beschriften pflegten: Ein interessantes Beispiel eines Lehmziegelstempels ist in Abb. zu sehen. 4Es handelt sich um ein Fragment einer Briefmarke von Narâm-Sin, dem Sohn von Seite 118Shar-Gâni-sharri. Die Schriftzeichen sind hier natürlich erhaben und umgekehrt, wie bei einem Siegel. Ein weiteres Tonobjekt von außerordentlichem Interesse ist in Abb. zu sehen. 5; es handelt sich um eine Lehmverkleidung, die im Auftrag von Nabopolassar, König von Babylon 625-604, hergestellt wurde. bc, für die Erhaltung der Steintafel seines Vorgängers Nabû-aplu-iddina (Umlauf 870 bc). Vermutlich stieß er während seiner Arbeiten an der Restaurierung des Tempels des Sonnengottes in Sippar auf diese frühe Tafel. Der Tondeckel trägt auf der Rückseite eine Inschrift von Nabopolassar und verzeichnet die verschiedenen Opfergaben, die er am Schrein des Sonnengottes niederlegte. Der Deckel selbst wurde in einer gebrannten Tonschachtel gefunden, die ebenfalls im Britischen Museum aufbewahrt wird und wahrscheinlich aus derselben Regierungszeit stammt. Der Bildhauer verwendete Ton außerdem für vorläufige Skizzen und der Steinschreiber für grobe Entwürfe. So fertigte der Bildhauer, dem wir die Darstellung von Ashur-bani-pal, dem König von Assyrien, der einen Löwen mit der Lanze durchbohrt, zu verdanken haben, sein Bild in Ton an, bevor er es in Steinplatten meißelte. Seine Originalskizze ist noch vorhanden (vgl. Brit. Mus. 93011). Auch sind noch zwei Rohentwürfe in Ton von Epigraphen zu sehen, die auf Ashur-bani-pals Flachreliefs eingraviert sind (vgl. Brit. Mus. Sm. 1350 und K. 4453 + K. 4515).


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KAPITEL V – ARCHITEKTUR

TDie Architektur eines Landes wird in hohem Maße von den Materialien bestimmt, mit denen die Natur dieses Land ausgestattet hat; sie wird auch von der Beschaffenheit des Landes selbst sowie vom Klima beeinflusst, dessen Auswirkungen der Bauherr entweder regulieren oder ausgleichen soll. Die physikalischen Eigenschaften des mesopotamischen Tals sowie die dort herrschenden klimatischen Bedingungen wurden bereits erörtert, aber es wäre vielleicht nicht unpassend, ein paar Seiten einer Übersicht über die für die Bauarbeiten verwendeten Materialien zu widmen, bevor wir uns der Diskussion der Ruinen der Gebäude selbst widmen.

Es wurde bereits erwähnt, dass in dem tiefgelegenen und sumpfigen Land Babyloniens praktisch überhaupt kein Stein zu finden ist, weshalb er in der babylonischen Architektur nie eine wichtige Rolle spielte; jeder benötigte Stein musste weit entfernt in den Bergen abgebaut und mit großer Mühe transportiert werden, weshalb er nur für Ausnahmezwecke und in Fällen verwendet wurde, in denen der Wunsch nach dauerhafter Haltbarkeit dies erforderlich machte. Dementsprechend war der verwendete Stein im Allgemeinen Diorit, Basalt oder ein anderer harter Stein vulkanischen Ursprungs, was einen auffallenden Kontrast zu dem weicheren Stein darstellt, den die Assyrer so freizügig verwendeten. Assyrien hingegen war in dieser Hinsicht glücklicher und bot eine sehr gute Versorgung mit Kalkstein und Alabaster, die von seinen Bildhauern und Baumeistern in großem Umfang verwendet wurden, obwohl der im ganzen Tal so leicht erhältliche Ton das einzige unverzichtbare Element beim Bau war Seite 120von Tempeln, Palästen oder Häusern in beiden Ländern. Die Holzversorgung war wiederum nicht nur in Babylonien, sondern auch in Assyrien äußerst knapp, und alles Holz, das für Säulen, Türstürze oder Schwellen verwendet wurde, wurde im Allgemeinen aus dem Libanon, Amanus oder einem anderen weit entfernten Ort gebracht.

Wir sehen also, dass den Bewohnern Mesopotamiens die Kunst des Ziegelbauens quasi aus der Not heraus aufgezwungen wurde.

Der für diesen Zweck verwendete Ton war weder hinsichtlich seiner Farbe noch hinsichtlich seiner Qualität einheitlich. Manchmal ist er hellgelb, manchmal fast schwarz, während der Ton, aus dem andere Ziegel hergestellt werden, einen rötlichen Farbton hat. Die aus hellgelbem Ton hergestellten Ziegel sind hinsichtlich der Haltbarkeit am besten. Die Ziegel variieren außerdem je nach der Zeit, aus der sie stammen, sowohl in Größe als auch in Form, so dass es oft möglich ist, einem Gebäude oder den Überresten eines Gebäudes durch eine Untersuchung des verwendeten Ziegelstils vorläufig ein Datum zuzuordnen. Der für die frühen Perioden der sumerischen Geschichte charakteristische Ziegeltyp ist der sogenannte plankonvexe48 Typ; so sind die im Ofen gebrannten Ziegel, aus denen das Lagerhaus von Ur-Ninâ, dem ersten König von Lagasch, bestand, länglich und plankonvex, wobei jeder von ihnen auf der konvexen Seite zudem den Abdruck eines Daumenabdrucks aufweist.

Aber eine noch frühere Form des Ziegels49 wurde in dem Gebäude unter Ur-Ninâs Lagerhaus gefunden: Die Ziegel, aus denen dieses Gebäude bestand, waren tatsächlich plankonvex wie die von Ur-Ninâ, aber sie waren kleiner, wiesen keine Daumen- oder Fingerabdrücke auf und waren leider auch nicht beschriftet.

In Muḳeyyer (Ur) stieß Taylor auf einen Bürgersteig Seite 121aus plankonvexen Ziegeln, deren Alter sowohl durch das Aussehen dieser Ziegelart als auch durch die Tiefe unter der Oberfläche, in der die Plattform gefunden wurde, bezeugt wurde. Dieser Ausgräber entdeckte ähnliche Ziegel in Abû Shahrein (Eridu), eine weitere Bestätigung des traditionellen Altertums der einst berühmten Stadt Ea. Die Ausgrabungen an anderen frühen Stätten haben ebenfalls dieselben Ergebnisse erbracht; in Fâra (Shuruppak), der traditionellen Szene der Sintflut, sowie in Yôkha, Bismâya und in den vorsargonischen Schichten in Nippur wurden Ziegel desselben Stils gefunden.

Doch mit der Expansion der Semiten, die in der Errichtung des Reiches von Shar-Gâni-sharri und seinem Sohn Narâm-Sin gipfelte, geriet der vergleichsweise kleine, längliche und plankonvexe Ziegel außer Gebrauch und wurde durch einen großen quadratischen Ziegel ersetzt. Unmittelbar unter der Plattform aus groben Ziegeln von Ur-Engur (Umlauf 2400 bc) In Nippur wurde ein Teil der früheren Arbeiten von Narâm-Sin und Shar-Gâni-sharri freigelegt. Die verwendeten Ziegel sind nicht mehr plankonvex und länglich, sondern flach und quadratisch und messen 20 x 20 x 3 1/2 Zoll. Sie bestehen aus mit Stroh vermischtem Lehm und sind gleichzeitig gut getrocknet und sehr hart. Diese Art von Ziegeln wurde in allen Gebäuden dieser beiden Könige verwendet.

Die nächste Periode in der Geschichte der babylonischen Ziegelherstellung ist die Zeit der zweiten Dynastie von Lagasch und der ersten Dynastie von Ur (d. h. Umlauf2450 bc). Der für diese Zeit typische Ziegeltyp ähnelt dem der vorhergehenden in Bezug auf die Form, aber nicht in Bezug auf die Größe. Die Ziegel von Ur-Engur, dem König von Ur, und von Gudea, dem berühmtesten Herrscher der zweiten Dynastie von Lagasch (Umlauf 2450 bc) sind quadratisch wie die ihrer semitischen Vorgänger, Shar-Gâni-sharri und Narâm-Sin, aber sehr viel kleiner, mit Abmessungen von etwas mehr als 12 x 12 Zoll, und dieser kleine quadratische Ziegel blieb, mit gelegentlichen leichten Variationen, bis zum Ende der mesopotamischen Geschichte in Gebrauch. Der Übergang von Seite 122Die Umstellung der großen Ziegel, die die Könige von Agade verwendeten, auf die kleinen Ziegel, um die es hier geht, erfolgte zweifellos nur allmählich, denn die Ziegel von Ur-bau, dem Herrscher von Lagasch einige Zeit vor Gudea, sind größer als die des letztgenannten Königs, aber nach der Zeit von Gudea und Ur-Engur wurden Form und Größe der Ziegel mehr oder weniger stereotyp. Die Ziegel von Ur-Engur selbst unterscheiden sich etwas von denen von Gudea, so besteht die massive Masse, die dem von Ur-Engur errichteten Tempelturm in Nippur zugrunde liegt, aus Ziegeln mit den Maßen nur 9 × 6 × 3 Zoll, die Arme des Damms hingegen sind aus größeren Ziegeln mit den Maßen 14 × 14 × 6 Zoll gebaut. Für die wichtigen Teile des Gebäudes in Babylonien wurden immer im Ofen gebrannte Ziegel verwendet. Die groben, sonnengetrockneten Ziegel, die in der Regel den Kern der Terrassenplattformen bildeten, wurden mit einer Mauer aus gebrannten Ziegeln oder manchmal, wie im Fall von Assyrien, mit einer Stützmauer aus Stein verkleidet. Der Grund dafür lag natürlich in der mangelnden Widerstandsfähigkeit sonnengetrockneter Ziegel gegen Feuchtigkeit und ihrer entsprechenden Tendenz zum Zerfall. Die Ziegel wurden in der Regel auf den Boden gebracht, sobald sie ziemlich trocken und fest waren, und im noch weichen Zustand verlegt.

Im Allgemeinen tragen die Ziegel den Namen des Königs, der das Bauwerk errichten ließ. So stammen die meisten Ziegel von Nebukadnezar, dem König von Babylon (604-561 bc) sind eingraviert: „Nebukadnezar, König von Babylon, Restaurator der Pyramide und des Turms, ältester Sohn von Nabopolassar, König von Babylon, bin ich.“ Es ist interessant festzustellen, dass die Fliesen auf der Westseite von Nebukadnezars Palast in Babylon zwar den üblichen Stempel dieses Königs tragen, die Fliesen auf der Ostseite jedoch einen Löwen und eine aramäische Inschrift tragen. Koldewey sagt tatsächlich, dass es keinen Zweifel daran gibt, dass dieser Teil des Gebäudes ebenfalls von Nebukadnezar errichtet wurde, da dort Wandfliesen mit der üblichen Palastinschrift des Königs gefunden wurden. Prof. Euting würde jedoch aufgrund der Formen der aramäischen Schriftzeichen Folgendes zuordnen: Seite 123Diese aramäisch beschrifteten Ziegel stammen aus der Mitte des siebten Jahrhunderts, also etwa 650 bc Keiner der Ziegel, die auf dem Kasr-Hügel gefunden wurden, trägt den Stempel eines assyrischen Königs. Letztere haben ihre Spuren offenbar nur auf den Bodenziegeln von E-sagila, dem Tempel des Marduk, hinterlassen. Die Zeichen wurden im Allgemeinen mit einem Stempel eingeprägt, obwohl die Inschrift sowohl auf assyrischen als auch auf babylonischen Ziegeln manchmal von Hand eingraviert wurde. Die verwendeten Stempel bestanden aus Terrakotta. Ein gut erhaltenes Exemplar eines Terrakotta-Ziegelstempels ist das oben erwähnte Exemplar von Narâm-Sin (vgl. Abb.). 4), während in Nippur ein Terrakotta-Ziegelstempel von Shar-Gâni-sharri, dem Vater von Narâm-Sin, entdeckt wurde, und eines der kleineren Ergebnisse der von Harper geleiteten Expedition nach Bismâya war die Entdeckung einer Reihe von Tonziegelstempeln. Viele assyrische und babylonische Ziegel sind glasiert oder emailliert und auf kunstvolle Weise und mit den auffälligsten Bildern und Mustern bemalt, aber eine Untersuchung dieser findet natürlich ihren Platz im Kapitel „Malerei“.

Manchmal gelang es den Architekten Babylons, den bei ihren Bauarbeiten verwendeten Lehm für dekorative Zwecke zu verwenden. Dies war der Fall in Warka (Erech), wo Loftus eine etwa neun Meter lange Mauer entdeckte, die vollständig aus Lehmkegeln bestand, die in einem Zement aus Schlamm und Stroh befestigt und horizontal mit der Basis nach außen gelegt waren. Einige dieser Kegel waren rot oder schwarz gefärbt und so angeordnet, dass sie verschiedene geometrische Muster bildeten. Manchmal waren sie beschriftet, manchmal nicht. Aber Lehmkegel waren anscheinend nicht die einzige Art von Kegeln, die für architektonische Dekorationen verwendet wurden, denn im Laufe seiner Ausgrabungen in Abû Shahrein entdeckte Taylor50 entdeckte Kegel aus Kalkstein und Marmor, von denen einige einen „mit Kupfer gefüllten Rand“ hatten; die Länge dieser Kegel variiert zwischen 10 und 25 Zentimetern, ihr Durchmesser beträgt 2,5 bis 7,5 Zentimeter.

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GRANATWERFER

Die Schichten und Lagen von Lehmziegeln, aus denen die Gebäude in Mesopotamien zum größten Teil bestanden, wurden in frühester Zeit mit Lehm zusammengeklebt; dieser Lehmschlamm ist im Allgemeinen durch die unterschiedliche Farbe von den Ziegeln zu unterscheiden, die er verbindet. Lehmmörtel wurde an einigen der ältesten Stätten und in einigen der ältesten Gebäude gefunden, während er in Assyrien anscheinend zu allen Zeiten die übliche Zementart war. In der Stadt Babylon scheint seltsamerweise Lehmmörtel anstelle von Kalk oder Asphalt in den späten Gebäuden der sassanidischen Zeit verwendet worden zu sein. Dieser Lehmmörtel bestand aus Lehm, der mit Wasser und vielleicht etwas Stroh vermischt wurde, wie es bei der Kegelmauer in Warka der Fall war.51 Manchmal wurde zwischen den Ziegeln in Lehm eingebettetes Schilf verlegt, wie dies sowohl in Warka als auch in Hammam der Fall war. Doch erst in sehr ferner Vergangenheit begann der babylonische Architekt, für die betreffenden Zwecke die reichen Bitumenvorräte zu nutzen, die der Boden seines Heimatlandes kostenlos hergab.

Die berühmtesten bituminösen Quellen in Mesopotamien waren jene in Ḥit am Euphrat. Ihr Ruhm erreichte Ägypten bereits zur Zeit der 450. Dynastie, denn Thutmosis III. brachte Bitumen von dort nach Ägypten. Herodot ein Jahrtausend später – etwa XNUMX bc— weist darauf hin, dass es für sein Bitumen berühmt ist, und spätere Autoren erwähnen die Quellen dort in ähnlicher Weise. Ein gutes Beispiel für die frühe Verwendung von Bitumen in Babylonien wurde in Abû Shahrein gefunden, dem Standort des alten Eridu, wo Taylor ein sehr altes Gebäude ausgrub, dessen Alter durch die vorsargonischen plankonvexen Ziegel bewiesen wurde, die bei seiner Errichtung verwendet wurden, und diese Ziegel waren alle in Bitumen verlegt; dasselbe wurde Seite 125Dies ist beispielsweise bei einem Gebäude in Ur (Muḳeyyer) der Fall, das aus fingerspurigen Ziegeln bestand, die vollständig in Bitumen eingebettet waren.

Die Plattform, auf der Ur-Ninâs Lagerhaus in Tellô errichtet wurde, bestand aus drei Schichten plankonvexer und fingermarkierter Ziegel, die alle in Bitumen eingebettet waren, während in dem Gebäude unter dem von Ur-Ninâ ebenfalls großzügig Bitumen verwendet wurde.52

In ähnlicher Weise wurden in Nippur die mit Fingerabdrücken versehenen Ziegel, aus denen das Stadttor gebaut wurde, in Bitumen verlegt, obwohl die Ziegel, aus denen der frühe Bogen besteht, der an dieser Stelle gefunden wurde, in Schlamm gesetzt wurden, was wahrscheinlich ein Hinweis darauf ist, dass zur Zeit, als der Bogen gebaut wurde, kein Bitumen verwendet wurde; um die Basis der Zikkurat von Ur-Engur herum gab es dagegen eine Beschichtung aus Bitumen, während der von Haynes in der untersten Schicht in Nippur gefundene grobe Ziegelaltar einen Rand aus Bitumen hatte; aber in späteren Zeiten wurde er durch den zäheren Kalkmörtel ergänzt, obwohl dies nur teilweise der Fall war, denn selbst noch zu Nebukadnezars Zeiten (604-561 bc) sein praktischer Nutzen als Schutz gegen die zerstörerischen Kräfte des Regens wurde noch immer anerkannt, und die Stützmauern aus gebrannten Ziegeln seines Palastes in Babylon wurden tatsächlich mit Bitumen verlegt. In ähnlicher Weise wurden die Ziegel, aus denen die alte Befestigungsmauer besteht, durch eine verschwenderische Menge Asphalt haftend gemacht, und zwar so stark, dass es oft sehr schwierig ist, sie voneinander zu trennen. Glücklicherweise liegt die Seite mit der eingeprägten Inschrift nach unten und hat daher keinen unmittelbaren Kontakt mit dem Asphalt, von dem sie durch die bereits erwähnte Schicht aus Schilf und Lehm getrennt ist.

In den späteren Gebäuden in Babylon wird jedoch auch Kalkmörtel verwendet, wobei die Übergangszeit durch die Verwendung beider in ein und demselben Gebäude gekennzeichnet ist, und tatsächlich stellte Koldewey fest, dass in diesem Fall Seite 126Bei einer der Wände eines Gebäudes von Nebukadnezar wurde eine Hälfte der Wand mit Asphalt zusammengeklebt, während bei der anderen Hälfte nur Kalkmörtel verwendet wurde. Aber in der neuen Burg, die Nebukadnezar für sich auf dem Kasr errichtete, wurden die allerfeinsten Materialien verwendet. Die Ziegel waren blassgelb und extrem hart, im Gegensatz zu den Ziegeln seiner früheren Gebäude, die rötlich-braun und weniger haltbar waren, während in diesem neuen Gebäude nur rein weißer Kalkmörtel verwendet wurde. Kalkmörtel sowie Lehmzement und Bitumen wurden in Nippur sowie in Birs-Nimrûd (Borsippa) verwendet, und der verwendete Mörtel hat solche Klebeeigenschaften, dass die Ziegel nur durch Brechen getrennt werden können, während in Muḳeyyer (Ur) ein Mörtel aus einer Mischung aus Kalk und Asche verwendet wurde.

In Assyrien hingegen scheint Mörtel sparsamer verwendet worden zu sein. Wenn Stein als Baumaterial verwendet wurde, wurde im Allgemeinen keinerlei Zement verwendet, sondern die Steine ​​sorgfältig so bearbeitet, dass keine Zwischenräume entstanden, wie dies beispielsweise bei der Stützmauer aus Stein um die Zikkurat in Nimrud der Fall war. Wenn gewöhnliche Rohziegel verwendet wurden, wurden sie in einem ausreichend feuchten Zustand verlegt, um sie kleben zu lassen. Wenn gebrannte Ziegel verwendet wurden, bestand der verwendete Mörtel aus einer Mischung aus Ton und Wasser. Bitumen war in Assyrien jedoch keineswegs unbekannt, wurde jedoch hauptsächlich unter Gehwegen oder Kalksteinböden von Abwasserkanälen verwendet, um Leckagen oder Infiltrationen zu verhindern.

STONE

Die Verwendung von Stein in Babylonien als Bauzubehör, wenn auch selten als Grundmaterial, stammt aus der ältesten sumerischen Zeit. Ein sehr frühes Beispiel für die Verwendung von Stein für eindeutig architektonische Zwecke in Babylonien ist der Bodenbelag, auf dem ein Seite 127Gebäude in Lagasch, das unter der Struktur von Ur-Ninâ gefunden wurde, errichtet wurde. Der Bürgersteig53 besteht aus Kalksteinplatten, drei oder vier Fuß lang, eineinhalb bis zwei Fuß breit und etwa sechs Zoll dick. Auch die Türsockel einiger der frühesten Herrscher von Lagasch wurden ans Licht gebracht, unter denen die des berühmten Eannatum und Entemena zu nennen sind. Sie sind alle aus Marmor oder einem anderen harten Stein gemacht, während in Eridu, einer der ältesten Zivilisationsstätten im Euphrattal, Stein anscheinend ziemlich häufig verwendet wurde. Die terrassierte künstliche Plattform, auf der der Tempel und die Stadt Eridu gebaut wurden, wurde von einer Sandsteinmauer gestützt, und die Treppe, die zur ersten Stufe der Zikkurat hinaufführte, bestand aus polierten Marmorplatten, die jetzt lose auf dem Hügel herumliegen; es wurden Stücke von Achat und Alabaster entdeckt, und auch Granit wurde dort verwendet. Ähnliche steinerne Torsockel wurden in Nippur und in den Ruinen anderer früher Städte Babyloniens gefunden, und sowohl das semitische Narâm-Sin als auch das sumerische Gudea etwas später brachten schwere Dioritblöcke aus Magan oder Sinai mit, allerdings offenbar eher für bildhauerische als für architektonische Zwecke.

In der neubabylonischen Zeit wurde Stein in größerem Umfang verwendet: Das Prozessionspflaster des Gottes Marduk in Babylon, das kürzlich von den Germanen entdeckt wurde, bestand aus Kalksteinplatten und trug eine Inschrift von Nebukadnezar, während Herodot uns erzählt, dass die Brücke, die damals die beiden Ufer des Euphrat verband, aus „sehr großen Steinen“ bestand.54 und laut den klassischen Schriftstellern Strabo und Diodor wurden die berühmten Hängenden Gärten von Babylon, die Koldewey östlich des Palastes verorten würde, von steinernen Architraven gestützt. Aber der Stein wurde nur für außergewöhnliche Seite 128Zwecke in Babylonien, wurde immer wieder verwendet, die Ruinen wurden als Steinbruch angesehen und folglich ist der Stein größtenteils vollständig verschwunden.

In Assyrien hingegen war Stein leicht zu beschaffen und wurde daher bereitwillig verwendet, wenn auch nicht in dem Ausmaß, das man erwarten würde, denn der Assyrer war kein Erfinder, sondern ein Nachahmer seines Vorgängers, des Babyloniers, der ihm kaum oder gar kein Beispiel in der Steinbearbeitung lieferte. Dementsprechend wurde Stein sogar in Assyrien größtenteils nur für Pflaster, Sockel und die Verkleidung von Wänden verwendet; manchmal wurde er jedoch auch für die Stützmauern verwendet, die einen künstlichen Hügel umschlossen. Die Steinblöcke, die für diesen letzteren Zweck verwendet wurden, waren manchmal von kolossaler Größe, maßen sogar bis zu 6 × 6 × 9 Fuß und wogen mehrere Tonnen. Die wichtigsten Steinarten, die von den assyrischen Architekten verwendet wurden, waren Kalkstein in verschiedenen Härtegraden und Alabaster, letzterer wird in Assyrien selbst oft etwas unter der Erdoberfläche gefunden. Alabaster ist ein Sulfat der Kreide. Es ist grau, weich und lässt sich gut polieren, ist aber spröde und verrottet mit der Zeit. In Nimrud (Kalah) waren einige der Entwässerungskanäle mit großen Kalksteinplatten bedeckt, und die Zikkurat von Nimrud, von der nur noch ein Stockwerk übrig ist, war mit einer massiven Steinmauer verkleidet. Gelegentlich scheinen Steinsäulen verwendet worden zu sein. Tatsächlich wurde ein Teil einer Säule aus geschnitztem Kalkstein entdeckt, die etwa XNUMX cm hoch ist und sowohl das Kapitell als auch den oberen Teil des Schafts in einem Stück umfasst. Layard fand außerdem vier Sockel von Säulen aus Kalkstein an der Nordseite von Sanheribs Palast in Ninive (vgl. Abb.). 14). Manchmal waren die Türstürze aus Stein; ein solcher Steinsturz wurde von George Smith am Eingang zur Halle in Sanheribs Palast gefunden, während die Schwelle oder Schwelle im Allgemeinen oder zumindest sehr häufig aus Seite 129aus Alabaster oder Kalkstein. Ebenso bestanden die Böden der wichtigeren Räume aus Kalksteinplatten.

Die härteren Steine ​​wurden nichtsdestotrotz manchmal in Assyrien verwendet, so wie Kalkstein gelegentlich in Babylonien verwendet wurde, aber in beiden Fällen in der Regel eher für bildhauerische als für bauliche Zwecke. Der bekannte schwarze Obelisk von Salmanassar II. (860-825 bc) sollte ein gutes Beispiel für die Verwendung von Vulkangestein in den nördlichen Ländern darstellen, aber das Material, aus dem es gemacht ist, ist wahrscheinlich Alabaster. Eine Basaltstatue dieses gleichen Königs wurde jedoch vor einigen Jahren bei deutschen Ausgrabungen in Assur ans Licht gebracht, während das Kapitell einer Säule, das an derselben Stelle gefunden wurde und möglicherweise aus der Zeit Tiglatpilesers I. stammt, uns ein Beispiel für die Verwendung von Hartgestein für rein architektonische Zwecke durch die Assyrer liefert. Es ist unklar, woher sie diese härteren Steine ​​bezogen, aber Basalt und andere magmatische Gesteine ​​könnten in den Tälern der Flüsse abgebaut werden, die ihr Wasser in den Euphrat und Tigris mündeten, und im Tal des Chabur teilt uns Layard mit, dass er viele erloschene Vulkane entdeckt habe.

WOOD

Assyrien war mit Holz besser versorgt als Babylonien, das an Holz ebenso arm war wie an Stein. Die einzigen Bäume, aus denen man ausreichend lange Balken gewinnen konnte, um von Nutzen zu sein, waren Pappel und Palme. Da Holz vergänglicher ist als Lehm oder Stein, erwarten wir natürlich nicht, so viele materielle Beweise für seine Verwendung zu finden; es sind jedoch genügend Beweise erhalten geblieben, um seine Verwendung in Mesopotamien von frühester bis jüngster Zeit als Baumaterial zu belegen. So fand Peters beispielsweise in Nippur verkohlte Balken aus Palmenholz, die offensichtlich einst das Dach des Korridors gebildet hatten, in dem sie entdeckt wurden; Seite 130Stücke von Tamarisken wurden in ähnlicher Weise auf der Ziegelsteinschwelle eines Türrahmens gefunden, die wahrscheinlich alles darstellten, was von den Türen und Türpfosten übrig blieb. Ähnlich wurden in Lagash, nicht weit von Ur-Ninâs Lagerhaus, die verkohlten Überreste von Säulen aus Zedernholz gefunden, die zweifellos einst einen Portikus aus demselben Material stützten, während Ur-Ninâ selbst berichtet, dass er Holz aus den Bergen holte, wie es seine Nachkommen in späteren Tagen taten. In ähnlicher Weise wurde das Dach eines Tempels, der von Enannatum I., einem Nachfolger von Ur-Ninâ, errichtet wurde, aus Zedernholz gebaut. Auch in Muḳeyyer (Ur) wurden große Mengen verkohlten Holzes entdeckt,55 In Abû Shahrein (Eridu) hingegen ist die Fensterwand der Zikkurat mit quadratischen Löchern von drei Zoll Durchmesser übersät, die mit Holz gefüllt sind.56 Nach der Errichtung der babylonischen Souveränität über das Land Amurru (d. h. Syrien und Palästina) durch Shar-Gâni-sharri und Narâm-Sin bezogen die Könige von Babylonien regelmäßig Zedernholz aus dem Libanon, ebenso wie die frühen Könige Ägyptens. In einem Raum in Nippur, der offenbar zur Aufbewahrung ungebrannter Tafeln zur Zeit von Gimil-Sin verwendet wurde (c. 2350 bc) waren offenbar hölzerne Regale zu diesem Zweck verwendet worden, während das Dach der berühmten, von Nebukadnezar wiederaufgebauten Burg in Babylon aus Zedernholz bestand, ebenso wie die Türen, und der portalartige Eingang eines der von Koldewey ausgegrabenen Gebäude in Babylon durchgehend mit einer Holzdecke überdacht war.

Über die Verwendung von Holz in Assyrien würden allein die Wandreliefs ausreichende Beweise liefern, denn Teile einiger der dort gefundenen Strukturen konnten nur aus Holz bestehen. Salmanassar II. (860-825 bc) in Erinnerung an seinen Wiederaufbau des Tempels von Anu und Adad in Ashur, sagt, dass er ihn mit Balken aus Zedernholz überdachte, und diejenigen der größeren Räume der Paläste, die nicht gewölbt waren, müssen Seite 131mit Holz gedeckt worden, da es keine Beweise für die Existenz von Steinplatten von ausreichender Größe gibt, um den Zweck zu erfüllen, und große flache Ziegeldächer kämen nicht in Frage. In ähnlicher Weise gibt Tiglat-Pileser III. an, dass er einen Palast aus Zedernholz gebaut habe57 Asarhaddon sagt, die Türen eines der Paläste, die er für sich selbst errichtete, seien aus Zypressenholz und mit Silber und Kupfer verkleidet gewesen.58 während er an einer anderen Stelle angibt, dass er bei seinen Bauarbeiten in Babylon Eichen, Terebinthen und Palmen verwendete. In Khorsabad fand Place außerdem Fragmente von Zedernbalken, die eindeutig für architektonische Zwecke verwendet worden waren und wahrscheinlich Teil der Türstürze waren, in denen sie gefunden wurden; ebenso fand Layard im Laufe seiner Ausgrabungen die verkohlten Holzreste zusammen mit einem Balken aus Zedernholz, die sich heute alle im Britischen Museum befinden. Die geringe Anzahl der so verwendeten Holzreste wird durch die Zerstörbarkeit dieses Materials hinreichend erklärt.

METAL

Man kann kaum sagen, dass Metall überhaupt für rein architektonische Zwecke verwendet wurde, und wenn es verwendet wurde, scheint es eher zur Verzierung der auffälligeren Teile des Gebäudes hinzugefügt worden zu sein als als integraler Bestandteil der Struktur. Es gibt jedoch ein oder zwei Ausnahmen von dieser Verallgemeinerung. Die Fensterbänke in den luxuriöseren Gebäuden waren manchmal aus Metall, und ein bronzenes Fensterbänkchen mit den Maßen 60 × 20 × 3-1/2 Zoll mit einer Inschrift von Nebukadnezar ist tatsächlich ans Licht gekommen und befindet sich jetzt im Britischen Museum, während ein weiteres Objekt von einzigartiger Art, bestehend aus einer bronzenen, in Blei eingefassten Torfassung, auf ähnliche Weise seinen Weg in diese berühmte Institution gefunden hat. Herodot erzählt uns außerdem in seinem Bericht über Babylon, dass die Mauern hundert Tore hatten, „alle aus Bronze; ihre Pfosten und Sturzbalken waren Seite 132aus demselben Material.“ Einige der Flachreliefs zeigen auch Strukturen, von denen Teile offenbar aus Metall bestanden haben: der königliche Pavillon, der auf der Tafel aus Abû Habba (Sippar) eingemeißelt ist (vgl. Tafel. XIV) ist mit einer gewölbten Rückwand versehen, die gleichzeitig ganz umgebogen ist, um ein Dach zu bilden; diese Wand und das Dach könnten tatsächlich aus Holz gebaut worden sein, aber Metall hätte sich offensichtlich leichter an eine solche Form angepasst. Über andere kleinere Baumaterialien wie Werkzeuge und Nägel, die in der mesopotamischen Architektur eine untergeordnete Rolle spielten, wissen wir vergleichsweise wenig, obwohl an verschiedenen Fundstätten eine Reihe von Nägeln gefunden wurden.

TEMPEL

Es wäre völlig unmöglich, alle Tempel und Paläste in Mesopotamien aufzuzählen, die während der letzten sechzig Jahre ausgegraben wurden. Wir müssen uns daher auf eine kurze Beschreibung einiger der besser erforschten Gebäude beschränken, die mit Vorbehalt als typisch angesehen werden können. Die Tempel haben die zerstörerischen Auswirkungen von Zeit und Klima nicht so gut überstanden wie die Paläste. Der Grund dafür liegt darin, dass das Ziel des Tempelbauers im Allgemeinen darin bestand, ein Bauwerk zu errichten, dessen Spitze metaphorisch „bis zum Himmel reichen“ sollte, während die größte Pracht der Paläste nicht in der Höhe lag, in der sie errichtet wurden, sondern in der Fläche, die sie bedeckten.

Platte X

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Die zerstörten Hügel von Nippur

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Gericht der Männer aus dem Nordosten: Nippur
(Beide aus „Excavations at Nippur“ von CS Fisher, mit freundlicher Genehmigung)

Was den allgemeinen Plan sumerischer Tempel betrifft, sind wir noch immer im Unklaren, denn an den frühesten Stätten der babylonischen Besiedlung wurden nur wenige wichtige Gebäude ausgegraben. Der am besten erhaltene und am gründlichsten erforschte Tempel in Südbabylonien ist der von En-lil in Nippur. Ein babylonischer Plan dieses einst berühmten Heiligtums, der auf eine Tontafel gezeichnet wurde und wahrscheinlich aus der ersten Hälfte des zweiten Jahrtausends stammt bc wurde entdeckt Seite 133von Haynes im Laufe seiner Ausgrabungen und war eine nicht unerhebliche Hilfe bei der Bestimmung des allgemeinen Charakters dieses babylonischen Tempels in seinem später rekonstruierten Zustand, während es sich in Wirklichkeit um eine Kopie eines früheren Plans handeln könnte,59 da es so gut mit den allgemeinen Schlussfolgerungen hinsichtlich der Konfiguration des Tempels zur Zeit von Shar-Gâni-sharri und Nâram-Sin übereinstimmt, die beide, und insbesondere letzterer, viel zur Reparatur dieses alten Tempels beigetragen haben.

Das auffälligste Merkmal des Tempels von Nippur, das bei den Ausgrabungen freigelegt wurde, ist die Zikkurat oder der Bühnenturm, der von Ur-Engur, dem König von Ur, errichtet wurde (Umlauf 2400 bc). Die zerstörten Hügel von Nuffar oder Niffer (vgl. Tafel. X), liegen auf der Ostseite des Schatt-en-Nil-Kanals, der einst eine Verbindungslinie zwischen dem Persischen Golf und der Stadt Babylon bildete. Die betreffenden Hügel, von denen der Haupthügel den Standort der Zikkurat von Ur-Engur markiert, wurden zwischen 1889 und 1900 von Peters, Harper, Haynes und Hilprecht unter der Schirmherrschaft der University of Pennsylvania ausgegraben. Der Turm überragt eine künstliche Plattform mit den Maßen 192 mal 127 Meter und ist gemäß dem üblichen babylonischen Orientierungsprinzip mit seinen vier Ecken in die Himmelsrichtungen ausgerichtet. Die Zikkurat hatte offenbar nur drei Stufen, im Gegensatz zu dem siebenstufigen Turm, der für die babylonischen und assyrischen Tempel späterer Tage charakteristisch war, obwohl Gudeas Tempel von Epa, der zu Ehren seines Gottes Ningirsu errichtet wurde, sieben Zonen hatte, was wahrscheinlich bedeutet, dass es sich um einen siebenstufigen Turm handelte. Die Zikkurat von Muḳeyyer60 (Ur), das von Taylor ausgegraben wurde, scheint ebenfalls dreigeschossig gewesen zu sein, möglicherweise aber auch nur zweigeschossig. Das untere Stockwerk, das durch eine vier Fuß dicke Mauer aus gebrannten Ziegeln geschützt war, wurde zusätzlich durch Strebepfeiler verstärkt, Seite 134es sollte jedoch erwähnt werden, dass die sogenannten „Strebepfeiler“ der Bühnentürme von Babylonien und Assyrien in den meisten Fällen Wasserleitungen zur Entwässerung der oberen Plattformen sind. Das zweite Stockwerk, dessen Basis durch eine drei Yards breite Treppe mit dem unteren Stockwerk verbunden ist, besteht aus völlig anderen Ziegeln als die des unteren Stockwerks. Die Ziegel des unteren Stockwerks sind 11 1/4 x 11 1/4 x 2 1/4 Zoll groß und tragen einen kleinen Stempel von 3 1/4 Zoll im Quadrat, während die Ziegel des zweiten Stockwerks 13 × 13 × 3 Zoll groß sind, wobei der Stempel 8 × 4 Zoll misst. Die Ziegel des ersten Stockwerks wurden in Bitumen verlegt, während die des zweiten – mit Ausnahme der Ziegel auf der Nordseite – in einen Mörtel aus Kalk und Asche gesetzt sind. Der Aufstieg zur Spitze des zweiten Stockwerks erfolgte über einen geneigten Weg: Aus diesen Tatsachen geht hervor, dass die beiden Stockwerke nicht gleichzeitig gebaut wurden. Die Zikkurat in Abû Shahrein,61 ebenfalls von Taylor ausgegraben, ist etwa siebzig Fuß hoch und wie das in Muḳeyyer mit einer Mauer aus gebrannten Ziegeln verkleidet. Auch hier erreicht man die Spitze des ersten Stockwerks über eine fünfzehn Fuß breite Treppe, während man wie in Muḳeyyer über eine geneigte Straße auf die Spitze des zweiten Stockwerks gelangt.

Der Zugang zu En-lils Zikkurat in Nippur befindet sich auf der Südostseite und ist durch zwei Mauern aus gebrannten Ziegeln gekennzeichnet, die etwa zehn Fuß oder mehr hoch und über zweiundfünfzig Fuß lang sind. Ein Abstand von etwa dreiundzwanzig Fuß trennt die beiden Mauern voneinander, während der Damm selbst, der zur Zikkurat hinaufführte, aus groben Ziegeln gebaut war. Der gesamte Tempelbereich war von einer massiven Mauer umgeben, und etwa dreißig Schichten der Ziegel, aus denen er bestand, sind noch vorhanden. Unterhalb der Plattform aus groben Ziegeln, auf der der Turm errichtet wurde, befand sich ein weiterer Belag von viel feinerer Konstruktion, der aus großen, gut gebrannten Ziegeln bestand, von denen fast alle mit der Inschrift versehen waren: Seite 135die Stempel von Shar-Gâni-sharri oder Narâm-Sin, wurde entdeckt. Direkt südöstlich der Zikkurat wurde eine große Kammer von etwa 13 Fuß Länge, über 8 Fuß Breite und etwa XNUMX Fuß Höhe gefunden, deren Boden auf der Plattform von Narâm-Sin ruhte. Die beschrifteten Ziegel bewiesen, dass diese Kammer, wie die Zikkurat selbst, von Ur-Engur erbaut worden war. Direkt darunter wurde eine zweite Kammer derselben Art entdeckt, in der ein Ziegelstempel von Shar-Gâni-sharri gefunden wurde: Um die Wände dieser Kammer verlief ein schmaler Sims, auf dem einige Tafeln gefunden worden sein sollen. Haynes grub bis auf den Neuboden und gibt an, dass er unter dem Pflaster von Narâm-Sin mindestens zwei Tempel entdeckt habe; in der untersten Schicht soll ein XNUMX x XNUMX Fuß großer Altar aus Rohziegeln gefunden worden sein, auf dem sich eine große Menge weißer Asche befand. Um den „Altar“ herum gab es eine niedrige Mauer, die den heiligen Bereich umgab, an deren Außenseite zwei Tonvasen von etwa XNUMX Zoll Höhe, die mit einem Seilmuster verziert waren, ans Licht kamen. Im Südosten des „Altars“ befindet sich eine Plattform aus groben Ziegeln, die fast XNUMX Fuß im Quadrat misst und über XNUMX Fuß dick ist. Haynes teilt uns mit, dass er um die Basis herum eine Reihe von Wasseröffnungen gefunden habe, während er unter dieser festen Masse einen Abfluss entdeckte, der unter der Plattform verlief, in dessen Dach ein echter Schlusssteinbogen entdeckt wurde. Dieser Bogen wurde etwa XNUMX Fuß unter dem Pflaster von Ur-Engur und mehr als XNUMX Fuß unter der Plattform von Narâm-Sin gefunden. Leider wurden die untersten Schichten des Hügels so stark gestört und die Gebäude so rücksichtslos geplündert, dass es unmöglich ist, die Datierung aller bei den Ausgrabungen freigelegten Funde mit Sicherheit zu bestimmen.

Was die Zikkurat selbst betrifft, so scheint die unterste ihrer drei Stufen etwa 6,5 ​​Meter hoch gewesen zu sein: Die Neigung der Seiten nach oben istSeite 136etwa ein Viertel, und die zweite Terrasse ist etwa 13,5 Fuß von der Oberfläche der darunterliegenden Terrasse zurückgesetzt. Die untere Terrasse ist auf der Südostseite mit gebrannten Ziegeln geschützt, während auf allen anderen Seiten das Fundament aus gebrannten Ziegeln besteht, vier Schichten hoch und acht Schichten breit, gekrönt von Rohziegeln, die mit einem Putz aus Lehm und gehacktem Stroh bedeckt sind, der dazu beitrug, das Rohmauerwerk zu konservieren. In der Mitte jeder dieser drei Seiten befand sich eine Wasserleitung, durch die die oberen Teile der Zikkurat entwässert wurden (vgl. Tafel). XI); der Kanal bestand aus gebrannten Ziegeln, war 3,5 Meter tief und 1,9 Meter breit. Um die Basis der Zikkurat herum war eine nach außen geneigte Bitumenschicht angebracht, mit Rinnen, die das Wasser ableiteten und so die Rohziegel vor dem Zerfall bewahrten.

Aus dieser kurzen Beschreibung der in Nippur entdeckten architektonischen Überreste wird sofort ersichtlich, dass wir, obwohl die bereitgestellten Informationen von höchster Wichtigkeit und höchstem Wert sind, immer noch im Unklaren darüber sind, wie ein frühbabylonischer Tempel im Allgemeinen aussah, wobei der Tempelturm des späteren Ur-Engur natürlich ausgenommen ist. Eine Restaurierung des Tempels, wie er wahrscheinlich in den Tagen von Ur-Engur aussah, wurde von Hilprecht und Fisher durchgeführt und ist mit ihrer freundlichen Genehmigung in Abb. wiedergegeben. 6.

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Abb.. 6.—Restaurierung des Tempels in Nippur. (Nach Hilprecht und Fisher.)

Über den Tempel, den Gudea zu Ehren und Ruhm seines Gottes Nin-girsu errichtete, wissen wir vergleichsweise wenig, abgesehen von dem, was er uns erzählt, aber aus seinem Bericht geht hervor, dass er offensichtlich sehr kunstvoll war, denn er enthielt Kammern für die Priester, Schatzkammern, Kornspeicher und Gehege für die verschiedenen Opfer. In späteren Zeiten scheinen in Babylonien zwei allgemeine Tempeltypen in Mode gewesen zu sein, wobei der eine einen abgestuften Turm als charakteristisches Merkmal hatte, der andere sich durch dessen Abwesenheit auszeichnete. Für den letzteren Typ haben wir ein gutes Beispiel im Tempel des Nin-makh in Babylon, der von den Seite 137Deutsche Orient-Gesellschaft. Die Göttin Nin-makh wurde bereits in der ersten Dynastie von Lagasch verehrt, denn zu Entemenas Zeiten wurden bereits Tempel zu ihren Ehren errichtet. Ihr Tempel in Babylon bestand hauptsächlich aus sonnengetrockneten Ziegeln, wobei die vier Ecken wie üblich nach den vier Himmelsrichtungen ausgerichtet waren: Er bestand aus einem Hof ​​sowie einer Anzahl von Räumen, von denen einige bemalt waren und Spuren weißer Dekoration noch sichtbar waren. Offenbar führte ein Vestibül in einen Hof oder eine Halle, um die herum verschiedene Räume und Hallen angeordnet waren und in die sie auch führten. Der innere Hof bietet einen Kontrast zum assyrischen Tempel in Nimrud, der keine solche innere Halle hat. In der Nähe der Ruinen dieses Tempels befand sich das berühmte Ischtar-Tor, dessen Seiten aus massiven Mauern bestanden, die noch bis zu einer Höhe von neununddreißig Fuß erhalten waren. Diese Wände waren mit Reliefs auf emaillierten Ziegeln verziert, die Tiere sowohl normalen als auch abnormalen Charakters darstellten. Es gab anscheinend mindestens elf Seite 138Reihen dieser Reliefs mit der Darstellung von Stieren oder Drachen übereinander.

Tafel XI

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Wasserleitung von Ur-Engur: Nippur
(Aus CS Fishers „Excavations at Nippur“, mit freundlicher Genehmigung)

Doch von allen babylonischen Tempeln ist der von E-temen-an-ki, der von Nebukadnezar, dem König von Babylon, an der Stelle eines alten Schreins erbaut wurde, bei weitem der berühmteste. Dieser Tempel wird von Herodot (I, 181) der Tempel des Belus genannt und war zweifellos sowohl hinsichtlich seiner Größe als auch seiner Pracht ein sehr prächtiges Gebäude. Herodot gibt in seiner Beschreibung an, dass er aus einem massiven Mauerblock bestand, auf den ein weiterer kleinerer Block gelegt wurde, und so weiter, bis schließlich insgesamt acht Blöcke vorhanden waren. Der erste oder unterste war jedoch lediglich das Fundament der gesamten Zikkurat und darf überhaupt nicht als „Stufe“ betrachtet werden; es handelte sich dementsprechend um einen perfekten siebenstufigen Turm, dessen oberster Block einen Schrein stützte. Die Spitze wurde über einen Aufstieg erreicht, der um das Bauwerk herumführte. Laut dem verstorbenen George Smith, dessen Schätzungen auf einer babylonischen Beschreibung basierten, die auf einer Tafel zu finden war, die sich einst in seinem Besitz befand, betrug die Höhe 300 Fuß, wobei die Seiten der quadratischen Grundfläche die gleichen Abmessungen aufwiesen; das zweite Stockwerk war 260 Fuß im Quadrat und 60 Fuß hoch. Das dritte, vierte und fünfte Stockwerk waren jeweils 20 Fuß hoch und maßen 200, 170 und 140 Fuß im Quadrat. Die Höhenunterschiede der verschiedenen Stockwerke bilden einen Kontrast zu der Regelmäßigkeit der Zikkurat in Khorsabad, von der noch Reste von vier Stockwerken zu sehen sind. Über das sechste Stockwerk schweigt die babylonische Tafel offenbar, während das oberste Stockwerk, das das Heiligtum des Gottes stützte, 80 x 70 Fuß groß und 50 Fuß hoch gewesen sein soll. Die sieben Stufen leuchteten ohne Zweifel einst in den sieben Planetenfarben, wie es beim siebenstufigen Turm in Khorsabad der Fall war, auf dessen unteren verbleibenden Stufen die Farben noch zu finden waren, wobei die Reihenfolge der Farben lautete: Weiß für die unterste Stufe, Seite 139Schwarz für das nächste, während die darauffolgenden Stockwerke blau, gelb, silber und gold bemalt waren. Die Zikkurat war von einem etwa 400 Meter im Quadrat großen Gehege umgeben, das durch Bronzetore betreten und verlassen werden konnte. Ein doppelflügeliges Gebäude im Westen, vermutlich das Heiligtum des Gottes, enthielt ein goldenes Ruhebett und einen Thron mit ebenfalls goldenen Stufen, während der Tempel außerdem ein aus massivem Gold gefertigtes Abbild des Gottes selbst enthielt. Der babylonische Bericht informiert uns, dass der Tempel aus zwei länglichen Höfen bestand, einer in dem anderen, wobei das Gebäude als Ganzes aus einer Reihe von Heiligtümern bestand, obwohl natürlich das auffälligste und daher vielleicht wichtigste Element seiner Zusammensetzung die Zikkurat war.

Doch Nebukadnezars Bautätigkeiten beschränkten sich nicht auf die Errichtung eines Tempels zu Ehren von Belus: Er baute die großen Mauern der Städte Babylon, Imgur-Bêl und Nimitti-Bêl wieder auf oder restaurierte sie, er errichtete Tempel für Schamasch, den Sonnengott, in Sippar und Larsa, die beide im Altertum Zentren des Kults dieses Gottes gewesen waren, und in Babylon errichtete er einen Tempel für die Göttin Nin-makh. In Borsippa (Birs-Nimrûd) widmete er dem alten Heiligtum von Nebo viel Aufmerksamkeit und Sorgfalt, und seine Arbeit an dieser Stätte ist von einigen Gelehrten mit dem oben beschriebenen prächtigen Tempel gleichgesetzt worden, auf den Herodot so ausführlich Bezug nimmt, obwohl, wie Hommel und Pinches beide betonen, die Entfernung von Borsippa von Babylon eher gegen eine Identifizierung spricht. Andererseits gibt es in Borsippa Überreste dessen, was einst durchaus der prächtige Tempel gewesen sein könnte, um den es geht, während in der Stadt Babylon selbst keine derartigen Überreste zu sehen sind; und in Bezug auf den Einwand, der gegen die Identifizierung dieser Überreste mit dem berühmten Tempel des Belus erhoben wurde, mit der Begründung, Borsippa sei zu weit entfernt, muss daran erinnert werden, dass wir nicht wirklich wissen, wie weit sich die Stadt erstreckte, ob sie nicht sogar Seite 140Borsippa innerhalb seiner Grenzen, denn laut Herodot betrug der Umfang der Stadt etwa 56 Meilen. Nebukadnezars eigener Bericht über seine architektonischen Leistungen ist auf einer Reihe fassförmiger Tonzylinder und auf der bekannten East India House Inscription eingraviert.

Die assyrischen Tempel scheinen größtenteils dem gleichen allgemeinen Typus wie der in Babylonien vorherrschende Tempel entsprochen zu haben. Einer der frühesten erforschten und derzeit vielleicht berühmtesten Tempel ist der von Layard in Nimrûd (Kalah) ausgegrabene.62 Es bestand aus einem äußeren Hof, von dem aus der Anbeter in einen Vorraum gelangte, der 46 Fuß mal 19 Fuß maß.63 dahinter befanden sich eine Seitenkammer und eine Halle von 47 Fuß Länge und 31 Fuß Breite, die in einer Nische endete, die mit einer riesigen Alabasterplatte gepflastert war, 21 Fuß lang, 16 Fuß 7 Zoll breit und 1 Fuß 1 Zoll dick, in die wahrscheinlich das Bild des Gottes eingelassen war; im Inneren wurden viele Steinplatten religiöser Natur gefunden, während auf dem Steinpflaster eine Geschichte der Herrschaft von Ashur-naṣir-pal eingraviert war. Der Haupteingang war mit geflügelten Löwen mit Menschenköpfen geschmückt und geschützt, die 16 1/2 Fuß hoch und 15 Fuß lang waren und deren Rolle als Wächter an den Portalen des Königspalastes somit gegen eine noch höhere und erhabenere Vertrauensstellung eingetauscht wurde, während der Eingang zum Seitenraum mit Reliefs bedeckt war, die den Gott beim Austreiben eines bösartigen Dämons zeigten. Der Seiteneingang befand sich zehn Meter rechts vom Haupteingang, und die Kammer, in die er führte, war durch zwei Korridore mit dem Vestibül und der Haupthalle verbunden. Rechts von diesem kleineren Eingang wurde der berühmte Monolith mit der gewölbten Spitze von Ashur-naṣir-pal entdeckt (vgl. Tafel XNUMX). III). Nicht weit vom eben beschriebenen Gebäude entfernt und am äußersten Rand der künstlichen Plattform, Seite 141Ein weiterer Tempel wurde entdeckt. Der Eingang wurde von zwei riesigen Löwen bewacht (vgl. Taf. XXVI), 8 Fuß hoch und 13 Fuß lang, und das Tor, das etwa 8 Fuß breit war, war mit einer beschrifteten Platte gepflastert. Vor den Löwen standen zwei Altäre, die dem Altar auf dem in Abb. reproduzierten Khorsabad-Relief ähnelten. 14, C. Das Tor führte in einen 57 Fuß langen und 25 Fuß breiten Raum, der in einer Nische endete, die mit einer riesigen Alabasterplatte gepflastert war, die auf beiden Seiten Inschriften aufwies und 19 Fuß mal 1 Fuß maß. In diesem Tempel wurde die Statue von Ashur-naṣir-pal entdeckt (vgl. Tafel). XXIV).

Die Ähnlichkeit der Stufentürme Mesopotamiens mit den Pyramiden Ägyptens führte natürlich zu der Frage, ob sie ihnen auch in Bezug auf ihre Verwendung ähnelten. Dementsprechend versuchte Layard, die Frage zu beantworten, die bereits von Ktesias und Ovid kategorisch beantwortet worden war, indem er Schnitte in eine Zikkurat in Nimrud machte, um festzustellen, ob sie Hohlräume enthielten, in denen einst die Körper von Königen oder Helden abgelegt worden sein könnten, ob die Zikkurate tatsächlich in erster Linie Gräber waren wie die Pyramiden von Mitraim. Die Möglichkeit, dass dies der Fall war, wurde durch die Entdeckung eines Gewölbes auf gleicher Höhe mit der Plattform selbst bewiesen, das 100 Fuß lang, 6 Fuß breit und 12 Fuß hoch war; wenn dies jedoch tatsächlich die letzte Ruhestätte eines verstorbenen Königs gewesen war, war es vollständig ausgeraubt worden. Von der betreffenden Zikkurat ist nur ein Stockwerk erhalten geblieben, das durch eine massive Steinverkleidung geschützt und etwa sechs Meter hoch ist. Die Steine ​​scheinen ohne Mörtel aneinandergefügt worden zu sein, wie es bei assyrischen Mauerwerken so oft der Fall war.

Ein weiteres hervorragendes Beispiel eines assyrischen Tempels ist der Anu-Adad-Tempel in Ashur, der kürzlich von der Deutschen Orient-Gesellschaft ausgegraben wurde. Der Kodex von Khammurabi zeigt, dass diese Stadt auf jeden Fall schon zu seiner Zeit existierte, und die deutschen Ausgrabungen haben Seite 142bewies, dass es seine Bedeutung nicht verlor, als der Regierungssitz um 1300 von dort nach Calah (Nimrûd) verlegt wurde. bc, sondern blieb im Gegenteil eine königliche Stadt und behielt ihre Bedeutung bis ins siebte Jahrhundert bcund möglicherweise später.

Der Tempel von Anu-Adad wurde von Ashur-resh-ishi gegründet (Umlauf 1140 bc). Es bestand aus einer rechteckigen Terrasse, zu der man über eine von Türmen flankierte Tür gelangte: Unter der Terrasse befanden sich mehrere Räume. Die beiden Tempeltürme waren durch einen langen Gang voneinander getrennt, auf dessen beiden Seiten sich vier kleine Räume befanden, die eine große Kammer in der Mitte umgaben, die durchaus das Heiligtum gewesen sein könnte. Eine dieser großen Kammern war Anu gewidmet, die andere Adad. Die beiden Tempeltürme waren laut Andrae vierstufige Zikkurats, und auf dem obersten Stockwerk befand sich zweifellos ein Schrein, wie im Tempel des Belus in Babylon. Viele der Ziegel, aus denen die Türme bestanden, waren beschriftet, wie es fast immer der Fall war. Tiglatpileser I. (1100bc) der Sohn und Nachfolger von Ashur-resh-ishi hatte Gelegenheit, diesen Tempel zu reparieren oder wieder aufzubauen. Er berichtet, dass er dessen Türme in den Himmel hob und seine Zinnen mit gebrannten Ziegeln verstärkte.64 Sein Bericht lautet wie folgt:

„Zu Beginn meiner Herrschaft verlangten Anu und Adad, die großen Götter, meine Herren, die meine priesterliche Würde lieben, von mir die Wiederherstellung dieser ihrer heiligen Wohnstätte. Ich machte Ziegelsteine ​​und räumte den Boden frei, bis ich die künstliche flache Terrasse erreichte, auf der der alte Tempel gebaut worden war. Ich legte sein Fundament auf den festen Felsen und verkleidete den ganzen Ort mit Ziegeln wie einen Kamin, legte eine Schicht von fünfzig Ziegeln darüber und baute darauf die Fundamente des Tempels von Anu und Adad aus großen quadratischen Steinen. Ich baute ihn vom Fundament bis zum Dach größer und großartiger als zuvor und errichtete auch zwei große Tempel Seite 143Türme, passende Ornamente ihrer großen Gottheiten. Den prächtigen Tempel, eine strahlende und großartige Wohnstätte, die Wohnstätte ihrer Freuden, das Haus zu ihrem Vergnügen, das so hell leuchtet wie die Sterne am Himmelsgewölbe und durch das Geschick meiner Künstler reich mit Ornamenten geschmückt ist, habe ich geplant, ersonnen und erdacht, gebaut und vollendet. Ich ließ sein Inneres strahlend wie die Himmelskuppel werden, schmückte seine Wände wie die Pracht der aufgehenden Sterne und machte ihn erhaben mit strahlender Brillanz. Ich ließ seine Tempeltürme in den Himmel ragen und vollendete sein Dach mit gebrannten Ziegeln, platzierte darin die obere Terrasse mit den Gemächern ihrer großen Gottheiten und führte Anu und Adad, die großen Götter, in sein Inneres und ließ sie in diesem ihrer erhabenen Heim wohnen, um so das Herz ihrer großen Gottheiten zu erfreuen. Ich räumte auch den Standort des Schatzhauses von Adad, meinem Herrn, frei, das derselbe Shamshi-Adad, Priester von Ashur, Sohn von Ishme-Dagan, ebenfalls Priester von Ashur, erbaut hatte und das verfallen und zu Ruinen geworden war, und baute es vom Fundament bis zum Dach mit gebrannten Ziegeln wieder auf und machte es schöner und viel stabiler als zuvor. Ich schlachtete darin reine Tiere als Opfer für Adad, meinen Herrn.“

Derselbe König betet mit der Voraussicht, die für assyrische Monarchen charakteristisch ist, dass, falls das Gebäude verfallen sollte, ein zukünftiger König es wiederherstellen möge, und er bittet weiter, dass dieser König seine eigenen beschrifteten Tafeln und seine Grundzylinder mit Öl salben möge. Sein Gebet wurde durch spätere Ereignisse gerechtfertigt, denn in Salmanassars II. (860-825) bc) hatte der Tempel bereits unter den Auswirkungen von Zeit und Klima gelitten, und dieser König baute ihn daher vollständig neu auf. Salmanassars Wiederaufbau war in seinen Ausmaßen nicht so ehrgeizig wie der von Assur-resh-ishi, dem ursprünglichen Gründer des Tempels. Er errichtete zwei Tempeltürme (vgl. Abb. 7) parallel zu denen seines Vorgängers, jedoch verschieden von denen von Ashur-resh-ishi, nach Seite 144Andrae ähnelte darin, dass sie getäfelt und nicht schlicht war, wie dies bei der Zikkurat (dem sogenannten „Observatorium“) in Khorsabad und der Zikkurat von Belus in Babylon der Fall war. Doch Salmanassar war nicht der letzte König, dem das Privileg zugestanden wurde, diesen alten Tempel zu reparieren: Sargon 722-705 ( bc) der Nachfolger von Salmanassar IV. und unmittelbarer Vorgänger von Sanherib fand ebenfalls Gelegenheit, sich diesem Werk der Frömmigkeit zu widmen, und im Hof ​​von Salmanassar II. tragen fast alle Pflastersteine ​​den Namen Sargon, ein bleibendes Zeugnis seines religiösen Pflichtgefühls in dieser Angelegenheit. Das Einzigartige an diesem Tempel ist sein doppelter Besitz.

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Abb.. 7. (Nach Andrae, Der Anu-Adad Tempel, Tafel IX.)

Ein weiterer Tempel, der kürzlich von Koldewey und Andrae in Ashur ausgegraben wurde, ist der von Sin-shar-ishkun zu Ehren des Gottes Nebo errichtete Tempel. Sin-shar-ishkun war der letzte König von Assyrien und regierte um 615 bc Dieser Tempel, der aus einer beträchtlichen Anzahl von Räumen unterschiedlicher Form und Größe bestand, war in zwei Hauptbereiche unterteilt, die beide aus einer Gruppe von Räumen bestanden, die in einen Haupthof führten, wobei die beiden Höfe miteinander verbunden waren. Der Zugang zum Tempel von außen erfolgte durch eine Tür und einen Vorraum, die in den nördlichen Hof führten, obwohl möglicherweise die Seite 145Der südliche Hof, mit dem letzterer verbunden ist, hatte einst einen ähnlichen Eingang.

Der südliche Hof ist über neunzig Fuß lang und etwa siebenunddreißig Fuß breit und an seiner Süd-, Ost- und Nordseite von Räumen umgeben, während er an der Nordseite mit dem Nordhof verbunden ist. Die Haupträume des Tempels befinden sich jedoch an der Westseite dieses südlichen Hofes. Dank des ausgezeichneten Erhaltungszustands, in dem das Ziegelfundament der Mauern gefunden wurde, konnten die Ausgräber den Grundriss zweier paralleler Raumreihen bestimmen, zu denen der Zugang vom Hof ​​aus jeweils über ein mit einem Turm versehenes Eingangstor erfolgte. Sowohl die nördliche als auch die südliche Raumreihe enthielten zunächst einen breiten Raum, der mit einem langen Raum verbunden war, an dessen äußerstem Ende sich eine Nische für die Statue des Gottes befand. Die Nische am Ende des langen Raums in der nördlichen Reihe ist so gut erhalten, dass der allgemeine Plan ihrer Rekonstruktion ziemlich sicher ist. Der mit Kalkstein gepflasterte Sockel in der Nische wurde über eine kleine doppelte Treppe mit niedrigen Stufen erklommen, die ebenfalls mit Kalkstein gepflastert waren und vier an der Zahl waren. Alle diese Räume, einschließlich der südlichen und westlichen Korridore und des südlichen Hofes, waren mit Ziegeln gepflastert. Einige der Ziegel trugen die Bauinschrift von Sin-shar-ish-kun, und die Ziegel sowohl in den südlichen als auch in den nördlichen breiten Räumen trugen die Aufschrift „Tempel von Nebo“, was bewies, dass dieser ganze Gebäudeteil zum Tempel dieses Gottes gehörte und dass sein Tempel somit einen doppelten Charakter hatte.

Sin-shar-ishkun hatte offensichtlich keine Skrupel, die Baumaterialien seiner Vorgänger zu verwenden, denn eine der Türsockel trägt den Namen Ashur-naṣir-pal, und unter den anderen entdeckten beschrifteten Objekten befanden sich Fragmente von hohlen Terrakotta-Zylindern und Prismen sowie Tonkegel mit einer Inschrift von Sin-shar-ishkun. Der Grundriss des südlichen Teils dieses Tempels Seite 146von Nebo entspricht in allen wesentlichen Einzelheiten dem normalen assyrischen Tempel, dessen herausragende Merkmale - abgesehen von der Zikkurat - der breite Raum, die Halle mit einer Nische für die Götterstatue, eine Gruppe umgebender Räume und ein Korridor waren.

Der berühmteste Tempel in Ashur war der des Gottes Ashur selbst, aber leider ist er schlecht erhalten und daher von geringerer archäologischer Bedeutung als der Anu-Adad-Tempel oder der Tempel von Nebo. Ein interessanter Punkt am alten Tempel von Ashur ist, dass die Räume eher breit als lang gewesen zu sein scheinen. Im ältesten Teil des Gebäudes befindet sich ein Alabasterblock65 Es wurde eine Inschrift mit 24 Zeilen in archaischen Schriftzeichen entdeckt. Die Schriftzeichen ähneln etwas denen in Irishums Inschriften und ähneln den Schriftzeichen in frühen babylonischen Inschriften, obwohl sie wie diese längs und nicht quer gelesen werden, aber die Zeilen verlaufen von links nach rechts statt von rechts nach links, und darin ähneln sie einigen Inschriften, die in Tellô gefunden wurden.66 Dieser Alabasterblock ist möglicherweise die älteste bisher gefundene assyrische Inschrift. Im Vorhof desselben Tempels wurden einige Fragmente einer Dioritskulptur mit kleinen Figuren gefunden, die denen aus der Khammurabi-Zeit ähneln.

Die am besten erhaltene Zikkurat in Mesopotamien ist jene, die in Khorsabad entdeckt wurde; vier Stufen dieses Turms sind noch vorhanden, und die Farben, mit denen sie bemalt wurden, sind noch sichtbar. Sie befindet sich in unmittelbarer Nähe, wenn auch nicht in unmittelbarer Verbindung mit der Gebäudegruppe, die früher als Harem des Palastes galt, aber kürzlich von Koldewey gezeigt wurde.67 in Wirklichkeit eine Gruppe von Tempeln zu sein (vgl. Abb. 24 B). Das Argument, auf dem die Haremstheorie basierte, war die Tatsache, dass dieser Block von Seite 147Gebäude sind vom Palast getrennt, aber dieses Argument könnte mit noch größerer Kraft zur Unterstützung der Tempeltheorie verwendet werden, während seine Nähe zur Zikkurat und die allgemeine Übereinstimmung in Form und Gestalt der verschiedenen Gebäude, aus denen es besteht, mit dem normalen assyrischen Tempel, wie er durch die Ausgrabungen offenbart wurde, Koldeweys Behauptung zu einer praktischen Gewissheit machen. Obwohl die Zikkurat, wie dies in Borsippa der Fall ist, nicht mit dem theoretischen „Tempelkomplex“ verbunden ist, scheint es darüber hinaus keinen Zweifel zu geben, dass sie zueinander gehören, da es anderswo in der Nachbarschaft keinen Platz für einen eigentlichen Tempel gibt und die angrenzenden Teile des Palastes sicherlich für weltliche und nicht religiöse Zwecke verwendet wurden. Der Block scheint drei Tempel zu enthalten, deren Eingang jeweils durch einen zentralen Hof führte; die Tempel bestanden aus einem breiten Raum oder Vestibül, einem langen Raum oder Saal, an dessen Ende sich ein weiterer Raum befand – vermutlich das Heiligtum, in dem die Statue des Gottes aufbewahrt wurde. Der Eingang zum Heiligtum führte von der Halle aus durch eine breite Öffnung und über einige Stufen hinauf.

Zusätzlich zu diesen markanten Teilen des Gebäudes gab es verschiedene untergeordnete Räume, die in einem Tempel die rechte Seite, in einem anderen die linke und im dritten beide Seiten der Haupthalle flankierten. Diese Räume waren in einem Fall mit dem breiten Raum, der Halle und dem Heiligtum verbunden, im zweiten mit der Halle und dem Heiligtum und im dritten nur mit der Halle. Manchmal haben sie außerdem umgebende Korridore; man sieht also, dass sie, obwohl sie untereinander erhebliche Unterschiede aufweisen, denselben allgemeinen Typ aufweisen, einen Typ, der sich völlig von dem der assyrischen Paläste und Häuser unterscheidet, deren allgemeine Form eher breit als lang war.

Doch trotz der allgemeinen Ähnlichkeit der assyrischen Tempel unterscheiden sich die früheren Bauten von denen späterer Zeit in mindestens einem wichtigen Punkt: in der Seite 148Früher war das Heiligtum lediglich eine tiefe Nische in der Rückwand des langen Hauptraums oder der Halle, während in den späteren Tempeln Sargons die Nische zu einer besonderen Heiligtumskammer ausgebaut wurde.

Es wurde bereits gezeigt, dass die Zikkurate in Mesopotamien keineswegs alle dem gleichen Plan entsprachen; nicht nur die Anzahl ihrer Stufen variierte jedoch, sondern gelegentlich auch ihre Form. In der Regel waren sie quadratisch oder zumindest rechteckig, aber die von der Deutschen Orient-Gesellschaft in El Hibba ausgegrabene Zikkurat erwies sich als Ausnahme von dieser allgemeinen Regel. Der betreffende Turm ist kreisförmig und besteht aus zwei Stufen; er ist nicht auf einem künstlichen Hügel, sondern auf natürlichem Boden errichtet und steht noch heute mit einer Höhe von 24 Fuß. Der Durchmesser des ersten Stockwerks68 beträgt über 400 Fuß, während die des oberen Stockwerks nur etwas über 300 Fuß beträgt. Letzteres ist durch eine mit Bitumen verlegte Flügelwand aus gebrannten Ziegeln geschützt, und die oberen Flächen beider Stockwerke wurden mit demselben Material beschichtet, um sie vor der zersetzenden Wirkung des Regens zu schützen. Die Entwässerung des Bauwerks erfolgte durch Kanäle aus gebrannten Ziegeln, die außerdem dazu dienten, das untere Stockwerk zu verstärken, und tatsächlich als Strebepfeiler fungierten. Auf der Oberfläche des oberen Stockwerks wurden mehrere Tonkegel oder -nägel gefunden, ähnlich denen am Fuß der Nippur-Zikkurat, aber keiner von ihnen trug anscheinend eine Inschrift.

PALÄSTE

Andere Gebäude in Babylonien von eher weltlichem Charakter sind in einem zufriedenstellenderen Zustand erhalten geblieben als jene, die speziell den Göttern gewidmet waren, aber die königlichen Paläste selbst haben größtenteils einen solchen Umbau durchlaufen, dass es sehr schwierig ist, die genaue Form zu bestimmen, die das Original Seite 149Gebäude angenommen. Ur-Ninâ hat uns die Überreste eines kunstvollen Gebäudes hinterlassen, das er in seiner königlichen Stadt Lagash errichtete, aber es scheint eher ein Lagerhaus als ein integraler Bestandteil eines Palastes zu sein; Ur-bau und Gudea haben einige Jahrhunderte später ebenfalls unverkennbare Zeichen ihrer Bautätigkeit in dieser berühmten Stadt der Vergangenheit hinterlassen. Im Zuge der Ausgrabung eines großen Palastes in einem der zerstörten Hügel von Tellô wurden viele Ziegel mit der Inschrift des Namens Gudea gefunden, und diese Entdeckung führte nicht unnatürlich zu der voreiligen Schlussfolgerung, dass dieses kunstvolle, so wunderbar erhaltene Gebäude tatsächlich die königliche Residenz dieses lange verstorbenen Herrschers war, aber eine genauere Untersuchung ergab das Vorhandensein anderer Ziegel mit dem Namen Hadadnadinakhe in griechischen und aramäischen Buchstaben, was schlüssig bewies, dass das fragliche Gebäude zur parthischen Zeit gehörte und nicht einem Datum vor der zweiten Hälfte des zweiten Jahrhunderts zugeordnet werden konnte. bc Die Ziegelsteine ​​von Gudeas frühem Bau wurden als Material für diesen späteren Bau wiederverwendet, eine Praxis, die in Mesopotamien häufig angewandt wurde. Teile von Gudeas frühem Bau wurden jedoch tatsächlich in den Partherpalast integriert. Am besten erhalten ist ein Tor (vgl. Tafel). V) und ein Teil eines Turms, während unter einer Ecke des Palastes ein Teil einer Mauer entdeckt wurde, die von Ur-bau, einem der unmittelbaren Vorgänger Gudeas, errichtet wurde.

Ein weiterer sehr berühmter Palast war der von Nebukadnezar in Babylon, bekannt als El-Ḳasr (vgl. S. 69). Dieser Palast wurde von Koldewey und Andrae ausgegraben. Die Außenmauer bestand aus Ziegeln, die mit dem Namen Nebukadnezars geprägt waren, und war etwa 23 1/2 Fuß dick, die Innenmauer, ebenfalls aus Ziegeln, war über 44 Fuß dick, während der Raum zwischen den beiden Mauern, fast 70 Fuß, mit Sand und anderem Material aufgefüllt war, so dass die Gesamtdicke fast 136 1/2 Fuß betrug. Die gebrannten Ziegel, aus denen die Stützmauern bestanden, wurden in Seite 150Asphalt und sind so kompakt verbunden, dass es unmöglich ist, sie in ihre Schichten zu trennen. Der Ḳasr-Hügel, der einen neuen Vorort der Stadt Babylon selbst darstellt, hat nichts vor dem siebten Jahrhundert enthüllt. Ashur-bani-pal (668-626 bc) baute hier einen Tempel, der ordnungsgemäß ausgegraben wurde, aber Nebukadnezars Palast ist das wichtigste Gebäude, das an dieser berühmten Stätte entdeckt wurde. Vor der Zeit Nebukadnezars gab es hier anscheinend einen Palast, der von Nabopolassar (625-604) umgebaut wurde. bc) dem Gründer der neubabylonischen Dynastie, wurde jedoch später durch eine Überschwemmung des Euphrat schwer beschädigt und daher von Nebukadnezar repariert und erweitert, der es aus gebrannten Ziegeln wieder aufbaute. Sein Werk war so beständig, dass die unteren Teile bis in unsere Tage an dieser Stelle erhalten geblieben sind.

Das Innere des Palastes bestand aus einer großen Anzahl von Räumen, die um Höfe herum angeordnet waren. Die große Halle, die sich im Süden des Haupthofes befand, hatte eine Nische in ihrer Südwand und war außerdem mit drei Türen in ihrer Nordwand versehen, wo auch Spuren von etwas zu finden waren, das einst eine Kolonnade gewesen sein könnte. Das Dach des Palastes bestand aus Zedernholz, ebenso wie die Türen, die mit Bronze bedeckt waren, genau wie die berühmten Tore in Balâwât (vgl. Abb.). 43). Die Schwellen waren aus demselben Metall gefertigt, ebenso wie die Stufen im Tempel E-zida in Borsippa, von denen eine bis zu uns erhalten ist und den Namen dieses Königs trägt, während Gold, Silber und Edelsteine ​​verschiedener Art mit schonungsloser Verschwendung bei der Dekoration der königlichen Residenz verwendet wurden.

Nebukadnezar errichtete außerdem ein weiteres Gebäude auf der Nordseite der Mauer, das offenbar eine Festung war und mit dem Palast verbunden war. Laut der Inschrift des India House und der Aussage des babylonischen Historikers Berosus (um 300 bc) deren Seite 151Die Geschichte ist leider verloren gegangen, doch Auszüge aus dieser Überlieferung, die uns Josephus überliefert hat, besagen, dass dieses Bauwerk in der unglaublich kurzen Zeit von fünfzehn Tagen fertiggestellt wurde.

\"Wiederherstellung

Abb.. 8.—Restaurierung von „Sargons Palast“ in Khorsabad. (Nach Ort.)

Assyrische Paläste sind jedoch in einem besseren Erhaltungszustand als die von Babylonien und bieten mehr Material für das Studium der mesopotamischen Architektur. Zuallererst muss erwähnt werden, dass von Sargon (722-705) erbaute bc) in Khorsabad (vgl. Abb. 8). Der Palast, um den es geht, wurde auf einem künstlichen Hügel errichtet, wie die meisten wichtigen Bauwerke in Babylonien und Assyrien. Diese Hügel dienten in Südmesopotamien einem eher praktischen Zweck, da die Gebäude dadurch außerhalb der Reichweite der Wasser des überschwemmenden Euphrats lagen. Die Hügel, die manchmal aus einer Masse von groben Ziegeln, manchmal aus Sand, Kies und anderen Materialien bestanden, wurden durch eine Flügelmauer aus gebrannten Ziegeln oder Steinen zusammengehalten und geschützt. Die Schutzmauern in Khorsabad, die aus Steinblöcken bestanden, die manchmal bis zu 6 Tonnen wogen und 6 × 9 × XNUMX Fuß maßen, wurden allmählichSeite 152nach oben hin dünner. Die Innenseite dieser Steinmauer, die in unmittelbarem Kontakt mit der rohen Ziegelmasse steht, wurde rau belassen, was zur allgemeinen Kohärenz des Ganzen beitrug. Die Gesamthöhe der Mauer in Khorsabad betrug etwa 60 Fuß, die Fundamente maßen 9 Fuß und die Stützmauer 46 Fuß, eine 5 Fuß hohe Brüstung machte die Gesamthöhe von 60 Fuß aus. Wenn das Dach flach war, scheint es im Allgemeinen von einer Brüstung gekrönt gewesen zu sein, deren Spitze mit Zinnen versehen war. Fast alle auf assyrischen Flachreliefs dargestellten Gebäude weisen diese Zinnen auf, die anscheinend ein besonderes Merkmal der mesopotamischen Architektur waren, und tatsächlich wurde dieser Gestaltungsstil in späteren Zeiten so beliebt, dass sogar die Spitzen von Altären und Stelen manchmal mit Zinnen versehen waren (vgl. Abb. 14, C). Zinnenbewehrte Gebäude finden sich in Babylonien allerdings erst ab der Zeit Gudeas und der Dynastie von Ur (Umlauf 2450 bc). Der Fundamenthügel, auf dem die Ziegelsteinmauer von Dûr-sharrukîn (Khorsabad) errichtet wurde, war ähnlich mit Steinen verkleidet, wobei der Hügel selbst aus Steinen und Schutt bestand. Im Inneren des Palastes wurde Stein jedoch nur zur Verkleidung der Wände, für den Fußboden der wichtigeren Räume und für die Säulenschäfte, Kapitelle und Säulenbasen sowie andere architektonische Accessoires verwendet, während der Hauptkörper des Gebäudes vollständig aus Ziegeln gebaut war. Die Außenwände der Gebäude waren in der Regel mit „Strebepfeilern“ verstärkt, die aus stärkerem und haltbarerem Material als die Wände selbst bestanden, während anscheinend die künstlichen Hügel, auf denen die Gebäude errichtet wurden, die einzigen Fundamente waren. Leider ist nur wenig über die innere Anordnung der Gebäude bekannt, und wir haben sogar erhebliche Zweifel hinsichtlich der Art und Weise, wie die verschiedenen Räume überdacht waren.

Die Räume in Sargons Palast sind fast alle rechteckig, manchmal quadratisch, aber im Allgemeinen sehr lang im Verhältnis zu ihrer Breite. Die Wände der Räume waren phänomenal dick und variierten zwischen zwölf und achtundzwanzig Seite 153Fuß. Die Dächer dieser langen Kammern müssen entweder gewölbt oder aus Holzbalken gebaut gewesen sein, obwohl ersteres in einem Klima, das durch extreme Hitze einerseits und extreme Kälte andererseits gekennzeichnet war, nützlicher gewesen wäre, da das dicke Gewölbe die sengenden Strahlen der Sommersonne ebenso abwehrte wie die durchdringende Kälte eines strengen Winters, während die Entdeckung einer enormen Menge zerbrochener Ziegel, Schutt und Trümmer und das entsprechende Fehlen jeglicher Holzspur in den ausgegrabenen Räumen die Theorie stützt, dass die Dächer aus Lehm und nicht aus Holz waren; und schließlich schien das einzige leicht zu beschaffende Holz völlig unzureichend gewesen zu sein, um die Belastung eines darüber liegenden Flachdachs aus Lehm zu tragen. Victor Place entdeckte darüber hinaus tatsächlich die Überreste eingestürzter Gewölbe, während die umfangreiche Verwendung des Bogens sowohl in den Stadtmauern von Khorsabad als auch in der Entwässerung des Palastes ein zusätzliches Argument liefert und die Wahrscheinlichkeit der Theorie noch weiter erhöht. Das Verschwinden jeglicher Holzspuren in den Räumen selbst könnte durch die Zerbrechlichkeit und Unbeständigkeit dieses Materials erklärt worden sein, doch in der Nähe der Türen, die offensichtlich nicht aus Lehm oder Stein geformt sein konnten, sollen Holzfragmente sowie Türpaneele gefunden worden sein, und ohne Zweifel würden ähnliche Beweise vorliegen, wenn auch die Decken der Räume aus Holz gewesen wären. Place weist außerdem auf die Entdeckung von Walzen aus Kalkstein in einigen der Kammern hin: Diese Walzen könnten verwendet worden sein, um die Pise-Dächer nach einem Regenguss zu glätten und zu verfestigen, und so die Auflösung und den allgemeinen Zusammenbruch dieses integralen Teils des Bauwerks verhindert haben. Doch diese Lehmdächer, so unbefriedigend sie in vergangenen Tagen aus architektonischer Sicht auch gewesen sein mögen, haben sich für die Archäologen von heute als von unschätzbarem Wert erwiesen, denn die Weichheit desSeite 154Der Grund für den perfekten Erhalt der Skulpturen und Statuen, die sie für einen so langen Zeitraum begraben sollten, liegt im Material, aus dem sie bestehen.

Wie bereits erwähnt, weisen die Trennwände der Räume die gleiche außergewöhnliche Festigkeit auf, die sowohl bei den Außenmauern des Palastes als auch bei denen der Stadt auffällt. Die dünnsten Wände sind etwa zehn Fuß dick. Die Massivität dieser Trennwände stützt die Theorie, dass die Dächer nicht aus Holzbalken, sondern aus Lehmgewölben bestanden, und ist somit ein zusätzlicher Beweis zu dem, der durch das Fehlen jeglicher Holzspuren in den Kammern selbst einerseits und die Entdeckung von Holzfragmenten in den Türöffnungen andererseits erbracht wurde; denn die einzige verfügbare Erklärung und allgemeine Sinn und Zweck Der Grund für die Dicke der Innenwände ist, dass Gewölbedächer aus weichem Lehm nur von Wänden getragen werden konnten, die mehr als gewöhnlich robust waren. Zweifellos war das Gewölbedach auch ein entscheidender Faktor für die Form und die allgemeine Kontur der Räume, und die Enge der meisten Räume, die in Wahrheit eher Galerien als Hallen oder Räumen ähneln, ist dem Mangel an für Bauzwecke geeignetem Holz und der daraus folgenden Verwendung von Lehm für die Dachdeckung sowie für andere Teile des Gebäudes zuzuschreiben.

\"Aus

Abb.. 9.—Aus einem assyrischen Flachrelief. (Nach Layard, Ser. 2, Tafel 17.)

Man darf jedoch nicht annehmen, dass alle Räume in Sargons Palast oder in den Palästen anderer assyrischer Könige alle die Form von Gängen hatten oder dass sie alle mit tonnenförmigen Gewölben überdacht waren. In dem Palast, über den wir sprechen, wurden quadratische Räume entdeckt, von denen einige nicht gerade durchschnittliche Ausmaße hatten und in jede Richtung 48 Fuß maßen; diese konnten offensichtlich nicht mit Tonnengewölben überdacht sein, während sich die Schwierigkeit, ausreichend langes Holz zu beschaffen, bei einer großen quadratischen Kammer stärker bemerkbar machen würde als bei einer langgestreckten Galerie. Das Problem löst sich daher in die Untersuchung auf, welche anderen Dachdeckungsarten die Assyrer außer Seite 155Dächer aus Holzbalken, die offenbar nur in Ausnahmefällen verwendet wurden, und Tonnengewölbe, die in diesen großen quadratischen Räumen nicht in Frage kamen. Hier kommen uns die Flachreliefs zu Hilfe, die die Wände der königlichen Paläste schmücken. Auf einem dieser Reliefs aus Kouyunjik (vgl. Abb. 9) sind eine Reihe von Gebäuden abgebildet, die von Kuppeln unterschiedlicher Form und Größe gekrönt werden, was schlüssig beweist, dass die Assyrer zur Zeit Sanheribs die Kunst des Baus von Kuppeldächern entwickelt hatten, oder vielleicht sollten wir sagen, dass sie diese Kunst aus ihrem Mutterland entlehnten, da das Prinzip des Kuppeldachs in Babylonien in vorsargonischer Zeit bekannt gewesen zu sein scheint, denn die amerikanischen Ausgrabungen in Bismâya haben einen ovalen Raum aus der sumerischen Zeit freigelegt, der mit einem Kuppeldach versehen war, von dem noch größere Teile erhalten sind, und ohne Zweifel waren die quadratischen Kammern in Sargons Palast in Khorsabad sowie jene in den Palästen anderer assyrischer Könige auf diese Weise überdacht. Die Gebäude auf der rechten Seite (vgl. Abb. 9) haben flache Dächer, während die Dächer auf der linken Seite entweder halbkugelförmige Seite 156Kuppeln oder konisch geformte Kuppeln; die meisten Türen sind rechteckig, zwei davon sind jedoch gewölbt wie die berühmten Tore in Khorsabad. Diese abgerundeten Dächer sind auch heute noch im ganzen Osten zu sehen, so hartnäckig ist der Einfluss von Sitte und Gewohnheit, obwohl beide nur das Ergebnis der natürlichen Umgebung oder des Klimas sind und ihren Ursprung der großen Mutter der Erfindung verdanken.

PRIVATE HÄUSER

Über die Anordnung der Privathäuser in Babylonien wissen wir vergleichsweise wenig. Taylor grub in Muḳeyyer ein kleines Haus ungewisser Datierung aus, und es wurde auch ein Plan einiger Räume in Abû Shahrein erstellt. Das Haus in Muḳeyyer wurde auf einem künstlichen Hügel aus Rohziegeln errichtet, auf den ein Pflaster aus gebrannten Ziegeln gelegt wurde; das Haus selbst wurde aus demselben Material gebaut. Die Wände waren sehr unregelmäßig, aber der allgemeine Grundriss des Gebäudes scheint kreuzförmig gewesen zu sein. Die äußere Ziegelschicht war anscheinend in Bitumen eingelassen, für den Rest wurde Lehmmörtel verwendet, während der Boden, der wie die Wände aus gebrannten Ziegeln bestand, in Bitumen verlegt wurde. Was die Türöffnungen betrifft, so bestanden zwei von ihnen aus gewölbten Gewölben, wobei der Bogen halbkreisförmig und aus keilförmigen Ziegeln bestand, und im Inneren wurden die verkohlten Überreste von Holzsparren oder -balken gefunden. Die Außenseite des Hauses war mit senkrechten Rillen oder „gestuften Vertiefungen“ verziert.69 und viele der Ziegel waren mit Emaille oder Gips überzogen und trugen Inschriften.

Die äußere Dekoration eines von Loftus ausgegrabenen Gebäudes in Warka (Erech) bestand dagegen aus einer Reihe farbiger Tonkegel70 eingebettet in Schlamm oder Gips und in verschiedenen Mustern angeordnet, mit der kreisförmigen Basis nach außen. Die Muster waren meist dreieckig, gestreift, rautenförmig oder zickzackförmig, und die Wand Seite 157Sie bildeten einen Teil von neun Metern Länge. Der flache Teil dieser Wand ragte 35 Zentimeter über die halbrunden Halbsäulen hinaus, die in Abständen wie bei der Wuswas-Fassade angeordnet waren.

Die in Abû Shahrein ausgegrabenen Räume waren aus groben Ziegeln gebaut, die Wände waren innen mit Gips bedeckt und bemalt. In einer dieser Kammern waren die Wände mit weißen, schwarzen und roten Bändern verziert, die etwa drei Zoll breit waren, während in einer anderen Kammer ein grobes rotes Bild eines Mannes zu sehen war, der einen Vogel am Handgelenk hielt, und einer kleineren Figur, die in der Nähe stand.

Die bei den deutschen Ausgrabungen in Fâra freigelegten Gebäude scheinen vor allem durch die Schwäche der Mauern und die Ausarbeitung des Entwässerungssystems gekennzeichnet zu sein. Der Grundriss dieser Backsteingebäude bestand aus einem zentralen Hof, der von sehr kleinen Kammern umgeben war. Privathäuser wurden, wie Paläste, oft immer wieder bewohnt: So waren in Nippur einige der von Haynes ausgegrabenen Häuser mindestens dreimal bewohnt, während in einem von ihnen drei deutlich unterschiedliche Türöffnungen sichtbar waren, wobei die unterste und damit älteste von einem Segmentbogen überdacht war. Doch wurden sowohl in Surghul als auch in Fâra andere Gebäude von ganz anderer Form und Beschaffenheit gefunden; diese Gebäude sind nicht rechteckig, sondern kreisförmig und messen zwischen 180 und XNUMX Fuß im Durchmesser. Diese Rotunden, die in Fâra besonders zahlreich sind, wurden von gewölbten Gewölben überragt, und in einer von ihnen wurden vier Schädel gefunden. Wozu diese kreisförmigen Bauten verwendet wurden, ist schwer zu sagen. Über die gewöhnlichen Häuser späterer Zeiten wissen wir einiges von den klassischen Schriftstellern: Herodot zum Beispiel berichtet uns, dass die Häuser im Allgemeinen hoch waren und drei oder sogar vier Stockwerke hatten (Herod. I, XNUMX), während Strabo uns erzählt, dass die Dächer der Häuser gewölbt waren. Letzterer Schriftsteller informiert uns, dass die Säulen des Hauses – wenn es solche gab – aus Seite 158in Palmenstämmen, um die Binsenbüschel geschlungen waren, wobei das Ganze mit einer Art Gips überzogen und dann bemalt wurde (Strab. XVI, I, 85).

Über die Privathäuser in Assyrien sind wir kaum besser informiert als über die in Babylonien. Die deutschen Ausgrabungen in Ḳalat Sherḳat (Ashur) haben jedoch etwas Licht auf das Thema geworfen. Die Grundmauern der an dieser Stelle entdeckten Häuser zeigten, dass sie im Grundriss dem alten babylonischen Haus in Fâra entsprachen. Die Fundamente selbst bieten dem Studenten der mesopotamischen Architektur einige neue Varianten; die erwähnten Grundmauern wurden durch die aufgehäuften Trümmer, mit denen das Plateau bedeckt war, bis auf den Felsboden gesenkt; und diese Mauern wurden mit einer Steinschicht bedeckt, auf die die eigentlichen Mauern des Gebäudes aufgesetzt wurden. Eines der betreffenden Häuser war etwa 86 x 61 Meter groß und hat eine rechteckige Form. Wie in Fâra umgeben die Räume einen zentralen Hof. Auf der Südseite des Gebäudes verlaufen zwei schmale Korridore nach Osten und Westen; sie sind in den Fundamenten erkennbar. Der Zugang zum Hof ​​ist nur möglich, wenn man durch den äußeren Korridor geht und zwei Ecken umrundet.

In den Trümmern unter diesem Haus wurden mehrere Kapselgräber gefunden.71

\"Feige.
\"Feige.

Abb.. 10. (Nach Hilprecht.)

Abb.. 11. (Nach Taylor.)

Die Abflüsse der frühen Babylonier bestanden entweder aus Ziegeln oder aus gebrannten Tonringen. Ein gutes Beispiel für den größeren Typ von Abfluss oder Wasserleitung, der im Allgemeinen zum Entwässern der oberen Stockwerke von Zikkurats verwendet wurde, finden wir in Tafel 1. XIÄhnliche Abflüsse wurden von Loftus in Erech entdeckt, obwohl er sie für Stützpfeiler hielt,72 denen sie eine auffallende Ähnlichkeit aufweisen. Im Tempelhof von Nippur wurden zahlreiche Abflüsse zweiter Klasse entdeckt. Diese bestanden aus übereinander gesetzten Terrakotta-Ringen und manchmal Seite 159mit einer glockenförmigen Spitze versehen, während es gelegentlich von einem Terrakotta-Boden überragt wurde,73 wie in Abb. 10. Der durchschnittliche Durchmesser der Ringe, aus denen dieser Abfluss bestand, betrug zweidreiviertel Fuß, und er reichte ungefähr sechseinhalb Fuß in die Tiefe. In Bismâya wurde ein Abfluss aus runden Fliesen mit einem Durchmesser von etwa acht Zoll entdeckt, während Taylor in Muḳeyyer (Ur) ähnliche Abflüsse aus übereinander liegenden Terrakotta-Ringen entdeckte. Häufig waren diese Schächte doppelt, wie in der Abbildung (Abb. 11). Die Ringe, aus denen dieser Abfluss bestand, hatten einen Durchmesser von zwei Fuß und eine Breite von etwa anderthalb Fuß und waren in einigen Fällen mithilfe einer dünnen Bitumenschicht zusammengeklebt. „Ungefähr einen Fuß lang rund um diese Abflussrohre und über ihre gesamte Länge lagen Tonscherben, um den Hügel wirksamer entwässern zu können.“74 Über der Mündung des oberen Rings, der eine andere Form als die anderen hat, befanden sich Schichten aus perforierten Ziegeln, die bis zur Spitze des Hügels führten. Manchmal bestehen diese Abflüsse aus bis zu vierzig dieser Ringe. Es wurden zahlreiche Abflüsse aus Ziegeln und Fliesen entdeckt. Seite 160in Bismâya, während das Entwässerungssystem in Fâra und anderen frühbabylonischen Stätten sehr umfangreich gewesen zu sein scheint.

Die Hauptabflüsse in Babylonien und Assyrien hatten häufig die Form gewölbter Aquädukte. Was die Entwässerung der inneren Räume betrifft, ist der Palast von Sargon in Khorsabad unsere beste Informationsquelle. Fast alle Räume wurden durch ein Loch entwässert, das in einen Stein in der Mitte des Bodens geschnitten war, zu dem hin der Ziegelboden allmählich abfiel; das Wasser floss durch das Loch in eine kreisförmige Ziegelleitung, die in einen horizontalen Abfluss hinabführte, der mit dem gewölbten Hauptabfluss verbunden war, auf den später Bezug genommen wird (vgl. S. 174).

Fenster, die unserer Vorstellung nach einen der wichtigsten Teile eines Gebäudes bilden, wurden von den Babyloniern und Assyrern anscheinend kaum beachtet. Bei einstöckigen Gebäuden scheinen die einzigen Fenster Oberlichter gewesen zu sein. Jedenfalls entdeckte Place in mehreren Räumen in Khorsabad Terrakotta-Zylinder, die seiner Meinung nach einen Teil des Daches gebildet haben müssen, durch den Luft und ein Mindestmaß an Licht in den Raum gelangten. Die auf den Flachreliefs dargestellten Gebäude sind tatsächlich mit kleinen Öffnungen versehen, aber diese scheinen eher Schießscharten als Fenster im eigentlichen Sinne zu sein. Aber selbst wenn Fenster in die Wände geschnitten worden wären, hätte die extreme Dicke der letzteren auf jeden Fall fast alles Licht ausgeschlossen.

DIE KOLUMNE

Die Säule scheint in der Geschichte der mesopotamischen Architektur nie eine herausragende Stellung eingenommen zu haben, was wiederum auf den Mangel an Stein und Holz zurückzuführen war; es gibt jedoch genügend Beweise dafür, dass sie sicherlich nicht unbekannt war, obwohl sie nicht sehr häufig verwendet wurde. In der modernen Architektur bildet die Säule die Hauptstütze der Bögen, aber in der babylonischen und assyrischen Architektur sind die Archivolten und Seite 161Die Bogenzwickel werden im Allgemeinen von dicken Mauern getragen; diese Tatsache wird sowohl durch die Überreste antiker Gebäude als auch durch die figürlichen Darstellungen solcher Gebäude auf den Flachreliefs bezeugt.

Die wahrscheinlich besten Beispiele einer frühen babylonischen Säule sind jene, die De Sarzec 1881 in Tellô entdeckte. Streng genommen handelt es sich dabei jedoch nicht um Säulen, sondern um Pfeiler, die durch die Verbindung von vier runden Säulen gebildet wurden (vgl. Abb.). 12). Die Pfeiler bestehen aus runden, halbrunden oder dreieckigen Ziegeln, die eine Inschrift tragen, "Déc.Abb.. 12. (Vgl. Dez. in Chald., Taf. 53, 2.)Daraus schließen wir, dass der Neubau, zu dem sie vermutlich gehörten, größtenteils aus Zedernholz bestand. Diese Aussage wird durch die Entdeckung von Fragmenten dieses Holzes inmitten der Ruinen bestätigt.

Beweise für die sehr frühe Verwendung der Säule an derselben Stelle lieferte die Entdeckung einer Reihe von acht Ziegelsockeln, die etwa 13 Fuß vom alten Gebäude von Ur-Ninâ entfernt liegen. Die verkohlten Überreste der Zedernholzsäulen, die diese Sockel einst krönten, sind noch sichtbar. Das wohl bekannteste Beispiel für die Verwendung der Säule in Babylonien, das die Ausgrabungen erbrachten, ist der Säulenhof in Nippur (vgl. Tafel). X). Dieser Hof ist über 48 Fuß im Quadrat groß; sein Boden besteht aus einem dicken Pflaster aus ungebrannten Ziegeln und ist über sechs Fuß tief; um drei Seiten dieses Quadrats, so erzählt uns Peters, verlief eine Art Rand, der aus einer doppelten Reihe gebrannter Ziegel bestand, aus denen vier Ziegelsäulen ragten, die rund geformt waren, aber auf Seite 162auf quadratischen Ziegelpfeilern, die etwa drei Fuß unter die Oberfläche reichten; die vierte Seite war ohne Zweifel ähnlich mit Säulen besetzt, aber fast jede Spur ihrer Fundamente wurde aufgrund der Neigung des Hügels weggespült. Auf den anderen Seiten der Plattform stehen die Säulen noch bis zu einer Höhe von etwa drei Fuß; sie scheinen sich nach oben hin verjüngt zu haben, der Durchmesser an der Basis beträgt etwas über drei Fuß. Sie wurden aus Ziegeln gebaut, die speziell für diesen Zweck hergestellt wurden: Diese Ziegel haben die Form von Kreissegmenten, deren Spitzen abgestumpft sind, und die so in der Mitte des aus diesen deformierten Segmenten zusammengesetzten Kreises entstandene Vertiefung wurde mit Ziegelfragmenten aufgefüllt. Die Segmentziegel sind gut gebrannt, wenn auch etwas spröde, und sie wurden in Mörtel gelegt. Laut Peters wurden diese Säulen sorgfältig mit einem scharfen Instrument bearbeitet, um alle unregelmäßigen Vorsprünge zu entfernen, die aufgrund der Fehlbildung eines der Ziegelbestandteile entstanden sein könnten. Die Säulen sind außerdem nicht mit mathematischer Genauigkeit angeordnet, sondern nur ungefähr gleich weit voneinander entfernt. Die Ecksäulen unterscheiden sich von den anderen dadurch, dass sie halbrund und halbquadratisch sind. Peters datiert diese Kolonnade in das zweite Jahrtausend und ordnet sie der Kassitenzeit zu. Hilprecht hingegen glaubt, dass sie ein Produkt der parthischen Zeit ist und datiert sie auf etwa 300 v. Chr. bc

Doch wurden in Nippur noch weitere Säulen gefunden, einige rechteckig und länglich, andere oval, beide jedoch aus Ziegeln, wie die Säulen im Hof. In einem Raum in einem Gebäude in der Nähe des Hofes wurden zwei in die Wand eingelassene Säulen und zwei weitere runde Säulen auf quadratischen Sockeln gefunden, wobei letztere aus vier Ziegelreihen bestanden und auf einem Fundament aus Lehmziegeln ruhten. Der Umfang dieser runden Säulen beträgt über zwölf Fuß. Im Südosten des Hofes wurden die Überreste eines weiteren Paares runder Säulen von gigantischer Größe entdeckt; der Sockel einer dieser Säulen wurde noch gefunden Seite 163in ihrer ursprünglichen Position, während die Überreste der Schäfte wahllos verstreut herumlagen. Der Durchmesser dieser Säulen an der Basis muss zwischen sechs und sieben Fuß betragen haben, also mehr als doppelt so groß wie die Säulen im Hof ​​selbst.

Tellô und Nippur sind jedoch nicht die einzigen Stätten, die Beweise für die Verwendung der Säule im Babylonien der Antike erbracht haben. Loftus stieß bei seinen Ausgrabungen am Wuswas-Hügel in Warka (Erech) auf die Überreste von sieben siebenmal wiederholten Halbsäulen,75 und zur Dekoration einer Fassade verwendet; diese Halbsäulen wurden aus halbrunden Ziegeln hergestellt. Es gibt keine Spur von Kapitell, Sockel, Gesims oder anderen Merkmalen, die Säulen normalerweise aufweisen. Sie nehmen daher einen frühen Platz in der Entwicklung der Säulenarchitektur ein, und Loftus ordnet das Gebäude, in dem sie entdeckt wurden, dem zweiten Jahrtausend zu. bc,—spätestens 1500 bc Die Ausgrabungen in Abû Adham, einem Hügel in der Nähe von Tellô, brachten ein Gebäude mit Ziegelsäulen zutage, die genau denen ähnelten, die Peters in Nippur gefunden hatte, während Taylor in Abû Shahrein (Eridu) die Überreste einer Säule entdeckte76 Sie bestand im Gegensatz zu den oben genannten aus „Platten aus Sandstein von zwanzig Quadratzoll und vier Zoll Dicke, die in kreisförmiger Form angeordnet und durch Kalk zusammengehalten wurden und das Hauptmaterial bildeten; zwischen jeder Schicht befanden sich zylindrische Marmorstücke, und das Ganze hatte eine dicke Schicht Kalk; davon wurden aufeinanderfolgende Schichten, vermischt mit kleinen Steinen und Kieselsteinen, aufgetragen, bis die gewünschte Größe und Dicke erreicht war. Ihre Basis hatte die Form einer Schüssel und ruhte auf einer Schicht sonnengetrockneter Ziegel, unter der sich wiederum feiner Sand befand.“ Zweifellos wurde die Säule in Babylonien häufiger verwendet, als man aus der geringen Zahl der Fälle schließen könnte, in denen die Ausgrabungen tatsächlich greifbare Beweise für ihre Verwendung erbracht haben, und aus der Tatsache, dass sie in Babylonien verwendet wurde. Seite 164dass Nebukadnezar im Ḳasr Säulen mit großen Volutenkapitellen auf farbigen Fliesen darstellte, zeigt, dass sie zu seiner Zeit ein vergleichsweise geläufiges architektonisches Merkmal gewesen sein müssen, trotz der Tatsache, dass, wie Koldewey hervorhebt, ihre bildliche Darstellung auf farbigen Fliesen wahrscheinlich ein künstlerischer Ersatz für die echten Dinge war, für die es anscheinend weder Platz noch Verwendung gab, da sich an jedem Ort, an dem man sie erwarten würde, einfache Türen befinden; zwei Säulenschäfte aus Palmenstämmen, die in den Boden eingesenkt und am Fuß von einer kreisförmigen, mit Asphalt und Kalk verstärkten Ziegelmauer umgeben waren, wurden jedoch tatsächlich in einem der Höfe gefunden, aber Koldewey ordnet das restaurierte Gebäude, zu dem sie gehören, der persischen Zeit zu. Im Amran77 Hügel in Babylon entdeckte Koldewey die verkürzten Überreste von 22 Ziegelsäulen, die offensichtlich Teil eines Säulengebäudes waren, aber das Datum dieses Gebäudes scheint unsicher zu sein.

Hier jedoch kommen uns die Flachreliefs zu Hilfe; in Pl. XIV Wir besitzen eine Reproduktion der berühmten Sonnengott-Tafel, die von Nabû-aplu-iddina, dem König von Babylonien in der ersten Hälfte des neunten Jahrhunderts angefertigt wurde. bc, in dem sich ein Schrein befindet, dessen Dach von einer Säule in Form eines Palmenstamms getragen wird, der wahrscheinlich mit Metallplatten überzogen war, denn schlichtes, schmuckloses Holz wäre für den Schrein von Shamash kaum geeignet gewesen, und außerdem konnten das Kapitell und der Sockel, die beide sehr ähnlich sind, diese Form nur in Metall annehmen, dem einzigen Material, das sich leicht für solche Motive eignete. Ebenso waren die gewölbte Rückwand und das Dach wahrscheinlich aus Metall, denn Holz, wie es in Babylonien erhältlich war, ließ sich nicht so leicht biegen. Aber ungeachtet dessen scheint die Säule in der babylonischen Architektur immer eine untergeordnete Stellung eingenommen zu haben.

Dies scheint auch in Assyrien der Fall gewesen zu sein: Seite 165auch dort haben die Ausgrabungen wenig dazu beigetragen, die tatsächlichen Säulen freizulegen, die von den assyrischen Monarchen verwendet wurden, und was unser Wissen über die allgemeine Form und das Aussehen assyrischer Säulen betrifft, sind wir hauptsächlich auf die Informationen angewiesen, die uns die Wandreliefs liefern. Eine weitere sehr ergiebige Quelle wäre die Reihe von Elfenbein, die im nordwestlichen Palast von Nimrûd (Calah) gefunden wurde, aber da diese entweder das Werk ägyptischer oder phönizischer Künstler sind, können die darin dargestellten Säulen kaum als Abbildungen assyrischer Säulen angesehen werden.

\"Hauptstadt
\"Hauptstadt

Abb. 13, a.—Kapitell einer großen Säule. (Ort, Ninive, Tafel 35.)

Abb. 13, b.—Kapitell einer kleinen Säule. (Brit. Mus.)

Von den Überresten tatsächlicher Säulen sind die von Victor Place in Khorsabad entdeckten Überreste wahrscheinlich am besten erhalten; sie bestehen aus dem Kapitell und einem Teil des Schafts (vgl. Abb.). 13, a) beides aus einem Stück; es ist aus Kalkstein gefertigt und das erhaltene Fragment ist etwa 100 cm hoch. Die Verzierung des Kapitells selbst ist eine Variante der Volute, ein Muster, das wahrscheinlich aus einer mehr oder weniger genauen Nachahmung der Ziegenhörner entstand und ein charakteristisches Merkmal der babylonischen und assyrischen Verzierung ist.

„Entdeckungen“

Abb.. 14.-A,vgl. Layard Entdeckungen, S. 590.
B,vgl. Layard, Mo, Ser. I, Tafel 95.
C,vgl. Botta, Ruinen von Ninive, II, S. 114.
D, E,Flachreliefs aus Kouyunjik.

Manchmal sind die auf den Flachreliefs dargestellten Säulen tatsächlich von Ziegen gekrönt (vgl. Abb. 14, G), häufiger jedoch die hornförmigen Voluten (vgl. Abb. 14, F) sind die einzigen Seite 166künstlerische Elemente, die die Assyrer aus der Tierwelt entlehnten, bei der Gestaltung ihrer Säulenkapitelle. Eine Variante des gleichen Designs ist auf den vier runden Kalksteinsockeln zu sehen, die Layard in Ninive entdeckte78 (vgl. Abb. 14, A) die einst zweifellos hölzerne Säulen stützten; der Durchmesser dieser Basen variierte zwischen elfeinhalb Zoll an der schmalsten Stelle und zwei Fuß sieben Zoll an der breitesten Stelle.

Seite 167

Manchmal sind es die Rücken von Löwen (vgl. Abb. 14, E) bildeten Sphinxen oder andere zusammengesetzte Ungeheuer die Basen der Säulen. Zwei solcher Basen in Form von geflügelten Sphinxen wurden von Layard im Südwestpalast von Nimrûd gefunden. Sie befanden sich jedoch in einem derart verfallenen Zustand, dass sie bald nach der Ausgrabung zerfielen, allerdings nicht bevor Layard eine Skizze von einer von ihnen anfertigen konnte (vgl. Abb. 14, B).

Ein interessantes Beispiel für ein Säulenkapitell ist das kleine Steinkapitell, das im British Museum aufbewahrt wird (vgl. Abb. 13, b). Es bildete wahrscheinlich den oberen Teil einer der winzigen Säulen, die eine Balustrade schmückten, und war nach seiner Fertigstellung zweifellos eine mehr oder weniger getreue Miniaturnachbildung des von Place entdeckten Kapitells in voller Größe (Abb. 13, a).

Aufgrund der Tatsache, dass die auf assyrischen Flachreliefs dargestellten Säulen und auch die spärlichen Überreste tatsächlicher Säulen, die geborgen wurden, keine Beispiele für andere Schäfte als runde,79 oder möglicherweise quadratisch (vgl. Abb. 14, C) man dachte, dass Säulen mit polygonalem Schaft unbekannt seien, aber die deutschen Ausgrabungen in Assur haben ein Kapitell einer Säule aus schwarzem Basalt ans Licht gebracht,80 zusammen mit einem Teil des Schaftes, der sechzehnseitig ist und wahrscheinlich aus der Zeit von Tiglat-Pileser I. stammt (1100 bc).

Diese Säule trug einst eine Inschrift, die aber leider abgenutzt ist. Die Überreste einer weiteren polygonalen Basaltsäule81 wurde an derselben Stelle entdeckt. Es ist achteckig und trägt eine Inschrift von Shamhsi-Adad, dem Sohn von Tiglat-Pileser I.

Zwei interessante Säulenbasen aus Kalkstein wurden auch in Ashur entdeckt,82 unter dem Ziegelsteinpflaster eines spätassyrischen Wohnhauses. Eines davon besteht Seite 168Bei einem Sockel sind ein Torus und eine dünne Oberplatte aus einem Stück gefertigt, während im anderen Fall ein Teil des Schafts mit dem Torus erhalten ist.

Den Flachreliefs zufolge waren die Ecksäulen eines Gebäudes im Allgemeinen massiver als die dazwischen liegenden Säulen (vgl. Abb. 14, C, D), ein Umstand, der nicht nur zur Stabilität des Gebäudes selbst beitrug, sondern auch zu seiner Eleganz beitrug. Doch sowohl in Babylonien als auch in Assyrien wurde die Säule häufiger als Fassadenschmuck verwendet als als tatsächliche Stütze des Bauwerks selbst. Da wir so wenig eindeutige Beweise für die Verwendung von Steinsäulen in Mesopotamien haben, scheint es wahrscheinlich, dass die Säulen in der Regel aus Holz oder Ziegeln bestanden, wobei das Verschwinden fast aller Spuren davon hinreichend durch die natürliche Zerstörbarkeit solcher Materialien erklärt werden könnte, obwohl das Verschwinden von Steinsäulen, denn solche wurden eindeutig zumindest manchmal verwendet, leicht durch die Annahme erklärt werden könnte, dass sie später als Rollen oder für einen anderen Zweck verwendet wurden.

DER BOGEN

Es wurde mit Recht gesagt, dass der Bogen zuerst von Leuten erfunden wurde, deren Baumaterialien von geringer Größe waren, und so anfechtbar diese Verallgemeinerung auch sein mag, sie trifft sicherlich auf die babylonische Architektur zu, und in etwas geringerem Maße auch auf die spätere assyrische Architektur. Strabo informiert uns, dass „alle Häuser in Babylonien gewölbt waren“ – διὰ τήν ἀξυλιαν – „wegen des Holzmangels“, XVI, 1, 5 – aber so zuverlässig oder unzuverlässig seine Aussage auch sein mag, der Mangel an Holz und Stein in der Schwemmebene von Untermesopotamien forderte zwangsläufig die Erfindungsgabe des babylonischen Architekten aufs Äußerste, als er mit dem Problem konfrontiert wurde, die Gebäude zu überdachen, die er errichtet hatte, und die verschiedenen Räume, die sie Seite 169waren dazu bestimmt, zu enthalten. Aber sein Genie scheint der Situation gewachsen gewesen zu sein und das Prinzip des Bogens als das beste und tatsächlich einzige Mittel zur Bewältigung einer ansonsten unüberwindlichen Schwierigkeit entwickelt zu haben, denn der Bau von Flachdächern war von der Existenz von Steinplatten oder Holzbalken abhängig, die gleichermaßen groß und haltbar waren, aber weder Stein noch Holz der gewünschten Art waren in Babylonien zu finden, und der Architekt wäre offensichtlich nicht in der Lage gewesen, Holz oder Stein aus den entfernten Bergen zu holen, um die Räume eines gewöhnlichen Hauses zu überdachen. Seine erfinderischen Fähigkeiten wurden also durch die Dringlichkeit des Falles angeregt, und das Ergebnis, das diese kombinierten Faktoren hervorbrachten, ist im frühen Erscheinungsbild des Bogens zu sehen, der zwar in Bezug auf seine Struktur grob war, aber dennoch dieselben Prinzipien beinhaltete, nach denen alle Bögen gebaut sind.

Die frühen Bögen in den Grabgängen in Ägypten verdanken ihren Ursprung vermutlich der Entfernung des unteren Teils der Stützmauern, die errichtet wurden, um zu verhindern, dass die Seitenwände der Gänge einstürzen: Solche Stützmauern erfüllten natürlich ihre Funktion, nämlich zu verhindern, dass die Seitenwände einstürzen, verfehlten jedoch ihren eigenen Zweck, indem sie den Gang vollständig blockierten und ihn somit vollkommen nutzlos machten. Dementsprechend wurde der untere Teil der Stützmauer entfernt, während der obere Teil stehen blieb und tatsächlich einen rudimentären Bogen bildete. Es ist möglich, dass der babylonische Bogen seinen Ursprung ähnlichen zufälligen Umständen verdankt. Es ist jedoch vielleicht wahrscheinlicher, dass der Ursprung der bogenförmigen Struktur, wenn nicht die Entdeckung des Bogenprinzips, auf die besondere Form der einheimischen Schilfhütten zurückzuführen ist, die zweifellos eine große Ähnlichkeit mit denen hatten, die heute im Euphrattal allgemein verwendet werden. Diese Ansicht wird von Heuzey vertreten und ist die, der Hilprecht zustimmt.

\"Früh
\"Bogen

Abb. 15. – Früher T-förmiger Bogen in Nippur.
(Vgl. Hilprecht, Erkundungen, p. acht.)

Abb. 16. – Bogen von Tellô.
(Vgl. Dez. in Chald., Pl. 57 (bis), 1.)

Seite 170

Die meisten der antiken Gebäude Babyloniens sind dem Zahn der Zeit und dem Klima zum Opfer gefallen und haben uns daher nur sehr wenig Material für das Studium der babylonischen Architektur hinterlassen. Die Dächer der Gebäude und der darin befindlichen Räume gibt es schon lange nicht mehr, und wir können daher nur Theorien über die allgemeine Art der Dachdeckung aufstellen. Die unter den Gebäuden angelegten Abflüsse und Aquädukte sind jedoch glücklicherweise erhalten geblieben und erzählen ihre Geschichte. Unser Wissen über die frühe Existenz des Bogens in Babylonien verdanken wir hauptsächlich diesen vergleichsweise unbedeutenden Überresten.

Einer der ältesten bisher entdeckten Bögen wurde im Zuge der Ausgrabungen von Peters, Harper, Haynes und Hilprecht in der antiken Stadt Nippur ans Licht gebracht (vgl. Abb.). 15). Es wurde in großer Tiefe unter der Oberfläche des Hügels gefunden, mehr als 22,5 Fuß unter dem Pflaster von Ur-Engur (Umlauf 2400 bc) und vierzehn Fuß unter dem von Narâm-Sin (Umlauf 2700 bc); es ist eine wahre Seite 171Der Schlusssteinbogen ist spitz zulaufend, aus gut gebrannten plankonvexen Ziegeln gefertigt, etwas über zwei Fuß hoch und mit einer Spannweite von etwa einem Fuß acht Zoll, während seine Länge etwa drei Fuß beträgt, aber es scheint wahrscheinlich, dass der Tunnel ursprünglich durchgehend gewölbt war. Die Unregelmäßigkeit seiner Konstruktion schmälert etwas die Bedeutung, die er sonst hätte, aber er ist von höchstem Interesse, da er die Tatsache bezeugt, dass das Prinzip des Bogens in dieser sehr entfernten Zeit bekannt war, wie grob die Verkörperung dieses Prinzips auch sein mag. Die plankonvexen Ziegel, aus denen dieser Bogen besteht, messen 12 × 6 × 2 1/2 Zoll und tragen auf ihrer konvexen Seite den Abdruck von Fingerabdrücken, ein charakteristisches Merkmal vorsargonischer Ziegel in Nippur, Tellô und anderswo, während der Ton, aus dem die Ziegel hergestellt sind, eine hellgelbe Farbe hat. Der Tunnel selbst scheint „eine Schutzstruktur für einen Abfluss“ gewesen zu sein.83 und nicht als Abfluss, denn unter dem Pflaster wurden zwei Terrakottarohre entdeckt, deren Existenz nur mit dieser Hypothese erklärt werden kann. Oben am Bogen wurden die Überreste eines weiteren Terrakottarohrs gefunden, dessen Zweck es gewesen sein muss, das eindringende Regenwasser abzuleiten und so zu verhindern, dass es durchdringt und die darunterliegende Gewölbestruktur zerstört. Das T-förmige Mittelstück, das ebenfalls aus plankonvexen Ziegeln bestand, diente zweifellos dazu, die Seiten des Bogens vor dem Einstürzen zu bewahren. Haynes informiert uns außerdem, dass in einem der Privathäuser in Nippur, das mindestens dreimal bewohnt war, der älteste der drei in den Ruinen nachweisbaren Türeingänge aus einem Segmentbogen bestand.

Ein weiterer sehr früher Bogen wurde von M. De Sarzec in Tellô entdeckt, in der Nähe des Bauwerks von Ur-Ninâ (vgl. Abb.). 16), der fast die gleiche Form hat wie der in Abb. dargestellte Nippur-Bogen. 15 und zweifellos für einen ähnlichen Zweck verwendet, während gewölbte Passagen, deren Bogen Seite 172war halbkreisförmig, wurden von Taylor entdeckt84 bei seinen Ausgrabungen in Muḳeyyer (Ur) bereits 1855.

Auch die deutschen Ausgrabungen in Fâra (Shuruppak) in den Jahren 1902 und 1903 brachten eine Anzahl runder Räume zutage, die jeweils mit einem Bogen aus horizontal überlappenden Ziegeln überdacht waren, ähnlich dem späteren Kragbogen in Nippur, der in Abb. zu sehen ist. 17, dem Hilprecht ein vorläufiges Datum von 2500 zuordnet bc Wir wissen, dass die Kuppel schon sehr früh in Babylonien erfunden wurde, dank Dr. Banks‘ Entdeckung eines ovalen Raums in der Nähe des Tempels in Bismâya, dessen untere Teile des Kuppeldachs noch vorhanden waren. Sein Alter wird durch das Datum des Tempels selbst bestätigt, das in die vorsargonische Zeit zu gehören scheint, da die Zikkurat mit den für diese Zeit charakteristischen plankonvexen Ziegeln verkleidet war und der nicht weit entfernte Töpferofen aus Ziegeln derselben Art bestand.

In späterer Zeit wurde der Bogen in Babylonien zweifellos häufiger verwendet. Ein gutes Beispiel eines spätbabylonischen Bogens wurde von den deutschen Ausgräbern am Ḳasr in Babylon entdeckt; der fragliche Bogen (vgl. Abb. 18), das römischen Charakter hat, bildet die Überdachung eines hohen Tores, das in die Befestigungsmauer eingelassen ist. Koldewey85ist der Meinung, dass die Mauer, in der sich dieses gewölbte Tor befindet, deutlich älter ist als aus der Zeit Nebukadnezars.

Aber auch Assyrien, das Babylonien in allen großen und kleinen Dingen mehr oder weniger treu nachahmte, hat den Bogen als architektonisches Mittel eingesetzt, obwohl die meisten der assyrischen Bögen, die bei den Ausgrabungen ans Licht gekommen sind, wie in Babylonien mit dem Abwassersystem verbunden sind, mit dem alle Hauptgebäude ausgestattet waren. Die besten Beispiele für einen assyrischen Bogen von gewöhnlichen Ausmaßen sind jene, die in Khorsabad gefunden wurden, dessen Tore Seite 173überdacht mit halbrunden Gewölben. Eines dieser Tore wurde von Place abgerissen, um seine Konstruktion genauer zu untersuchen. Die Höhe vom Boden bis zur Spitze des Bogens betrug 24,5 Fuß, die Breite etwas über 14 Fuß. Der Bogen war aus groben Ziegeln gebaut, die alle gleich groß waren und die gleiche Form hatten, wobei die Ziegel mit weichem Lehm zusammengeklebt waren. Das Gewölbe selbst war längst zerfallen, aber die Materialien, aus denen es gebaut war, wurden in den Ruinen entdeckt. Von den prächtig bemalten Friesen, die diese runden Öffnungen schmückten (vgl. Tafel. XXX), dazu wird im Kapitel Malerei etwas gesagt.

„Kragstein
\"Bogen

Abb. 17. – Kragbogen in Nippur.
(Vgl. Hilprecht, Erkundungen, p. acht.)

Abb. 18. – Bogen in Babylon.
(Vgl. Mitteil., 8, Abb. 1.)

Aber im Hinblick auf das Studium dessen, was man als Arch-Prinzip bezeichnen könnte, sind die unterirdischen Kanäle, die Teil des von den Assyrern verwendeten Entwässerungssystems waren, von größerer Bedeutung. Diese Aquädukte findet man in allen Palästen, sowohl in Nimrûd als auch in Kouyunjik, aber Khorsabad lieferte die am besten erhaltenen Beispiele und bot daher das wertvollste Material für die sorgfältige Untersuchung dieser architektonischen Erfindung. In Seite 174Khorsabad, Place entdeckte mehrere gewölbte Abflussrohre unterschiedlicher Form, einige davon waren rund, andere elliptisch, während andere wiederum spitz zulaufend waren, aber anscheinend waren die Steine ​​oder Ziegel in jedem Fall schräg angeordnet, so dass jede Reihe von der vorhergehenden Reihe gestützt wurde und so der Druck auf die Mitte des Bogens auf ein Minimum reduziert wurde. Bei den von Place gefundenen spitz gewölbten Aquädukten handelt es sich bei den betreffenden Bögen nicht um echte Schlusssteinbögen, tatsächlich haben sie keinerlei Schlusssteine, wie in den Abbildungen zu sehen ist. 19, 20; dieser gewölbte Abfluss misst vier Fuß und acht Zoll vom Boden bis zur Mitte des Gewölbes, seine Breite beträgt Seite 175etwa drei Fuß und neun Zoll, während seine ursprüngliche Länge leider unbekannt ist, obwohl es Place gelang, sie auf etwa zweihundertzwanzig Fuß zu verfolgen. Der Boden bestand aus großen Kalksteinplatten, die in Asphalt eingelassen waren, während die Enden der Steinplatten auf beiden Seiten über die Wände des Gewölbes hinausragten. Der abgerundete Bogentyp ist in Abb. zu sehen. 21; es ist halbkreisförmig und besteht aus drei Keilsteinen auf jeder Seite, die zusammen mit dem Schlussstein insgesamt sieben ergeben, aber aufgrund einer Fehlberechnung scheint der Schlussstein zu klein gewesen zu sein, wodurch zwischen ihm und dem oberen Keilstein auf der rechten Seite eine Lücke entstand, die mit einem Steinkeil ausgefüllt wurde, der auf der Abbildung zu sehen ist. Seine Breite und Höhe variieren an verschiedenen Stellen, an einigen Stellen soll er breit genug sein, dass zwei Männer nebeneinander darin gehen können.86 Der Boden bestand aus Kalksteinplatten, die in Asphalt verlegt waren, genau wie der Boden des oben beschriebenen Spitzbogens. Ein ellipsenförmiger Bogen, der ebenfalls in Khorsabad gefunden wurde, ist in Abb. dargestellt. 22: Es besteht aus acht Keilsteinen und einem Schlussstein, dessen Lücke auf beiden Seiten mit zwei Steinkeilen ausgefüllt ist. Dass die Schlusssteine ​​nicht groß genug waren und diese zusätzlichen Keile deshalb notwendig waren, kann daran liegen, dass die Architekten das Schrumpfen der Ziegel nicht berücksichtigt hatten.

„Kragstein
„Kragstein

Abb.. 19. (Ort, Neunveh, Tafel 38.)

Abb.. 20. (Ort, Neunveh, Tafel 38.)

„Kragstein
„Kragstein

Abb.. 21. (Ort, Neunveh, Tafel 39.)

Abb.. 22. (Ort, Neunveh, Tafel 39.)

In Bezug auf die gewölbten Strukturen in Nimrûd (Calah) sagt Layard, er habe einen gewölbten Raum und mehr als einen Bogen gefunden. Er erzählt uns, dass „der Bogen nach dem bekannten Prinzip gewölbter Dächer konstruiert wurde, wobei die Ziegel seitlich, einer gegen den anderen, platziert wurden und wahrscheinlich von einem Rahmen gestützt wurden, bis das Gewölbe fertiggestellt war.“ Die Kenntnis des Prinzips kuppelförmiger Dächer in Assyrien wie auch im Mutterland wird sowohl durch die Entdeckung von Räumen belegt, deren Ausmaße jede andere Art von Gewölbe unmöglich gemacht hätten. Seite 176der Überdachung unmöglich, und auch durch die Darstellungen auf assyrischen Flachreliefs, wie wir bereits gesehen haben.87

\"Feige.
\"Feige.

Abb.. 23. (Nach Andrae.)

Abb.. 24. (Nach Taylor.)

Das Bogenprinzip ist auch in einigen babylonischen und assyrischen Gräbern verankert. Da es in diesem Band keine andere Möglichkeit gibt, die Begräbnisstätten der Babylonier und Assyrer zu besprechen, ist es vielleicht zulässig, hier eine kurze und allgemeine Beschreibung von ein oder zwei der am besten erhaltenen dieser Grabgewölbe zu geben. In Muḳeyyer (Ur) fand Taylor eine Reihe von Bogengewölben (vgl. Abb.). 24), die in den meisten Fällen etwa 5 Fuß hoch und 3 Fuß 7 Zoll breit waren, während sie unten etwa 7 Fuß und oben 5 Fuß lang waren. Der Bogen besteht aus aufeinanderfolgenden Schichten überlappender Ziegel. Es ist interessant, die von Andrae in Ḳalat Sherḳat (Ashur) entdeckten Grabgewölbe zu vergleichen, von denen eines der am besten erhaltenen in Abb. zu sehen ist. 23.88 Dieses Gewölbe wurde etwa 16 Fuß unter dem Boden einer parthischen Tür in der Nachbarschaft und über 13 Fuß unter einem späteren assyrischen Pflaster entdeckt. Zum Zeitpunkt seiner Erbauung befand sich das Gewölbe offenbar etwa 9 Fuß unter der Erdoberfläche. Seite 177Die senkrechten Wände, die die Seiten des unteren Teils des Grabes bilden, stehen auf einem Ziegelpflaster, wobei die Ziegel etwa 10 1/2 Zoll im Quadrat und fast 2 1/2 Zoll dick sind. Die Höhe dieser senkrechten Wände beträgt ungefähr 30 1/2 Zoll und die Ziegelschichten, die jeweils die Nummer 13 enthalten. Das Gewölbe selbst, das natürlich dort beginnt, wo die senkrechten Wände aufhören, ist mehr oder weniger oval geformt, hat eine Spannweite von 5 Fuß 2 Zoll und ist 2 Fuß 11 Zoll hoch, sodass die Gesamthöhe des Grabes vom Boden bis zur Spitze des Bogens fast 5 1/2 Fuß beträgt. Der Bogen, auf dessen Konstruktion offensichtlich viel Sorgfalt verwendet wurde, bestand aus 23 Schichten quasi keilförmiger Ziegel, von denen jede einem abgeschnittenen Kreissegment ähnelte. Die Zwischenräume zwischen den Schichten wurden mit Steinen, zerbrochenen Lehmstücken und Lehmmörtel ausgefüllt. Die Außenseite des Gewölbes wurde mit Lehm beschichtet, die Innenseite jedoch schlicht gelassen. Die Wände an beiden Enden neigen sich nach innen, sind getrennt vom Bogen gebaut und auch ziemlich höher. Der Zugang zum Grab von außen erfolgt über einen schrägen und etwas gewundenen Eingangsschacht, der dicht an der Westwand errichtet wurde und in dem sich eine kleine gewölbte Öffnung befindet. Die Schwelle dieser Öffnung, die mit losen Ziegeln ausgefüllt wurde, liegt 1 Zoll über dem Boden des Grabes. In der Ostwand wurde die übliche Nische gefunden, deren Boden etwa 2 Zoll über dem Boden der Grabkammer lag. Diese Nische war etwa 35 Zoll hoch und 19 Zoll breit, während die Tiefe der Nische größer war als die der Wand, weshalb es notwendig war, eine weitere Wand an der Außenseite zu bauen, um sie zu verschließen. In der Nische eines anderen Doppelgrabs, das Andrae an derselben Stelle gefunden hatte, wurde eine Tonlampe gefunden, was hier jedoch nicht der Fall war; möglicherweise gab es in der Nische dieses Grabes einst eine Lampe, deren Verschwinden auf den Zerfall zurückzuführen ist, dem alle Gegenstände aus ungebranntem Ton durch das lange Eindringen von Feuchtigkeit ausgesetzt sind. Der Eingangsschacht Seite 178war 39 Zoll im Quadrat, während sein Boden auf gleicher Höhe mit der Schwelle der kleinen Öffnung in der Westwand war; 4 Fuß 2 Zoll über diesem Boden befand sich ein zweiter Boden aus Gipsblöcken, die von den Wänden des Schachts gestützt wurden. Die Zwischenräume zwischen diesen Blöcken waren mit Steinen und Lehmstücken ausgefüllt, während der obere Teil des Schachts (d. h. der Teil über diesen Blöcken), dessen Wände nur halb so dick waren wie die darunter liegenden Wände, in ähnlicher Weise bis zur Oberfläche ausgefüllt war. Der oberste Teil des Schachts war durch ein späteres Gebäude beschädigt worden. In der Gruft fand Andrae drei Skelette, von denen eines anscheinend einem Mann und die beiden anderen Frauen gehörten. Die Arme dieser Skelette standen im rechten Winkel zu den Körpern, und die Beine waren angezogen und gespreizt, während der Mann auf seiner rechten Seite und die beiden Frauen auf ihrer linken Seite lagen. In dem Grab wurden Spuren eines verrotteten weißlichen Materials gefunden, von dem Andrae glaubt, dass es sich um die Überreste von Grabtüchern handelt. Mit den Leichen wurden auch Knochennadeln und Tongefäße beigelegt. Die interessantesten Tongefäße waren drei Flaschen mit weitem Hals, von denen zwei mit dunklen horizontalen Linien verziert waren, während der Hals der dritten mit weißer Malerei auf dunklem Grund verziert war, eine Technik, die in der frühen assyrischen Zeit wohlbekannt war. Was der Inhalt der Gefäße war, wissen wir nicht; Widderknochen wurden in der Nähe der Tür und anderswo gefunden, und ohne Zweifel enthielten diese Gefäße einst Fleischopfer und Trankopfer für die Toten. In den Schichten über dem Grab gab es Hinweise auf mindestens drei verschiedene Besiedlungszeiträume, von denen zwei in die assyrische Zeit und eine in die parthische Zeit gehörten.

Die gewölbten Gräber in Ashur gehören jedoch nicht alle zur selben Zeit; einige von ihnen können der frühen assyrischen Zeit zugeordnet werden, während andere zu einem späteren Zeitpunkt errichtet wurden. Eines dieser späteren Ziegelgräber wurde von Andrae im Seite 179Frühjahr 1909.89 Der Bau dieses Gewölbes erforderte offenbar den Abriss eines früheren assyrischen Gebäudes. Die Ziegel, aus denen das Gewölbe bestand, trugen in einigen Fällen die Inschrift von Tukulti-Ninib I., aber trotz dieser Tatsache wurde das Grab selbst erst zu einem späteren Zeitpunkt gebaut. Der Zugang zum Gewölbe erfolgte über einen Eingangsschacht, dessen unteres Ende durch einen Gang mit der Tür der Grabkammer verbunden war. Wenige Zentimeter über den Trümmern des Eingangsschachts wurden die Überreste eines parthischen Gebäudes entdeckt. Der Gang war vollständig zerstört, obwohl die Form der verschobenen Ziegel zu dem Schluss führte, dass er mit einem Tonnengewölbe überdacht war. Die gewölbte Tür zum Grabraum, die fast 4 Fuß hoch ist und eine Spannweite von etwa 22 Zoll hat, besteht aus sehr kleinen Ziegeln von 1 x 2 Zoll. Es ist in eine der kleinen Wände des Grabraums eingebaut und die Schwelle besteht wie die anderen Teile aus Ziegeln.

Die Ziegel, aus denen das tonnengewölbte Dach der Grabkammer besteht, sind 11 3/4 Zoll im Quadrat und 2 3/8 Zoll dick. Am anderen Ende der Grabkammer befindet sich eine kleine gewölbte Tür, die in einen anderen Raum führt, der ebenfalls tonnengewölbt ist. Dieser letztere Raum, der fast 5 Fuß lang und 35 1/2 Zoll breit ist, ist mit weniger Sorgfalt und Regelmäßigkeit gebaut als die Hauptgrabkammer. Die Seitenwände des angeschlossenen Raums sind 5 1/8 Zoll dick, aber die Dicke der Rückwand beträgt nur 2 Zoll. Die Schwelle der Eingangstür zur Hauptgrabkammer ist 20 3/4 Zoll niedriger als der Belag des Eingangsschachts und fast 19 Zoll über dem Boden der Grabkammer. Im Inneren wurden sowohl Asphalt als auch Gips in großem Umfang verwendet.

Nordöstlich der Eingangstür befand sich eine Lampennische, 3 Fuß 11-1/4 Zoll über dem Boden, mit den Abmessungen 12-1/2 x 13-3/4 Zoll und einer Tiefe von 12-1/2 Zoll. In dieser Nische wurden drei Terrakotta-Töpfe entdeckt, und Seite 180Andrae glaubt, dass diese Töpfe wahrscheinlich als Lampen verwendet wurden. Die Grabkammer enthielt zwei badewannenförmige Sarkophage, von denen einer 6 m lang, 7 cm breit und 1 cm hoch war, während der andere knapp über 2 m lang, 28 cm breit und 18 cm tief war. Die Deckel beider Sarkophage waren leicht gewölbt und fest zementiert. Das obere Ende eines der Deckel trug die groben Umrisse zweier Blumen.

Auf dem Ziegelboden des Anbaus lag das ausgestreckte Skelett eines Mannes, während in einem der Sarkophage vier Schädel und drei Skelette gefunden wurden. Zwei der Skelette gehörten Männern, aber das dritte und am besten erhaltene war das einer Frau, während das Skelett, zu dem der vierte Schädel gehörte, nicht gefunden wurde. Die Grabbeigaben waren von gewöhnlicher Art und bestanden hauptsächlich aus Terrakotta-Schalen und -Vasen, Kupferarmreifen und Glasperlen.

„Zikkurat“
„Tatsächlich“
Abb. 24 A.– Zikkurat auf einem assyrischen Flachrelief.Abb. 24 B.— Tatsächliche Überreste der Zikkurat in Khorsabad. (Nach Ort.)

Seite 181

KAPITEL VI - SKULPTUR

ADas Kapitel über Skulptur gliedert sich naturgemäß in zwei Teile, von denen der eine sich mit den Werken beschäftigt, die rund gearbeitet sind, und der andere mit denen, die als Relief oder durch Einschnitt auf einer flachen Oberfläche gefertigt sind. In letzterem Bereich haben sich sowohl die Babylonier als auch die Assyrer hervorgetan, und ihre Meisterwerke gehören zur Kategorie der Flachreliefs. Es ist daher nicht unpassend, dass eine Betrachtung ihrer Flachreliefs einer Behandlung ihrer Rundwerke vorausgeht.

Seite 182

„Basreliefs“

Abb.. 25.

A,Musée du Louvre. (Vgl. Kat., S. 77, Nr. 1; Dez. in Chald., Pl. 1 (bis).)
B, C,Musée du Louvre. (Vgl. Kat., S. 87, 89, Nr. 5; Dez. in Chald., Pl. 1 (bis, tert).)
D,(Von Hilprecht, Erkundungen, p. acht.)
E, F.(Von Altes Baby. Inscr., II, Tafel XVI.)

Flachreliefs

Das Flachrelief war der beliebteste und zweifellos erfolgreichste Ausdruck des künstlerischen Genies der Babylonier und Assyrer von den frühesten bis zu den spätesten Zeiten. Ihre ersten Versuche in dieser Richtung waren in der Tat primitiv, aber das ist ein Fehler, der den Anfängen jeder Kunst eigen ist. Eines der ältesten Flachreliefs, das bei babylonischen Ausgrabungen freigelegt wurde, ist in Abb. reproduziert. 25, A. Wir haben hier die Darstellung eines Mannes, der offenbar mit einem Akt der Anbetung beschäftigt ist oder eine unbekannte Zeremonie durchführt. Seine großen, mandelförmigen Augen sind als Vollgesicht dargestellt, seine Adlernase steht auf eine insgesamt aggressive Art hervor, sein langes Haar hängt über seinen Rücken, während ein Haarband seinen Kopf umgibt, aus dem zwei lange Federn hervorragen; diese Federn zieren manchmal die Köpfe asiatischer Fürsten, die auf frühen ägyptischen Monumenten dargestellt sind. Seine ansonsten nackte Büste wird durch das Vorhandensein eines etwas langen Barts etwas aufgelockert, und seine Kleidung besteht aus dem typisch sumerischen quadratischen Schal, der rockartig angeordnet ist. Seite 183Mit seiner linken Hand umklammert er einen der drei heiligen Pfähle, vor denen er steht: Die Pfähle sind mit einem Knauf gekrönt, der in seiner Form mehr oder weniger den frühbabylonischen Keulenköpfen entspricht. Die Inschrift, die in sehr altertümlichen Strichbuchstaben geschrieben ist, die teilweise noch Spuren ihres bildlichen Ursprungs aufweisen, enthält eine Liste von Opfergaben sowie eine Erwähnung des Gottes Nin-girsu und seines Tempels E-ninnû. Diese älteste Skulptur wurde von De Sarzec an der Stelle der ältesten Gebäude in Tellô gefunden. Sie besteht aus weißem Kalkstein und ist etwa sieben Zoll hoch.

Zwei der Fragmente eines anderen, sehr archaischen Flachreliefs, das in derselben Gegend gefunden wurde, sind in den Abbildungen zu sehen. 25, B, C. Bei allen in diesen beiden Fragmenten dargestellten Gesichtern sehen wir die gleiche markante Nase und die gleichen großen, rautenförmigen Augen, die bereits erwähnt wurden, aber in anderer Hinsicht unterscheiden sie sich von dem in Abb. dargestellten Typ. 25, A. Das auffälligste und wahrscheinlich bedeutendste Individuum der vorliegenden Gruppe befindet sich am linken Ende der Abb. 25, B. Seine Bedeutung wird durch die übermäßige Länge seines langen Haares und durch das Hakenzepter, das er auf seiner Schulter trägt, wahrscheinlich als Zeichen seiner königlichen Attribute, deutlich. In seiner linken Hand hält er etwas, das wie ein Filet aussieht, das er dem treuen Krieger präsentiert, der mit einer Lanze in der Hand vor ihm steht. Auf dem anderen Fragment (Abb. 25, C) Wir haben zwei andere Typen dargestellt, einer zeichnet sich durch üppiges Haar und üppigen Bart aus, der andere zeichnet sich durch völlige Haarlosigkeit auf Kopf und Gesicht aus. In beiden Fällen sind sie auf die gleiche Weise gekleidet, ihr einziges Kleidungsstück besteht aus einem kurzen Rock, dessen unterer Teil auf höchst archaische Weise durch eine Reihe zungenförmiger Streifen dargestellt wird und dessen oberer Teil mit archaischen Strichen versehen ist, während ihre Hände in einer Haltung unterwürfigen, wenn nicht gar unterwürfigen Gehorsams vor der Brust gefaltet sind. Das Warum und Weshalb Seite 184Der Grund für das Fehlen von Haaren auf Kopf und Gesicht einer dieser Figuren ist natürlich unbekannt, aber M. Heuzey legt mit einiger Plausibilität nahe, dass die Figur aufgrund ihres priesterlichen Charakters so dargestellt wird. Beide Fragmente waren einst Teil einer runden Fassung, die wahrscheinlich als Stütze für einen Votivstab oder eine Votivwaffe diente. Sie sind aus hartem Kalkstein und wurden inmitten der Trümmer eines Gebäudes aus der Zeit vor Ur-Ninâ gefunden.

In Abb. 25, F, wir haben eine Reproduktion einer frühen Votivtafel aus Kalkstein aus Nippur,90 im oberen Register bringt ein nackter und glattrasierter Anbeter einem sitzenden, bärtigen Gott ein Trankopfer dar, wobei das Ganze doppelt dargestellt ist. Darunter folgen einer Ziege und einem Schaf zwei Männer, von denen einer ein Gefäß auf dem Kopf trägt und der andere einen Stock in der rechten Hand hält, während beide in den üblichen sumerischen Rock gekleidet sind. Eine weitere interessante Votivtafel (vgl. Abb. 25, E) aus Nippur zeigt uns eine ähnliche Szene – ein nackter Anbeter steht vor einem sitzenden Gott und bietet ein Trankopfer an, wobei der Gott auf der linken Seite umgekehrt ist, aber das einzigartige Interesse an diesem Fragment liegt in der unten dargestellten Pflugszene; wir sehen einen Mann, der mit einem gehörnten Tier pflügt, wahrscheinlich einer Gazelle oder einer Antilope, was darauf hindeutet, dass dieses archaische Fragment aus einer Zeit stammt, in der weder Ochse noch Esel als Arbeitstiere verwendet wurden, während ein drittes91 Flachrelief (vgl. Abb. 25, D), ebenfalls religiösen Charakters und vom selben Ort stammend, zeigt eine sitzende Göttin, die von einem Vogel begleitet wird, während vor ihr ein brennender Altar und ein brennender Kerzenständer stehen. Sie hält einen spitzen Becher in ihrer rechten Hand und hinter ihr sehen wir einen Priester mit langem Bart, der einen glattrasierten Anbeter, der eine Ziege in seinem rechten Arm trägt, in die Gegenwart der Göttin führt.

\"Feige.

Abb.. 26.–Musée du Louvre. (Kat. S. 81, 96; Dez. in Chald., Pl. 1 tert, 2 bis.)

Seite 185

Die außerordentliche Beliebtheit der sogenannten Flachrelief-Bildhauerei bei den Sumerern wird eindrucksvoll durch ihre Verwendung zur Verzierung von Streitkolbenköpfen und anderen Objekten veranschaulicht; in Abb. 26, B haben wir einen großen Keulenkopf aus hartem weißem Kalkstein, siebeneinhalb Zoll hoch und mit einem Durchmesser von etwas über sechs Zoll. Das Dekorationsschema hat die Form einer Prozession von Löwen, sechs an der Zahl, die alle in die gleiche Richtung gehen und jeweils ihre Zähne in den Rücken des vor ihnen gehenden Löwen schlagen. Die Körper der Löwen sind seitlich dargestellt, aber die Köpfe mit den riesigen Augen sind von vorne zu sehen. Diese Löwen sind trotz ihrer Rohheit bereits überraschend naturgetreu; ​​die Spitze des Keulenkopfes (A) ist nicht schmucklos geblieben, sondern wurde vom Bildhauer gut genutzt, der den heraldischen Löwenadler von Lagasch in die glatte Oberfläche geschnitzt hat. Es trägt eine Inschrift von Mesilim, dem König von Kisch, von dem aus einer anderen Inschrift bekannt ist, dass er einige Zeit vor der Gründung der ersten Dynastie von Lagasch durch Ur-Ninâ, in dessen Nachbarschaft dieser Streitkolbenkopf steht, im Land florierte und herrschte. Seite 186wurde tatsächlich gefunden, wenn auch auf einem etwas niedrigeren Niveau.

Tafel XII

\"Portion

Musée du Louvre: Dez. en Chald., Pl. 3, ii.

Teil der Geier-Stele von Eannatum, Patesi von Lagasch

Wir kommen nun zur Zeit von Ur-Ninâ, deren interessantestes Denkmal, zumindest aus bildlicher Sicht, die in Abb. wiedergegebene Skulptur ist. 26. Dieses Relief, das in zwei Register unterteilt ist, stellt uns Ur-Ninâ, seine Familie und seine Höflinge vor. Der König selbst ist von kolossaler Größe, was zweifellos auf seine enorme Macht hinweist; im oberen Register ist er stehend dargestellt, seine linke Hand ruht auf seiner nackten Büste, wie im unteren Register, während er mit seiner rechten Hand einen Korb balanciert, der, wie M. Heuzey angemerkt hat, wahrscheinlich eher den Lehm und die Grundsteine ​​für den Tempel von Nin-girsu enthält als Opfergaben für den Gott. Diese Ansicht wird weiter durch die Inschrift gestützt, die neben der Figur des Korbträgers steht und deren erste Zeile eine Erwähnung des Tempels von Nin-girsu enthält. Ur-Ninâ wird so als Diener seines Gottes dargestellt, und die Ehre, die der niederen Aufgabe, mit der er beschäftigt ist, zukommt, kann daran gemessen werden, dass er anscheinend allein für würdig befunden wird, während seine Söhne und Anhänger lediglich daneben stehen und ihre Hände in ehrfürchtiger Haltung gefaltet haben. Unten ist der König in einer bequemeren und häuslicheren Haltung zu sehen, obwohl er auch hier seinen religiösen Pflichten nachzukommen scheint; er hebt seinen Becher, um entweder zu Ehren der Götter anzustoßen oder ein Trankopfer darzubringen, aber in beiden Fällen muss die Aufgabe weniger mühsam und möglicherweise angenehmer gewesen sein als die, die ihn im oberen Register beschäftigt. Mit einer Ausnahme sind alle Köpfe und Gesichter haarlos und alle sind in den sumerischen kurzen Wollrock gekleidet, obwohl der Rock des Königs mehr Volants hat als die seiner Höflinge, wie es sich für Könige gehört. Die Art der Kleidung, die hier sowie auf der Geierstele und auf so vielen der frühen sumerischen Skulpturen zu finden ist, wurde „Kaunakes“ genannt. Die Figur unmittelbar vor dem stehenden König im oberen Register unterscheidet sich von Seite 187die anderen nicht nur dadurch, dass sie größer sind und einen Rock tragen, der dem Gewand des Königs ähnelt, sondern auch dadurch, dass sie langes Haar haben. Die Meinungen gehen darüber auseinander, ob wir in dieser Figur die Tochter des Königs zu sehen haben oder ob es sich hier im Gegenteil um ein Porträt des ältesten Sohnes des Königs handelt, wie sowohl Heuzey als auch Radau meinen, und zur Unterstützung ihrer Ansicht wurde treffend darauf hingewiesen, dass es unwahrscheinlich sei, dass einer Frau zu dieser Zeit eine so führende Rolle zugewiesen wurde; das Kleid unterscheidet sich von dem von Ur-Ninâ, indem es über die linke Schulter hängt, und erinnert in dieser Hinsicht an Eannatums Mantel auf der Geierstele (vgl. Tafel. XII). Das runde oder quadratische Loch in der Mitte vieler dieser frühen Plaketten war ohne Zweifel dazu bestimmt, als Fassung für einen Votivstab oder eine Waffe zu dienen, und die mit solchen Löchern versehenen Plaketten müssen dementsprechend horizontal und nicht vertikal platziert worden sein. Auf Ur-Ninâ folgte Akurgal, der wiederum Eannatum Platz machte, dessen berühmte Siegesstele wir nun betrachten.

Dieses Denkmal wurde leider nicht intakt und vollständig gefunden, aber sechs Fragmente, einige klein, andere verhältnismäßig groß, aber alle sehr interessant, wurden in Tellô von M. de Sarzec ausgegraben. Die auf den erhaltenen Fragmenten dieser berühmten Stele dargestellten Szenen und Ereignisse sind sowohl aus religiöser als auch aus historischer Sicht aufschlussreich. In Pl. XII wir haben eine Reproduktion des vielleicht interessantesten dieser Fragmente. Die Szene ist hier in zwei Register unterteilt, in denen die Truppen von Eannatum im aktiven Dienst zu sehen sind. Der König führt die Vorhut persönlich und zu Fuß an; über seinem Kopf ist der Titel „Eroberer für den Gott Nin-girsu“ eingraviert. Seine Kleidung besteht aus dem „Kaunakes“-Rock, auf den bereits angespielt wurde, während darüber ein Mantel hängt, der über der linken Schulter hängt und unter dem rechten Arm hindurchgeht. Sein Kopf wird durch einen Helm geschützt, der wie die seiner Krieger oben spitz zuläuft, sich aber von dem seiner Krieger unterscheidet. Seite 188Sie sind mit Ohrstöpseln ausgestattet; sein langes Haar hängt größtenteils über seinen Rücken, ein Teil davon ist jedoch hochgesteckt und durch ein Band am Hinterkopf zusammengebunden. In seiner rechten Hand hält er eine Art Bumerang.

Seine Truppen sind in einer keilförmigen Formation aufgestellt, und wenn diese Darstellung beabsichtigt ist, ist sie ein überraschendes Zeugnis für die militärischen Taktiken, die die Sumerer zu diesem sehr frühen Zeitpunkt erreicht hatten, aber es kann auch einfach an der Unkenntnis der Perspektive seitens des Künstlers liegen. Ihre Angriffswaffen bestehen aus Lanzen von etwa sechs bis acht Fuß Länge, während sie zur Verteidigung große rechteckige Schilde tragen, die ihren ganzen Körper vom Hals bis zum Knöchel bedecken. Sollte es irgendwelche Zweifel am Schicksal dieser Armee von Eannatum geben, würden diese sofort durch einen Blick auf die Füße der kämpfenden Truppen zerstreut, die rücksichtslos auf den liegenden Körpern ihrer besiegten Feinde herumtrampeln.

Darunter sehen wir eine weitere Schlachtszene: Der König führt seine Truppen erneut in die Schlacht, doch hier sitzt er in seinem Streitwagen, seine Kleidung ist identisch mit der, die er in der oberen Hälfte dieses Reliefs trägt, und in seiner rechten Hand hält er einen Bumerang ähnlich dem, mit dem er oben bewaffnet ist, doch in seiner linken Hand hält er einen langen Stab, dessen Ende aufgrund des schlechten Erhaltungszustands dieses Teils der Skulptur leider nicht sichtbar ist. Zweifellos war die Spitze dieser gewaltigen Waffe jedoch einst in unmittelbarem Kontakt mit dem rasierten Kopf eines besiegten Feindes, während vor ihm ein Köcher voller Pfeile liegt.

Seite 189

\"Feige.

Abb.. 27.—Musée du Louvre.

A, B. (Vgl. Kat., S. 105, 107.)
C. (Vgl. Kat., S. 123; Dez. in Chald., Tafel 5, bis.)

Seine Anhänger sind in diesem Fall mit einer langen Lanze und einer Streitaxt bewaffnet, werden aber durch keine Schilde geschützt, obwohl ihre Köpfe mit den gleichen konisch geformten Helmen bedeckt sind und sie in die bekannten „Kaunakes“-Röcke gekleidet sind. Vielleicht sehen wir in diesen Truppen eine Abteilung der persönlichen Leibwache des Königs. Was Seite 190Was bei dieser Skulptur sofort auffällt, ist der außerordentliche Gegensatz zwischen der Grobheit der Kunst auf der einen Seite und der aufwendigen Ausrüstung und Aufstellung von Eannatums Armee auf der anderen Seite. Daraus wird deutlich, dass die Sumerer zu dieser Zeit ihre Energie eher auf dem Schlachtfeld verbrauchten als sich den friedlichen Künsten zu widmen.

Ein weiteres Fragment dieser bemerkenswerten Skulptur ist in Abb. wiedergegeben. 27, A. Wir haben hier einen wahren Haufen übereinander gestapelter Leichen. Sie sind völlig nackt, und ihre Köpfe sind rasiert, im scheinbaren Gegensatz zu den Truppen von Eannatum. Die Körper sind ausgestreckt und so angeordnet, dass der Kopf eines jeden auf gleicher Höhe mit den Füßen des nächsten Nachbarn liegt; zwei Gestalten, in kurze, altertümlich gefranste Röcke gekleidet, klettern diesen Haufen an einem Seil hinauf; mit der freien Hand balanciert jeder von ihnen einen Korb auf dem Kopf, der Opfergaben für die Gefallenen enthalten könnte, wahrscheinlicher aber Erde, mit der ihre Leichen begraben werden. Es ist umstritten, ob diese übereinanderliegenden Leichen die gefallenen Krieger von Eannatums Armee oder die geschlagenen Feinde von Lagash darstellen; aber die Tatsache, dass die Körper nackt sind, und die weitere Tatsache, dass in keiner der babylonischen oder assyrischen Schlachtszenen ein einziges Beispiel eines getöteten Kriegers aus der Armee des Siegers vorkommt, und schließlich die Unwahrscheinlichkeit, dass der Künstler die Verluste von Eannatum auf so auffällige Weise und insbesondere auf einer Siegesstele hervorgehoben hat, sprechen alle gegen die erstere und für die letztere Ansicht. In diesem Fall haben wir ein eindrucksvolles Zeugnis für die Milde der Sumerer der frühesten Zeiten, da dem Feind anscheinend manchmal das Privileg gewährt wurde, seine Toten zu begraben.

In Abbildung 27 B haben wir ein weiteres Fragment dieses einzigartigen Exemplars sumerischer Kunst. Der Vertreter von Lagash ist hier in kolossalem Maßstab dargestellt; sein Kopf ist voller Haare, und von seinem Gesicht hängt ein langer Seite 191gestreifter Bart ähnlich dem, den Gilgamesch auf den Rollsiegeln trug. Möglicherweise ist diese Figur, wie Heuzey vermutet, eine Darstellung dieses Helden der babylonischen Volkssage, aber wahrscheinlich ist es ein Bild des Gottes Nin-girsu selbst. Auf jeden Fall kann es sich kaum um Eannatum handeln, da dieser auf derselben Stele glattrasiert dargestellt ist. Diese kolossale Figur umfasst in seiner linken Hand das Wappen von Lagasch, während er in seiner rechten Hand eine rundköpfige Keule hält, ähnlich der, die man auf anderen frühen Flachreliefs sieht. Vor ihm liegen mehrere Gefangene, die in einem Netz oder Käfig eingesperrt sind (vgl. Hab. I. 15); eines dieser unglücklichen Opfer hat seinen Kopf durch die Maschen seines Gefängnisses gesteckt, um dem nächsten Schlag auszuweichen, aber dieser lobenswerte Versuch scheint nicht den verdienten Erfolg gehabt zu haben, denn der Kopf der Keule ist in unmittelbarem Kontakt mit dem der betreffenden Person zu sehen. Alle hier dargestellten Figuren, ob sie nun zu Eannatums Armee oder zu der des Feindes gehören, weisen den gleichen Gesichtstyp auf, dessen markanteste Merkmale die großen mandelförmigen Augen und die Adlernase sind. Die Stele ist als „Geierstele“ bekannt und leitet ihren Namen von einem anderen Fragment ab, auf dem mehrere Geier abgebildet sind, die die Köpfe und abgetrennten Gliedmaßen der Erschlagenen stehlen. Eannatum, dessen Siege hier dargestellt sind, wurde von Enannatum abgelöst, und nach ihm bestieg Entemena, der Neffe von Eannatum, den Thron. Leider sind die künstlerischen Reliquien seiner Zeit nur wenige, aber die, die überlebt haben, sind besonders interessant. In einem nachfolgenden Kapitel (vgl. Abb. 45) werden wir der Untersuchung der Silbervase dieses antiken Herrschers etwas Raum widmen, aber hier (vgl. Abb. 27, C) Wir haben ein Exemplar der Skulptur aus seiner Regierungszeit.

Dieser kleine geformte Block, der aus einer Mischung aus Ton und Bitumen besteht und in seinem Aussehen schwarzem Stein ähnelt, wurde in der Nachbarschaft eines Ziegelgebäudes mit dem Namen Entemena gefunden. Seite 192Im oberen Register sehen wir das Wappen der Stadt Lagasch – einen löwenköpfigen Adler, der zwei Löwen umklammert, die in entgegengesetzte Richtungen blicken, was zweifellos auf die Macht hinweist, die Lagasch über die Völker von Sumer und Akkad ausübte. Wir haben es bereits auf der Geierstele gesehen, und es kommt auch auf den noch früheren Monumenten von Ur-Ninâ vor, aber ein Vergleich des hier dargestellten königlichen Wappens mit dem Wappen auf der Geierstele (vgl. Abb.) 27, B) zeigt einen deutlichen Fortschritt aus künstlerischer Sicht. Der Adler ist noch immer ausreichend stereotyp, und die außerordentliche Detailliertheit, mit der der Künstler sein Thema behandelt hat, hat den unerwünschten Effekt, es noch formeller zu machen, als es sonst wäre, aber die Löwen sind in ihrer Konzeption viel lebendiger und kräftiger als in den früheren Skulpturen. Anstatt in teilnahmsloser, lebloser Weise dahinzulaufen, winden sie sich buchstäblich im Griff ihres siegreichen Feindes, dessen Flügel sie mit ihren Zähnen zu zernagen versuchen. Darunter haben wir die Darstellung eines kauernden Kalbs oder einer Färse, deren eines Vorderbein angehoben ist, als ob es im Begriff wäre, hochzuspringen. Wie Heuzey sagt, ist die Haltung dieses Tieres wunderbar natürlich und muss nach der Natur studiert worden sein; sie erinnert sofort an die Prozession der Tiere, die auf der Silbervase von Entemena eingraviert ist (vgl. Abb.). 45). Zweifellos ist das hier dargestellte Tier ein Opfertier. Rechts von dem zentralen Loch, das so häufig in diesen frühen Skulpturen zu finden ist, steht der Anbeter von gigantischer Größe und hält einen Stab in seiner linken Hand. Er ist glattrasiert und bis zur Taille nackt, von der der übliche Kaunakes-Rock herabhängt. Der untere Teil dieses kleinen Blocks ist mit dem auf Rollsiegeln so häufig anzutreffenden Schriftrollenmuster verziert. Die Größe seiner hier dargestellten Reproduktion ist jedoch völlig unproportional zum Rest der Skulptur, und es könnte sich in diesem Fall daher um einen Wollstrang als eine andere Form der Opfergabe handeln. Die Erwähnung des Priesters Dudu, dessen Name auch auf der Seite 193Silbervase von Entemena, beseitigt jede Unsicherheit hinsichtlich der Zeit, der wir diesen kleinen Block zuordnen sollten, obwohl eine Beurteilung auf Grundlage einer Untersuchung des hier ausgestellten Kunststils ihn unabhängig davon in dieselbe Kategorie wie die Silbervase von Entemena eingeordnet hätte. Die Strichschrift, in der die Inschrift verfasst ist, ist weiter entwickelt als jene auf den Monumenten von Ur-Ninâ und Eannatum, und viele von ihnen weisen bereits die keilförmige Form auf, die für die sogenannte „Keilschrift“ charakteristisch ist.

Tafel XIII

\"Stele

Foto. Manselljalousie

Siegesstele von Narâm-Sin

Vielleicht ist genug gesagt worden, um eine allgemeine Vorstellung von den künstlerischen Vorzügen oder Nachteilen der alten sumerischen Flachreliefs der ersten Dynastie von Lagasch zu vermitteln. Die nächste babylonische Kunstschule, die besonders Aufmerksamkeit und Bewunderung erregt, ist jene, die in der Ära der Könige von Akkad oder Agade geboren wurde. In mancher Hinsicht erreichte die mesopotamische Kunst in dieser Zeit ihren Höhepunkt; weder vorher noch nachher wurde der gleiche Erfolg bei der Reproduktion menschlicher Figuren erzielt, und die Skulpturen dieser Zeit sind in mancher Hinsicht einzigartig in der Geschichte der orientalischen Kunst. Das berühmteste dieser Monumente babylonischen Genies ist in Tafel 1 abgebildet. XIII. Diese Stele, die im Zuge der bahnbrechenden Ausgrabungen von MG de Morgan in Susa gefunden wurde, wurde zur Erinnerung an einen bemerkenswerten Sieg von Narâm-Sin von Agade geschaffen. Der König ist zu sehen, wie er einen hohen Berg besteigt; hinter ihm marschieren seine treuen Krieger, die mit Speeren oder Lanzen bewaffnet sind und offenbar Standarten tragen. Der König selbst ist mit Pfeil und Bogen sowie einer Streitaxt bewaffnet, während sein Kopf durch einen gehörnten Helm geschützt ist; vor ihm kauert einer der Feinde, in dessen Nacken ein Pfeil tief eingedrungen ist, während ein anderer das abgebrochene Ende eines Speers hält. Die Figur des Königs ist voller Vitalität und Lebendigkeit und bietet einen sehr auffälligen Kontrast zu dem leblosen Konventionalismus, der für die älteren babylonischen und die späteren assyrischen Darstellungen menschlicher Wesen charakteristisch ist. Seite 194Wesen. Die ganze Szene ist voller Leben und die Wirkung wird nicht durch ein ungehöriges Missverhältnis zwischen der Figur des Königs und denen seiner Anhänger getrübt. Über dem Kopf des Königs befinden sich die Überreste einer Inschrift von Narâm-Sin, aber auf dem Kegel, der den Berg darstellen soll, den der König erklimmt, befindet sich eine siebenzeilige Inschrift mit dem Namen Shutruk-Nakhkhunte, König von Elam, was darauf hindeutet, dass die Stele von den Elamiten erbeutet worden war. Seite 195und als Trophäe nach Susa gebracht. Ein interessantes Basaltflachrelief desselben Königs wurde in der Nähe von Diarbekr entdeckt (vgl. Abb. 28 „A“). Narâm-Sin steht rechts neben der Inschrift, ist in eine Art Plaid gekleidet und trägt einen konischen Hut. Sein Bart ist lang und spitz, seine Handgelenke sind mit Armbändern umwickelt und in jeder Hand trägt er einen kurzen Stab.

"Hilprecht"

Feige. 28.—A. (Hilprecht, Altes Baby. Inscr., II, S. 63, Nr. 120.)
B, C, D, E, F, Musée du Louvre. (Vgl. Kat., S. 131, 133, 139, 151, 147; Dez. in Chald., Tafeln 5, 22, 23, 24.)

Die Überreste (vgl. Abb. 28 „B“, „C“) einer anderen sehr interessanten Stele, die etwa aus derselben Epoche oder etwas früher stammt und militärischen Charakter hat, wurden von De Sarzec in Tellô entdeckt. Im oberen Register des Fragments „B“ sieht man drei Krieger in einer Reihe vorgehen, zwei von ihnen sind Bogenschützen und tragen Köcher, die mit großen Blättern verziert sind, während vom dritten nur noch ein Bein übrig ist. Im zweiten Register sieht man einen Bogenschützen, der gerade seinen Bogen spannt; seine Haltung ist fest und ruhig, und sein Bogen ist maximal gespannt, während sein Köcher über seiner Schulter hängt; vor ihm liegt ein geschlagener Feind auf dem Rücken und im Gegensatz zu seinem Bezwinger, der in eine lange Tunika gekleidet ist, ist er völlig nackt, während seine rechte Hand flehend erhoben ist. Als nächstes kommen wir zu einem anderen Krieger, der in einen kurzen Fransenrock gekleidet ist und einen konischen Helm trägt: Mit seiner linken Hand greift er den Bart eines Feindes, der ebenso nackt ist wie sein niedergestreckter Bruder im selben Register, und seine rechte Hand ist erhoben, um seine Knotenkeule auf das Gesicht seines besiegten Gefangenen niedersausen zu lassen. Darunter ist die Figur eines anderen Kriegers, der mit einer langen Pike bewaffnet ist. In „C“ haben wir ein weiteres Fragment dieser interessanten Skulptur, in dessen oberem Register zwei Krieger zu sehen sind, die in einer Reihe marschieren; der dahinter liegende trägt eine Streitaxt auf dem Weg. Im Register darunter ist ein Krieger, der in einen kurzen Rock gekleidet ist und einen Helm trägt, mit einem niedergestreckten Feind im Kampf; einer seiner Füße ist fest im Bauch des Unglücklichen verankert, und mit seiner rechten Hand bestraft er ihn weiter mit Hilfe seiner Knotenkeule. Hinter diesen beiden Figuren haben wir eine weitere wie Seite 196dargestellte Szene; hier ist der allmächtige Krieger mit einer langen Lanze bewaffnet, die er am Hafen trägt; mit seinem rechten Arm marschiert er neben einem Gefangenen her, der viel kleiner ist als er selbst, dessen Arme auf dem Rücken gefesselt sind; der Gefangene ist nackt, wie die meisten der besiegten Feinde Sumers und Akkads, die der Bildhauer darstellte. Vom dritten Register sind nur der Kopf und der obere Teil des Bogens eines Bogenschützen übrig geblieben.

Abgesehen von dem Geist, der diese kleinen Figuren belebt, liegt der Hauptpunkt des Interesses in Verbindung mit ihnen in dem allgemeinen Schema der künstlerischen Darstellung, das hier übernommen wurde. Die siegreiche Armee wird nicht mehr dargestellt en masse wie auf der Geierstele von Eannatum, aber die vermittelte Idee und das Ereignis, an das erinnert wird, sind in beiden Fällen genau dieselben. Die alles beherrschende Idee ist die des Sieges, nur das Bild einer Phalanx bewaffneter Truppen, die die nackten Körper ihrer Feinde mit Füßen treten, ist einer Reihe ausgewählter Vorfälle einzelner Kämpfe gewichen, die nach homerischem Vorbild dargestellt werden. Diese Skulptur gehört eindeutig derselben Schule an wie Narâm-Sins Siegesstele, die jedoch wahrscheinlich etwas älter ist, da die Keilschriftzeichen auf dem zweiten Fragment archaischeren Charakters sind als jene auf den Monumenten von Shar-Gâni-sharri und Narâm-Sin. Das wenige, was von der Inschrift übrig geblieben ist, ist von erheblichem Interesse, da es eine Erwähnung der Stadt Agade enthält, dem Zentrum des von den beiden letztgenannten Königen gegründeten semitischen Reiches.

Wir müssen nun von der Epoche der semitischen Könige von Agade oder Akkad zur späteren Periode der sumerischen Zivilisation übergehen, dem Zeitalter, in dem Ur-Engur und Dungi, Könige von Ur, und Ur-Bau und Gudea, Herrscher von Lagasch, lebten und regierten. Wir können keinem dieser Herrscher ein genaues Datum zuordnen, aber sie blühten wahrscheinlich irgendwann um die Mitte des dritten Jahrtausends. bc Eines der interessantesten Flachreliefs aus dieser Zeit ist in der Abb. wiedergegeben. 28, „D“. Wir haben hier eine Seite 197Darstellung eines auf einem Thron sitzenden Gottes. Er trägt einen langen, eckigen Bart und auf seinem Kopf sitzt die gehörnte Kappe, die die Göttlichkeit symbolisiert; sein Mantel bedeckt fast seinen ganzen Körper, nur der rechte Arm ist ausgenommen. Der Kopf, der in seiner Kontur und seinem allgemeinen Erscheinungsbild an die Köpfe der geflügelten, menschenköpfigen Löwen und Stiere der Assyrer erinnert, die etwa fünfzehn oder sechzehn Jahrhunderte später entstanden (vgl. Tafel XXV), ist wie diese mit vollem Gesicht dargestellt, der sitzende Körper ist im Profil geformt; in seiner linken Hand hält der Gott ein Zepter, dessen Ende wie ein Blatt geformt ist. In Abb. 28, „E“, haben wir eine Reproduktion des wahrscheinlich größten Fragments eines frühbabylonischen Flachreliefs, das es gibt. Es wurde in Tellô ausgegraben und ist etwa vier Fuß lang. Der obere Teil des Reliefs zeigt eine Prozession von vier Figuren, die offenbar im Dienste der Götter stehen, während darunter eine sitzende Figur zu sehen ist, die ein kunstvolles Instrument mit elf Saiten spielt, dessen unterer Teil des Rahmens mit einem gehörnten Kopf und der Figur eines Stiers verziert ist. Dieses Relief scheint Teil einer Steinfassung gewesen zu sein.

Wie zu erwarten war, bestand das Material für die meisten babylonischen und später auch assyrischen Flachreliefs aus Kalkstein und Alabaster, da sich diese Steinart gut mit dem Meißel prägen ließ. Manchmal wurden für diesen Zweck jedoch auch härtere Steine ​​verwendet.92 Somit ist in Abb. 28, F, wir haben eine Skizze von dem, was von einem Relief aus schwarzem Speckstein aus dieser Zeit übrig geblieben ist. Die fragmentarische Inschrift nennt uns den Namen der Göttin Ningal, die hier auf eine außergewöhnlich attraktive Weise und mit außerordentlicher Detailliertheit dargestellt ist. Ein kunstvolles Gewand bedeckt ihren ganzen Körper und eine Halskette schmückt ihren Hals; ihr Haar hängt über ihre Schultern, während die Krone ihres Kopfes von einem Band umgeben ist. Die allgemeine Technik dieser kleinen Skulptur überrascht in ihrer Naturtreue; die Haltung der Seite 198Göttin, ihr Körper ist halb gedreht und ihr linker Arm ruht nachlässig auf der Stuhllehne, sie ist lebensecht, und das Gesicht selbst ist nicht ohne seine eigene Schönheit. Die Schwierigkeit, ein menschliches Auge im Profil darzustellen, die auf der Geierstele und anderen früheren sumerischen Monumenten so schmerzhaft zum Ausdruck kommt, wo das Auge als Vollbild dargestellt ist und der Rest des Kopfes im Profil, wurde hier überwunden, und wir haben ein vollkommen natürlich konzipiertes und ausgeführtes Gesicht und einen Kopf vor uns.

Einige Jahrhunderte nach der Zeit Gudeas wurde die Stadt Babylon zum Zentrum der Hauptmacht in Südmesopotamien. Leider haben uns die Ausgrabungen keine reiche Ernte für das Studium der künstlerischen Entwicklung der Skulptur während dieser Zeit eingebracht, aber das vorliegende Material deutet darauf hin, dass es in der Zeit zwischen der späteren Dynastie von Lagasch, dem Zeitalter, in dem Gudea lebte, und der Gründung der ersten semitischen Dynastie der Stadt Babylon weitaus weniger Entwicklung gab als in der Zeit zwischen der ersten Dynastie von Lagasch und der Epoche Sargons und Narâm-Sins, der semitischen Könige von Agade.

Tafel XIV
\"Stele
\ „Die
Foto. ManselljalousieFoto, MansellBritish Museum
Stele mit eingraviertem Khammurabi
Gesetzbuch
Die Tafel des Sonnengottes

Im Pl. XIV Wir besitzen eine Reproduktion der gemeißelten Stele aus schwarzem Basalt, auf der das weltberühmte Gesetzbuch von Khammurabi, dem berühmtesten König dieser ersten Dynastie Babylons, eingraviert ist. Der König steht in ehrfürchtiger Haltung vor dem Sonnengott Shamash, von dem er die unten eingravierten Gesetze empfängt. Der König trägt ein langes Gewand, das ihm bis zu den Knöcheln reicht, doch sein rechter Arm, der in Anbetung erhoben ist, bleibt von den Falten seines Mantels frei. Die sitzende Gottheit hat ebenfalls einen langen Bart, doch ihre hohe gehörnte Kappe unterscheidet sie sofort von ihrem anbetenden Diener, während man aus seinen Schultern Feuerzungen schießen sieht, die zweifellos die Strahlen der Sonne darstellen. In seiner rechten Hand hält er den Ring und den Stab, die Herrschaft und Macht symbolisieren. Er wird in ähnlicher Weise auf der Tafel von Nabû-aplu-iddina dargestellt (vgl. Taf. XIV) Seite 199und auch auf zwei zeitgenössischen Stelen im Louvre, auf einer davon steht er. Unter seinen Füßen sind die Berge in Miniaturform dargestellt. Die auf dieser Stele erlassenen Gesetze, die heute zu den Schätzen des Louvre gehört, sind etwa zweihundertachtzig und behandeln alle möglichen Themen. Sie wurde in E-sagila, dem Tempel des Hauptgottes Marduk in Babylon, aufgestellt, damit jede geschädigte Partei sie konsultieren konnte. Wie so viele Monumente der babylonischen Antike wurde diese Stele von den Elamitern erbeutet und nach Susa gebracht, wo sie blieb, bis die französischen Ausgrabungen an dieser Stelle sie wieder ans Licht brachten.

Wie wir bereits gesehen haben93 Die Dynastie, zu der Khammurabi gehörte, wurde einige Zeit später durch eine Invasion der Hethiter beendet, eines mächtigen Bergvolkes, dessen Heimat in Kappadokien lag. Etwa ein Jahrhundert später, also um 1800 bc, ein weiteres Bergvolk, bekannt als die Kassiten, drang aus seinen Hochburgen im elamitischen Gebiet östlich des Tigris in die wehrlose babylonische Ebene ein, wo sie ihre Vorherrschaft errichteten und für lange Zeit aufrechterhielten. Leider sind die künstlerischen Relikte aus der Kassitenzeit gering und größtenteils unwichtig. In der Zwischenzeit hatten jedoch die Assyrer im Norden ihre Unabhängigkeit behauptet und schließlich (d. h. etwa 1275) bc) gelang es, Babylonien zu unterwerfen und ihre Macht über ganz Mesopotamien zu etablieren. Trotz dieser Tatsache haben wir praktisch keine Beispiele der Bildhauerkunst aus der langen Zeitspanne zwischen dem Untergang der Ersten Dynastie Babylons und dem neunten Jahrhundert. bc, und erst zur Zeit von Ashur-nasir-pal, König von Assyrien, und Nabû-aplu-iddina, König von Babylon, können wir die Arbeit des Bildhauers im Tigro-Euphrat-Tal wieder im Detail studieren. Dem ehemaligen König verdanken wir eine große Reihe von Flachreliefs, die von den Wänden seines Palastes in Nimrûd (Calah) stammen. Seite 200Letzterem verdanken wir eines der interessantesten und lehrreichsten babylonischen Flachreliefs, die es gibt (vgl. Tafel). XIV).

Eines der frühesten bisher entdeckten Exemplare eines assyrischen Flachreliefs ist das von Taylor in einem Dorf namens Korkhar gefundene, das etwa 80 Kilometer nördlich von Diarbekr liegt. Das fragliche Relief wurde in den natürlichen Felsen gemeißelt, der zu diesem Zweck im Auftrag von Tiglat-Pileser I. geglättet worden war (Umlauf 1100 bc).94 Der König wird in stehender Haltung dargestellt, sein rechter Arm ist ausgestreckt und er zeigt mit dem Zeigefinger, während er in seiner linken Hand eine Keule hält; die Gestalt und das allgemeine Erscheinungsbild des Königs sind bereits ziemlich stereotyp und zeigen nicht mehr Originalität oder Kraft als die Darstellungen der späteren assyrischen Könige. Derselbe Monarch hat uns außerdem den oberen Teil eines Obelisken hinterlassen, der zur Erinnerung an seine Heldentaten bei der Jagd errichtet wurde. Auf einer Seite davon befindet sich ein kleines Relief, auf dem Tiglat-Pileser die Unterwerfung verschiedener Vasallenhäuptlinge entgegennimmt, während über ihren Köpfen die Embleme bestimmter Gottheiten zu sehen sind, von denen das interessanteste die geflügelte Scheibe mit Menschenkopf von Assur, dem Schutzgott Assyriens, ist. Aber diese Reliefs, so interessant sie auch sind, bieten uns wenig Material, auf dessen Grundlage wir uns eine Einschätzung der bildhauerischen Fähigkeiten der Assyrer in dieser Zeit bilden könnten; die wichtigste Schlussfolgerung, die sie uns erlauben zu ziehen, ist, dass die assyrische Kunst während des Zeitraums von zweihundert oder mehr Jahren, der zwischen der Zeit von Tiglath-Pileser und Ashur-naṣir-pal verstrichen ist, weder merklich fortgeschritten noch zurückgegangen zu sein scheint. Letzterer König folgte seinem Vater Tukulti-Ninib II. als König von Assyrien (885 bc). Tukulti-Ninib hatte das gesunkene Schicksal des nördlichen Landes weitgehend wiederhergestellt und damit den Weg für die Erfolge zukünftiger Herrschaften geebnet, doch Ashur-naṣir-pal erweiterte die Macht Assyriens in Seite 201in alle Richtungen und festigte ihre Herrschaft über die von seinem Vater verkleinerten Gebiete. Es ist daher keineswegs unnatürlich, dass er den Wunsch hatte, seine Triumphe in bildlicher Form an den Wänden seines Palastes in Nimrud zu verewigen und zu verewigen, und mit seiner Herrschaft beginnt, soweit unser heutiges Material reicht, die Geschichte der assyrischen Flachreliefs.

Assyrien war in gewisser Weise die natürliche Heimat des Flachreliefs, denn es gab reichlich Alabaster und Kalkstein, deren Weichheit die Arbeit des Künstlers erleichterte und seine Schwierigkeiten auf ein Minimum reduzierte: Babylonien hingegen lieferte praktisch keinen Stein, und alles, was verwendet wurde, musste weit entfernt abgebaut und mit großem Aufwand und Mühe transportiert werden, und diese Tatsache macht die frühen Bemühungen der Babylonier in dieser Richtung umso lobenswerter und die Fertigkeit, die diese Bemühungen hervorbrachten, wie man zum Beispiel an Narâm-Sins Siegesstele sieht, umso erstaunlicher. Aber ungeachtet dessen war das Flachrelief in den nördlichen Ländern weiter entwickelt, wo es eine überaus wichtige Rolle im künstlerischen Leben der Menschen spielte. Der allgemeine Zweck dieser Flachreliefs war es, die Siege des Königs über seine Feinde und seine Eroberungen bei der Jagd zu würdigen, und nicht, einen rein ästhetischen Effekt zu erzielen. Mit anderen Worten, es handelt sich eher um bildliche Aufzeichnungen als um künstlerische Produkte, und diese Tatsache wird noch durch die Keilschrifttexte bezeugt, mit denen sie im Allgemeinen versehen sind. Gleichzeitig liefern sie jedoch Material für das Studium der assyrischen Skulptur. Die Kunst der Bildhauerei in Assyrien litt unter allen Nachteilen, die jede Kunst erleiden muss, sobald sie professionalisiert wird; ihr fehlt die Spontaneität, die die eigentliche Konnotation der Kunst ist, sie wird auf Bestellung gefertigt und kennt daher zwangsläufig keine Freiheit, sondern ist der stumpfe Sklave des Konventionalismus. Aber trotz alledem sind die Flachreliefs von Ashur-naṣir-pal Seite 202und seine Nachfolger, behindert durch die universellen Feinde der menschlichen Kunst, Professionalismus und Konventionalismus, bewahren noch immer das künstlerische Genie des Volkes, oder sperren es ein, wenn man so will, und verdienen schon aus diesem Grund unsere besondere Aufmerksamkeit.

Tafel XV

\"Basrelief\"

Foto. MansellBritish Museum
Flachrelief von Ashur-naṣir-pal

Die Reliefs, die die Wände des Palastes von Ashur-naṣir-pal in Nimrûd (Calah) bedeckten, bestehen entweder aus einzelnen Figuren von gigantischer Größe oder aus einer Reihe kleiner Szenen, die durch Keilschriftinschriften in zwei Friese unterteilt sind. In Pl. XV wir sehen Ashur-naṣir-pal, gefolgt von einem geflügelten mythologischen Wesen; beide sind mit der Durchführung einer religiösen Zeremonie beschäftigt, der König mit Pfeil und Bogen, die er in seinen Händen hält, der Diener mit dem Kegel, den er in seiner rechten Hand hält. Der halbgöttliche Charakter des geflügelten Wesens wird durch seine Kopfbedeckung belegt, die aus der gehörnten Kappe besteht, aber die Gesichter beider Figuren sind mehr oder weniger identisch, ein bedauerliches Merkmal aller assyrischen Darstellungen menschlicher oder halbmenschlicher Wesen. Die Hauptmerkmale dieses Gesichtstyps sind die großen Augen, die gebogene Nase und die Fülle an Haar auf Kopf und Gesicht. Beide Figuren sind in ein langes Gewand und einen Mantel mit tiefen Fransen gekleidet, die bis zu den Füßen reichen. Das Schuhwerk besteht aus Sandalen, die mit Riemen befestigt sind, die über den Spann und um den großen Zeh verlaufen. Die muskulösen Arme beider sind mit Armreifen geschmückt, deren Muster eine Nachbildung der allgegenwärtigen Rosette ist, die so charakteristisch für die assyrische Kunst ist. Die Kopfbedeckung des Königs besteht aus einem Helm, von dem zwei Schwänze herabhängen, und ähnelt in ihrer Gesamtheit der Mitra eines Bischofs. Sowohl König als auch göttlicher Diener tragen etwas, das wie zwei Dolche aussieht, die in ihren Gürteln stecken. Die in den Armen erkennbare Muskulatur ist im linken Bein des mythologischen Wesens noch aggressiver, das im Gegensatz zu dem des Königs freiliegt. Diese grotesk umgesetzte Vorstellung von Stärke ist nur der dekadente Nachkomme der natürlich Seite 203drückte die Kraft aus, die in den Statuen von Gudea so deutlich zu erkennen ist. Und hier kann eine charakteristische Besonderheit der assyrischen Skulptur erwähnt werden; es fällt auf, dass eine lange Keilschrift quer über das Relief gemeißelt ist und sich ihren Weg in gleichmäßiger oder ungleichmäßiger Richtung ganz unbekümmert durch Flügel, Gewänder, Körper und Hände bahnt, und es gibt kein Hindernis, das sie nicht überwinden kann, nicht einmal mit Ausnahme der breiten Fransen an den Mänteln.

Die Motive der kleineren Reliefs von Ashur-naṣir-pal sind vielfältig, drehen sich aber alle um eines von zwei Themen, das Schlachtfeld oder die Jagd. Auf einem ist Ashur-naṣir-pal von seinem Streitwagen abgestiegen und nimmt die Unterwerfung des Feindes entgegen; auf einem anderen sehen wir eine Anzahl Flüchtlinge, die auf aufgeblasenen Fellen zu einer Festung schwimmen. Hier sehen wir tributpflichtige Häuptlinge, die Opfergaben bringen, um sie ihrem gebieterischen Herrn zu Füßen zu legen, während wir weiter hinten die Bogenschützen von Ashur-naṣir-pal sehen, die in ihren Streitwagen sitzen und Pfeile auf den Feind abfeuern. Auf einem Relief ist der König selbst aufrecht in seinem Streitwagen mit voll gespanntem Bogen zu sehen; anderswo ist Ashur-naṣir-pal beim Überqueren eines Flusses dargestellt; der König ist jedoch nicht von seinem Streitwagen abgestiegen, sondern wird mitsamt Streitwagen hinübergerudert.

Eines der leuchtendsten dieser kleinen Flachreliefs ist in Pl. wiedergegeben. XVI(2). Ashur-naṣir-pal und seine Armee stürmen eine belagerte Stadt; die Stadtmauern sind nach der üblichen mesopotamischen Art mit Zinnen versehen. Unmittelbar vor den Mauern steht der bewegliche Turm, der auf sechs kleinen Rädern ruht und den Rammbock enthält, dessen Wirksamkeit man anhand der Ziegelsteine ​​beurteilen kann, die von den zerstörten Mauern fallen. Auf der Spitze des Turms sitzt ein Bogenschütze mit gespanntem Bogen, der von einem anderen Krieger mit Schild beschützt wird. Der König ist hinter dem beweglichen Turm abgebildet, wie er seinen Bogen spannt; seine Kopfbedeckung unterscheidet sich von der der Krieger, die einen konischen Helm tragen. In Pl. XVI(3)sehen wir die Krieger von Ashur-naṣirpal Seite 204siegreich vom Schlachtfeld zurückkehrend. Auf der rechten Seite des Bildes sind zwei dreispännige Streitwagen zu sehen, die beide Standartenträger tragen; über ihnen sehen wir einen Geier, der seine Beute erbeutet, die in diesem Fall aus einem menschlichen Kopf besteht, und vorn sind die Infanteristen, die sich über die blutigen Köpfe ihrer geschlagenen Gegner zu freuen scheinen, während, um die Grausamkeit der Szene zu verstärken, zwei Musiker auf Saiteninstrumenten spielen.

Ashur-naṣir-pal war jedoch auf seine Jagdsiege ebenso stolz wie auf seine Eroberungen auf dem Schlachtfeld, wie die zahlreichen Jagdszenen belegen, die er als Relief in die Wände seines Palastes meißeln ließ. In Pl. XVI(4) wir sehen Ashur-naṣir-pal, aufrecht in seinem Streitwagen, wie er mit Pfeil und Bogen einen Löwen erlegt. Der Löwe wird mit beträchtlicher Kühnheit dargestellt, und die Geschicklichkeit des Künstlers bei der Darstellung des Lebens – oder Todes, wie hier – eines Tieres ist im Vergleich mit der stereotypen Leblosigkeit des Königs bemerkenswert genug. Doch die assyrische Kunst erreicht hier nicht ihren Höhepunkt, wie wir sehen werden, wenn wir die Löwen auf Ashur-bani-pals Flachreliefs betrachten. Diese zeigen eine gewisse Feinheit im Umgang und ein Gespür für all die unendlichen Feinheiten und unterschiedlichen Nuancen, die das Kennzeichen des Lebens sind, ob tierisch oder menschlich, je nach Fall, und die in den früheren Werken anscheinend nicht empfunden oder jedenfalls nicht erfolgreich umgesetzt wurden. Die Darstellung des Löwen ist hier stark und lebensecht, doch der Betrachter kann sich nie des Bewusstseins entziehen, dass es sich um eine bildliche Darstellung handelt. er kann den Gedanken an den Bildhauer und die Vortrefflichkeit seiner Kunst nie aufgeben oder sich, und sei es auch nur für einen Augenblick, in der Wirklichkeit selbst verlieren. Doch in den Reliefs von Ashur-bani-pal kann man für einen kurzen Augenblick den Künstler und sein Werk vergessen und den Löwen selbst sehen; man kann ein schwaches Keuchen seines letzten Atemzugs hören, während er reglos daliegt, sein Körper von Pfeilen durchbohrt, und in der Auslöschung des Künstlers und des Materials, das er verwendet, erreicht die Kunst den Höhepunkt ihrer Macht.

1

Tafel XVI

„Basreliefs“

2
„Basreliefs“
3
„Basreliefs“
4
„Basreliefs“
Fotos. MansellBritish Museum
Flachreliefs von Ashur-naṣir-pal
1. Trankopfer über einem toten Stier3. Rückkehr aus der Schlacht
2. Belagerung einer Stadt4. Löwenjagd

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Doch Ashur-naṣir-pals Liebe zum Sport hielt ihn nicht von seinen religiösen Verpflichtungen ab, im Gegenteil, er scheint seine Triumphe bei der Jagd seinem Gott zuzuschreiben, denn bei seiner Rückkehr bringt er ein Trankopfer über dem Körper des Löwen oder Stiers dar, den ihm die Vorsehung in die Hände gegeben hat (vgl. Pl. XVI(1)). Der Becher, den er in der Hand hält, ähnelt dem Deckel eines Champagnerglases, während seine linke Hand in der üblichen charakteristischen Weise auf einem Bogen ruht. Vor ihm steht ein Offizier, offensichtlich von hohem Rang, denn seine Kleidung ist eine genaue Nachbildung der des Königs, aber sein Kopf ist unbedeckt und seine Hände sind ehrerbietig gefaltet. Neben diesem hohen Beamten steht ein Diener oder Eunuch mit einer Fliegenklappe, während hinter ihm ein weiterer Diener steht und schließlich zwei Musiker, die Saiteninstrumente spielen. Auf der anderen Seite des Bildes, direkt hinter dem König, steht ein Diener mit einem zeremoniellen Regenschirm, gefolgt von zwei Dienern mit Bögen auf ihren Schultern.

Obwohl Nabû-aplu-iddina, ein Zeitgenosse Ashur-naṣir-pals und König von Babylon, uns nur wenige Andenken an seine Herrschaft hinterlassen hat, verdanken wir ihm dennoch ein einzigartiges Exemplar mesopotamischen Skulptur (vgl. Tafel). XIV). Auf diese Tafel wurde bereits wegen der Erkenntnisse hingewiesen, die sie zu bestimmten architektonischen Problemen bringt. Nun bleibt uns nur noch, sie als Kunstwerk und historisches Denkmal zu betrachten. Der Text berichtet von der Restaurierung des Tempels von Shamash durch zwei Könige namens Simmash-shipak und Eulmash-shakin-shum, deren Regierungszeit irgendwann im elften Jahrhundert lag. bc Anschließend wird der Zustand beschrieben, in den der Tempel, seine Ornamente und Accessoires später gerieten; das Heiligtum des Gottes war seiner Schätze beraubt worden, die auf die eine oder andere Weise missbraucht worden waren; die Skulpturen, die die Wände schmückten, und das Bild des Gottes selbst waren von den Gottlosen misshandelt worden. All diese Nabûaplu-iddina Seite 206machte sich daran, das wieder gutzumachen; er stellte den Ruhm wieder her, den der Tempel in früheren Tagen genossen hatte, insbesondere schmückte er die altehrwürdige Statue des Gottes mit Gold und Lapislazuli, er stellte den Tempelkult in all seiner früheren Pracht und Herrlichkeit wieder her und rächte sich an den Feinden von Shamash und dem König, die diese frevelhafte Tat begangen hatten. Der König selbst feierte die Wiedereinweihung des Tempels mit einer großzügigen Gabe von Opfergaben und erließ detaillierte Vorschriften über die zeremoniellen Gewänder der Priester und die Tage, an denen sie in Zukunft getragen werden sollten. In der obigen Szene ist Shamash thronend in seinem Schrein in Sippar dargestellt, eine Scheibe und einen Stab in seiner rechten Hand haltend; die Seiten des Throns sind mit mythologischen Wesen verziert, deren Rolle darin zu bestehen scheint, den Thron zu stützen, während über und vor dem Kopf des Gottes drei astrologische Embleme zu sehen sind. Das Dach und die Stützpfeiler des Schreins selbst wurden an anderer Stelle besprochen (vgl. S. 164): Zwei göttliche Wesen sind auf der Spitze des Schreins postiert; sie halten in ihren Händen zwei straff gespannte Seile, die an einer großen Scheibe befestigt sind, die die Sonne symbolisiert und auf einem Altar unmittelbar vor dem Schrein steht, und mit deren Hilfe die Scheibe in Position gehalten wird. Drei Anbeter nähern sich dem Altar und schreiten auf den Schrein zu, von denen der erste der Hohepriester von Shamash ist, der den König in die Gegenwart des göttlichen Symbols einführt, auf eine Weise, die man so oft auf babylonischen Rollsiegeln sieht, während als letzter eine Göttin kommt. Einer der interessanten Punkte an dieser kleinen gemeißelten Tafel ist, dass sie zwar von einem König von Babylon im neunten Jahrhundert angefertigt wurde, der Kunststil, dem sie entspricht, jedoch darauf hinweist, dass es sich nicht um ein Originalwerk von Nabû-aplu-iddina, sondern um eine Kopie eines viel älteren Archetyps handelt. Der Kopfschmuck des Gottes beispielsweise ist durch vier Reihen von Hörnern gekennzeichnet und ist praktisch identisch mit dem, der bereits zur Zeit von Gudea, dem späteren assyrischen Göttervater, gefunden wurde. Seite 207Kopfschmuck hingegen hat im Allgemeinen nur zwei oder drei Hörner auf jeder Seite: Auch hier hält Shamash die Scheibe und den Stab in genau derselben Weise in der Hand, wie er es auf der berühmten Stele von Khammurabi tut (vgl. Tafel). XIV); sein langer Bart ist ebenfalls in der gleichen Weise dargestellt wie dort. Kurz gesagt, es besteht kaum Zweifel daran, dass das Original dieses Produkts aus dem neunten Jahrhundert irgendwo um den Beginn des zweiten Jahrtausends gesucht werden muss. bc Ein weiteres besonders interessantes Merkmal der Entdeckung dieser Skulptur war die gleichzeitige Entdeckung von zwei Tonhüllen für sie. Eine davon war zerbrochen und wurde wahrscheinlich von Nabû-aplu-iddina selbst angefertigt, die andere trägt jedoch eine Inschrift von Nabopolassar, König von Babylon von 625-604. bc Während der zwei Jahrhunderte, die zwischen der Zeit von Nabû-aplu-iddina und der Herrschaft von Nabopolassar vergangen waren, war der oft restaurierte Tempel erneut verfallen, und es fiel dem letztgenannten König zu, den altehrwürdigen Tempel noch einmal wiederherzustellen; auch er brachte, wie sein Vorgänger zweihundert Jahre zuvor, dem unsterblichen Shamash „reiche und seltene Opfergaben“ dar. Der Zweck dieser Lehmabdeckungen war natürlich, die Skulptur vor Beschädigungen zu bewahren (vgl. Abb.). 5).

Tafel XVII

\"Belagerung

Foto. MansellBritish Museum
Belagerung einer Stadt durch Rammbock und Bogenschützen
(Herrschaft von Tiglatpileser III.)

Um nach Assyrien zurückzukehren: Ashur-naṣir-pal wurde von seinem Sohn Salmanassar II. abgelöst. Leider besitzen wir nur wenige Flachreliefs aus der Zeit dieses Königs, die bekanntesten sind jene, die auf dem Schwarzen Obelisken gemeißelt sind. Diese Reliefs wurden in so vielen Werken illustriert und ausführlich behandelt, hauptsächlich aufgrund der historischen Bedeutung der Inschrift auf diesem Denkmal, dass es kaum notwendig oder wünschenswert erscheint, sie hier zu besprechen. Salmanassars unmittelbare Nachfolger haben uns nur wenige Denkmäler ihrer selbst hinterlassen, weder künstlerischer noch anderer Art, und nach ihrer Herrschaft scheint ein allgemeiner Niedergang eingesetzt zu haben, von dem sich Assyrien erst unter der Herrschaft von Tiglat-Pileser III., oder Pul, wie er genannt wurde, erholte. Seite 208wird in 2. Könige 19, XNUMX und anderswo genannt. Dieser König stellte das Schicksal des Reiches wieder her und erweiterte seine Macht nach allen Seiten, und zum Glück für unser Thema hat er seine Heldentaten in Bildform auf hartem Stein sowie in Schrift auf Tonzylindern und -tafeln verewigt, obwohl leider nur wenige Flachreliefs dieses Königs erhalten geblieben sind. Eines der am besten erhaltenen ist das, auf dem Tiglat-Pileser III. eine Belagerung durchführt (vgl. Tafel XNUMX). XVII). Die Einzelheiten dieser Skulptur erinnern lebhaft an die Worte, die Jesaja angeblich benutzte, um den schwindenden Mut Hiskias, des Königs von Juda, wieder auf die Beine zu bringen, der geneigt war, sich und seine Stadt Sanherib zu ergeben: „So spricht der Herr über den König von Assyrien: Er soll diese Stadt nicht betreten und keinen Pfeil hineinschießen, er soll mit Schilden nicht vor sie kommen und er soll keinen Wall gegen sie errichten.“ Alle hier erwähnten Angriffsmittel sind in unserem Flachrelief dargestellt. Die Krieger haben ihre Bögen gespannt und zweifellos schon viele Pfeile mit tödlicher Wirkung abgeschossen: Sie sind durch große Weidenschilde geschützt, die ihren ganzen Körper bedecken. Der „Wall“ wurde in diesem Fall eindeutig gegen die belagerte Stadt „errichtet“, und der Zweck, dem der „Wall“ dienen sollte, ist sofort ersichtlich. Er bestand aus einem künstlichen Hügel, auf den der bewegliche Turm mit dem Rammbock vorgeschoben wurde. Auf der Mauerkrone der belagerten Stadt sieht man einen Mann, der mit ausgestreckten Händen um Gnade fleht. Die Niederlage des Feindes und die Eroberung seiner Stadt werden auf sehr realistische Weise dargestellt. Unter dem „Wall“ sieht man einige der Besiegten nackt und ausgestreckt liegen, während darüber, auf gleicher Höhe mit der Mauerkrone, eine Anzahl Gefangener, ebenfalls nackt, auf Pfählen aufgespießt sind. Die Inschrift bezieht sich auf die verschiedenen Tribute, die die eroberten Völker mitbrachten, ist aber nicht von besonderem Interesse.

Seite 209

\"Basrelief\"

Abb.. 29.— Flachrelief aus Khorsabad. (Nach Botta.)

Auf Tiglat-Pileser III. folgte Salmanassar IV., Seite 210Das bemerkenswerteste Ereignis seiner Herrschaft war die Belagerung von Samaria; die Stadt hielt zwei Jahre stand und fiel im Jahr 722. bc, nachdem Salmanassar von Sargon, dem Usurpator, entthront worden war. Sargon regierte etwa achtzehn Jahre und errang viele Siege, von denen der bedeutendste der Sieg über die vereinigten Ägypter und Philister bei Raphia, nahe der ägyptischen Grenze, war. Sein bildhauerisches Erbe ist zahlreich und umfasst die riesigen geflügelten Stiere und Löwen mit Menschenköpfen, die in mancher Hinsicht die eindrucksvollsten und charakteristischsten Beispiele orientalischer Kunst sind. Diese geflügelten Ungeheuer sind weder Flachreliefs noch vollkommen runde Skulpturen, sondern eine Mischung aus beidem und werden dementsprechend in der zweiten Hälfte dieses Kapitels behandelt.

Doch der von Sargon in Khorsabad errichtete Palast, der vor über einem halben Jahrhundert von Botta ausgegraben wurde, hat eine reiche Ernte an schlichten und einfachen Flachreliefs hervorgebracht, von denen eines in der Abb. wiedergegeben ist. 29. Die Szene ist in der assyrischen Skulptur bekannt; eine Festung wird von assyrischen Soldaten angegriffen, natürlich erfolgreich. Die Festung scheint auf der Spitze einer Anhöhe errichtet worden zu sein, zweifellos mit der Absicht, sie uneinnehmbarer zu machen. Sie besteht aus drei Reihen von Türmen, die übereinander angeordnet sind, wobei die größte Reihe an der Basis und die kleinste an der Spitze steht. Die allgemeine Kontur ähnelt der einer Zikkurat mit ihren zurückweichenden Stufen. Ein Flügel der Festung wird durch zwei Türme geschützt, mit denen er durch eine Mauer verbunden ist, während der andere Flügel sich anscheinend direkt den Hang der Anhöhe hinunter erstreckt. Der Zugang zur Festung erfolgt über gewölbte Türen, einer der vielen beiläufigen Beweise dafür, wie häufig der Bogen in der assyrischen Architektur verwendet wurde. Am Fuße des Hügels liegen mehrere kleine rechteckige Häuser, deren Türen wie die der flankierenden Türme gewölbt sind, während in beiden Fällen die Türen oder Tore selbst zweiflügelig sind. Die Seite 211Die zahlreichen Fenster oder Schießscharten sind alle quadratisch, und die Zinnen sind wie üblich mit Zinnen versehen. Drei Paare riesiger Hörner krönen die Festung, und Botta ist geneigt, sie für echte Hörner zu halten, wobei die Unverhältnismäßigkeit ihrer Größe natürlich kein Argument gegen diese Ansicht ist, denn Unverhältnismäßigkeit ist ein Merkmal der frühen orientalischen Kunst. In diesem Fall könnten sie nur symbolisch und vermutlich ein Zeichen von Stärke sein, aber es scheint unendlich wahrscheinlicher, dass die Hörner den Versuch des Bildhauers darstellen, Feuerflammen darzustellen, die man so aus der beschossenen Festung auflodern sieht. Einige der Belagerten flehen mit ausgestreckten Händen um Gnade, während andere offensichtlich entschlossen sind, bis zum letzten zu kämpfen: Sie sind mit langen Speeren und rechteckigen Schilden bewaffnet, während ihre Rücken mit Tierhäuten bedeckt sind. Der Feind steht buchstäblich vor dem Tor, und es ist unmöglich vorherzusagen, wann er eintreten wird. Drei von ihnen versuchen, die Mauer mit langstieligen Zinken zu untergraben, zwei weitere sind mit ihren Kurzschwertern am Werk, während links zwei übermenschlich große assyrische Speerkämpfer stehen, deren symbolische Präsenz sofort selbst den leisesten Zweifel am Ausgang des Konflikts beseitigt. Der Angriff ist anstrengend, da ein bloßer Spaziergang den assyrischen Streitkräften keinen Ruhm bringen würde, aber gleichzeitig wird trotz der Härte des um die Festung tobenden Kampfes die unwiderstehliche Macht des assyrischen Kolosses durch die beiden riesigen Krieger grimmig angedeutet. Die künstlerische Behandlung der beiden Helden verdient einige Beachtung; die aggressive Muskulatur, die so charakteristisch für assyrische Darstellungen von Königen und Kriegern ist, fehlt zwar nicht ganz in den Beinen, aber die Arme sind völlig frei von diesem fast universellen Defekt, während die Haltung beider Arme und Beine außergewöhnlich natürlich und einzigartig lebensecht ist. Sie sind mit Speeren des gleichen Typs bewaffnet wie die belagerte Armee, aber ihre Schilde sind im Gegensatz dazu rund Seite 212zu den länglichen Schilden des Feindes, und sie sind mit Kurzschwertern umgürtet. Ihre Kleidung und Helme sind von einem häufig wiederkehrenden Typ, während beide Armreifen tragen und einer von ihnen ein einfaches Armband an seinem linken Handgelenk.

Sargon wurde 705 abgelöst bc von seinem berühmten Sohn Sanherib, dessen wichtigstes Ereignis wahrscheinlich die Zerstörung Babylons im Jahr 689 war bc Aber der Name Sanherib ist eher wegen seiner engen Beziehungen zum Königreich Juda und der erfolglosen Belagerung Jerusalems während der Herrschaft Hiskias berühmt als wegen seiner Eroberungen, so bedeutend diese auch waren. Bei der Ausgrabung seines Palastes in Ninive wurden zahlreiche Flachreliefs entdeckt, von denen viele zerbrochen und durch Feuer beschädigt worden waren, als die Stadt um 609 von den vereinten Streitkräften der Meder und Babylonier geplündert wurde. bc Sie illustrieren größtenteils die Feldzüge von Sanherib. Was bei den Flachreliefs dieses Königs sofort auffällt, ist ihre Komplexität im Gegensatz zur Einfachheit der Reliefs von Ashur-naṣir-pal. Wir haben bereits festgestellt, dass auf den Flachreliefs des letztgenannten Monarchen manchmal ganze Szenen dargestellt sind, obwohl das Relief häufiger von zwei oder drei großen und auffälligen Figuren dominiert wird, von denen eine im Allgemeinen den König darstellt. Zu Sanheribs Zeiten jedoch wird das, was bis dahin die Ausnahme gewesen war, zur Regel, und die Flachreliefs dieses Königs sind praktisch alle szenisch in ihrer Wirkung und äußerst kunstvoll in ihrer Komposition. Diese übertriebene Komplexität ist nicht so sehr auf die Vielfalt der in jedem Relief behandelten Themen zurückzuführen, sondern auf die Unkenntnis der Perspektive seitens des Künstlers, denn die Behandlung selbst einer begrenzten Anzahl von Themen oder Objekten im Rahmen eines einzigen Bildes erfordert, dass diese Objekte in der Perspektive gesehen und dargestellt werden, und wenn diese Anforderung nicht erfüllt wird, ist eine noch schlimmere Verwirrung das unvermeidliche Ergebnis der Arbeit des Künstlers.Seite 213gescheiterter Versuch. Diese Verwirrung wird perfekt, wenn die „Oxymoron” kann man wohl in den Reliefs sehen, die die Palastmauern von Sanherib, dem König von Assyrien, schmückten. Ein Teil einer der aufschlussreichsten dieser gemeißelten Platten ist in Abb. wiedergegeben. 30.

\"Basrelief\"

Abb.. 30.— Flachrelief von Sanherib. (Nach Layard.)

Die Szene ist von großem Interesse, nicht nur für den Studenten der assyrischen Kunst, sondern auch wegen des Lichts, das sie auf die mechanischen Ressourcen wirft, die die Assyrer jener Zeit nutzten, Ressourcen, die die bloße Existenz der gigantischen, menschenköpfigen Stiere und Löwen voraussetzt, die hier jedoch von Sanheribs Bildhauern auf besondere Weise dargestellt werden. Der sichere Transport einer gigantischen Masse aus massivem Stein war selbst für den Ausgräber des 19. Jahrhunderts keine leichte Angelegenheit.95 wie viel größer die Schwierigkeiten waren, die ein Volk überwinden musste, dessen mechanische Kenntnisse nur zweieinhalb Seite 214Jahrtausende jünger! Bei der künstlerischen Behandlung dieser Skulptur gibt es natürlich offensichtliche Mängel. Der Bildhauer hat die Perspektive wie üblich nicht richtig verstanden, obwohl dies weniger ausgeprägt ist als anderswo; die Bäume im Vordergrund und im Hintergrund sind in einer etwas konventionellen Weise in Reihen angeordnet, obwohl die absichtliche oder zufällige Verkleinerung der Bäume im Hintergrund im Vergleich zu denen vor der Skulptur die allgemeine Szenerie in ihrer Anordnung viel getreuer erscheinen lässt, als dies sonst der Fall wäre. Leider war es nicht möglich, die hintere Baumreihe einzubeziehen, ohne die wichtigeren Teile der Skulptur zu opfern, daher ihre Auslassung hier.

Alles Interesse konzentriert sich auf den Stier, denn sowohl Assyrer als auch Kriegsgefangene haben nur eine Aufgabe, nämlich den Transport dieses furchteinflößenden Monsters. In der rechten Ecke sehen wir zwei Karren, die jeweils von zwei Gefangenen gezogen werden und Seile und Holz enthalten. Die Karren haben zwei Räder, wobei jedes Rad acht Speichen hat, im Gegensatz zu den vier Speichen der frühen babylonischen Räder. Der Stier wurde vorsichtig auf die Seite auf einen Schlitten gelegt, der vorne die Form eines Bootes hat. Beide Enden des Schlittens sind mit runden Löchern versehen, in die die Seile eingeführt werden. Letztere sind fest mit dem Schlitten und dem Stier verbunden und werden nun von einer Anzahl Gefangener gezogen, denen es unter dem sanften Impuls der Peitsche des Aufsehers gelingt, das kolossale Monster allmählich fortzubewegen. Vor dem Start war es jedoch anscheinend notwendig, dem Schlitten etwas Unterstützung durch einen riesigen Hebel zu geben, dessen eines Ende unter dem Heck angebracht ist, während am anderen Ende drei Seile befestigt sind, mit denen eine Reihe von Arbeitern ihr Möglichstes tun, um den Hebel auf seinem Drehpunkt zu bewegen. Um eine größere Hebelwirkung zu erzielen, ist einer der Arbeiter damit beschäftigt, einen Keil zwischen die Oberseite des Drehpunkts und die Unterseite des Schlittens zu schieben. Seite 215Hebel, während die Bewegung des Schlittens durch Rollen, die Arbeiter eifrig in Position bringen, noch weiter erleichtert wird. Auf dem liegenden Stier kniet der Vorarbeiter und gibt den Männern an den Schleppseilen das Signal für jede weitere und gemeinsame Anstrengung. Die Anwesenheit von drei Soldaten war offenbar notwendig, um den Ermahnungen des Vorarbeiters Nachdruck zu verleihen – ein frühes Beispiel für die Anrufung des Militärs zur Unterstützung der zivilen Autorität. Unten im Vordergrund sind mehrere Gefangene zu sehen, die Rollen tragen, die abgesetzt werden sollen, wenn der Stier vorrückt. Sie werden von Aufsehern begleitet, die anscheinend keinerlei Gnade kannten.

„Sennacherib“

Abb.. 31.—Sanherib in Lachisch. (Nach Layard.)

Das bekannteste und in gewisser Hinsicht interessanteste Flachrelief aus Sanheribs Palast in Koyujik ist jedoch dasjenige, auf dem man sieht, wie Sanherib die Unterwerfung der besiegten Einwohner von Lachisch (Tell el-Ḥesy) entgegennimmt (vgl. Abb.). 31). Der König sitzt Seite 216auf einem Thron von großer Pracht, und seine Füße ruhen auf einem hohen Fußschemel. Die Seite des Throns ist in drei Register unterteilt, von denen jedes von einer Reihe von Männern besetzt ist, die ihre Arme nach oben strecken, um die Stange darüber zu stützen: Die Stangen selbst sind mit verschiedenen geometrischen Motiven verziert, während der Thron auf vier großen kegelförmigen Füßen steht. Die Gewänder des Königs sind ebenso kunstvoll wie sein Thron, sowohl Mantel als auch Tunika sind reich bestickt und mit Quasten gesäumt, während seine Kopfbedeckung aus einer Art Mitra besteht, anscheinend der üblichen Staatskopfbedeckung assyrischer Monarchen. Hinter ihm stehen zwei Diener, wahrscheinlich Eunuchen, die jeweils eine Fliegenklappe in der rechten Hand und ein Band in der linken halten; ihre Kleidung besteht aus einem langen Gewand, das bis zum Knöchel reicht und mit einem Gürtel um die Taille gebunden ist, während eine bunte Schärpe, die von der linken Schulter über die Brust verläuft, die Monotonie des vergleichsweise schmucklosen Kostüms auflockert. Ihr Haar ist lang und die Enden sind gelockt wie bei den anderen hier dargestellten Figuren, aber sie sind bartlos und tragen keinen Hut. Hinter diesen beiden Dienern befindet sich das königliche Pavillon, dessen Dachplane anscheinend entweder zur Belüftung oder zum Schutz vor der Sonne hochgezogen ist. Der König mit einem Bogen in der linken und einem Pfeil in der rechten Hand hört seinen obersten Offizieren zu, die von den Ereignissen bei der Belagerung von Lachisch berichten. Die Person, die die Prozession anführt, trägt keine Waffen, sondern hat ein entblößtes Haupt und ist prächtiger gekleidet als die diesseitigen Offiziere, wie es sich für den Wesir des Königs gehört. Die Krieger sind je nach Bedarf mit Streitkolben, Kurzschwertern, Pfeil und Bogen oder Speeren bewaffnet. In respektvoller Entfernung vom königlichen Thron verneigen sich drei Vertreter der besiegten Einwohner der Stadt vor dem König, einer von ihnen kriecht buchstäblich auf allen Vieren. Die Gefangenen haben dichtes, aber nicht langes Haar, und auch ihre Bärte sind dick und kurz, im Gegensatz zu denen der Assyrer. Ihre Kleidung besteht aus einer ganz schlichten, kurzärmeligen Tunika, die vom Hals bis zum Knöchel reicht, während ihre Füße Seite 217barfuß. Die Kleidung der assyrischen Krieger wird in einem späteren Kapitel (Kap. XIII) behandelt. Der Schauplatz dieses etwas dramatischen Schauspiels ist außerhalb der eroberten Stadt, im angenehmen Schatten von Weinreben und Feigenbäumen, während mit Bäumen bedeckte Berge einen passenden Hintergrund für das Bild bilden. Die Bedeutung der vierzeiligen Keilschriftinschrift vor dem König ist, dass Sanherib, König der Heerscharen, König von Assyrien, auf seinem Staatsthron saß und die Beute der Stadt Lachisch an ihm vorbeizog. Aber so prächtig der Thron auch ist, auf dem Sanherib hier sitzt, er muss an Pracht von seinem königlichen Thron in Ninive weit übertroffen worden sein; letzterer war anscheinend aus Bergkristall, von dem einige Fragmente noch erhalten sind.

Sanherib wurde nach einigen inneren Fehden von seinem Sohn Asarhaddon abgelöst; Asarhaddon führte die Tradition seiner Vorgänger fort, indem er gegen Phönizien kämpfte und Babylonien eroberte. Das herausragende Merkmal seiner Herrschaft war jedoch die Besetzung Unterägyptens durch die Assyrer im Jahr 672. bc Leider besitzen wir nur sehr wenige skulpturale Denkmäler dieses Königs, obwohl man daraus nicht schließen darf, dass er weniger stolz auf seine Leistungen war als sein Vater, aber seine Herrschaft ist für den Kunststudenten praktisch uninteressant und bietet uns wenig Material für die Beschäftigung mit unserem gegenwärtigen Thema. Diese Bemerkung trifft jedoch keineswegs auf Ashur-bani-pal zu, seinen überaus glorreichen Sohn, dessen Triumphe auf dem Gebiet der Kunst auf ihre Weise ebenso groß waren wie jene, die auf dem Schlachtfeld erreicht wurden. Ashur-bani-pal bestieg den Thron im Jahr 668. bc und regierte etwa 42 Jahre, während derer er die Macht Assyriens auf ein nie zuvor erreichtes und nie wieder erreichtes Niveau steigerte. Die bemerkenswerteren Ereignisse der Herrschaft Ashur-bani-pals sowie die daraus folgenden Auswirkungen seiner Vorliebe für Literatur wurden an anderer Stelle behandelt; es genügt hier zu sagen, dass dieser Ausbruch militärischer, intellektueller und künstlerischer Aktivität nur die höchste Anstrengung eines Reiches war, dessen Stärke erschöpft war und dessen Vitalität Seite 218beeinträchtigt, und schon vor dem Tod von Ashur-bani-pal hatte der kometenhafte Glanz ihres Ruhms begonnen zu verblassen. Es war so, als ob es die letzte Krankheit eines alten Mannes wäre, der viele Stürme überstanden hatte und dessen Genesungskraft bisher jeder Gelegenheit gewachsen war, doch schließlich kommt die letzte Krise und alles ist vorbei. Doch diese goldene Ära der assyrischen Kunst, so kurz und kurzlebig, wurde dennoch von den Künstlern jener Zeit in jenen Steinplatten verewigt, die heute einen der wertvollsten Besitztümer des British Museum bilden.

Auf die Heldentaten Ashur-bani-pals auf dem Jagdgebiet wurde bereits hingewiesen. Er wollte diese in Bildern an den Wänden seines Palastes festhalten und nicht seine Siege auf dem Schlachtfeld. Dieser Entscheidung verdanken wir diese Meisterwerke der Tierdarstellung, die sonst vielleicht nie zu konkreten und dauerhaften Ergebnissen geführt hätten.

Viele dieser Flachreliefs haben das Thema der Löwenjagd; aus Pl. XNUMX. es scheint, dass Löwen sich manchmal domestizieren ließen; wir sehen hier einen Löwen und eine Löwin, der eine steht, die andere liegt sorglos und entspannt auf dem Boden, in einer Art Garten, dessen kultivierter Charakter durch die Anwesenheit eines Weinstocks deutlich wird. Der Löwe steht mit ausgestrecktem Kopf und ausgestreckten Vorderpfoten vor der hockenden Löwin, auf eine Weise, die jene Würde und Majestät gut veranschaulicht, die immer mit dem König der Tiere in Verbindung gebracht wurde und wird. Leider fehlen der größte Teil des Kopfes und die gesamte Hinterhälfte des Löwen, aber es sind genügend Überreste des Tieres vorhanden, damit wir uns den Rest vorstellen können, ohne dass unsere Vorstellungskraft uns in die Irre führt.

Tafel XVIII

\"Jagd

Foto. MansellBritish Museum
Ashur-bani-pals Jagdszenen: Löwe und Löwin in einem Park oder Garten

Tafel XIX

\"Jagd

Foto. MansellBritish Museum
Jagdszenen von Ashur-bani-pal

Aber die Tiere, die dem königlichen Sport zum Opfer fielen, müssen eindeutig wild gewesen sein; manchmal gab man zu, in ihrem natürlichen Zustand gejagt worden zu sein, aber zu Ashur-bani-pals Zeiten war es offensichtlich notwendig, sie vorher einzufangen und in Käfigen zu halten, bis Seite 219für die Jagd benötigt. In Pl. XIX wir sehen, wie ein solches gefangenes Exemplar auf Geheiß des Wärters, der das Weidentor des Käfigs hochgezogen hat, aus seinem provisorischen Gefängnis kommt. Die Zufriedenheit des Löwen über seine Freilassung zeigt sich in der Bereitwilligkeit, mit der er hervorstürmt, ohne sich des vor ihm liegenden Schicksals bewusst zu sein. Obwohl das Ende immer das gleiche gewesen zu sein scheint, variierte die Methode, mit der es erreicht wurde, von Zeit zu Zeit. So sieht man den König einmal, wie er seinen langstieligen Speer in den Rücken des Löwen stößt, während er selbst sicher in seinem Streitwagen sitzt; ein anderes Mal ist er zu Fuß und sticht dem Löwen fast spielerisch seinen Dolch in den Hals, aber die üblichere Methode – zweifellos weil die sicherste –, Großwild und insbesondere Löwen zu töten, scheint die Verwendung von Pfeil und Bogen gewesen zu sein, die aus respektvoller Entfernung eingesetzt werden konnten. In Tafel. XIX wir sehen eine Anzahl derart erstarrter Löwen; ihre verschiedenen Stellungen, von denen einige erhaben natürlich sind, während andere eher einfallsreich erscheinen, sprechen alle beredt und in bewegenden Worten von jener allgemeinen Tragödie, der die gesamte Tierwelt, ob Mensch oder Tier, eines Tages zum Opfer fallen muss – der Tragödie des Todes. Ein Löwe ist von vier Pfeilen durchbohrt zu sehen, von denen zwei tief im Nacken des Löwen stecken, ein dritter in der Mitte seines Kopfes und der letzte in der Mitte seines Rückens. Der Löwe liegt niedergestreckt, seine vier Beine schleifen hilflos hinter und unter seinem massigen Körper her, während sein Gesicht den Todeskampf widerspiegelt, in dem er krampfhaft liegt. Oben links ist ein anderes Tier durch zwei Pfeilwunden, eine im Nacken und die andere im Rücken, außer Gefecht gesetzt, wenn nicht gar tödlich verwundet, während etwas weiter unten rechts eine Löwin, die durch die Lunge getroffen wurde, hilflos auf dem Rücken herumgerollt ist. Am unteren Ende dieser einzigartigen Szene sehen wir einen weiteren Löwen, der von etwa fünf Pfeilen durchbohrt wird, von denen die meisten im oder um den Kopf des Tieres stecken; wie die Löwin, die er versenkt hat Seite 220auf dem Rücken, seine Gliedmaßen sind fast bis zur Unkenntlichkeit verdreht. Links sehen wir das gesamte Hinterteil eines Löwen, der in einem Wutanfall hochspringt, ausgelöst durch eine Pfeilwunde im Rücken. Und schließlich ist in der unteren linken Ecke ein weiterer Löwe zu sehen, der infolge seiner Wunden zu sterben droht. Doch welches Ende den unglücklichen Löwen auch ereilte, zuletzt scheinen ihm zeremonielle Riten zuteilgeworden zu sein, sein Körper wurde von drei oder vier männlichen Dienern nach Hause gebracht und auf dem Boden ausgestreckt, wonach der König selbst ein Trankopfer über das stille, reglose Tier ausgießt, dessen Erhabenheit im Tod nur durch seine Energie im Leben übertroffen wird (vgl. Tafel. XX).

Die große Mehrheit der Besucher des Assyrischen Salons im Britischen Museum, wo diese Meisterwerke der Tierreproduktion ausgestellt sind, haben noch nie eine Löwenjagd im wirklichen Leben miterlebt, aber keiner kann weggehen, ohne einen unauslöschlichen Eindruck von der Grausamkeit einer solchen Szene im Kopf zu haben, deren Realität hier so anschaulich dargestellt wird. Die Löwenjagd war zweifellos der Lieblingssport der assyrischen Könige, aber auch andere Wildarten erfreuten sich der königlichen Gunst, insbesondere Hirsche, Wildesel und Stiere. Ashur-naṣir-pal hat uns eine Skulptur hinterlassen, in der er dargestellt wird, wie er von seinem Streitwagen aus wilde Stiere jagt, und in Pl. XX Wir haben ein Flachrelief aus Ashur-bani-pals Palast, auf dem eine Wildeseljagd in vollem Gange zu sehen ist. Im oberen Teil der Szene liegt ein Wildesel hilflos auf dem Rücken, von drei Pfeilen durchbohrt, während ein vierter Pfeil auf der Flucht ist, sich jedoch rasch seinem festgelegten Ziel nähert. Rechts sehen wir einen anderen Esel, der in rasender Eile vor dem doppelten Ansturm von Hunden und Pfeilen davonstürmt. Links sind zwei Hunde, die Mastiffs ähneln, damit beschäftigt, den stürmischen Lauf eines Wildesels aufzuhalten, dessen Flucht bereits durch den Pfeil, der seine Vorderhand durchbohrt hat, verzögert wurde. Unten ist ein Hund der bereits erwähnten Art auf der wilden Jagd nach einem jungen Fohlen. Dem Fohlen geht ein Seite 221von einem ausgewachsenen Esel, der seinen Kopf besorgt dreht, möglicherweise aus Sorge um seine eigene Sicherheit, möglicherweise um die des jungen Fohlens dahinter. Die Art und Weise, wie der Künstler diese letztere Aktion dargestellt hat, überrascht in ihrer Naturtreue und ihren künstlerischen Werten. Um dem Leser eine faire und korrekte Einschätzung des Genies der Assyrer in der Kunst der Tierdarstellung zu ermöglichen, wäre es notwendig, die gesamte Serie von Ashur-bani-pals Jagdszenen zu reproduzieren, aber es ist zu hoffen, dass hier genug gezeigt wurde, um ihre außergewöhnliche Fähigkeit in dieser Hinsicht zu demonstrieren.

Platte XX

\"Jagd

Ashur-bani-pals Jagdszenen: Wildesel mit Hunden jagen

"Ashur-bani-pal
Foto. MansellBritish Museum
Ashur-bani-pal gießt ein Trankopfer über tote Löwen aus

Doch verdanken wir Ashur-bani-pal nicht nur die tierischen Meisterwerke der assyrischen Kunst, sondern auch eine der wenigen Szenen, die uns einen Einblick in das private und nichtoffizielle Leben des Königs gewähren (vgl. Tafel). XXI). Der König lehnt sich auf einem prächtig geschnitzten Sofa zurück, während seine Königin kerzengerade auf einem Stuhl direkt gegenüber sitzt; der Stuhl ist in seiner Art ebenso kunstvoll gestaltet wie das Sofa, ebenso wie der Hocker, auf dem ihre Füße ruhen. Trotz des tropischen Aussehens des Gartens, in dem das Festmahl stattfindet, ist der König mit einem Teppich bedeckt, während die Königin in reich gewebte Gewänder gekleidet ist, die alles andere als kühl aussehen. Neben dem Sofa und vor dem Stuhl der Königin ist ein Tisch aufgestellt, auf dem die königlichen Leckereien liegen. Beide Majestäten sind dabei, den ambrosischen Nektar zu trinken, mit dem ihre niedrigen, aber geräumigen Tassen zweifellos gefüllt sind, aber die Szene ihres Banketts ist an sich schon ein Appetitanreger: die dichten Palmen, die üppigen Weintrauben und die schwebenden Vögel regen die Verdauungsorgane des Königs an. Hinter dem König stehen zwei Diener mit Fliegenklappen und ein weiterer reich geschnitzter Tisch, auf dem die königlichen Waffen liegen. Die Königin wird ebenfalls von Fliegenklappen beschützt, hinter deren Trägern weitere Diener stehen, die mit orientalischem Luxus beladen sind, während in der Ferne die Musiker ihre wollüstigen orientalischen Melodien spielen. Die Instrumente sind Saiteninstrumente, wie die meisten Musikinstrumente Seite 222Sie sind auf babylonischen und assyrischen Flachreliefs dargestellt, obwohl offenbar auch Tamburine, Doppelpfeifen, Becken, Trommeln und Trompeten bekannt waren.96Trotz all dieser berauschenden Einflüsse blieb jedoch ein weiterer Programmpunkt auf dem Programm - ein Punkt, der zweifellos die anregendste Wirkung auf den Appetit des großen Königs hatte, nämlich der Kopf von Te-umman von Elam, der in unmittelbarer Sichtlinie des Königs an einem Baum hängt und für seine Majestät zweifellos ein höchst erfreulicher Anblick war.

Mit Ashur-bani-pal erreichte die assyrische Kunst wie auch ihre Literatur ihren Höhepunkt; mit ihm wurden die Grenzen des Reiches weiter ausgedehnt als je zuvor; doch nach seiner Herrschaft setzte kein langsamer Verfall, sondern ein rascher Zusammenbruch ein, der in seiner Bedeutung ebenso tragisch wie in seinen Folgen folgenschwer war. Es ist jedoch weder im Fall von Reichen noch im Fall von Einzelpersonen ganz unpassend, wenn der Höhepunkt erreicht ist und die höchsten Möglichkeiten verwirklicht sind, das Leben nicht für rückschrittliche Zwecke zu verlängern, und Assyrien blieb in hohem Maße von diesem Unglück verschont. Die Erinnerung an ihre Größe und ihren weitreichenden Einfluss wurde in keiner Weise durch eine lange Zeit des Niedergangs getrübt, ihre Zeit war abgelaufen und ihr Ende kam, aber der Grund war eher in diesen unbezwingbaren Umständen des Schicksals und der äußeren Umgebung zu finden als in einer radikalen und inneren Demoralisierung. Wir haben keine Reliefs aus der neubabylonischen Zeit, die der Aufzeichnung wert wären, mit Ausnahme der farbigen Tonreliefs, die wir im Kapitel über die Malerei betrachten werden.

Tafel XXI
"Ashur-bani-pal,
Ashur-bani-pal, beim Essen liegend
„Musiker“
Fotos. MansellBritish Museum
Musiker und Begleiter

Rundskulptur

Für das Studium der frühen sumerischen Rundskulpturen haben wir leider nicht viel Material zur Verfügung. Wie bereits erwähnt, waren sowohl die Babylonier als auch die Assyrer eher in der Flachreliefarbeit als in der vollrunden Skulptur tätig, und worin sie sich auszeichneten, war die Seite 223sie übten die meisten aus; trotz dieser Tatsache waren sich beide Völker der Überlegenheit der Skulptur im Rundformat bewusst, aber die Schwierigkeiten, die mit der Herstellung von Werken dieser Art verbunden waren, verhinderten, dass solche Arbeiten außer für außergewöhnliche Zwecke unternommen wurden, daher erreichten sie in diesem Bereich der Kunst nie einen sehr hohen Grad an Exzellenz. Aus der früheren sumerischen Periode haben wir kaum vollständige \"Feige.Abb.. 32. (AJSL, XXI, S. 59 ff.)Statuen, und der Mangel an solchen macht die, die überlebt haben, umso wertvoller. Eine der interessantesten davon ist die von Esar, dem König von Adab (Bismâya), die im Laufe der amerikanischen Ausgrabungen an dieser Stelle entdeckt wurde.97 und wird heute im Kaiserlich Osmanischen Museum in Konstantinopel aufbewahrt (vgl. Abb. 32). Es ist aus Marmor und wiegt zweihundert Pfund. Es ist knapp fünfunddreißig Zoll hoch, der Umfang des Rockes beträgt knapp zweiunddreißig Zoll. Letzterer ist stark geflochten und ist eine Nachbildung des Gewandes, das die auf den frühesten Monumenten dargestellten Sumerer immer trugen. Auch die Art des Gesichts zeugt von seinem hohen Alter; der kahle Kopf, die Adlernase, die eine gerade Linie mit der Stirn bildet, die dreieckigen Augenhöhlen, die einst mit Elfenbein eingelegt waren, sind alles charakteristische Merkmale der ältesten sumerischen Versuche der menschlichen Porträtmalerei. Der König trägt eine Inschrift auf seiner rechten Schulter, die in einer sehr archaischen und halb bildlichen Schrift verfasst ist und aus der wir den Namen des Königs und auch der Stadt erfahren, über die er stammt. Seite 224über das er herrschte. Es wurde in großer Tiefe unter der Oberfläche des Hügels entdeckt, zwischen den Ruinen eines Tempels, der aus den kleinen plankonvexen Ziegeln gebaut war, die für die Gebäude vor Ur-Ninâ charakteristisch sind. Ein besonders interessantes \"Feige.Abb.. 33. (Dez. in Chald., Tafel I, ter. Nr. 3.)Ein besonderes Merkmal dieses einzigartigen Denkmals ist, dass die Arme frei vom Körper sind, während sie bei fast allen mesopotamischen Statuen an den Seiten befestigt sind. Die Hände sind vorn verschränkt, wie dies bei so vielen sumerischen Statuen und Reliefs aller Epochen der Fall ist, während die Füße im Sockel verankert sind, damit sie den kurzen, stämmigen und schweren Körper stützen können, was offenbar eine Besonderheit des sumerischen Körperbaus war.

Leider sind uns kaum vollständige Figuren früher sumerischer Frauen bekannt, die kleine Steinstatuette in Abb. 33 gibt uns jedoch eine Vorstellung vom Aussehen und der Kleidung der Frauen im frühen Babylonien. Ihre Gesichtszüge entsprechen dem üblichen sumerischen Typ, während ihr langes Haar mit einem Band zusammengebunden ist, das ihren Kopf umgibt und ihre fließenden Locken hinten zusammenfasst.

Aber die drei archaischen Steinköpfe (vgl. Tafel. XXII), die in Tellô ausgegraben wurden, ermöglichen uns eine etwas umfassendere Einschätzung der künstlerischen Fähigkeiten der Bildhauer jener Zeit in Bezug auf die Darstellung des menschlichen Gesichts und Kopfes. Der rechte Kopf ähnelt stark dem mittleren, und beide weisen einen fortgeschritteneren Kunststil auf als der Kopf auf der linken Seite, der jedoch der interessanteste der drei ist. Er wurde auf der anderen Seite des Shatt-el-Hai entdeckt, des Kanals, der den Tigris mit dem Euphrat verbindet. Im Gegensatz zu den anderen ist die Adlernase perfekt Seite 225Die erhaltenen Augen sind wie üblich groß und mandelförmig und waren zweifellos einmal mit Muscheln eingelegt und gefärbt, während die Lippen ein unterdrücktes Lächeln verraten; der Gesichtstyp ist genau der gleiche wie auf der Geier-Stele, obwohl die Einzelheiten natürlich präziser sind, wie man es von einer Rundarbeit erwarten kann.

Tafel XXIIa

\"Kalkstein

Foto. MansellBritish Museum
Kalksteinfigur eines Frühsumerers

Tafel XXIIb

\"Archaisch

Musée du Louvre: Dez. en Chald., Pl. 6, 1-3
Archaische Kalksteinköpfe

\"Feige.

Abb. 34.-A. (Louvre, Kat., S. 217; Dez. in Chald., Tafel 6, Abb. 3.)
B. (Rendus-Konten, 1907, S. 398; Delegiert an Perse Mém., X, Pl. 1.)
C. (Louvre, Kat., S. 227; Dez. in Chald., Pl. 8 (bis), 4.)

In Abb. 34, A, wir haben einen Alabasterkopf einer frühsumerischen Frau; das Gesicht gehört zum selben Typ wie das der männlichen Köpfe in Pl. XXII entsprechen. Die Ohren, die bei den glattrasierten Männerköpfen so hervorstechen, sind hier vollständig von den Haarsträhnen verdeckt, die in dicken, horizontalen Streifen um Stirn, Kopf und Hals hängen. Das Haar wird durch eine hinten befestigte Haarspange an seinem Platz gehalten. Die großen Augenlöcher müssen einst eingelegt gewesen sein, bei einer Frau wie hier wahrscheinlich mit Lapislazuli. Die Augenbrauen sind Reliefskulpturen und nicht eingeschnitten, wie dies bei anderen frühen sumerischen Skulpturen der Fall ist.

Seite 226

Weitere frühe Beispiele babylonischer Skulptur finden sich in den verschiedenen Statuen von Manishtusu, die im Laufe der Ausgrabungen der französischen Mission in Susa entdeckt wurden. Eine davon ist in Abb. wiedergegeben. 34, B. Manishtusu war ein semitischer König von Kisch und regierte wahrscheinlich um 2700 bc; die hier gezeigte Statue ist folglich eines der frühesten Beispiele semitischer Rundplastik, das bisher bekannt ist, und laut De Morgan98 ist das älteste Kunstwerk, das bisher auf den alten persischen Stätten entdeckt wurde. Schon zu diesem frühen Zeitpunkt sehen wir Spuren des semitischen Konventionalismus, der in der späteren assyrischen Ära so weit verbreitet war. Das quadratische Gesicht, die großen Augen, die Frisur und der lange, symmetrisch angeordnete Bart, die hier zu sehen sind, sind allesamt markante Merkmale assyrischer Darstellungen von Königen und Potentaten. Die Pupillen der Augen waren schwarz und mit Bitumen in ihren Höhlen befestigt, wie es bei diesen frühen Skulpturen häufig der Fall war. Die Statue besteht aus Alabaster und die Inschrift auf der Rückseite ist in archaischen Strichbuchstaben verfasst.

Auf dieses Zeitalter folgte eine Zeit, in der die Bildhauerkunst sich allmählich die ihr zur Verfügung stehenden Mittel aneignete. Diese Übergangsphase wird durch eine Alabasterstatuette einer sitzenden Frau, die in Abb. abgebildet ist, gut illustriert. 34, C. Der Fortschritt, den die Konfiguration ihres Gesichts auf dem archaischen Kopf in Abb. zeigt. 34, A, ist sofort offensichtlich: Die stereotypen Augen sind weniger übertrieben und natürlicher geworden, die Lippen sind weiblicher, die Nase weniger aufdringlich. Ihr langes Haar hängt natürlich und locker über ihren Rücken, während ein dickes Band ihren Kopf umgibt. Ihr langes Gewand bedeckt ihren ganzen Körper vom Hals bis zum Knöchel, und sie hält in ihren Händen eine runde Vase, die wahrscheinlich ein Trankopfer für die Götter enthält. Diese kleine Statuette ist etwas über sieben Zoll hoch.

Doch erst in der Mitte des dritten Jahrtausends bc dh das Zeitalter von Gudea, Patesi von Lagash, diese Skulptur Seite 227Die Rundplastik nahm im künstlerischen Leben der Menschen eine herausragende Rolle ein, und erst ab dieser Zeit scheinen die Bildhauer regelmäßig danach gestrebt zu haben, menschliche Figuren in quasi-lebensgroßer Größe wiederzugeben und sie gleichzeitig aus härtestem Vulkangestein zu formen. In Tafel. XXIII, A, B Wir haben Reproduktionen von zwei der enthaupteten Statuen, die De Sarzec in Tellô gefunden hat. Acht dieser Statuen, von denen einige stehend und andere sitzend sind, tragen Inschriften von Gudea, Patesi von Lagash; eine der beiden anderen trägt den Namen seines Vorgängers Ur-Bau. Die meisten dieser Statuen sind kleiner als die Originalgröße, aber die Maße einer von ihnen übertreffen die eines gewöhnlichen Menschen beträchtlich. Die hier dargestellte Statue (Taf. XXIII, A) ist das künstlerischste Werk der Serie; es besitzt sowohl Anmut als auch Kraft und zeigt nur sehr wenige Spuren des Konventionalismus, der bei späteren assyrischen Skulpturen so auffällt, wobei die Füße der einzige unbelebte und wirklich konventionelle Teil des Werks sind. Die Arme sind stark und sehnig, aber die Muskeln sind vollkommen natürlich ausgeführt und bilden einen sehr positiven Kontrast zu den übertriebenen Muskeln der königlichen Statuen von Assyrien. Die Hände sind als Zeichen der Unterwerfung unter die Göttin Nin-harsag gefaltet, der diese Statue anscheinend gewidmet war. Zu den Beinamen, die dieser Göttin hier gegeben werden, gehören „Herrin der Berge“, „Beschützerin der Stadt und Mutter ihrer Bewohner“ und schließlich „Mutter der Götter“. Diese Statue besteht aus grünem Diorit und ist etwas über vier Fuß hoch.

Im Pl. XXIII, B haben wir eine weitere Statue von Gudea, diesmal sitzend. Die Hauptbesonderheit dieser und der dazugehörigen Statue, die sich beide im Louvre befinden, liegt in der flachen Tafel, die jeder von ihnen auf seinen Knien trägt. Auf einer dieser Tafeln ist ein regelmäßiger Plan von Gudeas Gebäuden eingraviert, der verschiedene Türen, Zinnentürme usw. zeigt, zusammen mit dem Zimmermannsmaßstab und dem Griffel, die in ähnlicher Weise auf der Knietafel der hier reproduzierten Statue eingraviert sind. Seite 228Das auffälligste Merkmal der Skulptur selbst ist die Kühnheit, mit der die nackten Gliedmaßen geschnitzt sind, und die nervöse Vitalität, die sie ausstrahlt. Dies ist besonders bei der Behandlung des rechten Arms und der Schulter zu erkennen, die durch die Anordnung des Mantels frei liegen. Die Kartusche auf der Schulter enthält den Namen und die Titel von Gudea. Die lange Inschrift darunter besagt, dass diese Statue der Göttin Gatumdug gewidmet wurde, die als „Mutter von Shirpurla“ (= Lagash) bezeichnet wird. Anschließend werden die verschiedenen Riten und Zeremonien behandelt, die den Bau des Tempels dieser Göttin begleiteten. Diese Statue ist, wie die stehende in Pl., eine der ältesten Statuen der Welt. XXIII A ist aus Diorit gefertigt. Mehrere der zu diesen Statuen gehörenden Köpfe wurden ans Licht gebracht, einer davon ist auf Tafel 1 zu sehen. XXIII, C. Der mit einem bunten Turban geschmückte Kopf ist wiederum bemerkenswert für seine Stärke und die Kühnheit, mit der er ausgeführt ist; die Augen sind groß und weit geöffnet, ein auffälliges Merkmal aller mesopotamischen Kunst, ob früh oder spät; die Augenbrauen sind schwer und das Kinn fest, während die Kiefer stämmig sind und die allgemeine Kontur des Gesichts quadratisch machen. Das Fehlen angemessener Proportionen in all diesen frühen babylonischen Skulpturen ist sofort offensichtlich: Sie alle wirken mehr oder weniger gedrungen, die Breite ist im Verhältnis zur Höhe immer zu groß, während der Kopf zu groß für den Körper ist und dieser von hinten nach vorne zu dünn ist. Aber wenn man alle Mängel berücksichtigt, die den Produkten einer unerfahrenen Kunst innewohnen, ist in den rohesten dieser frühen babylonischen Skulpturen eine gewisse Treue zur Natur und folglich ein Grad an Leben erkennbar, der sie sofort auf eine höhere Ebene hebt als die assyrischen Statuen, die sie unbewusst hervorbrachten. Die Betonung der starken Linien und Kurven der früheren Skulpturen in den späteren Produkten der assyrischen Zeit hat lediglich zur Übertreibung geführt und die Wirkung ist unvermeidlich stereotyp und unnatürlich.

Tafel XXIII

„Diorit“

jalousie

A, B.Diorit-Statuen von Gudea, Patesi von Lagash
C.Dioritkopf von Gudea
D.Oberteil einer Frauenstatuette aus Diorit (Gudea-Zeit)

Seite 229

Im Pl. XXIII, D, jedoch haben wir den oberen Teil einer Dioritfigur einer Frau, die etwa aus derselben Zeit wie Gudea stammt, die das schwere und massive Aussehen, das bei den Statuen der Patesi so auffällt, weitgehend verloren hat und sowohl Anmut als auch Schönheit besitzt. Das Kleid wird in einem späteren Kapitel behandelt, und es genügt hier, auf die außergewöhnlich natürliche Art und Weise aufmerksam zu machen, in der die Falten des Gewandes dargestellt sind. In der Zeit zwischen der Epoche, die mit dem Namen Gudea in Verbindung gebracht wird, und der Epoche, die durch Ashur-naṣir-pal und die assyrischen Könige berühmt wurde, scheint die Praxis der Rundbildhauerei weitgehend in Vergessenheit geraten zu sein, wenn wir nach der äußersten Knappheit des uns überlieferten Materials urteilen dürfen, und erst in der Zeit des Assyrischen Reiches sind wir wieder in der Lage, die Bildhauerkunst in Mesopotamien detailliert zu studieren.

Eines der frühesten Beispiele assyrischer Rundskulptur ist in Pl. reproduziert. XXIV, B. Es handelt sich um den Torso einer weiblichen Figur, die auf ihrem Rücken eine Inschrift von Ashur-bel-kala, dem König von Assyrien, trägt, dessen Herrschaft der ersten Hälfte des elften Jahrhunderts zugeordnet werden kann bc Es wurde in Kouyunjik entdeckt und befindet sich heute im Britischen Museum. Die Größe ist etwas kleiner als in Wirklichkeit; aber trotz der Tatsache, dass die Proportionen schlecht sind und der Körper zwischen den Beinen und Armen zu kurz ist, fällt diese Skulptur im Vergleich zu den meisten assyrischen Versuchen, Menschen nachzubilden, sofort durch die natürliche Art und Weise auf, in der die Vorstellung des Künstlers von weiblicher Schönheit umgesetzt wird, und ist als solche im Bereich der assyrischen Skulptur völlig einzigartig.

Die Überreste einer weiteren sehr frühen assyrischen Skulptur99 im Rund wurden im Zuge der deutschen Ausgrabungen in Ashur entdeckt. Leider fehlen Kopf, Hände und Füße dieser Statue, aber der kleine Teil des Kopfes, der erhalten ist, hat zwar eine Seite 230Die Fülle des Haares zeigt keine Spur der aufwendigen Locken späterer Tage, der Bart besteht aus einer Reihe von zwölf oder mehr gewellten Strähnen und erinnert damit an die babylonischen Statuen der Khammurabi-Zeit. Die Kleidung besteht aus einem eng anliegenden Kleidungsstück aus einem einfachen, fein strukturierten Material und ist mit Fransen verziert.

Von den assyrischen Königsstatuen ist die von Ashur-naṣir-pal (vgl. Pl. XXIV, C) ist die am besten erhaltene und gelungenste. Sie ist aus hartem Kalkstein und misst drei Fuß und vier Zoll in der Höhe; sie wurde in zerbrochenem Zustand zusammen mit dem Kalksteinsockel gefunden, auf dem sie einst stand, und steht jetzt auf demselben Originalsockel in der Nimrûd Gallery des British Museum. Die Gesamthöhe der Statue mit Sockel beträgt fünf Fuß und elfeinhalb Zoll. Glücklicherweise fehlte keines der Fragmente der Figur, und daher war es möglich, die Statue so perfekt zu restaurieren, dass sie zu einer der schönsten noch existierenden assyrischen Statuen wurde. Der König steht dort, die Verkörperung unerschütterlicher Würde und unerschütterlicher Majestät, und es ist seltsam, wie beeindruckend das Reglose manchmal sein kann. Es wäre vielleicht kaum richtig, Worte wie „Leben“ oder „Beseeltheit“ zu verwenden, um diese Skulptur zu beschreiben, aber sie besitzt etwas, das sogar höher ist als äußere Kraft und Vitalität, sie hat eine Kraft, eine unbeschreibliche „Kraftreserve“, die durch das Fehlen jeglicher aggressiver Aktivität nur noch verstärkt wird. Der König ist in lange und aufwendig gearbeitete Gewänder gekleidet, die ihm bis zu den Zehen reichen. Bart und Haar, beide üppig und üppig, sind mit viel Sorgfalt und Präzision gelockt. Der König hält in seiner rechten Hand ein sichelförmiges Objekt, das vermutlich ein Zepter darstellen soll, während er in seiner linken Hand eine Keule mit einer Quaste am unteren Ende hält. Sein linker Arm ist durch die Falte seines äußeren Mantels verborgen, aber der rechte ist bis auf ein Armband nackt. Der Gesichtstyp trägt alle anerkannten Seite 231Assyrische Merkmale: große, weit geöffnete Augen, eine gebogene Nase und die Fülle an Haaren, auf die wir gerade hingewiesen haben. Die Proportionen sind ziemlich genau, obwohl die Tiefe oder Dicke des Körpers von hinten nach vorne wie üblich nicht groß genug ist. Auf der Brust des Königs ist eine Inschrift eingraviert, deren Text, nachdem er den Namen und die Genealogie von Ashur-naṣir-pal angegeben hat, die triumphalen Errungenschaften des Königs bei der Ausweitung seiner Herrschaft über das ganze Land zwischen dem Tigris und dem Libanon beschreibt und mit den Worten endet: Seite 232indem er erklärt, dass er alle Länder vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Untergang seinen Füßen unterworfen habe.

Tafel XXIV

"Statuen"

Statue von Nebo            Torso einer Frau    Statue von Ashur-naṣir-pal
(Aus Dieulafoy, „L'Art Antique de la Perse“, Bd. 3. Pl. 12)

"Salmaneser

Abb.. 35.– Salmanassar II. (Britisches Museum.)

Von Assur-naṣir-pals Sohn und Nachfolger Salmanassar II. ist uns eines der vergleichsweise wenigen Beispiele einer vollplastisch gearbeiteten assyrischen Sitzfigur überliefert (vgl. Abb. 35). Die enthauptete Figur, die Salmanassar II. selbst darstellt, besteht aus schwarzem Basalt und wurde in Ḳalat Sherḳat (Ashur) entdeckt. Die Inschrift auf dem Thron, die teilweise ausgelöscht ist, nennt den Namen und die Titel des Königs, zählt seine verschiedenen Eroberungen in Babylonien auf und enthält auch eine Anspielung auf die Statue selbst. Es ist interessant, diese Figur mit den sitzenden und ebenfalls enthaupteten Figuren von Gudea etwa ein Jahrtausend zuvor zu vergleichen (vgl. Tafel). XXIII, B). Beide sind aus hartem Vulkangestein gefertigt, und das Gewand, in das jeder dieser östlichen Herrscher gekleidet ist, reicht bis zu den Knöcheln, obwohl das Ende von Salmanassars Rock mit Fransen verziert ist, während Gudeas ganz schlicht ist. Beide Figuren sitzen auf einer einfachen Art Thron, wie man ihn sehr häufig auf Rollsiegeln findet, aber es gibt einige auffallende Unterschiede zwischen den beiden Statuen. Der sumerische Gudea hat keinen Bart, während der semitische König von Assyrien einen langen, eckigen Bart hat, und Gudeas Arme sind außerdem in ehrfürchtiger Haltung vor seiner Brust verschränkt, während Salmanassars Arme anscheinend locker auf seinem Schoß ruhen. Die Füße, die in beiden Fällen auf einem Sockel ruhen, sind bei beiden Figuren gut dargestellt, obwohl der Vorteil eindeutig auf der Seite der früheren babylonischen Skulptur liegt.

Ein weiteres gutes Beispiel für die mesopotamische Rundplastik aus dieser Zeit sind die beiden Statuen des Gottes Nebo, die Rassam in den Tempelruinen von Adar in Nimrûd ausgrub. Eine davon ist auf Tafel 1 abgebildet. XXIV, A. Sie wurden gemacht Seite 233von einem gewissen Gouverneur der Stadt Calah (Nimrûd) und wurden dem Gott in der Hoffnung geweiht, dadurch Adad-nirari III., König von Assyrien von 812-783, lange Tage zu sichern. bc, die Königin Sammuramat, und nebenbei auch sich selbst. Die Erwähnung von Sammuramat ist interessant, da sie das Original der Semiramis späterer griechischer und römischer Schriftsteller sein soll. Der Gott ist in ein einfaches, an der Taille eng anliegendes Gewand gekleidet, die Arme bleiben unbedeckt und frei. Er trägt sowohl einen Schnurrbart als auch einen Bart, wobei letzterer gelockt und gewellt ist, ebenso wie das lange Haar auf seinem Kopf. Die gehörnte Kappe der Götter bildet seine natürliche Kopfbedeckung, und seine Handgelenke sind mit den rosettenförmigen Armbändern umgeben, an denen sowohl Könige als auch Götter ihre Freude gehabt zu haben scheinen, während seine Hände auf seiner Brust gefaltet sind. Die Inschrift, die rund um den unteren Teil seines Gewandes eingemeißelt ist, befasst sich hauptsächlich mit einer Aufzählung aller wunderbaren Eigenschaften und gnädigen Taten von Nebo und endet mit einer Ermahnung an alle zukünftigen Generationen, ihr Vertrauen in Nebo und nicht in irgendeinen anderen Gott zu setzen.

Doch weder die babylonischen noch die assyrischen Bildhauer beschränkten ihre Aufmerksamkeit auf Menschen, ebenso wenig wie die Flachreliefkünstler. Sie versuchten sich auch an der Reproduktion von Tieren, mythischen oder realen, je nach Fall, mit unterschiedlichem Erfolg. Das Tier, das ihre künstlerischen Fähigkeiten in dieser Richtung mehr oder weniger monopolisiert zu haben scheint, war der Löwe. Wir haben bereits die wichtige Rolle gesehen, die der Löwe in den Wappen von Lagasch, in der farbigen Wanddekoration und in den Flachreliefs spielte, die die Innenräume assyrischer Paläste schmückten, sowie in der Dekoration verschiedener Gegenstände wie Keulenköpfe und Steinschalen, und wir sind daher nicht überrascht, Beispiele des Löwen in hartem Stein und vollflächig gearbeitet zu finden. Die frühen Exemplare sind zumeist klein, und in der Regel sind nur die Köpfe erhalten. Die Datierung der meisten dieser Köpfe ist unsicher, da es im Allgemeinen keine Seite 234Inschrift, aber glücklicherweise gibt es einige Ausnahmen. Wie die Mehrheit der früheren Exemplare sumerischer Kunst stammen sie fast alle aus Tellô und wurden von M. De Sarzec ausgegraben. Eines der am besten erhaltenen ist in Abb. wiedergegeben. 36, A. Nur eine Seite des Löwenkopfes ist erhalten geblieben, aber sie genügt, um den Erfolg zu demonstrieren, mit dem der sumerische Bildhauer sein Thema behandelte. Die Arroganz und die teilnahmslose Majestät des Löwen werden hier eindrucksvoller dargestellt als bei den Löwen vieler europäischer Künstler; ungeachtet dessen hat sich der Geist des Konventionalismus bereits wie ein Dieb eingeschlichen, obwohl er sich bisher sozusagen nur im Saum des Kleidungsstücks bemerkbar gemacht hat. Der Kopf selbst ist von jeglichem schädlichen Einfluss völlig unberührt, aber die Behandlung der Mähne ist in gewissem Maße das Opfer der Macht der Gewohnheit, die trotz des allgemeinen Sprichworts, sie sei „zweite Natur“, in Wirklichkeit genauso Seite 235so unnatürlich es in seiner Wirkung auf die Kunst sein kann. Es ist in etwa nach dem Muster des „Kaunakes„“Material, das bei der Herstellung früher sumerischer Kleidungsstücke verwendet wurde.

\"Feige.

Abb.. 36.-A (Dez. in Chald., Tafel 24, I); B, C (nach Heuzey).

An derselben Stelle wurden die Überreste eines weiteren Steinlöwen mit einer Inschrift von Gudea gefunden. Daraus schließen wir, dass der fragliche Löwe Teil der Dekoration der Tür war, durch die man in das Heiligtum der Göttin Gatumdug gelangte. Dieser Löwe100 zeigt noch weiter den subtilen Einfluss des Konventionalismus in der Art und Weise, wie das Haar am unteren Teil des Bauches dargestellt wird, eine Reihe von Dreiecken, wie sie oft bei den Löwenfiguren auf den Rollsiegeln zu sehen sind, die einen Kranz aus langem Haar darstellen. Viele der in Tellô entdeckten Löwenköpfe waren mit Löchern zum Einstecken eines Stifts versehen und dienten wahrscheinlich als untere Stütze der Thronlehnen. Einer dieser Löwenköpfe ist von besonderem Interesse, da er den Namen von Ur-Ninâ trägt, dem Gründer der ersten Dynastie von Lagasch,101 während ein zweiter erwähnt Magan, das unbekannte Gebiet, aus dem die Babylonier ihre Steine ​​bezogen. Eine weitere frühe Tierskulptur von erheblichem Interesse wurde 1904 von Kapitän Cros in Tellô entdeckt (vgl. Abb. 36, B). Es stellt einen liegenden Hund dar – offenbar von der Rasse Mastiff und von der gleichen Art wie die auf Ashur-bani-pals Flachreliefs abgebildeten Hunde: Der Hund ist nur etwa vier Zoll lang, knapp dreieinhalb Zoll hoch und zwei Zoll dick, aber das Interessante daran ist die Tatsache, dass er eine Inschrift eines gewissen Sumu-ilu trägt, eines Königs von Ur, der wahrscheinlich gegen Ende des dritten Jahrtausends regierte. bc, über den aber sonst wenig bekannt ist und dessen Name vor der Entdeckung dieses kleinen schwarzen Steinhundes noch nicht einmal bekannt war. Das für diese Skulptur verwendete Material ist Speckstein, und der Rücken des Hundes ist mit einem Loch durchbohrt, das als Ständer für eine zylindrische Specksteinvase diente.Seite 236Das Loch und die Vase sind offenbar jüngeren Datums als der Hund selbst.102

Ein weiteres sehr interessantes Beispiel frühbabylonischer Rundplastik ist ein kleiner Stier mit Menschenkopf.103 (vgl. Abb. 36, C), das heute im Louvre aufbewahrt wird. Es ist sozusagen der Archetyp oder Prototyp jener geflügelten Stiere und Löwen mit Menschenköpfen, die an den Eingängen der Paläste aufgestellt wurden, um vor bösartigen Dämonen zu schützen. Die Haltung des Stiers ist völlig natürlich und erinnert an die halb liegenden Kälber auf Entemenas Silbervase (vgl. Abbildung 45), aber dem Körper des Tieres fehlt der intensive Realismus der früheren Tierdarstellungen. Er trägt einen langen, vertikal gestreiften Bart, der auf beiden Seiten von Haarzöpfen flankiert wird, und auf seinem Kopf sitzt eine Kappe mit vier Hörnerpaaren.

In der Mitte seines Rückens befindet sich ein Loch, das zweifellos einmal als Sockel für ein Votivobjekt oder eine Figur diente, wie es anscheinend so häufig der Fall war; das besondere Interesse an dieser kleinen Skulptur liegt jedoch in der Muscheleinlage auf der Rückseite. Die Figur selbst besteht aus schwarzem Speckstein, die Einlage besteht aus gelber Muschel, und wir haben als Ergebnis einen etwas grotesk gezeichneten Stier. Manchmal wurden Tiere in Holz geschnitzt, ein gutes Beispiel dafür ist der kleine hölzerne Löwe im Louvre, aber die Überreste babylonischer oder assyrischer Holzschnitzerei sind viel zu spärlich, um uns zu ermöglichen, ihre Arbeit in dieser Richtung zu untersuchen.

Tafel XXV
\"Geflügelt
\"Geflügelt
Fotos, MansellBritish Museum
Geflügelter Löwe mit MenschenkopfGeflügelter Stier mit Menschenkopf

In späteren Zeiten kam die Rundplastik, die bei den Künstlern Mesopotamiens nie beliebt gewesen war, fast völlig aus der Mode, da es offensichtlich schwierig war, das notwendige Material zu beschaffen, und weil es sich um die Art der Arbeit selbst und die Hindernisse handelte, die bei der Realisierung dieser Arbeit überwunden werden mussten. Es bleiben jedoch Seite 237einige Beispiele für Tierskulpturen, zu deren wichtigsten jene riesigen geflügelten Stiere und Löwen mit Menschenköpfen zählen, die die Eingänge der Paläste von Ashur-naṣir-pal und Sargon bewachten (vgl. Tafel). XXV). Es handelt sich zwar weder um Flachreliefs noch um runde Skulpturen, sondern um eine Kombination aus beidem, wobei der Künstler versucht hat, von jedem Blickwinkel aus eine vollkommen natürliche und vollständige Wirkung zu erzielen, und seine Bemühungen haben den verdienten Erfolg gehabt. Das Mittel, das er eingesetzt hat, um dieses zufriedenstellende Ergebnis zu erzielen, besteht darin, jedes dieser außergewöhnlichen Monster mit einem fünften Bein auszustatten, obwohl nicht alle diese geflügelten Monster damit ausgestattet waren, mit den wichtigsten Ausnahmen der vierbeinigen Stiere in Sanheribs Palast in Kouyunjik. Die Schwierigkeit, mit der der Künstler konfrontiert war und die durch das oben erwähnte Mittel umgangen wurde, lag in der Unfähigkeit von vier Beinen natürlicher Proportionen, einen Steinkörper von der gigantischen Größe zu tragen, die die architektonischen Anforderungen erforderten, für die diese Kreaturen verwendet werden sollten. Kurz gesagt, eine rein runde Skulptur eines Löwen oder Stiers in der gewünschten, imposanten Größe war buchstäblich unmöglich, und daher musste das Relief ins Spiel kommen, wobei es lediglich darum ging, wie weit das Relief niedrig oder hoch sein sollte, und je höher es war, desto mehr näherte es sich natürlich dem Rund an und verwirklichte, was vermutlich die wahre Absicht des Künstlers war. Die Schaffung einer zufriedenstellenden Vorderansicht dieser Tiere war kein Problem, da die Sichtbarkeit der beiden Vorderbeine alles war, was nötig war, und der Nachteil, dass der Raum zwischen den Beinen von der massiven Steinmasse eingenommen wurde, die das Tier stützte und aus der es als Hochrelief geformt wurde, war vergleichsweise gering und vernachlässigbar. Aber die zufriedenstellende Darstellung des Tieres von der Seite war mit viel größeren Schwierigkeiten verbunden. Normalerweise schließen die beiden nahen Beine eines Vierbeiners, von der Seite betrachtet, keineswegs die beiden Beine auf der anderen Seite aus. Seite 238aus der eigenen Sicht. Der Künstler war sich der Schwierigkeit, der er hier gegenüberstand, klar bewusst und erfand ein geniales Mittel, tatsächlich das einzige Mittel unter den gegebenen Umständen, um diese inhärente Schwierigkeit zu überwinden. Er hat den Löwen oder den Stier, je nachdem, mit einem fünften Bein ausgestattet, mit dem zufriedenstellenden Ergebnis, dass die Handlung oder Untätigkeit des Tieres von beiden Standpunkten aus betrachtet auf vollkommen natürliche Weise wahrgenommen wird. Von vorne sieht man das geflügelte Monster in einer stationären Haltung, seine beiden Vorderbeine stehen fest zusammen auf dem Boden, während das Tier von der Seite auf der anderen Seite auf völlig normale und lebensechte Weise geht. Diese geflügelten Monster wurden auf beiden Seiten der Portale des Königspalastes aufgestellt und halfen, die Palastmauern zu stützen. Aber der Zweck, dem sie dienen sollten, und die Aufgaben, die sie erfüllen sollten, waren nicht rein architektonischer oder gar dekorativer Natur. Ihre Berufung umfasste zwar all diese kleineren Funktionen, aber sie beinhaltete auch die Erfüllung noch höherer Verpflichtungen, denn sie waren dazu bestimmt, die Angriffe bösartiger Geister aus der Unterwelt abzuwehren. Asarhaddon, König von Assyrien von 681-668 bc gibt ausdrücklich an, zu welchem ​​Zweck diese „Shedi“ oder „Lamassi“ – die assyrischen Namen für diese halbmythischen Monster – geschaffen und gemacht wurden. So sagt beispielsweise Esarhaddon in einer Passage – um die Übersetzung von Perrot und Chipiez (S. 266) zu zitieren –, dass „die schedi und lamassi sind günstig, sind die Wächter meiner königlichen Promenade und die Freuden meines Herzens, mögen sie immer über den Palast wachen und niemals seine Mauern verlassen“, und an einer anderen Stelle sagt er: „Ich ließ Türen aus Zypresse machen, die einen guten Geruch hat, und ich ließ sie mit Gold und Silber schmücken und in den Türöffnungen befestigen. Rechts und links dieser Türöffnungen ließ ich schedi und lamassi aus Stein, um aufgestellt zu werden, werden sie dort aufgestellt, um die Bösen abzuwehren.“ Die Vorderteile dieser Monster ragten immer über die allgemeine Seite 239Linie der Mauer, wobei sich der menschliche Kopf und die Brust jedenfalls außerhalb des Bogens befanden, den diese Tiere stützten.

Tafel XXVI

\"Stein

Foto. MansellBritish Museum
Steinlöwe von Ashur-naṣir-pal

Manchmal wird das geflügelte Monster mit Menschenkopf von einem geflügelten Fabelwesen flankiert, das in der linken Hand einen Korb und in der rechten einen Kegel hält (vgl. Tafel). XXV), zu anderen Zeiten steht er in isolierter Pracht allein. Der Kopf ist von dem vertrauten Typ, dem die Hälfte der assyrischen Darstellungen von Männern so streng entspricht, der Typ, der durch einen Bart gekennzeichnet ist, der andere Typ ist bartlos: Alle Mitglieder des Königshauses und des Adels scheinen Bärte getragen zu haben und hatten laut den assyrischen Bildhauern genau dieselben Gesichtszüge, die zahlreichen bartlosen Figuren auf den Flachreliefs repräsentieren die bescheideneren Klassen und zweifellos in einigen Fällen Eunuchen. Der Kopf dieses geflügelten Kolosses wird von einem erhabenen Kopfschmuck gekrönt, der reich mit Rosetten verziert und mit zwei Paar Hörnern versehen ist, dem allgegenwärtigen Zeichen der Heiligkeit. Das Haar und der Bart sind üppig und kunstvoll geschmückt, während der Schwanz mit der gleichen gewissenhaften Sorgfalt behandelt wird. Zwei riesige Flügel bedecken den Rücken und verlängern ihren Schatten spendenden Schutz ein Stück weit darüber hinaus. Das Relief, in dem der Körper und insbesondere die Beine erhoben sind, ist sehr hoch und sie stehen fast rund hervor. Viele dieser riesigen Steintiere wurden in Nimrud, Khorsabad, der Hauptstadt Sargons, und Ninive gefunden.

Aber obwohl die Assyrer in ihren großen runden oder halbrunden Bildhauerwerken eine ausgeprägte Vorliebe für mythische Ungeheuer an den Tag legen, erwiesen sie sich auch als fähig, Tiere der normalen Ordnung zu konzipieren und bewundernswert umzusetzen; eines der besten Beispiele einer assyrischen Tierschnitzerei ist der kolossale Löwe von Ashur-naṣir-pal (vgl. Tafel). XXVI), der sich heute im Britischen Museum befindet und einst Teil eines Gebäudeeingangs war. Dieser Löwe ist etwa 2,44 m hoch und 4,35 m lang. Seite 240und trägt eine Inschrift wie viele der geflügelten Stiere und Löwen mit Menschenköpfen. Der Löwe hat auch fünf Beine wie so viele der letzteren. Der Kopf ist mit großer Kühnheit und Kraft geschnitzt, obwohl er ein wenig konventionell ist. Die Kiefer sind verlängert, die Oberlippe und die Nasenlöcher sind nach oben gezogen, und selbst eine einfallslose Person könnte sich gut einbilden, ein tiefes Brüllen aus diesem wilden, weit geöffneten Maul zu hören. Sein Hals ist mit einer dicken Mähne und Büscheln aus steifem Haar bedeckt. Um die beste Sicht auf die Skulptur zu erhalten, das heißt die Sicht, bei der der Betrachter dem Können des Künstlers das volle Maß oder sogar ein Übermaß an Gerechtigkeit zuteil werden lässt, muss man seine Beobachtung von der Seite aus vornehmen. Die Vorderansicht ist enttäuschend, da der Löwe für seine Länge und Höhe zu dünn ist und es ihm daher nicht nur an künstlerischem Wert mangelt, sondern auch an der würdevollen Majestät, deren symbolische Verkörperung er immer war. Doch trotz dieser offensichtlichen Nachteile erzwingt das Werk als Ganzes Bewunderung und fesselt unweigerlich die Aufmerksamkeit, denn es besitzt das „einzig Notwendige“ – Leben. Ein Vergleich zwischen dem Löwenkopf und dem eines der geflügelten Monster mit Menschenkopf zeigt sofort, worauf so oft angespielt wurde, nämlich das Genie, das die Assyrer zu allen Zeiten und in allen Epochen bei der Darstellung von Tieren zeigten, und die kontrastierende Sorgfalt, mit der alle ihre Darstellungen menschlicher Gesichter ausnahmslos gekennzeichnet sind. Doch es gibt zumindest eine allgemeine Bemerkung, die man zu assyrischen Skulpturen machen kann, eine Bemerkung, die sowohl auf menschliche als auch auf tierische Skulpturen zutrifft, und zwar, dass das Werk des Künstlers, ob es sich nun um ein natürliches oder mythisches, menschliches oder tierisches Thema handelt, nie ohne Kraft und nie ohne Eindruckskraft ist, eine Eigenschaft, die in unseren Tagen im Allgemeinen durch ihre Abwesenheit auffällt. Weitere interessante Tierskulpturen wurden in Untermesopotamien gefunden, die berühmteste davon ist der riesige schwarze Basaltlöwe auf dem Hasr-Hügel in Babylon (vgl. Tafel). XXVII).Seite 241Es besteht aus einem Löwen, der über einem nackten Menschen aufragt, der auf dem Boden liegt. Das ganze Stück ist aus Basalt. Die Überreste eines weiteren großen Steinlöwen wurden im Zuge der jüngsten deutschen Ausgrabungen in Babylon entdeckt. Dreißig Fragmente des Dolerits, aus dem er bestand, wurden geborgen, darunter ein Teil einer der Klauen, der über drei Zoll lang ist und beweist, dass der Löwe ungewöhnlich groß gewesen sein muss, während seine allgemeine Form und Erscheinung auf ein hohes Alter hindeuten.

Tafel XXVII

\ „Die

Der Kasr-Löwe
(Aus Dieulafoy, „L'Art Antique de la Perse“, Bd. 3. Pl. 13)

Es ist in der Tat gut für uns, dass das ästhetische Genie der Babylonier und Assyrer eher in haltbarem Stein Ausdruck fand als in irgendeinem anderen, vergänglicheren Material. Die Schwierigkeiten, die die Bildhauerei mit sich bringt, sind zugegebenermaßen groß genug, und wir sind der Ausdauer und Entschlossenheit dieser alten Völker zu Dank verpflichtet. Sie führten sie dazu, zur Verwirklichung ihrer Ideen ein Material zu erobern und zu formen, vor dessen Angriff eine weniger entschlossene und ausdauernde Nation wohl zurückgeschreckt wäre.


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KAPITEL VII - METALLURGIE

IIn der Kunst der Metallbearbeitung zeigten die Babylonier ein beachtliches Maß an Können: Es wurde bereits nachgewiesen, dass die Art und Weise, wie Metall hergestellt wurde, seinen Teil zur vollendeten Arbeit des Architekten beitrug, sowie seine Verwendung als Material, in das der Schreiber seine vergleichsweise unvergänglichen Denkmäler eingravieren konnte, aber die Rolle, die es in der Geschichte der Kunst des Landes sowie im Wachstum seiner Zivilisation spielte, muss noch untersucht werden. Die Metalle, die bei den Bewohnern Mesopotamiens am häufigsten verwendet worden zu sein scheinen, sind Kupfer und Bronze. Wie in jedem anderen Land wurde Stein als Material zur Herstellung von Messern, Äxten und Werkzeugen aller Art verwendet, bevor Metall im Euphrattal bekannt und verwendet wurde. Taylor fand in Abû Shahrein (Eridu) verschiedene Feuersteine.104 Auch in Fâra (Shuruppak) entdeckten die deutschen Ausgräber zahlreiche Feuersteinmesser und -sägen sowie einige Beile und Werkzeuge aus demselben Material, und an derselben Stelle wurden weitere Werkzeuge aus Knochen gefunden. Doch die Kupferzeit begann in einer sehr frühen Periode der babylonischen Zivilisation, zu einer Zeit vor dem Aufkommen der Keilschrift, und während selbst die früheren Bildzeichen noch nicht vom stereotypen Formalismus späterer Tage beeinträchtigt waren, war Kupfer bereits an die Bedürfnisse und Anforderungen der Menschheit angepasst worden.105

\"Feige.

Abb.. 37.—A (Kat., S. 367; Dez. in Chald., Pl. 5 tert. Musée du Louvre.)
B (Heuzey, Une Villa Royale, Abb. 19.)

In Ur (Muḳeyyer) entdeckte Taylor eine große Speerspitze aus Kupfer und zwei Pfeilspitzen aus demselben Seite 243Metall, während M. De Sarzec in den frühen Schichten von Tellô eine etwa 31,5 Zoll lange Kupferklinge entdeckte, die zu einer Votivlanze gehörte. Leider ist der Name des Königs, der sie geweiht hatte, aufgrund der Oxidation des Metalls verloren gegangen, aber der Titel „König von Kisch“ ist noch deutlich lesbar, da Kisch eine der ältesten Stätten der Euphrat-Zivilisation ist (vgl. Abb. 37, A). Die Angel der Klinge ist mit vier Löchern durchbohrt, und auf einer der flachen Oberflächen der Klinge selbst ist die Figur eines Löwen eingraviert, zwar grob, aber temperamentvoll. Dieses einzigartige Objekt wurde in großer Tiefe gefunden, und zwar nur 15 cm über der Schicht, in der die architektonischen Überreste von Ur-Ninâ vergraben waren. Nicht weit entfernt entdeckte De Sarzec ein riesiges hohles Rohr aus geschlagenem Kupfer (vgl. Abb.). 37, B) über zehn Fuß lang und vier Zoll im Durchmesser; es wurden auch mehrere Kupfernägel gefunden, mit denen dieses lange Rohr an einem Holzpfahl befestigt war. Das Rohr selbst verjüngt sich nach oben und ist an seiner Spitze mit einer hohlen Kugel aus gehärtetem Bitumen gekrönt, etwas darunter befindet sich ein großer halbrunder Griff oder etwas, das als Griff aussieht, aus einem hohlen Rohr und ebenfalls aus Kupfer. Der Zweck dieses seltsamen Geräts ist unbekannt, aber es ist auf einigen der frühen Rollsiegel sowie auf der bekannten Vase von Gudea genau nachgebildet. Es gibt verschiedene Vermutungen über den Zweck, dem es diente; eine Theorie besagt, dass es sich um einen Streitwagen handelt. Seite 244Ein anderer behauptet, es handele sich um einen Pfahl, ein anderer, es sei Teil einer Standarte, aber ersteres ist aufgrund der Position, die es auf den Siegeln und der oben erwähnten Vase einnimmt, unzulässig. Letzteres könnte jedoch der Wahrheit nahe kommen.

Zu den frühesten Beispielen der babylonischen Metallurgie zählen eine Reihe sehr kleiner Kupferdarstellungen von Tieren in hockender Haltung, die alle offensichtlich zur häuslichen Ordnung gehören, obwohl sie in einigen Fällen so mit Grün bedeckt sind, dass es schwierig ist, genau zu bestimmen, welche Tiere sie darstellen sollen. Sie sind wahrscheinlich als Opfergaben an die Götter zu betrachten und sind in der Tat ein wirtschaftlicher Ersatz für tatsächliche Opfer. Sie wurden von De Sarzec in den untersten und daher ältesten Schichten der zerstörten Hügel von Tellô gefunden. Eine andere Klasse von Metallgegenständen, die wir ebenfalls vor der Zeit von Ur-Ninâ, dem Gründer der ersten Dynastie von Lagasch, datieren müssen, umfasst eine Reihe von Kupferstatuetten, die alle in Form, Kontur und Stil, jedoch nicht in der Größe, ziemlich gleich sind. Sie alle zeigen die Büste einer Frau, die Hände vor der Brust verschränkt, und ihr Haar hängt wie eine schwere Perücke um ihren Hals, während die Welligkeit des Haares durch stark ausgeprägte horizontale Linien angedeutet wird (vgl. Abbildung 38, C). Der Stil erinnert sofort an die Figuren auf den groben Flachreliefs aus derselben Zeit. Eine weitere Besonderheit dieser kleinen Figuren ist die Art und Weise, wie sie alle in der Spitze eines Nagels enden, mit dem sie im Boden befestigt werden sollten, um das Vordringen von Dämonen aus der Unterwelt zu verhindern.

\"Feige.

Abb.. 38.–A, C (vgl. Kat., S. 295). Musée du Louvre.
B (vgl. Dez. in Chald., Taf. 2 tert., Nr. 3).

Auch Ur-Ninâ verwendete Kupfer in großem Umfang als Material für seine Votivstatuetten. Eine Anzahl dieser Statuetten wurden in Tellô von De Sarzec gefunden; sie weisen alle die gleichen Merkmale auf wie die oben erwähnten früheren Figuren und stellen eine Frau dar, deren Hände vor der Brust gefaltet sind und deren Haar in stark ausgeprägten senkrechten Streifen über ihren Rücken fällt. Seite 245während der Körper ebenfalls in einer Nagelspitze endet, die in den Boden gesteckt werden soll (vgl. Abb. 38, A). Aber der Hauptpunkt, der Ur-Ninâs Statuetten von denen aus der früheren Periode unterscheidet, liegt in der zusätzlichen Rolle, die sie spielen sollten; sie waren nicht nur Schutzamulette, sondern mussten auch Steintafeln auf ihren Köpfen tragen. Damit sie ihre Last leichter tragen konnten, wurden sie in eine Art flachen Ring eingefasst, dessen Ende dem Schwanz eines Vogels ähnelte und so den Kopf bei seiner sonst mühsamen Aufgabe unterstützte (vgl. Abb.). 38, B). Fünf dieser kleinen Figuren trugen noch immer eine dicke Tafel aus gräulichem Stein auf dem Kopf, die an der Oberseite konvex war, wie die Ziegelsteine ​​dieses Königs. Sie wurden im Allgemeinen in Vertiefungen von etwa 28 Zoll Breite, Länge und Höhe vergraben und mit Ziegeln und Bitumen eingemauert gefunden. Später in der Dynastie wurde die Praxis der Bereitstellung von Seite 246Diese Statuetten mit Ringen in Vogelschwanzform, die die beschrifteten Steintafeln stützen sollten, scheinen außer Gebrauch geraten zu sein; jedenfalls weisen die Statuetten von Entemena, der vierten Nachfolgerin von Ur-Ninâ, keine derartigen Ringe auf; in die Alabastertafeln sind lediglich Löcher gebohrt, in die der Kopf der Statuette fest eingesetzt wurde.

Eine weitere Klasse von Kupferstatuetten aus etwas späterem Alter sind die sogenannten „Kanephoren“ oder Korbträger. Die ältesten von ihnen stammen ebenfalls aus Tellô: Es sind manchmal männliche, manchmal weibliche Figuren, aber alle tragen Körbe auf dem Kopf. Eine davon ist in Abb. zu sehen. 39, B. In diesem Fall ist das Kleidungsstück so angeordnet, dass die Form der Beine sichtbar wird. Die Inschrift informiert uns darüber, dass diese Statuette von Gudea Nin-girsu geweiht wurde. Über den vermuteten Inhalt der Körbe lässt sich nichts sagen: Möglicherweise sollen sie Opfergaben enthalten, aber De Sarzec betrachtete diese Figuren als Darstellungen des Patesi selbst, der in dem heiligen Korb Lehm für den Bau des Tempels transportierte.

Die Anweisungen, die der Gott Nin-girsu Gudea in einem Traum bezüglich des Baus seines Tempels gab, beziehen sich direkt auf eine symbolische Handlung, die sicherlich große Ähnlichkeit mit der Handlung hat, mit der diese Kanephorus-Figuren beschäftigt zu sein scheinen. Gudea wurde ein heiliger Ziegelstein auf einem Kissen überreicht, den er nach der Durchführung verschiedener Riten und Zeremonien auf seinen Kopf legte und zum Tempel trug – ein äußeres und sichtbares Zeichen seines Gehorsams gegenüber dem göttlichen Willen und seiner Entschlossenheit, den altehrwürdigen Tempel seines Gottes wiederherzustellen. Aber was auch immer die richtige Interpretation dieser Kanephorus-Figuren sein mag, sie erinnern sicherlich an die Aufgabe, mit der Ur-Ninâ auf dem berühmten Flachrelief beschäftigt ist, auf dem er umgeben von seiner Familie und dem Hofstaat dargestellt ist (vgl. Abb.). 26).

Eine weitere Figur derselben Klasse, die auch in Heuzeys und De Sarsecs monumentalem Werk reproduziert wird, Seite 247trägt eine Inschrift von Dungi, König von Ur (Umlauf 2400 bc), aber die unteren Gliedmaßen sind nicht ausmodelliert, sondern haben die Form eines Kegels; die andere Statuette auf der gleichen Tafel106 ist im Gegenteil sehr sorgfältig modelliert und mit einem kurzen, bis zu den Knien reichenden Gewand bekleidet, trägt aber leider keine Inschrift.

\"Feige.

Abb.. 39.—A, B, C (vgl. Kat., S. 315, 307, 301; Nr. 164, 158, 146).
Louvre Museum.

Einige Jahrhunderte später errichteten die elamitischen Eroberer Kudur-Mabug und sein Sohn Rîm-Sin ihre Vorherrschaft über ganz Sumer und Akkad undSeite 248behielten ihre Position, bis Khammurabi, der damalige König von Babylon, Rîm-Sin in seinem einunddreißigsten Regierungsjahr besiegte und ihre Namen auf ähnliche Statuetten eingravieren ließ (vgl. Abb.). 39, A).

Die hier abgebildete Figur ist die einer Frau; ihr Gewand, das die Form eines Rocks hat, lässt uns nicht die Füße sehen, verjüngt sich nach unten und erinnert an die früheren Statuetten mit Nägeln. Die Nacktheit der Büste und das Fehlen von Haaren auf dem Kopf sind Hinweise darauf, dass es sich bei der betreffenden Frau um eine Sklavin handelt und ihre Berufung wahrscheinlich darin bestand, beim Bau der Tempel der Götter zu helfen. Stilistisch ist diese Figur mutiger ausgeführt als die frühere Statuette von Gudea in Abb. 39, B. Es trägt eine Inschrift, in der Kudur-Mabug und sein Sohn Rîm-Sin erwähnt werden.

Manchmal gibt es auch männliche Kanephoren, ein gutes Exemplar davon wird im Britischen Museum aufbewahrt; es stammt wie so viele dieser frühen Kunstwerke aus Tellô. Ein weiteres hervorragendes Exemplar wurde vor einigen Jahren dem Berliner Museum überreicht; es ist etwas mehr als zehn Zoll groß und trägt eine sehr deutlich geschriebene sumerische Inschrift; die Namen Kudur-Mabug und Rîm-Sin kommen vor, und die Statuette wurde „für die Erhaltung des Lebens“ geweiht, wie es bei diesen Votivfiguren immer der Fall war.

Eine weitere interessante Klasse von Kupferfiguren wurde von De Sarzec in Tellô entdeckt: Sie bestand aus einer Anzahl kleiner Statuetten, von denen die meisten vom Patesi Gudea geweiht worden waren; jede ist in kniender Haltung und hält einen Kegel zwischen den Händen, während die Kopfbedeckung aus der gehörnten Kappe besteht, die für alle mesopotamischen Gottheiten charakteristisch ist, ob früh oder spät. Diese kleinen Figuren sind etwa 20 bis 23 Zentimeter hoch. Die Kegel sind mit einer Votivinschrift versehen, und die Kegel selbst müssen wahrscheinlich als religiöse Symbole betrachtet werden. Kegel aus Ton oder Stein aus dieser Zeit sind recht häufig, ihr Vorkommen in Kupfer ist jedoch Seite 249und in direktem Kontakt mit der Statue eines Menschen ist sehr selten. Ein einfacher langer Kupferkegel mit einer Länge von 1 Fuß 1 1/2 Zoll und einer archaischen Inschrift wird heute im British Museum aufbewahrt. Dies ist jedoch eine Ausnahme, da Metallkegel aufgrund ihres seltenen Vorkommens in der babylonischen Kunst in fast allen Fällen mit menschlichen oder quasi-göttlichen Figuren in Verbindung gebracht werden.

Eines der besten und zugleich ältesten Beispiele dieser kupfernen Kegelstatuetten ist das von Ur-bau (Umlauf 2500 bc) Patesi von Lagasch, jetzt im Louvre aufbewahrt und in Abbildung 39, C, reproduziert. Diese Figur wurde in einer Tonvase gefunden, in deren Boden drei Löcher gebohrt waren, und sie wurde von einer schönen weißen Marmortafel begleitet, deren Inschrift eine Art Zusammenfassung des Textes ist, der auf der Statue dieser Patesi gefunden wurde. Der Gott kniet auf einem Knie und seine Hände stützen einen länglichen Kegel fest, der den nagelspitzen Enden der früheren Figuren ähnelt. Der Kopfschmuck besteht aus einer gehörnten Kappe. Die Gesichtszüge sind trotz ihrer Schwere voller Ausdruck und Kraft, und die Statuette als Ganzes zeigt einen großen Fortschritt gegenüber den künstlerischen Produkten aus der Zeit der ersten Dynastie von Lagasch und schneidet auch im Vergleich mit den späteren Arbeiten aus Gudeas Zeit sehr gut ab.

Unter anderen interessanten frühen Kupferobjekten sind insbesondere zwei Stierköpfe zu nennen, die nicht wie alle bisher erwähnten Figuren massiv, sondern hohl gegossen sind, sowie eine merkwürdige Vase. Alle wurden zusammen in Tellô in der Schicht unmittelbar über der Schicht gefunden, die die Zeit von Ur-Ninâ repräsentiert.107 Die Stierköpfe (vgl. Abb. 40, A) sind praktisch identisch im Typ, jedoch nicht in der Größe; die Hörner sind lang und die Schnauze kurz, aber trotz ihrer Rohheit sind diese Köpfe voller Vitalität und nicht ohne ihren eigenen Charme. Der größere der beiden, der in Abb. zu sehen ist. 40, A, hat seine Augen mit Perlmutt eingelegt, während die Pupillen der Augen gemacht sind Seite 250aus Lapislazuli; es ist etwa siebeneinhalb Zoll hoch (einschließlich der Hörner); der kleinere Kopf ist nur fünfeinhalb Zoll hoch.

\"Feige.

Abb.. 40.—A, C, D (Musée du Louvre) Kat., S. 318, 310, 324.
B (von Hilprecht, Erkundungen, p. 540).
E (von Harper, AJSL, XX, S. 266).

In Fâra wurde ein exquisiter Kopf einer Markhur-Ziege entdeckt (vgl. Abb. 40, B); der Kopf selbst ist aus Kupfer, aber die Augen waren aus Muschel, wobei das Weiß durch weiße Muschel und die Pupillen durch dunkelbraun dargestellt wurden. Zwischen den Augen befindet sich ein dreieckiges Ornament aus Perlmutt, das mit weißen und braunen Muscheln eingelegt ist. Der Hals der Gazelle ist hohl und ihr Kopf war an einem mit Kupfer überzogenen Holzkörper befestigt.

Eine weitere interessante Darstellung der Tierwelt in Metall wurde uns von Dungi, dem König von Ur, hinterlassen und besteht aus einem Stier, der auf der Spitze eines langen Nagels liegt (vgl. Abb.). 40, C). Der Stier erinnert an das Opfertier, das auf dem in Abb. reproduzierten kleinen Skulpturenblock abgebildet ist. 27Die Hörner sind kurz wie dort, aber die Seite 251Der dicke Hals und die aufgeblähte Kehle lassen sofort an einen brüllenden Stier denken, die Haltung ist wunderbar natürlich und das ganze Werk voller Kraft und Lebendigkeit. Es ist etwa sechsundsechzig Zentimeter groß.

In Abb. 40, D108 Wir haben eine Abbildung eines weiteren kleinen Metallstiers, wobei das Metall in diesem Fall Bronze ist – ein Hinweis auf ein etwas späteres Datum – und die Haltung stehend ist. Der Fundort ist ungewiss, aber wie M. Heuzey sagt, zeigt es keine Spur von hartem assyrischen Konventionalismus, sondern weist im Gegenteil alle typischen Merkmale der frühen babylonischen Kunst auf. Der Stier, der zwölf Zoll hoch und dreizehn Zoll lang ist, steht auf einem schmalen Sockel, an dessen Unterseite offenbar ein Nagel befestigt war, was an die nagelspitzen Statuetten aus Tellô erinnert. Das besondere Interesse dieser kleinen Figur liegt in der Tatsache, dass sie mit Silber eingelegt ist, was offensichtlich dazu diente, die Markierungen einer bestimmten Stierrasse darzustellen. Die Augen waren einst mit diesem Metall eingelegt, und die dünnen Silberplatten, mit denen der Körper des Tieres eingelegt war, sind noch vorhanden. Diese kleine Figur beweist somit, dass die Babylonier nicht nur die Kunst des Einlegens von Gegenständen aus Stein, sondern auch von Gegenständen aus Metall erlernt hatten.

Unter anderen frühbabylonischen Tierdarstellungen aus Metall kann ein „bronzenes Objekt mit Löwenkopf“ erwähnt werden (vgl. Abb.). 40, E) in Bismâya entdeckt.109Der Dorn selbst misst, abgesehen vom Löwen, neunzehn Zoll. Da er über acht Fuß unter einer Plattform aus plankonvexen Ziegeln gefunden wurde, muss er sehr alt sein, und im Lichte späterer Forschungen kann man wohl davon ausgehen, dass er nur dem Anschein nach aus Bronze ist, wie so viele Produkte der frühen sumerischen Metallurgie, und dass jede Legierung, die es im Kupfer geben könnte, zu diesem Zeitpunkt zufällig und nicht beabsichtigt war. Der Löwe ist grob, aber die Künstlerin Seite 252seine Unerfahrenheit hat ihn nicht daran gehindert, ein Tier zu schaffen, das sowohl eine natürliche Haltung als auch eine künstlerische Wirkung hat.

In Nippur, Fâra, Tell Sifr und an anderen babylonischen Stätten wurden zahlreiche weitere Gegenstände und Waffen aus Kupfer entdeckt, darunter Hämmer, Messer, Dolche, Beile, Fesseln, Spiegel, Angelhaken, Netzgewichte, Speerspitzen, Vasen, Schalen und Kessel. Die Waffen hatten manchmal Nieten als Holzgriffe, die jedoch längst verschwunden sind.110

Die Formen, in die all diese Kupfergegenstände, sowohl hohle als auch massive, gegossen wurden, bestanden wahrscheinlich aus Ton, obwohl in späteren Zeiten häufig Stein als Material zur Herstellung von Formen für den Metallguss verwendet wurde. Mehrere Beispiele solcher Formen aus Speckstein, in die Ohrringe und andere Schmuckstücke gegossen wurden, befinden sich heute im Britischen Museum. In derselben späten Periode scheint Bronze selbst verwendet worden zu sein, und Bronzeformen für Pfeilspitzen sind noch vorhanden. Es gibt jedoch keine Beweise für die Verwendung von Stein- oder Metallformen bei den Sumerern, und wir müssen zweifellos zumindest teilweise die außergewöhnliche Lebendigkeit dieser frühbabylonischen Figuren ihrer Verwendung von Tonformen zuschreiben, denn offensichtlich wäre die Gestaltung eines Stierkopfes oder eines Menschenkopfes in Ton eine vergleichsweise einfache Arbeit als das Meißeln in Stein, und die Arbeit würde folglich nicht die schwere Arbeit erfordern, die so oft das herausragende Merkmal früher Steinskulpturen ist. Die Kupferreste aus dieser Zeit sind bei weitem nicht so umfangreich, wie man es sich wünschen würde, aber viele Waffen, Werkzeuge und andere Gegenstände, die zweifellos aus Metall und daher wahrscheinlich aus Kupfer zu dieser Zeit hergestellt worden sein müssen, sind auf einigen der frühesten babylonischen Reliefs und Siegel abgebildet und geben uns eine Vorstellung von der umfangreichen Verwendung, die die Babylonier Seite 253aus dieser fernen Zeit aus Metall bestanden haben muss, und an die zahlreichen Zwecke, für die sie es verwendeten. Manchmal scheint es, als hätten sie die benötigten Objekte nicht mit Hilfe von Formen hergestellt, sondern sich ganz auf den Hammer verlassen: Beweise dafür lieferte die Entdeckung eines Teils des Horns eines Ochsen durch De Sarzec in Tellô. Leider wurde kein anderer Teil des Tieres, zu dem dieses Horn gehörte, ans Licht gebracht, aber das Horn ist lebensgroß und gut verarbeitet. Der Kern bestand aus Holz, auf dem die Kupferplatten mit kleinen Nägeln befestigt waren.

Der genaue Zeitpunkt, wann die Mesopotamier die Kunst erlernten und praktizierten, dem Kupfer einen gewissen Anteil Zinn beizufügen und es dadurch zu Bronze zu machen – einem Metall, das eine höhere Festigkeit als Kupfer besitzt – ist nicht bekannt, aber eine Beurteilung auf Grundlage der Beweise, die die tatsächlich chemisch analysierten Fälle liefern, würde darauf hinweisen, dass die künstliche Kombination von Kupfer und Zinn erst in der assyrischen Ära bekannt war und dass jeder Anteil an Zinn oder Antimon, der in Kupfergegenständen aus früherer Zeit gefunden wurde, eine natürliche und keine künstliche Legierung ist. Es ist jedoch bemerkenswert, dass anscheinend bereits zur Zeit von Bur-Sin, dem König von Ur (Umlauf 2400 bc), war die Kunst des Mischens von Metallen nicht unbekannt. Eine Kupferstatuette des Kanephorus-Ordens, die eine Inschrift dieses Königs trägt, enthält jedenfalls eine Bleilegierung, wobei der Bleianteil bis zu 18 Prozent beträgt. Doch mit dem Aufstieg der assyrischen Macht wurde Kupfer allmählich durch Bronze verdrängt; Kupfer wurde tatsächlich noch verwendet, und Asarhaddon beispielsweise berichtet uns, dass er die Türen eines der Paläste, die er für sich selbst errichtete, aus Zypressenholz anfertigte und sie zusätzlich mit Silber und Kupfer überzog; es wurde auch für untergeordnete Zwecke verwendet, beispielsweise zur Herstellung von Farbe,111 aber es hörte auf, einen wichtigen Platz im Leben der Menschen einzunehmen, wenn auch natürlich als Hauptverursacher der künstlich Seite 254In komponierter Bronze wurde es noch immer häufig verwendet, wenn auch in weniger auffälliger Weise.

Ein gutes Beispiel für die Verwendung von Bronze in der frühen assyrischen Zeit ist ein Krummsäbel (vgl. Abb.). 41, A) mit einer Inschrift von Adad-nirari I., König von Assyrien um 1325 bc Die Gesamtlänge des Schwertes beträgt etwas über 21 Zoll, die Länge der Klinge beträgt 16 Zoll und die des Griffs etwa fünf, während seine Breite zwischen etwas über einem und knapp unter zwei Zoll variiert. Das Schwert war offensichtlich ein zeremonielles Schwert und wurde möglicherweise einmal in die Hand einer Statue eines Gottes gelegt; sein Griff war anscheinend mit Juwelen und Elfenbein eingelegt,112 und es ähnelt dem von Macalister in Gezer in Südpalästina gefundenen Schwert. Es ist interessant, den Krummsäbel von Adad-nirari mit dem von Andrae in Ashur gefundenen Schwert zu vergleichen (vgl. Abb. 41, B), von dem es sich in seiner Art und Gestaltung völlig unterscheidet, da letztere vollkommen gerade ist. Eine weitere interessante Entdeckung, die Andrae an derselben Stelle machte, ist eine bronzene Axt (vgl. Abb. 41, C), das in seinem Aussehen recht modern ist und einem Eispickel mit kurzem Griff nicht unähnlich ist.

\"Feige.

Abb.. 41.—A (vgl. TSBA, Bd. IV, Taf. 2, S. 347).
B (vgl. Andrae, Der Anu-Adad Tempel, p. 53).

Tafel XXVIII

\"Bronze

Foto. MansellBritish Museum
Bronzeobjekte aus Nimrûd

Viele andere Waffen, Geräte, Schüsseln, Schalen und Seite 255Ringe aus Bronze wurden in Ninive, Nimrud und anderswo entdeckt. In Platte XXVIIIhaben wir einen bronzenen Ochsenhuf, der offenbar das Bein eines Throns bildete, und zwei andere bronzene Thronbeschläge. Darunter sind zwei der bronzenen Löwengewichte aus Nimrud. Viele dieser Gewichte sind in Keilschrift mit den Namen der Könige beschriftet, während deren Herrschaft sie hergestellt wurden, zB Tiglatpileser, Salmanassar IV. und Sanherib, und ihre Gewichtsangaben sind in Phönizisch eingraviert. Sie wurden möglicherweise von phönizischen Einwanderern hergestellt. Das erforderliche spezifische Gewicht jedes Gewichts wurde normalerweise erreicht, indem Stücke von der Basis abgemeißelt wurden, aber in einem Fall musste das Gewicht erhöht und nicht verringert werden, und dies wurde erreicht, indem der hohle Körper des Löwen mit Blei gefüllt wurde, bis er das erforderliche Gewicht hatte. Unmittelbar über dem Kopf des größeren der beiden hier dargestellten Löwen sehen wir den bronzenen Kopf eines babylonischen Dämons.

Assyrische Bronze enthält im Allgemeinen einen Teil Zinn und zehn Teile Kupfer. Bei den von Layard in Nimrud gefundenen Bronzeglocken (eine davon ist in Tafel 1 abgebildet) XXVIII), wurde durch Analyse festgestellt, dass der Zinnanteil bei etwa vierzehn Prozent lag. Dies geschah zweifellos, um ihren Klang resonanter zu machen. Die betreffenden Glocken variieren in der Größe, die größte ist etwa dreieinhalb Zoll hoch und zweieinhalb Zoll im Durchmesser,113 Die kleinste ist 1 1/4 Zoll hoch und hat einen Durchmesser von 1 1/4 Zoll. Die Klöppel dieser Glocken sind aus Eisen.

Aber die Bronzeschalen aus Nimrud zeigen die Arbeit der assyrischen Metallgraveure vielleicht auf ihrem Höhepunkt und bieten mehr Material für das Studium dieses Zweiges der assyrischen Metallurgie als jede andere Klasse von Objekten. Der allgemeine Dekorationsstil, dem sie entsprechen, ist der, der durch konzentrische Kreise bestimmt wird, die die obere Oberfläche der Schale in so viele Register zerschneiden, obwohl manchmal fast Seite 256Das gesamte Feld ist mit einer Szene besetzt. Die dargestellten Figuren weisen häufig einen sehr starken ägyptischen Einfluss auf und sind manchmal vollständig ägyptisch gestaltet.

In Platte XXIX Wir haben eine Reproduktion einer der am besten erhaltenen dieser Bronzeschalen, die Layard in Nimrud gefunden hat. Die Greife, die den Hauptplatz in der Dekoration einnehmen, sind vollständig ägyptischen Ursprungs und tragen außerdem auf ihren Köpfen die bekannte Doppelkrone Ober- und Unterägyptens. Der vordere linke Huf jedes Greifs ruht auf fast elterliche Weise auf dem Kopf eines Kindes, das ebenfalls eindeutig Ägypter ist. Sowohl vor, zwischen als auch hinter den Greifen sind sich verjüngende Säulen zu erkennen, wie sie häufig in der ägyptischen Architektur zu finden sind, und in der Mitte des Raums, der den Rücken eines Greifs vom Rücken des nächsten Tieres in der angrenzenden Gruppe trennt, befindet sich eine massivere Säule, deren Kapitell die Form eines geflügelten Skarabäus hat. Die Tiere sind alle im Relief herausgeschlagen, aber die fein ziselierten Kreise aus Blumen, die die einzige Dekoration in der Mitte bilden, sind das Werk des Graveurs.

Tafel XXIX

\"Bronze

Foto. MansellBritish Museum
Bronzeschale aus Nimrûd

\"Feige.

Abb.. 42. (Nach Layard.)

In Abb. 42 Andererseits haben wir eine Schale, die ebenfalls aus Bronze ist und an derselben Stelle wie die oben beschriebene gefunden wurde, aber sie verrät nicht die geringste Spur ägyptischen Einflusses. Das Motiv wird in Mesopotamien häufig verwendet; die Verzierung runder Gegenstände durch aufeinanderfolgende Tierketten, die einander im Kreis folgen, war keine Erfindung der Assyrer, denn sie lässt sich bis in die früheste sumerische Zeit zurückverfolgen. Sie kommt auf der berühmten Silbervase von Entemena vor (vgl. Abb. 45) sowie auf dem steinernen Keulenkopf von Mesilim (vgl. Abb. 26), der mit einer Gruppe wunderbar lebensechter Löwen verziert ist, die einander um den Streitkolben herum verfolgen. Im innersten Kreis ist ein Trupp Gazellen zu sehen, wie sie häufig auf Rollsiegeln abgebildet sind (vgl. Abb.). 51), marschieren in einer Reihe; das mittlere Register bildet den Zirkus für eine Vielzahl von Tieren Seite 257alle marschieren in die gleiche Richtung wie die Gazellen. Auf einen Stier, einen geflügelten Greif, einen Steinbock und eine Gazelle folgen zwei Stiere, die von Löwen angegriffen werden, sowie ein Greif, ein Stier und eine Gazelle, die alle jeweils von Leoparden angegriffen werden. In der äußersten Zone gibt es eine majestätische Prozession realistisch gestalteter Stiere, die in die entgegengesetzte Richtung zu den in den beiden inneren Kreisen paradierenden Tieren marschieren und so die sonst aggressive Monotonie der Dekorationen auflockern. Die Erhaltung des Griffs, an dem die Stiere gehalten oder aufgehängt wurden, ist ein zusätzliches Merkmal. Seite 258Interessanter Punkt. Leider tragen diese Platten keine Keilschriftinschriften, obwohl einige von ihnen auf der Rückseite eine Inschrift in phönizischen Buchstaben aufweisen, was wahrscheinlich ein Hinweis darauf ist, dass sie von phönizischen Künstlern hergestellt wurden, wenn sie nicht tatsächlich in Phönizien selbst hergestellt wurden. Wie bereits erwähnt, sind einige der in Frage kommenden Platten in Kunst und Konzeption eindeutig assyrisch, während andere mit Sicherheit ägyptisch sind, aber ungeachtet dieser Tatsache gibt es Hinweise darauf, dass diejenigen, die den größten ägyptischen Einfluss aufweisen, nicht aus Ägypten stammen und wahrscheinlich nicht das Werk ägyptischer Künstler waren. Eine dieser Platten ist beispielsweise mit einem Kreis von Kartuschen verziert, die ägyptische Hieroglyphen enthalten: aber die Hieroglyphen sind ziemlich willkürlich angeordnet, sie bedeuten nichts, und diese Tatsache allein würde darauf hindeuten, dass der Künstler, wer auch immer er war, kein Ägypter, sondern ein Plagiator war.

Die unterschiedlichen und unterschiedlichen Kunststile, denen die Verzierungen dieser verschiedenen Gerichte entsprechen, werden in ebenso auffälliger Weise in den geschnitzten Elfenbeinstücken veranschaulicht, die an derselben Stelle und im selben Palast entdeckt wurden.

Wie bereits erwähnt, war das Gravieren nicht die einzige Art und Weise, wie die Assyrer Metall für künstlerische und bildliche Zwecke verwendeten; sie beherrschten auch die Metall-Repoussé-Arbeit, ein Verfahren, bei dem die Figuren auf der Rückseite als Relief herausgeschlagen werden, obwohl sie manchmal auf der rechten Seite mit einem Stichel vollendet werden. Die bronzenen Torbänder, die Rassam in Balâwât entdeckte, sind bei weitem das größte und bedeutendste Denkmal dieses Zweiges der assyrischen Metallurgie. Balâwât liegt etwa fünfzehn Meilen südöstlich von Ninive, und an dieser Stelle entdeckte Rassam die Überreste von vier Paaren großer Falttüren. Von zwei Paaren dieser Türen war noch die Zedernholzrückwand vorhanden, aber von den anderen beiden waren nur die bronzenen Bänder erhalten, die an die Türen genagelt waren.Seite 259selbst zu dekorativen Zwecken. Diese Bänder wurden von Salmanassar II., König von Assyrien von 860 bis 825, angefertigt und an den Holztüren befestigt. bc Die größte dieser Türen war fast 22 Fuß hoch, 6 Fuß breit und drei Zoll dick. Jede dieser Türen war an einem abgerundeten Pfosten befestigt, dessen Durchmesser etwa 18 Zoll betrug und dessen Fuß mit Bronze bedeckt war, um seine Drehung in der steinernen Torfassung zu erleichtern, die ihn und die befestigte Tür halten sollte.

\"Bronze

Abb.. 43.—Bronzefarbenes Torband aus Balâwât. (British Museum.)

\"Bronze

Abb.. 44.—Bronzefarbenes Torband aus Balâwât. (British Museum.)

In Abb. 43 Wir haben eine Reproduktion eines Teils einer dieser Gruppen. Im oberen Register sehen wir eine Prozession von Fußsoldaten, die mit Streitkolben, Schwertern, Bögen und Köchern bewaffnet sind, sowie einen Wagenlenker, alle in Begleitung des Königs, der vorangeht; im unteren Register sieht man eine Anzahl von Streitwagen, die einen Fluss mittels einer Brücke aus Booten überqueren. Das Ganze ist in Seite 260Relief auf der Rückseite, mit Ausnahme feiner Linien, die die Pferdegeschirre oder die Verzierungen der Kleidungsstücke darstellen. Seltsamerweise sind die Zügel der Streitwagenpferde auf diesen Torverkleidungen manchmal im Repoussé-Verfahren als Relief erhaben, manchmal aber auch eingraviert. Am oberen und unteren Rand jedes Registers ist eine Reihe der allgegenwärtigen Rosetten als dekoratives Accessoire angebracht, und die Nägel, mit denen die Metallbänder am Holzwerk befestigt waren, durchbohrten die Rosetten. In Abb. 44 Wir haben eine weitere Szene, in der die Einnahme einer bestimmten Stadt namens Dabigu dargestellt wird. Die Mitte des oberen Registers ist mit einer Darstellung des assyrischen Lagers besetzt, in dem der König vor dem königlichen Pavillon sitzt und von zwei Eunuchen begleitet wird, während sich hinter dem Lager eine weitere Gruppe von Eunuchen befindet und vorn rechts im Register eine Abteilung von Bogenschützen. Unten ist der Angriff der Seite 261Stadt „durch den Angriff von Maschinen und den Angriff von Fußsoldaten sowie Minen und Breschen“114 ist anschaulich dargestellt. Die Stadt selbst hat offenbar eine äußere und eine innere Mauer, die beide wie üblich mit Zinnen versehen sind. Die äußere Mauer hat links ein gewölbtes Tor, während es innerhalb der Stadt verschiedene kegelförmige Objekte gibt, die an die Kuppel- und Kegeldächer in Abb. erinnern. 9. Drei Bogenschützen verteidigen die innere Stadtmauer, während nur ein Bogenschütze und ein weiterer Krieger auf ihren Posten an der äußeren Mauer verbleiben, deren unterer Teil dem unwiderstehlichen Angriff des Rammbocks schnell zu erliegen scheint. Letzterer hat sechs Räder und scheint eine Art Plattform zu tragen, auf der einige assyrische Soldaten Stellung bezogen haben und von der sie ihre zielsicheren Pfeile abfeuern; dahinter ist ein Trupp Bogenschützen aktiv im Einsatz, wenn auch sehr passiv dargestellt, wie dies bei assyrischen Darstellungen von Menschen immer der Fall ist.115

Bei den jüngsten Ausgrabungen der Deutschen Orient-Gesellschaft in Ashur wurden Bronzeplatten zur Überdeckung und Verzierung von Türen ans Licht gebracht, die denen, die Rassam in Balâwât gefunden hatte, genau ähnelten.

Bronze fand jedoch seinen natürlichen Verwendungszweck in den Notwendigkeiten des täglichen Lebens und war ein erstklassiges Material, aus dem Messer, Werkzeuge, Schwerter und Geräte aller Art hergestellt werden konnten. Viele davon wurden von Layard und anderen Ausgräbern ans Licht gebracht, während die unzähligen Speere, Schwerter, Schilde und Pfeile, die auf den assyrischen Flachreliefs abgebildet sind, ohne Zweifel aus diesem Metall gefertigt wurden. Es wurde auch zur Herstellung von persönlichem Schmuck wie Fingerringen und Armbändern verwendet. Bronze wurde in Babylonien während der neubabylonischen Epoche in ähnlicher Weise verwendet. Seite 262Dynastie und wurde sowohl für Bauzwecke als auch für andere Zwecke verwendet; Türschwellen waren manchmal aus Bronze, und eine dieser Bronzestufen trug eine Inschrift von Nebukadnezar II. (vgl. oben, S. 131) wird im Britischen Museum aufbewahrt. Es ist interessant, dass die französischen Ausgräber in Susa ähnliche bronzene Türschwellen entdeckten, insbesondere wenn man die enge Beziehung bedenkt, die zwischen den beiden Ländern und Völkern im Laufe ihrer Geschichte bestand, obwohl Mesopotamien derzeit leider keine Parallele zu der lebensgroßen Bronzestatue von Napir-asu bietet, der Frau von Untash-gal, dem König von Elam, um 1600. bc Eine kleine Bronzetafel mit dem vierflügeligen Dämon der Südwestwinde wurde von Layard entdeckt und befindet sich heute im Britischen Museum (Nr. 86262), während eine Statuette desselben malerischen Geschöpfs aus demselben Material heute die Galerien des Louvre schmückt. Der fragliche Dämon ist wie so viele der babylonischen und assyrischen Geister von höchst gemischtem Charakter. Sein Körper ähnelt dem eines Hundes, seine Arme enden in Löwenklauen, sein Kopf ist eine Karikatur eines menschlichen Skeletts, das wiederum mit Ziegenhörnern gekrönt ist, sein Schwanz ist der eines Skorpions und sein Rücken ist durch vier riesige Flügel geschützt, die in ihrer ausgebreiteten Position einen grimmigen und passenden Hintergrund für das Ganze bilden. Aber dieser Dämon, so abscheulich er auch ist, wurde für eindeutig wohltätige Zwecke erschaffen und als Talisman verwendet. Man hätte vielleicht nicht sofort vermutet, dass diese faszinierende Figur tatsächlich die Verkörperung des Südwestwindes war, aber glücklicherweise trägt er eine Inschrift auf seinem Rücken, die jeden Zweifel daran ausräumt. Er war dazu bestimmt, an der Tür oder am Fenster eines Hauses aufgehängt zu werden, um alle Geister böser oder zweifelhafter Absichten zu verscheuchen. Die Figur ist in ihrer Konzeption unnatürlich, aber sie ist grimmig realistisch und voller Leben, wenn nicht sogar lebensecht, und in mancher Hinsicht Seite 263erinnert irgendwie an die scheußlichen Korbwaren und Federn der Kriegsgötter der Hawaiianer.

Gold wurde bei babylonischen und assyrischen Ausgrabungen nicht so häufig gefunden, wie man es sich wünschen würde; zweifellos ist dies teilweise auf die Plünderungen der Beutejäger zurückzuführen, aber es ist dennoch ein Hinweis darauf, dass es nur für außergewöhnliche Zwecke verwendet wurde, wie dies bei uns heute tatsächlich der Fall ist. Es wurde regelmäßig für Handelstransaktionen verwendet; ein gutes Beispiel für seine Verwendung in diesem Zusammenhang ist eine Tafel aus der Kassitenzeit, deren Text in Band XIV (40) der Veröffentlichung der University of Pennsylvania zu finden ist.116 Eine Frau erklärt sich bereit, ein Mädchen zu adoptieren, sich während ihres Lebens um sie zu kümmern und ihr nach ihrem Tod Wasser als Trankopfer für die Ruhe ihrer Seele anzubieten. Als Gegenleistung erhält sie die Summe von sieben Schekel Gold. Eines der frühesten Goldstücke, die tatsächlich in Babylonien entdeckt wurden, ist der schmale Streifen mit der Inschrift des Namens Narâm-Sin von Agade, auf den wir bereits anspielen konnten (vgl. S. 103).

Aber Gold wurde auch zu dekorativen Zwecken verwendet; in Abû Shahrein (Eridu) zum Beispiel fand Taylor verschiedene Goldfragmente am Sockel des zweiten Stockwerks der Zikkurat, - anscheinend Reste der Verzierung des Heiligtums, das zweifellos den Turm krönte; an derselben Stelle wurden auch Nägel mit Goldköpfen und Fragmente von Blattgold gefunden. Im Laufe der jüngsten Ausgrabungen in Ashur wurde eine etwa anderthalb Fuß lange Darstellung eines goldenen Blitzes ans Licht gebracht, der sich zweifellos einmal in der Hand einer lebensgroßen Statue des Sturmgottes Adad befand. Der Griff bestand aus Holz, war jedoch mit einer dünnen Hülle aus reinem Gold überzogen. Das dreizackige Ende, von dem nur noch zwei übrig sind, wurde an diese Hülle geschweißt. Das Ganze soll etwa 290 Grains wiegen, von denen 250 das Gewicht darstellen Seite 264des Goldes. In Babylon, der berühmtesten aller Städte im Euphrattal, wurde Gold mit großer Verschwendung eingesetzt. Schon in der ersten Dynastie Babylons wurde es im Dienste der Götter verwendet, und Sumu-la-ilu, der zweite König dieser Dynastie, baute einen Thron aus Gold und Silber für den großen Herrn Marduk,117 während die Statuen der Götter selbst häufig ganz oder teilweise aus reinem Gold gefertigt waren; so zum Beispiel Nabû-aplu-iddina, König von Babylon Umlauf 870 bc, erzählt uns, dass er das Bild des Sonnengottes Shamash sorgfältig aus reinem Gold und Lapislazuli angefertigt hat, während auch die berühmte Statue des babylonischen Marduk offenbar aus reinem Gold bestand.

Der Tempel von E-sagil, der in Babylon zu Ehren desselben Gottes errichtet wurde, wurde von Ashur-bani-pal mit Gold, Silber und Edelsteinen bedeckt,118 König von Assyrien von 668 bis 626 bc Doch später leistete Nebukadnezar seinen Beitrag zum großen Wiederaufbauwerk. Er baute eine prächtige Kammer namens Ekua, deren Wände er aus reinem Gold machte und deren Zedernholzdach er ebenfalls mit demselben Edelmetall bedeckte. Auch das Zedernholzdach von Nabus Schrein schmückte er mit Gold. Gold wurde außerdem für persönliche Schmuckstücke verwendet. Auf dem Amran-Hügel in Babylon, dem Standort des weltberühmten E-Sagil, wurde auf einer Plattform aus Ziegeln ein goldener Ohrring gefunden, der den Namen Nebukadnezars trägt und daher möglicherweise aus seiner Zeit stammt. In derselben Gegend wurde auch eine goldene Platte gefunden, und in der babylonischen und assyrischen Literatur werden immer wieder goldene Ringe erwähnt.

In Babylonien wurden zahlreiche goldene Gesichtsmasken, Ohrringe, Halsketten und andere Schmuckstücke gefunden. Ihre Datierung ist jedoch größtenteils unklar. Die einzige Gewissheit ist, dass sie vergleichsweise spät entdeckt wurden: Seite 265Sie können wahrscheinlich der Sassanidenzeit zugeordnet werden, weshalb ihre Behandlung den Rahmen dieses Bandes sprengen würde.

Silber wurde für die gleichen Zwecke verwendet wie Gold. Das schönste und zugleich älteste Beispiel der babylonischen Silberschmiedekunst ist das Erbe von \"Feige.Abb.. 45.—(Vgl. Kat., S. 372; Dez. in Chald., Pl. 43.) (Musée de Louvre.)Entemena, einer der berühmteren Herrscherinnen der ersten Dynastie von Lagasch, und hat die Form einer prächtigen Silbervase. Diese berühmte Vase (vgl. Abb. 45) ist etwa 28 Zoll hoch und ruht auf einem Kupfersockel von sieben Zoll Höhe, während der größte Durchmesser achtzehn Zoll beträgt. Der Kupfersockel wird von vier Füßen getragen, die den Tatzen von Löwen ähneln, und in der Mitte der Vase, knapp über zwei dieser Füße, ist der löwenköpfige Adler mit ausgebreiteten Flügeln eingraviert, dessen zwei Klauen die Rücken zweier Löwen fest umklammern, die in entgegengesetzte Richtungen blicken, ein Motiv, das häufig auf Kunstwerken aus der Zeit der ersten Dynastie von Lagasch zu finden ist und das Wappen dieser alten Stadt darstellt. Über den anderen beiden Füßen des Sockels ist das Motiv leicht variiert, wobei die beiden Löwen in einem Fall durch zwei Hirsche und im anderen durch zwei Ziegen ersetzt sind. Jeder Löwe ist damit beschäftigt, seine Zähne in das Maul des Hirschen oder der Ziege der angrenzenden Gruppe zu stecken, wodurch das Ganze eine durchgehende Kette bildet, die sich hervorragend zur Dekoration einer runden Vase eignet. Die löwenköpfigen Adler und ihre unterwürfigen Tiere sind von Seite 266der obere und untere Teil der Vase sind durch eine doppelte Fischgrätenlinie miteinander verbunden; auf dem oberen Teil der Vase sind sieben Färsen, die alle in die gleiche Richtung blicken und alle in einer halb liegenden Haltung sind, wobei eines ihrer Vorderbeine angehoben ist, um aufzustehen; diese Färsen sind erstaunlich lebensecht und naturgetreu, und wir meinen, in ihnen bereits die Vorläufer jener Meisterwerke der assyrischen Kunst zu sehen, die die Palastmauern von Ashur-bani-pal schmückten. Diese Szene des Landlebens war zu dieser Zeit offensichtlich sehr beliebt, sie ist auf dem kleinen gemeißelten Block zu sehen, der in Abb. zu sehen ist. 27, sowie anderswo. Aber der Erfolg bei der Wiedergabe tierischen Lebens in dieser Epoche scheint größtenteils dadurch bedingt gewesen zu sein, dass der Künstler darauf verzichtete, die Tiere in voller Gesichtsform darzustellen; wenn er letzteres anstrebt, ist das Ergebnis erstaunlich stereotyp und formal, und ein Vergleich zwischen den löwenköpfigen Adlern und den Löwen auf der einen Seite und diesen temperamentvollen Färsen offenbart sofort den Kontrast sowie die Ursache des Kontrasts. Der Künstler selbst war sich offensichtlich seines Versagens bewusst, denn er hat versucht, seinen Löwen und löwenköpfigen Adlern Leben einzuhauchen, indem er die Flügel des einen und die Mähne des anderen mit einer insgesamt verschwenderischen Menge an Detailgenauigkeit ausarbeitete, aber, wie man zugeben muss, ohne großen Erfolg. Die Inschrift um den Hals informiert uns darüber, dass diese Vase von Entemena, dem vierten Nachfolger von Ur-Ninâ, dem Gott Nin-girsu in seinem Tempel Eninnu geweiht wurde, und zwar während der Priesterzeit eines gewissen Dudu, dessen Name auch auf dem kleinen Skulpturenblock erscheint (vgl. Abb.). 27) und beweist damit die Gleichzeitigkeit, zu der wir bereits allein aufgrund des Kunststils, dem die Dekorationen auf beiden entsprechen, hätten gelangen können.

Allerdings spielte Silber bei der Verzierung von Metallfiguren bisweilen eine untergeordnete, aber dennoch künstlerisch wesentliche Rolle: Ein gutes Beispiel hierfür ist die bereits erwähnte bronzene Figur eines Stiers (vgl. Abb.). 40, D).

Seite 267

Woher sie ihr Silber bezogen, ist nicht ganz klar. In einem Brief von Lu-enna an Enitarzi, einen Herrscher, der offenbar kurz nach der ersten Dynastie von Lagasch seine Blütezeit erlebte, wird Silber als Teil der Beute erwähnt, die aus Elam erbeutet wurde. Später war es einer der wichtigsten Tribute, die die assyrischen Könige von ihren Vasallenfürsten verlangten. Als solches wird es häufig auf dem Schwarzen Obelisken von Salmanassar II. erwähnt. Bei den Ausgrabungen wurden nur sehr wenige Reliquien aus diesem Material gefunden, was wahrscheinlich wiederum auf die Raubzüge der Beutejäger zurückzuführen ist. Zu den kleineren Objekten aus der assyrischen Zeit zählen eine silberne Glocke mit einem bronzenen Klöppel, ein silberner Ring mit einem Granat und ein silbernes Armband, die sich alle im Britischen Museum befinden, deren Datierung jedoch leider ziemlich ungewiss ist. Dass es jedoch weit verbreitet war, zeigt sich nicht nur an der wichtigen Rolle, die es bei den Tributen der unterworfenen Stämme und Völker einnimmt, sondern auch an den Anspielungen auf dieses Metall in den königlichen Inschriften. So berichtet uns Asarhaddon, dass er die Türen eines seiner Paläste mit diesem Edelmetall verkleidete. Götzenbilder wurden manchmal auch aus Silber und Gold hergestellt, auf beide Arten spielt Tiglat-Pileser I. in einer seiner Inschriften an.119

Mit zwei der sogenannten „unedlen Metalle“ hatten wir bereits Gelegenheit, uns ausführlich zu befassen, da sie eine wichtige Rolle in der Zivilisation der Babylonier und Assyrer spielten. Wir haben jedoch sowohl materielle als auch sprachliche Beweise dafür, dass sie andere Metalle sowie Gold, Silber, Kupfer und Bronze kannten und verwendeten. Es wurde nachgewiesen, dass Blei manchmal als Legierung verwendet wurde, manchmal aber auch in unvermischtem Zustand. Ein sehr interessantes Beispiel für seine Verwendung in diesem letzteren Zustand findet sich in einer Torfassung, die heute im Britischen Museum aufbewahrt wird. Die Fassung selbst Seite 268besteht aus Bronze, ist aber in massives Blei eingefasst. Das Datum dieses einzigartigen Objekts ist unsicher, aber es kann wahrscheinlich der assyrischen Ära zugeordnet werden. Bei den Ausgrabungen wurden bisher nur wenige bleierne Objekte zutage gefördert, obwohl es häufig als Teil des Tributs unterworfener Völker erwähnt wird, und wir wissen, dass es bei der Herstellung von Farben verwendet wurde und auch in die hohlen Löwengewichte gelegt wurde, die in Nimrud gefunden wurden, um das erforderliche spezifische Gewicht zu erreichen. In Ägypten scheint Blei schon sehr früh bekannt und verwendet worden zu sein, nach der kleinen Statuette im Britischen Museum zu urteilen, die offenbar aus der Zeit der Ersten Dynastie stammt und aus massivem Blei bestehen soll.

Eisen war den Babyloniern erstmals in seinem meteorischen Zustand bekannt, denn seine Bezeichnung lautet AN-BAR, was „Stein des Himmels“ bedeutet. In den Inschriften assyrischer Könige finden sich sehr häufig Hinweise auf Gegenstände aus diesem Metall. So erwähnt Tiglatpileser I. beispielsweise eine bestimmte Lanze aus Eisen und Salmanassar II. die Spitze eines eisernen Dolches. Sowohl letzterer König als auch Adadnirari III. erwähnen Eisen als Teil des Tributs, den sie von ihren Vasallenkönigen erhielten. Ein Jahrhundert später berichtet Tiglatpileser III., dass er einem gewissen Zaquriu und seinen Anhängern Eisenketten anlegte, und einhundert Jahre später erwähnt Ashur-bani-pal einen mit Gold überzogenen eisernen Dolch.120

Place fand in Khorsabad eine Anzahl eiserner Axtköpfe, Messer und anderer Geräte, während Layard im Nordwestpalast von Nimrud ein Armband, eine Schlossplatte, einige Speerspitzen, zwei Schnittmesser, Ringe und Klammern, Axtköpfe, Pfeilspitzen, Fingerringe und einen Teil eines Helms entdeckte, alles aus Eisen. Ein interessantes Exemplar orientalischer Eisenarbeit wurde von den deutschen Ausgräbern in Babylon in Form einer Eisenstange gefunden, die wunderschön mit einer Reihe polierter Ornamente verziert war und möglicherweise Teil eines königlichen Throns war. Schließlich fanden viele der Seite 269Schon bei den assyrischen Bronzeglocken wurde angedeutet, dass sie Zungen aus Eisen hatten.

Eisen war in Mesopotamien offenbar nicht bekannt oder wurde jedenfalls nicht so früh verwendet wie in Ägypten. Beweise für seine Verwendung in der frühen Dynastie lieferte Masperos Entdeckung dieses Metalls in einer Pyramide der fünften Dynastie im Jahr 1882. Petrie entdeckte ein Stück bearbeitetes Eisen in Lagerstätten der sechsten Dynastie, und im Jahr 1837 wurde Eisen in der Großen Pyramide von Gizeh entdeckt.

Es wurde bereits genug gesagt, um die wichtige Rolle zu verdeutlichen, die Metall in der Geschichte der Babylonier und der Assyrer spielte. Es wurde nicht nur als kommerzielles Tauschmittel verwendet, sondern auch den zahllosen Bedürfnissen der Menschheit gerecht. Geräte, Waffen, Vasen und persönlicher Schmuck ließen sich leicht aus diesem biegsamen und zugleich haltbaren Material herstellen. Der künstlerische Genius der mesopotamischen Bevölkerung, der seinen vollkommensten Ausdruck in den Flachreliefs der Früh- und Spätzeit findet, war hingegen ganz auf die Herstellung von Werkzeugen und Geräten aus Metall angewiesen.


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KAPITEL VIII - MALEREI

"PDas Malen im üblichen Sinne des Wortes war eine Kunst, die die Bewohner Mesopotamiens nie praktizierten: Wie alle Orientalen liebten sowohl die Babylonier als auch die Assyrer bunte Farben und befriedigten ihre Vorliebe dafür auf verschiedene Weise, aber in der Regel wurde kein Versuch unternommen, die Objekte der Natur nur mit dem Pinsel und durch die Verwendung von Farben getreu wiederzugeben, und die Farben, die sie für ihre Reliefs, ihre Stuckwände oder ihre emaillierten Ziegel verwendeten, waren vom naturalistischen Standpunkt aus sehr häufig völlig unmöglich. So der Löwe mit dem leuchtend gelben Farbton (vgl. Frontispiz), die in Babylonien am weitesten verbreitete bildliche Darstellung, hat im wirklichen Leben keinerlei Entsprechung. Die Wirkung ist angenehm, sie fällt ins Auge und weckt beim Betrachter ein Gefühl der Wertschätzung, was jedoch an der allgemeinen Fröhlichkeit der Farben selbst liegt und sicherlich nicht an ihrer Treue zur Natur.

Der Löwe selbst ist nicht mit dem in Abb. dargestellten babylonischen Löwen zu vergleichen. 46. Die Handlung ist in beiden Fällen dieselbe – beide Löwen gehen mit sicherem und entschlossenem Schritt voran und brüllen dabei, aber es gibt einen großen Unterschied zwischen den künstlerischen Qualitäten der beiden. Der assyrische Löwe ist zwar nicht völlig leblos, aber ihm fehlt die Freiheit und Spontaneität, die die höchsten Formen der Kunst auszeichnen; der Körper ist im Vergleich zum Löwen von Ishtars Tor auch etwas schwer und plump.

Die in babylonischen und assyrischen Gemälden hauptsächlich verwendeten Farben sind Blau, Gelb und Weiß, während Grün, Rot und Schwarz vergleichsweise selten vorkommen. Seite 271Der Hintergrund des Bildes hat im Allgemeinen einen königsblauen Farbton, während die Figuren, normalerweise Tiere, ein leuchtendes Gelb haben. In Babylonien war der Bedarf an Farben für die architektonische Dekoration natürlich dringender als in Assyrien, denn in letzterem Land, wo Alabaster und Kalkstein leicht zu beschaffen waren, fiel die Verzierung der Innenräume der Gebäude dem Bildhauer zu, aber in dem südlichen Land verhinderte der Mangel an Stein sofort die Möglichkeit, die Wände der Paläste mit den gemeißelten Flachreliefs zu bedecken, die anscheinend allen assyrischen Monarchen so am Herzen lagen. So kam es, dass Farbe in der babylonischen Dekoration weitgehend den Platz der Skulptur einnahm und der Meißel des Bildhauers gegen den Pinsel des Malers ausgetauscht wurde, obwohl in Assyrien manchmal die Kunst des Bildhauers und des Malers herangezogen wurde, um die Wände des Königspalastes zu verschönern, denn in einigen der Hallen in der königlichen Residenz von Sargon in Khorsabad waren die gemeißelten Reliefs im unteren Teil der Wände bemalt;121 Layard hingegen sagt nach der Beschreibung einiger Wandreliefs, die im Nordwestpalast von Nimrud gefunden wurden:122 „Auf all diesen Figuren war die Farbe schwach zu erkennen, insbesondere auf Haar, Bart, Augen und Sandalen“, was eher darauf hindeutet, dass die früheren assyrischen Skulpturen nur teilweise gefärbt waren. Einige der Flachreliefs aus Ashur-naṣir-pals Palast in Nimrûd weisen noch Farbspuren auf, die Sandalen vieler Figuren zeigen sogar heute noch die verblasste rote und schwarze Farbe, die einst die Sohlen bzw. die oberen Teile der Sandalen bedeckte, während in einem Fall Ashur-naṣir-pals Bogen noch Spuren roter Farbe aufweist. In Khorsabad hingegen wurde Farbe allgemeiner verwendet, das Gewand und die Kopfbedeckung des Königs sowie das Geschirr der Pferde, die Streitwagen und die Bäume waren alle bemalt. Layard sagt, er habe nicht feststellen können, ob der Boden sowie die Figuren oder Teile der Figuren bemalt waren. Seite 272farbig, aber Flandin informiert uns in Bezug auf die Wandreliefs in Khorsabad, dass er einen Farbton von gelbem Ocker auf allen Teilen erkennen konnte, die nicht anderweitig gefärbt waren, während die oberen Teile der Wände, denen der Bildhauer keine seiner Kunstfertigkeiten gewidmet hatte, oft mit Fresken verziert waren.

Doch auch die mit Stuck verputzten Wände und die mit steinernen Flachreliefs verzierten Wände erregten die Aufmerksamkeit des Malers, und Layard entdeckte in Nimrûd die Überreste von Malereien auf Stuck, und zwar in den oberen Kammern auf der Westseite des Hügels. Die Räume waren aus groben Ziegeln errichtet, mit Gips überzogen und kunstvoll bemalt.123 Die meisten dieser Gemälde streben nicht nach mehr als einfachen oder komplexen Mustern. In einem Fresko sind zwei einander gegenüberstehende Stiere dargestellt; ihre Körper sind weiß, der Untergrund, von dem die Stiere durch eine ausgeprägte schwarze Umrandung sorgfältig abgegrenzt sind, ist gelb, während Dunkelblau bei den rein dekorativen Accessoires oben im Fresko eine Hauptrolle spielt. Ein weiterer Beweis für die umfangreiche Verwendung von Farbe zur Verzierung von Innenwänden ergab sich aus der Entdeckung auf dem Boden einer Kammer im nordwestlichen Palast von Nimrûd: „beträchtliche Reste von bemaltem Putz, der noch an den sonnengetrockneten Ziegeln klebte, die in Massen vom oberen Teil der Wand gefallen waren. Die Farben, insbesondere die Blau- und Rottöne, waren so brillant und lebendig, als die Erde von ihnen entfernt wurde, wie sie es bei ihrer ersten Verwendung gewesen sein könnten. An der Luft verblassten sie schnell. Die Muster waren elegant und kunstvoll. Es erwies sich als nahezu unmöglich, auch nur einen Teil dieser Ornamente zu erhalten, da die Erde bei jedem Versuch, sie anzuheben, in Stücke zerfiel.“124

Auch die Außenseiten von Gebäuden wurden manchmal farbig verziert. Ein bemerkenswertes Beispiel hierfür ist die Zikkurat in Khorsabad, von der noch drei vollständige Stufen und ein Teil der vierten Stufe gefunden wurden. Seite 273verbleibend. Die unterste Stufe war weiß gestrichen, die zweite schwarz, die dritte rot und die vierte weiß; zweifellos waren auch die übrigen Stufen gestrichen, wobei die Farben die sieben Planeten symbolisierten, wie im Fall des traditionellen Belus-Tempels in Babylon.

Das beste Beispiel für die Kunst der babylonischen Maler bietet die Stadt Babylon selbst. Schon in den sechziger Jahren hatten die französischen Ausgräber Fresnel und Oppert eine große Zahl ein- und mehrfarbiger Fragmente von Reliefziegeln gesammelt. Die Farbschicht, die immer auf die Schmalseiten der Ziegel aufgetragen wurde, war manchmal ein bis zwei Millimeter dick. Leider ging diese wertvolle Sammlung verloren, aber die Aussagen der Forscher werden durch die Beschreibung einer babylonischen Palastmauer in den Werken des Historikers Diodor bestätigt (Umlauf 44 bc), wo er von „allerlei Tierformen auf groben Ziegeln mit einer der Natur sehr ähnlichen Farbgebung“ spricht; und er fährt fort, dass auf den Türmen und Mauern „Darstellungen aller Arten von Tieren zu sehen waren, und was die Farbgebung und Form angeht, waren sie gut gemacht. Das Ganze stellte eine Jagd dar, bei der alles voller Tiere aller Art war und die über vier Meter groß waren. Darin war auch Semiramis zu Pferd abgebildet, wie sie gerade einen Speer hinter einem Panther herwarf, und ein Stückchen entfernt davon ihr Ehemann Ninus, der einen Löwen mit einer Lanze erstach.“125 Nebukadnezar selbst spielt außerdem auf die Bilder von wilden Ochsen und riesigen Schlangen an, die er auf blau emaillierten Ziegeln als Dekoration für die Tore darstellen ließ. Die meisten der glasierten und farbigen Fliesen, die in Babylon gefunden wurden, ähneln farbigen Flachreliefs, wobei die Figuren der Tiere im Allgemeinen auf einem blauen Hintergrund hervorstechen, obwohl der Untergrund manchmal grün ist. Die Kunst des Ziegelemaillierers erreicht ihren Höhepunkt im Löwenfries, der die Prozessionsstraße des Marduk in Babylon schmückte. Einer dieser Flachrelieflöwen aus Ton ist in Seite 274Feige. 46.126 Der Grund ist dunkelblau, dessen Monotonie durch die Einführung gelber Streifen und der bereits von den emaillierten Ziegeln von Khorsabad bekannten weißen Rosetten variiert wird. Der Löwe selbst, dessen Proportionen ausgezeichnet sind, hebt sich in weißem Alabasterton ab, und das gesamte Werk ist in der Technik perfekter als Seite 275der persische Löwenfries im Louvre, dem es in gewisser Weise ähnelt. Was den künstlerischen Wert des letzteren schmälert, ist das Missverhältnis zwischen Körper und Vorderteil und Kopf, da beide zu klein sind. Seite 276aber der babylonische Löwe ist fast völlig frei von diesem Defekt. Die Entdeckung des Ischtar-Tors in Babylon lieferte eine weitere reiche Quelle an Material für das Studium der babylonischen Malerei: Auch hier waren die farbigen Darstellungen auf den emaillierten Ziegeln Reliefs. Die Mauern des Tores wurden bis zu einer Höhe von neununddreißig Fuß erhalten gefunden, die gesamte Mauer war mit Tieren bedeckt, hauptsächlich Stieren und Drachen, von denen es mindestens elf Reihen gab.

\"Emailliert

Abb.. 46.— Emailliertes Ziegelrelief aus Babylon. (Nach Andrae.)

\"Emailliert

Abb.. 47.—A (nach Andrae); B (nach Layard).

In Abb. 47, A, wir haben eine schwarz-weiße Reproduktion eines der Tonreliefstiere, die das Ishtar-Tor in Babylon schmückten. Der Stier ist im Gehen und zeigt in seinen Bewegungen sowohl Anmut als auch Würde, wobei die Schlankheit seines Körpers nur dazu dient, die Behändigkeit, mit der er sich scheinbar bewegt, zu verstärken. Die Proportionen sind ausgezeichnet und bilden einen sehr positiven Kontrast zum assyrischen Stier aus Nimrud (vgl. Abb.). 47, B). Letzteres ist hart und konventionell, während die Haltung – an sich eine ausreichend natürliche – hier auf eine äußerst hölzerne und leblose Art wiedergegeben ist. Der Körper des Tieres ist weiß, aber der Maler hat versucht, sein Motiv vor dem blassgelben Hintergrund hervorzuheben, indem er es mit einer künstlichen schwarzen Umrandung umrandete. Als der Stier blau gefärbt und auf einen weißen Hintergrund geworfen wurde, war dieses Mittel natürlich unnötig (vgl. Layard. Ser. I, Taf. 87). Der hier erwähnte blaue Stier gehört zur selben Art wie der in Abb. wiedergegebene weiße. 47, B, und befindet sich in derselben knienden Position, ist aber mit den Flügeln eines Adlers ausgestattet. Es fällt auf, dass der Künstler beim babylonischen Stier, wie auch bei den beiden assyrischen Stieren, die Schwierigkeit umgangen hat, die beiden Hörner perspektivisch zu zeichnen, indem er nur eines darstellt, da das andere theoretisch durch das Horn in der Nähe des Betrachters verborgen ist.

Aber der Palast Nebukadnezars selbst enthielt eine große Anzahl dieser farbigen Reliefs, viele Stücke der glasierten Fliesen, aus denen sie zusammengesetzt waren, hatten Seite 277von Koldewey gefunden. Die Zahl der geborgenen Fragmente liegt buchstäblich bei Tausenden, und Koldewey sagt, dass offenbar, als die Ziegel von späteren Baumeistern gestohlen wurden, die glasierten Teile abgeschlagen wurden, um sie für die üblichen Zwecke, für die sie bestimmt waren, nützlicher zu machen, und wir sind heute die Nutznießer dieser mangelnden Wertschätzung. Zu den auf den Palast- und Tempelwänden abgebildeten Tieren zählen der Stier, ein mythisches Monster, das aus „Teilen eines Raubvogels“, Skorpionen, Schlangen, Panthern und Ochsen sowie dem allgegenwärtigen Löwen besteht, während einige der geborgenen Fragmente Teile des menschlichen Körpers zeigen und manchmal auch Vögel anzutreffen sind. Die Löwen bilden die interessanteste Studie: Es gibt zwei Haupttypen, (1) Löwen, die nach links gehen, mit weißer Haut und gelber Mähne; und (2) Löwen, die nach rechts gehen (a) mit weißer Haut und gelber Mähne und (b) gelbe Felle und grüne Mähnen; während es einen dritten Typ gibt, der durch nach rechts oder links laufende Löwen gekennzeichnet ist. Manchmal ist der Schwanz gerade nach hinten abstehend dargestellt, manchmal nimmt er eine gebogene und weniger starre Form an. Es hat große Schwierigkeiten bereitet, die verschiedenen Fragmente zusammenzufügen, aber die eifrigen Bemühungen der Deutschen waren nicht ohne Erfolg.

Das Verfahren, mit dem diese farbigen Tonreliefs hergestellt worden sein sollen, ist vermutlich wie folgt: Man nahm eine Schicht oder Platte aus plastischem Ton von angemessener Größe und modelliert auf dieser Oberfläche das vollständige Bild als Relief. Das Verfahren war bis hierhin dasselbe wie bei den gewöhnlichen Steinreliefs, außer dass hier ein Meißel erforderlich war, während hier die Hände ausreichten, obwohl es wahrscheinlich erscheint, dass für einige der Löwen, von denen viele anscheinend völlig einheitlich sind, auf jeden Fall Formen angefertigt wurden. Wie dem auch sei, die Tonplatte, die jetzt die bestimmte Figur als Relief trägt, soll in rechteckige Blöcke von der gleichen Größe wie die gewöhnlichen Ziegel geschnitten worden sein, wobei jedes Rechteck Seite 278markiert, um es einfacher zu machen, jedes Stück an seinen richtigen Platz im Bild einzufügen; danach wurde jedes Stück mit einer Schicht farbigen Lacks bemalt und dann gründlich im Ofen gebrannt – die Gründlichkeit des Brennens wird durch die Härte des Emails bezeugt –, wonach die verschiedenen Teile zusammengefügt wurden. In der gleichen Weise fand Layard in Nimrûd eine große Zahl emaillierter Ziegel, die Tier- und Blumenfiguren sowie Keilschriftzeichen trugen und kreuz und quer auf dem Boden der Eingangspassagen zum Palast lagen. Auf die unbemalten Rückseiten waren mit schwarzer Tinte oder Farbe grobe Muster, hauptsächlich Menschen und Tiere, gezeichnet „und Markierungen, die wie Zahlen aussahen“. Die erwähnten Markierungen müssen vermutlich dazu gedient haben, dem Erbauer bei seinem Versuch, das Bild an der Wand zu rekonstruieren, eine Orientierung zu bieten.

Farbige Tonreliefs waren jedoch nicht die einzige Art der bildlichen Darstellung, die zur Verschönerung der Stadt Babylon oder des Palastes des berühmtesten Königs von Babylon verwendet wurde. Auf der Südseite des Hasr wurden eine große Anzahl wunderschön glasierter Fliesen entdeckt, die mit Nebukadnezars Inschrift versehen und mit Blumen, Zweigen und in einem Fall einem Teil einer menschlichen Figur – etwa 35 cm hoch – geschmückt waren, zusammen mit vielen gemeißelten Steinen mit ähnlichen Mustern, deren Verarbeitung jedoch perfekter war als die der Fliesen. Letztere haben eine flache Oberfläche, ähneln aber in der allgemeinen Technik den Relieffliesen. Auf der Ostseite des Hasr wurden viele weitere glasierte Ziegel gefunden, die mit verschiedenen Mustern bemalt und von großer Feinheit sind – auf einem davon ist eine menschliche Figur abgebildet, die in ein reiches Gewand gekleidet ist und in seiner linken Hand etwas hält, das wie ein Speer aussieht – diese ordnet Koldewey jedoch der persischen Zeit zu.

Platte XXX.

„Verziert“

Dekorierter Bogen in Khorsabad
(vgl. Ort, „Ninive“, Tafeln, 14, 15)

Aber Farbe wurde auch in Babylonien als Mittel zur Verzierung bescheidenerer architektonischer Formen eingesetzt. Seite 279ebenso wie in den nördlichen Ländern. So waren in Nippur die Wände vieler Räume mit einem Putz aus Lehm und Stroh verputzt und gefärbt, wobei die verwendeten Farben anscheinend immer einfarbig waren. Die Ruinen des Nin-makh-Tempels in Babylon, die von der Deutschen Orient-Gesellschaft ausgegraben wurden, zeigten in ähnlicher Weise Reste weißer Dekorationen an den Wänden; während Farbe bei der Dekoration der berühmten Kegelwand auf dem Wuswas-Hügel von Erech keine unbedeutende Rolle spielte, deren Kegel rot oder schwarz gefärbt und dann in verschiedenen geometrischen Mustern auf einer Wand aus Lehm und Stroh angeordnet wurden.

Wie wir bereits gesehen haben, wurden emaillierte Ziegel sowohl in Assyrien als auch in Babylonien für architektonische Dekorationszwecke verwendet, obwohl das verwendete Email im Allgemeinen von minderer Qualität ist und dünner aufgetragen wird, wodurch es nicht so gut am Ton haftet und schneller verblasst. Place und Botta verdanken wir die schönsten und größten Beispiele der assyrischen Emaillekunst, die bisher entdeckt wurden. Die Haupttore von Dûr-Sharrukîn (Khorsabad) (der von Sargon erbauten Stadt, 722-705 bc), die aus Bögen bestehen, die auf den Rücken vorstehender geflügelter Stiere ruhen, scheinen Gegenstand der besonderen Aufmerksamkeit des Malers gewesen zu sein. Diese Bögen waren mit einem Halbkreis aus emaillierten Ziegeln verziert (vgl. Tafel). XXX), wobei das Email auf eine Kante der Ziegel aufgetragen ist, deren durchschnittliche Länge etwa dreieinhalb Zoll beträgt. Der Grund ist blau und die zusammengesetzten geflügelten Figuren sind gelb, während eine grüne Linie den unteren Teil der Kopfbedeckung einfasst. Die Rosetten, die eine zusätzliche Dekoration bilden, sind weiß. Diese Figuren, die sich über den gesamten Bogen erstrecken, sind alle einheitlich: Sie sind mit einem Akt der Anbetung beschäftigt oder führen eine religiöse Zeremonie durch und erinnern sofort an die Szenen, die auf den Reliefs an den Palastwänden dargestellt sind, mit denen sie praktisch identisch sind. Im Gegensatz zu der in Babylonien üblicherweise angewandten Methode, Seite 280Diese farbigen Darstellungen sind nicht im Relief, sondern die Farbe wurde auf die flache Oberfläche der Ziegel aufgetragen, die einzige Ausnahme sind die leicht erhöhten zentralen Noppen der Rosetten. Ein weiteres gutes Beispiel für farbige Fliesenarbeiten wurde auf einem Sockel im Eingang dessen gefunden, was Place als Harem in Sargons Palast ansah. Der fragliche Sockel ist 23 Fuß lang und über 3 Fuß hoch. Die dargestellten Figuren sind der König, der auf einer Seite des Sockels mit bloßem Kopf steht, während er auf der anderen Seite die übliche Kopfbedeckung trägt, einen Löwen, einen Stier, einen Adler, einen Baum und einen Pflug, alles in Gelb auf blauem Hintergrund, wobei die Ränder des gesamten Sockels mit den unvermeidlichen Rosetten verziert sind. Die Blätter des Baumes sind grün, eine Farbe, die von den Emaillierern Mesopotamiens anscheinend eher selten verwendet wurde. Ein weiteres bemaltes Fragment aus Khorsabad, interessant wegen der extremen Brillanz seiner Farben (vgl. Place, Ninive, Tafel 32), ist in Tafel wiedergegeben. XXXI. Die Gesichter der beiden Menschen sind weiß, der Hintergrund ist grün; der Fries oben ist gelb, die kreisförmigen Verzierungen bestehen aus einem inneren Kreis in Grün oder Gelb, während der äußere Kreis aus trapezförmigen Figuren in Rot und Weiß bei denen mit grünem Innenkreis und in Rot und Grün bei denen mit gelbem Mittelpunkt besteht, die in beiden Fällen abwechselnd angeordnet sind.

Layard gelang es auch, viele glasierte und farbige Ziegel aus Nimrûd (Calah) zu bergen, die hinsichtlich der Komposition der dargestellten Szenen noch interessanter sind als hinsichtlich der verwendeten Farben, die in ihrem gegenwärtigen Zustand in ihrer Brillanz in keiner Weise mit denen aus Khorsabad vergleichbar sind. Die interessantesten davon (vgl. Tafel. XXXI) ist ein Beispiel, in dem der König, gefolgt vom obersten Eunuchen, seinen obersten Offizier empfängt.127 eine Szene, die so oft auf assyrischen Flachreliefs dargestellt wird. Über seinem Kopf befindet sich eine „Art gesäumter Pavillon“ und die einzige Seite 281übriggebliebenes Zeichen einer Keilschriftinschrift, während sich unter ihm ein Spiralmuster befindet, das häufiger auf den sogenannten hethitischen Kunstwerken zu sehen ist, obwohl es sich auch als dekoratives Beiwerk auf einigen der frühesten Skulpturen in Babylonien findet (vgl. Abb. 27). Die vorherrschenden Farben sind Schwarz und Gelb: Haar und Bart des Königs und seiner Gefolgsleute, ihre Sandalen sowie die runden Kugeln in jedem Glied der Spiralkette sind schwarz, der Hintergrund ist hellgelb, die Kleidung der verschiedenen Figuren hat einen dunkleren Gelbton und die königliche Kopfbedeckung ist weiß. Wie Layard sagt: „Dies ist ein einzigartiges Exemplar eines vollständigen assyrischen Gemäldes.“

Die interessantesten der übrigen Teile werden von Layard kurz beschrieben in Entdeckungen, S. 166 und 167, und farbig illustriert in seinem Denkmäler, Serie II, Tafeln 53-55. Eines davon (Tafel 54, 7) enthält ein Bild von vier haarlosen und glattrasierten Gefangenen, deren vier Hälse mit einem Seil zusammengebunden sind, dessen Ende der Gefangene vorn hält. Zwei der Gefangenen tragen weiße Lendenschurze, während die anderen beiden lange weiße Hemden tragen, die vorne offen sind. Was die Farben betrifft, ist der Grund blassblau und die Figuren gelb. Ein weiteres Fragment von großem Interesse ist das in Denkmäler, Tafel 54, 12, auf der zwei Pferde, ein assyrischer Krieger und ein Mann mit einem Dolch abgebildet sind. Letzterer, der bis auf einen blauen Lendenschurz nackt ist, wurde offenbar im Kampf verwundet oder getötet. Der Hintergrund ist hier olivgrün, während die Pferde blau sind. Auf einer anderen glasierten Fliese (Tafel 54, 13) sehen wir ein Bild assyrischer Kavallerie, wieder auf olivgrünem Grund, aber in diesem Fall sind die Pferde gelb, während die Verzierungen blau sind. Einer dieser bemalten Ziegel (Tafel 53, 1) zeigt uns das Bild eines blauen Fisches auf gelbem Grund; die Schuppen des Fisches sind jedoch weiß gefärbt, während auf derselben Fliese ein Mann zu sehen ist, der von zwei Pfeilen durchbohrt und mit einem weißen Lendenschurz umgürtet ist. Auf einem anderen Fragment (Tafel 53, 3) ist ein Seite 282Ein Streitwagen mit Pferden wird über eine nackte Gestalt gezogen, deren Hals von einem Pfeil durchbohrt wurde. Ein Band, an dem eine Feder befestigt ist, umschließt den Kopf des Mannes. Die Pferde sind blau, ihre Bespannungen sind weiß und die Räder des Streitwagens sind gelb. Darunter sieht man die Köpfe und einen Teil der Schilde zweier assyrischer Soldaten. Die Helme sind gelb, aber die Gesichter sind „nur weiß umrandet auf olivgrünem Grund“, während die Schilde blau sind, aber abwechselnd mit gelben und blauen Quadraten eingefasst sind. Sie stammen alle aus derselben Zeit, aber Layard (Taf. 53, 6) hat ein weiteres Fragment gefunden, das aus einer früheren Zeit zu stammen scheint: Der Hintergrund ist gelb, aber die Umrisse sind schwarz statt weiß, während die Figuren, deren Köpfe zerstört wurden, genauso gekleidet sind wie die Tributträger, die Ashur-naṣir-pal einen Affen und andere Opfergaben bringen, wie sie auf Flachreliefs dargestellt sind, die aus demselben Gebäude stammen. Der äußere Mantel ist blau, der innere gelb und die Fransen weiß.

Aber Keramik wurde manchmal auch farbig verziert. So entdeckte Kapitän Cros, De Sarzecs Nachfolger in Tellô, an dieser Stelle schwarze Keramik mit eingeschnittenen Linien, die mit weißer Paste ausgefüllt waren, ein Keramikstil, der in Ägypten und anderswo wohlbekannt war, in Babylonien jedoch bis dahin nicht gefunden wurde. In Nippur hingegen wurde Keramik mit grünen und gelben Streifen bemalt, während auch andere Vasen mit schwarzen und weißen Scheiben ans Licht kamen.

Tafel XXXI

\"Glasiert

Glasierter Ziegel
(vgl. Ort, „Ninive“, Tafel 32)

\"Glasiert
Foto. MansellBritish Museum
Glasierter Ziegel mit der Figur eines assyrischen Königs, der nach seiner Rückkehr von der Jagd ein Trankopfer ausgießt

Bemalte Keramik wurde in Assyrien ebenfalls gefunden: In Nimrud entdeckten die Männer von Sir Henry Layard verschiedene Keramikfragmente, die offenbar zu Deckeln von Gefäßen gehörten. Sie waren mit dem Spiralmuster sowie Geißblatt, Zapfen und Tulpen in Schwarz auf blassgelbem Grund verziert. Im Zuge der jüngsten Ausgrabungen in Assur wurde außerdem prähistorische Keramik gefunden. Die betreffenden Tongefäße waren mit roten und schwarzen geometrischen Mustern verziert. Pantoffelförmige Tongefäße Seite 283Särge wurden manchmal auch gefärbt; viele der in Nippur entdeckten Sarkophage waren mit einer blauen Glasur überzogen, aber sie gehörten offenbar zur parthischen Zeit. Glasierte Sarkophage wurden ebenfalls in Warka (d. h. im alten Erech) sowie in der Stadt Babylon gefunden, obwohl sie ebenfalls Produkte einer späteren Zeit waren. Verschiedene andere Terrakotta-Objekte wurden nicht selten mit einer Glasur überzogen, wobei die Farbe des Emails normalerweise blau oder grün war. Farbe wurde in Babylonien jedoch nicht nur zur Verzierung von Gebäuden, Töpfen und Figuren verwendet, sondern offenbar auch zur Verzierung des menschlichen Körpers, denn die deutschen Ausgrabungen in Fâra brachten das Vorhandensein von Alabaster-Farbschalen in den Gräbern zutage, in einigen Fällen waren noch Spuren der Farbe vorhanden. Die Farben sind Schwarz, Gelb, Hellgrün und Hellrot. Laut der von Sir Henry De la Becke und Dr. Percy durchgeführten und von Layard zitierten Analyse der Farben der babylonischen Ziegel128 „Das Gelb ist ein Bleiantimon, aus dem auch Zinn gewonnen wurde, das sogenannte Neapelgelb, das eine vergleichsweise moderne Entdeckung sein soll, obwohl es auch von den Ägyptern verwendet wurde. Das Weiß ist ein Emaille oder eine Glasur aus Zinnoxid, eine Erfindung, die den Arabern Nordafrikas im achten oder neunten Jahrhundert zugeschrieben wird. Die blaue Glasur ist Kupfer und enthält kein Kobalt, aber etwas Blei; eine merkwürdige Tatsache, da dieses Mineral nicht als Farbstoff hinzugefügt wurde, sondern um das Schmelzen der Glasur zu erleichtern, wofür Blei, so glaubte man, erst in vergleichsweise modernen Zeiten verwendet wurde. Das Rot ist ein Suboxid von Kupfer.“


Seite 284

KAPITEL IX - ZYLINDERDICHTUNGEN[129].

OUnter den kleineren Relikten der babylonischen und assyrischen Antike sind keine so zahlreich und interessant wie die gravierten Siegel, die Könige und Bürger aller Epochen gleichermaßen besaßen. Die allgemeine Verwendung dieser Siegel in späteren Zeiten wird von Herodot (I, 195) bezeugt, der uns erzählt, dass zu seiner Zeit jeder in Babylonien ein Siegel und einen Spazierstock bei sich trug, während die große Menge an Siegeln, die bei den Ausgrabungen entdeckt wurden, reichliche Beweise für ihre allgemeine Verwendung in frühen Zeiten liefert.

Das Siegel, so wichtig es in unserer Zeit auch ist, war in primitiven Zeiten eine noch unverzichtbarere Annehmlichkeit für die zivilisierte Gesellschaft und war wahrscheinlich eine der ersten Erfindungen, die ihren Ursprung direkt der gegenseitigen Anerkennung privater Eigentumsrechte verdankten. Der Zweck, dem es zunächst diente, war natürlich derselbe wie der, dem es heute bei uns dient. Obwohl das Siegel des Lehmputzes eines Weinkruges, der Kordel eines eingeschriebenen Pakets oder der Lasche eines Papierumschlags den Dieb in keiner Weise daran hindert, den Inhalt in einem dieser Fälle zu stehlen, macht es es dennoch unmöglich, einen solchen Diebstahl unentdeckt zu begehen. Dabei muss nicht unbedingt der Dieb entdeckt werden, sondern die Tat selbst, und das ist schließlich die wesentliche Voraussetzung für die erfolgreiche Durchsetzung einer Klage. Seine Verwendung in primitiven Zeiten war jedoch weitaus umfassender, denn, wie Newberry es treffend formuliert,130 „Was für uns Schlösser und Schlüssel sind, waren für uns Siegel Seite 285die Menschen der Alten Welt.“ Wenn ein Mann sein Haus für den Tag verließ und keiner der Bewohner zurückblieb, um Wache zu halten, sicherte er sich und seine Besitztümer wahrscheinlich so weit wie möglich, indem er Lehmpflaster an die Tür klebte und sein Siegel darauf drückte, so dass es unmöglich war, das Haus zu betreten, ohne das Siegel zu brechen; jedenfalls informiert uns Dr. Ward131 dass er in einem Khan in Hillah, in der Nähe von Babylon, eine Tür zu einem Raum sah, in dem sich Waren eines Kaufmanns befanden, der nicht zu Hause war, und diese sorgfältig mit Lehmstücken versiegelt war, auf denen der Abdruck des Siegels des Kaufmanns angebracht war, wodurch der Zugang zum Haus vom Zerbrechen der Siegel abhängig wurde, und im konservativen Osten sind die Bräuche von heute nicht nur die von gestern, sondern Seite 286stellen im Allgemeinen den traditionellen Gebrauch von Hunderten, manchmal Tausenden von Jahren dar. Es wurden einige solcher versiegelten Tonklumpen gefunden, von denen einige als Verschluss von Gefäßen dienten, aber der Hauptzweck, für den das Rollsiegel verwendet wurde, war die Authentifizierung von Urkunden, Dokumenten und Briefen.

"Zylinderdichtungen"

Abb.. 48.—A, ein Rollsiegel, bei dem der Griff erhalten geblieben ist.
B, eine Tontafel mit einem Siegelabdruck.
C und D veranschaulichen die Größenunterschiede bei Rollsiegeln.

Die Siegel der Babylonier und Assyrer unterschieden sich sowohl in der Form als auch in den Motiven der Gravuren von den sonst üblichen Siegeln. Sie hatten die Form von Zylindern oder Walzen, durch deren Mitte ein einfacher oder doppelter Draht gesteckt war. Der Draht bestand im Allgemeinen aus Kupfer, manchmal aber auch aus Gold und Silber, später kam auch Eisen vor. An einem Ende war der Draht festgeklemmt, während er am anderen zu einer Schlaufe gedreht war (vgl. Abb. 48, A) Durch die ein Stück Faden oder Schnur geführt wurde, mit dem der Besitzer das Siegel um den Hals hängen oder am Handgelenk tragen konnte, wobei der Draht gleichzeitig das Rollen des Zylinders auf dem feuchten Ton erleichterte.

Die in Abb. zu sehende Tafel (K. 382). 48, B, ist ein gutes Beispiel für eine Tontafel mit dem Abdruck eines Rollsiegels. Die Tafel, die 4-1/8 Zoll mal 2-5/8 Zoll misst, enthält die Bedingungen eines Vertrags. Der Abdruck selbst zeigt uns ein mythologisches vierflügeliges Wesen, wie es so oft auf assyrischen Flachreliefs zu sehen ist. In jeder Hand hält es einen Vogel am Bein. Die Zylinder neben der Tafel sind in Originalgröße reproduziert; A, C und D (Brit. Mus. Nr. 89319, 89538, 101974) veranschaulichen die Größenunterschiede, die die babylonischen Rollsiegel aufweisen, wobei (C) ein ungewöhnlich großes Exemplar und (D) ein außergewöhnlich kleines Exemplar ist, wobei die überwiegende Mehrheit der Siegel eine Zwischenposition zwischen diesen beiden Extremen einnimmt; in (A) haben wir einen Zylinder, bei dem der Metallgriff noch erhalten ist.

Die Existenz der gleichen Art von Siegel in Ägypten bereits zur Zeit der ersten Dynastie wurde als Argument zur Unterstützung der Theorie verwendet, dass die primitiven Zivilisationen Ägyptens und Babyloniens in gewissem Maße Seite 287voneinander abhängig. Es stimmt, dass Rollsiegel nur von Nutzen sein konnten, wenn Ton als Schreibmaterial verwendet wurde, aber es gibt keinen direkten Beweis dafür, dass die Praxis, Ton zum Schreiben oder für Bauzwecke zu verwenden, aus Babylonien übernommen wurde, und die Ähnlichkeit der Form der frühbabylonischen und ägyptischen Keulenköpfe ist ein noch unsichereres Argument, auf das man eine ansonsten unbewiesene Theorie stützen kann.

Die zur Herstellung von Rollsiegeln verwendeten Materialien waren vielfältig. Das älteste bekannte Material ist Muschel, am häufigsten jedoch Hämatit. Zu den weiteren verwendeten Materialien zählen Serpentin, Marmor, Quarzkristall, Chalcedon, Karneol, Achat, Jaspis, Syenit, Jade, Obsidian, Onyx, Kalkstein, Schiefer, Smaragdmutter und Amethyst. Es wurden einige Zylinder aus Feuerstein gefunden, aber dieses Material wurde offensichtlich nur selten verwendet, während Glas noch seltener vorkommt und Metall unbekannt ist. Das Verfahren, mit dem das gewünschte Muster in den Zylinder eingraviert wurde, hing von dem Material ab, aus dem dieser hergestellt war. Die weicheren Materialien, die früher verwendet wurden, wie Muschel, Marmor oder Serpentin, wurden möglicherweise mit Werkzeugen aus Feuerstein graviert, aber für die härteren Steine ​​wäre ein Werkzeug aus einem etwas widerstandsfähigeren Material erforderlich gewesen. Ward ist der Meinung, dass entweder Schmirgel oder ein bestimmter Stein namens Korund für diesen Zweck verwendet wurde. Letzteres wurde schon sehr früh in Ägypten und später in Griechenland verwendet. Die frühesten Siegel scheinen vollständig von Hand gefertigt worden zu sein, da die Praxis des Bohrens mithilfe einer Bogensehne erst später eingeführt wurde. Im Rahmen eines einzigen Kapitels ist es natürlich völlig unmöglich, alle unzähligen Arten von Rollsiegeln zu besprechen, die von den Babyloniern und Assyrern in verschiedenen Zeitaltern verwendet wurden, und wir können daher nur ein oder zwei Beispiele einiger der interessanteren Klassen herausgreifen, die für die Zeiträume, zu denen sie gehören, ziemlich repräsentativ sind.

Die ältesten Siegel bestehen im Allgemeinen aus weißem Seite 288Marmor oder Muschel, manchmal auch aus Lapislazuli und Serpentin. Es ist unmöglich, der überwiegenden Mehrheit der Rollsiegel, die aus den zerstörten Hügeln Mesopotamiens geborgen wurden, ein genaues oder auch nur ungefähres Datum zuzuordnen, da die meisten von ihnen ansonsten unbekannten Personen gehörten. Glücklicherweise wurden jedoch mehrere Siegel ans Licht gebracht, die entweder Königen oder Beamten gehören, deren Datum unabhängig berechnet werden kann und die uns daher ein Beispiel dafür geben, wie weit die Kunst des Gravierens in der bestimmten Zeit fortgeschritten war, in der die Besitzer dieser Siegel lebten. Ein Vergleich des Kunststils der ansonsten nicht datierbaren Siegel mit denen, deren Alter auf diese Weise bestimmt werden konnte, ermöglicht es uns, sie mit einem gewissen Grad an Sicherheit der Zeit zuzuordnen, zu der sie in der Geschichte der Siegelgravurkunst gehören.

Das Interesse an diesen kleinen Relikten der Vergangenheit konzentriert sich natürlich auf die dargestellten Szenen, die sehr vielfältig sind und viel Licht auf die Mythologie werfen und viele legendäre Unsicherheiten in den theologischen und religiösen Vorstellungen der Babylonier und Assyrer aufklären. Wo ein Vergleich mit königlichen oder offiziellen Rollsiegeln aus einem bestimmten Zeitraum nicht möglich ist, liefert uns die Ähnlichkeit zwischen dem Kunststil des betreffenden Siegels und dem, dem einige Skulpturen antiker Patesis oder Könige entsprechen, den notwendigen Hinweis. Und schließlich, wenn beide dieser Tests fehlschlagen, ermöglicht uns die Art der Schrift, wenn das Siegel eine Inschrift trägt, oft, es der richtigen Klasse zuzuordnen.

\"Feige.

Abb.. 49.

Einer der frühesten babylonischen Herrscher, dessen Siegel entdeckt wurden, ist Lugal-anda, Patesi oder Priesterkönig von Lagasch und der unmittelbare Vorgänger von Urukagina, dem letzten König der ersten Dynastie von Lagasch. Ein Abdruck eines der Siegel von Lugal-anda ist in Abb. wiedergegeben. 49Ein Teil des Siegels ist in zwei Register unterteilt, im obersten davon sehen wir den Adler mit ausgebreiteten Flügeln Seite 289zwei Löwen umklammernd, die zusammen das Wappen der Stadt Lagasch bildeten. Auffällig ist, dass mit den Löwen die gleiche Freiheit wie auf dem kleinen Block von Dudu (vgl. Abb.) verwandt wird. 27) der Zeitgenosse von Entemena, einem von Lugal-andas Vorgängern. Hier wie in dem erwähnten kleinen Block werden die Löwen sehr temperamentvoll dargestellt, und im Gegensatz zu früheren Darstellungen des Wappens nagen die Löwen an den Flügeln ihres Fängers. Auf der rechten Seite des Stadtwappens befindet sich eine Inschrift in sehr archaischen Buchstaben. Im unteren Register haben wir zwei menschenköpfige Stiere, einen Hirsch, einen bärtigen Helden, der Izdubar oder Gilgamesch ähnelt, wie er auf anderen frühen Rollsiegeln dargestellt ist, und eine weitere Figur, die ihren linken Arm um den Hals des Hirsches legt und eine der Vorderpfoten des Hirsches in ihrer rechten Hand hält. Anders als der bärtige Held, der auf ähnliche Weise damit beschäftigt ist, die Vorderpfote eines der menschenköpfigen Stiere zu ergreifen, ist er glattrasiert, während sein Haar durch vier zungenförmige Fortsätze dargestellt wird. Auf der linken Seite der beiden Register sind der Körper und der untere Teil des Gesichts eines großen Stiers mit Menschenkopf zu sehen, während auf der rechten Seite zwei Löwen zu sehen sind, von denen einer seine Zähne in den Hals eines Mischwesens schlägt, das halb Mensch und halb Tier ist. Es wird sofort klar, dass dieses Rollsiegel aus der frühen sumerischen Zeit eine unbestimmte Periode künstlerischer Entwicklung in der Praxis der Gravur voraussetzt.

Seite 290

In den sehr frühen Siegeln ist die Szene natürlich weit weniger zusammengesetzt und die Verarbeitung unendlich gröber; wir finden häufig das gleiche Adlermotiv, aber die Tiere, die er zerkratzt, sind normalerweise Ziegen, Stiere oder Steinböcke, wie in Abb. zu sehen ist. 50, die Löwen wurden erst später eingeführt. Hier haben wir ein sehr primitives Siegel, auf dem der Adler zwei Steinböcke an den Hörnern packt, während ein Held dieselben beiden Tiere an den Beinen packt. Held, Adler und Steinböcke werden auf höchst archaische und grobe Weise dargestellt, obwohl die symmetrisch ausgebreiteten Flügel des Adlers eine Vorahnung des Konventionalismus späterer Tage zu sein scheinen. Die Steinböcke strecken ihre Hinterteile in die Luft, während der Adler sie an den Hörnern packt, dem Sitz ihrer tatsächlichen und symbolischen Stärke. Das Siegel selbst ist sowohl dicker als auch kürzer als üblich und hat nur ein Register.

Doch die Einfachheit, die normalerweise die Rollsiegel der frühesten Epoche kennzeichnet, weicht manchmal einer völlig überwältigenden Komplexität, wie bei dem in Abb. dargestellten Siegel. 51. Die beiden Register, in die das Feld des Zylinders unterteilt ist, greifen so übermäßig ineinander, dass man nur bei genauer Betrachtung erkennen kann, dass es sich um zwei Register handelt. Der Adler ist die zentrale Figur im oberen Register, seine Klauen strecken sich einerseits nach einem Löwen aus, der von einem Geier angegriffen wird, und andererseits nach einem Löwen, der einen umgekehrten Steinbock anzugreifen scheint. Unten nimmt ein Jäger die beherrschende Position ein; er ist mit dem kurzen sumerischen Rock bekleidet, dessen Fransen archaisch durch eine Reihe von Anhängern dargestellt werden, die an die fragmentarischen Skulpturen der prähistorischen Zeit von Lagasch erinnern (vgl. Abb.). 25, C), und er ist von einer Herde Löwen und Antilopen umgeben. Dieses Siegel ist eindeutig das Ergebnis einer weiter entwickelten Kunst als die in Abb. reproduzierte. 50, aber ungeachtet dessen ist es im Wesentlichen archaischer Natur und gehört in die frühe sumerische Periode.

Seite 291

Eines der beliebtesten Designs für Rollsiegel in der frühen sumerischen Zeit ist das einer oder zwei sitzender Gottheiten, manchmal begleitet von einem Adler. Ein sehr archaisches Beispiel dieser Art ist in Abb. wiedergegeben. 52. Die beiden sitzenden Wesen sind zweifellos Götter, obwohl sie glattrasiert sind und dieselben, kaum angedeuteten Gesichtszüge haben wie die Figur in der Mitte. Es fällt auf, dass die Fransen des kurzen sumerischen Rocks einer der Gottheiten und auch des Anbeters durch eine Reihe spitzer Lappen dargestellt werden, wie in Abb. 51.

\"Feige.
\"Feige.
Abb.. 50.Abb.. 51.
\"Feige.
\"Feige.
Abb.. 52.Abb.. 53.

In Abb. 53 Wir haben wieder zwei sitzende Götter, aber diesmal haben sie eine große Schüssel zwischen sich, aus der sie anscheinend durch Schläuche trinken. Sie sitzen offenbar auf Feldstühlen, während vor einem von ihnen ein heiliger Baum steht. Ihre Kleidung besteht aus einem langen Gewand, das einen Arm bedeckt, während der andere frei und frei bleibt, und bis zum Knöchel reicht. Der untere Teil ist mit Fransen verziert und der Körper mit einem zweigförmigen Muster.

Manchmal haben wir auch die Darstellung eines Gottes, der in einem Boot sitzt, wie in Abb. 54. Es ist unmöglich zu sagen, wer der Gott ist, obwohl sein göttlicher Charakter durch die gehörnte Kappe klar gezeigt wird. Von der Entstehung Seite 292aus Zweigen oder was Feuerflammen und Wasserströme von seinen Schultern sein könnten, scheint Dr. Ward mit Fug und Recht anzunehmen, dass der Gott kein anderer als Shamash, der Sonnengott ist. Das Boot wird von zwei Ruderern durch den Fluss oder Kanal gesteuert, die zusammen mit dem Gott im Boot stehen. Die beiden Männer tragen unterschiedliche Kopfbedeckungen, aber alle drei sind nur mit dem alten sumerischen Rock bekleidet. Im Wasser wächst Schilf bis zur Höhe der Insassen des Bootes und ein sehr primitiv ausgeführter Wildschwein treibt sein Unwesen in diesem malerisch dargestellten Sumpf. Bug und Heck des Bootes haben eine ähnliche Form und sind sehr hoch nach oben gebogen. Falls der Gott Shamash ist, scheint es wahrscheinlich, dass er hier wie auch anderswo dargestellt wird, wie er in seinem Boot den Himmel durchquert.

Eine weitere Reihe archaischer Rollsiegel beschäftigt sich mit den Heldentaten von Gilgamesch und Eabani, zwei mythologischen Wesen, deren Siege über Stiere und Löwen ihnen einen Ruf und Ruhm einbrachten, der bis in die späte Zeit der assyrischen Geschichte anhielt. Einen Abdruck eines der primitivsten Gilgamesch-Siegel haben wir in Abb. 55. Der Held steht zwischen zwei Bisons, von denen einer von einem Löwen und der andere von einem Leoparden angegriffen wird, während der unmenschliche und halbtierische Ea-bani den Löwen von hinten angreift. Das Vorkommen des gefleckten Leoparden ist besonders bemerkenswert, da er auf späteren Zylindern kaum noch vorkommt, während die Anwesenheit von Bisons, die nur im Hochland vorkommen, eine zusätzliche archaische Note verleiht und ein weiterer Hinweis auf das Alter dieses Siegels ist, das zu einer Zeit eingraviert worden sein muss, als die Erinnerung an seine Herkunft aus den Bergen im Gedächtnis des Sumerers noch frisch war, denn in der späteren Periode der babylonischen Kunst wird der Bison durch den sumpfliebenden Büffel ersetzt. Alle Einzelheiten des Siegels weisen dieselben primitiven Merkmale auf, und wie üblich gibt es keine Inschrift.

Wir haben bereits einen königlichen Siegelabdruck gesehen, und Seite 293wir haben in Abb. 56 das Siegel eines späteren, aber weitaus berühmteren babylonischen Königs, Schar-Gani-Scharri, König von Agade. Während der Herrschaft von Schar-Gani-Scharri und seinem Sohn Naram-Sin erreichte die babylonische Kunst ihren Höhepunkt – die Rohheit der früheren Werke war verschwunden, während vom Konventionalismus späterer Tage noch keine Spur zu sehen ist, und Freiheit ist das Schlüsselmerkmal ihres Erfolgs. Die Szene ist eine oft wiederkehrende: Ein Held, der allem Anschein nach Gilgamesch ist, kniet auf einem Knie und hält in seinen Händen eine Vase, aus deren überfließenden Strömen der Büffel seinen Durst zu stillen sucht. Das Siegel ist mit Kraft und Präzision eingraviert, deren Kühnheit nur durch die erzeugte natürliche Wirkung übertroffen wird. Sowohl Held als auch Tier werden mit einer Freiheit und Treue behandelt, die in der orientalischen Kunst selten, wenn überhaupt, übertroffen wird. Die Stärke des Bildes liegt jedoch im Genie des Künstlers und ist in keiner Weise vom Thema abhängig, das sich für nichts besonders Auffälliges oder Effektvolles eignet.

\"Feige.
\"Feige.
Abb.. 54.Abb.. 55.
\"Feige.
\"Feige.
Abb.. 56.Abb.. 57.

\"Feige.

Abb.. 58.

In Abb. 57 Wir haben den Eindruck eines weiteren Siegels, in dem Gilgamesch und Eabani die Hauptdarsteller sind. Eabani kämpft mit einem Löwen, aber sein Kamerad kämpft mit einem riesigen gehörnten Büffel. Dieses Siegel stammt aus der Zeit von Shar-Gâni-sharri und Narâm-Sin, Königen von Seite 294Agade, dessen Datum sowohl durch den Kunststil als auch durch den Inhalt der kurzen Inschrift bestimmt wird, die den Namen des Besitzers enthält, Bingani-Sharali, König von Agade und Sohn von Narâm-Sin. Dieses Siegel, das sich jetzt im Britischen Museum befindet, wurde auf Zypern entdeckt.132 Die Bewegungen von Gilgamesch und Eabani sind lebensecht dargestellt, obwohl die Bewegung von Eabanis linkem Arm etwas unbeholfen und unelegant ist. Dasselbe kann man von dem übermächtigen und schlecht gestalteten Büffel und auch von der Antilope unter der Inschrift sagen, aber der Löwe ist ausgesprochen konventionell, eine Tatsache, die möglicherweise auf die Allgegenwärtigkeit seiner Präsenz auf den Rollsiegeln und Denkmälern der frühesten sumerischen Zeit zurückzuführen ist, woraus man vielleicht schließen kann, dass die ständige Reproduktion desselben Tieres mit der Zeit die Frische abgenutzt hat, mit der der Künstler sein Thema anfangs behandelte. Aber die Gilgamesch-Siegel erreichen wahrscheinlich ihren Höhepunkt in dem in Abb. reproduzierten. 58. Der Held befindet sich in einem tödlichen Kampf mit einem Löwen, den er zu werfen versucht. Gilgamesch wird mit vollem Gesicht und den verschiedenen Besonderheiten dargestellt, die seiner einzigartigen Person eigen zu sein scheinen – der lange, lockige Bart, das ebenso lange, in der Mitte gescheitelte Haar mit den drei charakteristischen Locken auf beiden Seiten und der Körper bis auf einen schmalen Gürtel völlig nackt. Die Handlung ist konzentriert und auf einen Punkt fokussiert – es Seite 295Es gibt in der Szene keine Personen, Tiere oder gar Gegenstände, die die Aufmerksamkeit des Zuschauers ablenken oder teilen könnten, und die Lebendigkeit, mit der das Thema behandelt wird, rechtfertigt voll und ganz die isolierte und exklusive Stellung, die es hier einnimmt.

\"Feige.

Abb.. 59.

Eine weitere Gruppe babylonischer Siegel aus verschiedenen Epochen zeigt den dramatischen Sieg der Gottheit über den geflügelten Drachen. Eines der frühesten, am besten erhaltenen und lehrreichsten Beispiele hierfür ist ein Muschelzylinder, der im Metropolitan Museum in New York aufbewahrt wird und ebenfalls von Ward veröffentlicht wurde.133 (vgl. Abb. 59). Der Drache hat die Flügel und das Hinterteil eines Adlers, während seine Vorderbeine und sein Kopf die eines Löwen sind; zwischen den Flügeln auf seinem Rücken steht eine nackte Göttin, die in jeder Hand Blitze schwingt. Der Drache ist an einen vierrädrigen Streitwagen gespannt, dessen Vorderteil höher ist als das Hinterteil, während ein Gott von unverhältnismäßiger Größe den Streitwagen lenkt und eine Peitsche in seiner linken Hand schwingt. Der löwenköpfige Drache erbricht sich anscheinend, und seine Bewegung erinnert an die eines sterbenden Löwen auf den Flachreliefs von Ashur-bani-pal. Es kann jedoch auch das Ausstoßen von Gift darstellen, doch wenn dies der Fall ist, wurde es nicht sehr gut wiedergegeben. Vor dieser Gruppe von Übernatürlichen steht der Anbeter, der gerade dabei ist, ein Opfer ungewisser Art auf einem Altar darzubringen.

Seite 296

Manchmal sind Götter und Helden jedoch Seite an Seite auf demselben Siegel abgebildet, wie dies bei dem in Abb. wiedergegebenen Siegel der Fall ist. 60Die sitzende Gottheit mit der Hornkappe ist Shamash, der Sonnengott, von dessen Schultern Lichtstrahlen ausgehen, während aus seinem Schoß Ströme lebendigen Wassers fließen. \"Feige.Abb.. 60.Der Gott ist mit einem langen Mantel bekleidet, der von der rechten Schulter herabhängt, während der linke Arm und die Schulter frei bleiben, und er sitzt auf einem drei- oder vierbeinigen Stuhl. Vor ihm ist eine Mondsichel und hinter ihm ein Stern, der auf einer Art Ständer montiert ist, während in seiner Gegenwart eine typische Szene aufgeführt wird; zwei Helden strecken einen Löwen nieder – einer von ihnen hat seinen linken Fuß auf dem Kopf des Löwen und greift mit seiner linken Hand nach dem Schwanz des umgedrehten Tieres, während er im Begriff ist, mit seiner rechten ein Messer in sein Hinterteil zu stoßen. Der andere Held hält sich mit einer kleinen Axt bereit; seine Kopfbedeckung unterscheidet sich von der seines Kameraden, da sie mit Stacheln versehen ist, aber in allen anderen Punkten sind die beiden gleich. Dieses Siegel ist aus rosa Marmor und wird jetzt im Metropolitan Museum in New York aufbewahrt. Eine Klasse von Gottheiten war eng mit der Schlange verbunden, und der Körper eines Gottes wird manchmal als aus einer Schlange geformt dargestellt.\"Feige.Abb.. 61.Schlangenspule, wie es bei dem in Abb. wiedergegebenen Rollsiegel der Fall ist. 61. Der Gott sitzt in diesem Fall einer Göttin gegenüber, die ebenfalls sitzt und eine flache Tasse in der Hand hält; über ihrem Arm ist die Mondsichel und hinter ihr der montierte Stern wie in Abb. 60. Der hier dargestellte Stern ist identisch mit dem frühsumerischen Ideogramm und bestimmend für Gott und hat zweifellos auch hier diese Bedeutung. Die Göttin hat eine lange Seite 297Das Gewand reicht bis zu den Knöcheln, aber ihr linker Arm und ihre Schulter sind frei, wie im Fall der Göttin in Abb. 60. Ihr Sitz besteht aus einer Art Feldstuhl, einer Stützform, die der babylonische Geist offenbar schon sehr früh erfunden hat. Der Gott mit dem Schlangenkörper und dem menschlichen Bart hält einen Zweig in der Hand, dessen genaue Bedeutung nicht ganz klar ist, aber der prominente Platz, den der heilige Baum in der babylonischen und assyrischen Mythologie einnimmt, rechtfertigt die Annahme, dass er hier wie auch anderswo eine symbolische Bedeutung hat. Hinter dem Gott befindet sich ein Tor mit fünf Riegeln, das darauf hinweisen soll, dass der Zugang zur göttlichen Gegenwart schwierig ist oder dass man in sie eingeführt werden muss. Sofern das Tor nicht entweder vom Gott selbst oder von einem vermittelnden Wesen göttlichen oder quasi-göttlichen Charakters geöffnet wurde, konnte der Anbeter vermutlich keinen Zutritt erlangen.

Wie wir bereits gesehen haben, präsentieren uns die Rollsiegel häufig die bildliche Darstellung einer Legende, die wir bereits aus der Literatur kennen. Eine der berühmtesten Legenden der Babylonier war die von Etanas mutigem, aber erfolglosem Versuch, auf den Flügeln eines Adlers in den Himmel aufzusteigen. Höher und höher schwebte der Adler, bis schließlich die Pforten des Himmels in Sicht kamen, aber das Ziel, das aus einem nicht näher genannten Grund nie erreicht wurde, und sowohl Etana als auch sein lebendes Flugzeug wurden zu Boden geschleudert. Wir haben eine Abbildung dieses kühnen Fluges auf einigen der Siegelrollsiegel im Britischen Museum, einen Abdruck von einem davon finden Sie in Abb. 62. Etana sitzt auf dem Adler, der seine Last in die Höhe trägt, vor den Augen eines bewundernden, nach oben blickenden Hundes. Rechts treibt ein in ein langes Gewand gekleideter Hirte – seine rechte Schulter ist wie üblich frei – ein gehörntes Schaf und zwei Ziegen auf einen primitiv aussehenden Zaun zu: Sowohl Etana als auch der Hirte tragen Bärte und langes Haar, während letzterer einen Stab in der linken Hand hält. Im Hintergrund ist ein nackter, aber ebenfalls bärtiger Seite 298Eine Person sitzt neben einer großen Amphore und scheint völlig mit deren Inhalt beschäftigt zu sein. Vermutlich führt sie gerade kulinarische Tätigkeiten aus.

Auf anderen babylonischen Siegeln wird die Szene dargestellt, in der ein Gott einen von Menschen geschaffenen Feind angreift. Zu dieser Klasse gehören Rollsiegel aus der archaischen Zeit, \"Feige.Abb.. 62.sowie solche aus späterer Zeit. Der Abdruck eines solchen archaischen Siegels ist in Abb. wiedergegeben. 63. In der Mitte haben wir den Gott, der auf einem Stier reitet, seine linke Hand ist erhoben, seine rechte Hand hält eine Waffe oder eine Peitsche; er trampelt auf einem niedergestreckten und flehenden Feind herum, dessen Gestalt auf die roheste und roheste Art und Weise skizziert ist, die man sich vorstellen kann. Wie Ward sagt, muss dieses Siegel aus der Zeit stammen, als das Pferd unbekannt war oder jedenfalls nicht im Kampf eingesetzt wurde. Auf der rechten Seite des Abdrucks kämpft der Gott zu Fuß mit einem Feind, der mit einer Waffe in Form eines Bumerangs bewaffnet zu sein scheint, wie die, mit der der\"Feige.Abb.. 63.Gott Nin-girsu ist auf der Geierstele bewaffnet. Der Gott hält in seiner rechten Hand eine Waffe unklarer Art, während zwischen beiden und dem Gott gegenüber ein kleiner Anbeter steht, dessen Hand – zweifellos als Zeichen der Unterwerfung – zu seinem göttlichen Herrn erhoben ist. Auf der linken Seite ersticht der Gott einen Stier mit Menschenkopf mit einem Dolch, während aus dem Rücken des Gottes Strahlen oder etwas, das wie Strahlen aussieht, austreten.

Zur Zeit Gudeas, Patesi von Lagasch, und Ur-Engur und Dungi, Könige von Ur, sehen wir eine deutliche Veränderung in den künstlerischen Werten der Produkte des Siegelgraveurs. Generell gesprochen werden sie mit weitaus größerer Sorgfalt ausgeführt, Seite 299und mit einem Reichtum an Präzision, der den meisten früheren Intaglios völlig fehlt, aber was sie an Sorgfalt und Detailgenauigkeit gewinnen, verlieren sie an Konventionalität, die diese Sorgfalt und Aufmerksamkeit hervorgebracht haben. Wir haben hier keine grobe Skizze eines geborenen Künstlers, sondern das ausgearbeitete Gemälde eines Kopisten. In Abb. 64 Wir haben einen Abdruck von einem der Rollsiegel von Gudea. Der Gott, der wahrscheinlich Nin-girsu oder Ea ist,134 sitzt auf einem kastenförmigen Thron. In jeder Hand hält er eine Vase, aus deren beiden Händen zwei Ströme entspringen, die ihren Inhalt in drei auf dem Boden stehende Vasen gießen, die wiederum selbst zu Erzeugern lebendiger Wasserquellen werden. \"Feige.Abb.. 64.Dem Gott gegenüber steht eine Zwischengottheit, die mit der linken Hand eine der Vasen stützt und mit der rechten den Anbeter, wahrscheinlich Gudea selbst, führt. Aus den Schultern der Zwischengottheit entspringen zwei Schlangen, wobei der Kopf der nächsten Schlange genau den seltsamen Reptilien auf der Vase derselben Patesi ähnelt (vgl. Abb.). 90). Die Identifizierung der vermittelnden Gottheit mit Ningish-zida wird durch Gudeas Anspielung auf diesen Gott in einer seiner Inschriften sehr wahrscheinlich gemacht, wo er in seiner Beschreibung der Art und Weise, wie er seinem obersten Gott Nin-girsu vorgestellt wurde, ausdrücklich erklärt, dass „Nin-gish-zi-da, sein Gott, ihn an der Hand hielt.“

\"Feige.

Abb.. 65.

\"Feige.

Abb.. 66.

In Abb. 65 Wir haben einen Siegelabdruck von Ur-Engur, König von Ur um 2400 bc Die dargestellte Szene ist bekannt: Ein vermittelnder Gott ist dabei, einen betenden Anbeter einer höheren Gottheit vorzustellen, die auf einem Thron sitzt. Der thronende Gott hat einen langen Bart Seite 300und trägt einen runden Hut, der dem Turban von Gudea ähnelt (vgl. Tafel). XXIII). Er legt einen Arm auf die Rückenlehne seines Throns, während seine rechte Hand in einer Art Einladung an den sich langsam nähernden Anbeter ausgestreckt ist. Der Thron selbst ist, anders als die kastenförmigen Sitze früherer Tage, mit einer Rückenlehne versehen, und die Hinterbeine sind den Beinen eines Ochsen nachempfunden. Die Zwischengottheiten tragen die gehörnte Kappe, mit der die Götter zu Gudeas Zeit normalerweise bedeckt waren, während auch aus ihren Köpfen Hörner zu wachsen scheinen, die seltsamerweise in ihrer Form mit denen auf dem Terrakottakopf identisch sind, der bei den jüngsten Ausgrabungen in Babylonien entdeckt wurde.135 Die sitzende Gottheit ist in ein langes, einfaches Gewand gekleidet, das bis zu den Füßen reicht. Seine Kleidung ist einfacher als die der begleitenden Gottheiten oder sogar die des Anbeters selbst. Letzterer trägt eine lange Tunika und einen Mantel mit Fransen über seiner linken Schulter. Beide Vermittler sind ebenfalls in lange Gewänder gekleidet, die sich jedoch voneinander und auch von denen des Anbeters unterscheiden, da sie aufwändiger gearbeitet sind. Der göttliche Einführer trägt das reichere Seite 301Gewand der beiden. Die Inschrift bezieht sich auf Ur-Engur, den König von Ur, der möglicherweise die auf dem Thron sitzende Figur ist; zur Unterstützung dieser Theorie ist anzumerken, dass die Könige dieser Dynastie oft schon auf Erden vergöttlicht wurden. Ur-Engur wurde von Dungi abgelöst, dessen Rollsiegelabdruck in Abb. zu sehen ist. 66. Beide Siegel werden im Britischen Museum aufbewahrt. Ein bärtiger Gott mit einer Hornkappe steht vor einem Altar in Form einer hohen Vase, aus der ein gefiederter Zweig hervorragt, der möglicherweise die aufsteigende Flamme darstellt, während zu beiden Seiten des Altars zwei lange kahle Stängel mit büscheligen Köpfen herabhängen. Der Gott hält in seiner linken Hand eine Waffe, deren oberes Ende mit einem seitlichen halbrunden Griff versehen ist, ähnlich dem, den De Sarzec in Tellô gefunden hat, und auch dem auf der Steinvase von Gudea abgebildeten (vgl. Abb.). 90). In seiner ausgestreckten rechten Hand hält er eine dreiblättrige Blume, die eine genaue Nachbildung der Blume ist, die man in den Händen mythischer Wesen auf späteren assyrischen Flachreliefs findet. Auf der anderen Seite des Altars steht der Bittsteller, gekleidet in dasselbe mit Fransen verzierte Gewand wie in Abb. 65, während seine rechte Hand in Anbetung erhoben ist. Hinter ihm steht ein weiterer Anbeter, dessen Kleidung der des Gottes ähnelt und der ebenfalls mit einer gehörnten Kappe gekrönt ist, aber trotz dieser göttlichen Auszeichnung hat er beide Hände in Anbetung erhoben. Dungi wurde von Bur-Sin abgelöst, von dessen Rollsiegeln Seite 302ist in Abb. zu sehen. 67. Die Szene unterscheidet sich kaum von der auf den Siegeln seiner Vorgänger. Ein sitzender Gott, ein Anbeter und eine weitere anbetende Figur, die dahinter eine göttliche Kopfbedeckung trägt. Der Gott trägt einen Turban wie auf dem Siegel von Ur-Engur (vgl. Abb. 65); er ruht auf einem sehr dick gepolsterten Sitz, während sowohl seine eigenen Füße als auch die seines Throns auf einer kleinen niedrigen Plattform ruhen. Der Anbeter hat hier seine Hände vorn gefaltet, ähnlich wie Gudeas Hände in den Statuen aus Tellô, aber die dritte Figur, die Ward etwas humorvoll als „Göttin mit Volant“ beschreibt, hat beide Hände erhoben. Ein Abdruck eines Rollsiegels von Gimil-Sin, dem Nachfolger von Bur-Sin auf dem Thron von Ur, ist in Abb. wiedergegeben. 68. Der Gott mit Turban und langem Bart sitzt wieder auf einem reich gepolsterten Diwan und steht erhöht auf einer kleinen Plattform. In seiner rechten Hand hält er eine Vase mit zwei Henkeln, während seine linke Hand in den Falten seines Volantgewandes verborgen ist. Das Gewand des Vermittlers ist genau das gleiche wie das des sitzenden Gottes, aber eine gehörnte Kappe nimmt den Platz des Turbans ein. Der Anbeter dahinter hat eine Hand wie sein Platzanweiser erhoben, während das mit Fransen verzierte Gewand, das von seiner Schulter herabhängt, so angeordnet ist, dass sein linkes Bein zu sehen ist. Ein Siegel von Ibi-Sin, dem letzten der Dynastie (vgl. Abb.). 69) zeigt dasselbe Thema, während die Behandlung praktisch keine Variation zeigt. Es wird Ihnen aufgefallen sein, dass der Stern und die Mondsichel auf einigen dieser Zylinder zu finden sind, während sie auf anderen fehlen, woraus man vernünftigerweise schließen kann, dass sie bloß symbolische Accessoires waren und als solche keine wesentliche Bedeutung hatten.

Alle diese Siegel tragen Inschriften, die sich von denen der früheren Periode unterscheiden, und ein beträchtlicher Teil des Zylinderfeldes ist mit Schrift statt mit Landschaften besetzt. Aber im Laufe der Zeit wurde diese Tendenz ausgeprägter, und während der Kassitenzeit ist manchmal fast das gesamte Siegel mit Seite 303eine Inschrift, meist religiöser Natur. So steht auf einem Zylinder mit dem Namen Kurigalzu, dem Kassitenkönig von Babylonien (Umlauf1400 bc) (vgl. Abb. 70) reduziert sich das Bildelement auf eine einzige Figur, nämlich die des Anbeters.

\"Feige.
\"Feige.
Abb.. 67.Abb.. 68.
\"Feige.
\"Feige.
Abb.. 69.Abb.. 70.

Ein äußerst interessanter Siegelabdruck aus der Kassitenzeit wird von Clay veröffentlicht in Das Museumsjournal, University of Pennsylvania (I, 1910, S. 4-6). Es ist auf das vierte Jahr von Nazi-Maruttash, König von Babylon, datiert (Umlauf 1330 bc) (vgl. Abb. 71). Drei bärtige Männer sind mit dem Pflügen beschäftigt; einer treibt die beiden buckligen Ochsen an, die vor die Pflugschar gespannt sind, der zweite hält die Griffe, während der dritte anscheinend Getreide in eine am Pflug befestigte Drillmaschine schüttet.

Es wurde gesagt, dass dieser Siegelabdruck uns die früheste Darstellung des babylonischen Pfluges liefert, aber diese Aussage muss im Lichte der frühen Siegelabdrücke von Ward (S. 132, Abb. 369, 371, 372) erheblich modifiziert werden. Der Pflug ist auf allen drei Zylindern abgebildet, und sie alle stammen aus der Zeit vor dem Zylindersiegel Seite 304von Nazi-Maruttash (vgl. auch die Votivtafel aus Nippur, Abb. 25, E).

Das Neubabylonische Reich (625-538 bc) erbte die stereotypen Traditionen der langen Periode der Kassite\"Feige.Abb.. 71.Vorherrschaft, und obwohl es eine gewisse Bewegung zugunsten des bildlichen gegenüber dem literarischen Element in den späteren Rollsiegeln gab, blieb der Kunststil mehr oder weniger unverändert, wenn nicht sogar unveränderlich. Ein gutes Beispiel für einen neubabylonischen Siegelabdruck ist der auf einer Tafel aus dem 26. Jahr Nebukadnezars (vgl. Abb.). 72).136 Der Anbeter steht vor einer rechteckigen Kiste, die wie ein Altar aussieht, laut Ward aber der Sitz der Götter ist. Sie trägt zwei Embleme, eines einen Hund und das andere einen Blitz des Sturmgottes Adad. Haltung, Haltung und allgemeine Erscheinung des Anbeters entsprechen genau denen auf den Kassiten-Zylindern von Kurigalzu (vgl. Abb.). 70) und sind ein gutes Beispiel für den Konventionalismus, dem die spätere mesopotamische Kunst so hoffnungslos verfallen war.

Das Rollsiegel wurde in Assyrien seit den frühesten Perioden seiner Geschichte verwendet, \"Feige.Abb.. 72.und wurde bis in die Zeit der Perser weiter verwendet, die wiederum dieselbe Art von Siegel übernahmen. Ein Rollsiegel aus der frühen assyrischen Zeit, also etwa 2000 bc, ist in Abb. dargestellt. 73. Die Verarbeitung ist grob, aber in der Szene selbst sehen wir im Keim die militärischen Heldentaten der spätassyrischen Flachreliefs. Ein Krieger, der in seinem zweirädrigen Streitwagen sitzt, ist dabei, einen Pfeil aus seinem Seite 305gespannten Bogen; sein Rivale zu Fuß tut genau dasselbe, und es scheint eine Frage zu sein, welcher der beiden Kämpfer seinen Pfeil zuerst trifft. Der Streitwagen wird von einem Stier gezogen, ein Hinweis darauf, dass das Pferd noch nicht für Kriegszwecke verwendet wurde, während die vierspeichigen Räder \"Feige.Abb.. 73.sind ein weiterer archaischer Touch – die Wagenräder der späteren Assyrer hatten acht, zwölf oder manchmal sechzehn Speichen. Der Stier trampelt in seiner wilden Fahrt über einen am Boden liegenden Feind hinweg, eine Szene, die häufig auf Flachreliefs dargestellt wird; es ist jedoch interessant, den symbolischen Stern und Halbmond der alten Babylonier auf diesem frühen assyrischen Siegel wiedergegeben zu sehen.

Den geflügelten Drachen haben wir bereits auf einem archaischen babylonischen Siegel gesehen (vgl. Abb. 59), aber es dauerte offenbar bis zur assyrischen Epoche, bis der Konflikt zwischen „Bel und dem Drachen“ in der mesopotamischen Kunst dargestellt wurde.137 \"Feige.Abb.. 74.Auf einem frühassyrischen Rollsiegel, das heute im Metropolitan Museum, New York, aufbewahrt wird (vgl. Abb. 74), haben wir ein primitives Bild der Eroberung von Bel-Merodach als Vertreter und Inkarnation von Ordnung, System und Methode über den Drachen – die Personifizierung von Unordnung und stürmischem Chaos. Der Gott spannt seinen Bogen – anscheinend nicht auf gut Glück, sondern mit der tödlichen Sicherheit, mit der die Götter vermutlich zielen können. Trotzdem hat der Gott die Vorsichtsmaßnahme getroffen, einen Köcher voller Pfeile auf dem Rücken zu tragen, während er zusätzlich mit einer Axt bewaffnet ist. Der geflügelte Drache mit dem zusammengesetzten Charakter steht auf seinen Hinterbeinen, sein Gesicht ist seinem allmächtigen Gegner zugewandt, wie auf dem Seite 306berühmtes Flachrelief von Marduk und Tiâmat. Der Gott wird von einem anderen Tier mit Flügeln begleitet, das zweifellos bereit ist, seinem göttlichen Herrn zu Hilfe zu kommen, wenn er gerufen wird. Hinter dem Gott sehen wir die geflügelte Scheibe und etwas, das wie zwei Augen aussieht, während die \"Feige.Abb.. 75.Vorne sind die Mondsichel von Sin, der Mondgott, und der Stern von Ishtar eingraviert. Hinter dem Drachen befindet sich ein heiliger Baum, der einer Palme ähnelt. Der heilige Baum spielte in der assyrischen Kunst eine sehr wichtige Rolle und ist eines der am häufigsten wiederkehrenden Objekte auf den Reliefs an den Palastwänden. Er ist auch oft auf assyrischen Siegeln zu finden, ein gutes Beispiel dafür ist ein Rollsiegel im British Museum, das in Abb. reproduziert ist. 75. Der heilige Baum in seiner konventionellsten Form nimmt den zentralen Teil des Bildes ein; auf beiden Seiten steht der König mit in Anbetung erhobenen Händen; seine Kleidung ist – für einen assyrischen König – verhältnismäßig einfach, aber seine Kopfbedeckung ist eine Nachbildung des spitzen Hutes, den man so häufig auf den Köpfen assyrischer Könige auf den Wandreliefs der Paläste sieht.\"Feige.Abb.. 76.Über dem heiligen Baum steht der Gott Ashur mit seiner geflügelten Scheibe, von der zwei Schnüre herabhängen, die das äußere Bindeglied zwischen dem Gott und seinem Anbeter zu bilden scheinen und an die Strahlen erinnern, die von der Scheibe des Aton ausgehen und in Händen enden, die das ägyptische Symbol des Lebens tragen, auf der berühmten Stele des Chunaton, des sogenannten „Ketzerkönigs“ der 18. Dynastie Ägyptens. Hinter dem König steht der geflügelte, adlerköpfige Genius, der so oft auf den Flachreliefs dargestellt wird. Dieses seltsame Fabelwesen hat eine Hand erhoben Seite 307während er in der anderen einen Korb des üblichen assyrischen Typs trägt.

Auf zahlreichen Siegeln, von denen eines hier wiedergegeben ist (vgl. Abb. 76), ein Fischmensch oder Fischgott, der der Figur ähnelt, die Layard in einem Relief in Nimrud gefunden hat (vgl. Tafel. IV) nimmt die prominenteste Position ein. Ashur wirft in seiner geflügelten Scheibe wieder den Schatten seines göttlichen Schutzes über den heiligen Baum; auf beiden Seiten steht der Dagan-ähnliche Anbeter mit einer erhobenen Hand und einem Korb in der anderen. Ihm folgt ein begleitender Anbeter, während dahinter eine kriegerisch aussehende Persönlichkeit steht – möglicherweise der Gott Marduk –, der \"Feige.Abb.. 77.im Begriff, an einem Strauß Rache zu üben; mit seiner linken Hand umklammert er fest den langen Hals des Straußes und in der rechten hält er einen Krummsäbel, mit dem er dem Vogel offenbar den Kopf abschlagen will.

Die sitzende Gottheit, die auf babylonischen Siegeln aller Epochen zu finden ist, findet sich auch auf den Rollsiegeln der Assyrer. Wir besitzen ein gutes Exemplar eines assyrischen Siegels der Art, auf das in Abb. Bezug genommen wird. 77. Ein bärtiger Gott sitzt auf einem Stuhl mit einer hohen Rückenlehne, wie sie auf babylonischen Zylindern nie zu finden ist: Die Stuhlbeine sind durch Querstangen verstärkt, um die schwere Person des göttlichen Insassen zu stützen, während die Rückenlehne etwas grotesk mit Kugeln verziert ist. Vor dem Gott steht ein Tisch oder Ständer mit doppelten Klappbeinen, der mit einem Tuch bedeckt ist, auf dem eine flache Schüssel und zwei flache Brotkuchen stehen; über dem Tisch ist ein Fisch – sein Kopf ist dem Gott zugewandt. Hinter dem thronenden Gott steht eine Göttin, von deren Körper vier strahlenartige Fortsätze ausgehen, die in Sternen enden, das allgemeine Erscheinungsbild Seite 308der Vorsprünge ähneln denen von vier Sternenraketen. Vor dem beladenen Tisch steht der Anbeter mit erhobener Hand, während sich im Feld des Zylinders ein Steinbock, ein augenförmiges Motiv, sieben Kugeln und eine Mondsichel befinden.


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KAPITEL X - MUSCHELGRAVUR UND ELFENBEINARBEIT

(A) MUSCHEL-GRAVUR

TDie Kunst der Muschelgravur in Mesopotamien reicht bis in die frühesten Zeiten der sumerischen Zivilisation zurück. Die ältesten dieser Gravuren wurden auf Muscheln mit rauer Oberfläche ausgeführt, wobei die der Auster am beliebtesten gewesen zu sein scheinen.

Einige der geborgenen Fragmente sind eindeutig für Einlegearbeiten geformt und gestaltet, während andere, gebogene Formen haben, zusammengefügt werden können und einmal Teil einer gravierten und fein geformten Vase oder Tasse sind. Einige Zeit später wurde Perlmutt zum beliebten Material unter Graveuren, die es mit großem Erfolg einsetzten. Perlmutt ist zweifellos wirkungsvoller und auffälliger als gewöhnliche Muschel, aber es hat seine Nachteile und Nachteile, denn es ist sowohl spröde als auch schuppig, und infolgedessen scheint der Graveur aus der Notwendigkeit des Falles heraus gezwungen gewesen zu sein, sich bei der Verwendung dieses Materials auf die Verwendung von flachen Klingen oder Flocken zu beschränken.

\"Feige.
\"Feige.
Abb.. 78.—(Louvre) Kat., S. 389.Abb.. 79.-Dez. in Chald., Taf. 46, 4.

Eines der ältesten bisher entdeckten Beispiele der Muschelgraveurkunst ist das in Abb. wiedergegebene. 78. Dieses Fragment ist konvex geformt und hat die Form eines abgeschnittenen Dreiecks. Man sieht einen Löwen, der gerade einen Stier erwürgt; mit einem seiner Vorderbeine packt er sein Opfer am Hals, das andere wird um und über den Rücken des Stiers geworfen, während er seine Zähne in den Hals des Stiers vergräbt. Der allgemeine Stil, dem diese Gravur entspricht, die Vollansicht des Löwen, die Handlung, mit der er beschäftigt ist, und Seite 310Die kombinierte Kraft und Rohheit, die diese Produktion charakterisieren, erinnern lebhaft an den Keulenkopf von Mesilim, dem König von Kisch (vgl. Abb.). 26). Der Vergleich zwischen den beiden ist so auffallend, dass wir kaum falsch liegen können, wenn wir diese gravierte Muschel ungefähr derselben Zeit zuordnen, nämlich der Zeit vor Ur-Ninâ, dem Gründer der ersten Dynastie von Lagasch. Sie wurde in Tellô in der Nähe des Brunnens von Eannatum entdeckt und ist knapp drei Zoll hoch. In Abb. 79138 Wir haben ein weiteres Fragment einer sehr archaischen Muschelgravur; ein Stier mit Menschenkopf und streifigem Bart wird von einem Adler mit Löwenkopf angegriffen; die Muschel selbst ist extrem dünn und die Gravur sehr filigran, aber sowohl das Design selbst als auch die Art seiner Ausführung zeugen von seinem hohen Alter. Die Muschelarbeit aus der Zeit von Ur-Ninâ und seinen Nachfolgern ist in Abb. gut dargestellt. 80. Wir haben hier eine Skizze eines Mannes, der ein Netz trägt; der Mann ist glattrasiert und kahl, und sein Gesicht ist genau von der gleichen Art wie das, das so häufig auf den Skulpturen aus Ur-Nins Zeit dargestellt wird. Seine einzige Kleidung ist ein kurzer „Kaunakes“-Rock, dessen Fransen in der Art und Weise dargestellt sind, die für die frühesten sumerischen Kunstwerke charakteristisch ist. In seiner rechten Hand trägt er eineSeite 311Streitaxt, während er mit seiner linken die Enden von zwei Stöcken hält, an denen das bereits erwähnte Netz oder der Korb hängt. Dieses kleine Relikt wurde in derselben Gegend wie das vorhergehende gefunden und ist knapp zwei Zoll hoch. Ein weiteres interessantes Exemplar sumerischer Muschelgravur wurde von Herrn LW King in der Verfahren der Gesellschaft für biblische Archäologie, 1910, S. 243-5. Es stellt einen bärtigen Helden dar, der einen Steinbock umarmt. Es ist bemerkenswert, dass die Kleidung des Helden nicht aus einem sumerischen Rock besteht, sondern aus einem Lendenschurz. Das wahrscheinlich schönste Beispiel frühbabylonischer Muschelarbeit ist das in Abb. reproduzierte. 81; das springende Kind ist sowohl in seiner Form als auch in seiner Haltung wunderbar realistisch und wurde eindeutig der Natur nachempfunden. Von der Perlmuttarbeit aus etwas späterer Zeit haben wir ein gutes Beispiel in Abb. 82. Hier wird Gilgamesch in stehender Haltung dargestellt, wie er in jeder Hand einen der langen „Stäbe“ hält, die man auch anderswo sieht, und zwar insbesondere auf der berühmten grünen Specksteinvase von Gudea (vgl. Abb. 90). Gilgamesch ist in voller Gesichtsform dargestellt und hat den langen, vertikal gestreiften Bart, der so häufig auf Rollsiegeln zu sehen ist. Dieses Fragment ist knapp zweieinhalb Zoll hoch und stammt von derselben Stelle. Die gravierten länglichen Perlmuttplatten scheinen zur Verzierung der Griffe von Messern oder Dolchen verwendet worden zu sein.

\"Feige.
\"Feige.
\"Feige.
Abb.. 80.Abb.. 81.
(Musée du Louvre)
Abb.. 82.
Kat., S. 393, 401.

Seite 312

In Abb. 83 Wir haben eines der am besten erhaltenen und interessantesten Exemplare späterer Muschelarbeiten in Mesopotamien. Dieses Fragment wurde in Warka (Erech) entdeckt, ist aber eindeutig im assyrischen Stil gehalten: Die aufwendig geschmückten Pferde erinnern uns auffallend an die Pferde, die als Reliefs auf den Palastmauern von Ashur-naṣir-pal in Nimrûd (Calah) gemeißelt sind, während die Blumendekoration ägyptischen Einfluss verrät und an die geschnitzten Elfenbeinschnitzereien erinnert, die in den Trümmern des Palastes dieses Königs gefunden wurden. Die zerstörten Hügel Assyriens selbst haben nur wenige Beispiele der Muschelgraveurkunst hervorgebracht, und die, die \"Feige.Abb.. 83. (Nach Layard.)Die gefundenen Muscheln sind größtenteils phönizischer Art und ägyptischer Art, wobei Sphinxen und Lotospflanzen die bedeutendste Rolle bei der Dekoration spielen. Zu den vielen interessanten Ergebnissen der deutschen Ausgrabungen in Babylon gehörte die Entdeckung gravierter Muscheln, die offenbar noch später entstanden sind. Eine Reihe dieser Muscheln wurde auf dem Boden eines Gebäudes von Nebukadnezar gefunden, einige davon zeigten ägyptischen Einfluss und waren mit Lotosornamenten verziert. Muscheln wurden also für verschiedene dekorative Zwecke verwendet, aber in früheren Zeiten dienten sie manchmal als Material für die Herstellung sogar so nützlicher Gegenstände wie Siegel, wie wir bereits bemerkt haben.

(B) ELFENBEINARBEIT

Im Gegensatz zu Muscheln, die an den Küsten des Persischen Golfs von den Bewohnern des Seite 313In den frühesten Zentren der Zivilisation in Untermesopotamien, von denen viele damals zweifellos Seehäfen waren, war Elfenbein nur anderswo erhältlich, und erst als die Bewohner des Tals ihre Macht nach außen ausdehnten, konnten sie über eine Versorgung mit diesem wertvolleren Material verfügen. Elfenbein war eines der wichtigsten Materialien, die die späteren assyrischen Könige von ihren verschiedenen Vasallenfürsten verlangten. Eine große Sammlung geschnitzter Elfenbeinschnitzereien, die in Ashur-naṣir-pals Palast in Nimrûd (Calah) entdeckt wurde, bietet uns die gewünschte Gelegenheit, die Elfenbeinarbeiten dieser Zeit zu studieren und die Fertigkeit festzustellen, zu der diese Kunst von den Künstlern jener Zeit gebracht wurde. Was einem sofort und mit überwältigender Kraft an der kleinen Gruppe geschnitzter Elfenbeinschnitzereien auffällt, ist, dass sie die Handwerkskunst der Zeit widerspiegeln. \"Feige.Abb.. 84.Elfenbein im Pl. XXXII ist ihr ausgesprochen ägyptisches Aussehen, ein sicherer Hinweis auf die enge Beziehung, die zu dieser Zeit zwischen Ägypten und Assyrien bestanden haben muss. In der oberen rechten Ecke sehen wir den Kopf einer Frau, mit vollem Gesicht und ägyptischer Kopfbedeckung: Der Kopf ist in den Rahmen eines schmalen Fensters eingelassen, von dem aus er auf einen von Säulen getragenen Balkon blickt. In der Mitte sehen wir das Fragment eines ähnlichen Kopfes, darunter ein Stierkopf. In der oberen linken Ecke sehen wir eine Elfenbeintafel, auf der ein ägyptischer König in stehender Haltung abgebildet ist, der mit seiner linken Hand eine Lotuspflanze von etwa seiner eigenen Größe hält. Die Pflanze ruht auf einem Ständer, dessen Spitze volutenartig geformt ist und den Kapitellen der Säulen auf dem Flachrelief aus Sippar ähnelt (vgl. Tafel. XIV). Unten links ist eine geschnitzte Elfenbeinsphinx, die in Stil und Charakter eindeutig weder assyrisch noch babylonisch ist. Das interessanteste Exemplar dieser Gruppe ist jedoch die geschnitzte Elfenbeintafel, auf der zwei Frauen einander gegenüber auf beiden Seiten einer Kartusche sitzen, die von einer Scheibe und Federn überragt wird. Die Kartusche enthält ägyptische Hieroglyphen, die als „Uben Shu“ gelesen werden können, was „Der Sonnengott“ bedeuten würde. Seite 314„steigt auf“ oder „die aufgehende Sonne“: Die Innenseite dieser Kartusche ist vergoldet und die Schriftzeichen darin sind eingelegt. Die Federn, die ebenfalls eingelegt sind, sind das Emblem von Maat, dem Gott der Wahrheit, und die Scheibe ist natürlich ein Sinnbild der Sonne. Die beiden Frauen sind offensichtlich Ägypterinnen, ihre Kopfbedeckungen, die Falten ihrer Kleidung und ihre allgemeine Haltung zeugen alle gleichermaßen von ihrer ägyptischen Herkunft, während sich unter ihren Sitzen, die aus Stühlen mit niedriger Rückenlehne bestehen, das „Ankh“-Zeichen befindet, dessen Bedeutung „Leben“ ist. Dieses Zeichen, fälschlicherweise „crux ansata“ oder „Kreuz mit einem Griff“ genannt, hat natürlich überhaupt nichts mit dem christlichen Symbol zu tun; es stellte wahrscheinlich einen Gürtel dar, wobei das, was früher als Griff angesehen wurde, der Teil des Gürtels war, der die Taille umgab, wobei der lange Stiel die losen Enden darstellte und ein Gürtel, der die lebenswichtigen Teile umgab, nicht unnatürlich das Leben symbolisierte und in bildlicher Sprache dazu kam, es zu bezeichnen. Die beiden sitzenden Figuren haben eine Hand als Zeichen der Anbetung vor den heiligen Symbolen in der Mitte erhoben, während sie in der anderen Hand ein Zepter fest umklammern. Darunter befinden sich sieben weitere fragmentarische Exemplare von Elfenbeinarbeiten, die alle in den Ruinen desselben Palastes entdeckt wurden und einen starken ausländischen Einfluss verraten. Die Schlussfolgerungen, die diese kleinen Elfenbeinschnitzereien uns hinsichtlich der Außenpolitik Assyriens in dieser Zeit erlauben, werden durch die Beweise, die die im Kapitel über Metallurgie behandelten Bronzeschalen liefern, bestätigt.

Tafel XXXII

"Geschnitzt

Foto. MansellBritish Museum
Geschnitzte Elfenbeinplatten aus Nimrûd

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Man darf jedoch nicht annehmen, dass alle in Assyrien entdeckten Elfenbeinarbeiten das Werk ägyptischer oder phönizischer Künstler sind. Einige, von denen ein gutes Exemplar in Abb. zu sehen ist, sind in der Abbildung zu sehen. 84, sind in Stil und Konzeption so assyrisch wie jedes Palast-Flachrelief. Die hier reproduzierte Elfenbeintafel ist nur fünf Zoll hoch. Das Motiv ist bekannt – ein vierflügeliges mythologisches Wesen, gekrönt mit einer gehörnten Kappe, das die rechte Hand bei der Ausübung einer religiösen Zeremonie ausgestreckt hat und in der linken Hand einen Korb trägt. Nicht nur ist das Motiv völlig assyrischen Charakters, sondern auch die Verarbeitung und Art der Ausführung tragen das unverkennbare Markenzeichen Assyriens. Die aggressive Männlichkeit der Arme und Beine, die Falten, Anordnung und der Stil der Kleidung sowie das Haar und der stark dargestellte Bart sind alle genau identisch mit den Figuren, die man so oft auf den Steinskulpturen dieser Zeit sieht. Auf beiden Seiten der Tafel, in der dieses mythologische Wesen verehrt wird, befindet sich ein Rollwerk, das in Babylonien jedenfalls schon zur Zeit von Entemena von Lagasch verwendet wurde, während seine Füße auf einer Reihe von Rosetten stehen, die so häufig als dekoratives Accessoire in assyrischen Kunstwerken erscheinen. Der untere Teil dieser Tafel ist mit kreisförmigen und volutenförmigen Motiven ausgefüllt, und ganz unten sehen wir eine weitere Reihe von Rosetten. Unter den verschiedenen Motiven, die auf den anderen Elfenbeintafeln aus den Ruinen desselben Palastes geschnitzt sind, sind folgende von besonderem Interesse: ein Held, der einen Löwen tötet, einige Assyrer, die Früchte pflücken, und Ashur-naṣir-pal, begleitet von Gottheiten und Dienern.

Diese Elfenbeintafeln aus Nimrûd waren, wie wir gesehen haben, in vielen Fällen eingelegt139 mit Lapislazuli und vergoldet, und sie wurden wahrscheinlich verwendet, um Throne oder andere prächtige Möbelstücke zu schmücken und zu verschönern, und in Seite 316In diesem Zusammenhang denken wir nicht unnatürlich an den großen Thron, den Salomon für sich erbaute, und der aus Elfenbein gemacht und mit dem feinsten Gold überzogen gewesen sein soll (vgl. 1. Könige 18), sowie an den von Ahab errichteten Elfenbeinpalast.


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KAPITEL XI - TERRAKOTTAFIGUREN UND RELIEFS

IEs wäre in der Tat paradox, wenn die babylonischen Künstler bei ihren Versuchen, menschliches und tierisches Leben darzustellen, nicht auf den Ton zurückgegriffen hätten, den sie so bereitwillig und ausgiebig nicht nur für ihre Bauarbeiten, sondern auch für alle gewöhnlichen Schreibzwecke verwendeten. Zweifellos wurde dieses Material für diese Zwecke nicht so häufig verwendet, wie man hätte erwarten können, aber das liegt wahrscheinlich an der relativen Zerbrechlichkeit dieser Substanz und ihrer daraus resultierenden Unfähigkeit, den zersetzenden Auswirkungen von Zeit und Klima standzuhalten; da die meisten von babylonischen Künstlern gefertigten Objekte Votivcharakter zu haben scheinen, ist es offensichtlich, dass Haltbarkeit eine der wichtigsten Überlegungen bei ihrer Herstellung war. Ungeachtet dieser Tatsache ist jedoch glücklicherweise eine ausreichend große Anzahl von Terrakottafiguren erhalten geblieben, von denen einige aus den frühesten Perioden der sumerischen Zivilisation stammen. Die ältesten dieser Terrakottamodelle sind extrem klein und in der Verarbeitung grob. Wir haben ein sehr archaisches Beispiel in Abb. 85, A. Die Augen dieser kleinen Figur sind das auffälligste Merkmal; sie bestehen aus abgeflachten Kugeln; die Körper dieser primitiven kleinen Modelle sind so unfertig wie nur möglich und manchmal lediglich dreieckig geformt. In Abb. 85, B, haben wir ein weiteres Beispiel desselben Typs und aus derselben Zeit, obwohl es eine leichte Weiterentwicklung der vorhergehenden Figur zeigt. Eine dicke Kopfbedeckung oder Perücke krönt den Kopf und in den Händen hält es einen Gegenstand von unklarer Art, entweder ein Kind oder Seite 318ein Musikinstrument laut M. Heuzey. Der Ton wurde zwar von Hand geformt, weist aber eine Reihe feiner Linien auf, die wahrscheinlich durch die Verwendung eines scharfen und fein spitzen Werkzeugs entstanden sind. Diese eigenartigen Figuren sind etwa anderthalb bis zwei Zoll hoch.

Die nächste Abbildung (Abb. 85, C.) führt uns von der frühen sumerischen Zeit in die von Gudea. Die durch lange Pflege der Kunst erreichte relative Fertigkeit ist hinreichend offensichtlich. Die Figur ist die eines Gottes, dessen Kopfbedeckung charakteristischerweise mit vier Hörnerpaaren versehen ist, und im Gegensatz zu den Kupfervotivstatuetten von Gudea hat der Gott hier Stierohren. Der obere Teil des Körpers ist nackt, aber der untere Teil, der leider nicht erhalten ist, war offensichtlich von einem Gewand bedeckt, das mit einem Gürtel um die Taille befestigt war. Die linke Hand des Gottes hält einen Stock oder eine Waffe, die in den Gürtel gesteckt ist, dessen oberer Teil auf der Abbildung zu sehen ist. Wie üblich trägt der Gott einen dichten Bart, der durch eine Reihe vertikaler Strähnen dargestellt wird, aber die Anordnung seines Haares in zwei langen Schwänzen, die über seine Brust herabhängen und an den Enden gelockt sind, ist etwas eigenartig. Diese kleine Plakette ist zwischen zweieinhalb und drei Zoll hoch.

\"Feige.

Abb.. 85.—A, B (vgl. Dez. in Chald., Taf. 39; 1, 2). C (vgl. Kat., Abb. 183).
D (vgl. Kat., Abb. 193; Dez. in Chald., P. 252). (Alle Musée du Louvre.)

Die Sumerer der Frühzeit beschränkten sich in ihren Tonreliefs allerdings nicht auf die Darstellung einzelner Figuren, sondern strebten mitunter auch die Darstellung ganzer Szenen an;Seite 319so in dem in Abb. wiedergegebenen Fragment. 85, D, wir sehen eine stehende Frau; ihre Hände sind in andächtiger Haltung erhoben, und wenn der Rest dieses Tonreliefs erhalten wäre, würden wir sie zweifellos in Begleitung ihres Mannes sehen, wie so oft auf den Rollsiegeln. Ihr dichtes, welliges Haar hängt zopfartig über ihren Rücken, und ein erhabenes Band umgibt ihren Kopf. Das Relief, in dem die Figur der Frau dargestellt ist, ist hoch, und die Verarbeitung ist zwar grob, aber nicht ohne Leben. Dieses kleine Fragment ist etwa fünf Zoll hoch und aus grau gefärbtem Ton gefertigt. Gelegentlich wurden diese Terrakottafiguren bemalt, wie es bei den kleinen männlichen Statuetten der Fall war, die 1910 in Babylon entdeckt wurden.140

Die Assyrer, die der Kunst der Nachahmung stets treu blieben, wandten sich auch den künstlerischen Möglichkeiten des Tons zu, den sie sowohl zum Bau ihrer Häuser als auch zum Schreiben verwendeten. Einige der in Assyrien entdeckten Tonfiguren oder kleinen Tonreliefs stammen ohne Zweifel aus der assyrischen Zeit, aber die weitaus größere Hälfte der entdeckten Terrakottafiguren, Lampen und anderen Objekte ist mit Sicherheit nachassyrisch.

\"Feige.

Abb.. 86.–A, B (Brit. Mus., Nr. 91837). C, E (Musée du Louvre).
D (Vgl. Mitteilung., Nr. 5, Abb. 1).

Einige sehr interessante Terrakottafiguren, die den Fischgott Dagan darstellen, werden im British Museum aufbewahrt (vgl. Abb. 86, A, B). Diese kleinen Bilder sind nur wenige Zentimeter hoch, aber das menschlich gestaltete Gesicht des Gottes ist weniger konventionell dargestellt als dies bei den gemeißelten Porträts von Menschen während der assyrischen Zeit der Fall ist, eine Tatsache, die natürlich möglicherweise auf die Plastizität von Ton im Vergleich zu Stein zurückzuführen ist. Diese kleinen Figuren sind wahrscheinlich assyrischer und nicht babylonischer Art; jedenfalls wurde am Eingang eines kleinen assyrischen Tempels in Nimrûd ein Fischgott in Reliefform entdeckt, der, abgesehen von anderen Beweisen,141 ist ein klarer Hinweis darauf, dass der Fischgott sowohl in Assyrien als auch in Babylonien verehrt wurde. Es wäre Seite 320Es scheint vernünftig anzunehmen, dass der Dagan-Kult seinen Ursprung natürlich in den Schwemmlandzentren der sumerischen Zivilisation im äußersten Süden Babyloniens finden würde, Seite 321wo das Wasser ein alles entscheidender Faktor für das Gute oder das Schlechte war, aber laut Jastrow142 Es wurde aus dem Norden in den Süden importiert, obwohl der Name eines Königs von Isin, Ishme-Dagan, der um 2200 regierte bczeigt, dass der Gott in Babylonien zumindest zu seiner Zeit bekannt und verehrt war. Andererseits ist es ebenso bemerkenswert, dass einer der frühesten bekannten assyrischen Könige, dessen Regierungszeit wahrscheinlich dem 19. Jahrhundert zugeordnet werden muss, bc, trugen ebenfalls diesen Namen. Diese Tonfiguren der Götter wurden normalerweise als Amulette in den Fundamenten von Gebäuden vergraben. Eine weitere Terrakottafigur eines Gottes aus der assyrischen Zeit, die das Werk eines assyrischen Künstlers ist, ist in Abb. zu sehen. 86C.143 Dieses kleine Bild wurde zusammen mit zwei anderen Terrakottafiguren unter dem Boden des Hofes von Sargons Palast in Khorsabad gefunden. Jede war als Fundamentamulett in einer Ziegelkapsel eingeschlossen, wo sie ungestört blieben, bis Bottas Spaten sie wieder ans Licht brachte. Die hier abgebildete Figur ist die eines assyrischen Gottes, während eine der beiden anderen ein Fabelwesen und die dritte ein Dämon war, aber alle drei müssen aus dem gleichen Grund begraben worden sein: der Gott, um sich um das positive Wohlergehen der Bewohner des Palastes zu kümmern, der Dämon, um negative Einflüsse abzuwehren, während sie alle ihre steinernen Gegenstücke in den Flachreliefs haben, die aus den Ruinen assyrischer Paläste geborgen wurden. Dieses kleine Bild ist 20 cm hoch und aus gräulichem Ton gemacht. Der Gott ist in ein langes Gewand gekleidet, das ihm bis zu den Füßen reicht; sein Kopf ist mit einer Kappe gekrönt, die von zwei Paar Hörnern umgeben ist, und sein Bart entspricht dem üblichen assyrischen Typ.144

Verschiedene Terrakottafiguren von nackten Frauen oder Göttinnen wurden aus verschiedenen babylonischen Seite 322und assyrische Stätten, aber sie stammen zum größten Teil nicht aus der Zeit der Parther, und ihre Betrachtung fällt daher nicht in den Rahmen dieses Bandes. Es gibt jedoch Ausnahmen von dieser Verallgemeinerung, eine der bemerkenswertesten ist die einer Terrakottafigur, die ebenfalls im Louvre aufbewahrt und in Abb. reproduziert wird. 86, E145 Dieses kleine Modell soll in Hillah in der Nähe von Babylon gefunden worden sein. Der Fundort war ein griechisches Grab, aber es wurde zusammen mit Siegeln und Amuletten aus einer viel früheren Zeit gefunden. Die Frau steht da und säugt ihr Kind an der Brust. Die Körper der Mutter und ihres Kindes weisen beide die charakteristische Fülle der östlichen Kunst auf, aber trotz dieser Tatsache sind sie von einer Feinheit und Verfeinerung sowie einem Einblick in die Reize der menschlichen Natur, wie man sie selten in Statuen und Figuren der orientalischen Antike sieht. In Nippur wurden in den Schichten von Shar-Gâni-sharri und Ur-Engur auch verschiedene Terrakottafiguren nackter Frauen entdeckt, und in Abb. ist ein weiteres interessantes Beispiel einer nackten Frau oder Göttin zu sehen. 86D.146 Diese kleine Tonfigur wurde im Laufe der deutschen Ausgrabungen in Babylon entdeckt, einer Stätte, die zahlreiche Terrakottafiguren nackter Frauen mit und ohne Kind hervorgebracht hat; der untere Teil des Körpers gehört offenbar nicht zu dem hier dargestellten oberen Teil, sondern ist die zerbrochene Hälfte einer anderen Tonfigur; sie ermöglicht es uns jedoch, uns eine bessere Vorstellung vom allgemeinen Aussehen dieser Terrakotten in ihrer Gesamtheit zu machen. Beide Fragmente wurden in den Ruinen des Tempels der Göttin Nin-Makh geborgen und waren zweifellos Teil von Tonminiaturen einer Steinstatue der Göttin, die leider noch nicht ans Licht gebracht wurde. Die Figur weist eine gewisse Schwere auf, die durch die dichten Haarsträhnen nur noch betont wird. Das Haar selbst scheint sorgfältig gewellt zu sein Seite 323und gekräuselt; die Hände der Frau sind unterhalb ihrer Brüste gefaltet, während sie Armbänder an ihren Handgelenken und Fußkettchen an ihren Beinen trägt.

Bei denselben Ausgrabungen wurde im Tempel von Adar eine interessante Figur eines bärtigen Mannes gefunden, die aus ungebranntem Ton gemacht und etwa 15 cm hoch war. Sein linker Arm hängt herab, und sein rechter Arm ist ausgestreckt und hält etwas, das wie ein Stab aussieht. Auf dem Kopf trägt er eine Phrygische Mütze oder etwas Ähnliches. Eine ähnliche Tonfigur wurde im Anu-Adad-Tempel gefunden, aber sie unterschied sich von der ersteren dadurch, dass sie mit einem goldenen Stab versehen war. Die Figur war in einer sogenannten Ziegelkapsel eingeschlossen. Diese Kapseln waren manchmal nur wenige Zentimeter hoch, manchmal aber auch bis zu 50 Zentimeter. Diese gekapselten Statuetten befanden sich im Allgemeinen vor den Eingängen zu Räumen. Manchmal wurden Tier- und Menschenfiguren auf ähnliche Weise in Ziegelkapseln eingeschlossen. So entdeckten die deutschen Ausgräber in Babylon ein Modell einer auf diese Weise eingeschlossenen Taube aus Ton.

\"Feige.
\"Feige.
Abb.. 87. (Brit. Mus.)Abb.. 88. (Brit. Mus.)

Zu den interessantesten assyrischen Terrakotta-Modellen zählen die der beliebtesten Jagdhunde von Ashur-bani-pal (vgl. Abb.). 87) in seinem Palast in Ninive gefunden; diese Hunde können jedoch anhand der Steinreliefs dieses Königs so viel besser untersucht werden, dass wir hier auf eine detaillierte Betrachtung verzichten sollten. Leider ist es unmöglich, mit Sicherheit über das Datum der überwiegenden Mehrheit der Tonfiguren zu sprechen, die bei den Ausgrabungen gefunden wurden. Seite 324in Babylonien und Assyrien; sie enthalten Figuren von Göttern und Göttinnen sowie von Hunden, Löwen und anderen Tieren. Einige davon sind rund gearbeitet, andere sind als Relief auf kleinen Tafeln dargestellt. Eine der am besten erhaltenen dieser Tafeln ist in Abb. abgebildet. 88. Dieses kleine Tonrelief wurde von Sir Henry Rawlinson in Birs-Nimrûd entdeckt. Ein glattrasierter und halbnackter Diener ist für einen großen Hund verantwortlich, den er an einem Riemen führt. Der mit einem Stock bewaffnete Diener ist lebensechter als die Diener auf den Flachreliefs von Ashur-bani-pal, aber der Hund ist, obwohl temperamentvoll, nicht mit denen zu vergleichen, die in hartem Stein an den Palastmauern desselben Königs gemeißelt sind. Die unzähligen Terrakotta-Lampen, die von Zeit zu Zeit ausgegraben wurden, stammen größtenteils aus einer späteren Zeit. Es ist jedoch interessant festzustellen, dass Tonlampen anscheinend schon in einer sehr frühen Zeit in Gebrauch waren, sogar schon zur Zeit von Bur-Sin, dem König von Ur (Umlauf 2350 bc), von denen eine Tonlampe in Nippur entdeckt wurde. Wir haben bereits bemerkt, dass Ton wahrscheinlich häufig zum Herstellen von Gussformen für Metallgegenstände verwendet wurde, und es ist sicher, dass er von den Bildhauern manchmal als Material für grobe Skizzen verwendet wurde (vgl. S. 118). Die Tonfiguren oder Statuetten der früheren Periode wurden entweder von Hand geformt oder in eine Form geprägt, aber in beiden Fällen waren sie massiv, im Gegensatz zu den babylonischen Terrakotten der späteren griechischen und römischen Zeit, die im Allgemeinen innen hohl waren und außen mit einer Art Paste überzogen waren, mit der der Künstler versuchte, die Einzelheiten von Haaren, Kleidung und anderen äußeren Elementen herauszuarbeiten, während sie nicht selten mit einer Glasur überzogen wurden, wobei die verwendeten Farben Blau und Grün waren. Eine Betrachtung dieser späteren Arbeiten liegt jedoch außerhalb des Rahmens unseres Bandes, der sich auf eine Betrachtung der babylonischen und assyrischen Periode beschränkt.


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KAPITEL XII - STEINZEUG UND TÖPFEREI

STon und Ton waren allerdings, wie wir gesehen haben, die beiden Materialien, aus denen die Babylonier und Assyrer in der Regel ihre Vasen, Töpfe und Schalen herstellten (vgl. Abb. 45), wurde zu diesem Zweck gelegentlich Metall verwendet. Leider hat das Studium der babylonischen und assyrischen Keramik nie die Aufmerksamkeit erhalten, die es verdient. Bei den früheren Ausgrabungen in Mesopotamien wurde die Bedeutung dieser unbeschrifteten Relikte der Vergangenheit nicht erkannt. Da die einzelnen Schichten der Hügel, in denen sie jeweils entdeckt wurden, nicht beachtet wurden und in einigen Fällen auch die Orte, an denen sie ausgegraben wurden, nicht einmal vermerkt wurden, war eine systematische Untersuchung der babylonischen und assyrischen Keramik praktisch unmöglich.

Seit den frühesten Perioden der mesopotamischen Zivilisation wurden verschiedene Steinarten als Material für die Herstellung von Schalen und Vasen verwendet. So gruben die amerikanischen Ausgräber in Nippur eine Vase aus Sandstein aus, die eine Inschrift von Utug, Patesi oder Priesterkönig von Kisch, trug. Die Schrift war sogar noch archaischer als die auf dem Keulenkopf von Mesilim, dem König von Kisch (vgl. S. 185, Abb.). 26) und daher vermutlich aus einer früheren Zeit; es scheint En-lil als Dankopfer geweiht worden zu sein, ein nebensächliches Zeugnis für den wichtigen Platz, den der Gott von Nippur selbst in dieser äußerst entfernten Zeit eingenommen haben muss. Ebenso wurde eine Vase aus weißem Kalzit-Stalagmit mit einer Inschrift von Urzage, einem König von Kisch aus etwa derselben Zeit, En-lil und seiner Gemahlin Nin-lil geweiht.

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In Tellô wurden ähnliche Steinvasen gefunden. An derselben Stelle wurden auch die Fragmente einer Anzahl Steinvasen aus weißem Kalzit-Stalagmiten gefunden, die eine Inschrift von Lugal-zaggisi tragen, dem König von Umma, der Lagash während der Herrschaft von Urukagina, dem letzten König der ersten Dynastie, plünderte. Aus den Inschriften auf diesen Vasenfragmenten erfahren wir, dass sie von Lugal-zaggisi En-lil in E-kur geweiht wurden. Ein Fragment einer Alabastervase mit dem Namen Urukagina wird heute im Britischen Museum aufbewahrt. In der Nähe von Ur-Ninâs Gebäude wurde eine Onyxvase entdeckt, die der Göttin Bau gewidmet war. An derselben Stelle wurde eine große Basaltschale von Eannatum gefunden. Unter dem Tempel von En-lil in Nippur wurden die Fragmente einer Kalksteinvase mit einer Inschrift von Entemena, einem späteren König von Lagash, entdeckt. Auch in Jôkha, der Stätte der antiken Stadt Umma, wurden Fragmente von Vasen und aus Stein gefertigten Gegenständen ans Licht gebracht, während in Fâra, dessen zerstörte Hügel eine der frühesten Stätten sumerischer Zivilisation in der babylonischen Ebene darstellen, Vasen und Becher aus verschiedenen Steinen, darunter Marmor, gefunden wurden. Diese waren im Allgemeinen schlichter Art, obwohl sie manchmal verziert waren. Aber Bismâya hat dank der wissenschaftlichen Ausgrabungen, die Harper und Banks für die Universität von Chicago durchgeführt haben, wahrscheinlich eine reichere und vielfältigere Ausbeute an Steintöpfen erbracht als jede andere Stätte in Babylonien. Sie umfassen Schalen, Phiolen, Schüsseln, Becher, Krüge und Gefäße in jeder erdenklichen Form, wobei die höchsten etwa zwölf Zoll hoch und die größten etwa zwölf Zoll im Durchmesser messen, während die Dicke der Wände zwischen einem Achtel Zoll und knapp einem und einem Viertel Zoll variiert.147 Die Steine, aus denen sie bestehen, variieren fast so sehr wie ihre Abmessungen und umfassen weißen Marmor, gelben Marmor, Alabaster, gelben Kalkstein, rosa Onyx, Porphyr, grünen Porphyr, blauen Seite 327Sandstein, weicher Kalkstein und grauer Sandstein. Kaum eines dieser vielfältigen Gefäße wurde vollständig gefunden, aber Banks konnte eine große Anzahl aus den verbliebenen Fragmenten rekonstruieren. Sie waren alle poliert; einige waren mit einem vergleichsweise einfachen Muster graviert, während andere kunstvoll mit Figuren von Menschen und Tieren verziert waren und einige mit Elfenbein und Edelsteinen eingelegt waren. Die Inschriften waren spärlich und fragmentarisch, der Name des erwähnten Königs oder Tempels war sonst unbekannt, während die Schrift äußerst archaisch ist. Der Teil des Hügels, in dem diese Steinvasenfragmente entdeckt wurden, enthält nur die plankonvexen Ziegel, die für die alte sumerische Periode charakteristisch sind, was weiter auf das extreme Alter dieser großen Steingutsammlung hinweist, und tatsächlich scheint Steingut zu einem vergleichsweise frühen Zeitpunkt weitgehend durch die kostengünstigere und leichter zu bearbeitende Tonkeramik verdrängt worden zu sein, wie es im alten Ägypten der Fall war. Die meisten Vasen aus Bismâya sind rund, es wurden jedoch auch Beispiele ovaler, länglicher, quadratischer und muschelförmiger Vasen gefunden. Der am häufigsten verwendete Stein war Marmor, zweifellos aufgrund seiner relativen Weichheit und seiner guten Meißelfähigkeit. Die Krümmung und allgemeine Symmetrie dieser Vasen ist so perfekt, dass laut Banks eine Drehbank oder etwas, das den gleichen Zweck erfüllte wie eine Drehbank, verwendet worden sein muss. Die weicheren Steine ​​wurden in dieser Zeit zweifellos mit Feuersteininstrumenten bearbeitet, wie im Fall der frühesten Rollsiegel. Die Zwecke, denen diese Vasen dienten, müssen so vielfältig gewesen sein wie die Vasen selbst. Einige scheinen Lampen gewesen zu sein, andere Trinkbecher; einige wurden wahrscheinlich als Wasser-, Wein- oder Ölgefäße verwendet, während andere als Waschbecken verwendet wurden; einige wurden für Toilettenartikel verwendet, und in einem Gefäß finden sich Spuren von Henna148 In einem Abteil waren noch Spuren von Kajal in dem anderen.

\"Feige.
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Abb. 90, a.Abb.. 89.Abb. 90, b.

Von der Steinware der frühen semitischen Zeit Seite 328Vorherrschaft im Euphrattal, eine anmutig geschwungene Vase aus weißem Marmor, die Urumush gehörte149 König von Kisch, das im Laufe der von der University of Pennsylvania durchgeführten Ausgrabungen in Nippur entdeckt wurde und heute im Pennsylvania Museum aufbewahrt wird, bietet uns ein gutes Beispiel; von der Steinware aus der etwas späteren Periode von Shar-Gâni-sharri und Narâm-Sin, den semitischen Königen von Agade, gibt es eine „Phiole“ aus weißem Alabaster (vgl. Abb.). 89), das in Tellô entdeckt wurde und den Namen Narâm-Sin trägt, ist ein hervorragendes Exemplar. Es besteht aus einer gut gerundeten Flasche oder Phiole mit einer Höhe von siebeneinhalb Zoll und trägt die Inschrift „Narâm-Sin, König der vier Regionen“. Eine weitere kleine Steinvase dieses Königs aus Marmor wurde von Oppert während der unglückseligen Expedition von 1855 erworben. Die Inschrift darauf gab die zusätzliche Information, dass der Stein, aus dem die Vase gemacht war, aus Magan stammte, aber diese wertvolle Reliquie teilte das Schicksal der anderen von Fresnel und Oppert geborgenen Denkmäler und Tafeln und versank am 23. Mai 1855 im Tigris.150

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Viele Steinvasen aus der Spätzeit der sumerischen Vorherrschaft wurden ans Licht gebracht, aber keine ist so interessant oder aufschlussreich wie die von Gudea, Patesi von Lagasch (vgl. Abb.). 90 a, b). Diese einzigartige Vase aus dunkelgrünem Speckstein ist zwischen 20 und 23 cm hoch und ruht auf einem schmalen runden Sockel. Sie ist mit einem sehr kleinen Ausguss versehen, durch den nur eine kleine Menge Flüssigkeit auf einmal hindurchfließen kann. Die Verzierung ist äußerst kunstvoll: Zwei ineinander verschlungene Schlangen nehmen den zentralen Teil des Designs ein, ihre gewundenen Windungen sind um einen langen Stab gewickelt, der die gesamte Höhe der Vase durchquert, während ihre Zungen den Rand der Vase in der Nähe des embryonalen Ausgusses berühren. Die Schlangen werden von zwei seltsam zusammengesetzten und höchst mythischen Kreaturen flankiert, die einander gegenüberstehen; in der Hand jeder von ihnen befindet sich ein langer Speer mit einem halbrunden seitlichen Griff, eine genaue Nachbildung der Kupferwaffe, die De Sarzec in Tellô entdeckte.151 der Ort, an dem auch diese Vase gefunden wurde. Diese geflügelten Monster haben den Körper und Kopf einer Schlange und sind mit Klauen und Krallen versehen, während ihre Schwänze am Stachel eines Skorpions enden; ihre Hälse sind von gewundenen Schwänzen umgeben und ihre Kopfbedeckungen bestehen aus einer Art gehörnter Kappe, ein Hinweis auf die übernatürlichen Kräfte dieser außergewöhnlichen Monstrositäten. Doch trotz des höchst mythischen Charakters dieser Kreaturen hat der Künstler das allgemeine Erscheinungsbild der Schlange nicht aus den Augen verloren, das sozusagen die materielle und natürliche Grundlage für die unnatürlichen Ergänzungen lieferte, die sein fantasievoller Geist hinzugefügt hat, wobei die schuppige Haut der Schlange durch eingelegte Marmorfragmente dargestellt wurde. Die Inschrift informiert uns darüber, dass diese Vase von Gudea dem Gott Nin-gish-zi-da zur Verlängerung seines Lebens geweiht wurde.

Ein weiteres Steingefäß mit einem etwas einzigartigen Charakter Seite 330ist die dunkle Alabasterschale im Nimrûd Central Saloon des British Museum. Sie ist als Relief mit einer Szene verziert, in der Gilgamesch und Eabani mit Löwen ringen, ist aber leider in einem sehr schlechten Erhaltungszustand.

\"Feige.

Abb.. 91.—A, B, C (British Museum, Nr. 93088, 91596, 90952). D (nach Clay).

Doch die Herstellung von Vasen aus Stein endete nicht mit dem Niedergang der babylonischen Vorherrschaft; die Assyrer ahmten ihre kulturellen Vorfahren in dieser wie in allen anderen Bereichen nach. Die interessanteste Steinvase aus der assyrischen Zeit ist jene mit der Inschrift Sanheribs (vgl. Abb.). 91, A). Es handelt sich um eine Art Amphore, obwohl die beiden Henkel fast abgenutzt sind. Die Form und Proportionen dieser Vase sind sehr kunstvoll und die Rundungen gut abgerundet. In ihrer Gesamtkontur ähnelt sie etwas der kleinen Glasvase von Sargon, einem noch bemerkenswerteren Relikt der Antike (vgl. Abb.). 91, C). Ein weiteres interessantes Beispiel assyrischer Steinware ist in Abb. zu sehen. 91, B; die Vase, die rund um den Hals verziert ist, trägt die Spuren einer fast ausgelöschten Inschrift und ist wie die kleine Glasvase desselben Königs mit einem kleinen Löwen graviert. Sie hat eine andere Form als die meisten Steinvasen dieser Zeit und hat einen ganz eigenen Charme und eine ganz eigene Schönheit. Verschiedene Glasgefäße und -röhren wurden aus den Ruinen von Babil, Kouyunjik und anderswo geborgen, aber ihr Datum liegt in Seite 331in fast allen Fällen eine ungewisse Menge. Assyrisches und babylonisches Glas scheint auf herkömmliche Weise hergestellt worden zu sein, d. h. durch eine Mischung aus Silex oder Sand mit Alkalien, wobei es mithilfe einer Glasbläserpfeife in die gewünschte Form gebracht und mit einer Drehmaschine fertiggestellt wurde, deren Spuren manchmal noch sichtbar sind. Dies ist der Fall bei der oben abgebildeten kleinen Vase von Sargon.152

Steingut aus der spätbabylonischen Zeit ist gut illustriert durch das Gefäßfragment von Nebukadnezar (604-561 bc) veröffentlicht von WL Nash im Verfahren der Gesellschaft für biblische Archäologie (1910, S. 180). Die Inschrift ist sehr kurz und enthält außer dem Königsnamen nur die Zahl „eins“, der wahrscheinlich ein Maß folgte, dessen Name jedoch weggelassen wurde. Dieses Steingefäß unterscheidet sich wie die assyrischen Gefäße von den meisten beschrifteten Gefäßen früherer Zeiten, die normalerweise eine Widmungsinschrift tragen, während es in seiner Form den in Abb. gezeigten assyrischen Gefäßen nicht unähnlich ist. 91.

An anderer Stelle wurde bereits darauf angespielt (vgl. S. 86) bis hin zu der Marmorvase, die den Namen des Xerxes in Keilschrift und ägyptischen Hieroglyphen trägt, aber es wurden auch eine Reihe ähnlicher Vasen und Fragmente mit einer Inschrift desselben Königs ans Licht gebracht. Eine solche Vase wurde von Newton in Halikarnassos in Kleinasien gefunden, die Fragmente einer anderen wurden von Loftus in Susa gefunden, während eine dritte (vgl. Abb. 91, D) vor kurzem vom Babylonischen Museum der Universität von Pennsylvania erworben, wird von Clay veröffentlicht in der Museum Journal (1910, I, S. 6). Sie trägt die königliche Inschrift von Xerxes dem Großen in vier verschiedenen Sprachen: Persisch, Elamitisch, Babylonisch und Ägyptisch, wobei letztere in alten Hieroglyphen und die anderen drei in Keilschrift geschrieben sind. Die Vase ist neun und sieben Achtel Zoll hoch und hat einen Durchmesser von acht und fünfzehn Sechzehntel Zoll.

„Vor-Sargonisch“
Abb.. 92.— „Vorsargonischer Kelch.“Abb.. 93.— „Älteste Vase aus Nippur.“
(Hilprecht, Erkundungen, p. acht.)

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Obwohl Steingut in den früheren Perioden der mesopotamischen Zivilisation häufiger verwendet worden zu sein scheint, darf man nicht annehmen, dass Terrakotta-Keramik nicht auch von den alten Sumerern und frühen Semiten verwendet wurde. Eine riesige Menge an Keramik, darunter Schalen, Phiolen, flache Vasen, Kelche, ovale Töpfe und Gefäße jeder Art, Größe, Gestalt und Form, wurde aus Tellô, Nippur, Fâra und anderen kürzlich ausgegrabenen Stätten in Babylonien geborgen, und tatsächlich sind die betreffenden Gefäße so zahlreich und vielfältig, dass nur eine lange und systematische Untersuchung der Masse des jetzt verfügbaren Materials, so gründlich und erschöpfend wie die von Professor Flinders Petrie über ägyptische Keramik, jeden Versuch rechtfertigen würde, die verschiedenen Exemplare zu klassifizieren und zu datieren. Die früheren Ausgrabungen in Mesopotamien brachten ebenfalls eine große Zahl von Terrakotta-Töpfen und -Krügen zutage, aber leider herrscht große Unsicherheit hinsichtlich des Fundortes vieler dieser Gefäße, und selbst dort, wo dieser bekannt ist, gibt es im Allgemeinen keine Möglichkeit, festzustellen, in welchen Schichten sie gefunden wurden (wie dies leider auch bei einem Großteil der in den letzten Jahren entdeckten Töpferwaren der Fall ist) und da sie außerdem keine Inschriften tragen, ist jeder Versuch einer Systematisierung in unserem Seite 333Der gegenwärtige Wissensstand basiert zwangsläufig größtenteils auf unbewiesenen und unbeweisbaren Hypothesen. Zwei gute Beispiele früher vorsargonischer Keramik sind in den Abbildungen zu sehen. 92, 93. Sowohl die Tasse (Abb. 92) und die Vase (Abb. 93) wurden in den präsargonischen Schichten bei Nippur entdeckt.153 An derselben Stelle wurden viele weitere interessante Exemplare früher Keramik entdeckt, von denen einige anscheinend schwarz, andere rot waren. In einem Raum unter dem Pflaster von Narâm-Sin wurden zwei Vasen ans Licht gebracht, die die bemerkenswerten Unterschiede in Größe und Form der frühen babylonischen Keramik veranschaulichen. Eine dieser Vasen war glockenförmig und hatte einen flachen Boden, der doppelt so groß war wie der Durchmesser der Öffnung, während die andere, etwas über zwei Fuß hoch und oben 45 cm breit, mit einem Seilmuster verziert war.154

Zu den kleineren Ergebnissen der Ausgrabungen in Bismâya gehörte die Entdeckung einer großen Zahl von Terrakotta-Vasen, von denen einige vollständig, andere nur fragmentarisch erhalten waren.155Sie wurden in Gräbern, Brunnen und Abflüssen sowie auf den verschiedenen Plattformen des Hügels und in der Ebene selbst gefunden. Zwischen 25 und 26 Fuß unter der Oberfläche wurden zwei große Graburnen entdeckt, während in einer Tiefe von etwa 34 Fuß eine kleinere Urne ans Licht kam. Die ältesten Beispiele von Töpferwaren wurden mehr als 44 Fuß unter der Oberfläche gefunden. In den größeren Vasen und Urnen scheint der Ton mit gehacktem Stroh vermischt worden zu sein,156 Der Ton selbst hatte in der Regel eine gelblich-braune Farbe, aber laut Banks wurde der Ton in frühester Zeit zu einer tiefbraunen oder schwarzen Farbe gebrannt. Das Rad scheint in allen Epochen verwendet worden zu sein, wenn auch nicht in Seite 334Ausschluss von handgearbeiteter Keramik. Eine der vorsargonischen Vasen von dieser Stätte wurde offenbar geformt, indem der Ton auf eine flache Oberfläche gelegt wurde, die der Töpfer mit einer Hand drehte, während er mit der anderen Hand den Ton in die gewünschte Form brachte; wie Banks vermutet, könnte dies der Ursprung der Töpferscheibe gewesen sein. Die Gefäße aus Bismâya variieren in der Höhe von etwas über einem Zoll bis knapp unter dreißig Zoll und weisen jede erdenkliche Form auf. Die Oberflächen der meisten von ihnen sind glatt, aber einige sind mit Punkten, Quadraten, konzentrischen Kreisen und Rillen verziert. Zwei große Vasen sind mit den Zeichen ihrer Hersteller oder Besitzer in Schwarz bemalt, aber diese werden von Banks als nachbabylonisch angesehen. Einige der Vasen sind mit Deckeln versehen, der Deckel einer der Urnen besteht aus einer Art Schale; manchmal wurde bei Vasen, die vergraben wurden, ein gewebtes Tuch über die Öffnung gespannt und mit Lehm versiegelt. Diese Tücher sind natürlich längst verfallen, die Spuren der Fäden im Ton sind jedoch noch immer sichtbar.157 Eine Vase hat die Form eines Bootes und ein weiteres interessantes Terrakotta-Objekt, das an dieser Stätte entdeckt wurde, ist eine Lampe, die in dem Kopf eines Ochsen endet.

Tafel XXXIII

\"Keramik,

Keramik aus Nimrûd
\"Keramik,
Fotos. MansellBritish Museum
Keramik aus Ninive

Kapitän Cros entdeckte in Tellô einige einzigartige Exemplare babylonischer schwarzer Keramik mit eingeschnittenen Linien, die mit weißer Paste gefüllt waren. Diese Vasen waren nicht nur mit geometrischen Mustern verziert, sondern auch mit Fischen, Booten, Wasservögeln und anderen Flussszenen.158 Diese Art von Keramik ist in der Antike häufig anzutreffen. Sie wurde im Osten in Susa gefunden, während sie im Westen bis nach Spanien vordrang. Von der babylonischen Keramik aus der Kassitenzeit sind insbesondere drei Vasen zu erwähnen, die von Peters und Haynes in Nippur entdeckt wurden. Diese Töpfe sind verziert mit Seite 335grüne und gelbe Streifen und wurden zusammen mit drei kleinen Kästchen, von denen das größte mit Knöpfen verziert war, in einer Urne eingeschlossen. Neben diesen Gegenständen wurden auch mehr als hundert Scheiben und Halbmonde gefunden, die zum Aufhängen durchbohrt und meist schwarz oder weiß gefärbt waren. Eines der besten Beispiele für späte Keramik ist die fein geformte und gut erhaltene Amphore, die Koldewey in Babylon entdeckte.159 aber es muss wahrscheinlich der Römerzeit zugeordnet werden.

In Bezug auf assyrische Keramik sind wir trotz der Fülle des verfügbaren Materials noch unwissender. Botta, Layard und andere frühe Ausgräber haben große Mengen an Keramik ans Licht gebracht, aber leider schien ihre archäologische Bedeutung im Vergleich zu kolossalen Stieren, Flachreliefs oder sogar prosaischen Tontafeln nichts zu sein, und das Ergebnis dieser glücklicherweise längst überwundenen Apathie ist, dass der Fundort manchmal nicht feststellbar ist, während es in kaum einem Fall möglich ist, das Gebäude oder den unmittelbaren Fundort zu ermitteln.

Die wissenschaftlichen Ausgrabungen von Koldewey und Andrae in Ashur dürften in dieser Hinsicht jedoch zufriedenstellendere Ergebnisse liefern. Diese Ausgrabungen haben bereits Licht auf die frühe Keramik Assyriens geworfen, indem Tongefäße entdeckt wurden, die mit schwarzen und roten geometrischen Mustern verziert und der prähistorischen Periode zugeordnet sind.

Ein weiteres interessantes Exemplar assyrischer Keramik, das an derselben Stelle gefunden wurde, ist eine große, runde Vase mit zwei Henkeln und einer Verzierung an der Oberseite.160

Im Pl. XXXIII Wir haben eine gemischte Gruppe von Töpferwaren aus den zerstörten Hügeln von Ninive und eine ähnliche Gruppe aus Nimrud. Die hier ausgestellten Töpfe zeigen viele Unterschiede in Größe und Form, aber mehr kann man über sie nicht sagen. Abgesehen davon jedoch Seite 336aus den vollständigen Tongefäßen wurden auch einige Schalenfragmente geborgen, die Inschriften von Königen Assyriens tragen, die zwischen 1140 und 681 regierten. bc Diese Inschriften beziehen sich hauptsächlich auf die verschiedenen Bauarbeiten, die während der Herrschaft des betreffenden Königs durchgeführt wurden. Wären diese Schalen vollständig, wären sie von enormer Bedeutung, um eine genaue Vorstellung von den Formen und Größen der Vasen zu bekommen, die in den verschiedenen Epochen, denen sie angehören, in Mode waren. Aber wie es das Glück oder Unglück will, tragen kaum die bisher gefundenen, gut erhaltenen Tassen und Schalen überhaupt eine Inschrift oder ein Muster, und dies ist eine der großen Schwierigkeiten, mit denen der Student der babylonischen und assyrischen Töpferei zu kämpfen hat. Manchmal wurde eine farbige Glasur auf die Oberfläche von Terrakotta-Gefäßen aufgetragen, aber inwieweit diese Praxis in früheren Zeiten vorherrschte, ist schwer zu sagen.

Die beiden wahrscheinlich eindrucksvollsten Töpfe, die bei den Ausgrabungen gefunden wurden, sind jene mit den Nummern 91941 und 91950 in den Sammlungen des British Museum. Der erste ist ein großes Gefäß mit einer Höhe von XNUMX Zoll und einem Durchmesser von XNUMX XNUMX/XNUMX Zoll, auf dem die Gestalt eines Mannes mit dem Schwanz einer Ziege und den Klauen eines Adlers abgebildet ist, während die abgebrochenen Überreste eines Henkels noch erhalten sind. Der zweite ist eine Vase mit sechs Henkeln und einer Höhe von XNUMX Fuß XNUMX Zoll, auf deren Korpus grobe Figuren und drachenähnliche Tiere abgebildet sind, aber beide Vasen stammen wahrscheinlich aus der nachassyrischen Zeit.


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KAPITEL XIII – KLEIDUNG, MILITÄRISCHE AUSRÜSTUNG USW.

TDie Abendgarderobe der frühesten Sumerer bestand aus nichts Aufwändigerem als einem um die Taille gebundenen und wahrscheinlich aus Wolle gefertigten Rock. Doch die Vorliebe für Verzierungen, die alle primitiven Völker haben, zeigten sich schon sehr früh bei den Sumerern, und sie suchten die tote Monotonie des Rocks aufzulockern, indem sie den unteren Teil mit Fransen einfassten (vgl. Abb.). 25, 52), wobei die Fransen an den frühesten Monumenten aus einer Reihe spitzer Lappen bestanden. In der Zeit von Ur-Ninâ wurde der archaische Fransenrock einem aufwendig verzierten Volant- und Faltenrock gewichen – zumindest bei Königen und Magnaten (vgl. Abb.). 26, 27), der Oberkörper blieb jedoch völlig unbekleidet; Personen von besonders hohem Rang sieht man allerdings manchmal mit einem Rock, an dem ein Oberteil angesetzt war, welches die linke Schulter bedeckte, wie etwa beim Anführer der Prozession auf der Tafel Ur-Nins (vgl. Abb.). 26), wobei jedoch auffällt, dass Ur-Ninâ selbst hier am Oberkörper unbekleidet ist. Später trägt der König von Lagasch noch den Volantrock, hat aber ein weiteres Kleidungsstück darüber: Auch dieses Obergewand war offenbar aus Wolle und verlief über die linke Schulter und unter dem rechten Arm hindurch (vgl. Taf. XII); da es sich jedoch um eine Schlachtszene handelt, könnte das Obergewand Teil der militärischen Insignien des Königs sein. Dieser Brauch, den rechten Arm und die rechte Schulter frei zu lassen, blieb bis in die Zeit Gudeas erhalten (vgl. Taf. XXIII) und Khammurabi (vgl. Pl. XIV).

Die Köpfe der meisten Figuren auf den frühen Skulpturen sind haar- und bartlos, obwohl wir, wie Seite 338gesehen (vgl. S. 183) langes Haar und ein ausgeprägter Bart waren nicht selten, wobei das Kopfhaar – möglicherweise eine Perücke – manchmal bis in den Nacken herabhängen durfte (vgl. Abb. 25, B, C), manchmal hinten zusammengerafft und durch eine Leiste befestigt (vgl. Tafel. XII). Dies scheint vom König getan worden zu sein, wenn er im aktiven Dienst war, zweifellos um seinen Helm bequemer und sicherer zu machen. Da fast alle diese frühen Figuren keine Hüte oder Kopfbedeckungen jeglicher Art tragen, wissen wir fast gar nicht, welche Art von Kopfbedeckung sie hatten – falls sie überhaupt welche hatten. Manchmal wurden Federn getragen (vgl. Abb. 25, A), während eine Gilgamesch ähnelnde Figur auf einem der ältesten sumerischen Flachreliefs (vgl. Gastronomische, Tafel I, 1) besitzt eine flache Kopfbedeckung von unbestimmter Art, wobei die Gottheit auf derselben archaischen Skulptur eine Art frühe Form der gehörnten Kopfbedeckung der Götter späterer Zeiten zu tragen scheint.

Die Kleidung der frühen sumerischen Frauen ist nicht ganz klar; wenn wir von der Kleidungsform der kleinen Steinstatuette ausgehen dürfen, die De Sarzec in Tellô entdeckt hat (vgl. Abb. 33, S. 224) als typisch zu bezeichnen, so scheint die weibliche Kleidung dieser Zeit aus einem Wollrock mit Volant bestanden zu haben, der von der linken Schulter herabhing, wobei der rechte Arm und die rechte Schulter frei lagen. Die Länge des mit Haarspangen gebundenen Haares der erwähnten Statuette lässt jeden Zweifel hinsichtlich des Geschlechts aus, und es ist bemerkenswert, dass die Kleidung dieser sumerischen Frau genau die gleiche ist wie die der Person auf der oben erwähnten Stele von Ur-Ninâ, und natürlich ist es auch denkbar, dass es sich bei der dort dargestellten Person um eine Frau handelt (vgl. weiter S. 186). Da die kleinen Kupferstatuetten von Frauen aus derselben Zeit jedoch immer eine nackte Büste zeigen, ist es wahrscheinlich, dass die Frauen dieser Zeit im Allgemeinen wie die Männer einen gewöhnlichen Rock trugen und die über den Schultern hängenden Kleidungsstücke der Elite vorbehalten waren.

Die Kleidung der Könige und Granden war jedoch unterschiedlich Seite 339Sie unterscheiden sich von denen des einfachen Volkes eher in der Qualität als im Charakter: So sind die Röcke aller Höflinge von Ur-Nin – mit Ausnahme des vornehmen Anführers der Prozession allein – weitgehend dieselben wie die ihres königlichen Herrn; die Qualität ist jedoch sehr unterschiedlich: Die einen sind völlig schlicht, die anderen äußerst kunstvoll verziert.

In späteren Zeiten wurde die Ausnahme anscheinend zur Regel, und in Gudeas Zeit war die linke Schulter immer von den Falten des damals modischen mantelartigen Gewandes bedeckt; während der Semit Narâm-Sin, der noch älter als Gudea war, ein Plaid über seiner linken Schulter trägt, das um seinen Körper gewickelt ist, wobei der rechte Arm ebenfalls frei bleibt. Das von Narâm-Sin getragene Plissee-Plaid findet eine bemerkenswerte Parallele in den Gewändern von Nin-gish-zi-da und der begleitenden Gottheit auf einer Gudea-Stele im Berliner Museum (vgl. Sum. und Sem., Taf. VII). Die königliche Kopfbedeckung von Gudea unterscheidet sich von der späterer Zeiten und wahrscheinlich auch von der der früheren Herrscher von Lagash: Sie besteht aus einem bestickten Turban, der sich völlig von der konisch geformten Kappe unterscheidet, die Narâm-Sin auf der Pir-Hussein-Stele trug, und den ähnlich geformten Kronen der späteren assyrischen Könige, weist aber eine gewisse Ähnlichkeit mit der auf, die Khammurabi auf seiner berühmten Code-Stele trug (vgl. Tafeln, XXXIII, XIV; Feige. 31).

Aber während der Semit Narâm-Sin einen langen Bart trägt, ist der sumerische Gudea immer noch bartlos. Auch der Semit Khammurabi trägt einen langen Bart, aber der Mantel, der über seine linke Schulter hängt, ist dem von Gudea nicht unähnlich, während das Gewand des Gottes Shamash auf derselben Stele wie das von Narâm-Sin gefaltet ist, obwohl das Material anders zu sein scheint. Auf einem späteren Relief aus der Zeit von Nabû-aplu-iddina, König von Babylon, um 870 bc, der Gott Shamash trägt ein gestreiftes Gewand mit Ärmeln, und der Brauch, den rechten Arm und die rechte Schulter frei zu lassen, scheint zu dieser Zeit in Vergessenheit geraten zu sein (vgl. Tafel). XIV).

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Eine gute Darstellung der Kleidung der Frauen zur Zeit Gudeas finden wir in Tafel. XXIIISie trägt einen anmutigen Mantel mit Fransen, der offenbar161 Zuerst wird es über die Brüste gepresst und unter den Armen hindurch getragen, danach wird es auf dem Rücken gekreuzt, wobei die beiden Enden über die Schultern gelegt und symmetrisch nach vorne herabhängen.

Die Grabbeigaben liefern zahlreiche Belege für die weitverbreitete Verwendung von Schmuck bereits in frühester sumerischer Zeit. So wurden in Fâra Halsketten aus Amethyst, Koralle, Lapislazuli, Perlmutt und Achat gefunden, während andere frühe Stätten ähnliche Zeugnisse liefern.

Um Informationen über die militärische Ausrüstung der frühen Sumerer zu erhalten, sind wir hauptsächlich auf die Flachreliefs dieser Zeit angewiesen, von denen die Geierstele das wichtigste ist. Die lange Lanze oder der Speer, der offenbar mit beiden Händen gehalten wurde (vgl. Tafel. XII) war eindeutig die wichtigste Angriffswaffe, während auch die Axt, der Wurfpfeil, eine Keule oder ein Streitkolben, eine gebogene Waffe – bisher allgemein als Wurfstock oder Bumerang angesehen – und eine Lanze im Einsatz waren. Es wurden nur sehr wenige sumerische Waffen gefunden, aber zusätzlich zu den im Kapitel über Metalle aufgezählten kann eine archaische Axt aus Achat erwähnt werden, die sich heute im American Museum of Natural History befindet;162 die Schriftzeichen, mit denen es beschriftet ist, sind etwas keilförmiger als jene auf den Monumenten von Gudea, und es kann dementsprechend einem etwas späteren Zeitpunkt zugeordnet werden. Ein weiterer Axtkopf, ebenfalls aus Achat und mit frühen Linienzeichen beschriftet, befindet sich im Metropolitan Museum, New York,163 In den präsargonischen Schichten von Nippur wurden eine Reihe gebrannter Tonkugeln und einige kleine Steineier sowie Kupferpfeile, Speere, Äxte und Steinkeulen entdeckt. Seite 341Die Entdeckung von Pfeilen aus so früher Zeit ist von erheblichem Interesse, da behauptet wurde, dass Pfeil und Bogen von den Semiten eingeführt wurden, hauptsächlich aufgrund der Tatsache, dass diese Waffen in der frühen sumerischen Kunst nicht vertreten waren. Ein sehr frühes Beispiel des Bogens in der babylonischen Kunst ist jedoch ein archaisches Muschel-Rollsiegel, das von Ward veröffentlicht wurde.164Die Menschen und Götter auf diesem Siegel sind in sumerische Kurzröcke und nicht in semitische Plaids gekleidet, während das Vorkommen eines Bisons auf einem Berggipfel, eines Tieres, das nur auf sehr frühen Siegeln abgebildet ist, ein weiterer Beweis für das Alter des betreffenden Rollsiegels und damit für die Verwendung des darauf abgebildeten Pfeils und Bogens ist. Die Entdeckung von Tonkugeln und Steingeschossen scheint ebenfalls Beweise für die Verwendung der Schleuder in einem viel früheren Zeitraum zu liefern, als bisher angenommen wurde.

\"Feige.

Abb.. 94.

Es ist interessant, die Geschichte der bumerangförmigen Waffe nachzuverfolgen, die eine der Figuren auf dem archaischen Fragment des in Abb. wiedergegebenen runden Flachreliefs geschultert hat. 25, B. Die gebogene Waffe165 könnte ursprünglich ein Wurfstock oder Bumerang gewesen sein, obwohl seine Form das einzige Argument zur Unterstützung dieser Theorie ist. Doch was auch immer sein ursprünglicher Zweck gewesen sein mag, es gibt Hinweise darauf, dass eine Waffe dieser Form schon in sehr früher Zeit als Keule oder primitives Schwert geführt wurde. In einer Skulptur aus einer etwas späteren Zeit als das oben erwähnte Flachrelief hat die fragliche Waffe ihre Einfachheit verloren und ist nicht mehr aus einem Stück gefertigt, sondern besteht aus drei schmalen Teilen, die durch mehrere Ringe zusammengehalten werden. Wäre dieses merkwürdig geformte Gerät nur in den Händen von Herrschern oder Würdenträgern zu finden, könnten die Ringe lediglich dekoratives Beiwerk sein, aber ihr Vorkommen in der Hand eines Jägers, der einen Löwen angreift (vgl. Abb. 78) macht es erforderlich, dass wir Seite 342aus einem angemesseneren und praktischeren Grund für die Existenz dieser Ringe. Zweifellos wurde diese spätere Form angenommen, um die Wirksamkeit der Waffe zu erhöhen. Die Waffe wird hier im Nahkampf eingesetzt und wurde zu dieser Zeit eindeutig nicht als Wurfstock verwendet, sondern eher als eine Art Säbel. Schon früh müssen die Sumerer nach einer Möglichkeit gesucht haben, ihre Waffe brauchbarer zu machen, und sind auf die Idee gekommen, sie durch eine Klinge aus Feuerstein oder Obsidian zu ersetzen, und tatsächlich wurden in frühbabylonischen Ruinen zahlreiche kantige Stücke aus Feuerstein und Obsidian sowie primitive Sägeblätter mit Zähnen gefunden. Das Problem, diese Klinge am Griff oder Schaft zu befestigen, würde seine natürliche Lösung darin finden, letzteren aus zwei oder mehr Teilen herzustellen, zwischen die die Klinge aus Obsidian oder Feuerstein eingesetzt werden könnte, wobei sowohl Holz als auch Klinge durch Ringe an ihrem Platz gehalten werden; von ihrer frühen Verwendung als Keule oder Säbel haben wir Beweise auf der archaischen Muschel, die in Abb. reproduziert ist. 78, wo der Jäger mit einem gebogenen Seite 343Obwohl es sich bei diesem Gerät, wie bei der Geierstele, um ein aus drei durch Ringe zusammengehaltene Holzstücke bestehendes Gerät handelt, wird es hier offensichtlich nicht als Wurfstock, sondern als Waffe für den Nahkampf verwendet (vgl. auch Abb. 94, A. B).

In der späteren Periode von Gudea finden wir den gleichen Waffenstil im Einsatz. Auf einem Flachrelief, das Kommandant Cros aus Tellô geborgen hat und das zu Gudea gehört, sehen wir eine gebogene Waffe (vgl. Abb.). 94, C)166 Sie endeten in einem Löwenkopf und hatten eine Klinge, die offenbar in einen Längsschlitz im Holz gesteckt war. Manchmal waren diese gebogenen Waffen aus einem Stück Metall gefertigt, wie die beiden Exemplare, die Kommandant Cros in einem frühbabylonischen Grab entdeckte und von denen eines in Abb. wiedergegeben ist. 94, D. Beide Waffen sind aus Kupfer und wurden in einem Sarg gefunden, der aus zwei glockenförmigen Töpfen besteht, die mit Bitumen zusammengeklebt sind. Die Waffe auf der Abbildung ist die kunstvollere der beiden und hat im Gegensatz zu ihrem Gegenstück noch den Griff, während ihre Gesamtlänge etwa 16 Zoll beträgt. Die Schneide der Klinge befand sich natürlich auf der Außenseite der Krümmung, wodurch das Instrument einem Krummsäbel oder einem kurzen gebogenen Schwert ähnelte. Es ist daher möglich, dass der Krummsäbel oder zumindest der Archetyp des Krummsäbels seinen Ursprung den Sumerern verdankt.167 Die andere Waffe ist primitiverer Art und erinnert lebhafter an die früheren Beispiele der Flachreliefs, während ihre Klinge zweischneidig ist. In assyrischer Zeit wird das gebogene Ende quasi kreisförmig und die Außenkante ist mit Zähnen versehen, wie dies beim Zepter der Fall ist, das Ashur-naṣir-pal in der Hand hält (Tafel). XXIV). Die Waffen, die Eannatum selbst trägt, wie sie auf der Geier-Stele dargestellt sind, sind die bereits erwähnte gebogene Waffe, eine Anzahl von Pfeilen, von denen einige doppelspitz sind, und eine lange Lanze. Eannatum ist gerade dabei, den Kopf eines besiegten Feindes mit seiner Lanze zu durchbohren, die er horizontal hält. Seite 344über seinem Kopf am äußersten Ende. Laut Kommandant Cros wird die Lanze heute von den Arabern im Irak auf genau dieselbe Weise verwendet. Sie wird zunächst locker in der Mitte gehalten, während die Aktion darin besteht, sie mit Gewalt durch die Hand zu werfen, bis das untere Ende erreicht ist, sie darf jedoch nicht ganz aus der Hand entkommen; die Waffe wird daher teilweise als Speer und teilweise als Wurfspeer verwendet.

Bezüglich der militärischen Ausrüstung, die zur Zeit von Shar-Gâni-sharri und Narâm-Sin im Einsatz war, sind wir im Wesentlichen auf die Stele des letztgenannten Monarchen angewiesen (vgl. Tafel). XIII) und die in Abb. wiedergegebenen Flachrelieffragmente. 28, B, C. Pfeil und Bogen scheinen die Hauptwaffen der Semiten zu sein, obwohl Speer und Axt auch auf frühen semitischen Monumenten vorkommen. Ein auffälliges Merkmal dieser beiden Skulpturen ist das Fehlen jeglicher Art von Schild.

Die Rollsiegel tragen wenig zur Lösung der vielfältigen Probleme bei, die sich bei der Untersuchung früher militärischer Angelegenheiten ergeben, da die Siegel mit eingravierten Schlachtszenen größtenteils persischen Ursprungs sind.

Der Versuch, die komplette Garderobe der Assyrer zu beschreiben, wäre fast so schwierig wie ein vollständiger und umfassender Bericht über die heutige englische Kleidung. Die Kostüme sind so vielfältig und oft so fein gearbeitet, dass selbst ein kurzer Überblick über die verschiedenen „Moden“ den Rahmen eines einzigen Kapitels bei weitem überschreiten würde. Die Gewänder des Königs sind natürlich sowohl in ihrer Anordnung als auch in ihrer Dekoration die prächtigsten und kunstvollsten. In Tafel. XV wir sehen Ashur-naṣir-pal, König von Assyrien (885-860 v. Chr) in seinen zeremoniellen Gewändern. Im Vergleich zu den festlichen Gewändern seiner Nachfolger sind sie einfach und schmucklos und lediglich eine Nachbildung der Gewänder, die das mythische Wesen dahinter trug. Der einzige Unterschied besteht darin, dass die Gewänder des Königs so angeordnet sind, dass sie beide Beine verbergen, die Entblößung des königlichen Beins Seite 345offenbar nicht im Einklang mit der königlichen Würde. Das Untergewand scheint ein mit Fransen verziertes Gewand oder eine Kasel zu sein, über der ein langer, mit Fransen verzierter Mantel angebracht ist; sowohl der König als auch sein göttlicher Diener tragen ein breites Hüftband, in das zwei Dolche gesteckt sind; aber der Mantel selbst war anscheinend mit Kordeln befestigt, die in Quasten endeten. Die Kopfbedeckung des Königs ist jedoch völlig anders als die seines Gefolgsmannes; sie hat die Form einer Mitra, wobei auf ähnliche Weise zwei Enden an der Rückseite befestigt sind. Die königliche Tiara, die von den späteren Königen Assyriens getragen wurde, entspricht demselben Typ, nur ist sie reicher verziert und weist einige Variationen in Bezug auf ihre Form auf. Sie scheint gefärbt gewesen zu sein, wenn wir den Beweisen der emaillierten Ziegel aus Khorsabad trauen dürfen,168 Die Farben waren Rot, Weiß und Gelb, wobei Letzteres vielleicht eine Goldborte darstellen sollte. Dem allgemeinen Erscheinungsbild nach muss die Kopfbedeckung selbst aus Stoff gewesen sein.

Die beiden Abbildungen hier (Taf. XV) tragen an beiden Handgelenken ein Armband und an ihren sehnigen Armen zwei Armreifen, während eine Halskette ihre stierartigen Hälse umschließt. Ashur-naṣir-pal hat wie alle assyrischen Könige dichtes Haar und einen sehr dichten Bart. Salmanassar II., sein Sohn und Nachfolger, trägt weitgehend die gleiche Kleidung wie sein Vater und die gleiche konische Kopfbedeckung (vgl. Abb.). 44), doch Sanherib gibt sich einhundertzwanzig Jahre später nicht mehr mit der einfachen, aber würdevollen Kleidung von Assur-naṣir-pal und Salmanassar zufrieden, sondern legt ein weitaus reicheres und kostbareres Gewand an (vgl. Abb.). 31). Der königliche Mantel ist nicht nur mit Fransen verziert, sondern durchgehend aufs aufwendigste bestickt. Auch seine Krone ist weitaus reich verzierter als die seiner Nimrud-Vorgänger. Seine Haltung ist jedoch genau die gleiche wie die von Ashur-naṣir-pal in Pl. XV. Beide Könige halten einen Bogen in der linken Hand und zwei Pfeile in der rechten. Das königliche und zeremonielle Kostüm von Ashur-bani-pal kontrastiert Seite 346Ähnliches gilt für Ashur-naṣir-pal und seine unmittelbaren Nachfolger – seine Kleidung ähnelt in ihrer allgemeinen Schmuckigkeit der von Sanherib (vgl. Pl. XX), und sogar die Tracht, die er beim Essen in seinem Garten trägt, ist weitaus kunstvoller gestaltet als die von Ashur-naṣir-pal bei den höchsten zeremoniellen Anlässen (vgl. Pl. XXI).

Es besteht eine gewisse Unsicherheit hinsichtlich der von den Assyrern verwendeten Kleidungsmaterialien. Viele Kleidungsstücke waren zweifellos aus Wolle oder Wollstoffen wie in der anderen Periode, aber es wurde auch eine Art Baumwolle verwendet, denn Sanherib gibt an, dass er Bäume, die Wolle oder Haare trugen, aus dem Süden importierte und dass die Wolle oder das Haar anschließend abgeschnitten und zur Herstellung von Kleidungsstücken verwendet wurde.

Dieselbe Unsicherheit herrscht hinsichtlich der für die Stickerei verwendeten Materialien, aber es besteht kein Zweifel an der Geschicklichkeit des Sticker, der ein wahrer Künstler gewesen sein muss, wenn wir nach den Flachreliefdarstellungen seiner Arbeit urteilen dürfen, von denen ein gutes Beispiel in Layard, Tafel 9, reproduziert ist. Er beschränkte sich offensichtlich nicht auf Entwürfe, sondern strebte nach künstlerischen Darstellungen und szenischen Effekten. Herkömmliche Palmen und vierflügelige Monster sind die auffälligsten Merkmale. Eines dieser Monster hält mit jeder Hand eines der Hinterbeine eines Löwen, während die Löwen rücksichtslos die passiv Widerstand leistenden Stiere angreifen.

Frauen werden auf den assyrischen Flachreliefs selten dargestellt, aber wir wissen auf jeden Fall, dass die Dame, die die Ehre hatte, Königin von Ashur-bani-pal zu sein, genauso reich gekleidet war wie ihr königlicher Herr (vgl. Tafel). XXI), während beide Zierbänder um den Kopf tragen. Schmuck scheint vom assyrischen König und seinen Höflingen fast genauso geschätzt und geliebt worden zu sein wie von den Frauen von heute, und die Nachfrage nach „Neuheiten“ muss die Erfindungsgabe des Juweliers bis zum Äußersten gefordert haben. Nicht nur Armreifen und Armbänder waren gefragt, sondern Seite 347außerdem Halsketten, Ohrringe und Schmuck. Letztere hatten im Allgemeinen die Form göttlicher oder astrologischer Symbole. Eines der interessantesten Ornamente, das der König trug, war genau wie ein Malteserkreuz und ähnelt stark dem Kreuz auf kassitischen Siegeln (vgl. Abb.). 71). Die Schmuckstücke hingen an einer Kordel, die den königlichen Hals umgab, über der die eigentliche Halskette zu sehen ist. Sowohl Armbänder als auch Ohrringe zeigen eine große Vielfalt im Design und nicht wenig Geschick in der Verarbeitung. Leider gibt es nur wenige Schmuckstücke (abgesehen von einer Reihe von Perlenketten169) wurden gefunden, und bei den meisten davon lässt sich das Datum nicht angeben. Dank der Flachreliefs können wir uns jedoch ein recht gutes Bild von der Meisterhaftigkeit der Juwelierkunst dieser Zeit machen, auch wenn wir nicht sicher sein können, welche Metalle in jedem einzelnen Fall verwendet wurden. In Abb. 95 Wir haben eine Gruppe von Armbändern in vielfältigen Formen und Designs, wobei die Rosette wie üblich bei den meisten dekorativen Elementen die Hauptrolle spielt. In A haben wir ein Beispiel einer königlichen Halskette; sie ist einfach und sauber im Design und stellt einen auffallenden Kontrast zu der Halskette dar, die von einer der geflügelten Figuren aus Nimrûd getragen wird (vgl. B), die an der Öffnung mit Tierköpfen verziert ist. Die Ohrringe, die von Königen, Kriegern, Priestern und mythischen Wesen getragen werden, variieren genauso stark wie die Armbänder, obwohl es zwischen den meisten von ihnen eine gewisse Ähnlichkeit gibt (vgl. Abb.). 95). Die Tropfen sind in fast allen Fällen lang und haben häufig ein Querstück, das ihnen das allgemeine Aussehen einer „crux ansata“ verleiht.

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\"Feige.

Abb.. 95.

Die Toilettenartikel der Babylonier und Assyrer waren zweifellos dieselben wie jene, die heute verwendet werden, obwohl nur wenige Gegenstände aus der Frisierkommode gefunden wurden. Die bemerkenswertesten davon sind die Kämme, die heute im Louvre aufbewahrt werden (vgl. Abb.). 96, 97). Sie Seite 349sind aus Ebenholz und haben einen Durchmesser von etwa dreieinhalb Zoll. In der Mitte sind sie kunstvoll mit Sphinx- oder Löwenfiguren verziert, die manchmal durchbrochen, manchmal als Relief ausgeführt sind. Die Zähne auf der einen Seite sind groß und wenige, die auf der anderen Seite sind schlank und zahlreich. Ein ähnlicher Kamm wurde von Koldewey in Babylon entdeckt, dessen Mitte mit der Figur eines geflügelten Stiers verziert ist.170

\"Feige.
\"Feige.
Abb.. 96.Abb.. 97.

Sandalen bildeten das Hauptschuhwerk der Zivilisten – je nach Fall der Königlichen oder der einfachen Leute –, obwohl die Füße oft nackt blieben. Die gewöhnliche Sandale hatte eine dünne Sohle und eine kleine Kappe für die Ferse, die anscheinend aus Lederstreifen bestand, die manchmal abwechselnd rot und blau gefärbt waren, obwohl häufiger die gesamte Sandale einen rötlichen Farbton hatte, während sie durch eine Schlaufe um die große Zehe und durch eine Schnur, die über den Spann geschnürt und zu einer Schleife gebunden war, in Position gehalten wurde. Dies war die Art von Sandale, die Sargon trug. Zur Zeit von Ashur-bani-pal war jedoch eine ganz andere Sandale in Mode; die Sohle dieser späteren Sandale war von beträchtlicher Dicke, insbesondere an der Ferse, während das Oberleder nicht nur eine Schutzkappe für die Ferse bildete, sondern die gesamte Seite des Fußes bedeckte. Aber Schuhe Seite 350wurden schon zu Sanheribs Zeiten neben Sandalen getragen; die auf den Flachreliefs dargestellten sind von plumper Machart, allerdings fein mit Halbmonden und Rosetten verziert, und sie waren anscheinend vorne geschnürt.

\"Feige.
\"Feige.
Abb.. 98.
Speerkämpfer zu Fuß
(1. Periode, Nimrûd).
Abb.. 99.
Fußbogenschütze
(1. Periode, Nimrûd).

Doch weisen die Militäruniformen der Assyrer weitaus größere Unterschiede auf als die Kleidung der Könige, Eunuchen und Diener. In der frühen assyrischen Periode trugen die Fußsoldaten eine kurze Tunika und einen mit Fransen versehenen Gürtel, und ihr Kopf war durch einen spitzen Helm geschützt. Arme, Beine, Hals und Füße waren im Allgemeinen nackt, obwohl letztere gelegentlich mit einfachen Sandalen beschuht waren. Zur Infanterie gehörten Bogenschützen, Speerkämpfer und Schwertkämpfer, wobei die Bogenschützen oft zusätzlich mit Schwertern und manchmal mit Streitkolben bewaffnet waren und die Elite der Fußsoldaten gebildet zu haben scheinen. Alle drei Divisionen wurden durch kleine Handschilde geschützt, und die Bogenschützen wurden oft von einem weiteren mit einem Speer bewaffneten Krieger begleitet, der als Schildträger fungierte. Während der Herrschaft Salmanassars II. sehen wir die Bogenschützen häufig in ein langes Kettenhemd gekleidet, das vom Hals bis zu den Knöcheln reicht (vgl. Abb. 44), aber in der Sargon-Zeit wird der Unterschied in der Ausrüstung der Fußsoldaten deutlicher. Es gibt mindestens drei verschiedene Arten von Bogenschützen. Zunächst gab es den leicht bewaffneten Bogenschützen, der bis auf einen Lendenschurz, in dem ein Köcher befestigt war, und ein Kopfband praktisch nackt war (vgl. Abb. 100). Als nächstes kamen die einfacher ausgestatteten schwer bewaffneten (vgl. Abb. 101), der mit einem Kettenhemd bekleidet war, das ihm vom Hals bis zur Taille reichte, darunter befand sich eine Tunika mit Fransen, die ihm bis zu den Knien reichte, während Seite 351Ihre Füße waren im Allgemeinen durch Sandalen geschützt und der Kopf durch einen spitzen Helm bedeckt. Das Hauptmerkmal, das das Aussehen der am schwersten bewaffneten Bogenschützen von dem der vorher genannten unterschied, war die lange, stark gefranste Tunika (vgl. Abb.). 102), über dem ein Kettenhemd getragen wurde, das dem der Bogenschützen der zweiten Klasse ähnelte.

\"Feige.
\"Feige.
\"Feige.
Abb.. 100.Abb.. 101.Abb.. 102.

Die Speerkämpfer dieser Zeit sind ganz ähnlich gekleidet wie die Bogenschützen mit mittlerer Bewaffnung. Das auffälligste Merkmal sind ihre Helme, die mit einem Wappen der einen oder anderen Art gekrönt sind (vgl. Abb.). 29), während eine weitere häufige Besonderheit in ihrer Ausrüstung die Anordnung ihrer Gürtel ist, die sich auf Brust und Rücken kreuzen. Ihre Füße sind im Allgemeinen nackt, obwohl sie manchmal Sandalen und gelegentlich niedrige Stiefel tragen.171

Sargons Sohn Sanherib scheint die Infanterie weitgehend neu organisiert und neue Korps aufgestellt zu haben. Die Schleuderer tauchen offenbar zum ersten Mal während der Herrschaft dieses Königs auf, obwohl die Schleuder in Babylonien schon vor der Zeit von Schar-Gâni-Scharri bekannt war (vgl. oben, S. 341). Auf den Flachreliefs von Sanherib sehen wir ihn voll bewaffnet mit Helm, Kettenhemd, knielanger Tunika, eng anliegenden Beinkleidern und kurzen Stiefeln, was nichts zur Effizienz seiner Dienste beigetragen haben kann. Seite 352Es gab vier Typen von Bogenschützen, zwei schwer bewaffnete und zwei leicht bewaffnete. Die am schwersten bewaffneten (vgl. Abb. 103) trugen eine Tunika, ein bis zur Taille reichendes Kettenhemd, Strümpfe, kurze Stiefel und einen konischen Helm und waren durch lange Schilde geschützt, die von einem Schildträger getragen wurden. Die nächste Klasse hatte keinen Schildschutz und ihre Beine und Füße waren völlig nackt (vgl. Abb.). 104). Die besser ausgerüsteten Leichtbewaffneten sind in eine kurze Tunika gekleidet, tragen eine besondere Art von Haarband um den Kopf und Sandalen an den Füßen, während sie kurze Schwerter an den Seiten und Köcher auf dem Rücken tragen. Zuletzt kommen die am leichtesten ausgerüsteten Bogenschützen von allen, die eine gestreifte Tunika tragen172 reicht bis zu den Knien und ist hinten etwas länger als vorne (vgl. Abb. 105). Ihre Füße, Arme und Beine sind nackt und ihre einzige Kopfbedeckung bilden Haarspangen. Sie sind selten mit Kurzschwertern wie die Vorangegangenen bewaffnet.

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Abb.. 103.Abb.. 104.Abb.. 105.

Es gab offenbar zwei Klassen von Speerkämpfern in Sanheribs Armee; die besser ausgerüsteten trugen ein Kettenhemd über ihren Tuniken, einen konischen Helm, Strümpfe an den Beinen und Stiefel an den Füßen, während sie im Allgemeinen mit einem vergleichsweise kurzen Speer, einem ziemlich großen konvexen Schild und dem üblichen Kurzschwert bewaffnet waren. Die zweite Abteilung war ähnlich ausgerüstet wie die leicht bewaffneten Speerkämpfer von Sargon und trug schlichte Tuniken, Kreuzgürtel und Helme mit Wappen, aber anders als die Speerkämpfer von Seite 353Sargon: Sie haben normalerweise Ärmel an ihren Tuniken, tragen Strümpfe an den Beinen, Stiefel an den Füßen und tragen manchmal einen langen konvexen Schild, der oben gewölbt ist, statt eines runden. Eine weitere Klasse von Fußsoldaten verdient eine Erwähnung; diese sind mit doppelköpfigen Äxten bewaffnet, mit denen sie Bäume fällen und die Straße für den Durchzug von Truppen freimachen. Ihre Ausrüstung ähnelt stark der der besser bewaffneten Speerkämpfer. Die Armee zu Ashur-bani-pals Zeiten ist weitgehend dieselbe wie zu Sanheribs Zeiten; sie bestand aus Bogenschützen, Speerkämpfern, Streitkolbenträgern, mit Streitäxten bewaffneten Kriegern und Schleuderern. In Bezug auf Letztere ist es interessant festzustellen, dass die schwere Rüstung der Schleuderer gegen eine leichtere und praktischere Kleidung ausgetauscht wurde.173

Die Hauptwaffe der Kavallerie in der Frühzeit war der Bogen, obwohl auch Schwert und Schild vorkommen, aber anscheinend nicht viel verwendet wurden. Es war üblich, dass die berittenen Bogenschützen von einem anderen berittenen Soldaten begleitet wurden, dessen Aufgabe es war, das Zaumzeug des Pferdes des Bogenschützen zu halten, während dieser seinen Pfeil auf den Feind zielte. Der Diener trägt eine einfache Tunika und eine gewöhnliche Mütze, während der Bogenschütze einen spitzen Helm, eine bestickte Tunika und einen Schwertgürtel trägt. Ihre Beine und Füße sind nackt, damit sie ihre Pferde fest im Sattel halten können – letztere sind ohne Sattel. Zur Zeit Sargons bestand die Kavallerie teilweise aus Speerkämpfern, teilweise aus Bogenschützen. Sättel oder Satteldecken, die denen ähnelten, die heute von europäischen Kavalleriepferden getragen werden, waren im regelmäßigen Gebrauch, während die unbewaffneten Diener nicht mehr erforderlich waren, da sowohl Bogenschützen als auch Speerkämpfer ihre Rosse selbst führen konnten. Die Uniformen der Kavallerie waren ebenfalls viel aufwendiger als die der berittenen Bogenschützen der früheren Zeit. Ihre Tuniken sind eng anliegend, weiten sich aber unterhalb der Taille zu einer Art gefranstem Kilt aus, sie tragen Strümpfe an den Beinen und lange Stiefel an den Füßen, Seite 354die manchmal fast bis zum Knie reichten; die Hauptwaffen der Reiter sind Bogen und Speer, häufig sind sie aber auch mit einem Kurzschwert bewaffnet, während die Speerträger gelegentlich neben Speer und Schwert auch Bogen und Köcher mit sich führen (vgl. Abb. 106).

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Abb.. 106.

Zu Sanheribs Zeiten war die einfache Kavallerie ganz ähnlich ausgerüstet; einige Regimenter waren jedoch schwer bewaffnet und trugen ein Kettenhemd, das bis zum unteren Rücken reichte (vgl. Abb.). 107). In den Skulpturen von Ashur-bani-pal sind die Pferde der Kavallerie manchmal mit einem großen Tuch bedeckt, ähnlich dem, das die Streitwagenpferde tragen (vgl. Abb. 108), über das das Sattelstück gelegt wird, aber die Ausrüstung der Kavallerie selbst weist wenig oder keine Unterschiede zu der früherer Zeiten auf.

Die Wagenlenker bilden die letzte Abteilung der assyrischen Armee, die kurz betrachtet werden soll. Der Wagen bestand aus mindestens zwei Personen – dem Fahrer und einem Krieger; aber wenn der König persönlich ins Feld zog, wurde er von einem Schildträger begleitet, manchmal auch von zwei Seite 355Schildträger sowie ein Wagenlenker. Die normale Waffe des Wagensoldaten ist der Bogen, den er im Allgemeinen voll gespannt und mit dem Pfeil auf der Sehne hat; er ist jedoch nicht selten mit einem Schwert umgürtet, während ein Speer oft in Reichweite neben ihm liegt. Manchmal ist er nur mit einer Tunika bekleidet, manchmal mit einem langen Kettenhemd, das mindestens bis zu den Knien reicht, aber kurze Ärmel hat, zweifellos um die Handhabung des Bogens zu erleichtern. Entweder feuert er seine Pfeile vom Wagen selbst ab oder er steigt ab, um sicherer zielen zu können; im letzteren Fall schützt der Diener die Bogenschützen mithilfe eines Schildes, den er in der linken Hand hält, während er in der rechten Hand einen Speer oder ein Schwert hält, mit dem er jeden Angriff aus nächster Nähe abwehren kann. Der Krieger trägt im Allgemeinen einen Helm, der manchmal mit Seiten- und Vorderteilen aus Metallschuppen versehen ist und die Schultern, den Nacken und manchmal sogar das Kinn schützen soll; der Krieger trägt jedoch in der Regel keine Kopfbedeckung.

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Abb.. 107.

Die Streitwagen wurden entweder von zwei oder drei Pferden gezogen, aber anscheinend gab es nie mehr als eine Deichsel. Wenn also ein drittes Pferd an den Streitwagen angespannt wurde, muss es mit einem Seil oder Riemen befestigt gewesen sein und wurde wahrscheinlich als Ersatztier verwendet, um den Platz eines der anderen einzunehmen, falls eines von ihnen durchschossen wurde. Die Bespannung der Pferde Seite 356waren oft sehr aufwendig, wie man in den Abbildungen sehen kann. 83, während die Streitwagen manchmal auch sehr kunstvoll verziert waren. Auf den assyrischen Flachreliefs sind zwei Haupttypen von Streitwagen dargestellt, einer ist charakteristisch für die frühere Periode, als Kalah (Nimrud) die Hauptstadt des Reiches war, der andere für die spätere Epoche, als der Regierungssitz in Ninive eingerichtet wurde. Die Streitwagen der frühen Periode sind niedrig und kurz, die Räder \"Feige.Abb.. 108.sind verhältnismäßig klein und besitzen in der Regel nur sechs Speichen, während die auf den späteren Reliefs dargestellten Streitwagen im Allgemeinen geräumiger und auch höher sind, und die Räder, die einen Durchmesser von etwa 1,52 m zu haben scheinen, normalerweise acht Speichen haben (vgl. Abb. 108). Die Position in einem dieser späteren Streitwagen bot dem Krieger folglich einen guten Aussichtspunkt, um auf den Feind zu zielen und auch die Situation zu überblicken. Die Deichseln der Streitwagen beider Epochen endeten häufig im Kopf eines Tieres, je nach Fall eines Ochsen oder eines Pferdes. Manchmal war am Ende der Deichsel eine Querstange befestigt, die gelegentlich auch in Tierköpfen endete, wobei die Querstange manchmal gerade, manchmal gebogen war.

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Abb.. 109.

Aus dieser kurzen Beschreibung der militärischen Ausrüstung der Assyrer wird sofort deutlich, wie aufwendig die Organisation der Armee gewesen sein muss. Es wurde häufig auf die konisch geformten Helme der Soldaten und die ähnlich geformten Diademe der Könige hingewiesen, aber man darf nicht annehmen, dass alle assyrischen Kopfbedeckungen konisch waren. Eine Vorstellung von der Vielfalt der in Assyrien verwendeten Kopfbedeckungen kann man sich anhand der in Abb. wiedergegebenen Auswahl verschaffen. 109Das bemerkenswerteste davon ist die gehörnte Krone in der Mitte Seite 357(A), das von den riesigen geflügelten Stieren getragen wurde. Die Hörner, die das Symbol der Göttlichkeit sind, nehmen eine prominente Position auf den Kopfbedeckungen fast aller babylonischen und assyrischen Götter ein, und ihre Anwesenheit auf der Kopfbedeckung eines Stiers mit Menschenkopf weist auf den göttlichen Charakter hin, mit dem sie diese Kolosse ausstatteten. Die Oberseite dieser massiven Krone oder dieses Hutes ist mit einer Reihe von Federn verziert, während das Gesicht mit den bekannten Rosetten geschmückt ist. In (B) haben wir eine königliche Tiara und (C), Seite 358(D), (E) und (F) veranschaulichen die verschiedenen Arten von um den Kopf getragenen Bändern, während (G) bis (M) die verschiedenen Helmtypen zeigen, die in der assyrischen Armee verwendet wurden.

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Abb.. 110.

Die Angriffs- und Verteidigungswaffen der Assyrer weisen jedoch noch größere Unterschiede auf als ihre Helme. Nur wenige echte Waffen sind erhalten geblieben, aber dank der großen Menge an Flachreliefs, die Botta und Layard aus den zerstörten Hügeln Assyriens gerettet haben, können wir uns eine Vorstellung vom Umfang der assyrischen Waffenkammer machen. Die Waffen des einfachen Soldaten sind recht einfach gehalten, aber die Waffen, die Könige, Halbgötter oder Wesire tragen, sind oft äußerst kunstvoll verziert. In Abb. 110 Wir haben eine Auswahl der auffälligsten Waffen, die auf den Flachreliefs dargestellt sind. (A), (B), (C) und (D) zeigen uns vier verschiedene Arten von Piken, die von den Kriegern von Ashur getragen wurden. Sie variieren in Länge und Griff, aber sie haben alle einen mehr oder Seite 359weniger rautenförmige Klinge, während die Pfeilspitzen (E) die gleiche Form haben. Die beiden Enden des Bogens, mit dem der König seine zielsicheren Pfeile in das Herz des Feindes, des Löwen oder des wilden Stiers schießt und den er auch bei religiösen Zeremonien verwendet, enden oft in einem Vogelkopf (F). Obwohl die Pfeile selbst sehr praktisch aussehen, sind die Köcher, in denen sie „außer Dienst“ ruhten, kunstvoller (vgl. (G)-(L)). Der größte dieser Köcher konnte bis zu fünf Pfeile aufnehmen (vgl. (L)), aber die normale Anzahl scheint vier gewesen zu sein. Der Köcher wurde mithilfe von Schnüren über den Rücken geschlungen (vgl. (G), (J) und (L)). Die Schwerter scheinen im Allgemeinen gerade gewesen zu sein ((M) (N)), obwohl sie manchmal gebogen waren (O). Der Schwertgriff war häufig mit mehreren Löwenköpfen geschmückt, während die Schwertscheide selbst oft mit Löwen verziert war, was sehr dekorativ und wirkungsvoll ist. Das Zepter war eine zeremonielle Waffe – zweifellos harmlos, aber ein beredtes Symbol der Königlichkeit (vgl. (P)), während der Dolch (Q) andererseits von den zusammengesetzten Monstrositäten, die auf den Palastmauern von Ashur-naṣir-pal dargestellt sind, auf höchst alarmierende Weise geschwungen wird.

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Abb.. 111.

Die bei weitem beeindruckendste militärische Erfindung der kriegerischen Assyrer war jedoch der Rammbock. Der Rammbock wurde durch einen beweglichen Turm gegen die Mauer der belagerten Stadt gebracht, in dessen Schutz der Rammbock wirksam und sicher eingesetzt werden konnte. Turm und Rammbock bildeten somit zusammen einen äußerst wirksamen Faktor sowohl bei Angriffs- als auch bei Verteidigungsoperationen. Diese beweglichen Türme waren keineswegs einheitlich, sondern variierten sowohl in Größe als auch Höhe, manchmal wurden sie von Türmen überragt (vgl. Abb.). 111 (A)) von denen aus die angreifenden Truppen ungestraft ihre Pfeile auf die belagerte Armee niederprasseln lassen konnten, manchmal waren sie ziemlich niedrig und hatten die Form eines Torpedos, wobei die größeren auf Seite 360sechs Rädern (vgl. Abb. 44), und der kleinere auf vier (Q). Auch der Rammbock selbst variierte – manchmal war er schräg nach oben gerichtet (A), wobei sein hervorstehendes Ende gleichzeitig schwerer und dicker als der Schaft war, aber meist war der Rammbock horizontal angebracht und wie ein Speer zugespitzt (B), wobei der Turm manchmal mit zwei dieser Rammbocke bewaffnet war (C). Die auffälligsten der hier dargestellten Schilde sind die großen Schilde, hinter deren Schutz der Bogenschütze zielen und Seite 361schießen, wobei der Schild natürlich von einem Schildträger in Position gehalten wurde (vgl. (D), (E), (F)). Diese großen Schilde standen im Allgemeinen aufrecht (F), waren aber oben oft gebogen, um den Kopf des Bogenschützen vor den Geschossen des Feindes zu schützen (D), während manchmal der ganze Schild gebogen war (E). Die Lanzenträger benötigten jedoch keinen solchen Schutz, da ein kleiner Handschild, den sie selbst tragen konnten, die einzige Art der Verteidigung war, die ihre Nützlichkeit auf dem Schlachtfeld nicht völlig zunichte machte. Diese Schilde variierten in Form und Größe; sie waren im Allgemeinen rund (vgl. (G)-(K)), manchmal aber gebogen und länglich (L), während sie manchmal im Körper konkav, oben oval, unten gerade und mit einem Buckel in der Mitte und einem eingravierten Muster um den Rand verziert waren (vgl. (N)). Ein anderer Schildtyp hatte die Form einer Raute (O), aber sie alle hatten ihre Griffe in der Mitte. Sie waren oft äußerst kunstvoll graviert, wobei die Muster aus einer Anordnung gerader Linien ((G) und (P)), geometrischer Figuren ((H) und (L)) oder Rosettenkreisen ((I) und (J)) bestanden. Einer der hier abgebildeten Schilde unterscheidet sich von den anderen dadurch, dass seine Außenseite wie die Kante einer Säge eingekerbt ist, und muss sowohl Angriffs- als auch Verteidigungszwecken gedient haben (vgl. (M)).

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Abb.. 112.

Aber die Assyrer führten Krieg „terra marique“ – auf dem Meer wie auch auf dem Trockenen, und in Abb. 112 (A) Wir haben ein Beispiel einer der Kriegsgaleeren, die Sanherib bei seiner Verfolgung der babylonischen Rebellen über die Mündung des Persischen Golfs verwendete. Es ist eine Bireme, d. h. ein Boot mit zwei Ruderreihen; unten sind die Ruderer, während die Krieger auf einem Oberdeck stationiert sind. Das Boot hat vorne eher die Form eines Kutters, aber das Heck endet in einer geschwungenen Aufwärtskurve, und im vorderen Teil der Galeere befinden sich ein Mast und ein Querbalken, die durch Rahen gesichert sind. Der Kurs des Bootes wird mithilfe von zwei von hinten betriebenen Rudern gesteuert, die sich in ihrer Form von denen unterscheiden, die zum Antrieb des Bootes verwendet werden. Seite 362Boot. In (B) haben wir eine andere Variante dieses Bootstyps: hier sind beide Enden des Bootes gekrümmt, die Enden sind eckig statt spitz wie in (A), und es gibt außerdem keinen Mast, aber in (C) haben wir eine ganz andere Art von Boot; es ist ein offenes Boot mit nur einer Reihe von Rudern und es sind keine Krieger an Bord. Es gibt nur vier Ruderer und ihre Ruder sind völlig anders als die der Kriegsgaleeren, die Ruder der Galeeren ähneln Spaten mit langem Schaft, während die hier Hockeyschlägern nicht unähnlich sind. Sowohl Bug als auch Seite 363Das Heck ist gebogen und endet in einem Pferdekopf, und in der Mitte des Bootes befindet sich ein Mast. Der Brauch, die Enden eines Bootes mit Tierköpfen zu verzieren, stammt zweifellos von den Phöniziern, dem Seefahrervolk der orientalischen Welt. In einer der Szenen auf den Bronzetoren von Balawat sehen wir Salmanassar II., wie er den Tribut der Schiffe von Tyrus und Sidon entgegennimmt (D); diese Schiffe oder vielmehr Boote sind an beiden Enden gebogen, während Bug und Heck mit Kamelköpfen dargestellt sind. Es sind nur zwei Männer erforderlich, um das schwer beladene Fahrzeug zu manövrieren; einer davon steuert anscheinend, während der andere das Boot mit Hilfe eines sehr schweren und plump aussehenden Ruders zieht. Aber Kriegsgaleeren waren nicht die einzigen Boote, die zur Zeit Sanheribs in Gebrauch waren; für den Gütertransport wurde ein leichteres und viel kleineres Boot verwendet (E). Die Ladung befindet sich in der Mitte dieses seltsamen kleinen Schiffes, auf beiden Seiten davon sind zwei Ruderer eifrig damit beschäftigt, ihre Ruder zu bewegen. Seltsamerweise scheinen sie in entgegengesetzte Richtungen zu ziehen, aber wir müssen diese Anomalie möglicherweise der Unkenntnis des Bildhauers in nautischen Angelegenheiten zuschreiben; die Ruder unterscheiden sich stark von denen der Schlachtschiffe, sind aber genau dieselben wie die auf dem oben abgebildeten Frachtfloß (F); das Floß scheint mit großen Steinblöcken beladen zu sein; das Holzfloß allein ist offensichtlich nicht in der Lage, ein so schweres Gewicht zu tragen, und der erforderliche Auftrieb wird dadurch erreicht, dass aufgeblasene Häute am unteren Teil des Floßes befestigt werden. Eine Art Schilffloß scheint zum Durchqueren der Sumpfgebiete Untermesopotamiens (H) verwendet worden zu sein, wobei das Schilf mithilfe von Korbweiden zusammengebunden und das Wasser durch eine Lederhülle oder eine dicke Schicht Bitumen abgeschirmt wurde. Diese Schilfboote haben manchmal die Form flacher Flöße, manchmal ähneln sie aber auch Kanus.


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KAPITEL XIV – LEBEN, SITTEN, GEWOHNHEITEN, GESETZ, RELIGION

(A) DIE FRÜHE SUMERISCHE PERIODE

1. Gesetze, Sitten und Bräuche

TDANK an die unermüdliche Arbeit von Père Scheil und M. Thureau-Dangin und an die bewundernswerte Arbeit von M. Genouillac an Sumerische Gesellschaft, in dem dieser Gelehrte viele der frühen Tafeln aus Tellô veröffentlicht, übersetzt und kommentiert, können wir uns ein sehr gutes Bild von den Sitten und Gebräuchen der Sumerer zur Zeit der ersten Dynastie von Lagasch machen.

Eine Untersuchung der Bedingungen einer Gesellschaft beginnt natürlich mit einer kurzen Betrachtung der Gesetze, die den Fortpflanzungsprozess regelten, von dem letztlich der Fortbestand und Wohlstand der Gemeinschaft abhängt. Es scheint, dass die Ehe seit frühester sumerischer Zeit als Rechtsvertrag betrachtet wurde und eine Scheidung ebenfalls nur durch ein Gerichtsverfahren erfolgen konnte. Aber die sumerischen Ehegesetze aus der Zeit Lugal-andas und Urukaginas unterschieden sich in mindestens einem wichtigen Punkt von den heutigen europäischen Gesetzen: Der Vertrag wurde vom Mann mit seinem Schwiegervater und nicht mit seiner zukünftigen Frau geschlossen, und daher war es im Scheidungsfall der Schwiegervater und nicht die geschiedene Frau, die Anspruch auf Entschädigung hatte.

Die Polyandrie war offensichtlich nicht unbekannt, denn Urukagina hatte Gelegenheit, sie mit äußerster Härte des Gesetzes zu unterdrücken, obwohl sie bis dahin keineswegs geduldet worden war, sondern im Gegenteil bereits als Seite 365Straftat, und nicht nur das, sondern sogar Polygamie scheint missbilligt worden zu sein, denn Ausdrücke wie „die Frau des Priesters von Nin-girsu“ oder „die Frau des patesi“ suggerieren implizit, dass es sich nur um eine Dame handelte und diese Angelegenheit nicht zu Verwechslungen führen konnte. Es ist jedoch durchaus denkbar, dass der patesi eine offizielle Ehefrau hatte, genau wie die Priester von Amen oder die Könige von Ägypten, und die anderen Damen des Harems nicht auf derselben Stufe wie die königliche Gattin standen oder dieselbe besondere Bezeichnung genossen, aber das ist natürlich reine Vermutung. Wie dem auch sei, es gibt reichlich Beweise dafür, dass die Sumerer im Vergleich zu anderen primitiven Völkern in Bezug auf ihre Achtung und Behandlung von Frauen sehr gut abschneiden. Sie konnten als freie Vertreter in Sachen des Eigentums auftreten und als Zeugen von Verträgen auftreten, während Witwen besonders vor der Erpressung der Mächtigen geschützt waren und die Ärmsten gesetzlich vor der Habgier des Priesters geschützt waren, der von den Mitgliedern der Gemeinschaft eine Art Zehnten einforderte. In diesem Zusammenhang sind zwei weitere soziale Reformen bemerkenswert, die während dieser Herrschaft durchgeführt wurden: die Abschaffung der Steuer, die bis dahin den Parteien einer Scheidung auferlegt worden war, und die Reduzierung der Bestattungsgebühren der Priester. Doch trotz der Beschränkungen, die man der erpresserischen Priesterschaft auferlegen musste, verdiente der Dienst an den Göttern eine besondere Belohnung, und so kam es, dass gemäß diesem Prinzip ein Waisenkind, der Sohn einer Priesterin der Göttin Bau, eine höhere Rente erhielt als andere Waisenkinder.

Doch abgesehen von den so genannten häuslichen und familiären Pflichten wurde von Frauen schon in der Zeit Urukaginas erwartet, dass sie andere Aufgaben erfüllten. Einige Frauen widmeten sich den niederen Diensten der Götter und kümmerten sich um die Opfergaben des Heiligtums; andere wiederum waren als Weberinnen beschäftigt, während eine andere Klasse von Frauen, die dem Hof ​​angehörten, beschäftigt war Seite 366mit der Pflege von Schafen, Ziegen und anderen kleinen Haustieren. Einige waren Torhüter und eine gewisse Anzahl widmete sich der Kunst des Friseurs.

Wie zu erwarten war, waren die von den Menschen ausgeübten Berufe zahlreicher und vielfältiger. Das Bootsbaugewerbe beschäftigte eine beträchtliche Anzahl der Männer von Lagasch, und auch Zimmerleute und Möbelbauer scheinen viel zu tun gehabt zu haben. Das Gerbergewerbe florierte ebenfalls, und unter den eher ästhetischen Berufen, die ausgeübt wurden, können insbesondere Parfümerie und Juwelier erwähnt werden, während wir in den zahlreichen Flachreliefs, Figuren und Statuetten, die uns überliefert sind, reichlich Belege für die Fertigkeit finden, zu der die Kunst der Metallbearbeitung und des Steinbildhauens gelangt war. Ein großer Teil der arbeitenden Bevölkerung waren Gärtner oder Ackerbauern, denn die Babylonier hatten das Beduinenstadium der primitiven Zivilisation längst hinter sich gelassen und sich auf dem Land niedergelassen, das sie anscheinend mit großem Erfolg kultivierten. Unter den domestizierten Tieren, die sie nutzten, können insbesondere die Kuh, das Schaf, der Esel und die Ziege hervorgehoben werden. Der Esel wurde sowohl zum Reiten als auch als Zugtier verwendet. Der Ochse war das wichtigste Arbeitstier, da seine Dienste sowohl bei der Bewässerung als auch beim Transport von Baumaterialien benötigt wurden, obwohl auch der Esel manchmal für diese und ähnliche Zwecke eingesetzt wurde. Der Ochse wurde außerdem als Nahrungsmittel verwendet, während Kühe anscheinend zur Zucht und zur Milchproduktion verwendet wurden, aus der Butter und möglicherweise auch Käse hergestellt wurde. Das Schaf wurde für den doppelten Zweck gezüchtet, Wolle als Material für Kleidung und Fleisch zum Verzehr zu liefern, wobei einige Rassen besonders wegen ihrer Wolle geschätzt wurden, während andere wegen ihres guten Geschmacks als Nahrungsmittel besonders geschätzt wurden, obwohl einige für beide Zwecke verwendet wurden. Es scheint Brauch gewesen zu sein, das Fleisch der Schafe ganz oder teilweise den Göttern vor sterblichen Menschen anzubieten. Seite 367Der Mann wagte es, daran teilzunehmen, und die geschorene Wolle wurde der Weberin des Harems übergeben. Das Schaf, das die besondere königliche Schirmherrschaft genoss, war weiß und daher vermutlich das seltenste und am höchsten geschätzte, während die häufigste Rasse braun war. Das männliche Schaf oder Lamm wurde normalerweise den Göttern vor dem weiblichen geopfert. Das Zicklein scheint als Tauschmittel angesehen worden zu sein, jedenfalls wurde die Miete mit Zicklein oder manchmal Schaf bezahlt, während die Ziege oft als Opfertier diente, wie wir anderswo gesehen haben.174 Die Zicklein der Göttin Bau wurden von den Frauen des Harems gehütet, manchmal aber auch von Hirten. Ziegen und Schafe waren wegen ihrer Wolle sehr wertvoll, wobei zwei Arten besonders hervorgehoben wurden: die Ziege mit dem weißen Fell und die Ziege mit dem schwarzen Fell. Auch andere Tiere unscheinbarer Art spielten im Leben der Menschen und im Dienst der Götter eine wichtige Rolle. Vögel waren ebenfalls Teil der Opfergaben für die Mächte von oben, die wichtigsten davon waren offenbar die Gans, die Ente, das Huhn und die Turteltaube.

Die Fruchtbarkeit des Bodens förderte schon in frühester Zeit dessen Kultivierung. Ein Teil des Landes gehörte zur Zeit Urukaginas zu den königlichen Besitztümern, der Rest wurde von Privatleuten bewohnt. Getreide wie Mais und Gerste wurden mit Erfolg angebaut, wie schon zu Zeiten Herodots.175 während ein Teil des Landes für Obstbäume und Gemüseprodukte reserviert war.

Aber das Land war nicht vollständig in Kronländereien und Landgüter aufgeteilt, „kleines Eigentum“ machte einen gewissen Anteil des verfügbaren Bodens aus, und es scheint, dass sogar arme Frauen manchmal ihre kleinen Grundstücke hatten; die kleinen Eigentümer waren jedoch oft die Opfer des erpresserischen Kapitalisten, und ihr Unrecht wurde von Zeit zu Zeit Seite 368Die Zeit verlangte nach Abhilfe. Bei solchen Gelegenheiten achtete der mit der Neuordnung der Angelegenheiten betraute Beamte sehr darauf, zwischen Ackerland und Land zu unterscheiden, das nicht kultiviert werden konnte. Die Beaufsichtigung der königlichen Ländereien erforderte, wie zu erwarten, den Einsatz einer ganzen Armee landwirtschaftlicher Beamter mit unterschiedlichem Verantwortungsgrad und unterschiedlichen Aufgaben. Die Landwirtschaft zur Zeit Urukaginas wie auch heute umfasste eine regelmäßige Abfolge von Arbeiten: Das Land musste gepflügt, die Saat gesät und die Ernte eingebracht werden, und zuletzt, aber vielleicht am wichtigsten und mühsamsten von allen, gab es die Bewässerungsarbeiten, die in einem Land, das im Winter Überschwemmungen und im Sommer einer regenlosen subtropischen Hitze ausgesetzt war, ständige Aufmerksamkeit und unendlich viel harte Arbeit erforderten. Das Graben von Kanälen ist selbst in unserer Zeit mit allen Mitteln, die der modernen Hydraulik zur Verfügung stehen, keineswegs eine leichte oder schnell zu erledigende Aufgabe, und wir können leicht verstehen, dass die Arbeit vor vier- oder fünftausend Jahren nicht geringer und der Prozess nicht einfacher war. Die Bewässerungsarbeiten, so wichtig und so mühsam, wurden nicht dem Einzelunternehmer überlassen, sondern vom Staat übernommen und bildeten eine der wichtigsten Aufgaben der öffentlichen Bauten. Die frühen Herrscher von Lagasch scheinen auf ihre Leistungen als Bewässerungsingenieure ebenso stolz gewesen zu sein wie auf ihre Triumphe auf dem Schlachtfeld. Die damit beschäftigten Personen waren entweder reguläre Ingenieure oder Erdarbeiter, die für die Zeit mit der Arbeit betraut waren. Doch die Bewässerungsarbeiten waren mit dem Graben der Kanäle nicht beendet; es mussten Mittel entwickelt werden, um das Wasser aus den Kanälen in den Boden zu leiten. Zweifellos wurde dies in früheren Zeiten mithilfe einer Handmaschine getan, die vielleicht aus einem an einer Stange befestigten Eimer bestand, an dessen anderem Ende ein Gegengewicht aufgehängt war. In assyrischer Zeit176 Diese Maschinen wurden neben Seite 369eine „Grube“ oder Zisterne, die oft eine Vertiefung im Flussbett war, in die die Eimer hinabgelassen und aus der sie wieder herausgeholt wurden, wenn sie voll waren, oder eine tatsächlich auf dem Feld gegrabene Grube, in die das Wasser des Kanals durch eine Rinne floss. Die Maschine selbst ähnelt in ihrer einfachsten Form dem modernen „Shadûf“, wie er im alten Ägypten verwendet wurde177 und ist heute unter den Fellachen Oberägyptens allgemein in Gebrauch. Aber auf großen Ländereien waren offensichtlich effizientere Geräte erforderlich, und diese wurden zweifellos auch verwendet, jedenfalls von den Assyrern. Was die größeren Maschinen waren, wissen wir nicht, aber wie Johns vermutet, bestanden sie sehr wahrscheinlich aus einer Reihe von Eimern, die an einem Rad befestigt waren, das von Ochsen gedreht wurde, wobei die Eimer das Wasser aufnahmen, als das Rad sie nach unten brachte, und ihren Inhalt auf ihrem Weg entleerten: aber was auch immer die Maschine war, sie muss ziemlich kompliziert gewesen sein, denn manchmal waren bis zu acht Ochsen erforderlich, um sie zu betreiben.

Die wichtige Rolle, die die Landwirtschaft im Leben der Gemeinschaft spielte, wird durch den Namen eines der Monate deutlich, der „Monat der Ochsenarbeit“ genannt wurde. Nach der Regenzeit im November und Dezember begannen die Arbeiter mit der Aussaat der Saat, deren Ernte im Sommer während des „Erntemonats“ eingebracht werden sollte. Das Korn wurde mit einer Art Sichel geschnitten, danach wurde das Korn auf dem Feld selbst von Ochsen geschlagen oder zertreten. Anschließend wurde es durch ein Sieb gesiebt und war dann bereit, verteilt oder in den Kornspeichern gelagert zu werden.

Wie wir bereits gesehen haben, wurden vor etwa fünftausend Jahren zum Lebensunterhalt und Komfort des Menschen weitgehend dieselben Tiere gezüchtet wie heute. Die menschliche Natur und die menschlichen Bedürfnisse unterscheiden sich nur wenig im Vergleich zu den deutlichen Unterschieden, die eine Zivilisation von einer anderen und eine Kulturstufe von einer primitiveren trennen. Seite 370oder fortgeschrittener, obwohl diese Unterschiede in der Tat eher oberflächlich als grundlegend sind, aber die elementaren Gesetze, von denen das menschliche Leben abhängt, gehören im Wesentlichen zu den Dingen, die grundlegend sind, und in diesem Sinne sind sie ewig. So aßen die Mitglieder von Urukaginas Gemeinschaft je nach Jahreszeit Rind-, Hammel- oder Lammfleisch, wie wir es heute tun; seine Speisekarte umfasste jedoch nicht nur Bratenstücke, sondern auch Geflügel und Vögel – je nach Bedarf Huhn, Ente, Gans oder Schildkröte. Fische aller Art, darunter sowohl Süß- als auch Salzwasserfische, wurden auf verschiedene Weise als Nahrungsmittel zubereitet, während Milch, Butter und Käse alle regelmäßig verwendet zu werden scheinen. Weizen und Gerste wurden, wie wir schon mehrmals bemerken konnten, in großem Maßstab angebaut und bildeten ohne Zweifel das Grundnahrungsmittel der Menschen, da sie ihnen reichlich Material für Kuchen und verschiedene Brotsorten, darunter Milchbrote und Schwarzbrot, lieferten. Die wichtigsten Früchte, die zu dieser Zeit angebaut wurden, waren Datteln, Feigen, Granatäpfel und Weintrauben. Sie wurden gekocht und roh gegessen, manchmal als Teil eines Obstsalats, manchmal wurden daraus Obstkuchen gemacht.

Die Dattelpalme blühte überall und war ein wichtiges Mittel zur Unterstützung der Armen, während die Datteln selbst als Tauschmittel verwendet worden zu sein scheinen. Der Apfel scheint angebaut worden zu sein und bestimmte Getränke geliefert zu haben,178 während die Tamariske eine Art süßen Gummi lieferte. Bei Gemüse scheinen Zwiebeln, Radieschen, Gurken und Bohnen am beliebtesten gewesen zu sein, obwohl in den Texten auch verschiedene andere pflanzliche Produkte erwähnt werden, die noch nicht identifiziert wurden. In dieser frühen Zeit war die Kunst der Gärung von Getreide bereits bekannt, und in den sumerischen Kellern waren Bier, Dattelwein und andere alkoholische Getränke zu finden.

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Mit ihren Künsten und Handwerken haben wir uns anderswo beschäftigt, ebenso mit ihren architektonischen Überresten, die uns jedoch wenig oder gar keine Informationen über die Struktur privater Wohnhäuser liefern, aber aus der Literatur erfahren wir, dass Holz und Ziegel in größerem Umfang bei ihren Bauarbeiten verwendet wurden, als wir annehmen würden. Wolle war das Hauptmaterial für die Herstellung von Kleidung, obwohl möglicherweise auch Leinen hergestellt wurde.179 und manchmal wurde Pelz getragen, vermutlich bei kaltem Wetter.

Geschäftstransaktionen wurden durch Verträge abgewickelt, wobei es sich bei den betreffenden Transaktionen normalerweise um den Verkauf von Sklaven, Tieren oder anderem Eigentum handelte. Die Gültigkeit der Verträge hing offenbar davon ab, dass sie ordnungsgemäß beglaubigt wurden, so wie in späteren Zeiten die Zeugen Geschenke für ihre Dienste erhielten. In Bezug auf den Kauf von Sklaven und den Preis, den sie auf dem Markt erzielten, ist es eine bedeutsame Tatsache, dass laut der Stele von Manishtusu ein Esel und ein Sklave genau gleich viel wert waren, was ein mangelndes Verständnis für die Überlegenheit der Arbeitsleistung eines Menschen gegenüber der eines wilden Tieres verrät.

Doch die Krone und die Kirche achteten gut darauf, den Laien nicht den vollen Besitz ihres Eigentums zu überlassen, und schafften es, sich durch verschiedene Abgaben und Steuern ein sehr angenehmes Auskommen zu sichern. Landwirtschaftliche Erzeugnisse, Gartenfrüchte, Fisch, Vieh, Wolle und Parfüms wurden alle als königliche oder kirchliche Abgaben erhoben, während die Tempel-Opfer natürlich größtenteils bloße Nebeneinkünfte der Priester waren, obwohl diese einen beträchtlichen Anteil an ihren königlichen Gönner abtreten mussten.

Eine Zivilisation wie diese mit ihren Handelsunternehmen und Rechtsgeschäften setzt natürlich die Erfindung von Systemen zur Ermittlung der Gewichte und Maße der verschiedenen Objekte und unterschiedlichen Formen voraus. Seite 372von Eigentum, mit dem diese Transaktionen unmittelbar zu tun hatten. Es gab ein Quadrat- oder Flächenmaß, eine unabdingbare Voraussetzung bei der Übertragung von Eigentum; es gab ein langes Maß, das für den Verkauf und Kauf von Holz oder Stoff gleichermaßen notwendig war und dessen kleinste Einheit anscheinend der Daumen war. Andererseits machten die täglichen Bedürfnisse des Menschen die Erfindung eines Volumenmaßes zu einer absoluten Notwendigkeit. Manchmal wurden jedoch neben den regulären metrischen Systemen auch andere Rechenmethoden übernommen. So scheinen Fischer ihre Fische entweder nach Anzahl oder korbweise verkauft zu haben, während Flüssigkeiten mithilfe von Gefäßen unterschiedlicher Größe abgemessen wurden. Schließlich gab es ein Gewichtsmaß, das in Urukaginas Zeit dasselbe war wie in der der späteren Dynastie von Ur.

2. RELIGION

Die Religion der Babylonier und Assyrer war im Laufe ihrer gesamten Geschichte polytheistisch. Es stimmt, dass in späteren Zeiten eine gewisse Tendenz zum Monotheismus zu erkennen war, aber sie war nie so stark, dass sie eine solche Revolution in den religiösen Vorstellungen der Menschen hervorrief, wie sie der Wechsel vom Polytheismus zum Monotheismus zwangsläufig mit sich bringt. Die in der späteren Periode Gudeas verehrten Götter waren, mit Ausnahme von Nin-gish-zi-da, dem persönlichen Gott Gudeas, schon zur Zeit Urukaginas bekannt und verehrt.180 Es ist außerdem eine interessante und bemerkenswerte Tatsache, dass der Name Gishgibilgemesh (Gilgamesh) in der Literatur der Zeit manchmal von dem Determinativ für „Gott“ begleitet wird, ein klarer Hinweis darauf, dass dem Helden der babylonischen Volkskunde schon zu dieser Zeit göttliche oder quasi-göttliche Eigenschaften zugeschrieben wurden. Der lokale Gott von Lagash war Nin-girsu; ihm gehörte das Land, und er war es, der die Regierung dem König anvertraute; die Menschen von Lagash werden tatsächlich mit ihrem göttlichen Herrn identifiziert, ihre Triumphe sind seine und ihre Ungerechtigkeiten sind Verbrechen Seite 373gegen seine Gottheit. Der Priester von Nin-girsu stand unmittelbar nach dem Patesi selbst und seine Tempel haben einen ganz nationalen Charakter. Der Palast des Patesi selbst war in Wirklichkeit das Haus von Nin-girsu, während der Palast seiner Königin die Wohnstätte von Nin-girsus göttlicher Gemahlin, der Göttin Bau, war. Eine andere Göttin, die schon zu Ur-Nins Zeiten zutiefst verehrt und angebetet wurde, war die Lady Ninâ, von der der Gründer der Dynastie seinen königlichen Namen erhielt, während die Göttin Gatumdug, zu deren Ehren Ur-Ninâ einen Tempel baute, als „Mutter von Lagash“ angesehen wurde. En-lil, der allseits berühmte Herr von Nippur, nahm zu dieser Zeit ebenfalls einen prominenten Platz in der Versammlung der Götter ein; er wird zuerst in den königlichen Protokollen von Eannatum und Entemena erwähnt und ist auch der erste in den göttlichen Anrufungen auf der Geierstele des ehemaligen Herrschers.

Doch der Einfluss der unsichtbaren Mächte auf die Gedanken und das Leben der Menschen spiegelt sich in der Autorität der Priester wider. Der Priester, Minister oder Diener ist in Wahrheit nicht „größer als sein Herr“, doch seine Autorität und seine Macht sind vollkommen proportional zu denen seines im Himmel geborenen Meisters. Die Versuchung irdischer Abgesandter, die Macht, die ihnen ihre Position verleiht, zu missbrauchen, ist im Allgemeinen unwiderstehlich, und die Priester von Lagash waren, wie wir gesehen haben, keine Ausnahmen von dieser fast universellen Regel. Die Macht, die der Hohepriester von Nin-girsu genoss, kann anhand der Tatsache beurteilt werden, dass sowohl Enlitarzi als auch Enetarzi diese Position innehatten, bevor sie den Thron bestiegen.

Opfer bildeten den Hauptbestandteil der frühen sumerischen Anbetung; Tiere, Vögel, Obst, Gemüse, Brot und Kuchen trugen alle zu den schwer beladenen Altären der Götter bei und nebenbei auch zum unersättlichen Appetit und Geldbeutel der Priester; Opfer wurden auch den Statuen der Lebenden und der Toten dargebracht, die Opfer wurden auf einem Altar in der Nähe der Statue abgelegt; so scheint ein gewisser Shagshag Befriedigung daraus gezogen zu haben, Seite 374Opfergaben vor ihrem eigenen Bildnis, während die Statue der verstorbenen Ur-Ninâ ähnlich verehrt wurde. Ein anderer interessanter Brauch, der zu dieser Zeit in Mode war, war das Anzünden von Öllampen vor den Statuen. Letztere waren offenbar Votivstatuen und sie scheinen die religiösen Pflichten der Menschen erfüllt zu haben, die sie darstellten, die Gebete tatsächlich dargebracht zu haben, die in ihre leblosen Körper eingeschrieben waren, und, kurz gesagt, die edle Rolle eines stellvertretenden Anbeters gespielt zu haben. Ohne Zweifel ist dies die wahre Erklärung für die fromme Haltung, die Gudea in seinen Statuen zur Schau stellt. Magie und Wahrsagerei, die allzeit bereiten Mägde aller primitiven Religionen, wurden zu dieser Zeit wie in späteren Zeiten gepflegt und leidenschaftlich geglaubt, Propheten, Seher und Traumdeuter waren fast ebenso gefragt wie heute.

Ein spezieller Priesterorden wurde ernannt, um Begräbnisse abzuhalten und die notwendigen Riten und Zeremonien durchzuführen, und sie erhielten Gebühren oder Honorare für ihre Dienste. Die Toten benötigten Nahrung im Grab, und es war üblich, sieben Krüge mit Schnaps und vierhundertzwanzig Brotlaibe neben die Leiche zu stellen; dieser Brauch war für die unglücklichen Angehörigen des Verstorbenen praktisch bindend und obligatorisch geworden, und eine von Urukaginas Reformen war die Reduzierung dieser Gebühren.

Die Tempel selbst, die manchmal auf einem eigenen Grundstück standen und von einem heiligen Wald umgeben waren, waren mit Statuen, Vasen, beschrifteten Steinplatten, Schätzen aus Silber und Edelsteinen sowie Luxusartikeln aller Art ausgestattet.

Die tatsächliche und innere Frömmigkeit der Menschen von Lagasch, wie auch der Babylonier und Assyrer einer späteren Zeit, zeigt sich in den von Gott zusammengesetzten Namen, die sie trugen, Namen, die offensichtlich dazu gedacht waren, die Hilfe und Gunst des Gottes zu sichern, dessen irdische Namensvetter sie waren und zu dessen Ehren diese Namen zusammengesetzt wurden. So ist die Bezeichnung eines einzelnen Seite 375heißt es „En-lil ist mein Schutz“, eines anderen „Bau ist meine Mutter“ und eines dritten „Enki ist mein Gefährte“, Namen, die lebhaft an einige der Eigennamen im Alten Testament erinnern. Ein weiteres eindrucksvolles Zeugnis für die Realität dessen, was man als die individuelle Religion jener Tage bezeichnen könnte, ist der vorherrschende Glaube an die Wohltätigkeit eines bestimmten Gottes einem selbst gegenüber; es ist klar, dass das persönliche Element in den religiösen Gefühlen und Bestrebungen der Zeit nicht durch die Opfergaben und Zeremonien der offiziellen Kulte befriedigt wurde, sondern Befriedigung in dem tröstenden Glauben suchte und vermutlich auch fand, dass irgendein Gott die besonderen Umstände, Schwierigkeiten und Verlegenheiten des Anwärters wirklich verstand und dass man sich aufgrund seines Verständnisses darauf verlassen konnte, dass er in Zeiten der Not Hilfe leistete.

(B) DIE KHAMMURABI-PERIODE

1. Gesetze, Sitten und Bräuche

Die Herrschaft von Khammurabi ist in mancher Hinsicht ein Zwischenschritt in der Geschichte der mesopotamischen Zivilisation. Der König war natürlich das oberste Staatsoberhaupt, und tatsächlich war er nicht nur „der erste Herr“ in Babylonien, sondern genoss auch das einzigartige Privileg und den Segen, ein Halbgott zu sein. Die Vergöttlichung von Königen war Jahrhunderte vor der Zeit von Khammurabi eine gängige Praxis, und zweifellos wurde sie von den Königen selbst eifrig gepflegt. Einige der frühen semitischen Könige von Kisch wurden nach ihrem Tod vergöttlicht, während der Name von Shar-Gâni-sharri von Agade oft mit dem göttlichen Determinativ geschrieben wird und der Name seines Sohnes Narâm-Sin kaum jemals ohne dieses geschrieben wird. Doch während der späteren Dynastie von Ur entwickelte sich die Praxis, den König noch zu Lebzeiten zu vergöttlichen, anstatt darauf zu warten, dass er nach seinem Tod seinen Platz auf der Götterbank einnahm. Beweise für Khammurabis göttliche Natur finden wir in der Verwendung von Namen wie „Khammurabi-ilu“ (== Khammurabi ist Gott) sowie in der häufigen Verbindung seines Namens mit denen der Götter in Eiden.

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Nach dem König, aber mit großem Abstand, kommen der Adel und die Gentry, eine Klasse, die nicht nur die Männer von hoher Geburt umfasst, sondern auch jene, die zwar Handwerker waren, aber die Ehre hatten, alten Handwerkszünften anzugehören, unter denen man Zimmerleute, Schneider, Bauarbeiter oder Töpfer nennen kann. Als nächstes kam das, was man als untere Mittelklasse bezeichnen könnte, während auf der untersten Sprosse der Leiter – wenn man überhaupt sagen kann, dass er auf der Leiter stand – der Sklave stand, der nichts weiter als ein Stück Ware oder ein bewegliches Gut war.

Das volle Ausmaß von Khammurabis Reich ist nicht bekannt, aber sein Anspruch auf Unsterblichkeit beruht nicht auf dem ständigen Wandel der territorialen Vergrößerung, sondern auf dem festen Felsen des moralischen Fortschritts. Eine genaue Einschätzung des Einflusses vorzunehmen, den Khammurabis Gesetzessammlung auf das mosaische Gesetzbuch und indirekt auf die heutigen europäischen Gesetze hatte, liegt außerhalb unserer Möglichkeiten, aber eine Tatsache ist unbestreitbar, und zwar, dass die Gesetzessammlung von Khammurabi vor etwa viertausend Jahren viele jener Prinzipien der Gerechtigkeit und Barmherzigkeit festschreibt, die wir als besondere Nachkommen unseres aufgeklärten Zeitalters betrachten.

Viele der Gesetze dieses weltberühmten Kodex unterscheiden sich jedoch kaum oder gar nicht von denen, die zur Zeit Urukaginas in Kraft waren, wenn sie nicht sogar systematisiert wurden. Die Gesetze zur Ehe sind fast eine Kopie der Gesetze, die bei den frühen Sumerern galten. Der Vertrag wurde immer noch zwischen dem Freier und dem Vater der zukünftigen Braut geschlossen, dem er normalerweise einen Preis für die Hand seiner Tochter zahlte, wobei der Preis natürlich je nach der Stellung der Beteiligten im Leben variierte. Die dem Vater gegebene Summe gab er oft seiner Tochter, aber wenn aus der Ehe keine Kinder hervorgingen, hatte der Mann Anspruch darauf, den Preis, den er für seine Frau bezahlt hatte, nach ihrem Tod zurückzuerhalten, wenn er ihn nicht zuvor zurückerhalten hatte. Seite 377Der Vater wiederum gab seiner Tochter normalerweise eine Mitgift oder Mitgiftanteil, der nach ihrem Tod an die Familie zurückfiel, falls sie keine Kinder hatte. Die Mitgift bestand oft aus verschiedenen Arten von Besitz, darunter Gold und Silber, Sklaven, Möbel und Kleidung, und scheint im Allgemeinen den vom Ehemann gezahlten Heiratspreis übertroffen zu haben. Wenn aus der Ehe hervorgegangene Kinder die Frau überlebten, wurde ihre Mitgift unter ihnen aufgeteilt. Selbst wenn die Frau geschieden wurde, behielt sie ihren Mitgiftanteil, obwohl dieser im Falle groben moralischen Fehlverhaltens ihrerseits verwirkt war. In den Augen des Gesetzes waren ein verheirateter Mann und eine verheiratete Frau eins, wobei jeder für die Schulden des anderen verantwortlich war, selbst voreheliche Verbindlichkeiten nicht ausgenommen. Aber obwohl der Babylonier zu Khammurabis Zeiten, wie auch zur Zeit Urukaginas, offenbar ein Monogamist war, war es ihm erlaubt, eine Konkubine zu haben, falls seine Frau ihm keinen Erben schenkte, da die Kinder der Konkubine als legitim angesehen wurden und die Konkubine Anspruch auf den Respekt und die Rücksicht hatte, die einer Ehefrau gebührt. Es gibt verschiedene Klauseln im Kodex, die sich mit Sonderfällen befassen, wie etwa der Heirat einer freien Frau mit einem Sklaven oder der Heirat von Anhängern, aber für eine detaillierte Darstellung dieser muss auf die Standardwerke zum Khammurabi-Kodex verwiesen werden, unter denen besonders Harpers Buch „Die Ehe der freien Frau“ erwähnt werden kann. Kodex von Hammurabi181 und Johns Übersetzung des Codes in seinem Babylonische und assyrische Gesetze, Verträge und Briefe.

Wie auch in der früheren Periode waren die Babylonier zur Zeit Khammurabis im Wesentlichen ein Volk von Landwirten. Seit der Zeit Urukaginas hatte sich die Landwirtschaft jedoch enorm entwickelt und das Verhältnis zwischen Grundbesitzer und Pächter sowie zwischen Arbeitgeber und Arbeiter wurde durch eine Reihe von im Gesetzbuch verankerten Gesetzen geregelt und festgelegt.

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Gewöhnliches Ackerland wurde zu einem festen Pachtzins verpachtet, der in Getreide bezahlt wurde, aber der Eigentümer hatte Anspruch auf eine Kaution, und die Nichtzahlung der Pacht war eine gesetzliche Schuld. Das Gesetz enthält zwei Sonderbestimmungen, deren Wirkung es gewesen sein muss, den Pächter dazu zu bringen, die Zahlung seiner Pacht so lange wie möglich hinauszuzögern. Die eine besagte, dass, wenn die Pacht nicht bezahlt worden war oder wenn das Land nach dem Prinzip der Gewinnbeteiligung verliehen worden war und die Ernte durch einen Sturm zerstört wurde, der entstandene Schaden entweder zu gleichen Teilen oder anteilig zwischen Grundbesitzer und Pächter aufgeteilt wurde. Wenn die Pacht hingegen bereits bezahlt worden war, konnte der Pächter keine Entschädigung verlangen. Das System der Gewinnbeteiligung war sehr verbreitet, und in solchen Fällen erhielt der Grundbesitzer im Allgemeinen die Hälfte oder zwei Drittel der Ernte. Doch die Ungleichheiten, die sich aus einem solchen System ergeben sollten, waren offensichtlich, denn obwohl es den Pächter bis zu einem gewissen Grad schützte, ließ es den Vermieter ohne Rechtsmittel, falls sein Pächter ein Faulenzer war, und um für einen solchen Fall vorzusorgen, wurde eine Klausel eingefügt, die besagte, dass der nachlässige Kleinbesitzer eine durchschnittliche Miete „wie seine Nachbarn“ zahlen sollte. Oftmals sicherte sich der Vermieter weiter ab, indem er im Vertrag den Bau eines Häuschens auf dem Grundstück vorschrieb oder darauf bestand, dass der Pächter ein bereits dort errichtetes Häuschen mietete, das nach Beendigung des Pachtvertrags geräumt werden musste.

Der Pächter war befugt, sein Land unterzuvermieten, wobei die Zustimmung des Haupteigentümers offenbar nicht erforderlich war. Der Eigentümer hatte natürlich einen gesetzlichen Anspruch auf die im Vertrag mit seinem unmittelbaren Pächter vereinbarte Miete, aber vorausgesetzt, diese wurde gezahlt und das Land ordnungsgemäß bewirtschaftet, konnte er keine Einwände erheben. Manchmal besorgte der Eigentümer das Saatgut, die notwendigen Werkzeuge und auch die Ochsen und zahlte dem Bauern zusätzlich einen Lohn; in diesem Fall ähnelte der Status des Pächters in gewisser Weise dem eines Gärtners in seinem Häuschen auf einem Landgut heute. Das Saatgut, die Ochsen und alles gehörte seinem Herrn, und die Strafe fürSeite 379jede Unterschlagung desselben seitens des Pächters bedeutete die Amputation seiner Hände. Handelte es sich bei einem solchen Pächter wiederum um einen Schurken, konnte er die Ochsen vermieten, das Futter, das er von seinem Herrn für die besagten Ochsen erhalten hatte, unterschlagen und gleichzeitig keine Ernte einfahren: In diesem Fall musste er eine hohe Geldstrafe zahlen, und wenn er zahlungsunfähig war, wurde er auf dem Feld, das er vernachlässigt hatte, von den Ochsen in Stücke gerissen.

Die Gesetze und Vorschriften, die für die landwirtschaftliche Nutzung galten, galten größtenteils auch für die Verpachtung von Plantagen und Gärten. Dank der außerordentlichen Fruchtbarkeit des babylonischen Bodens wurden die Landbesitzer sehr reich; dennoch hatte der Geldverleiher Kunden. Unvorhergesehene Katastrophen ereigneten sich, die den Landbesitzer lähmten, und ohne den Geldverleiher hätte er die Schwierigkeiten nicht überstehen können. Als Sicherheit für das Darlehen verpfändete er häufig sein Land, aber das Gesetz sah vor, dass er die Ernte jederzeit selbst einfahren und die Schulden und die Ausgaben des Geldverleihers aus den Erträgen begleichen musste. Darüber hinaus war der Geldverleiher gesetzlich verpflichtet, solche Erzeugnisse oder Getreide zur Begleichung der Schulden anzunehmen, und konnte nicht auf Zahlung in Geld bestehen, es sei denn, er hatte, wie es häufig der Fall war, im Vertrag festgelegt, dass das Darlehen in derselben Form zurückzuzahlen sei, in der es erhalten worden war. Als weitere Absicherung für den unglücklichen Geldleiher wurde es verboten, einen Arbeitsochsen zur Pfändung von Miete oder anderen Forderungen zu pfänden. Dies war ein humanes Gesetz, denn die Bewässerung des Bodens sowie das Pflügen der Erde und das Dreschen des Weizens wurden größtenteils von Ochsen erledigt.

Die Gesetze, die die Bewässerung des Landes regelten, waren streng, da die Nachlässigkeit der Beteiligten verheerende Folgen haben konnte. Sobald die Kanäle gebaut waren, war es die Pflicht jedes Grundbesitzers, ob klein oder groß, den Teil des Kanals, der an seinem Land vorbei oder durch es hindurch führte, instand zu halten.Seite 380in gutem Zustand. Wenn der Teil des Kanalufers, für den er verantwortlich war, nachgab und das Wasser dadurch das Land seines Nachbarn überschwemmte, musste er den vollen Schadenersatz zahlen, und wenn er zahlungsunfähig war, konnte sein Land verkauft werden. Er war berechtigt, einen Kanal zu öffnen, um sein Feld zu bewässern, aber wenn das Wasser durch eine Unachtsamkeit oder Fahrlässigkeit seinerseits die angrenzenden Felder überschwemmte, musste er den vollen Schadenersatz zahlen.

Der Lohn, vermutlich der Mindestlohn des Arbeiters, wurde gesetzlich festgelegt, ebenso wie der Mietpreis für Ochsen und Wagen. Der Mieter von Tieren war gesetzlich verpflichtet, sich angemessen um sie zu kümmern, und wenn er dies nicht tat, wurde er bestraft. Wenn jedoch ein Unfall geschah, den der Mieter nicht vorhersehen oder verhindern konnte – wie etwa ein Angriff eines Löwen –, musste der Eigentümer den Verlust tragen. Dies galt auch, wenn die für das Tier verantwortliche Person ein Schafhirte oder Viehhirte im Dienst des Eigentümers war; das Prinzip war in beiden Fällen dasselbe. Vorsätzliche Fahrlässigkeit war nicht zu dulden, andererseits durften die Folgen unvorhergesehener und unvermeidbarer Unfälle weder dem Mieter noch dem Arbeitnehmer auferlegt werden.

Die größere Hälfte der arbeitenden Bevölkerung zu Khammurabis Zeit war wahrscheinlich in der Landwirtschaft tätig, während der Rest im Handel tätig war. Heute hängt die Ausweitung des Handels von der Existenz angemessener Transportmittel ab, mit denen Exporte getätigt und Importe getätigt werden können. Vor der Erfindung und Einführung von Lokomotiven war Wasser das unübertroffene Transportmittel für große Mengen von Gütern von einem Ort zum anderen, und selbst heute, mit unseren verflochtenen Eisenbahnnetzen, finden wir noch immer Verwendung für die Kanäle aus primitiven Zeiten. Zweifellos waren es die beiden Flüsse, der Tigris und der Euphrat, die für die Entwicklung der Handelsfähigkeit der Babylonier verantwortlich waren, eine Fähigkeit, die sie letztendlich zum großen Handelsvolk der orientalischen Welt machte. Wir sind dementsprechend Seite 381Es überrascht nicht, dass die Schifffahrt schon zu Khammurabis Zeiten ein wichtiger Gewerbezweig war. Ein sicheres Indiz dafür sind die zahlreichen Gesetze im Kodex, die sich direkt auf Schiffsbauer und Bootsführer beziehen. Der Schiffsbauer oder vielmehr der Bootsbauer – denn Schiffe im eigentlichen Sinne wurden erst viel später erfunden – war uneingeschränkt für seine Arbeit verantwortlich und musste dem Käufer ein Jahr Garantie geben; wenn sich während dieser Zeit Mängel herausstellten, musste er eine weitere Garantie gewähren. Wie im Fall des Landarbeiters war der angeheuerte Bootsführer für das ihm anvertraute Boot und die Ladung verantwortlich, und jede Nachlässigkeit seinerseits war strafbar. Wenn ein Schiff mit einem anderen vor Anker liegenden Schiff kollidierte, haftete das kollidierende Schiff für alle Schäden.

Geschäfte wurden größtenteils durch Agenten abgewickelt, so wie es bei uns heute der Fall ist. Der Agent stellte eine Quittung für die Waren oder das Geld aus, die er von seinem Chef erhielt, und ging dann los, um mit ihnen Handel zu treiben. Der Agent scheint im Allgemeinen eine normale Provision erhalten zu haben, die er bei seiner Rückkehr mit einem angemessenen Gewinn zurückzahlen sollte, wobei der Gewinn manchmal eine festgesetzte Summe war, manchmal ein vorher vereinbarter Anteil des tatsächlichen Erlöses. Wie in unseren Tagen waren einige Kaufleute Spekulanten, und die Aussichten des Agenten, der zweifellos manchmal gut abschloss, während er bei anderen Gelegenheiten schwer verlor, waren von all der Unsicherheit umgeben, die mit jeder Art von Spekulation einhergeht. Aber jeder Verlust, der aus einem unvorhergesehenen Ereignis resultierte, das der Agent weder vorhersehen noch verhindern konnte, musste vom Kaufmann getragen werden. Wenn also ein Agent auf seinen Reisen ausgeraubt wurde, konnte er sich durch einen entsprechenden Eid von jeglicher Haftung befreien. Aber dieses Gesetz könnte eindeutig zu unehrlichen Praktiken seitens eines unehrlichen Agenten führen; Dementsprechend mussten falsche Ansprüche seinerseits dreifach zurückgezahlt werden, falsche Ansprüche eines Häuptlings hinsichtlich der seinem Agenten anvertrauten Waren mussten jedoch sechsfach zurückgezahlt werden. Seite 382Alle Geschäftstransaktionen mussten schriftlich festgehalten werden, damit sie rechtsgültig waren.

Die offensichtlichen Vorteile einer Partnerschaft wurden von den kaufmännisch versierten Babyloniern bald erkannt, und Geschäftspartnerschaften waren zur Zeit Khammurabis wohlbekannt. Bei der Festlegung der Dividenden sah die übliche Regelung vor, dass die Partner ihr Kapital und ihre Zinsen abzogen und dann gleiche Anteile der überschüssigen Gewinne erhielten. Die Dividenden wurden jährlich ausgezahlt, und die Abhebung des Kapitals durch jeden Partner löste die Partnerschaft praktisch auf, die natürlich von Zeit zu Zeit erneuert werden konnte, falls gewünscht.

Wie bei allen kommerziellen Unternehmungen war Kapital das Wichtigste, und der Bedarf an sofortigem Bargeld wurde vom Geldverleiher gedeckt. Der Zinssatz, der zu Khammurabis Zeiten berechnet wurde, ist nicht bekannt, aber der Zinssatz für Getreidedarlehen betrug oft bis zu 40 Prozent. Solche Darlehen waren jedoch im Allgemeinen zur Saatzeit gefragt, und wenn sie zur Ernte zurückgezahlt wurden, wurden anscheinend keine Zinsen berechnet. Ein Schuldner konnte sein Darlehen entweder in Form von Getreide oder Sesam zurückzahlen, und der Wert beider war gesetzlich festgelegt. Wenn ein Schuldner zahlungsunfähig war, konnte er seinem Gläubiger einen Diener übergeben, um die fälligen Schulden abzuarbeiten. Das Eigentum an einem solchen Diener blieb jedoch weiterhin beim Schuldner, und der Diener war gesetzlich vor Misshandlungen durch den Gläubiger geschützt. Wenn er ein freier Mann war, musste der Gläubiger ihn nach Ablauf von drei Jahren seinem ursprünglichen Herrn zurückgeben, und dieselbe Regel galt, wenn eine Frau oder ein Kind des Schuldners als Pfand oder Bürge fungierte.

Pfändungen waren nicht unbekannt, aber sie waren das letzte Mittel, das der Gläubiger ergreifen durfte, nachdem alle anderen Mittel gescheitert waren. Pfändungen von Getreide ohne vorherige Zustimmung des Schuldners waren illegal, und illegale Pfändungen ipso facto das Recht des Gläubigers auf weitere Ansprüche verwirkt, während die Vollstreckung einer Pfändung ohne begründeten Anspruch strafbar ist, Seite 383und der theoretische Gläubiger musste eine Geldstrafe zahlen. Wie bereits erwähnt, durfte kein Arbeitsochse gepfändet werden, und tatsächlich konnte offenbar eine Pfändung jeglicher Art nur mit Zustimmung des Schuldners erfolgen. Kurz gesagt, die Interessen der bescheideneren und ärmeren Mitglieder der Gemeinschaft wurden auf jede erdenkliche Weise geschützt. Nicht nur die Kleinbauern wurden geschützt, sondern auch die Arbeiterklasse erhielt die Aufmerksamkeit der Gesetzgeber zu Khammurabis Zeit. So gab es zur Erntezeit offensichtlich eine Tendenz, den Bierpreis zu erhöhen, und dementsprechend wurde in einer Klausel des Gesetzes festgelegt, dass Getränke trotz der gestiegenen Nachfrage billig verkauft werden sollten.

Außerdem ist praktisch jeder in der Gemeinde dem Hausbauer ausgeliefert, und dementsprechend muss jeder Schaden, der durch die Verwendung fehlerhafter Materialien oder schlechte Verarbeitung verursacht wurde, vom Bauunternehmer ersetzt werden. Wenn das Haus einstürzte und der Eigentümer starb, wurde der Bauunternehmer hingerichtet, und wenn der Sohn oder Diener des Eigentümers getötet wurde, wurde der Sohn oder Diener des Bauunternehmers in Übereinstimmung mit dem primitiven Gesetz der Vergeltung ebenfalls hingerichtet. Das Hausrecht in der Zeit von Khammurabi basierte im Allgemeinen auf dem Reparaturpachtsystem, wobei der Mieter das Haus in demselben Zustand hinterlassen musste, in dem er es vorgefunden hatte, während es üblich war, die Miete halbjährlich statt vierteljährlich zu zahlen, wobei die Miete im Voraus zu entrichten war.

Die endgültige Sanktionierung und Durchsetzung dieser verschiedenen Gesetze bezüglich der Beziehung zwischen Kapitalist und Arbeiter, Eigentümer und Mieter sowie Vermieter und Mieter war in den Gerichten zu finden. Seltsamerweise war der Hauptschauplatz der Rechtsprechung der Tempel, wo Gott selbst durch die Vermittlung seiner irdischen Bevollmächtigten Recht sprach. Die genaue Form des Rechtsverfahrens zur Zeit Khammurabis ist nicht bekannt, aber bestimmte Fakten in Bezug auf die Einleitung und Durchführung von Gerichtsverfahren wurden aufgeklärt.

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Ein großer Unterschied zwischen den Gerichtsverfahren zur Zeit Khammurabis und denen unserer Tage bestand darin, dass die Fälle offenbar nicht von Anwälten, sondern von den Parteien selbst geführt wurden, eine Regelung, die dem fähigeren der beiden Kläger erheblich zugute gekommen sein muss. Die wichtigeren Fälle wurden von einem Richtergremium verhandelt, das unserem Berufungsgericht ähnelte, während die kleineren Fälle von einem einzelnen Richter verhandelt wurden, wie an unseren Ober- und Bezirksgerichten. Das Plädoyer musste schriftlich in Form einer „eidesstattlichen Erklärung“ niedergelegt werden; ob der Angeklagte eine Gegeneidesstattliche Erklärung einreichen konnte, scheint nicht ganz klar zu sein. Bei der Verhandlung selbst luden sowohl der Kläger als auch der Angeklagte ihre Zeugen vor, und das Urteil wurde von beiden Parteien unterzeichnet. Die Berufung an ein höheres Gericht war das einzige Rechtsmittel für den Verlierer des Verfahrens, da der Richter des unteren Gerichts denselben Fall nicht ein zweites Mal verhandeln durfte, da er sonst von der Liste gestrichen und gleichzeitig mit dem Zwölffachen der zuvor verhängten Geldstrafe oder des von ihm festgestellten Schadens belegt werden musste.

Der Termin der Verhandlung wurde vom Richter festgelegt, musste jedoch innerhalb von sechs Monaten nach Einreichung der eidesstattlichen Erklärung liegen. Diese Zeit wurde gewährt, damit der Kläger seine Zeugen beschaffen konnte, falls diese nicht zu Hause waren. Die Ernennung der Richter, oder zumindest einiger von ihnen, lag in den Händen der Krone; ob sie bezahlt wurden oder nicht, ist fraglich. Manchmal waren Richterämter erblich. Aber ob Richter nun Honorare erhielten oder nicht, sie scheinen als Berufsleute angesehen worden zu sein und behielten ihren Titel, auch nachdem sie ihre richterlichen Funktionen nicht mehr ausübten. Der oberste Richter war der König selbst, an den gelegentlich Fälle von höchster Wichtigkeit verwiesen wurden, während die wichtigsten Staatsbeamten oft als Richter fungierten.

Die folgenden Verbrechen waren Kapitalverbrechen, obwohl die genaue Form der Todesstrafe Seite 385ausgeführt werden, ist nicht immer ganz klar: – eine falsche Anschuldigung der Hexerei; Meineid eines Zeugen in einem Kapitalverbrechen; Einbruch in einen Tempel, Palast oder ein Privathaus; Entführung eines frei geborenen Kindes; Straßenraub; Diebstahl der Güter eines Mannes, dessen Haus brennt; Ehebruch; verschiedene Formen von Inzest; Vergewaltigung einer verlobten Jungfrau; einen Sklaven dazu zu überreden, vor seinem Herrn zu fliehen, oder Mittäterschaft bei der Tat durch Beherbergung; verschiedene Formen von Diebstahl und Betrug; und der Bau eines Hauses, das so schlecht war, dass es einstürzte und dabei den Besitzer tötete. Die Todesstrafe scheint entweder durch Verbrennen, Aufspießen, Zerstückelung oder Ertränken verhängt worden zu sein.

Straftaten von weniger schwerwiegender Art wurden anders behandelt. Unter den im Gesetzbuch aufgeführten Strafen sind Verstümmelung, Brandmarkung und Geißelung die barbarischsten. Verstümmelung war eine Strafe, die logisch auf dem Prinzip „Auge um Auge“ und „Zahn um Zahn“ beruhte und in erster Linie auf diejenigen angewendet wurde, die ihren Nächsten verstümmelt hatten. Ihre Anwendung wurde jedoch auf andere Formen von Verbrechen oder Straftaten ausgedehnt, die damals als Verbrechen gewertet wurden. So wurde Unverschämtheit eines Adoptivkindes gegenüber seinen Pflegeeltern wirksam dadurch unterbunden, dass dem Kind die Zunge entfernt wurde; während einem Adoptivsohn, der übermäßig neugierig auf seinen Geburtsort war, das Auge ausgestochen wurde; und schließlich – und das erscheint uns vielleicht am erstaunlichsten von allem – wurden, wenn ein Chirurg eine Operation durchführte und der Patient aufgrund von Nachlässigkeit oder mangelndem Geschick starb, dem Chirurgen die Hände amputiert – ein Gesetz, das den Eifer der Chirurgen jener Tage, die besonders dem Gebrauch des Messers verfallen waren, erheblich gedämpft haben muss. Das Brandmarken war das äußere und sichtbare Zeichen (normalerweise auf dem Arm eingeprägt) der Degradierung zur Sklaverei, die Strafe für die Verleumdung eines Anhängers oder einer verheirateten Frau. Die Geißelung war die Strafe für das Schlagen eines Vorgesetzten; die Geißelung sollte in Seite 386Die Schläge wurden öffentlich ausgeführt, die Zahl betrug sechzig, und als Todesstrafe wurde eine Peitsche aus Kuhhaut verwendet. Die Verbannung aus der Stadt war die angemessene und gerechte Strafe für Inzest.

2. RELIGION

Das herausragendste Merkmal der babylonischen Religion zu Khammurabis Zeit war die einzigartige Stellung, die Marduk im babylonischen Pantheon zukam. Marduk verdankte seine Erhöhung dem, was wir ohne unangemessene Leichtfertigkeit als lokales Interesse bezeichnen können. Die Dynastie, deren berühmter Monarch Khammurabi war, war die erste Dynastie der Stadt Babylon selbst; und Marduk, der lokale Gott Babylons, hatte natürlich Anteil am Glück und Wohlstand des Volkes, über dessen Wohlergehen er wacht. Marduk gebührte der wahre Verdienst, die Ehre und der Ruhm des Erfolgs seines Volkes. Kein Wunder also, dass ihm dieser Ehrenposten in der himmlischen Hierarchie zuerkannt wurde! Es gab zwar noch andere Götter, und ihnen wurde die ihrer untergeordneten Stellung angemessene Aufmerksamkeit zuteil, doch verglichen mit dem blendenden Glanz der Mittagssonne war ihr Licht wie das eines Planeten. Zudem entstand eine monotheistische Tendenz, genährt von dem Wunsch, Marduk solch wunderbare Leistungen wie die Erschaffung der Welt zuzuschreiben, Leistungen, die bis dahin den älteren Göttern Südmesopotamiens zugeschrieben worden waren.

Doch Ehrfurcht und Respekt vor den Traditionen einer heroischen Vergangenheit schlossen es aus, die Götter zu entehren, die diese Vergangenheit so glorreich gemacht hatten. Die einzige Möglichkeit, einerseits die religiösen Bestrebungen der Anhänger Marduks zu befriedigen und andererseits die den altehrwürdigen Göttern der babylonischen Kindheit gebührende Loyalität aufrechtzuerhalten, bestand darin, die letzteren mit Marduk zu identifizieren. Wäre dieser Identifizierungsprozess zu seinem logischen Ende geführt worden, hätte dies zur Entwicklung eines Monotheismus geführt, der so exklusiv und einfach wäre wie der dogmatischste Unitarismus von heute.

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Glücklicherweise oder unglücklicherweise war dies nicht der Fall; die praktische Folge der Tendenz wurde in der Identifizierung von Marduk mit dem alten Gott von Nippur verwirklicht, aber abgesehen davon blieb die Tendenz eine Tendenz und nichts weiter. Ungeachtet dieser Tatsache war Marduks Vorherrschaft jedoch so fest etabliert und seine Position so uneinnehmbar gesichert, dass die vorübergehenden Veränderungen und Zufälle von etwa zweitausend Jahren ihn nicht von seinem hohen Stand verdrängen konnten, und es ist Marduk, dem Cyrus, der Bezwinger des letzten einheimischen Königs von Babylon und der schicksalhafte Erbe ihres vergänglichen Reiches, den triumphalen Sieg zuschrieb, der seine Waffen begleitete. Er hielt die Anerkennung seiner Verpflichtungen gegenüber dem Herrn von E-sagil auf einem Tonzylinder fest, der heute im Britischen Museum aufbewahrt wird.

Die Inschrift ist in Keilschrift verfasst und besagt, dass Marduk „einen rechtschaffenen Prinzen suchte, einen Mann nach seinem Herzen, den er an die Hand nehmen konnte, und er nannte ihn Cyrus. Und Marduk, der große Herr, der Beschützer seines Volkes, sah seine guten Taten und sein rechtschaffenes Herz mit Freude.“ So war 1500 Jahre nach der Zeit von Khammurabi der Kult um Marduk immer noch eng mit dem Wohlstand seines Volkes verbunden, und aufgrund der Vernachlässigung seiner Verehrung und der schlechten Erhaltung seiner Tempel konnte Nabonid, der letzte König der neubabylonischen Dynastie, den Angriffen eines ausländischen Eroberers nicht standhalten.

Obwohl Marduk der oberste Gott Babylons war, zu dessen Schrein alle wahren Patrioten zu pilgern pflegten, waren andere Götter immer noch Gegenstand der Verehrung, und es wurde immer noch für klug gehalten, ihre Gunst und Hilfe zu suchen. Die Sonne verfolgte weiterhin ihren gleichmäßigen Weg, und schließlich ist die Sonne ein wichtiger Faktor in den vielfältigen Vorgängen der Landwirtschaft. Daher ist es die Pflicht des Menschen, einem Gott seinen Respekt zu erweisen, dessen bloße momentane Abwesenheit hinter einer Wolke des Missfallens Seite 388so bedeutsame Folgen haben. Unter den anderen Gottheiten, die zu dieser Zeit verehrt wurden, sind Ishtar, die Mutter der Götter und die Göttin der Liebe und des Krieges, Anu, der Herr des Himmels, und Ea, der Gott der Tiefe, Sin, der Mondgott und besondere Schutzpatron der Menschen von Ur, Ninib, der Gott des Krieges, und Adad, der Wettergott, zu nennen.182

Die große religiöse Bewegung, die die Gründung der ersten Dynastie Babylons kennzeichnete, brachte natürlich alle Utensilien mit sich, die eine hochorganisierte Staatsreligion erforderte und mit ihr einherging. Die Priesterschaft wurde zu einer Macht und die Tempel zu Handelszentren und Lehrstätten. Die Einnahmen des Tempels waren sehr hoch; ihre Hauptquelle scheinen die Stiftungen und königlichen Gaben der Könige gewesen zu sein. Wie in früheren Zeiten besaß er eine große Anzahl von Rindern und Schafen, und die Verwaltung seines Eigentums scheint Khammurabi erhebliche Sorgen bereitet zu haben. Sehr viele Priester und Laien waren dem Dienst des Tempels zugeteilt, und der geistliche Arbeiter jener Tage scheint einen insgesamt exorbitanten Lohn verdient zu haben. Es war offensichtlich ein äußerst profitables Geschäft, und das Privileg, im Tempel zu dienen, war ein positives Vermögen, das gekauft, verkauft oder verpfändet werden konnte. Dieses wertvolle Privileg, das solche finanziellen Vorteile mit sich brachte, wurde natürlich von den Auserwählten, die fest am Erbprinzip festhielten – das damals in vollem Gange war –, sehr eifersüchtig gehütet. Tatsächlich waren diese Privilegien unveräußerlich und wurden vom Vater auf den Sohn übertragen.

Der finanzielle Wohlstand des Tempels und seiner Attachés zeigt sich darin, dass sie ihre Türen für reine und einfache Finanzgeschäfte öffneten, wobei das Geldverleihen mit der Zeit zu einem ziemlich wichtigen Zweig der Tempelarbeit wurde. Die Kredite scheinen jedoch im Allgemeinen zinslose Kredite gewesen zu sein, für die keine Zinsen verlangt wurden.

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Doch der Tempel hatte nicht nur seine Privilegien zu genießen, sondern auch seine Pflichten zu erfüllen. Zu den Pflichten der Tempelbehörden gehörte beispielsweise die Freilassung eines Mitbürgers, der vom Feind gefangen genommen worden war.

(C) DIE ASSYRISCHE ÄRA

1. Zustand der Gesellschaft

In der assyrischen Zeit scheinen die gleichen expliziten oder impliziten Regelungen in Bezug auf die Familie in Kraft gewesen zu sein oder stillschweigend vereinbart worden zu sein wie in der älteren babylonischen Zeit. Offenbar wurde von einem Mann im Normalfall nur erwartet, eine Frau zu heiraten, obwohl es wahrscheinlich ist, dass es für den Fall, dass die erste Frau kinderlos blieb, als durchaus gerechtfertigt und legitim angesehen wurde, dass ein Mann sich eine weitere Frau nahm, da er einen Erben haben wollte.183 Dementsprechend scheint Monogamie die allgemeine Regel gewesen zu sein, obwohl Polygamie keineswegs unbekannt war. Wenn ein Mann heiratete, verließ er Vater und Mutter und es wurde erwartet, dass er seiner Frau „anhangte“, und sie wurden „ein Fleisch“ und bewohnten „ein Haus“; kurz gesagt, das assyrische „Zuhause“ war normalerweise dasselbe wie das englische „Zuhause“ von heute. Wie zur Zeit Khammurabis konnten Frauen rechtmäßige Eigentümerinnen von Eigentum sein und besaßen oft Bauernhöfe und Weinberge.

Die allgemeinen Beschäftigungen der Menschen waren weitgehend dieselben wie die der früheren Bewohner Mesopotamiens. Die Bevölkerung war wie damals größtenteils landwirtschaftlich geprägt; das Land erforderte die gleiche sorgfältige und aufwändige Bewässerung, während der Boden gepflügt, die Saat gesät und die Ernte wie bisher eingebracht werden musste. Ein Getreideanbaubetrieb184 hatte normalerweise ein Haus daran angeschlossen, und auch einen Hof, in dem das Getreide gelagert wurde, der somit den Zweck einer Scheune erfüllte, wenn auch nicht dem Aussehen nach. Eine große Anzahl von Menschen war offensichtlich in Seite 390die Weinberge, die manchmal sehr ausgedehnt gewesen sein müssen, denn die Zahl der Pflanzen in einem einzigen Weinberg betrug in einem Fall bis zu 49,300, und es ist eine bedeutsame Tatsache, dass die berühmtesten Weine in Babylonien aus dem Norden kamen, während es auch bemerkenswert ist, wie häufig die Rebe auf assyrischen Flachreliefs vorkommt. Obstgärten und Gärten gab es ebenfalls in Hülle und Fülle, obwohl das, was in ihnen wuchs, bis zu einem gewissen Grad eine Frage der Vermutung ist; wenn wir jedoch davon ausgehen können, dass die Liste der Pflanzen, die in den babylonischen Garten-Tabletherausgegeben von Meissner, gilt auch für den assyrischen Garten, Lauch, Zwiebeln, Knoblauch, Salat, Koriander, Ysop, Steckrüben, Kohl und Rettich müssen bekannte Gartenprodukte gewesen sein.

Rinder und Schafe wurden wie in alten Zeiten gezüchtet, letztere sowohl für ihre Wolle als auch als Nahrungsmittel, während Ziegen Milch, Fleisch und Haare lieferten. Ziegenhaar wird im Osten auch heute noch für Zeltplanen verwendet. Ochsen wurden hauptsächlich für die Bewässerungsmaschinen eingesetzt, während Esel ebenfalls als Arbeitstiere dienten. Das Kamel war nicht unbekannt und wird oft im Zusammenhang mit dem Verkauf von Ländereien erwähnt. Das Pferd war zu dieser Zeit weit verbreitet, wurde aber anscheinend nur zum Reiten und Fahren verwendet.

Die Rechtsinstrumente der assyrischen Zeit waren die natürliche Weiterentwicklung des babylonischen Gesetzes, dessen Ableger sie waren. Beim Landbesitz scheint das Erbprinzip der dominierende Faktor gewesen zu sein, und wahrscheinlich gingen Bauernhöfe und Weinberge automatisch vom Vater auf den Sohn über, genau wie Kronländereien und größere Ländereien. Der Bauer war immer noch ein Leibeigener, der mit dem Land gekauft oder verkauft wurde, an das ihn das Schicksal gebunden hatte; er durfte nicht woanders hinziehen, stand aber andererseits unter dem Schutz des Staates; er konnte nicht von Eindringlingen vertrieben werden, und sein Lebensunterhalt war eine vorrangige Belastung des Gutes. Es ist sicher, dass Sklaven des Gutes manchmal beschlagnahmt wurden Seite 391für militärische oder andere staatliche Zwecke, wobei der Eigentümer natürlich gezwungen war, die Nachfrage zu befriedigen, während die Erträge seines Landes ebenfalls der Besteuerung unterlagen. Einige Güter waren jedoch von Abgaben dieser Art befreit, wobei die Befreiung zweifellos durch die königliche Gunst gewährt und durch eine königliche Charta bestätigt wurde.

Unter den kleineren Landbesitzern finden wir eine Reihe von Bauern oder Weinbauern, die ihre geschäftlichen oder industriellen Tätigkeiten aufgegeben und ihre Bäckerei oder Schreibstube verlassen haben, um zur Landwirtschaft zurückzukehren.

Der Grundbesitzer wohnte oft nicht auf seinem Land, sondern verpachtete es an Pächter, von denen er erwartete, dass sie zu gegebener Zeit Pacht zahlten. Der ursprüngliche Landbesitz war zweifellos größtenteils, wenn nicht sogar vollständig, ein Geschenk des Königs, während ihm durch Eroberungen immer wieder neue Landstriche zufielen. Wahrscheinlich wurde ein Teil des neu erworbenen Besitzes dazu verwendet, die Kronländereien zu vergrößern, während der Rest oder ein Teil davon unter den Ministern, Generälen und anderen Günstlingen des Königs verteilt wurde.

2. RELIGION

Die assyrische Religion war sowohl ihrem Ursprung als auch ihrem Charakter nach babylonisch. Anu, Bel und Ea, Marduk, Nergal, Adad, Shamash und Sin, Nanâ und Ishtar wurden alle hochgeschätzt und Tempel wurden ihnen zu Ehren errichtet. Die Vorherrschaft Assyriens und der damit einhergehende Rückgang der babylonischen Macht hatten kaum Auswirkungen auf die Autorität und den Einfluss der altehrwürdigen Götter des babylonischen Pantheons. Aber die neue politische Situation erforderte eine gewisse Anerkennung im religiösen Leben der Nation, und die Erfordernisse der Gegenwart verlangten ebenso wie die geheiligten Traditionen der Vergangenheit eine gewisse Berücksichtigung. Diese beiden widerstreitenden Interessen mussten in Einklang gebracht werden, und die Versöhnung wurde erreicht und ein Ausweg gefunden, der dem ähnelte, den die früheren Babylonier wählten, als sie mit einem ähnlichen Dilemma konfrontiert wurden. Der lokale Gott Ashur wurde an die erste Stelle des Pantheons erhoben und wurde Seite 392sozusagen der Marduk von Assyrien, obwohl seine Position noch unangreifbarer war als die von Marduk in Babylon, denn letzterer185 war verpflichtet, Ea als seinen Vater anzuerkennen, während Assur über allen Bindungen dieser Art steht; er erkennt zwar das babylonisch-assyrische Pantheon an, doch berührt dies in keiner Weise seinen erhabenen Stand.

Der Kult des Gottes Assur geht auf die früheste bekannte Periode der assyrischen Zivilisation zurück, während er der ersten bekannten Hauptstadt des Landes und schließlich dem Land selbst seinen Namen gab. Assur ist die göttliche Verkörperung Assyriens, wie Marduk die von Babylonien war, nur war die Identifikation ausgeprägter, denn der Niedergang der assyrischen Macht und der Tod ihres Reiches bedeuteten praktisch den Tod Assurs, während Marduk seinen Einfluss sowohl während der Zeit der Not Babylons als auch während der Zeit seines Wohlstands aufrechterhielt; ausländische Eroberer versuchten, ihm Ehre zu erweisen, Kyros der Perser schreibt seine Eroberung Babylons dem Herrn von E-sagil zu, und sogar Antiochus Soter (280-260 bc) stellt seinen berühmten Tempel wieder her. Aber es gibt noch einen weiteren Unterschied zwischen dem Ashur-Kult des Nordens und dem Marduk-Kult des Südens. Ashur wurde in Tempeln verehrt, die überall im Assyrischen Reich errichtet wurden, während Babylon der Ort war, „wo die Menschen Marduk verehren sollten“, so wie in späteren Zeiten Jerusalem das einzige autorisierte Zentrum für die Anbetung Jehovas war. Aber trotz seiner universellen Präsenz hatte Ashur einen Hauptsitz der Anbetung, dessen Standort derselbe war wie der des damaligen Zentrums und der Hauptstadt des Reiches, Ashur, Kalah, Ninive oder Chorsabad, je nachdem.

Die Anpassungsfähigkeit, die Ashur in Bezug auf seine irdische Heimat zeigte, könnte, wie Jastrow vermutet, teilweise auf die Tatsache zurückzuführen sein, dass eine Statue nicht das einzige oder sogar das wichtigste Symbol seiner göttlichen Präsenz war, wie dies bei Seite 393Marduk und die anderen großen Götter. Sein übliches Emblem war eine Standarte, bestehend aus einer Stange, umgeben von einer geflügelten Scheibe, an der ein Bogenschütze mit gespanntem Bogen befestigt war. Es ist unmöglich, den genauen Zeitpunkt zu sagen, wann eine militärische Standarte als natürliches und passendes Symbol des Schutzgottes des Landes angesehen wurde, aber die Art des Symbols selbst macht ganz klar, dass Ashur als Kriegsgott angesehen wurde. Tatsächlich konnte die Schutzgottheit eines so kriegerischen Volkes wie der Assyrer nur den militärischen Geist seines Volkes widerspiegeln. Die assyrischen Krieger waren die „Truppen Ashurs“, ihre Feinde waren seine Feinde und ihre Freunde seine Freunde. Ashurs Gemahlin war B[=e]lit (== „die Dame“), aber dieselbe Göttin erscheint manchmal als Gemahlin von Bel186 und manchmal auch als Frau von Ea in den assyrischen Inschriften, während B[=e]lit zu anderen Zeiten nur eine Bezeichnung für Ishtar ist. Die letztgenannte Göttin nimmt im assyrischen Pantheon einen sehr prominenten Platz ein und kommt nur an zweiter Stelle nach Ashur selbst. Es gab in der Tat nicht weniger als drei Ishtars in Assyrien – Ishtar von Ninive, Ishtar von Arbela und Ishtar von Kidmuru, aber die Assyrer scheinen keine klare Unterscheidung zwischen ihnen beibehalten zu haben, so dass wir in diesem Zusammenhang praktisch nur eine Göttin berücksichtigen müssen.

Es ist kaum verwunderlich, dass Ishtar, die Göttin des Krieges wie auch der Liebe, von den Assyrern hoch verehrt wurde, die ihre kriegerischen Eigenschaften nicht unnatürlich betonten. Aber die Assyrer waren nicht für den Ursprung von Ishtars kriegerischem Charakter verantwortlich; sie wurde zumindest schon zur Zeit von Khammurabi in diesem Licht betrachtet,187 während ihr Kampfgeist im frühen Gilgamesch-Epos stark dargestellt wird, blieb es den Assyrern überlassen, diesen Aspekt ihres Charakters zu entwickeln und dabei alle anderen Aspekte praktisch auszuschließen. Als die Assyrer ihren Einfluss nach allen Seiten ausdehnten, wurde die Macht Ishtar’s, der B[=e]lit, oder „Dame“ der Schlachten, Seite 394auch fortgeschritten; sie ist die Göttin der Könige und des Volkes gleichermaßen; in Zeiten der Gefahr gewährt sie dem König durch Träume ihren Rat und ihre rechtzeitigen Worte der Ermutigung. Sie ist „vollkommen im Mut“ und unvergleichlich in ihrer Pracht; ihr Aussehen ist wie Feuerflammen, und sie lässt Feuerströme auf die Feinde von Ashur-bani-pal regnen. Anders als andere Göttinnen regiert sie aus eigenem Recht und nicht kraft ihrer Stellung als Gemahlin, Gegenstück oder Spiegelbild eines der wichtigen Götter. Sie ist ihnen in Rang, Macht und Würde ebenbürtig, während ihr Name fast zu einem Synonym für „Göttin“ wird und in späteren Zeiten alle Göttinnen, ob einheimisch oder fremd, als ebenso viele Formen oder Erscheinungsformen von Ishtar angesehen wurden.

Aber abgesehen von der Verehrung der kriegerischen Götter Babyloniens und der Weiterentwicklung des militärischen Charakters, den sie bereits trugen, unterscheidet sich die assyrische Religion nur wenig von der des Mutterlandes. Die Zivilisation und Kultur der Assyrer wurde importiert im Block aus Babylonien, und diese umfassende Übernahme der Sitten und Gebräuche der Menschen des Südens zeigt sich in der assyrischen Kunst, Religion, Gesetzgebung und Architektur. Ihre Tempel und Paläste waren mehr oder weniger getreue Kopien der in Babylonien errichteten; ihre Glaubensvorstellungen, Riten und Zeremonien stammten aus derselben Quelle, während ihre Literatur kaum Originalität aufweist. Als Ashur-bani-pal beschloss, in seinem königlichen Palast in Ninive eine Bibliothek zusammenzustellen, war er gezwungen, seine Schreiber in den Süden zu schicken, um in den Archiven der alten Tempel zu suchen, die die an die Götter gerichteten Gebete und Hymnen, die Legenden und Epen der fernen Vergangenheit, die astronomischen Berichte und medizinischen Formeln der unmittelbaren Gegenwart enthielten. Ein großer Teil von Ashur-bani-pals Bibliothek bestand aus praktisch wortgetreuen Kopien dieser Originaltexte, aber was wir Ashur-bani-pals bibliographischen Neigungen zu verdanken haben, darf nicht an der Originalität der Seite 395Bände seiner Bibliothek, sondern durch den großen Beitrag, den sie zur babylonischen und assyrischen Literatur leisten, die uns heute zur Verfügung steht. In sehr vielen Fällen wurden die babylonischen Originale nicht wiedergefunden, und wir sind ganz auf die Kopien der Schreiber von Ashur-bani-pal angewiesen, und ohne die Beharrlichkeit dieses großen Königs in dieser Hinsicht wären wir in völliger Unkenntnis über den Inhalt eines großen Teils der babylonisch-assyrischen Literatur.

(D) BABYLONISCHE UND ASSYRISCHE SYMBOLIK

In allen Religionen, ob alt oder neu, bildet die materielle Darstellung das Bindeglied zwischen dem Natürlichen und dem Übernatürlichen, dem Physischen und dem Geistigen. Das Medium nimmt manchmal die Form eines Bildes einer natürlich oder unnatürlich empfangenen Gottheit an, manchmal die Form eines Emblems, astronomischer oder anderer Art, mit dem der Gott in Verbindung gebracht wird. Wir haben zahlreiche Beweise für die herausragende Rolle von Bildern in der Anbetung der Babylonier und Assyrer, und es ist vielleicht nicht unpassend, zwei oder drei Seiten einer kurzen Betrachtung einiger Embleme der erwähnten Gottheiten zu widmen.

Die wichtigsten Quellen für das Studium der assyrischen und babylonischen Symbolik sind die Rollsiegel, die babylonischen Grenzsteine ​​und die Monolithen der assyrischen Könige. Bei einer kurzen Betrachtung der mesopotamischen Rollsiegel hatten wir Gelegenheit, das häufige Vorkommen von Emblemen zu beobachten, von denen viele auch auf den Monolithen der assyrischen Könige zu finden sind, z. B. Sargon, Sanherib und Asarhaddon. Unter denen, deren Bedeutung sicher ist, können wir die Mondsichel erwähnen, die offensichtlich den Mondgott Sin symbolisiert, und den Stern von Ishtar, während die mit Blitzen bewaffnete Gottheit sicherlich Adad ist. Die geflügelte Scheibe, die auf einer Stele von Asarhaddon sowie auf anderen assyrischen Monumenten vorkommt, ist eindeutig ein Symbol für Ashur, obwohl sie in früheren Zeiten Seite 396symbolisierte offenbar Schamasch, den Sonnengott,188 und wenn dies der Fall ist, verfügen wir über ein nützliches Beweisstück zur Unterstützung der Theorie eines solaren Ursprungs von Ashur.

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Abb.. 113.Abb.. 114.

Aber die Babylonier kudurrus oder Grenzsteine ​​liefern weitaus mehr Material für das Studium der babylonischen Symbolik als die assyrischen Königsskulpturen, denn die Embleme der Götter sowie die Götter selbst wurden zum größten Teil aus Babylonien übernommen und mit Variationen von den Völkern des Nordens übernommen. Die Embleme, die sporadisch auf den babylonischen Rollsiegeln verstreut sind, finden wir in mehr oder weniger großen Gruppen auf den Grenzsteinen gesammelt. Auf einem dieser Grenzsteine ​​(vgl. Abb. 113) der Name des Gottes, mit dem das Emblem in Verbindung gebracht wird, ist an der Seite eingraviert, wodurch wir konkrete Daten statt hypothetischer Vermutungen erhalten, auf denen wir unsere Untersuchung aufbauen können. Leider sind alle auf diesem Kudurru eingravierten Namen nicht lesbar, aber unter den sicheren Namen sind die folgenden hervorzuheben: Shamash, der Sonnengott, der durch einen Kreis dargestellt wird, in dem sich vier Lichtstrahlen mit vier Wasserströmen abwechseln. Ishtar wird durch einen Stern dargestellt und Sin, der Mondgott, wie üblich durch eine Mondsichel. Ea wird durch einen Widderkopf auf einer Säule symbolisiert, wobei die Säule auf einem rechteckigen Thron steht, unter dem der fischschwanzförmige Steinbock liegt. Marduk wird ebenfalls durch eine Säule dargestellt, deren Spitze jedoch Seite 397hat die Form einer Lanze. Nergal, der Gott der Toten, wird durch eine löwenköpfige Säule symbolisiert, während die sitzende Göttin Gula ist, die mit Bau identifiziert wurde.

Ein weiteres wichtiges Denkmal in diesem Zusammenhang ist das Felsrelief von Sanherib bei Bavian (vgl. Abb.). 114). Die Inschrift erwähnt zwölf Götter, und dieselbe Anzahl von Emblemen, die vermutlich den zwölf Göttern entsprechen, sind in den Felsen gemeißelt. Aber der wichtige Punkt ist, dass nicht nur die Anzahl der abgebildeten Embleme mit der Anzahl der erwähnten Götter übereinstimmt, sondern dass es auch eindeutige Hinweise darauf gibt, dass die Reihenfolge in beiden Fällen dieselbe ist.189 So erscheint die Mondsichel, die offensichtlich den Mondgott symbolisiert, an fünfter Stelle, denselben Platz, den Sin in der Namensliste einnimmt. Der Stern, das unbestrittene Wahrzeichen Ishtars, kommt ebenfalls an elfter Stelle, und der Name der Göttin steht ebenfalls an elfter Stelle in der Liste. Der Blitz schließlich, das sichere Symbol Adads, steht an siebter Stelle und entspricht dem Platz, den der Gott in der Inschrift einnimmt. Diese drei Übereinstimmungen können kaum als zufällig angesehen werden, und es ist vernünftig, die verbleibenden Symbole den entsprechenden Göttern in der Liste zuzuordnen. Wenn wir dieser Methode folgen, können wir die Embleme vorläufig wie folgt zuordnen: Ashur, Anu und Bel werden durch gehörnte Hüte dargestellt; Ea durch eine Säule mit einem Widderkopf; Sin durch eine Mondsichel; Shamash durch eine geflügelte Scheibe; Adad durch einen Blitz; Marduk durch eine Säule mit einem Ananasende; Nabû durch eine einfache Säule; Ninib (?) durch eine Säule mit zwei Löwenköpfen (oder zwei Stierköpfen), Ishtar durch einen Stern und Igigi durch sieben Punkte.

Das wohl schönste Exemplar einer babylonischen Stele dieser Art ist die von Nebukadnezar I. (Umlauf 1120 BC) (vgl. Abb. 115). Im oberen Register haben wir die Mondsichel, die Scheibe und den Stern von Sin, Shamash und Ishtar, während das zweite Register mit einer Reihe von drei Emblemen besetzt ist, die jeweils aus einem göttlichen Sitz bestehen Seite 398darüber ein gehörnter Turban. Letztere stellen offenbar Anu, Bel und entweder Ashur oder Ea dar.190 Als nächstes in der Folge scheinen wir die Embleme von Marduk und Nebo zu haben, während wir im vierten Register die doppelköpfige Säule von Ninib haben, einen Pferdekopf, der auf einem Sitz ruht und von einem gewölbten Bogen überragt wird (das ist \"Feige.Abb.. 115.von besonderem Interesse, da es sich laut Ward wahrscheinlich um die früheste Darstellung des Pferdes in der babylonischen Kunst handelt); ein Adler auf der Spitze einer Säule und eine weitere Säule, die von einem Falkenkopf gekrönt wird und Zamama darstellt. Im fünften Register befindet sich die Göttin Gula, die auf einem Thron sitzt und von einem Hund begleitet wird; ein Skorpionmensch oder Schütze; und schließlich haben wir den Blitz von Adad über einem Kalb, einer Schildkröte, die möglicherweise ein alternatives Emblem für Ea ist,191 ein Skorpion und die Lampe von Nusku, dem Gott des Feuers. Schließlich wird eine Seite dieser bemerkenswerten Stele vollständig von einer riesigen Schlange durchquert. Andere Denkmäler zeigen verschiedene Varianten derselben Embleme, während zu den hier nicht aufgeführten die Keule, der Pfeil, der Spatz und der Pflug, die Garbe, die Vase, der Stier, die Gans, der Fischmensch, die Taube, der Stab und der Ring gehören (vgl. Tafel). XIV), und die Frisur und das Messer der Göttin Ninkharshag, für eine vollständige und erschöpfende Studie hierzu sei der Leser auf Ward verwiesen, Zylinderdichtungen, S. 389 ff. Auf die Bestattungsbräuche der Babylonier und Assyrer haben wir, soweit sie bekannt sind, an anderer Stelle eingegangen (vgl. S. 62, 69usw.), aber es wird für uns vielleicht nicht überflüssig sein, kurz auf ihre Eschatologie einzugehen.

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(E) BABYLONISCHE ESCHATOLOGIE

Die Ideen und Gedanken des Menschen werden in hohem Maße von seiner Umgebung bestimmt, und so haben auch seine Vorstellungen von der nächsten Welt als materielle Grundlage und Rahmen die Welt, in der er jetzt lebt; das Unbekannte, aber vage Erahnte, kann nur in Begriffen des Bekannten definiert oder vielmehr dargestellt werden, das Unsichtbare in Begriffen des Sichtbaren, der Himmel in Begriffen der Erde, Gott in Begriffen des Menschen – kurz gesagt, die Lehre von der Menschwerdung liegt allen Religionen und allen religiösen Systemen zugrunde. Wie wir bereits gesehen haben, kamen die frühen Babylonier aller Wahrscheinlichkeit nach aus dem Bergland Elam, denn sie verwendeten dasselbe Bildzeichen oder Ideogramm sowohl für „Berg“ als auch für „Land“; die Erde wurde daher von ihnen in Form eines Berges konzipiert, und wenn diese Welt die Form eines Berges hat, muss die Welt jenseits zweifellos auch eine ähnliche Form haben, daher war einer ihrer Namen für die andere Welt E-kur, was „Berghaus“ bedeutet; derselbe Name wird auch auf die heutige Welt angewendet. In den frühen Tagen der babylonischen Mythologie glaubte man, dass die Götter selbst in E-kur, das Berghaus der Welt, und es ist vielleicht nicht unnatürlich, die Götter so eng mit Mutter Erde verbunden zu finden, wenn man sich daran erinnert, dass die Babylonier glaubten, die Götter selbst hätten sich aus demselben wässrigen Chaos entwickelt, aus dem die Erde sozusagen hervorging – die Götter und die Erde waren Kinder derselben Eltern und wurden auf dieselbe Weise ins Leben gerufen.

Aber diese Bergtheorie hinsichtlich der anderen Welt schloss in keiner Weise andere Ansichten ganz anderer Art aus oder kollidierte anscheinend sogar mit ihnen; tatsächlich war die populärste Vorstellung der nächsten Welt als Reich der Toten die einer Mulde oder Höhle unter der Erde, von der man glaubte, sie habe die Form eines umgekehrten Seite 400Untertasse: Diese Höhle hieß „Aralu“ und wurde poetisch als „irṣitum la tarat“ beschrieben – „das Land ohne Wiederkehr“ – eine Beschreibung, die seltsam negativ ist und zeigt, wie wenig sich die Babylonier im Vergleich zu den Ägyptern mit dem Leben nach dem Tod beschäftigten, von denen man mit einiger Wahrhaftigkeit sagen kann, dass sie ihre Aufmerksamkeit mehr dem Leben im Jenseits als dem jetzigen Leben widmeten. Der Standort von Aralu unter der Erde kann auch aus der Geschichte von Ishtars Abstieg in die Unterwelt abgeleitet werden; diese praktisch universelle Vorstellung ist so natürlich, dass sie kaum einer Erklärung bedarf. Die Verbindung des Reiches der Toten mit dem Grab unter der Erde, wo die Überreste der Toten abgelegt wurden, ist beinahe unvermeidlich, und die entsprechende Verbindung der Wohnstätte der Götter oder des Himmels mit den Regionen des Lichts und der Helligkeit über dieser Erde - wobei die stets sichtbare Sonne und der Mond selbst Götter sind - ist ebenso natürlich. Doch nebenbei muss bemerkt werden, dass in dem System - in Ermangelung eines besseren Wortes -, das die Wohnstätte der Götter in den Regionen des Himmels festlegte, der Himmel, den sie bewohnten, für sterbliche Menschen nicht zugänglich war, mochten diese noch so gut oder tugendhaft sein. Offenbar wurden die Seelen der Verstorbenen nur in früheren Zeiten, als sich die Wohnstätte der Götter in oder auf der Erde befand, als bei ihnen oder in ihrer Nähe wohnend angesehen.

Dies wird noch untermauert durch die Anwendung des Begriffs E-kur—„Berghaus“ — auf die Erde selbst wie auch auf die Wohnstätte der Götter und das Reich der Toten, während es zugleich zur Bezeichnung der irdischen Wohnstätten oder Tempel der Götter verwendet wurde; die Theorie, die die Wohnstätte der Götter auf dem E-kur ist wahrscheinlich die frühere, und erst in späteren Zeiten, als Babylon sich im Euphrattal mehr oder weniger durchgesetzt und dadurch für seinen Gott Marduk eine ähnliche Vorherrschaft erlangt hatte, schienen die Umstände sozusagen eine allgemeinere Seite 401und noch weniger eine lokale Heimat für den Gott, dessen Macht sich somit über das ganze Land erstreckte; wenn Marduk sich auf seine Tempelheimat in Babylon beschränkt, wie kann er dann über die Geschicke wachen und die Huldigungen seiner Anhänger im ganzen Reich entgegennehmen?

Darüber hinaus ist man, wie bereits erwähnt, aus davon unabhängigen Gründen fast überall der Versuchung erlegen, den Göttern eine himmlische Heimat zuzuweisen. Diese Auffassung schloss natürlich nicht die Möglichkeit der Anwesenheit des Gottes in den zu seinen Ehren errichteten Tempeln aus, sondern nur die Vorstellung seiner ausschließlichen Anwesenheit im Tempel.

Aber es gab noch andere Namen außer Aralu und E-kur, die zur Bezeichnung des Wohnsitzes der Toten verwendet werden, einer davon war „Shualu“; dieser Begriff bedeutet „Erkundigung“ und stammt von derselben Wurzel wie der, von der der Eigenname „Saul“ („ersucht“) abgeleitet ist, der wiederum dem hebräischen „Sheol“ ​​entspricht, das die Griechen mit „Hades“ und englische Übersetzer unglücklicherweise mit „Hölle“ übersetzten; die Welt der Toten wird dementsprechend als Ort der Erkundigung angesehen, wobei die Erkundigung vermutlich die Art eines Orakels hat. Die Toten sollen also mit der Macht ausgestattet sein, Fragen zu beantworten, die ihnen von Menschen auf der Erde gestellt werden; und in dieser Eigenschaft ähneln sie den Göttern, wobei der einzige Unterschied darin besteht, dass die Götter Orakel durch die Hände ihrer Priester gewähren, während die Toten Nekromanten als ihre Medien verwenden, wie es der Fall war, als Samuel sich Saul durch die Vermittlung der nekromantischen Hexe von Endor offenbarte. So im Zusammenhang mit dem E-kur Heimat der Götter und der Toten, so wird man feststellen, dass die Toten nicht nur als bei oder nahe bei den Göttern angesehen werden, sondern dass sie wie die Götter auch befugt sind, irdischen Sterblichen mit ihren Orakelaussagen zu helfen; dies setzt voraus, dass die Toten mit einem größeren Wissen ausgestattet sind als die Lebenden, und dementsprechend, wie düster Aralu, Shualu oder E-kur (als Heimat der Seite 402Auch wenn die Toten (oder: Tote) vielleicht existieren, so stehen die Toten in dieser Hinsicht jedenfalls den Göttern näher und nehmen freizügiger vom Baum der Erkenntnis teil als die Lebenden.

So weit gekommen, ist die Vergöttlichung der Toten nur noch ein kleiner Schritt, den die Babylonier ohne große Schwierigkeiten zu gehen hatten; da die Vergöttlichung der Verstorbenen jedoch eher die Ausnahme als die Regel war, müssen die Ausnahmefälle einer solchen Vergöttlichung eine besondere Daseinsberechtigung gehabt haben, und diese Daseinsberechtigung war wahrscheinlich die Fähigkeit, Orakel zu gewähren, die die Babylonier jenen hochbegünstigten Individuen zuschrieben, deren heroische Leistungen auf Erden ihnen die größte Ehre eingebracht hatten, die der Menschheit im Altertum zuteil wurde. Die Könige wurden zwar oft nach ihrem Tod und sogar während ihres Lebens vergöttlicht, aber das war die natürliche Folge des Glaubens, dass die nächste Welt in ihrer Ordnung und Regierungsform dieser Welt ähnlich ist, obwohl sie viel düsterer und auch von vergleichsweise negativem Charakter war.

Obwohl die Toten somit den Göttern ähnlicher sind als die Lebenden und eher als Objekte ihrer besonderen Fürsorge gelten, scheinen sie doch gerade durch ihre Verwandtschaft zu den Göttern stärker deren Macht und Kontrolle zu entziehen, und die Priester, deren delegierte göttliche Autorität über den Lebenden steht, haben keinerlei Einflussrecht auf die Toten.

Ein anderer Name für die Unterwelt war „Ki-gallu“, was „großes Land“ bedeutet, wobei „Ki“ das übliche Ideogramm für „Erde“ im Allgemeinen oder „Land“ im Besonderen ist, wobei die beiden Begriffe im frühorientalischen Denken praktisch synonym sind; dieser Begriff, wie E-kur, verbindet somit den Wohnsitz der Toten mit dem Wohnsitz der Lebenden, den Wohnsitz des Lebewesens auf der Erde und den Wohnsitz der Toten unter oder in der Erde. Andere Beinamen für die Unterwelt waren – „die dunkle Wohnung“, „das Haus des Todes“, „das Grab“, „die große Stadt“, „das tiefe Land“ und das oben erwähnte „irṣitum“ Seite 403la tarat“, „das Land, aus dem es keine Rückkehr gibt“, Letzteres kommt in der bekannten Geschichte von Ishtars Abstieg in die Unterwelt vor, wo die Unterwelt weiter als ein Haus der Dunkelheit beschrieben wird, in dem die Toten, wie Vögel in Federn gekleidet, von Staub und Lehm leben. Dieser Bericht über die Welt jenseits des Grabes passt gut zu dem Bericht Eabanis, als er aus dem Reich der Toten gerufen wird, um mit seinem Freund Gilgamesch zu sprechen. Eabani schreckt davor zurück, seinem Freund durch die Beschreibung der Schrecken der Unterwelt Schmerz zuzufügen, wird aber schließlich dazu überredet und seine Beschreibung der Unterwelt ist die eines „Ortes, wo der Wurm frisst und alles in Staub gehüllt ist“ – „Staub bist du, und zum Staub sollst du zurückkehren.“ Die Idee, dass die Toten wie Vögel mit Federn bekleidet sind, erinnert an die typisch mesopotamischen Monster mit ihrer Mischform, halb Vogel, halb Mensch, die selbst offenbar direkt oder indirekt mit der Unterwelt verbunden waren.

Man glaubte jedoch, dass das bedauernswerte Schicksal der Toten durch die Hingabe und Nächstenliebe der Hinterbliebenen bis zu einem gewissen Grad gemildert werden könnte; daher war es für den Verstorbenen von größter Bedeutung, dass er ein ehrenhaftes und anständiges Begräbnis erhielt, und darüber hinaus hörten seine Bedürfnisse hier nicht auf, denn in E-kur— ob der Begriff nun auf die Erde als Heimat der Sterblichen oder auf das Land der Toten angewendet wird, der Mensch benötigt sowohl Nahrung als auch Getränke für seinen Lebensunterhalt. Der Zustand des unglücklichen Menschen, der kein Begräbnis erhält und mit keinem der notwendigen Lebensbedürfnisse in der nächsten Welt versorgt wird, wird am Ende des Gilgamesch-Epos beschrieben, wo wir erfahren, dass ein solcher von nagendem Hunger verzehrt wird und seinen Appetit notgedrungen mit den Abfällen auf den Straßen stillen muss; aber der unbegrabene Schatten war nicht nur sozusagen ein Fluch für sich selbst, er wurde auch ein Fluch für die Lebenden, indem er die Form eines „Ekimmu“ oder Dämons annahm, der von bösartigen Absichten gegenüber der Menschheit besessen war und außerdem mit der bedauerlichen Seite 404Macht, diese Absichten in die Tat umzusetzen; daher oblag es den Lebenden, sich um die Bedürfnisse der Toten aus der Sicht der Selbstverteidigung zu kümmern, ganz abgesehen von jeglichen Erwägungen frommer Nächstenliebe.

In den Hallen von Aralu wurde zwischen den Gläubigen und den Ungläubigen, die dort starben, kein Unterschied gemacht. Der einzige Unterschied bestand zwischen dem Los derer, die von ihren hinterbliebenen Freunden und Verwandten bestattet und versorgt wurden, und dem Los derer, denen die Letzte Ölung und die letzten Zeremonien verwehrt blieben. Man sollte jedoch beachten, dass man glaubte, das zukünftige Leben derer, die auf dem Schlachtfeld umkamen, sei von mehr Glück oder zumindest weniger Unglück geprägt als das der Allgemeinheit.

Für die Babylonier war der Stachel des Todes also noch lange nicht gelindert, und ihre Trauergesänge bestanden hauptsächlich aus Klagen über die bemitleidenswerte Lage des Verstorbenen und nicht über ihren eigenen persönlichen Verlust; für sie gab es kein Verschlingen des Todes durch den Sieg, die einzige Möglichkeit zukünftiger Glückseligkeit lag in der Immunität vor dem Tod, einer Immunität, die nur einem oder zwei Sterblichen angeboten worden war und die anscheinend nur einem gelungen war, in Anspruch zu nehmen, mit der einzigen Ausnahme von Ṣit-napishtim, dessen Erhebung zur Gottheit ihn anscheinend von der Notwendigkeit des Sterbens befreite. Der vorherrschende Ton war also der des Pessimismus, eines Pessimismus, von dem sich „die Bewohner Mesopotamiens“ nie vollständig befreien konnten, eines Pessimismus, der außerdem noch lange nach ihrer Auswanderung aus Babylonien in das Land Kanaan in den heiligen Schriften der Hebräer erkennbar ist. Für Hiob ist das Schicksal eines Baumes dem der Menschheit vorzuziehen, denn „es gibt Hoffnung; wenn er gefällt wird, sprießt er wieder; aber der Mensch legt sich hin und steht nicht mehr auf; bis der Himmel nicht mehr ist, werden sie nicht erwachen noch aus ihrem Schlaf erwachen“; so bittet auch der Psalmist: Seite 405man kann ihm erlauben, seine Kräfte wiederzuerlangen – „bevor ich von hier gehe und nicht mehr bin“. Die allgemeine Schlussfolgerung ist, dass für die hebräische Denkweise das Leben nach dem Tod eher einer bloßen Existenz glich als einem Leben mit positiven Aktivitäten und der Erfüllung positiver Aufgaben.

Die Tendenz, das Unbekannte mit Argwohn und Zweifel zu betrachten, ist ein Nebenprodukt unserer Naturgesetze, und die Geschichte zeigt, dass nur ein mutiger Elan, der durch die unaufhörlichen Bemühungen der Menschheit gewonnen wurde, die Mutter zu bekämpfen, die sie geboren hat, diese wie alle anderen der menschlichen Natur innewohnenden Tendenzen überwinden kann. Für die Völker der Antike war die jenseitige Welt unbekannt und dunkel, denn der primitive Mensch betrachtet einen Daseinszustand, über den er im Dunkeln tappt, zwangsläufig als dunkel, so wie er die Ursachen physikalischer Phänomene außerhalb seines Gesichtskreises ausnahmslos den Mächten der Dunkelheit zuschrieb, aber die Dunkelheit der anderen Welt selbst schien die Realität ihrer Existenz in seinem primitiven Geist nicht zu verringern, sondern im Gegenteil zu verstärken; er betrachtete das Unsichtbare durch das Medium eines mentalen Teleskops – für ihn erschien es dunkel, aber groß; das Sehen war keineswegs die notwendige Voraussetzung seines Glaubens, er glaubte, wo er nicht sah, und seine Vorstellungskraft erwies sich als der Situation vollkommen angemessen. Im zwanzigsten Jahrhundert hingegen gibt es eine Neigung, das Unbekannte als ipso factonicht existent, aber man muss zugeben, dass die Tendenz der frühen Menschen, dem Unbekannten eine noch größere Realität zuzuschreiben als dem Bekannten, eher mit dem archetypischen Idealismus Platons und anderer übereinstimmt, deren geistige Entwicklung zumindest nicht minder bedeutend ist und deren Theorien bisher noch nicht vor dem Gericht der Logik bestätigt wurden.

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EINE KURZE BIBLIOGRAPHIE

Diejenigen Leser, die ihre Informationen zu einem bestimmten Thema dieses Bandes erweitern möchten, können nichts Besseres tun, als die folgenden Werke zu konsultieren. Eine Geschichte der Ausgrabungen bietet Hilprechts Erkundungen in biblischen Ländern (T. & T. Clark, Edinburgh), ist ein sehr nützliches Buch. Weitere Einzelheiten zu den Ausgrabungen in Nippur Peters' Nippur oder Erkundungen und Abenteuer am Euphrat (Putman) sollte konsultiert werden, und auch Fisher's Ausgrabungen in Nippur (Philadelphia). Für eine Studie der Keilschrift und der Inschriften siehe Sayces Archäologie der Keilschriftinschriften (SPCK) sollte gelesen werden. Es ist das neueste Werk zu diesem Thema, voller interessanter und origineller Ideen. Zur Literatur der Babylonier und Assyrer siehe Harper's Literatur der Assyrer und Babylonier, (Aldine Library), das die Übersetzung einer durchaus repräsentativen Auswahl der literarischen Werke beider Länder enthält.

Einen Bericht über die Ausgrabungen, die die Deutsche Orient-Gesellschaft im letzten Jahrzehnt in Babylon und Assur durchgeführt hat, findet man in den offiziellen Berichten von Koldewey und Andrae in den Mitteilungen der Gesellschaft (herausgegeben von J. Hinrichs'sche Buchhandlung Leipzig), während für einen detaillierten Bericht über den Anu-Adad-Tempel in Assur Andraes Der Anu-Adad Tempel (ebenfalls von Hinrichs veröffentlicht) sollte konsultiert werden. Die Werke von De Sarzec und Heuzey (veröffentlicht von E. Leroux, Paris) sollten von denen studiert werden, die einen vollständigen und umfassenden Bericht über die Ausgrabungen in Tellô erhalten möchten; von diesen ist die Entdeckungen in Chaldéeist das Wichtigste. Dieses großartig illustrierte Werk, das eine vollständige Darstellung der frühen Entdeckungen an dieser Stätte sowie eine kritische und ausgewogene Beurteilung der Schlussfolgerungen enthält, die wir aus diesen Entdeckungen ziehen können, ist zweifellos einer der wichtigsten Beiträge zum Studium der sumerischen Kunst. Von M. Heuzeys kleineren Werken Une Villa Royale Chaldéenne (Leroux, Paris) dürfte für den Studenten der babylonischen Architektur von besonderem Interesse sein, während seine zahlreichen Artikel in der Seite 407Revue d'Assyriologie (Leroux, Paris) und Beiträge im Comptes Rendus de l'Académie des Inscriptions et Belles Lettres viele der Probleme lösen, die das Studium der orientalischen Kunst plagen. In Bezug auf Cylinder-Seals, das monumentale Werk, das kürzlich von W. Hayes Ward veröffentlicht wurde, Die Rollsiegel Westasiens (Carnegie Institute) ist die bei weitem umfassendste Studie zu diesem Thema und stellt das Ergebnis langjähriger Forschung in öffentlichen und privaten Sammlungen Europas und Amerikas dar.

Für das Studium der Rechtswissenschaften sollte der Leser CJ Johns' Babylonische und assyrische Gesetze, Verträge und Briefe (Edinburgh), Assyrische Urkunden und Dokumente (Cambridge) und Ein assyrisches Weltuntergangsbuch (Delitzsch und Haupt, Assyriologische Bibliothek, Band XVII, Leipzig), während der Student der babylonischen und assyrischen Religion auf Morris Jastrows Religion von Babylonien und Assyrien (Boston, USA), das einzige umfassende Werk zu diesem Thema. Eine detaillierte und umfassende Abhandlung über die Kunst und das Handwerk der Babylonier und Assyrer im Lichte des zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Buches verfügbaren Materials finden Sie bei Perrot und Chipiez, Kunstgeschichte in Chaldäa und Assyrien (Chapman & Hall, London; AC Armstrong & Son, New York) sollte gelesen werden.

In Bezug auf Sitten, Bräuche und die allgemeine Lebensweise sollte auf die Standardwerke von Maspero verwiesen werden –Die Morgendämmerung der Zivilisation, Der Kampf der Nationen und Der Untergang der Imperien (SPCK, London), zum selben Autor (Maspero) Leben im alten Ägypten und Assyrien (Chapman & Hall) zu Sayce's Assyrer und Babylonier (JC Nimmo, London); und zu Delitzsch Handel und Wandel in Altbabylonien (Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart), für militärische Angelegenheiten sollte der Leser J. Hunger konsultieren Heerwesen und Kriegsführung der Assyrer in Der Alte Orient 1911.

Dieser Band beschäftigt sich nicht mit der Geschichte der Babylonier und Assyrer, aber wer sich für diesen Zweig interessiert, sollte Rogers' Geschichte Babyloniens und Assyriens (Eaton & Mains, New York; Jennings & Pye, Cincinnati), Goodspeed's Eine Geschichte der Babylonier und Assyrer (Smith, Elder & Co., London); und die Standardwerke von Maspero—Die Morgendämmerung der Zivilisation, Der Kampf der Nationen und der Untergang der Imperien (SPCK, London) für eine allgemeine Geschichte, während für die frühe Periode King's Sumer und Akkad (Chatto & Windus) und Radau's Frühe babylonische Geschichte (Oxford University Press) sollte studiert werden.


Seite 408

LISTE DER WICHTIGSTEN
KÖNIGE UND HERRSCHER
UND EINE KURZE chronologische Zusammenfassung

ungefähr
Datteln
BC
Mesilim, König von Kisch, Oberherr von Südbabylonien3000
Erste Dynastie von Lagasch.
Ur-Ninâ, der Gründer der Dynastie
Akurgal
Eannatum
Enannatum I
Entemena
Enannatum II
Enetarzi
Enlitarzi
Lugal-anda
3000

Urukagina, besiegt von Lugal-zaggisi, König von Erech und Sumer

2800
Dynastie von Kisch.
Sharru-Gi
Manishtusu
Ürümü
2750
Dynastie von Agade.

Shar-Gâni-sharri, etabliertes Reich, das Assyrien, Syrien und Palästina umfasst

2650
Narâm-Sin
Zweite Dynastie von Lagasch.
Ur-Bau2500
Gudea2450
Seite 409Ur-Engur2400

Dungi plündert Babylon, übt die Oberhoheit über Babylonien aus und dehnt seinen Einfluss auf Elam aus

Bur-Sin I
Gamil-Sünde
Ibi-Sin
Dynastie von Isin.2300-2100
Erste Dynastie der Stadt Babylon.

Khammurabi, König von Babylon, errichtet ein mächtiges Königreich in Babylonien, vertreibt die Elamiter, die sich in Ur und Larsa niedergelassen hatten, stellt das Reich von Schar-Gani-Scharri in Palästina wieder her und schließt Assyrien in seinen Einflussbereich ein.

1900

Diese Dynastie wird durch eine Invasion der Hethiter beendet, die Babylon eroberten

Die Kassiten aus dem Bergland östlich des Tigris erobern Babylonien und setzen sich als Könige von Babylon durch. Etwa ein Jahrhundert nach der Invasion der Kassiten erlangt Assyrien seine Unabhängigkeit und wird ein eigenständiges Königreich.

(?) Uschpia,192 der wahrscheinliche Gründer des Tempels von Ashur2100

(?) Ki-Ki-a, der erste Erbauer des Dûru in Ashur, Restaurator des Tempels von Ashur und Erbauer des Adad-Tempels

2000
Salmanassar I.1300
Tukulti-Ninib I., König von Assyrien, erobert Babylonien1275
Ashur-rêsh-ishi1140
Tiglatpileser I1100
Ashur-naṣir-pal erweitert die Grenzen des Reiches885-860

Salmanassar II. wird Herrscher über ganz Vorderasien. Die Israeliten unter Jehu erkennen seine Oberhoheit an.

860-825

Tiglatpileser III. erobert das Gebiet zurück, das seine unmittelbaren Vorgänger verloren hatten, und führt die Stämme Ruben, Gad und den halben Stamm Manasse in die Gefangenschaft.

745-727
Salmanassar IV. belagert Samaria727-722
Seite 410

Sargon, der Usurpator, nimmt Samaria ein und deportiert den Großteil der Bevölkerung; besiegt Ägypter und Philister bei Raphia; erobert Babylonien, führt Krieg in Elam; baut einen großen Palast in Khorsabad

722-705

Sanherib besiegt das rebellische Babylonien; besiegt die Ägypter bei Altaku in Dan; führt Krieg in Palästina; Hiskia von Juda erkennt seine Oberhoheit an; zerstört Babylon (689)

705-681
Asarhaddon erobert Unterägypten (672)681-668

Ashur-bani-pal dringt in Ägypten ein, nachdem dieses das assyrische Joch abgeworfen hat; plündert Theben, die ägyptische Hauptstadt (666); unterwirft Elam vollständig; besiegt und tötet Shamash-shum-ukîn, den Vizekönig von Babylonien

668-626

Ägypten und Lydien behaupten ihre Unabhängigkeit

Die Meder überfielen die östlichen Grenzen des Reiches (Umlauf 634)

Ashur-bani-pal stirbt
Kurz nach seinem Tod besiegt der medische König Kyaxares die Assyrer und belagert Ninive. Die Invasion der skythischen Horden hält Kyaxares vorübergehend auf, aber bald darauf belagern und erobern Kyaxares und möglicherweise Nabopolassar, ein assyrischer General in Babylon, Ninive (Umlauf 607)

Assyrien geht an die Meder, Babylonien an Nabopolassar, der die neubabylonische Dynastie gründet

626
Neubabylonische Dynastie.
Nabopolassar625-604

Nebukadnezar II. besiegt Necho, den König von Ägypten, vor seiner Thronbesteigung; erobert Jerusalem und nimmt Juda in die Gefangenschaft

604-561

Nabonid vertraut Babylon seinem Sohn Belsazar an. Der Perser Kyros dringt in Babylonien ein, erobert Babylon und zerstört das Neubabylonische Reich.

555-538

MAPS

\"BABYLONIEN\"

BABYLONIEN

\"MESOPOTAMIEN\"

MESOPOTAMIEN


Fußnoten:

1Vgl. Ward, Dichtungszylinder, P. 24ff.

2Vgl. Pinches, Verfahren der Gesellschaft für biblische Archäologie, 1910, p. 42.

3„Sargon“ (d. h. Sharru-ukîn) war der Name, den die späteren assyrischen Schriftgelehrten diesem antiken König gaben.

4Vgl. jedoch Fisher in Aufzeichnungen der Vergangenheit, Band II, Teil IV, S. 116.

5Vgl. Fisher, Ausgrabungen in Nippur, S. 1; und Prestwich, Geologie (Karte).

6Sehen Comptes Rendus, Académie des Inscriptions et Belles Lettres, 1894, p. 409.

7Station, Zylinderdichtungen, S. 30, Abb. 55.

8Vgl. Anmerkung Seite 86.

9Vgl. Clay, Amerikanisches Journal für semitische Sprachen, XXIII, S. 269.

10Vgl. Ward, Zylinderdichtungen, Abb. 289.

11vgl. Abb. 25, E

12Vgl. Ungnad in Orient. Lit. XI., 1908, Spalten. 533-537.

13Vgl. Botta, Neunveh, II, Tafeln 108, 110; Layard, Serie II, Tafeln 9, 32.

14Vgl. Ward, Zylinderdichtungen, Abb. 179.

15Vgl. Nr. 43, Nineveh Gallery, British Museum.

16Vgl. Perrot und Chipiez, II, p. 153.

17Vgl. Ward, Zylinderdichtungen, Abb. 93.

18Für Vogeldarstellungen auf assyrischen Flachreliefs vgl. Botta, Neunveh, II, Tafeln 108, 109, 110, 111, 112, 113, 114, und Layard, Serie II, Tafeln 9, 32, 40.

19Vgl. P. 185.

20Layard, Neunveh, P. 74ff.

21Hilprecht, Erkundungen, S. 236.

22Es wurde argumentiert, dass der verbrannte Zustand der in Mesopotamien entdeckten menschlichen Überreste in allen Fällen als Folge eines allgemeinen Brandes zu betrachten sei und dass tatsächlich nie Einäscherung praktiziert wurde. Wenn dies jedoch der Fall ist, dann müssten die mit den verbrannten menschlichen Überresten begrabenen Töpferwaren ebenfalls Brandspuren aufweisen. In vielen Fällen liefert die Töpferware offenbar keine eindeutigen Beweise für oder gegen die Theorie, aber Dr. Koldewey informierte mich, dass die Gefäße mit den verbrannten Überresten von Menschen in Surghul keine Spuren davon aufwiesen, dass sie selbst im Feuer gewesen waren, so dass wir hier auf jeden Fall klare und unwiderlegbare Beweise für die Praxis der Einäscherung in Babylonien haben.

23Vgl. Hilprecht, Erkundungen, S. 317.

24Zur Beschreibung der Zikkurat siehe S. 133 ff.

25Vgl. jedoch Jastrow, Zeitschrift der American Oriental Society, Bd. XXVII, S. 147 ff.

26Lehm, Aufzeichnungen der Vergangenheit, Bd. II, Teil II, S. 47 ff.

27Eine Beschreibung des berühmten Ischtar-Tors und weitere Einzelheiten zum Palast Nebukadnezars finden Sie auf S. 136, 137, 149.

28Sehen Mitteilungen, Nr. 44, p. 11.

29Einen Bericht über diesen Tempel finden Sie im Kapitel „Architektur“, S. 141 ff.

30Vgl. im Weiteren S. 176 ff.

31Vgl. Andrae, Mitteilungen, Nr. 38, S. 23 ff.

32Vgl. im Weiteren S. 144 ff.

33Sehen Mitteilungen, Nr. 42, p. 42.

34ebenda, Nr. 42, p. 35.

35ebenda, Nr. 43, p. 34.

36Sehen Mitteilungen, Nr. 44, p. 34.

37Das Zend-Avesta ist praktisch das Äquivalent der Bibel und des Gebetbuchs der Zoroastrier. Der zoroastrische Glaube blühte bereits im sechsten Jahrhundert bcund wurde wahrscheinlich zur Religion der späteren achämenidischen Könige.

38Die Pehlevi-Sprache und -Literatur gehört zur mittelpersischen Zeit, also vom dritten bis zum neunten Jahrhundert. AD Die Sprache ist einerseits mit dem Altpersischen verwandt, andererseits mit dem Neupersischen. Das Zend überbrückte gewissermaßen die Kluft zwischen Neu- und Altpersisch und war eine große Hilfe bei der Entzifferung der altpersischen Sprache, wie sie in den Keilschriftinschriften zu finden ist.

39Archäologie der Keilschriftinschriften, S. 8.

40Der Abdruck erfolgt durch Anfeuchten mehrerer Lagen dicken Papiers. Der Abdruck wird dadurch erzeugt, dass die entstandene Substanz auf die Inschrift aufgetragen und mit einem Pinsel eingeschlagen wird.

41Eine teilweise Kopie dieser Inschrift vom Behistun-Felsen ist auf einem Doleritblock eingraviert, den die deutschen Ausgräber in Babylon entdeckten; sie enthält viele interessante Ergänzungen.

42Der Begriff „Assyrer“ wird verwendet, da ein großer Teil der älteren babylonischen Literatur durch Assyrien zu uns gelangte, da sie von assyrischen Schreibern kopiert und sozusagen neu veröffentlicht wurde. Assyrisch und Babylonisch waren verschiedene Dialekte derselben Sprache; ebenso weisen die assyrische und die babylonische Keilschrift große Stilunterschiede auf, wobei die babylonische Schrift mehr kursiv und daher im Allgemeinen schwieriger zu lesen ist.

43Vgl. AJ Booth, Dreisprachige Inschriften; Rogers, Geschichte, S. 175 ff.; Sayce, Archäologie der Keilschriftinschriften, S. 1-35; Harper,Biblische Welt, XVI, S. 294–7, 371–3 (eine kurze und prägnante Zusammenfassung).

44Für Hinweise auf Texte, in denen diese Zeichen vorkommen, vgl. GA Barton in Harper's Altes Testament und Semitistik, Bd. II, S. 241 ff.

45Sehen Babylonische Expedition der University of Pennsylvania IV, Serie D, für diesen babylonischen Grenzstein und für eine umfassende Erörterung des Themas im Allgemeinen.

46Ein Eponym war ein hochrangiger Beamter – manchmal der König selbst –, der sein Amt ein Jahr lang innehatte und dessen Name zur Datierung aller in diesem Jahr verfassten Dokumente verwendet wurde. Er entsprach dem römischen Konsul und dem athenischen Archon.

47Vgl. Hilprecht, Erkundungen, S. 517.

48Ein „plankonvexer“ Ziegel ist ein Ziegel, der auf der einen Seite flach und auf der anderen konvex oder oval ist. Sein allgemeines Erscheinungsbild ähnelt einem länglichen Kuchen oder einem kleinen Kissen.

49Vgl. De Sarzec et Heuzey, Une Villa Royale Chaldéenne, S. 47.

50Vgl. Loftus, Reisen, S. 189.

51Loftus, Reisen, S. 187.

52Vgl. Heuzey, Une Villa Royale, S. 48.

53Heuzey, Une Villa RoyaleS. 47, 48.

54In der nördlichen Befestigungsmauer, und dort laut Koldewey nur am Kasr, wurden ebenfalls große Baublöcke aus Kalkstein entdeckt.

55JRAS, 1855, S. 266.

56ebenda, S. 407.

57Vgl. Harper, Assyrische und babylonische Literatur, S. 57.

58Ibid., S. 87.

59Vgl. King, Sumer und Akkad, S. 88.

60Vgl. Taylor in JRAS, 1855, S. 261 ff.

61Vgl. JRAS, 1855, S. 405 ff.

62Vgl. jedoch Andrae, Der Anu-Adad Tempel, S. 80.

63Vgl. Pinches, Hastings Dict., Religion und Moral, „Architektur“, Perrot und Chipiez, II, S. 393; Layard, Entdeckungen, S. 348 ff.

64Vgl. Harper, Assyrische und babylonische LiteraturS. 25, 26.

65Sehen Mitteilungen, Nr. 44, p. 30.

66Sehen Gastronomische, Taf. 22 bis, Abb. 2b, 3.b.

67Vgl. Andrae, Der Anu-Adad Tempel, S. 80.

68Hilprecht, Erkundungen, S. 286.

69Loftus, Chaldäa und Susiana, P. 133; JRAS, XV, S. 265, 266.

70Loftus, S. 187 ff.

71Vgl. P. 80.

72Vgl. Hilprecht, Erkundungen, S. 372.

73ebenda, S. 402.

74Vgl. Taylor, Zeitschrift der Royal Asiatic Society, 1853, p. 269.

75Loftus, Reisen, S. 174 ff.

76Sehen Zeitschrift der Royal Asiatic Society, 1855, p. 406.

77Sehen Mitteilungen, Nr. 43, p. 7.

78Vgl. Layard, Entdeckungen, S. 590; Dieulafoy, L'Art Antique, V, S. 57 ff.; Perrot und Chipiez, S. 214.

79Place entdeckte in Karambs eine achtseitige Säule, die aber offenbar aus der parthischen Zeit stammte (Place, Neunveh, II, S. 169 ff.).

80Sehen Mitteilungen, Nr. 40, p. 25.

81Sehen Ibid., Nr. 40, p. 24.

82Sehen Ibid., Nr. 42, p. 40.

83Vgl. Hilprecht, Erkundungen, S. 397 ff.

84Vgl. JRAS, 1855, S. 266.

85Sehen Mitteilungen, Nr. 8, p. 4.

86Sehen Perrot und Chipiez, S. 231.

87vgl. Abb. 9.

88Vgl. Andrae, Mitteilungen, Nr. 27, S. 29-32.

89Sehen Mitteilungen, Nr. 40, p. 29.

90Vgl. Hilprecht, Babylonische Expedition der University of Pennsylvania, Band I, Teil II, Tafel XVI.

91Hilprecht, ErkundungenS. 474, 475.

92Vgl. auch oben, Abb. 28, A.

93Vgl. oben, S. 33.

94Eine grobe Skizze findet sich bei Rawlinson, Die fünf großen Monarchien, II, 79.

95Vgl. P. 45.

96Vgl. Rawlinson, Fünf Monarchien, Pp 151-62.

97Vgl. EJ Banks, Scientific American, 19. August 1905, S. 137; Amerikanisches Journal für semitische Sprachen, XXI, S. 59.

98Berichte, 1907, p. 399.

99Sehen Mitteilungen29.

100Sehen Gastronomische, Tafel 24, Abb. 2.

101Archäologische Zeitschrift, 1894, I, 108.

102Vgl. Heuzey, in Mo. Mem. Acad. Insc. Fondation Piot, XII, S. 19-28, und CR Acad. Inser., 1905, p. 75.

103Sehen Mo. Piot., T. VII, Tafel 1, Abb. 1, und Louvre-Katze., S. 324.

104Sehen Zeitschrift der Royal Asiatic Society, XV, S. 410.

105Vgl. Sayce, Archäologie der Keilschriftinschriften, S. 58.

106Sehen Gastronomische, Tafel 28, Abb. 1 und 2.

107Vgl. Hilprecht, Erkundungen, S. 539.

108Sehen Louvre-Katze., Nr. 173; und Mo. Piot., Bd. VII, Tafel I, Abb. 1.

109Vgl. Harper, Amerikanisches Journal für semitische Sprachen, XX, S. 266, 267.

110Vgl. King, Sumer und Akkad, S. 26; und Hilprecht, Erkundungen, S. 156.

111Layard, Entdeckungen, S. 357.

112Vgl. Boscawen, Transaktionen der Gesellschaft für biblische Archäologie, 1876, p. 347.

113Layard, Entdeckungen, S. 177.

114Vgl. den Taylor-Zylinder von Sanherib.

115Eine bewundernswerte Reproduktion der besten Hälfte der Balâwât-Tore, eine gute Einführung und eine Übersetzung des Textes finden Sie bei Birch and Pinches, Die Bronzeornamente der Palasttore von Balâwât. Vgl. auch Delitzsch, Beiträge zur Assyriologie.

116Zur Übersetzung vgl. Ungnad, Oder. Lit., IX (1906), 534-8.

117Vgl. Delitzsch, Aufzeichnungen der Vergangenheit, 1903, S. 323 ff.

118Vgl. Harper, Assyrische und babylonische Literatur, S. 129.

119Harper, Assyrische und babylonische Literatur, S. 14.

120Vgl. Harper, Assyrische und babylonische LiteraturS. 54, 99.

121Vgl. Perrot und Chipiez, S. 277.

122Layard, Neunveh I, S. 64; II, S. 306, 307.

123Layard, Neunveh, II, S. 15.

124Ibid., ich, p. 130.

125Vgl. Delitzsch, Mitteilungen, Nr. 6, S. 13–17; und Diodorus II, 8.

126Vgl. Koldewey, Mitteilungen, Nr. 3, S. 5, 10, 11.

127Layard, Denkmäler, Serie II, Tafel 55, 6; und Layard, Entdeckungen, S. 167.

128Entdeckungen, S. 166.

129Eine beträchtliche Anzahl der hier wiedergegebenen Siegelabdrücke stammen mit großzügiger Genehmigung des Autors aus Dr. W. Hayes Wards umfangreichem Werk über Rollsiegel in Westasien.

130Skarabäen, S. 5.

131Station, Die Siegelzylinder Vorderasiens, S. 1.

132Vgl. Ward, Dichtungszylinder, S. 69.

133Sehen Dichtungszylinder, S. 48, Abb. 127.

134Vgl. Ward, S. 128.

135Sehen Mitteilung., Nr. 9, p. 6.

136Vgl. Menant, Steingrabsteine, II, S. 132; Ward, S. 193.

137Vgl. Ward, S. 197.

138Vgl. Heuzey, Katze., S. 387 ff.

139Zur frühen Geschichte des Intarsienschmucks vgl. Dalton, Archäologie, LVIII, S. 237–74.

140Sehen Mitteilungen, Nr. 44, p. 24.

141Vgl. auch das in Abb. wiedergegebene assyrische Siegel. 76.

142Jastrow, Religion von Babylonien und Assyrien, S. 208.

143Vgl. Heuzey, Katalog der Figuren aus der Küche des Musée du Louvre, Tafel I, Abb. 2.

144Zu den anderen beiden vgl. ebenda, Tafel I, Abb. 1 und 3.

145Vgl. Heuzey, Les Figurines Antiques de terre cuite, Tafel II, Abb. 3.

146Vgl. Koldewey, Mitteilungen, Nr. 5, S. 19, 20.

147Vgl. Banks, Amerikanisches Journal für semitische Sprachen, Bd. 22, S. 35 ff.

148Vgl. Banks, Amerikanisches Journal für semitische SprachenVol. 22, p. 37.

149Vgl. Hilprecht, Babylonische Expedition, Band I, Teil II, Tafel XX.

150Sehen Entdeckungen, Beschreibung, S. 118; Hilprecht, Erkundungen, S. 170.

151Vgl. P. 243.

152Vgl. Layard, Entdeckungen, S. 197.

153Vgl. Hilprecht, Erkundungen, S. 407.

154Hilprecht, Die Babylonische Expedition der University of Pennsylvania, Serie A, Band I, Teil II, Tafel 27.

155Vgl. EJ Banks, Amerikanisches Journal für semitische SprachenVol. 22, p. 139.

156ebenda, S. 140.

157Vgl. EJ Banks, Amerikanisches Journal für semitische SprachenVol. 22, p. 140.

158Sehen Comptes Rendus, Académie des Inscriptions et des Belles Lettres 1904, p. 115.

159Sehen Mitteilungen, Nr. 40, p. 8.

160Sehen Ibid., Nr. 26, p. 19.

161Vgl. Heuzey, Catalogue des Antiquités Chaldéennes, S. 249.

162Prinz, Zeitschrift der American Oriental Society, XXVI, S. 93.

163Sehen Amerikanisches Journal für semitische Sprachen, April 1905, S. 173.

164Vgl. Ward, Zylinderdichtungen, Abb. 139 c.

165Vgl. Heuzey, Rendus-Konten1908, S. 415-22.

166Sehen Rendus-Konten, S. 418, Abb. C.

167Vgl. Sayce, Archäologie der KeilschriftinschriftenS. 65, 66.

168Vgl. Botta, II, Pl. 155.

169In Assur wurde eine interessante Perle aus schwarzem Marmor mit den Maßen 1-1/2 x 5/8 Zoll entdeckt. Sie trägt eine Inschrift von Salmanassar, der zufolge dieser König die Perle aus einem Tempel in Syrien mitgebracht hat.

170Sehen Mitteilungen, Nr. 7, p. 18.

171Vgl. Botta, Denkmal, II, Taf. 90, 93.

172Vgl. Rawlinson, Fünf Monarchien, II, S. 49.

173Vgl. Rawlinson, Fünf Monarchien, II, S. 43.

174Vgl. P. 17.

175Vgl. P. 10.

176Vgl. Johns, Ein assyrisches Weltuntergangsbuch, S. 19.

177Vgl. Erman, Leben im Alten Ägypten, S. 426; und Wilkinson, I, S. 281.

178Vgl. Genouillac, S. xlix.

179Vgl. P. 346.

180Vgl. Genouillac, S. lii.

181Dieses Werk umfasst einen handschriftlichen Text, eine Transliteration, eine Übersetzung, ein Glossar, ein Sachregister, eine Liste der Eigennamen, Zeichen und Zahlen sowie eine Karte, ein Frontispiz und ein Foto des Textes.

182Vgl. Jastrow, Religion, S. 116 ff.

183Vgl. Johns, Weltuntergangsbuch, S. 26.

184Ibid., S. 20.

185Vgl. Jastrow, S. 191 ff.

186Jastrow, Religion, S. 226.

187Ibid., S. 83.

188Vgl. Ward, ZylinderdichtungenS. 391, 392.

189Vgl. Ward, Zylinderdichtungen, S. 391 ff.

190Vgl. Ward, Zylinderdichtungen, S. 398.

191Ibid., S. 407.

192Sehen Mitteilungen, Nr. 21, p. 49.

Seite 411

INDEX

Ende des Projekts Gutenbergs Mesopotamische Archäologie, von Percy S. P. Handcock *** ENDE DIESES PROJEKTS GUTENBERG E-BOOKS ZUR MESOPOTAMISCHEN ARCHÄOLOGIE *** ***** Diese Datei sollte 45229-h.htm oder 45229-h.zip heißen ***** Diese und alle zugehörigen Dateien verschiedener Formate finden Sie unter: http://www.gutenberg.org/4/5/2/2/45229/ Erstellt von Delphine Lettau, Turgut Dincer und dem Online Distributed Proofreading Team unter http://www.pgdp.net Aktualisierte Ausgaben ersetzen die vorherigen – die alten Ausgaben werden umbenannt.

Die Erstellung der Werke aus gemeinfreien Druckausgaben bedeutet, dass niemand in den Vereinigten Staaten das Urheberrecht an diesen Werken besitzt, sodass die Stiftung (und Sie!) sie ohne Genehmigung und ohne Zahlung von Urheberrechtsgebühren kopieren und in den Vereinigten Staaten verbreiten kann.  Für das Kopieren und Verteilen elektronischer Werke von Project Gutenberg-tm gelten besondere Regeln, die im Abschnitt „Allgemeine Nutzungsbedingungen“ dieser Lizenz festgelegt sind, um das Konzept und die Marke von PROJECT GUTENBERG-tm zu schützen.  Project Gutenberg ist ein eingetragenes Warenzeichen und darf nicht verwendet werden, wenn Sie für die E-Books Geld verlangen, es sei denn, Sie erhalten eine ausdrückliche Genehmigung.  Wenn Sie für die Kopien dieses E-Books nichts verlangen, ist die Einhaltung der Regeln sehr einfach.  Sie können dieses eBook für nahezu jeden Zweck verwenden, beispielsweise zur Erstellung abgeleiteter Werke, Berichte, Aufführungen und Recherchen.  Sie dürfen verändert, gedruckt und verschenkt werden – mit gemeinfreien E-Books dürfen Sie praktisch ALLES machen.  Die Weiterverbreitung unterliegt der Markenlizenz, insbesondere die kommerzielle Weiterverbreitung.



*** START: VOLLSTÄNDIGE LIZENZ *** DIE VOLLSTÄNDIGE PROJEKT-GUTENBERG-LIZENZ BITTE LESEN SIE DIES, BEVOR SIE DIESES WERK VERBREITEN ODER VERWENDEN Um die Mission des Projekts Gutenberg™ zu schützen, die freie Verbreitung elektronischer Werke zu fördern, erklären Sie sich durch die Nutzung oder Verbreitung dieses Werkes (oder eines anderen Werkes, das in irgendeiner Weise mit dem Begriff "Projekt Gutenberg" verbunden ist) damit einverstanden, alle Bedingungen der vollständigen Projekt-Gutenberg™-Lizenz einzuhalten, die in dieser Datei oder online unter www.gutenberg.org/license verfügbar ist.


§ 1.  Allgemeine Nutzungsbedingungen und Weiterverbreitung elektronischer Werke von Project Gutenberg-tm 1.A.  Indem Sie einen beliebigen Teil dieses elektronischen Werks von Project Gutenberg-tm lesen oder verwenden, geben Sie an, dass Sie alle Bedingungen dieser Lizenz- und geistigen Eigentumsvereinbarung (Markenzeichen/Urheberrecht) gelesen und verstanden haben und ihnen zustimmen und sie akzeptieren.  Wenn Sie nicht damit einverstanden sind, alle Bedingungen dieser Vereinbarung einzuhalten, müssen Sie die Nutzung einstellen und alle in Ihrem Besitz befindlichen Kopien der elektronischen Werke von Project Gutenberg-tm zurückgeben oder vernichten.
Wenn Sie eine Gebühr für den Erhalt einer Kopie oder den Zugriff auf ein elektronisches Werk von Project Gutenberg-tm bezahlt haben und den Bedingungen dieser Vereinbarung nicht zustimmen, können Sie von der Person oder dem Unternehmen, an die/das Sie die Gebühr bezahlt haben, eine Rückerstattung gemäß Abschnitt 1.E.8 erhalten.

1.B.  „Project Gutenberg“ ist eine eingetragene Marke.  Es darf nur von Personen verwendet oder in irgendeiner Weise mit einem elektronischen Werk in Verbindung gebracht werden, die sich mit den Bedingungen dieser Vereinbarung einverstanden erklären.  Es gibt einige Dinge, die Sie mit den meisten elektronischen Werken des Project Gutenberg-tm tun können, auch ohne die vollständigen Bedingungen dieser Vereinbarung einzuhalten.  Siehe Absatz 1.C unten.  Sie können mit den elektronischen Werken des Project Gutenberg-tm eine Menge tun, wenn Sie die Bedingungen dieser Vereinbarung einhalten und dazu beitragen, den kostenlosen zukünftigen Zugriff auf die elektronischen Werke des Project Gutenberg-tm zu erhalten.  Siehe Absatz 1.E unten.

1.C.  Die Project Gutenberg Literary Archive Foundation („die Stiftung“ oder PGLAF) besitzt das Urheberrecht an der Sammlung elektronischer Werke des Project Gutenberg™.  Fast alle Einzelwerke der Sammlung sind in den Vereinigten Staaten gemeinfrei.  Wenn ein einzelnes Werk in den Vereinigten Staaten gemeinfrei ist und Sie sich in den Vereinigten Staaten befinden, erheben wir keinen Anspruch darauf, Sie daran zu hindern, das Werk zu kopieren, zu verbreiten, aufzuführen, anzuzeigen oder abgeleitete Werke zu erstellen, solange sämtliche Verweise auf Project Gutenberg entfernt werden.  Natürlich hoffen wir, dass Sie die Mission von Project Gutenberg-tm, den freien Zugang zu elektronischen Werken zu fördern, unterstützen, indem Sie Project Gutenberg-tm-Werke unter Einhaltung der Bedingungen dieser Vereinbarung zur Wahrung der mit dem Werk verbundenen Verbindung zum Namen Project Gutenberg-tm kostenlos weitergeben.  Sie können die Bedingungen dieser Vereinbarung problemlos einhalten, indem Sie dieses Werk im gleichen Format mit der beigefügten vollständigen Project Gutenberg-tm-Lizenz belassen, wenn Sie es kostenlos mit anderen teilen.

1.D.  Die Urheberrechtsgesetze des Ortes, an dem Sie sich befinden, bestimmen auch, was Sie mit diesem Werk tun dürfen.  Die Urheberrechtsgesetze unterliegen in den meisten Ländern einem ständigen Wandel.  Wenn Sie sich außerhalb der Vereinigten Staaten befinden, prüfen Sie zusätzlich zu den Bedingungen dieser Vereinbarung die Gesetze Ihres Landes, bevor Sie dieses Werk oder ein anderes Werk von Project Gutenberg-tm herunterladen, kopieren, anzeigen, vorführen, verteilen oder darauf basierende abgeleitete Werke erstellen.  Die Stiftung macht keine Angaben zum Urheberrechtsstatus irgendwelcher Werke in Ländern außerhalb der Vereinigten Staaten.

1.E.  Sofern Sie nicht alle Verweise auf Project Gutenberg entfernt haben: 1.E.1.  Der folgende Satz muss, zusammen mit aktiven Links zu oder einem anderen direkten Zugriff auf die vollständige Project Gutenberg™-Lizenz, gut sichtbar erscheinen, wann immer eine Kopie eines Project Gutenberg™-Werkes (jedes Werk, auf dem der Ausdruck „Project Gutenberg“ erscheint oder mit dem der Ausdruck „Project Gutenberg“ in Verbindung steht) aufgerufen, angezeigt, aufgeführt, betrachtet, kopiert oder verbreitet wird: Dieses eBook ist für jedermann überall kostenlos und nahezu ohne Einschränkungen nutzbar.  Sie dürfen es unter den Bedingungen der Project Gutenberg-Lizenz, die diesem eBook beiliegt oder online unter www.gutenberg.org 1.E.2 verfügbar ist, kopieren, weitergeben oder wiederverwenden.  Wenn ein einzelnes elektronisches Werk von Project Gutenberg-tm aus der Gemeinfreiheit stammt (keinen Hinweis enthält, dass es mit der Erlaubnis des Urheberrechtsinhabers veröffentlicht wurde), kann das Werk kopiert und an jede Person in den Vereinigten Staaten verteilt werden, ohne dass dafür Gebühren oder Kosten anfallen.  Wenn Sie ein Werk weiterverbreiten oder den Zugang dazu ermöglichen, wobei der Begriff „Project Gutenberg“ mit dem Werk verbunden ist oder auf dem Werk erscheint, müssen Sie entweder die Anforderungen der Absätze 1.E.1 bis 1.E.7 erfüllen oder die Genehmigung zur Verwendung des Werkes und der Marke Project Gutenberg-tm gemäß den Absätzen 1.E.8 oder 1.E.9 einholen.

1.E.3.  Wenn ein einzelnes elektronisches Werk von Project Gutenberg-tm mit der Erlaubnis des Urheberrechtsinhabers veröffentlicht wird, müssen Ihre Nutzung und Verbreitung sowohl den Absätzen 1.E.1 bis 1.E.7 als auch allen weiteren vom Urheberrechtsinhaber auferlegten Bedingungen entsprechen.  Für alle Werke, die mit der Genehmigung des Urheberrechtsinhabers veröffentlicht werden, der am Anfang dieses Werks genannt wird, werden zusätzliche Bedingungen mit der Project Gutenberg-tm-Lizenz verknüpft.

1.E.4.  Trennen oder entfernen Sie nicht die vollständigen Lizenzbedingungen von Project Gutenberg-tm von diesem Werk oder von Dateien, die einen Teil dieses Werks oder eines anderen mit Project Gutenberg-tm verbundenen Werks enthalten.

1.E.5.  Es ist nicht gestattet, dieses elektronische Werk oder Teile davon zu kopieren, anzuzeigen, vorzuführen, zu verteilen oder weiterzugeben, ohne den in Abschnitt 1.E.1 dargelegten Satz mit aktiven Links oder sofortigem Zugriff auf die vollständigen Bedingungen der Project Gutenberg-tm-Lizenz deutlich sichtbar anzuzeigen.

1.E.6.  Sie dürfen dieses Werk in jede binäre, komprimierte, markierte, nicht proprietäre oder proprietäre Form konvertieren und verteilen, einschließlich jeder Textverarbeitungs- oder Hypertext-Form.  Wenn Sie jedoch Zugriff auf oder Kopien eines Werkes des Projekts Gutenberg™ in einem anderen Format als „Plain Vanilla ASCII“ oder einem anderen Format, das in der offiziellen Version auf der offiziellen Website des Projekts Gutenberg™ (www.gutenberg.org) verwendet wird, bereitstellen, müssen Sie dem Benutzer ohne zusätzliche Kosten, Gebühren oder Aufwendungen eine Kopie, ein Mittel zum Exportieren einer Kopie oder ein Mittel zum Erhalt einer Kopie auf Anfrage des Werkes in seiner ursprünglichen „Plain Vanilla ASCII“- oder einer anderen Form zur Verfügung stellen.  Jedes alternative Format muss die vollständige Project Gutenberg-tm-Lizenz gemäß Abschnitt 1.E.1 enthalten.

1.E.7.  Verlangen Sie keine Gebühr für den Zugriff auf, die Anzeige, Darstellung, Aufführung, Vervielfältigung oder Verbreitung von Werken des Project Gutenberg-tm, es sei denn, Sie halten sich an Absatz 1.E.8 oder 1.E.9.

1.E.8.  Sie dürfen für Kopien, für die Bereitstellung des Zugriffs auf oder für die Verbreitung elektronischer Werke von Project Gutenberg-tm eine angemessene Gebühr verlangen, vorausgesetzt, dass Sie eine Lizenzgebühr in Höhe von 20 % des Bruttogewinns zahlen, den Sie aus der Verwendung der Werke von Project Gutenberg-tm erzielen, berechnet nach der Methode, die Sie bereits zur Berechnung Ihrer anfallenden Steuern verwenden.  Die Gebühr steht dem Inhaber des Warenzeichens Project Gutenberg-tm zu, er hat sich jedoch bereit erklärt, die Lizenzgebühren gemäß diesem Absatz an die Project Gutenberg Literary Archive Foundation zu spenden.  Lizenzgebühren müssen innerhalb von 60 Tagen nach dem Datum gezahlt werden, an dem Sie Ihre regelmäßige Steuererklärung vorbereiten (oder gesetzlich vorbereiten müssen).  Lizenzgebühren sollten deutlich als solche gekennzeichnet und an die Project Gutenberg Literary Archive Foundation unter der in Abschnitt 4 „Informationen zu Spenden an die Project Gutenberg Literary Archive Foundation“ angegebenen Adresse gesendet werden. – Sie leisten eine vollständige Rückerstattung aller von einem Nutzer gezahlten Beträge, wenn dieser Ihnen innerhalb von 30 Tagen nach Erhalt schriftlich (oder per E-Mail) mitteilt, dass er den Bedingungen der vollständigen Project Gutenberg™-Lizenz nicht zustimmt.  Sie müssen von einem solchen Benutzer die Rückgabe oder Vernichtung sämtlicher auf einem physischen Datenträger vorhandener Kopien der Werke verlangen und die Nutzung sowie den Zugriff auf andere Kopien der Werke von Project Gutenberg-tm einstellen.

- Sie leisten gemäß Abschnitt 1.F.3 eine vollständige Rückerstattung aller für ein Werk oder ein Ersatzexemplar gezahlten Beträge, wenn ein Mangel im elektronischen Werk festgestellt und Ihnen innerhalb von 90 Tagen nach Erhalt des Werks gemeldet wird.

– Sie halten alle anderen Bedingungen dieser Vereinbarung zur kostenlosen Verbreitung von Werken des Project Gutenberg-tm ein.

1.E.9.  Wenn Sie eine Gebühr erheben oder ein elektronisches Werk oder eine Gruppe von Werken von Project Gutenberg-tm zu anderen als den in dieser Vereinbarung festgelegten Bedingungen vertreiben möchten, müssen Sie die schriftliche Genehmigung sowohl der Project Gutenberg Literary Archive Foundation als auch von Michael Hart, dem Eigentümer der Marke Project Gutenberg-tm, einholen.  Kontaktieren Sie die Stiftung wie in Abschnitt 3 unten beschrieben.

1.F.

1.F.1.  Die Freiwilligen und Mitarbeiter von Project Gutenberg unternehmen erhebliche Anstrengungen, um gemeinfreie Werke zu identifizieren, Urheberrechtsrecherchen durchzuführen, sie zu transkribieren und Korrektur zu lesen, um die Project Gutenberg-tm-Sammlung zu erstellen.  Trotz dieser Bemühungen können die elektronischen Werke des Projekts Gutenberg™ und die Datenträger, auf denen sie gespeichert sind, „Mängel“ aufweisen, wie beispielsweise unvollständige, ungenaue oder beschädigte Daten, Übertragungsfehler, Urheberrechtsverletzungen oder Verletzungen anderer geistiger Eigentumsrechte, defekte oder beschädigte Datenträger oder andere Datenträger, Computerviren oder Computercodes, die Ihre Geräte beschädigen oder von diesen nicht gelesen werden können.

1.F.2.  BESCHRÄNKTE GARANTIE, HAFTUNGSAUSSCHLUSS - Mit Ausnahme des in Absatz 1.F.3 beschriebenen "Rechts auf Ersatz oder Rückerstattung" schließen die Project Gutenberg Literary Archive Foundation, die Inhaberin der Marke Project Gutenberg-tm, und jede andere Partei, die ein elektronisches Werk von Project Gutenberg-tm im Rahmen dieser Vereinbarung verbreitet, jegliche Haftung Ihnen gegenüber für Schäden, Kosten und Auslagen, einschließlich Anwaltskosten, aus.  SIE STIMMEN ZU, DASS IHNEN BEI FAHRLÄSSIGKEIT, VERSCHULDENSUNABHÄNGIGER HAFTUNG, GARANTIEVERLETZUNG ODER VERTRAGSVERLETZUNG KEINE RECHTSMITTEL ZUSTEHEN, AUSSER DEN IN ABSATZ 1.F.3 VORGESEHENEN.  SIE STIMMEN ZU, DASS DIE STIFTUNG, DER MARKENINHABER UND JEDER VERTRIEBSPARTNER IM RAHMEN DIESER VEREINBARUNG IHNEN GEGENÜBER NICHT FÜR TATSÄCHLICHE, DIREKTE, INDIREKTE, FOLGE-, STRAF- ODER ZUFÄLLIGE SCHÄDEN HAFTBAR SIND, SELBST WENN SIE AUF DIE MÖGLICHKEIT DERARTIGER SCHÄDEN HINWEIS GEBEN.

1.F.3.  BEGRENZTES RECHT AUF ERSATZ ODER RÜCKERSTATTUNG - Sollten Sie innerhalb von 90 Tagen nach Erhalt dieses elektronischen Werks einen Defekt feststellen, können Sie sich den dafür gezahlten Betrag (sofern vorhanden) zurückerstatten lassen, indem Sie der Person, von der Sie das Werk erhalten haben, eine schriftliche Erklärung zukommen lassen.  Wenn Sie das Werk auf einem körperlichen Datenträger erhalten haben, müssen Sie den Datenträger mit Ihrer schriftlichen Erklärung zurücksenden.  Die Person oder das Unternehmen, die Ihnen das mangelhafte Werk bereitgestellt haben, können sich dafür entscheiden, anstelle einer Rückerstattung ein Ersatzexemplar bereitzustellen.  Wenn Sie das Werk in elektronischer Form erhalten haben, kann die Person oder Stelle, die es Ihnen bereitgestellt hat, Ihnen anstelle einer Rückerstattung eine zweite Gelegenheit geben, das Werk elektronisch zu erhalten.  Sollte auch das zweite Exemplar mangelhaft sein, können Sie ohne weitere Möglichkeit zur Mängelbeseitigung schriftlich eine Rückerstattung verlangen.

1.F.4.  Mit Ausnahme des in Absatz 1.F.3 genannten beschränkten Rechts auf Ersatzlieferung oder Rückerstattung wird Ihnen dieses Werk „AS-IS“ und ohne weitere ausdrückliche oder stillschweigende Gewährleistungen jeglicher Art, einschließlich, aber nicht beschränkt auf Gewährleistungen der Marktgängigkeit oder Eignung für einen bestimmten Zweck, zur Verfügung gestellt.

1.F.5.  In einigen Staaten ist der Haftungsausschluss für bestimmte stillschweigende Garantien oder der Ausschluss bzw. die Einschränkung bestimmter Schadensarten nicht zulässig.
Wenn ein in dieser Vereinbarung festgelegter Haftungsausschluss oder eine Einschränkung gegen das Recht des Staates verstößt, dem diese Vereinbarung unterliegt, ist die Vereinbarung so auszulegen, dass der größtmögliche Haftungsausschluss oder die größtmögliche Einschränkung gilt, die gemäß dem Recht des jeweiligen Staates zulässig ist.  Die Ungültigkeit oder Undurchsetzbarkeit einzelner Bestimmungen dieser Vereinbarung hat nicht die Unwirksamkeit der übrigen Bestimmungen zur Folge.

1.F.6.  SCHADENSERSATZ - Sie erklären sich damit einverstanden, die Stiftung, den Markeninhaber, alle Vertreter oder Mitarbeiter der Stiftung, alle Personen, die gemäß dieser Vereinbarung Kopien der elektronischen Werke von Project Gutenberg-tm bereitstellen, und alle Freiwilligen, die mit der Herstellung, Förderung und Verbreitung der elektronischen Werke von Project Gutenberg-tm in Verbindung stehen, von aller Haftung, Kosten und Ausgaben, einschließlich Rechtskosten, freizustellen und schadlos zu halten, die direkt oder indirekt aus einem der folgenden von Ihnen ausgeführten oder verursachten Handlungen entstehen: (a) Verbreitung dieses oder eines anderen Werks von Project Gutenberg-tm, (b) Änderung, Modifikation oder Hinzufügung oder Löschung eines Werks von Project Gutenberg-tm und (c) jeglicher von Ihnen verursachter Defekt.


Abschnitt 2.  Informationen zur Mission von Project Gutenberg-tm Project Gutenberg-tm steht für die kostenlose Verbreitung elektronischer Werke in Formaten, die von den unterschiedlichsten Computern gelesen werden können, darunter veraltete, alte, mittelalte und neue Computer.  Es existiert dank des Einsatzes Hunderter Freiwilliger und Spenden von Menschen aus allen Gesellschaftsschichten.

Freiwillige und finanzielle Unterstützung, um den Freiwilligen die benötigte Hilfe zukommen zu lassen, sind entscheidend für das Erreichen der Ziele von Project Gutenberg-tm und dafür, dass die Sammlung von Project Gutenberg-tm auch für kommende Generationen frei zugänglich bleibt.  Im Jahr 2001 wurde die Project Gutenberg Literary Archive Foundation gegründet, um Project Gutenberg-tm und zukünftigen Generationen eine sichere und dauerhafte Zukunft zu bieten.
Weitere Informationen zur Project Gutenberg Literary Archive Foundation und dazu, wie Sie mit Ihrem Einsatz und Ihren Spenden helfen können, finden Sie in den Abschnitten 3 und 4 sowie auf der Informationsseite der Foundation unter www.gutenberg.org, Abschnitt 3.  Informationen über die Project Gutenberg Literary Archive Foundation: Die Project Gutenberg Literary Archive Foundation ist eine gemeinnützige 501(c)(3)-Bildungsgesellschaft, die nach den Gesetzen des Staates Mississippi organisiert ist und von der Steuerbehörde IRS (Internal Revenue Service) von der Steuer befreit ist.  Die EIN oder Bundessteueridentifikationsnummer der Stiftung lautet 64-6221541.  Beiträge an die Project Gutenberg Literary Archive Foundation sind im vollen Umfang steuerlich absetzbar, soweit dies in den USA zulässig ist. Bundesgesetze und die Gesetze Ihres Bundesstaates.

Der Hauptsitz der Stiftung befindet sich in der Melan Dr. 4557. S.
Fairbanks, AK, 99712., aber seine Freiwilligen und Mitarbeiter sind über zahlreiche Standorte verstreut.  Die Geschäftsstelle befindet sich in 809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887.  E-Mail-Kontaktlinks und aktuelle Kontaktinformationen finden Sie auf der Website der Stiftung und der offiziellen Seite unter www.gutenberg.org/contact. Für weitere Kontaktinformationen: Dr. Gregory B. Newby Geschäftsführer und Direktor[E-Mail geschützt] 

Abschnitt 4. Informationen zu Spenden an die Project Gutenberg Literary Archive Foundation Project Gutenberg-tm ist auf breite öffentliche Unterstützung und Spenden angewiesen und kann ohne diese nicht überleben, um seine Mission zu erfüllen, die Anzahl gemeinfreier und lizenzierter Werke zu erhöhen, die in maschinenlesbarer Form frei verteilt werden können und auf die verschiedensten Geräte, auch veraltete Geräte, zugegriffen werden kann. Viele kleine Spenden (1 bis 5,000 US-Dollar) sind besonders wichtig, um den Steuerbefreiungsstatus beim IRS aufrechtzuerhalten. Die Stiftung verpflichtet sich, die Gesetze zu Wohltätigkeitsorganisationen und wohltätigen Spenden in allen 50 Bundesstaaten der USA einzuhalten. Die Compliance-Anforderungen sind nicht einheitlich und es erfordert erheblichen Aufwand, viel Papierkram und viele Gebühren, um diese Anforderungen zu erfüllen und aufrechtzuerhalten. Wir bitten nicht um Spenden an Orten, für die wir keine schriftliche Bestätigung der Einhaltung erhalten haben. Um SPENDEN zu SENDEN oder den Konformitätsstatus für einen bestimmten Staat zu ermitteln, besuchen Sie www.gutenberg.org/donate. Obwohl wir keine Beiträge aus Staaten erbitten können und dies auch nicht tun, deren Anforderungen wir nicht erfüllen, ist uns kein Verbot bekannt, unaufgeforderte Spenden von Spendern aus solchen Staaten anzunehmen, die sich mit Spendenangeboten an uns wenden. Internationale Spenden werden dankbar angenommen, wir können jedoch keine Aussagen zur steuerlichen Behandlung von Spenden machen, die wir von außerhalb der Vereinigten Staaten erhalten. Die US-Gesetze allein überfordern unsere kleine Belegschaft. Aktuelle Spendenmethoden und -adressen finden Sie auf den Webseiten von Project Gutenberg. Spenden werden auf verschiedene andere Arten angenommen, darunter Schecks, Online-Zahlungen und Kreditkartenspenden. Um zu spenden, besuchen Sie bitte: www.gutenberg.org/donate. Abschnitt 5. Allgemeine Informationen zu elektronischen Werken von Project Gutenberg-tm. Professor Michael S. Hart war der Begründer des Project Gutenberg-tm-Konzepts einer Bibliothek elektronischer Werke, die kostenlos mit jedem geteilt werden können. Vierzig Jahre lang produzierte und verteilte er E-Books von Project Gutenberg-tm mit nur einem losen Netzwerk von Freiwilligen. E-Books von Project Gutenberg-tm werden häufig aus mehreren gedruckten Ausgaben erstellt, die alle in den USA als Public Domain bestätigt sind, sofern kein Copyright-Vermerk enthalten ist. Daher halten wir E-Books nicht unbedingt an eine bestimmte Papierausgabe an. Die meisten Leute beginnen auf unserer Website, auf der sich die Hauptsuchfunktion für PG befindet: www.gutenberg.org. Diese Website enthält Informationen zu Project Gutenberg-tm, darunter Informationen dazu, wie Sie an die Project Gutenberg Literary Archive Foundation spenden können, wie Sie bei der Erstellung unserer neuen E-Books helfen können und wie Sie unseren E-Mail-Newsletter abonnieren können, um über neue E-Books informiert zu werden.


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